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Sharing Economy in der Hotellerie. Der Einfluss von AirBnB auf konventionelle Hotels im Berliner Übernachtungsmarkt

von Daniel S.

Bachelorarbeit 2016 55 Seiten

BWL - Allgemeines

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1 Einleitung

2 Sharing Economy
2.1 Leitgedanke und Historie der Sharing Economy
2.2 Definition der Sharing Economy und deren Ausprägungen
2.3 Funktion der Sharing Economy
2.4 Nutzungsmotive für die Sharing Economy
2.5 Modelle der Sharing Economy
2.5.1 Business-to-Consumer Sharing Modell (B2C)
2.5.2 Peer-to-Peer Sharing Modell (P2P)

3 Analyse der Geschäftsmodelle AirBnB gegenüber Moxy Hotels
3.1 Definition Geschäftsmodell
3.1.1 Business Model Canvas
3.1.2 AirBnB Business Model Canvas
3.1.3 Moxy Hotel Business Model Canvas
3.1.4 Analyse der beiden Geschäftsmodelle
3.2 Motive für AirBnB oder für eine Hotelnutzung

4 Rechte und Pflichten von AirBnB und Moxy Hotel
4.1 Unterschiede der Rechte und Pflichten von AirBnB gegenüber einem konventionellen Hotel
4.2 Kontroverse zwischen der Sharing Economy und den traditionellen Marktteilnehmern

5 Hotel- und Übernachtungsmarkt in Berlin Ist-Zustand
5.1 Struktur des Übernachtungsmarktes in Berlin
5.2 Handlungsempfehlung für die Hotels

6 Datenerhebung
6.1 Quantitative Datenerhebung
6.1.1 Zielgruppe und Rekrutierung
6.1.2 Aufbau des Fragebogens
6.2 Durchführung der Datenerhebung
6.3 Auswertung der Datenerhebung

7 Fazit

Literaturverzeichnis

Anhang

Abstract

The present work deals with the influence of the sharing economy on the hospitality industry, based on the sharing economy company AirBnB, in connection with the urban context to Berlin. It will be investigated the extent to which the influence of AirBnB is given at the Berlin overnight market and the use of motifs for AirBnB face a Hotel. The aim is to clarify, to analyze the influence of AirBnB in urban areas and at the same time the Berliner overnight market and to make the impact of AirBnB visible. The issues are discussed based on the analysis of current literature and an empirical data col­lection in the established target. As a result, it is clear that the influence of AirBnB in urban areas is strong and pronounced during short nights. Specifically, the market participants of the Berlin over­night market are pressurized in the low to mid-range price segment significantly from AirBnB. There­fore, especially those entrants are required. Therefore, recommendations for the traditional opera­tors, and for legislators are worked out. Thus, the sharing economy companies AirBnB is seen as a market expanding alternative to hotels conventional. However, should be lower, as they are given at the present time under the same conditions of competition, the advantages of AirBnB.

Zusammenfassung

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit dem Einfluss der Sharing Economy auf die Hotellerie, am Beispiel des Sharing Economy Unternehmens AirBnB, im Zusammenhang mit dem städtischen Kon­text zu Berlin. Es wird der Frage nachgegangen, inwieweit der Einfluss von AirBnB auf den Berliner Übernachtungsmarkt gegeben ist und welche Nutzungsmotive für AirBnB gegenüber einem Hotel stehen. Ziel ist es, den Einfluss von AirBnB im städtischen Bereich zu klären und zugleich den Berliner Übernachtungsmarkt zu analysieren und die Auswirkungen von AirBnB sichtbar zu machen. Die Fra­gestellungen werden auf der Grundlage der Auswertung aktueller Fachliteratur und einer empiri­schen Datenerhebung in einer abgegrenzten Zielgruppe diskutiert. Im Ergebnis wird deutlich, dass der Einfluss von AirBnB im städtischen Bereich stark ausgeprägt ist und bei kurzzeitigen Übernach­tungen einen besonderen Einfluss gegenüber anderen Beherbergungsbetrieben genießt. Speziell die Marktteilnehmer des Berliner Übernachtungsmarktes werden im Niedrig- bis Mittelklasse Preisseg­ment deutlich von AirBnB unter Druck gesetzt. Daher sind speziell diese Marktteilnehmer gefordert. In der vorliegenden Arbeit werden deshalb Handlungsempfehlungen für die traditionellen Marktteil­nehmer, sowie für den Gesetzgeber herausgearbeitet. Somit ist das Sharing Economy Unternehmen AirBnB als eine markterweiternde Alternative zu den konventionellen Hotels zu sehen. Allerdings sollten bei gleichen Wettbewerbsbedingungen die Vorteile von AirBnB geringer ausfallen, wie sie zum jetzigen Zeitpunkt gegeben sind.

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1 Interpretation verschiedener Autoren zur Sharing Economy

Abbildung 2 Motive für die Sharing Economy

Abbildung 3 Modelle der Sharing Economy kategorisiert nah Non-profit und For-profit

Abbildung 4 Business-to-Consumer Modell

Abbildung 5 Peer-to-Peer Modell

Abbildung 6 zweidimensionaler Markt in Verbindung durch eine Plattform

Abbildung 7 Zimmeranzahl der weltweit größten Hotelketten im Jahr 2014

Abbildung 8 Business Model Canvas von AirBnB Sharing Economy Unternehmen

Abbildung 9 Business Model Canavs des Moxy Hotels (konventionelles Hotel)

Abbildung 10 Prozentuale Entwicklung des Berliner Übernachtungsmarktes von 1992 bis 2015

Abbildung 11 Marktanteil von AirBnB in deutschen Städten anhand der Gästebetten im Jahr 2015 .

Abbildung 12 Anzahl der AirBnB Unterkünfte in Deutschland Stand 2015

Abbildung 13 Anzahl der geöffneten Beherbergungsbetriebe in Berlin nach Betriebsarten in den Jahren 2014 bis 2015

Abbildung 14 Nutzungsmotive für AirBnB

Abbildung 15 Zustimmung zu Motiven von AirBnB gegenüber einem Hotel

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1 Vergleich der Zimmerraten je nach Hotelsternekategorie

Tabelle 2 Angebotene Zimmer im jeweiligen Preissegment von AirBnB in Berlin

1 Einleitung

Teilen ist das neue Reisen. Das Geschäft mit der Vermittlung privater Zimmer boomt. Die klassische Hotellerie fühlt sich benachteiligt und fordert die gleichen Spielregeln.[1] Diese Aussage wurde im Jahr 2015 in der Allgemeinen Hotel und Gaststätten Zeitung publiziert, doch ist wirklich eine neue Art des Reisens entstanden oder wird von der Hotellerie zu viel in die neue Art des Reisens durch die Sharing Economy hinein interpretiert. In dieser Arbeit soll die Thematik rund um das Thema der Sharing Eco­nomy in der Hotellerie anhand von AirBnB aufgegriffen werden. Zudem beschäftigt sich die Arbeit mit der Frage: „Welchen Einfluss hat die Sharing Economy in der Hotellerie, diskutiert am Sharing Eco­nomy Portal AirBnB auf dem Berliner Übernachtungsmarkt gegenüber den konventionellen Hotels?“. Nicht zuletzt durch die Wiedervereinigung entwickelte sich Berlin zu einer dynamischen Metropole und ist besonders empfänglich für neue Trends und Lifestyles. Daher ist die Sharing Economy zum Motto dieser Stadt geworden, von einer geteilten Stadt zu einer teilenden Stadt.

Der Bekanntheitsgrad sowie die Beliebtheit der Sharing Economy nahm erst seit der Finanzkrise 2008 stark zu. Das Vertrauensverhältnis zu Großkonzernen und deren Geschäftspraktiken wurde empfindlich gestört und führte zu einem Denkanstoß hinsichtlich neuer Konsum und Verhaltensweisen. Das Thema Nachhaltigkeit und effiziente Ressourcennutzung in einer endlichen Welt wurden für die Konsumenten zunehmend wichtiger. Zugleich fanden die sozialen Medien immer größeren Anklang, was die soziale Interaktion zwischen den Menschen veränderte und einen gesellschaftlichen Wandel anschickte. Die Sharing Economy wurde immer präsenter, allerdings auch stark begünstigt durch die Allgegenwärtigkeit des mobilen Internets in seiner heutigen Form, sodass die Realisierung alternativer Konsumformen mög­lich wurde. Ohne die weitgehende Vernetzung der Marktteilnehmer wäre die Entwicklung der Sharing Economy in seiner heutigen Ausprägung nicht denkbar. Sharing Economy beinhaltet jene Systeme, die den Tauschhandel, das Schenken und das Mieten, sowie das Leihen von Ressourcen zum Ziel haben und dabei den Zugang zu Ressourcen in den Vordergrund stellen.

In den letzten Jahren rückte die Sharing Economy immer mehr in das öffentliche Interesse. Als mögli­cher Grund, könnte die immense Bedeutung von Sharing Economy Unternehmen als Wirtschaftsfaktor gesehen werden. AirBnB trat seit der Gründung 2008 an, private Zimmer auf einer Internetplattform zu vermitteln und den teilenden Gedanken in einer sozialen Gemeinschaft zu verbreiten. Sieben Jahre spä­ter, vermittelt AirBnB rund 40 Millionen Übernachtungen, deutlich mehr als die gesamte Hilton Gruppe weltweit und ist somit zum Global Player im Übernachtungssegment aufgestiegen. Zudem belief sich der Marktwert von AirBnB Mitte 2015 auf rund 25,5 Milliarden US Dollar und übersteigt somit den Unternehmenswert der Marriott-Gruppe von rund 20,6 Milliarden Dollar. Annährend konnte der Markt­wert der Hilton Gruppe von ca. 27,4 Milliarden US Dollar erreicht werden.[2] Die Marktstrukturen des Übernachtungsmarktes wurden durch AirBnB fundamental verändert und die konventionellen Markt­teilnehmer sind gezwungen sich einem Wandel zu unterziehen.

Zudem wird in dieser Arbeit erläutert was die Besonderheit von AirBnB ist und wieso dieses Unterneh­men sich abgrenzt von konventionellen Hotels. Weiterhin wird thematisiert wie es AirBnB gelang, sich an die Spitze im Ranking mit den weltweit meist verfügbaren Zimmern zusetzen.

Das Ziel der Arbeit ist es den Einfluss des Sharing Economy Unternehmens AirBnB auf dem Berliner Übernachtungsmarkt gegenüber einem konventionellen Hotel aufzuzeigen. Infolgedessen werden das Geschäftsmodell von AirBnB mit dem eines konventionellen Hotels gegenüber gestellt und unterschied­liche Wettbewerbsvoraussetzungen analysiert. Weiterhin werden die Rechte und Pflichten der Markt­teilnehmer auf dem Berliner Übernachtungsmarkt erläutert und diskutiert. Es gilt herauszufinden inwie­weit sich unterschiedliche Wettbewerbsbedingungen, der Marktteilnehmer des Übernachtungsmarktes, heraus kristallisiert haben. Zugleich sollen die Motive der Reisenden hinsichtlich AirBnB, gegenüber eines konventionellen Hotels, erklärt und dargestellt werden. Zudem wird der Berliner Übernachtungs­markt analysiert und überprüft in welcher Weise AirBnB Einfluss auf einzelnen Sternekategorien der jeweiligen Hotelklassifizierung nimmt. Weiterhin werden Handlungsempfehlungen entwickelt und im Verlauf der Arbeit integriert.

Die Arbeit ist in sieben Kapitel unterteilt. Das erste Kapitel beinhaltet die Einleitung. Das darauffol­gende zweite Kapitel stellt eine Einführung in elementare theoretische Grundlagen dar. Es werden Be- grifflichkeiten erklärt, welche zum Verständnis der Arbeit essentiell sind. Zunächst erfolgt eine Ausfüh­rung, welches den Leitgedanken und die historische Entwicklung der Sharing Economy darstellt. Nach­folgend wird der Begriff der Sharing Economy anhand literarischer Vergleiche definiert und zugleich der kollaborative Konsum erläutert. Folglich werden für die Arbeit wichtige Verständlichkeit hinsicht­lich der Funktion der Sharing Economy und deren allgemeine Motive für die Sharing Economy aufge­nommen. Weiterhin werden die Modelle der Sharing Economy vorgestellt. Im dritten Kapitel wird der Begriff Geschäftsmodell definiert und es folgt die Darstellung des Business Model Canvas. Zudem wer­den Business Model Canvas von AirBnB und Moxy Hotels entwickelt, sowie deren Unterschiede an­hand einer Analyse betrachtet. Zugleich folgt eine spezifische Analyse hinsichtlich der Nutzungsmotive für AirBnB oder ein konventionelles Hotel.

Im vierten Kapitel werden die Rechte und Pflichten der beiden Protagonisten erarbeitet und Unter­schiede deutlich gemacht. Zudem wird eine Handlungsempfehlung ausgesprochen für den Gesetzgeber. Das fünfte Kapitel beschäftigt sich mit dem Berliner Übernachtungsmarkt in seinem Ist-Zustand und zeigt seine Entwicklung von 1992 bis 2015 auf. Auch wird der Einfluss von AirBnB auf dem Berliner Übernachtungsmarkt diskutiert. Nachfolgend wird die Struktur des Berliner Übernachtungsmarktes im Einklang mit statistischen Datenerhebungen erfolgen und die Marktteilnehmer in Berlin zu repräsentie­ren. Anschließend wird das Preissegmentes hinsichtlich AirBnB gegenüber Niedrig bis Mittelklasse Hotels analysiert. Infolgedessen wird eine Handlungsempfehlung für die Hotels ausgesprochen Im sechsten Kapitel erfolgt eine quantitative Datenerhebung in Bezug auf die oben aufgezeigten Nut­zungsmotive für AirBnB gegenüber einem konventionellen Hotel im städtischen Bereich. Die quantita­tive Datenerhebung wird in ihrer Methodik erläutert und es folgt die Eingrenzung der Zielgruppe, der Rekrutierung sowie den Aufbau des Fragebogens. Anschließend wird die quantitative Datenerhebung durchgeführt und ausgewertet. Am Schluss wird im siebten Kapitel ein Fazit gezogen und die Problem­stellung der Arbeit beantwortet.

2 Sharing Economy

In diesem Kapitel wird zunächst diskutiert, worum es sich bei der Sharing Economy handelt. Es wird der Ursprung und Leitgedanke, sowie die Motive der Sharing Economy betrachtet. Um den Begriff Sharing Economy zu bestimmen, muss Ursprung und Herkunft des Begriffes geklärt werden, woher der Begriff kommt und was darunter verstanden wird.

Darüber hinaus, wird der kollaborative Konsum als eine Ausprägung der Sharing Economy erläutert. Im Unterpunkt 2.4 wird die Funktion der Sharing Economy dargestellt und im Unterpunkt 2.5 anhand von zwei Modellen der Sharing Economy beschrieben.

2.1 Leitgedanke und Historie der Sharing Economy

Der Leitgedanke der Sharing Economy konzentriert sich auf den Zugang des Gutes, anstelle des traditi­onellen Besitzes eines Gutes. Vielmehr rückt der Besitz des Gutes in den Hintergrund und der Erwerb von Zugangsrechten in den Vordergrund. "Teilen statt Haben" oder "Nutzen statt Besitzen" sind hier die Prämisse.[3] Resultierend aus dieser Tatsache ergibt sich die Möglichkeit Ressourcen zu teilen und die effiziente Nutzung der Güter in den Fokus zu stellen. So beschrieb Botsman in ihrer Publikation "What’s Mine is Yours: How Collaborative Consumption is Changing the Way We Live", dass Privatpersonen, aber auch Unternehmen sich ökologisch und wirtschaftlich effizient neu ausrichten und eine neue Form des Wirtschaftens entwickeln.[4] Bei dieser neuen Form des Wirtschaftens stellen sich zwei Nutzergrup­pen heraus. Der erste Akteur ist der Anbieter, welcher auch zugleich der Eigentümer über das angebo­tene Gut ist. Der Anbieter nutzt dieses Gut allerdings nur in einem begrenzten Umfang und auch ledig­lich in unregelmäßigen zeitlichen Abständen. Der zweite Akteur ist der Nachfrager, weil er selbst nicht im Besitz des angebotenen Gutes ist und das angebotene Gut kurzfristig nutzen möchte.

Daher ist eine effiziente Ressourcenverteilung das Ziel der Sharing Economy, welches man bereits bei Hotels oder Mietwagenfirmen beobachten kann.[5] Jedoch ist die Sharing Economy erst durch die histo­rischen Entwicklungen zu dem geworden was sie heute auszeichnet.

Ressourcen im privaten Bereichen des Lebens zu teilen ist grundsätzlich kein innovativer Gedanke. Es existieren schon lange Möglichkeiten die Güter zu mieten, zu pachten oder zu verleihen. Daher ist der Gedanke des Teilens eine langjährig etablierte soziale Praktik im menschlichen Miteinander. Durch den technologischen Wandel erfuhr diese soziale Praktik des Teilens einen bedeutsamen Wandel, da das Teilen von Gütern nun auch zwischen fremden Personen auf lokaler und globaler Ebene vereinfacht wurde. Der renommierte Havard-Professor Martin Weitzmann stellt 1984 in seinem Buch "The Share Economy: Conquering Stagflation" die These auf, dass sich der Wohlstand für die Allgemeinheit erhöht, je mehr unter den jeweiligen Marktteilnehmern geteilt wird.[6]

Bevor die digitale Revolution begann, waren angebotene Mitfahrgelegenheit für die Taxibranche keine ernsthafte Gefahr. Ebenso waren vor der Digitalisierung, Übernachtungszentralen gegenüber den Hotels oder Pensionen keine ernstzunehmende Bedrohung.

Ohne die technologischen Innovationen der letzten Jahre, würde womöglich die Sharing Economy wei­terhin in persönlichen Interaktionen in einem lokalen Umfeld stattfinden. Nur so konnten persönliche Interaktionen zwischen dem Anbieter und dem Nachfragenden erfolgen.[7] Eben jene digitale Lösungen, wie zum Beispiel Smartphones und die sozialen Netzwerke, konnten erst durch die Weiterentwicklung des Internets eine sehr flexible und sehr kleinteilige Teilung der vorhandenen Ressourcen erheblich vereinfachen. Zugleich wurden dadurch in einigen Fällen die Transaktion zwischen dem Anbieter und Nachfrager monetär erstrebenswert.[8] Die ehemals hohen Transaktionskosten sowie die beträchtlichen Zugangsbarrieren zu diesen teilenden Plattformen wurden stark abgebaut.[9] Infolgedessen konnte der Markt zwischen Anbietern und Nachfragenden unbegrenzt wachsen, was die Sharing Economy heute im Wesentlichen auszeichnet.[10]

Begünstigt wurde der rasante Aufstieg der Sharing Economy durch den Ausbau der Informations- und Kommunikationstechnologien, insbesondere der Internetinfrastruktur. Speziell der mobile Internetzu­gang mit der Durchdringung der Smartphones ist hier ein wesentlicher Treiber der empor kommenden Sharing Economy.[11] Zugleich sind die sozialen Medien, speziell die sozialen Netzwerke wie Facebook oder Google+[12], ein Instrument, dass den Bekanntheitsgrad sowie die Interaktion zwischen den Teil­nehmern des Marktes ermöglichte.

Ohne jene technologische Entwicklung würde es die Sharing Economy in dieser Art und Weise, wie sie heute existiert, nicht geben. Denn wie oben beschrieben, wären ohne die revolutionären Entwicklungen des Internets und der sozialen Netzwerke eine Verbreitung der onlinebasierten Plattformen nicht mög­lich gewesen.

2.2 Definition der Sharing Economy und deren Ausprägungen

In diesem Unterkapitel wird verdeutlich, dass trotz der immer größer werdender Bedeutung der Sharing Economy im praktischen sowie im wissenschaftlichen Bereich, bislang keine homogene Definition der Sharing Economy herausgearbeitet werden konnte. Einigkeit herrscht nur darüber, dass es sich bei der Sharing Economy um Marktplätze handelt, die Anbieter und Nachfrager zusammenbringt, sowie tem­porär nicht genutzte Ressourcen zusammenführt.[13]

Sharing Economy setzt sich aus dem Begriff „Sharing“ und „Economy“ zusammen. Der Begriff „Sha­ring“ kommt aus dem englischen Wortgebrauch und bedeutet „teilen“. Mit dem Begriff „teilen“ wird sinngemäß die Überlassung von Gütern an Dritte zu deren Nutzung, respektive deren Erhalt der Güter von Dritten zur eigenen Nutzung verstanden.[14] „Economy“ wird mit der Produktion und dem Konsum von Gütern und Dienstleistungen sinngemäß aus dem englischen Wortgebrauch übersetzt.[15] Bislang ist im deutschsprachigen Raum der Begriff der „Sharing Economy“ noch nicht allgemeingültig definiert. Dadurch wird deutlich wie wenig geläufig dieser Begriff noch ist. Die Szene von Unternehmen, Platt­formen und Netzwerken in der Sharing Economy ist besonders heterogen ausgeprägt und reicht von kleinen Initiativen bis hin zu milliardenschweren Konzernen.[16]

Die Sharing Economy wird mit vielen anderen Begrifflichkeiten zusammengenommen. Wobei deutlich abzugrenzen ist, dass jede Begrifflichkeit in einem anderen Kontext zur Sharing Economy steht.

Die Begriffe wie "Peer-to-Peer Wirtschaft ", "Kollaborative Wirtschaft", "Access Economy" oder "Schattenwirtschaft" werden alle mit dem Begriff der Sharing Economy verwendet. Alle werden in un­terschiedlichen Kontexten zur Sharing Economy gesetzt, wollen aber die Praxis des Teilens von privaten Gütern entgeltlich oder unentgeltlich, wie bspw. Autos, Wohnungen oder Haushaltsgeräten etikettie- ren.[17]

Auch im wissenschaftlichen Diskurs ist die Bezeichnung „Sharing Economy" vergleichsweise neu und findet in der wissenschaftlichen Literatur noch wenig Beachtung. Global gibt es zahlreiche Experten, die die Thematik Sharing Economy verschiedenartig interpretieren.[18]

Je nach Kenntnisstand und Sichtweise zum Thema Sharing Economy kommen unterschiedliche Autoren zu folgenden Ansichten wie Abbildung (1) zeigt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1 Interpretation verschiedener Autoren zur Sharing Economy Quelle: Scholl, Behrendt et al (4)[19]

Die Autoren sind verschiedener Meinung bezüglich der Sharing Economy, wobei sie jedoch inhaltlich starke Gemeinsamkeiten aufweisen. Sharing Economy beinhaltet das kurzfristige Anmieten und Ver­mieten, sowie das wechselseitige Leihen von Gütern. Außerdem werden auch Dienstleistungen angebo­ten und nachgefragt.

Aufgrund der Komplexität des Dienstleistungssektors wird in dieser Arbeit nur auf die Transaktionen von Gütern eingegangen. Bei der Gütertransaktion treffen Konsumenten und Produzenten auf ver­schiedenste Arten aufeinander. Einerseits können die jeweiligen Beteiligten profitorientiert oder ge­meinnützig arbeiten. Des Weiteren können sie einzeln aufeinander treffen oder als Einzelne auf einen Verbund treffen.[20]

Hinsichtlich der Literaturrecherche und der vielen Experten Meinungen, wird die Definition von Marco Böckmann als zutreffendste erachtet. Marco Böckmann definiert die Sharing Economy wie folgt: „Sha­ring Economy beschreibt eine Art Geschäftsmodell in dem Ressourcen zwischen Einzelpersonen über onlinebasierte Netzwerke geteilt werden. Dabei ist es den Einzelpersonen möglich Zugang zu den Gü­tern oder Dienstleistungen zu erlangen die Sie tatsächlich benötigen. Diesen Prozess des Teilens zwi­schen den Menschen gab es schon immer auf lokaler Ebene. Beispiele hierfür sind Freunde, Familie oder Nachbarn. Doch in den letzten Jahren hat sich das Konzept des Teilens weiterentwickelt, von dem Gemeinschaftlichen unentgeltlichen teilen hinzu zum profitablen Geschäftsmodell. “[21] Diese Definition ist eindeutig im Zusammenhang der Sharing Economy in Verbindung zu AirBnB zusetzen und wird daher für diese Arbeit verwendet.

Im Zusammenhang mit der Sharing Economy tauchen oftmals die Begriffe wie kollaborativem Konsum oder kollaborativen Ökonomie auf, da sich diese genannten Begriffe aus der Sharing Economy ableiten lassen. Diese Begriffe bildeten sich aus der Sharing Economy heraus und werden kurz thematisiert, finden aber weiterhin in der Arbeit keinerlei Betrachtung.

Seit der im Jahre 2011 erschienen Publikation von Rachel Botsman und Roo Rogers „What’s Mine is Yours - How Collaborative Consumption is Changing the Way We Live“ hat sich kollaborativer Kon­sum zu einem der Schlagwörter in der aktuell gesellschaftlich kontroversen Diskussion um die Sharing Economy heraus kristallisiert. Der Ursprung der Sharing Economy und eben jene oben genannte Be­griffe, sind auf die verschlechterten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen infolge der Finanzkrise 2008 zurückzuführen.[22]

Somit bezieht sich das Schlagwort "Collaborative Consumption", zu Deutsch auf den gemeinschaftli­cher Konsum. Das Schlagwort kollaborativen Konsum meint den gemeinschaftlichen Konsum von Gü­tern und Dienstleistungen. Die Güter werden so lange verliehen oder getauscht, wie sie zweckmäßig in Benutzung sind, respektive bereit gestellt werden können. Weiterhin ist der Eigentümer ist für die In­standhaltung des jeweiligen Gutes zuständig.[23]

Bei dieser neuen Form des Wirtschaftens existiert eine hochgesteckte Erwartungshaltung, denn hier soll eine dezentrale Wertschöpfung für Produzenten und Privatpersonen erreicht werden. Sodass nicht nur der Produzent Wert schöpft, sondern auch die Einzelperson im privaten Bereich. In der Fachliteratur von (Surhone,Timpledon & Marseken 2010) wird auch der Begriff „Prosumer" aufgegriffen und ver­deutlicht somit die oben genannte Entwicklung. Diese Begrifflichkeit setzt sich zusammen aus dem „Produzenten“ auf der einen Seite und dem „Konsumenten“ auf der anderen Seite. Wobei die Grenz en zwischen beiden Marktteilnehmer verwischen.[24]

Jedoch sagt dieser Begriff vieles über die Akteure in der Sharing Economy aus und deren Rollen im Zusammenwirken auf den onlinebasierten Vermittlungsplattformen. Unter anderem kürte das Time Ma­gazine den Trend im Jahre 2011 als eine der zehn weltverändernden Ideen.[25] Auch kommen die Autoren Botsman und Rogers zum Resümee das der kollaborative Konsum deutlich mehr ist, als ein reines Kri­senphänomen. Sie nehmen an, dass sich dadurch eine neue und weiterentwickelte Form des Wirtschaf- tens sowie des Konsumierens etabliert hat, die vielfach ökonomische, soziale sowie ökologische Vor­teile hervorbringen kann.[26]

2.3 Funktion der Sharing Economy

In den vorangegangenen Unterkapiteln wurde die Sharing Economy definiert und welche weiteren Ent­wicklungen aus ihr hervorgingen. Es wurde die historische Bedeutung digitaler Lösungen, insbesondere der Ausbau des mobilen Internets sowie die Marktdurchdringung der Smartphones aufgezeigt und der gesellschaftliche Wandel zu einem ressourcenschonenden sowie nachhaltigen Denken und Konsumie­ren erklärt. In diesem Kapitel wird nun die Funktionsweise der Sharing Economy aufgezeigt. Die Rolle der Vermittler, die auch Intermediäre genannt werden, wird thematisiert. Weiterhin wird erläutert wie Transaktionen über die onlinebasierten Plattformen abgewickelt werden. Zudem wird der Aspekt des Vertrauens beleuchtet und wie die onlinebasierten Plattformen vertrauensbildende Maßnahmen integ­rieren. Des Weiteren wird beschrieben, das Transaktionskosten eine enorme Bedeutung in der Sharing Economy haben.

Zunächst wird erörtert, dass Eigentum demnach nicht mehr Grundvoraussetzung für das Konsumieren von Gütern ist. Jedoch müssen Güter nach Botsman und Rogers existent sein, die sogenannte "Idling Capacity" (2010) muss gegeben sein. Diese sagt aus, dass nicht genutzte Ressourcen in der Gemein­schaft geteilt werden können. Durch den gesellschaftlichen Wandel hinzu nachhaltigen Konsumierens setzt eine Entmaterialisierung ein. Der Denkansatz kann wie folgt interpretiert werden: Durch Zugang zum zu nutzenden Gut, ist weniger Besitz von Gütern notwendig. Dadurch entsteht die Opportunität auch immaterielle Güter über das Internet zu teilen. Auch hier werden temporäre Nutzungsrechte zur Verfügung gestellt, hingegen erfolgt der Zugriff auf diese Güter sehr flexibel gegenüber materiellen Gütern. Daher ist die Sharing Economy eine entgegenzusetzende Form des traditionellen Konsums. Da das Teilen und Tauschen von Gütern oder Dienstleistungen durch Privatpersonen in einer Gemeinschaft, in Form von onlinebasierten Plattformen praktiziert wird.[27]

Eine intermediäre Funktion besitzen die neuartigen onlinebasierten Sharing Plattformen, indem Sie die Transaktion zwischen dem privaten Anbieter respektive Eigentümer an potenzielle Nachfrager vermit- teln.[28] Verschiedenste Ausprägungen bezüglich der Form der Vermittlung sowie der Organisation der Plattformen sind möglich. Grundsätzlich lassen sich die Plattformen in zwei Kategorien einteilen. Es kann sich einerseits um eine entgeltliche und zum anderen um eine unentgeltliche Nutzung der Plattform handeln. Bei der entgeltlichen Ausprägung wird häufig eine Vermittlungsgebühr, eine Provision oder auch ein Mitgliedsbeitrag erhoben.

Bei unentgeltlichen Plattformen ist eine kostenfreie Nutzung gegeben. Jedoch kann bei unentgeltlichen Plattformen ein verschleiertes kommerzielle Interesse vorhanden sein, indem die Onlineplattform zum Beispiel Nutzergewohnheiten ausliest oder die Nutzerdaten an Dritte monetär weiter vertrieben wer­den.[29]

Sharing Economy umfasst somit Angebote, die eine temporäre Nutzung respektive Mitbenutzung eines dauerhaften Gutes anbelangt, wobei Dienstleistungen in der Nutzung inbegriffen sein können. Dies be­deutet allerdings, dass bei der Sharing Economy die Eigentumsübertragung nur temporär ist, sodass nach Ende der Miete das Gut wieder an den Eigentümer zurückgeht.[30] Beispielhaft ist die Vermittlungs­plattform AirBnB im Übernachtungsbereich zu nennen. Speziell AirBnB macht sich diesen Umstand zu eigen und bietet die ungenutzte Ressource, also die Wohneinheit, auf ihrer Vermittlungsplattform an. Ist der eigentliche Mieter zeitlich befristet, nicht in seiner Wohnung, so ist die Ressource „Wohneinheit“ ungenutzt. Daher wird diese ungenutzte Ressource kurzfristigen dem Nachfragenden überlassen und geht nach Ende der Nutzung wieder über zum Anbieter.[31] Da es sich bei AirBnB-Angeboten häufig um ein Zimmer oder auch um eine ganze Wohnung handelt, wird der Begriff Wohneinheit als Verallgemei­nerung verwendet. Zugleich wird die Wohneinheit als Gut verstanden. Dieses Gut wird auf der Vermitt­lungsplattform gehandelt, angeboten oder nachgefragt.

Ein weiterer Punkt ist die wechselseitige Beziehung zwischen dem Anbieter und dem Nachfrager. Der Anbieter ist darauf angewiesen, dass mit dem temporär überlassenem Gut pfleglich umgegangen wird. Der Nachfrager muss hingegen darauf vertrauen, dass die Erwartung die an die Leistung geknüpft ist, auch erfüllt wird. Somit basiert die Sharing Economy auf dem gegenseitigen Vertrauen als wichtigstes Fundament. Überspitzt formuliert kann das Vertrauen als Währung der Sharing Economy betrachtet werden.[32] Die Wirtschaftlichkeit dieser Vermittlungsplattformen kann nur dann gewährleistet sein, wenn die Transaktionspartner, also Anbieter und Nachfrager, zusammen gebracht werden und eine Kommunikation zwischen den Transaktionspartner möglich ist. Weiterhin muss eine adverse Selektion erfolgen, also eine Negativauslese, weil beide Transaktionspartner sich in der Regel nicht persönlich kennen. Durch die adverse Selektion wird der Punkt der unvollständigen Informationen beider Trans­aktionspartner teilweise gemindert und so Vertrauen als Transaktionsbasis geschaffen. Somit steigt die Bereitschaft der Transaktionspartner diese Transaktion zu realisieren, wobei weiterhin die Preissetzun­gen für beide Seiten transparent gestaltet sein muss.[33]

Anfänglich ist nur eine virtuelle Bekanntheit vorhanden, deshalb ist es für die Vermittlungsplattformen von größter Bedeutung ein Bewertungssystem aufzubauen, so kann eine Reputation innerhalb dieser Vermittlungsplattform geschaffen werden. Ein bekanntes und bewährtes Bewertungssystem wurde von Ebay entwickelt, bei welchem nach jeder Transaktion Anbieter und Nachfrage sich gegenseitig bewerten können und diese Bewertungen sind für alle Mitglieder der Vermittlungsplattform ersichtlich.[34] Repu­tationsgewinne können durch mehrmalige Transaktionen erzielt werden und schaffen bereits ohne vor­herigen Kontakt mit dem Transaktionspartner Vertrauen bei anderen Plattformteilnehmern.

Einhergehend mit dem Vertrauen ist die gegenseitige Informationsbeschaffung über den jeweilig ande­ren Transaktionspartner ein wichtiges Element der Sharing Economy. Dadurch können Bewertungen vormaliger Transaktionspartner über die Zuverlässigkeit des jeweiligen Transaktionsteilnehmer aufklä­ren und am Ende abwägen, ob eine Transaktion stattfinden sollte.[35] Weiterhin kann vom Anbieter eine über die Vermittlungsplattform abgeschlossene Versicherung vertrauen schaffen. Sollte ein Schadens­fall eintreten würde die Versicherung für die anfallenden Kosten aufkommen.[36] Somit ergeben das Be­wertungssystem sowie die Versicherungsmöglichkeit eine vertrauensbildende Maßnahme.

Im nachfolgenden Abschnitt werden die Transaktionskosten thematisiert. Aufgrund des Umfangs der Arbeit wird nur sehr kurz auf die Transaktionskosten von Williamson eingegangen.

Williamson unterscheidet bei seinem Transaktionskostenansatz ex ante und ex post Kosten. Diese bei­den Kostenarten treten bei Verträgen auf, ex ante Kosten sind als Kosten vor dem Vertrag zusehen und ex post Kosten die während des Vertrages entstehen.[37]

Mit der Transaktionskostentheorie wird erklärt, warum bestimmte Transaktionen in bestimmten institu­tionellen Arrangements, also Organisationsformen des Tausches, mehr oder weniger effizient abgewi­ckelt und organisiert werden.[38] Sie geht davon aus, dass jegliches Handeln in einer Marktwirtschaft mit Kosten verbunden ist.

Das bedeutet für die Sharing Economy, dass infolge der neuen innovativen Technologien die Transak­tionskosten, speziell die Suchkosten, enorm reduziert worden sind. Erst anhand dieser Situation konnten die Online-Marktplätze für die privaten Anbieter und Nachfrager eine Plattform bilden, wobei unge­nutzte Ressourcen von Eigentümern mit Nachfragenden zusammengeführt wurden. Vor der Zeit der Online-Marktplätze waren die hohen Transaktionskosten ein Hindernis für die temporäre Nutzung dau­erhafter und unausgelasteter Ressourcen. Dadurch war das Marktsystem unvollständig.[39] Vermittlungs­plattformen konnten anhand eines standardisierten Preissystems, durchsuchbaren Datenbanken und Smartphone Apps (Applikationen) ihre Such- und Transaktionskosten gegenüber dem traditionellen Tauschhandel im lokalen Bereich reduzieren. Services wie Uber oder AirBnB verbinden die vielen An­bieter und die unzähligen Nachfrager.[40] Transaktionskosten werden durch Apps auf mobilen Endgeräten erheblich eingespart. Diese Entwicklung ermöglichte ein exponentielles Wachstum dieser onlinebasier­ten Märkte.[41]

Kleinen Anbietern wird der Marktzutritt durch einen geringen Kapitalbedarf deutlich erleichtert. Als Folge von mehr Marktteilnehmern wird der Wettbewerb auf dem Markt zwischen den Akteuren gestei­gert.[42] Die Reduzierung der Transaktionskosten hat neue Märkte, Güter sowie Wettbewerbssituationen geschaffen.

Diverse Vermittlungsplattformen nutzen in ihren Geschäftsmodellen das sogenannte Matching. Mat­ching bedeutet, dass hier Anbieter und Nachfrager auf den Vermittlungsplattformen zusammenkommen und somit wiederum hohe Such- und Transaktionskosten deutlich verringert werden können. Damit ein­hergehend sind durch die Vermittlungsplattformen, vormalige regionale Beschränkungen aufgehoben. Somit kann beispielsweise privater Wohnraum global angeboten und nachgefragt werden. Die Zutritts­barrieren zu solchen onlinebasierten Vermittlungsplattformen, sind im Allgemeinen sehr niedrigschwel­lig und in der Regel kostenfrei. Deshalb ist davon auszugehen, dass eine erhebliche Anzahl von Anbie­tern und Nachfragern aufeinander treffen und die Möglichkeit der zustande kommenden Transaktionen ausgeweitet wird.[43]

Die Vermittlung über mobile Smartphone Anwendung ist charakterisierend für die heutige Sharing Eco­nomy. Die variablen Kosten für die Unternehmen dieser Online-Plattformen tendieren gegen Null.

Einzig die hohe Anfangsinvestition für die Bereitstellung der Webseite und für die Apps sowie deren Infrastruktur sind notwendig.[44] Weiterhin zeigt die Sharing Economy ein großes Potenzial zur Präfe­renzanpassung anhand der Dezentralisierung der Produktion sowie die Verteilung von Gütern und Dienstleistungen auf. Daher ist eine gemeinsame Nutzung der Sharing Economy häufig günstiger, weil über dezentrale Märkte wie Vermittlungsplattformen geteilt wird. Im Vergleich zu den großen Unter­nehmen, die als klassische Produzenten auftreten, sind dezentrale Märkte häufig von Konsumenten für Konsumenten geschaffen worden.[45] Somit wird die traditionelle marktwirtschaftliche Beziehung zwi­schen Produzent und Konsument umgangen. Ein weiteres Charaktermerkmal der Sharing Economy ist, dass Transaktionspartner einem Nutzungsnetzwerk, wie zum Beispiel AirBnB, zugehörig sind und Zu­gangsmöglichkeiten zu dem Nutzungsnetzwerk besitzen.

Auch werden Angebot und Nachfrage schnell und unkompliziert in der Gemeinschaft in dem Nutzungs­netzwerk kommuniziert. Diese Merkmale machen es möglich, dass der Austausch zwischen Anbietern und Nachfragern schnell und mit Hilfe von mobilen Endgeräten allerorts zur Verfügung steht und dadurch die Anzahl der Mitglieder deutlich ansteigen lässt.[46]

Je mehr dezentrale Transaktionen es werden, umso individueller können die Bedürfnisse jedes einzelnen befriedigt werden. Beispielhaft sind die AirBnB Reisenden, diese wollen nicht in großen Hotelkomple­xen absteigen und in einer künstlich für Touristen geschaffenen Zone ihren Urlaub verbringen. Stattdes- sen wollen die Touristen selbst bestimmen, ob sie ein kleines City Apartment, ein Iglu oder möglicher­weise ein Schloss auf dem Lande bewohnen. Es wäre zu teuer für ein einzelnes Unternehmen ein ständig wechselndes Angebot an Zimmern und Standorte zu offerieren und auf die individuellen Bedürfnisse der Touristen einzugehen.[47] AirBnB vermittelt daher Übernachtungsmöglichkeiten, die individuell auf die Persönlichkeiten des Reisenden angepasst sind. Dabei sind die Vorlieben der potenziellen Mieter meist sehr heterogen ausgeprägt. Beispielweise ist die Größe der Wohneinheit, die zentrale Lage oder die Ausstattung in der Regel von zentraler Bedeutung. Durch die Vermittlungsplattform, können poten­zielle Mieter die Markttransparenz nutzen und Preise vergleichen.[48]

Zusammenfassend können vier Hauptmerkmale der Sharing Economy herausgestellt werden. Die ge­meinsame Ressourcennutzung der Transaktionspartner, sodass das Gut nicht nur vom tatsächlichen Ei­gentümer genutzt wird und somit von mehreren Personen geteilt und benutzt wird. Zum zweiten ist der Aspekt Zeit ein tragender Pfeiler der Sharing Economy. Die Nutzung der Güter erfolgt nur temporär und Anbieter und Nachfrager treffen rasch aufeinander. Dritter tragender Pfeiler ist die Organisations­form der Angebotsvermittlung. Die Nutzung wird über das Internet bewerkstelligt und die Mitglieder sind in einer Gemeinschaft integriert. Da die Kommunikation unter den Mitgliedern unkompliziert und schnell erfolgt, kann das jeweilige Netzwerk respektive Vermittlungsplattform enorme Zuwächse der Mitglieder erreichen. Die vierte tragende Säule ist das Vertrauen. Vertrauen wird durch ein Bewertungs­system auf der jeweiligen Vermittlungsplattform messbar gemacht. Diese Bewertungssysteme tragen beim Aufbau von Reputation und Vertrauen unter den Mitgliedern der Vermittlungsplattform bei. Des Weiteren ermöglichen sie eine soziale Kontrolle, das bedeutet, dass die Gemeinschaft die Verhaltens­standards für jeden Einzelnen beeinflussen kann.[49]

Obendrein ist es möglich zu jeder Zeit und an jedem Ort auf diese Angebote einzugehen und diese zu nutzen. Daher ist anzunehmen, dass diese Konzepte der temporären Nutzung zukunftsweisend sein kön- nen.[50]

2.4 Nutzungsmotive für die Sharing Economy

Folgende Treiber werden als Motivation für die Sharing Economy betrachtet. Ein nachhaltiges Empfin­den bezüglich der endlichen Ressourcen, sowie ein gesteigertes Umweltbewusstsein sind hierbei zu nennen. Ökologische Aspekte spielen somit eine tragende Rolle im Bereich der Sharing Economy[51]. Demzufolge nimmt die Sharing Economy diese gesellschaftlich neue Entwicklung auf.

Ein theoretischer Ansatz wird wie folgt aufgezeigt:

Teilen sich viele Nutzer ein Gut, sind in der Gesamtheit weniger Güter notwendig, um den gleichen Bedarf zu decken. Daraus resultiert eine Einsparung bei der Produktion und der Entsorgung des Gutes. Der oben genannten Theorie muss aber gegenüber gestellt werden, dass durch die gemeinschaftliche Nutzung des Gutes auch ein übermäßiger Verschleiß eintreten kann und ein anwachsendes Transport­aufkommen bei der Bereitstellung des Gutes eintreten würde.[52] Auch ein gesellschaftlicher Wertewan­del zu mehr Individualität und Multioptionalität lässt sich beschreiben.[53]

Ein weiterer wichtiger Punkt, der für die Motivation zur Sharing Economy spricht ist, dass ein Trend zu Entmaterialisierung zu beobachten ist. Ableitend aus diesem Trend kann geschlussfolgert werden, dass das Eigentum gegenüber der kurzzeitigen Nutzung des Gutes an Bedeutung verliert.[54] Auch spielen monetäre Aspekte eine wichtige Rolle, denn monetär betrachtet, ist es sinnvoller bei gerade geringer Nutzung des Gutes, dieses zu teilen respektive zu leihen und für die Nutzung zu zahlen, als dieses Gut
einmalig anzuschaffen.[55] Weiterhin ist die Flexibilität ein hoher Motivationsfaktor, da die Nutzung des Gutes spontan erfolgen kann. Außerdem kann die Nutzung für eine kurzzeitige Periode vereinbart wer­den, damit ist eine variable Berechnung der Kosten möglich. Kurzum der Nutzer zahlt lediglich bedarfs­und nutzungsbezogen.[56]

Hinsichtlich des kostenlosen Teilens lassen sich monetäre Kosten für die Nachfrager vermeiden. Beim kostenpflichtigen Teilen können zumindest die Kosten der Anbieter ausgeglichen werden. Das in der Praxis bewährte Free Floating Modell lässt sich sehr gut veranschaulichen. Bei dem Modell des Mietens über Free Floating werden die Kosten für die Nachfrager im Vergleich zum Besitz eines Gutes dadurch reduziert, dass die Fixkosten für Anschaffung und gegebenenfalls Unterbringung entfallen. Daraus re­sultiert die oben genannte Kostenersparnis. Beispielsweise fallen beim Free Floating Modelles, statt des Kaufpreises für ein Auto und der Kosten für Garage oder einen Stellplatz nur die laufenden Kosten an. Somit fallen nur Kosten für die tatsächliche Nutzungsdauer an, sodass das Free Floating für die Nach­frager eine Verringerung der gesamten Kosten für die Nutzung eines Autos bedeuten könnte.[57] Ein weiterer Unterstützer der Sharing Economy sind unter anderem die sozialen Medien in Form von Blogs und Wikis, sowie die sozialen Netzwerke wie Facebook. Dabei wird das Bedürfnis nach sozialem Aus­tausch in einer Gemeinschaft immer bedeutender.[58] Zugleich kann ein gesellschaftlicher Wertewandel zu mehr Individualität und Multioptionalität beobachtet werden.[59]

Um die im oben Abschnitt genannten Motivationstreiber zu belegen, wird die Umfrage vom Bundes­verband der Verbraucherzentrale vom Mai 2015 herangezogen. In dieser Abbildung (2) wurde eine Um­frage von 1 009 Personen vom 05. Mai bis zum 11. Mai 2015 telefonisch durchgeführt. Mehrere Ant- wortontionen waren möglich, sodass die aufaddierten Nennungen 100% überschreiten.

Gründe, Dinge zu leihen statt sie zu kaufen

Preis-Leistungs-Erwägungen gehen Hand in Hand mit dem Umweltargument

weil ich etwas so selten nutze, dass sich eine Anschaffung nicht lohnt

weil es die Umwelt schont, weil weniger produziert werden muss

weil es für mich billiger ist

weil ich das Gefühl habe, schon genug zu besitzen

weil ich dadurch Dinge nicht selbst instand halten muss

weil ich Zeit spare, weil ich Sachen so schneller zur Hand habe

weil ich mit anderen Menschen in Kontakt kommen kann

ist einfacher, weil ich keine Kaufentscheidung treffen muss

Abbildung 2 Motive für die Sharing Economy

Quelle: Verbraucherzentrale Bundesverband: Sharing Economy[60]

Abbildung (2) verdeutlicht das 53% der Befragten sich eher etwas leihen anstatt es zu kaufen, weil sich eine Anschaffung nicht lohnen würde und zugleich das das jeweilige Gut zu selten genutzt würde. Des Weiteren sprechen sich 45% der Befragten für die Umweltschonung aus, da bei der Sharing Economy weniger Güter produziert werden müssen. Auch der oben genannte monetäre Aspekt wird hier von den befragten Verbrauchern angeführt und zwar sprechen sich 40% der Befragten dafür aus, dass es preis­werter sei Güter zu leihen anstatt zu kaufen.

2.5 Modelle der Sharing Economy

Hinsichtlich dieser Arbeit werden die Modelle Business-to-Business (B2B), Business-to-Consumer (B2C) und Consumer-to-Consumer (C2C) sowie Peer-to-Peer (P2P) betrachtet.

Um die verschiedenen Modelle der Sharing Economy zu veranschaulichen, dient die folgende Abbil­dung (3).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3 Modelle der Sharing Economy kategorisiert nah Non-profit und For-profit Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an die Abbildung von Dewenter - SharingEconomy[61]

Wie Abbildung (3) veranschaulicht gibt es eine Vielzahl von Modellen die der Sharing Economy zuge­rechnet werden.

In dieser Arbeit werden speziell die Modelle P2P/C2C und B2C erläutert. Das B2B Modell wird nur kurz erläutert, wird aber aufgrund des Umfanges der Arbeit nicht weiter betrachtet.

Beim Business-to-Business Modell, kurz B2B, sind ausschließlich Unternehmen involviert. Dabei fin­den profitorientierte Transaktionen für die bereitgestellten Güter innerhalb eines Nutzungsnetzwerkes zwischen den beiden Transaktionspartnern, also den Unternehmen statt. Beispielhaft sind "Co-Working- Spaces" für Arbeitsplätze oder "Fab Labs" für Produktionsinfrastruktur zu nennen.[62]

[...]


[1] Brügger, B. 2015, S. 6

[2] Vgl. Peitz, M.; Schwalbe, U. 2016, S. 2

[3] Vgl. Eichhorst, W.; Spermann, A. 2015, S. 8

[4] Vgl. Allen, D. 2014, S. 17

[5] Vgl. Peitz, M.; Schwalbe, U. 2016, S. 5

[6] Vgl. Hilker, C., S. 1

[7] Vgl. Haucap, J. 2015, S. 2

[8] Vgl. Haucap, J. 2015, S. 1

[9] Vgl. Belk, R. 2014, S. 1595

[10] Vgl. Theurl, T. et al. 2015, S. 96

[11] Vgl. Peitz, M.; Schwalbe, U. 2016, S. 6

[12] Vgl. Kagermeier, A.; Köller, J.; Stors, N. 2015a, S. 2

[13] Vgl. Dittmann, H.; Kuchinke, B. A. 2015, S. 244

[14] Vgl. Belk, R. 2007, S. 126

[15] Vgl. o.V. Oxford dictionary

[16] Vgl. Arnold, A. et al. 2015, S. 11

[17] Vgl. Gloser, A. 2016, S. 7

[18] Vgl. Sikorska, O.; Grizelj, F. 2015, S. 504

[19] Scholl, G. et al. 2015, S. 9

[20] Vgl. Kaup, G. 2013, S. 4

[21] Böckmann, M. 2013, S. 2

[22] Vgl. Heinrichs, H.; Grunenberg, H. 2012, S. 1

[23] Vgl. Hilker, C., S. 1

[24] Vgl. Kagermeier, A.; Köller, J.; Stors, N. 2015b, S. 119

[25] Vgl. Zentes, J.; Freer, T.; Beham, F. 2013, S. 4

[26] Vgl. Heinrichs, H.; Grunenberg, H. 2012, S. 4

[27] Vgl. Hilker, C., S. 1

[28] Vgl. Peitz, M.; Schwalbe, U. 2016, S. 6

[29] Vgl. Kaup, G. 2013, S. 5

[30] Vgl. Peitz, M.; Schwalbe, U. 2016, S. 4

[31] Vgl. Kagermeier, A.; Köller, J.; Stors, N. 2015a, S. 2

[32] Vgl. Dittmann, H.; Kuchinke, B. A. 2015, S. 246

[33] Vgl. Peitz, M.; Schwalbe, U. 2016, S. 6

[34] Vgl. Kaup, G. 2013, S. 5

[35] Vgl. Dittmann, H.; Kuchinke, B. A. 2015, S. 246

[36] Vgl. Scholl, G. et al. 2015, S. 12

[37] Vgl. van der Osten, H. 1989, S. 55

[38] Vgl. Kieser, A. 1995, S. 225

[39] Vgl. Peitz, M.; Schwalbe, U. 2016, S. 7

[40] Vgl. Rauch, D.; Schleicher, D. 2015, S. 36

[41] Vgl. Eichhorst, W.; Spermann, A. 2015, S. 7

[42] Vgl. Dittmann, H.; Kuchinke, B. A. 2015, S. 247

[43] Vgl. Theurl, T. et al. 2015, S. 96

[44] Vgl. Eichhorst, W.; Spermann, A. 2015, S. 8

[45] Vgl. Allen, D. 2014, S. 20

[46] Vgl. Kaup, G. 2013, S. 5

[47] Vgl. Allen, D. 2014, S. 19

[48] Vgl. Peitz, M.; Schwalbe, U. 2016, S. 7

[49] Vgl. Kaup, G. 2013, S. 8

[50] Vgl. Zentes, J.; Freer, T.; Beham, F. 2013, S. 4

[51] Vgl. Fehlinger, P. et al. 2015, S. 10

[52] Vgl. Zentes, J.; Freer, T.; Beham, F. 2013, S. 42

[53] Vgl. Kaup, G. 2013, S. 11

[54] Vgl. Zentes, J.; Freer, T.; Beham, F. 2013, S. 42

[55] Vgl. Zentes, J.; Freer, T.; Beham, F. 2013, S. 43

[56] Vgl. Zentes, J.; Freer, T.; Beham, F. 2013, S. 44

[57] Vgl. Theurl, T. et al. 2015, S. 96

[58] Vgl. Heinrichs, H.; Grunenberg, H. 2012, S. 2

[59] Vgl. Kaup, G. 2013, S. 11

[60] Verbraucherzentrale Bundesverband 2015, S. 4

[61] Dewenter, R.

[62] Vgl. Kaup, G. 2013, S. 6

Details

Seiten
55
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668497306
ISBN (Buch)
9783668497313
Dateigröße
2 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v371318
Institution / Hochschule
Technische Hochschule Wildau, ehem. Technische Fachhochschule Wildau
Note
1,5
Schlagworte
sharing economy hotellerie einfluss airbnb hotels berliner übernachtungsmarkt

Autor

  • Daniel S.

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Titel: Sharing Economy in der Hotellerie. Der Einfluss von AirBnB auf konventionelle Hotels im Berliner Übernachtungsmarkt