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Eine Einführung in die klinische Psychologie

Studienarbeit 2016 21 Seiten

Psychologie - Arbeit, Betrieb, Organisation und Wirtschaft

Leseprobe

Inhaltsübersicht

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Psychische Störungen und wissenschaftliche Betrachtungen
2.1 Statistische Seltenheit
2.2 Verletzen von sozialen Normen
2.4 Beeinträchtigung der Lebensführung
2.5 Unangemessenes Verhalten

3. Angststörungen
3.1 Zwangsgedanken
3.2 Zwangshandlungen

4. Affektive Störungen
4.1 Gelernte Hilflosigkeit durch Nichtkontrolle
4.2 Die Attributionstheorie der Hilflosigkeit
4.3 Hoffnungslosigkeitstheorie

5. Schizophrenie
5.1 Positive Symptome
5.2 Negative Symptome

6. Persönlichkeitsstörungen
6.2 Die Borderline-Persönlichkeitsstörung

7. Substanzinduzierte Störungen
7.1 Das 12-Schritte-Programm der Anonymen Alkoholiker
7.2 Kontrolliertes Trinken

8. Psychologische Interventionen
8.1 Ablauf der Verhaltenstherapie
8.2 Vor- und Nachteile der Verhaltenstherapie

9. Resümee

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Eigene Darstellung in Anlehnung an: https://www.anonyme-alkoholiker.de/12- schritte/

Abbildung 2: Jungnitsch, G. & Schermer, F.J., Klinische Psychologie 2, 2009, Kohlhammer Verlag, S. 95

1. Einleitung

Im Rahmen des Kurses „Einführung in die klinische Psychologie“ soll sich in dieser Studienarbeit mit verschiedenen psychischen Störungen und möglichen Therapieformen beschäftigt werden. Zimbardo definiert die Psychologie als „die wissenschaftliche Untersuchung des Verhaltens von Individuen und ihren mentalen Prozessen“ (Richard J. Gerrig, Philipp G. Zimbardo, Psychologie, 2008, S.2). Die klinische Psychologie besetzt ein großes Anwendungsgebiet der Psychologie und hat sich in den letzten Jahren enorm weiterentwickelt. Das Teilgebiet befasst sich mit der Erforschung, Diagnostik und Therapie aller psychischen Störungen bei Menschen. „Die Ausweitung des Fachs Klinische Psychologie betrifft grundlagen- und anwendungswissenschaftliche Aspekte sowie die beruflichen Anwendungsfelder“ (H.-U. Wittchen, J. Hoyer, Was ist Klinische Psychologie? Definitionen, Konzepte und Modelle, 2001, S.4). Die Herausforderungen für Psychologen und Psychotherapeuten werden in den kommenden Jahren jedoch noch steigen. Unsere Gesellschaft steht im Wandel und dies wirkt sich auch auf die Erkrankungen des menschlichen Geistes aus. Haben sich die Therapeuten in den letzten Jahren bereits auf moderne Störungen, wie beispielsweise „Burn-out“ eingestellt, so gilt es nun, noch nicht komplett erforschte Veränderungen, wie den demographische Wandel oder auch die Einwanderung der vielen, völlig verstörten und verängstigten Flüchtlinge zu verstehen und effektive Therapien zu entwickeln um den davon betroffenen Menschen zu helfen. Nachfolgend soll zunächst auf die Merkmale von psychischen Störungen eingegangen werden. Anschließend werden verschiedene Äußerungen psychischer Störungen genauer erläutert und mögliche Therapieformen erklärt. Ein Resümee rundet die Arbeit ab.

2. Psychische Störungen und wissenschaftliche Betrachtungen

Eine der zentralen Aufgaben eines Psychologen oder Psychotherapeuten besteht darin, psychische Störungen beziehungsweise abweichendes Erleben und Verhalten von Individuen zu erklären und zu definieren. In der Verhaltenswissenschaft gibt es jedoch keine einheitliche und festgesetzte Definition dieser Störungen, die eine eindeutige Diagnose ermöglicht. Nach wissenschaftlicher Betrachtung liegt eine psychische Störung dann vor, wenn mehrere der nachfolgenden fünf Merkmale bei einem Menschen zutreffen.

2.1 Statistische Seltenheit

Ein gezeigtes Verhalten gilt als statistisch selten, wenn man eine deutliche Abweichung zum Verhalten der Durchschnittsbevölkerung feststellen kann. Im Umkehrschluss liegt ein „normales“ Verhalten immer dann vor, wenn dies nicht gravierend von der Normalverteilung abweicht. Eine zu voreilige Klassifikation ist jedoch mit einem Risiko verbunden, da nicht jedes außergewöhnliches Verhalten oder Merkmal auf eine psychische Störung hindeuten muss. (vgl. Davison, G., Klinische Psychologie, 2007, S.6) So lässt eine immer wieder kehrende panische Reaktion auf große Menschenmassen eventuell eine Agoraphobie vermuten, jedoch kann auch ein herausragendes Talent für die Merkfähigkeit von Zahlen als abnorm beschrieben werden, welches jedoch nicht als gestörtes Verhalten angesehen wird.

2.2 Verletzen von sozialen Normen

Ein antisoziales Verhalten liegt immer dann vor, wenn dies durch das Umfeld als Bedrohung oder Belästigung verstanden wird. Dieses Merkmal ist jedoch relativ, da in verschiedenen Kulturen und Ländern völlig andere soziale Normen vorherrschen und geduldet sind (vgl. Davison, G., Klinische Psychologie, 2007, S.6-7). So fühlen sich beispielsweise europäische Frauen nicht respektiert wenn sie von Männern nicht gleichberechtigt behandelt werden und im Gegensatz dazu gilt es in den arabischen Ländern als höchst respektabel die Frau eines anderen Mannes nicht zu beachten, beziehungsweise den Augen- und Körperkontakt zu vermeiden. Viele Menschen betrachten einen Bettler am Straßenrand ebenfalls als Belästigung, jedoch zählt die Forschung auch dieses Verhalten nicht zu einer psychischen Störung. Das Bedrohungspotential alleine kann also kein entscheidendes Kriterium sein, da sich die Gesellschaft wiederum von einem Menschen mit einer Phobie vor dem Fliegen, also Flugangst, nicht bedroht fühlt, dieses Verhalten einer Angststörung in der Psychologie allerdings als anerkannte Störung vorliegt.

2.3 Persönliches Leid

Ein weiteres Merkmal einer psychische Störung ist der individuelle Leidensdruck einer Person. Die Betroffenen erleben psychische und zum Teil auch physische Schmerzen in Folge des gestörten Verhaltens. Die Ausprägung des persönlichen Leids ist ohne Frage subjektiv und lässt sich nicht statistisch vergleichen (vgl. Davison, G., Klinische Psychologie, 2007, S.7). So kann eine Depression bei einem Patienten A zu einem Verlust des Ehepartners führen und bei einem Patienten B zu einem so hoffnungslosen Seelenzustand, dass dieser sich das Leben nehmen möchte. Auch dieses Kriterium trifft allerdings nicht auf jedes abnorme Verhalten zu. Einer der bekanntesten Serienmörder, Ted Bundy, berichtete von seinem unvorstellbaren Vergnügen beim Töten und verspürte bei seinen Taten keinerlei Leidensdruck.

2.4 Beeinträchtigung der Lebensführung

Die Folgen psychischer Erkrankungen können Auswirkungen auf alle Bereiche des Lebens bei einem Betroffenen haben. Die Beeinträchtigungen nehmen immer mehr zu, es kann den Freundes- oder Bekanntenkreis betreffen oder aber auch zu Störungen am Arbeitsplatz kommen. Eine starke Depression kann beispielsweise aus einem sehr aufgeschlossenen, sozial engagierten Menschen einen Einsiedler machen, da er sich plötzlich unter Menschen unwohl fühlt und lieber alleine sein möchte. Für Außenstehende ist so eine Veränderung oft schwer einzuschätzen und kann auch missverstanden werden. So wird ein Betroffener möglicherweise nach einiger Zeit von seinen Freunden gemieden, da diese sein abweisendes Verhalten mit Arroganz verwechseln. Natürlich kann eine psychische Störung dem Betroffenen auch erhebliche Schwierigkeiten an seinem Arbeitsplatz bereiten. Wenn man bei einer depressiven Erkrankung bleibt, könnte es dem Erkrankten zum Beispiel schwer fallen, sich in ein neues Projekt zu vertiefen, da seine Gedanken immer nur um sein persönliches Leid und die Ausweglosigkeit seiner persönlichen Situation kreisen. Auch Meetings mit Geschäftspartnern könnten problematisch werden, da statt Selbstbewusstsein Hilflosigkeit das vorherrschende Gefühl des Arbeitnehmers ist. Bei Nicht-Erkennen der Symptome oder Verschweigen der Krankheit kann dies im schlimmsten Fall zum Verlust der Arbeitsstelle führen.

2.5 Unangemessenes Verhalten

Psychische Störungen kennzeichnen sich zudem durch unangemessene Reaktionen auf bestimmte Belastungen. Natürlich muss auch hier zwischen einmaligen Erfahrungen und regelmäßig auftretenden Verhalten unterschieden werden. So gilt es durchaus als nicht gestört wenn ein Mädchen sich vor einer großen Klapperschlange fürchtet, die ihr beim Spazierengehen begegnet. Davon zu abzugrenzen wäre eine permanente Panik bei der bloßen Erwähnung des Wortes „Schlange“ oder eine immer wiederkehrende heftige Reaktionen auf Abbildungen dieser Tiere.

Zusammengefasst lässt sich keine Definition finden, mit der das gesamte Spektrum psychischer Störungen beschrieben werden kann. Treten jedoch mehrerer der genannten Merkmale gemeinsam und regelmäßig auf, so kann man von einem Vorliegen einer psychischen Störung ausgehen.

3. Angststörungen

Schätzungen zufolge haben rund 29 Prozent der Erwachsenen in ihrem Leben bereits Situationen erlebt, in denen sie Symptome einer Angststörung zeigten. Zu den Angststörungen zählt man die generalisierte Angststörung, verschiedene Phobien, Panikstörungen, posttraumatische Belastungsstörungen sowie Zwangsstörungen. Nachfolgend soll sich näher mit den Auswirkungen der Zwangsstörung beschäftigt werden, die man nach Zwangsgedanken und Zwangshandlungen unterscheiden kann (vgl. Richard J. Gerrig, Philipp G. Zimbardo, Psychologie, 2008, S.558).

3.1 Zwangsgedanken

Als Zwangsgedanken, bezeichnet man immer wieder auftretende eindringliche Gedanken, die die Betroffenen unter starkem Druck und Zwang setzen. Sie empfinden diese Gedanken als sehr unangenehm und leider stark darunter, jedoch sind sie nicht in der Lage diesen Einfluss auf ihr Bewusstsein zu unterbinden (vgl. Richard J. Gerrig, Philipp G. Zimbardo, Psychologie, 2008, S.560).

Zum Beispiel gibt es Menschen, die unter der ständigen Angst leiden, dass sie bei Verlassen des Hauses in Gefahr geraten könnten und schlimmsten Falls, ums Leben kommen. In ihnen kommt immer wieder der Gedanke an all die Gefahren, die vermeintlich außerhalb der eigenen vier Wände lauern. Zu Beginn macht sich ein beklemmendes Gefühl der Unruhe bemerkbar, wenn sie den alltäglichen Dingen des Lebens nachgehen und es kommt ihnen immer öfter ein beunruhigender Gedanke, wie zum Beispiel: „Man ließt ja immer öfter von Raubüberfällen auf offener Straße, vielleicht sollte ich lieber nicht mehr zu Fuß unterwegs sein“. Diese Wahrnehmungen werden, falls die Störung nicht entdeckt und unbehandelt bleibt, mit der Zeit immer häufiger und übertragen sich auch auf andere Bereich des Lebens. So könnte es der betroffenen Person nach einer Weile nicht mehr möglich sein, das Auto zu benutzen, da die Angst vor einem Unfall zu groß erscheint.

3.2 Zwangshandlungen

Zwangshandlungen werden von betroffenen Personen ausgeführt, um eine subjektiv empfundene bedrohliche Situation zu verhindern. Eine Zwangshandlung im Zuge einer Angststörung äußert sich in sich immer wiederholenden zweckorientierten Routinehandlungen, die auch als Ritual angesehen werden. Sehr häufig kommen diese Handlungen in Bezug auf die Reinlichkeit zum Vorschein, zum Beispiel häufiges Händewaschen. Die Handlungen sind immer gekennzeichnet durch eine eindeutige Übertreibung und ein Zunehmen der Ausführungen bei dem Erleben von Stresssituationen. Die meisten Betroffenen sehen die Unsinnigkeit ihrer Handlungen ein, können diese jedoch nicht abstellen, was zu großer Frustration und großem Leid führt (vgl. Berking, M. & Rief, W., Klinische Psychologie und Psychotherapie für Bachelor, 2012, S.114). Die betoffene Person des vorherigen Beispiels würde sich vermutlich Rituale zurechtlegen, um die draußen lauernde Gefahr genau abzuschätzen. Beispielsweise würde sie vor einem geplanten Ausflug die Nachrichten auf 20 verschiedenen Sendern überprüfen, den Wetterbericht mindestens 10 mal analysieren oder alle fünf Meter die Straßenseite wechseln um sicher zu gehen, nicht verfolgt zu werden. Bleibt eine Zwangsstörung unbehandelt, so ist von einem chronischen Verlauf auszugehen und mit zunehmenden Symptomen. Nach erfolgreicher Diagnose, meist in Form eines strukturierten klinischen Interviews, ist die Erfolgsaussicht auf Verbesserung und Heilung jedoch sehr positiv.

4. Affektive Störungen

Als affektive Störungen bezeichnet man Störungen der Stimmung, bei welchen die Betroffenen entweder übermäßig niedergeschlagen (depressiv) oder übermäßig euphorisch (manisch) sind, ohne dass eine organische Ursache zu Grunde liegt. Häufige Symptome sind Traurigkeit, ein niedriges Selbstwertgefühl, Motivationsverlust sowie körperliche Auswirkungen in Form von Appetitlosigkeit, Schlafproblemen und Müdigkeit. (vgl. https:// www.dimdi.de/static/de/klassi/icd-10-who/kodesuche/onlinefassungen/htmlamtl2013/block- f30-f39.htm) Eine der bekanntesten affektiven Störungen ist die Depression. Als kognitive Erklärungsmodelle werden die drei Theorien der gelernten Hilflosigkeit betrachtet.

4.1 Gelernte Hilflosigkeit durch Nichtkontrolle

Die Forscher Overmier und Seligmann entdeckten im Jahre 1967 eher zufällig das Phänomen der sogenannten erlernten Hilflosigkeit durch Nichtkontrolle bei einem Experiment zur Erforschung der Wirkung von Elektroschocks auf Laborhunde. Eine Gruppe von Hunden, die angeleint wurden, erfuhr dabei Elektroschocks ohne die Möglichkeit zu fliehen, während eine andere Gruppe zuvor gelernt hatte, bei Ankündigung der Schocks zu in einen anderen Bereich zu gehen. Im Gegensatz zu diesen Hunden mit Fluchtmöglichkeit stellte sich bei der Gruppe ohne Fluchtmöglichkeit nach kurzer Zeit eine Hilflosigkeit ein, sie ertrugen die Schmerzen ohne Widerstand, sie hatten gelernt dass es keinen Sinn hat sich dagegen zu wehren. Diese Hilflosigkeit führt im weiteren Verlauf zu einer Depression, die Hunde zeigten eine zunehmende Passivität, Appetitlosigkeit und verloren jegliche Motivation. Sie erforschten weiter, dass diese Theorie auch auf den Menschen anwendbar ist, im speziellen im Fall einer depressiven Erkrankung (vgl. Seligman, M.E.P, Erlernte Hilflosigkeit,1979, S.15).

4.2 Die Attributionstheorie der Hilflosigkeit

1978 veröffentlichten Seligman, Abramson und Teasdale eine veränderte Version der gelernten Hilflosigkeit, da die ursprüngliche Theorie sich als nicht völlig fehlerfrei erwiesen hatte. Mit ihrer Atrributionstheorie der Hilflosigkeit erklärten sie, dass Menschen persönlich erlebte Misserfolge einer speziellen Ursache zuschreiben (attribuieren).

[...]

Details

Seiten
21
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668507562
ISBN (Buch)
9783668507579
Dateigröße
477 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v371690
Institution / Hochschule
Hochschule für angewandtes Management GmbH
Note
1,3
Schlagworte
klinische psychologie wirtschaftspsychologie

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