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Die gewaltfreie Kommunikation im Bereich der Sozialen Arbeit

Studienarbeit 2016 15 Seiten

Soziale Arbeit / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Begriffsdefinitionen der Themeninhalte
2.1 Die Definition von Gewalt und Gewaltfreiheit
2.2 Die Definition von Kommunikation
2.3 Die Definition der Soziale Arbeit

3 Die gewaltfreie Kommunikation – Allgemeine Angaben

4 Die gewaltfreie Kommunikation in der sozialen Arbeit

5 Schwierigkeiten der Umsetzung der gewaltfreien Kommunikation im Alltag

6 Fazit

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Ein indischer Philosoph mit dem Namen „Krishnamurti“ sagte einst: „Beobachten ohne zu Bewerten ist die höchste Form der menschlichen Intelligenz“. Der Begründer der gewaltfreien Kommunikation, Marshall B. Rosenberg, ein US- amerikanischer Psychologe, sagte: „Wenn du Interpretation vermeiden willst, frage nach“. Diese Zitate stehen in Verbindung mit der Thematik der gewaltfreien Kommunikation. Im Grunde kommunizieren wir tagtäglich. Fast immer und überall. Sei es mit unserer Sprache oder nonverbal per Mimik und Gestik. Oft wissen wir auch schon anhand von Blicken oder einer bestimmten Körperhaltung wie unserem Gegenüber gerade zumute ist. Eine wirklich tolle Gabe, Gefühle aussenden und sie im Gegenzug auch von anderen interpretieren und wahrnehmen zu können. Was passiert aber wenn Personen keine Empathie für andere empfinden können und eine Kommunikation nur gewaltsam, mit Ärger und Stress bestückt, stattfinden kann? In der folgenden Studienarbeit mit dem Thema „Die gewaltfreie Kommunikation im Bereich der Sozialen Arbeit“ möchte ich eine Brücke zwischen Theorie und Praxis schlagen und Bezug auf meine Tätigkeit als angehende Sozialpädagogin nehmen. Ich werde theoretische Ansätze erarbeiten und thematisieren und diese auf die Möglichkeit ihrer Anwendung in der Praxis untersuchen. Um das Thema transparent zu gestalten werde ich zu Beginn meiner Ausarbeitung Begriffe, welche sich explizit auf das Thema beziehen, definieren. Anschließend erläutere ich die gewaltfreie Kommunikation und gehe auf deren Entstehung und Anwendung in der Sozialen Arbeit ein. Die gewaltfreie Kommunikation im Bezug auf die soziale Arbeit bildet den letzten Gliederungspunkt. Ich stellte mir bei der Auswahl dieses Themas die Frage, ob ich in meinem Tätigkeitsbereich, während der Arbeit, gewaltfrei mit meinen Kollegen und Klienten kommuniziere. Ein respektvolles Miteinander ist für mich natürlich eine Selbstverständlichkeit, welche ich auf meine Kinder und Jugendlichen und Kollegen beziehe. Jedoch fiel mir auf, dass ich einen ganz anderen Umgang mit den Klienten pflege als mit den anderen Erziehern. Sicherlich spielt dabei die Tatsache des entsprechenden Durchsetzungsvermögens, der dringlichen Respektierung der Kinder und Jugendlichen meiner Person sowie die Größe der Gruppen und meine Arbeitszeiten eine bedeutende Rolle. Ich kommuniziere ruhig und gelassen mit den Kindern und Jugendlichen, vorausgesetzt sie befolgen meine Anweisungen und achten auf die ihnen vorgegeben Normen und Regeln der Einrichtung. Reflektiere ich allerdings meine Tätigkeit an stressigen Tagen und in Situationen die sehr belastend waren, fällt mir auf, dass ich oftmals sehr laut werde – gehört dieses Verhalten bereits zu einer gewaltvollen Kommunikation und wie kann ich eine andere Reaktion hervorrufen wenn die Situation zu eskalieren scheint? Diese Fragen möchte ich mit der folgenden Studienarbeit ebenfalls auf den Grund gehen und erarbeiten, wie sich Erzieher und Sozialpädagogen in Situationen der Überforderung beruhigen und gewaltfrei kommunizieren können.

2 Begriffsdefinitionen der Themeninhalte

Einleitend werden in den folgenden Gliederungspunkten dieser Studienarbeit die Begriffe, welche sich in dem Thema wiederfinden, kurz erläutert und definieren. Zielführend soll demzufolge ein kurzer Abriss und Einstieg geschaffen werden, welcher das Verständnis der beschriebenen Problematik vereinfacht.

2.1 Die Definition von Gewalt und Gewaltfreiheit

Laut dem Duden Rechtschreibwörterbuch ist Gewalt: „ die Macht, das Befugnis, das Recht und die Mittel, über jemanden, etwas zu bestimmen [oder] zu herrschen; 2. a. unrechtmäßiges Vorgehen, wodurch jemand zu etwas gezwungen wird, b. [gegen jemand, etwas rücksichtslos angewendete] physische oder psychische Kraft, mit der etwas erreicht wird; 3. (gehoben) elementare Kraft von zwingender Wirkung“. Jeder Mensch definiert den Begriff Gewalt anders und auf ganz eigene Art und Weise. Das Empfinden Gewalt zu verspüren kann in unterschiedlichen Ebenen wahrgenommen werden und wird individuell empfunden. Vereinfacht ausgedrückt, ist Gewalt ein Instrument, das verwendet wird, um einer anderen Person den eigenen Willen oder das eigene Anliegen aufzudrängen oder sie zu etwas zu zwingen, was sie gar nicht möchte. Anders: Gewalt ist die Macht über einen Menschen zu bestimmen, ihn zu nötigen und ihn zu drängen. Gewalt lässt sich in zwei Arten unterteilen: seelische und körperliche Gewalt. Die seelische Gewalt wird in Form von Erpressungen, Drohungen oder sonstigen einjagen von Angstzuständen ausgedrückt. Die körperliche Gewalt zeigt sich Form von Übergriffen auf den Körper einer Person. Beispielsweise durch Tritte oder Schläge. Gewalt ist ein Begriff sozialer Prozesse, in welchem individuelles Handeln und strukturelle Bedingungen zusammenwirken. In jeder Lebensphase oder Lebenslage können Menschen von Gewalt betroffen sein. Die meisten Personen haben bereits Gewalt, in irgendeiner Form, in ihrem Leben erlebt. Gewalt wird ausgeübt, wenn eine Person ihre eigenen Bedürfnisse, ohne Rücksicht auf die Bedürfnisse Anderer, durchsetzt (vgl. Heitmeyer, Hagan 2002, S. 45 - 47). Im Gegenzug wird die Gewaltfreiheit im deutschen Rechtschreibwörterbuch Duden als: „gewaltfreie Vorgehensweise“ definiert und ist im Grunde selbsterklärend. Sie beschreibt eine Form, in welcher die Bedürfnisse aller beteiligten Individuen beachtet und respektiert werden. Mit Sicherheit ein revolutionärer Gedanken, der sich jedoch im Zusammenleben der Menschen kaum verwirklichen lässt.

2.2 Die Definition von Kommunikation

Laut dem deutschen Rechtschreibwörterbuch Duden ist die Kommunikation: „ eine Verständigung untereinander; ein zwischenmenschlicher Verkehr besonders mithilfe von Sprache und Zeichen.“ Menschen kommunizieren im Grunde dauerhaft miteinander. Dazu dienen nicht nur die Sprache sondern auch nonverbale Ausdrücke. Das bedeutet, dass eine Person seinem Gegenüber mithilfe von Gesten, Gesichtsausdrücken oder Blickkontakten verschiedene Signale senden und ihm so vermitteln kann, welchen Gefühlszustand sie grad betrifft. Alle Sinneseindrücke, die einem Menschen entgegen gebracht werden, sei es durch Worte oder einfach die Beobachtung Anderer, hängen von Faktoren ab, die zu einer subjektiven Interpretation und der damit verbundenen Reaktion führen. Eine gute und gewaltfreie Kommunikation kann erlernt werden. Menschen denen es schwer fällt mit anderen zu kommunizieren müssen diesen Zustand nicht dauerhaft aushalten und haben die Möglichkeit etwas an ihrer Kommunikationsfähigkeit zu ändern. Bis dato haben sich einige Menschen mit genau dieser Thematik auseinandergesetzt und Konzepte zum erlenen gewaltfreier Kommunikation entwickelt. (vgl. Neick 2011, S. 23).

2.3 Die Definition der Soziale Arbeit

Die „soziale Arbeit“ stellt einen komplexen und sehr vielfältigen Arbeitsbereich dar. Gegenstand der sozialen Arbeit ist eine Übersetzungsarbeit mit kultureller Diversifikation zwischen sozialen Schichten und Klassen, Erwachsenen- und Jugendkulturen, Männlichkeits- und Weiblichkeitskulturen, überdies zwischen städtischen und ländlichen Kulturmustern als auch zwischen professions-, basis-, verwaltungsbezogenen- und Wissenschaftskulturen. In der Arbeit mit allen Alters-, Entwicklungs- und Zustandssituationen von Menschen zeigt sich die Vielfalt der Problemlagen und Zielgruppen sozialer Arbeit. Die Soziale Arbeit steht in einem Prozess ständiger Veränderung. Sie stellt eine Gradwanderung zwischen Warten und Handeln und mit ständiger Verbindung zum Klienten dar – folglich: ein Prozess der dauerhaften Kommunikation (vgl. Schröer 2006, S. 4).

Diese drei definierten Begriffe im Kontext zueinander zu betrachten bildet die Grundlage für das Thema dieser Studienarbeit. Die gewaltfreie Kommunikation in der sozialen Arbeit ist unerlässlich, erfordert Persönlichkeit und Empathie.

3 Die gewaltfreie Kommunikation – Allgemeine Angaben

In der gewaltfreien Kommunikation ist es das Ziel den Kommunikationsfluß zu erleichtern. Dieser ist von bedeutender Relevanz Konflikte und Informationsaustäusche friedlich zu regeln. Dabei liegt der Fokus auf Bedürfnissen und Werten, die alle Individuen gemeinsam haben und die Menschen zu einem Sprachgebrauch motiviert, der ein Gefühl des Wohlwollens verstärkt. Jedes Individuum neigt dazu auf eine bestimmte und persönliche Art und Weise zu kommunizieren die es ihm besonders einfach macht. Das meint, dass Konflikte und Problemsituationen in den meisten Fällen nicht kommuniziert werden und somit häufig eine Barriere zwischen einem friedvollen Miteinander darstellen. Daher soll eine Sprachanwendung, die zu Abwertung oder Ablehnung führt, abgelehnt und vermieden werden. Grundgedanke der gewaltfreien Kommunikation ist nicht aus Schuld, Angst oder Scham zu handeln, sondern das Leben zu bereichern. Der Kontakt und Umgang zwischen Menschen soll aufgrund gut überlegter Handlungs- und Kommunikationsweisen positiv gestaltet werden (vgl. Rosenberg 2012, S. 0). Ziele der gewaltfreien Kommunikation liegen in der Veränderung der sprachlichen Ausdrucksweisen und des Zuhörens. Personen sollen dazu befähigt werden einen erweiterten Bedürfnis- und Gefühlswortschatz zu erlernen, um ihre Wahrnehmungen und Gefühle detailliert auszudrücken zu können. Somit sollen die Bedürfnisse aller berücksichtigt und wahrgenommen werden, indem Lösungsansätze entwickelt werden, die auf gegenseitigem Respekt, Rücksichtnahme und Konsens basieren. Die Übernahme von Verantwortung für das eigene Handeln und Denken steht dabei im Vordergrund und es soll einen Verzicht auf „lebensentfremdende Kommunikation“, sprich moralische Diagnosen, Vergleiche oder Urteile, getroffen werden, sowie die Entstehung einer empathischen Haltung gegenüber anderen und sich selbst. Alte Muster von Rückzug und Verteidigung sollen zielführend aufgebrochen und aufgelöst werden (vgl. Rosenberg 2012, S. 35-37). Auf der zwischenmenschlichen Ebene bestehen folgende Ziele der gewaltfreien Kommunikation:

- die Umgestaltung des sprachlichen Ausdrucks,
- die Anwendung einer aktiven Form des Zuhörens,
- den Ausstieg aus gewohnheitsmäßigen Reaktionen zu erlangen,
- Antworten bewusst zu wählen,
- die Gefühle und Bedürfnisse anderer bewusst wahrzunehmen,
- sich ehrlich zu klar auszudrücken,
- seinem Gegenüber respektvolle Aufmerksamkeit entgegen zu bringen,
- eigene Bedürfnisse klar zu formulieren und auf Bedürfnisse anderer einzugehen,
- die Reduzierung von Abwehr, Widerstand und gewalttätigen Reaktionen auf ein Minimum
- die Förderung von Aufmerksamkeit, Wertschätzung und Einfühlungsvermögen,
- das Bewusstsein zu entwickeln, das Werte und Bedürfnisse grundsätzlich positiv sind, aus ihnen keine Konflikte entstehen können und hinter jeder Handlung der Versuch steht diese zu erfüllen,
- die Vertretung eines humanistischen Menschenbildes.

Es geht also in der gewaltfreien Kommunikation darum, zwischenmenschliche und innere sowie gesellschaftliche und institutionelle Machtstrukturen neu zu strukturieren und aufzulösen (vgl. Bitschnau 2007, S. 49). Die gewaltfreie Kommunikation ist kein bloßes Kommunikationsmodell, sondern versteht sich vielmehr als ein Entwicklungs- und Lernprozess, der auf Dauer die Haltung gegenüber Anderen aber auch die persönliche und innere Haltung verändern soll. Theoretisch sind die Ansätze der gewaltfreien Kommunikation einfache Verhaltensstrukturen, welche die eine Person bereits besitzt und eine Andere erst erlenen muss. In der Praxis sind diese jedoch nicht für alle so einfach, wie beschrieben, umsetzbar. Aufgrund dessen werden häufig Seminare, welche für alle Persönlichkeiten zugänglich sind, angeboten. In ihnen werden theoretische Abläufe der gewaltfreien Kommunikation thematisiert und Übungen erlernt, welche es Personen, die Schwierigkeiten haben zu kommunizieren, erleichtern soll mit Anderen zu reden, Blickkontakt aufzubauen oder ihre Gefühle und Bedürfnisse mitzuteilen.

4 Die gewaltfreie Kommunikation in der sozialen Arbeit

Konstruktiv mit Gefühlen umgehen zu können, sich seiner Bewertung in schwierigen Momenten bewusst zu sein, die eigenen unerfüllten Bedürfnisse eruieren zu können, eine empathische Denkweise zu entwickeln und direkte und klare Bitten zu formulieren erfordert diverse Kompetenzen, die in der Applikation nötig sind aber nicht explizit in der gewaltfreien Kommunikation beschrieben werden. Emotionale und soziale Kompetenzen sind in der sozialen Arbeit bedeutende Eigenschaften, welche personenweise trainiert und ausgebaut werden müssen. Dafür müssen Fähigkeiten erlernt werden welche im Umgang mit anderen Personen die gewaltfreie Kommunikation fördern und gewährleisten. Bewertung und Beobachtungen zu äußern und zu trennen zeugt von einer bestehenden Differenzierungs- und Wahrnehmungskompetenz. Diesbezüglich muss sich der Mensch mit verschiedenen Komponenten auseinander setzen, diese erlenen und anwenden: erstens muss er eine Entscheidungskomponente entwickeln um das eigene Ausdrucksverhalten bewusst zu verändern. Zweitens muss die Fähigkeit angeeignet werden, Situationen differenziert und genau zu beobachten und mit den Sinnen wahrzunehmen (Wahrnehmungskomponente). Drittens handelt es sich um die Entschleunigungskomponente, sprich die Fähigkeit, bewusst mitten im Reaktionsprozess innezuhalten und aus bislang gewohnheitsmäßigen Reaktionen herauszutreten. Viertens soll das eigene Sprachverhalten und Denken reflektiert werden (Reflexionskomponente). Fünftens soll im Bereich der Differenzierungskomponente die kognitive Fähigkeit, zwischen Katalogisierung, Wahrnehmung, moralischer Bewertung und Interpretation differenziert werden. Sechstens ist das Erlangen der Fähigkeit, Situationen neutral, differenziert und real zu beschreiben, bedeutend (vgl. Bitschnau 2007, S. 78 ff.). Sind diese Komponenten erlernt und werden beherrscht ist es möglich, Gefühle mitzuteilen und zu erkennen und die emotionale Kompetenz zu verbessern. Infolgedessen haben Personen, welche achtsam mit Emotionen umgehen können, eine autonomere Persönlichkeit und können ihre eigenen Grenzen seelisch gesünder und bewusster ausleben. Sie haben eine positivere Lebenseinstellung. Das hat meist zur Folge, dass in Konfliktsituationen über eine erweiterte Handlungsmöglichkeit verfügt wird. „Je differenzierter Menschen ihre Emotionen wahrnehmen und ausdrücken können, umso differenzierter ist auch ihr Verhaltensrepertoire.“ (Britschnau 2007, S. 130) In der Zusammenarbeit mit Menschen mit sozial problematischen Verhalten, würde es nicht ausreichen zu versuchen, deren Handlungsrepertoire auszubauen und zu erweitern. Hingegen das Erlenen eines partikulären Umgangs mit Gefühlen und Emotionen hätte eine direkte Wirkung auf sozial gewünschtes Verhalten (vgl. Salisch 2002, S. IX). Die theoretischen Ansätze für eine gewaltfreie Kommunikation scheinen verständlich, einfach strukturiert und umsetzbar zu sein. In der Praxis stößt sie jedoch dort an ihre Grenzen, wo die Bereitschaft gemeinsam zu kommunizieren, nicht (mehr) existent ist. Der Aspekt geistiger Behinderungen, Kleinkinder und Menschen mit Demenz, hindert ebenfalls an der Möglichkeit sich verbal zu artikulieren. Jedoch drücken auch diese Individuen Gefühle und Bedürfnisse aus und kommunizieren auf nonverbale Art und Weise. Problematisch wird die gewaltfreie Kommunikation dann, wenn bei unterschiedlichen Interessen der Versuch entsteht, Einigung zu provozieren und zu erzielen. Gewaltfreie Kommunikation hat nicht das Ziel, eigene Interessen friedlich durchzusetzen oder mit einer neuen Technik manipulativ auf andere Menschen zu wirken. Bei der Lösung von Streitigkeiten und Konflikten steht eine beidseitige Ehrlichkeit und Offenheit im Vordergrund um neue Wege und das Trennen von Strategien und Bedürfnissen zu erreichen (vgl. Gens/ Pásztor 2005, S. 46). „Soziale Arbeit ist – Kommunikationskunst – und was für einen Chirurgen das Skalpell [ist], ist für den Sozialarbeitenden/ die Sozialarbeitende eine gelingende Kommunikation. Ein Präzisionswerkzeug das es zu beherrschen gilt. Denn sowohl bei ÄrztInnen als auch bei SozialarbeiterInnnen geht es um Menschen, um Schicksale, um Gelingen und Scheitern, Glück und Unglück. Da bleibt kein Raum für einen Mangel an Kommunikationskompetenz – im Gegenteil, hier gilt eine 0 – Fehler Toleranz.“ (Dorn 2016, S. 9) Die Fülle an Fällen, die Überforderung und äußerst hohe psychische sowie physische Belastung der Sozialarbeiter führt zu empathischen Kurzschlüssen. Sprich, ein unangebrachtes Verhalten seinem Gegenüber welches in Verbindung mit der gewaltsamen Kommunikation steht. Um die langfristigen Folgen dieser negativen Verhaltenserscheinungen zu vermeiden, ergeben sich zwei Teilziele: zum einen die Entwicklung alternativer Verhaltensweisen und zum anderen die Reflexion des eigenen Handelns. Das eigene Handeln zu reflektieren ist einer der Grundsätze der gewaltfreien Kommunikation und bringt den beidseitigen Fokus – meint: auf mich selbst und mein Gegenüber – bereits mit. Die gewaltfeie Kommunikation findet sich in vielen Bereichen der Sozialen Arbeit wieder und kann dementsprechend positiv angewandt werden. Beispielweise wird sie in Bereichen der Erziehung, Beratung, private sowie berufliche Konfliktlösung angewandt. Vorausgesetzt eine Person beherrscht sie. In der Tätigkeit eines Sozialarbeiters können die vier Schritte, zur Umsetzung einer gewaltfreien Kommunikation erstaunlich gut integriert und umgesetzt werden. Im Wesentlichen beinhalten diese:

1. eine konkrete Situation so zu beschreiben, wie sie wahrgenommen wird,
2. die Gefühle, welche in dieser Situation aktiv sind, zu äußern,
3. die Bedürfnisse zu benennen welche nicht erfüllt wurden,
4. und eine konkrete Bitte zu formulieren, wie diese Bedürfnisse erfüllt werden können.

Zu jedem dieser genannten Punkte gibt es einen Gegenpol. Hierbei wird beschrieben, was jeweils in Verbindung mit dem Handeln der vier Schritte, nicht ausgedrückt werden sollte. Es sollte quasi Beobachtet und keine Bewertung getroffen, Gefühle anstatt Gedanken zum Ausdruck gebracht, Bedürfnisse und keine Strategien ausgedrückt und Bitten anstatt Forderungen ausgesprochen werden. Es ist also von bedeutender Relevanz in seinem Tätigkeitsbereich zu überdenken welche Äußerungen man von sich gibt oder auf welche Art und Weise man mit seinem Gegenüber spricht. Um die Anwendung der gewaltfeien Kommunikation in Sozialen Berufen verstehen zu können, werden im Folgenden die vier beschriebenen Schritte noch einmal genauer thematisiert.

Die Äußerung der Beobachtung ist der erste Schritt. Wir beschreiben mit unseren eigenen Worten, was wir gesehen oder gehört haben, um eine Situation zu beschreiben. Dabei trennen wir die visuelle Wahrnehmung von der Bewertung. Statt beispielweise mit „Du bist faul!“ einen Menschen zu bewerten, sollte die Beobachtung zum Beispiel mit „Ich sehe, dass dein Hausaufgabenheft auf dem Tisch liegt und sich darin noch unerledigte Aufgaben befinden“ geäußert werden. Eine Bewertung hat oft zur Folge, dass Personen als Ganzes wahrgenommen werden und somit die Wünsche, Motivationen und Schwierigkeiten nicht im Vordergrund stehen und verstanden werden. Es wird zu oberflächlich gehandelt. Wenn sich eine Person auf das tatsächlich Beobachtbare konzentriert, ermöglicht ihr das, ihr Gegenüber zu verstehen und positiven Einfluss auf sein/ ihr Verhalten zu nehmen. Ziel des ersten Schrittes ist eine Beschreibung der Situation abzugeben, welcher der Kommunikationspartner zustimmen kann. Auf diesem Ansatzpunkt ist eine positive Gestaltung der Interaktion wesentlich wahrscheinlicher, als wenn der Dialog mit einer Bewertung beginnen würde. Eine Einigung kann und sollte bestmöglich erzielt werden.

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Details

Seiten
15
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668496514
ISBN (Buch)
9783668496521
Dateigröße
499 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v371739
Institution / Hochschule
Duale Hochschule Gera-Eisenach (ehem. Berufsakademie Thüringen in Eisenach)
Note
2,3
Schlagworte
kommunikation bereich sozialen arbeit
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Titel: Die gewaltfreie Kommunikation im Bereich der Sozialen Arbeit