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Familienerziehung zur Zeit der Aufklärung

Seminararbeit 2005 15 Seiten

Pädagogik - Geschichte der Päd.

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der historische Kontext: Das Zeitalter der Aufklärung
2.1 Politische, soziale und ökonomische Merkmale
2.2 Die Emanzipationsbewegung des Bürgertums
2.3 Folgen der Aufklärung

3. Das Jahrhundert der Aufklärung als „Das pädagogische Jahrhundert“
3.1 Die Familie als das 'das ganze Haus'
3.2 Vom ' ganzen Haus' zur bürgerlichen Kleinfamilie

4. Die bürgerliche Frau als Hausfrau, Gattin und Mutter

5. Familienerziehung heute

6. Schlussbemerkung

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Ich habe mich im Rahmen dieser Hausarbeit nur mit einem Teilbereich pädagogischer Realität beschäftigt, den das Zeitalter der Aufklärung auszeichnet: die gewaltigen Umbrüche, die in der Institution Familie erfolgten. Während sich das Seminar mit den Grundlagen der deutschen Aufklärungspädagogik beschäftigte und meiner Auffassung nach hauptsächlich die Frage im Raum stand, inwieweit sich der Staat in die Erziehung einzumischen habe, habe ich mich bewusst dafür entschieden einmal die kleinste soziale Einheit zu beleuchten, die natürlich von den gesellschaftlichen und politischen Ereignissen maßgebend beeinflusst wurde und in der Erziehung erstmalig in die Praxis umgesetzt wurde. Das Interesse an diesem Thema erwuchs aus einem generellen Interesse daran einmal nachzuforschen, wie sich die Familie historisch gewandelt hat, aus welchen Mitgliedern sie sich zu welcher Zeit zusammensetzte, welche Intention dahinter stand, mit welchen Schwierigkeiten sie zu kämpfen hatte und wie vor allem Kinder ihren Weg in das gesellschaftliche Leben fanden. Ich gehe im Rahmen dieser Arbeit auf die Familie als 'das ganze Haus' in der vorindustriellen Zeit ein, beschreibe den Wandel zur bürgerlichen Kleinfamilie – auch im Zusammenhang mit geschlechtspezifischer Erziehung und Bildung und werfe dann noch einen Blick auf die gegenwärtige Situation der Familie.

2. Der historische Kontext: Das Zeitalter der Aufklärung

Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Familienerziehung zur Zeit der Aufklärung setzt gewisse Grundkenntnisse über dieses Zeitalter voraus, die ich im Folgenden kurz darstellen möchte:

2.1 Politische, soziale und ökonomische Merkmale

„Das Zeitalter der Aufklärung bezeichnet eine Epoche in der intellektuellen Entwicklung der westlichen Gesellschaft im 16. bis 18. Jahrhundert, die besonders durch das Bestreben geprägt ist, das Denken von althergebrachten, starren und überholten Vorstellungen, Vorurteilen und Ideologien zu befreien und Akzeptanz für neu erlangtes Wissen zu schaffen.“[1] Sie setzte im ausgehenden 17.Jahrhundert in den Niederlanden und in England ein, erfasste Deutschland etwa in der Mitte des 18. Jahrhunderts. Die Entwicklung beschränkte sich nicht auf den Bereich der Philosophie und Pädagogik, sondern trat vor allem auch durch gesellschaftliche Umbrüche zu Tage. Europa war im 17. Jahrhundert weitgehend durch den Absolutismus geprägt. Unter der uneingeschränkten Herrschaft eines Adeligen, eines Fürsten oder Königs, manifestierten sich gesellschaftliche Stände (Adelige / Klerus, Bürgertum, Bauern), in die das Individuum hineingeboren wurde, die sich durch spezifische Lebensauffassungen und einen unterschiedlichen Status, was Recht und Staat betraf unterschieden. Die Lebensbedingungen waren also durch die soziale Herkunft vorbestimmt. Die Gesellschaft zur Zeit der Aufklärung war eine Agrargesellschaft. In Deutschland lebten in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts 80 % der Bevölkerung auf dem Land und die Armut ist groß. In der miserabelsten Situation befanden sich die Bauern: Sie mussten Steuern für den Staat zahlen und Abgaben für den Grundherrn leisten, auf dessen Land sie arbeiteten. Das Bürgertum, das in das niedere Bürgertum und in das höhere Bürgertum zerfiel, machte in Deutschland im Vergleich zu den Bauern eine relativ kleine Schicht aus und verfügte über keine Privilegien. An der Spitze dieser Ständegesellschaft stand der Adel, welcher zwar vom absolutistischen Herrscher politisch entmachtet worden war, aber dennoch Privilegien der Steuerfreiheit und Grundherrschaft genoss.

2.2 Die Emanzipationsbewegung des Bürgertums

Durch den Prozess der Säkularisierung verlor die Kirche ihre Orientierungsfunktion für die Menschen, der religiöse Aberglaube sollte durch den Vernunftgedanken sowie die Erkenntnisse der aufstrebenden Naturwissenschaften ersetzt werden. Im Zuge dieser Bewegung begann das höhere Bürgertum, d.h vornehmlich die ökonomisch erfolgreichen, die gottgegebene Vorherrschaft der Adeligen nicht mehr länger hinzunehmen und ihr Recht auf Selbstbestimmung zu formulieren, denn „Aufklärung“ – so hat es der deutsche Philosoph Immanuel Kant (1724 - 1805) programmatisch formuliert - „ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit […]“, „Sapere aude. Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen“[2] wurde zum Leitsatz der Bewegung. Das Bürgertum zog seine Privilegien weder aus Vorrechten der Geburt noch Besitzen, die sie geerbt hatten sondern aus seinen wirtschaftlichen und intellektuellen Leistungen. Wirtschaftlich etablierte sich das Bürgertum dadurch, dass sie die feudalistische Gesellschaft dadurch abgelöst hatten, dass der Mittelstand den freien Warentausch als allgemeine gesellschaftliche Grundlage durchsetzen konnte und das Lehnswesen zunehmend bedeutungslos werden ließ. Der intellektuelle Einfluss des Bürgertums konzentriert sich zum Beispiel sehr auf kulturelle Bereiche. So entstanden Lesezirkel, zu denen sich getroffen wurde, zahlreiche Zeitschriften erschienen, Theater wurden besucht.

2.3 Folgen der Aufklärung

Man kann behaupten, dass das Zeitalter der Aufklärung den Abschluss einer Tradition abendländischen Denkens bildete und den Weg in die Moderne wies. Natürlich zog es auch gravierende politische Folgen nach sich: „Im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg sahen viele europäische Aufklärer ein Zeichen für die Verwirklichung aufklärerischer Gedanken. Er ermutigte sie zu offener Kritik an den europäischen Monarchien. In Frankreich mündeten die gesellschaftlichen und politischen Umwälzungen sowie ein damit verbundenes erstarktes Selbstvertrauen des dritten Standes in der Französischen Revolution von 1789.“[3] Die Aufklärung ist nicht als einzige Ursache der französischen Revolution (1789 – 1799) zu betrachten, doch ihre Führer hatten sich radikal der Aufklärung verschrieben. Sie versuchten die Kirche zu entmachten und ordneten Kalender, Uhr, Maße, Geldsystem und Gesetze anhand von rein rationalen Kriterien neu. „Mit der französischen Revolution endete jedoch das Zeitalter der Aufklärung, da die Gewalt während der Schreckensherrschaft zwischen 1792 und 1794 die hohen Ideale der Epoche in Frage stellte. Dennoch bewirkte die Aufklärung bleibende geschichtliche Veränderungen. Sie führte zur Säkularisation weiter Bereiche der Gesellschaft und prägte die Idee vom politischen und wirtschaftlichen Liberalismus. Ihr Ideal der Menschenrechte wurde in viele Verfassungen aufgenommen.“[4]

Auf der anderen Seite provozierte die Fixierung auf die 'ratio' die Gegenbewegung der Romantik (1798 – 1835), einer literarischen und kunsthistorischen Epoche die die Wirklichkeit des ausgehenden 18. und beginnenden 19. Jh. radikal ablehnte, die Welt der Gefühle und der Sehsüchte für sich entdeckte, sich in diese zurückzog sowie sich der Sagen – und Mythenwelt des Mittelalters zuwandte.

3. Das Jahrhundert der Aufklärung als „Das pädagogische Jahrhundert“

Zur Zeit der Aufklärung entstand erstmalig ein erzieherisches Eigenverständnis, eine Reflektion über Sinn und Zweck der Erziehung sowie über den Menschen in seiner persönlichen Entwicklung und im Kontext seiner Zugehörigkeit zu einer Gesellschaft. was Das führte dazu, dass die Pädagogik im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts aufgrund des Ausdifferenzierungsprozesses der Wissenschaften zu einer eigenen Disziplin wurde. Man glaubte an die Vervollkommnung ("Perfektibilität") und Versittlichung des Menschen durch die Allmacht der Erziehung, so dass das 18.Jahrhundert nicht umsonst als „das pädagogische Jahrhundert“ bezeichnet wird.

3.1 Die Familie als das 'das ganze Haus'

Neben anderen sozialen Systemen ist die Familie aus dem pädagogischen Diskurs nicht mehr wegzudenken, denn „[…] die Sozialisation in Familien kann als <<primäre Sozialisation>> bezeichnet werden, weil Familien in der Regel die frühste und nachhaltigste Prägung des neu geborenen Gesellschaftsmitgliedes vornehmen.“[5] In der Fachliteratur finden sich zahlreiche Definitionen von Familie, die daher rühren dass die unterschiedlichen Familienformen im Kontext ihrer historischen und kulturellen Vielfältigkeit betrachtet werden müssen und folglich einem ständigen Wandel unterliegen.

[...]


[1] o.A > http://de.wikipedia.org/wiki/Aufkl%C3%A4rung < 28.02.2005, 15.21 Uhr

[2] Vgl. Heinz Elmar Tenorth: Die Aufklärung. Das Selbstverständnis einer Epoche. In: Rainer Winkel (Hrsg.): Pädagogische Epochen, Düsseldorf 1988, S.125

[3] o.A > http://de.encarta.msn.com/encyclopedia_761571679/Aufkl%C3%A4rung.html > 28.02.2005, 16.03 Uhr

[4] ebd

[5] Hurrelmann, K.: Einführung in die Sozialisationstheorie, Weinheim und Basel 2002, S. 127

Details

Seiten
15
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638365871
ISBN (Buch)
9783640392988
Dateigröße
530 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v37164
Institution / Hochschule
Ruhr-Universität Bochum – Pädagogik
Note
2,0
Schlagworte
Familienerziehung Zeit Aufklärung Proseminar

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Titel: Familienerziehung zur Zeit der Aufklärung