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Entwicklung eines Anforderungskataloges für die Gestaltung und Verwendung von Kennzahlen und Kennzahlensystemen der Intralogistik

Bachelorarbeit 2017 49 Seiten

BWL - Allgemeines

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einführung
1.1. Problemstellung
1.2. Ziel der Arbeit
1.3. F orschungsstand

2. Intralogistik
2.1. Begriff Intralogistik
2.2. Unternehmensbereiche der Intralogistik
2.3. Ziele der Intralogistik

3. Untersuchungsgegenstand Kennzahlen und Kennzahlensysteme
3.1. Begriff Kennzahl, Kennzahlenarten und Kennzahlenvergleiche
3.2. Funktionen von Kennzahlen und Kennzahlensystemen
3.3. Systematisierung und Klassen von Kennzahlen
3.4. Definition und Systematiken von Kennzahlensystemen
3.5. Die 10 Teilschritte des Einsatzes von Kennzahlen
3.6. Grenzen von Kennzahlen und Kennzahlensystemen

4. Anforderungen an Kennzahlen und Kennzahlensystemen und Entwicklung eines modularen Anforderungskataloges für die Intralogistik
4.1. Begriff Anforderung, Anforderungskatalog und modularer Anforderungskatalog...
4.2. Kernanforderungen an Kennzahlen und Kennzahlensystemen
4.3. Ergänzende Anforderungen an monetären Kennzahlen
4.4. Ergänzende Anforderungen an nicht monetären Kennzahlen
4.5. Ergänzende Anforderungen an Kennzahlensystemen
4.6. Gewichteter modularer Anforderungskatalog der Intralogistik

5. Anwendung des modularen Anforderungskataloges in der Intralogistik
5.1. Ausgewählte Kennzahlen
5.1.1. Beschaffungslogistik
5.1.2. Produktionslogistik
5.1.3. Distributionslogistik
5.1.4. Rentabilitätskennzahl
5.2. Ausgewähltes Kennzahlensystem
5.2.1. Vorstellung eines ausgewählten Kennzahlensystems
5.2.2. Anwendung des modularen Anforderungskataloges

6. Zusammenfassung und Ausblick

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Organigramm 1 - Bereiche der Untemehmenslogistik

Abb. 2: Organigramm 2 - Kennzahlenarten

Abb. 3: Organigramm 3 - Klasseneinteilung intralogistischer Kennzahlen

Abb. 4: Perspektiven der BSC

Abb. 5: Darstellung einer fiktiven BSC eines Unternehmens in der Intralogistik

Tabellenverzeichnis

Tab. 1: Verwendungsbeispiele für die intralogistischen Kennzahlenklassen

Tab. 2: Gewichteter modularer Anforderungskatalog für die Intralogistik 28 ff

Tab. 3: Anwendung des Anforderungskataloges für die 1. ausgewählte Kennzahl 31f

Tab. 4: Anwendung des Anforderungskataloges für die 2. ausgewählte Kennzahl 32 f

Tab. 5: Anwendung des Anforderungskataloges für die 3. ausgewählte Kennzahl

Tab. 6: Anwendung des Anforderungskataloges für die 4. ausgewählte Kennzahl

Tab. 7: Anwendung des Anforderungskataloges an der fiktiven BSC

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einführung

1.1. Problemstellung

Für die Erreichung der operativen und strategischen Unternehmensziele bei immer schnelllebigeren und globalisierten Märkten, benötigen die Unternehmen ent­scheidungsrelevante Informationen, um daraus kurzfristige und langfristige Ent­scheidungen, Planungen und Kontrollen für die Wettbewerbsfähigkeit und Ziel­erreichungen des Unternehmens formulieren und durchführen zu können. Durch die kontinuierliche Auswertung entscheidungsrelevanter Informationen lassen sich über Verbesserungen und Maßnahmen, von z.B. Prozessen, Steigerungen des Unter­nehmenserfolges erzielen. Hierin liegt ein nutzbares Rationalisierungspotential, wel­ches ein leistungsfähiges Informationssystem benötigt.

Entscheidungsrelevante Informationen erhalten viele Unternehmen unter anderem durch Kennzahlen und Kennzahlensystemen. Dabei variieren die relevanten Kenn­zahlen eines Unternehmens von Branche zu Branche. Es gibt kein Patentrezept, welche Kennzahlen für welches Unternehmen essentiell sind. Entscheidend bei der Auswahl der benötigten Kennzahlen ist die Vision, die auf dem Markt agierende Strategie, die Kernkompetenzen sowie die Unternehmensstruktur des Unternehmens. Daraus bilden sich die einzelnen Kennzahlen und Kennzahlensysteme, welche für das Unternehmen von Bedeutung sind.

Unternehmen, die im Wettbewerb über optimale Führungsinstrumente in Form von Kennzahlen und Kennzahlensystemen und damit verbundenen entscheidungsrele­vanten Informationen verfügen, haben im wirtschaftlichen Wettbewerb die größeren Chancen. Es kann auf breiterer Basis und größerer Sorgfalt analysiert, komplexer gedacht und gezielter disponiert werden. Zudem ist das Unternehmen in Ihren internen sowie externen Handlungen schneller aktionsfähig.[1]

In der Intralogistik werden Kennzahlen und Kennzahlensysteme in drei verschiedenen Unternehmensbereichen benötigt. Diese setzen sich aus der Beschaffungs-, Produk­tions- und Distributionslogistik zusammen. Dabei können Kennzahlen in monetärer und nicht monetärer Form sowie in unterschiedlichen Kennzahlenarten auftreten.

Problematisch bei der Gestaltung und Verwendung von monetären und nicht mone­tären Kennzahlen sowie an Kennzahlensystemen in der Intralogistik ist die Festlegung der Anforderungen, die bei der Verwendung und Gestaltung zu erfüllen sind. Das Definieren der Kernanforderungen an Kennzahlen, den ergänzenden Anforderungen an monetären und nicht monetären Kennzahlen sowie an Kennzahlensystemen ist für die Problemlösung entscheidend. Bei der Problemlösung nimmt die Gewichtung der einzelnen Anforderungen eine bedeutende Rolle ein.

1.2. Ziel der Arbeit

Das Ziel dieser Bachelorarbeit ist es, die relevanten Kernanforderungen als Basis mit ergänzenden Anforderungen an monetären und nicht monetären Kennzahlen sowie an Kennzahlensystemen zu gestalten und in einem modularen gewichteten Anforder­ungskatalog darzustellen und zu gewichten. Nach Ausarbeitung und Gestaltung des modularen Anforderungskataloges wird der Anforderungskatalog an ausgewählten monetären und nicht monetären Kennzahlen in den Unternehmensbereichen der Intra­logistik sowie an einem Kennzahlensystem angewendet. Der zu entwickelnde modu­lare gewichtete Anforderungskatalog stellt die Problemlösung dar.

1.3. Forschungsstand

Nach ausgiebiger Literaturrecherche sind spezifische Anforderungen mit Erläu­terungen an Kennzahlen und Kennzahlensystemen zu ermitteln. Allerdings ist weder ein Anforderungskatalog, noch ein gewichteter modularer Anforderungskatalog für die Gestaltung und Verwendung von Kennzahlen und Kennzahlensystemen ausfindig zu machen.

2. Intralogistik

2.1. Begriff Intralogistik

Die Intralogistik eines Unternehmens hat in der heutigen Zeit eine sehr hohe Ver­antwortung. Die innerbetrieblichen Material- und Warenflüsse müssen optimiert und Prozesse möglichst fehlerfrei gesteuert werden, um die Ziele und die Wettbewerbs­fähigkeit des Unternehmens am Markt erfüllen zu können.

„Die Intralogistik umfasst die Organisation, Steuerung, Durchführung und Optimierung des innerbetrieblichen Materialflusses, der Informationsströme sowie des Warenumschlags der Industrie, Handel und öffentlichen Einrichtungen“.[2]

Für eine erfolgreiche Führung der Intralogistik durch das Management bedarf es moderner Managementsysteme. Diese zeichnen sich durch die Kriterien Prozess­orientierung und Controlling aus. Dabei müssen die Prozesse in ihrer Gesamtheit leistungsfähig sein und mit Unterstützung des Controllings die Wechselwirkungen zwischen den Prozessen verstanden werden. In besonderem Maße ist die Leistungs­fähigkeit der Prozesse in der innerbetrieblichen Logistik notwendig, denn gerade Produktionsunternehmen sind davon stark abhängig. Eine wirtschaftliche Produktion sowie ein erfolgreicher Vertrieb wird durch die Optimierung und kontinuierlichen Verbesserungen der innerbetrieblichen Prozesse erbracht.[3]

Teilprozesse in der innerbetrieblichen Logistik lassen sich wie folgt unterteilen:[4]

- Wareneingangsprüfung
- Einlagerung und Auslagerung sowie Lagerhaltung
- Inner- und zwischenbetrieblicher Transport zwischen den Produktionsstufen
- Güterumschlag
- Kommissionierung
- Shipping Audit/Versandprüfung

Des Weiteren zählt das Personalmanagement zu den Führungsprozessen, Entwick­lung, Produktion und Vertrieb zu den Kernprozessen, sowie Einkauf und Instand­haltung zu den Unterstützungsprozessen in der innerbetrieblichen Logistik.[5]

2.2. Unternehmensbereiche der Intralogistik

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.1: Organigramm 1 - Bereiche der Unternehmenslogistik (in Anlehnung an: Quelle: Vgl.Heinich (2014), S. 4)

Die Intralogistik, auch Unternehmenslogistik genannt, unterscheidet ihre Unter­nehmensbereiche in Beschaffungs-, Produktions- und Distributionslogistik.[6]

Die Beschaffungslogistik hat die Aufgabe, das Unternehmen bedarfsgerecht mit Waren und Materialien vom Lieferanten bis zur Bereitstellung in der Produktion zu versorgen. Dies geschieht über den Transport, den Wareneingang und des Beschaf­fungslagers. Die Aufgabe der Produktionslogistik besteht darin, die richtigen Mate­rialien an den Produktionsstellen bereitzustellen, den innerbetrieblichen Materialfluss zwischen den Betriebsmitteln und Arbeitsplätzen zu gewährleisten, diesen zu opti­mieren und durchzuführen. Zudem plant und steuert die Produktionslogistik den Materialfluss in der Produktion bis zum Distributionslager über unterschiedliche Fertigungs- und Montagestufen. Der letzte Unternehmensbereich der Intralogistik ist die Distributionslogistik. Die Hauptaufgabe der Distributionslogistik ist die art- und mengengerechte Bereitstellung von produzierten Erzeugnissen für die nachfragenden und auftragsgebundenen Kunden. Weitere Aufgaben der Distributionslogistik ist die Wahl des Standortes des Distributionslagers, der Lagerplanung sowie die Kommis­sionierung und Verpackung von Gütern.[7]

2.3. Ziele der Intralogistik

Unternehmen, die wirtschaftlich produzieren wollen, müssen sich Ziele in Hinsicht auf ihre eigene Intralogistik setzen. Ein Ziel von besonderer Relevanz ist, die richtigen Materialien und Güter in der richtigen Menge, in der richtigen Qualität und zur richtigen Zeit am richtigen Ort bereit zu stellen. Weitere Ziele sind die Minimierung der Gesamtkosten der Intralogistik und die Erhöhung der wirtschaftlichen Leistung des Unternehmens, welche durch die Optimierung des operativen Material- und Informationsflusses erreicht werden können. Dabei sollen besonders die Kosten für die Lagerhaltung, des innerbetrieblichen Transports und die Kosten für System und Steuerung minimiert werden. Weitere Ziele in der Intralogistik können z.b. die Steigerung der Liefertreue, die Senkung der Bestellkosten und die Senkung der Rekla­mationsquote sein. Die Erreichung der intralogistischen Ziele ist der Schlüssel zur Verbesserung und Optimierung der betrieblichen Infrastruktur, um die eigene Marktleistungsfähigkeit zu erhöhen.[8]

3. Untersuchungsgegenstand Kennzahlen und Kennzahlensysteme

3.1. Begriff Kennzahl, Kennzahlenarten und Kennzahlenvergleiche

Kennzahlen sind als Instrument für die erfolgreiche zukunftsorientierte Entwicklung eines Unternehmens existenziell, sowie auch notwendig. Die Hauptaufgaben von Kennzahlen sind das ordnen von Erkenntnissen und Berichten von Istzuständen, Tat­bestände zu erklären, Entscheidungen zu treffen und Ereignisse vorherzusagen.[9]

Der Kennzahlenbegriff lässt sich im weiteren und engeren Sinne definieren. Kennzahlen im weiteren Sinne liefern quantitative Informationen, die auch für die spe­zifischen Bedürfnisse der Analyse und Steuerung der Intralogistik aufbereitet werden. Kennzahlen im engeren Sinne sind Messgrößen, die willentlich stark verdichtet werden, um als absolute Zahlen oder Verhältniszahlen in konzentrierter Form über zahlenmäßig erfassbare Sachverhalte berichten zu können.[10]

Quantitative Informationen werden, wenn möglich, bei der Bereitstellung von Informationen den qualitativen Informationen vorgezogen. Kennzahlen sollen in besonderem Maße komplizierte betriebliche Sachverhalte, Strukturen und Prozesse abbilden. Dabei wird ein möglichst umfassender Überblick gewährt, der den Führungsinstanzen bei Analysen und Steuerungsaufgaben wie Planung und Kontrolle dient.[11]

„Kennzahl ist eine Zahl, die in Bezug auf das Erkenntnisziel relevant ist und damit im Vergleich zu anderen Zahlen einen besonderen Aussagewert hat, unabhängig von ihrer quantitativen Struktur.“[12]

Kennzahlen und Kennzahlensysteme sind Informationsinstrumente für die Planung, Steuerung und Kontrolle der Intralogistik sowie zur rationalen Entscheidungsfindung. Betriebliche Kennzahlen informieren in präziser und konzentrierter Form über wichtige zahlenmäßig erfassbare Entwicklungen in der Intralogistik.[13]

Kennzahlenarten sind zum einen Absolute Zahlen und zum anderen Verhältniszahlen. Die folgende Abbildung zeigt die möglichen Kennzahlenarten:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Organigramm 2 - Kennzahlenarten (in Anlehnung an: Quelle: Vgl. Staudt u.a. (1985), S. 25)

Bei der Unterteilung der Absoluten Zahlen wird der Aspekt der Zeit mit Hilfe von Bestands- und Bewegungszahlen berücksichtigt. Bestandszahlen sind zeitpunkt­bezogen und Bewegungszahlen sind zeitraumbezogen. Absolute Zahlen können als Einzelwerte (z.B. Sicherheitsbestand einer Materialart), Summen (z.B. Zahl der Zulieferer), Differenzen (z.B. Inventurdifferenzen) oder Mittelwerte (z.B. durch­schnittlicher Lagerbestand) auftreten.[14]

Verhältniszahlen (Quotienten), auch relative Zahlen genannt, bestehen aus Beobach­tungszahlen (Zähler) und Bezugszahlen (Nenner).[15] Bei Gliederungszahlen haben Zähler und Nenner gleichartige Größen, der Zeitraum muss identisch sein (z.B. Materialintensität = Materialkosten\. Beziehungszahlen haben im Zähler und Nenner Gesamtkosten

verschiedenartige Größen zum identischen Zeitraum (z.B. Kosten pro Bestellung =

Kosten aller Bestellungen, . . . . . . .. . .. . ,

). Indexzahlen drücken dagegen die durchschnittliche zeitliche

Anzahl aller Bestellungen

Veränderung gleichartiger Größen aus (z.B. Kostenentwicklungen ).[16]

Verhältniszahlen bzw. relative Kennzahlen sind dazu geeignet, einzelne Ursachen aus einem Ursachenbündel von zu vergleichbaren Kennzahlen zu isolieren, Deckungs­relationen zwischen Absoluten Zahlen zu formulieren, die relative Bedeutung von Einzelgrößen aufzuzeigen (Gliederungszahlen) und als Ersatzgrößen für Absolute Zahlen zu fungieren (z.B. Preisindexzahlen statt Preise).[17]

Bei der Auswertung einer Kennzahl ist es wichtig, nicht nur den errechneten Wert einer Kennzahl als Informationsgewinnung und Entscheidungsgrundlage zu nutzen, sondern Kennzahlenvergleiche durchzuführen. Durch die Vergleichbarkeit von Kenn­zahlen wird die Komplexität und Aussagekraft der Information erhöht und es können effizientere Entscheidungen getroffen werden.[18]

Generell lassen sich folgende Kennzahlenvergleichsarten unterscheiden:[19]

- Soll-Ist- Vergleich

Kennzahlen können für einen abgesteckten Zeitraum oder Zeitpunkt bzw. eines definierten Zeitintervalls Planzahlen sein, wobei ein verbindlicher Wert (z.B. die Her­stellungskosten eines Produkts) für die Planungsperiode oder dem Planungszeitpunkt vorgegeben wird. Bei einem Soll-Ist- Vergleich erfolgt eine Gegenüberstellung der Plan-(Soll-) Werte mit den korrespondierenden Istwerten. Dieser Vergleich einer Kennzahl liefert der Intralogistik entscheidende Angaben über Abweichungen vom geplanten Wert, so dass Maßnahmen für Korrekturen vorgenommen werden können.

- Zwischenbetrieblicher Vergleich

Bei einem zwischenbetrieblichen Vergleich werden Istwerte zu einem gleichen Sach­verhalt (z.B. Produktivität der Mitarbeiter) und zu einem identischen Zeitpunkt oder Zeitraum gegenübergestellt. Die Gegenüberstellung erfolgt meist in zwei oder mehr intralogistischen Betrieben und gibt Auskunft darüber, wie der eigene Betrieb im Hinblick auf das betriebliche Merkmal dasteht. Bei diesem Vergleich werden besonders die Stärken und Schwächen erkennbar und aufgezeigt.

- Überbetrieblicher Vergleich

Bei einem überbetrieblichen Vergleich wird die Gegenüberstellung nicht mit zwei oder mehreren Betrieben als Vergleichsmaßstab genutzt, sondern ein überbetrieblicher Vergleich in Form von Branchendurchschnittswerten und Betriebsgrößenklassen. Mit diesem Vergleich erhält das Unternehmen, bzw. die eigene Intralogistik, verbesserte Informationen im Vergleich zum zwischenbetrieblichen Vergleich und zeigt verstärkt die Stärken und Schwächen der eigenen Intralogistik auf. Bei einem überbetrieblichen Vergleich besteht zudem die Möglichkeit, Soll-Ist- Vergleiche zu nutzen. Besonders in der Materialwirtschaft hat der überbetriebliche Vergleich eine hohe Bedeutung.

3.2. Funktionen von Kennzahlen und Kennzahlensystemen

Ein systematisches Arbeiten mit Kennzahlen und Kennzahlensystemen gehört für das Management und den entscheidungsbefugten Personen zu den maßgeblichen Aufgaben. Mit den erhaltenen Informationen durch Kennzahlen und Kennzahlen­systemen lässt sich durch qualifizierte Auslese das Wesentliche vom Unwesentlichen trennen, kausale Zusammenhänge werden sichtbar und die Produktivität lässt sich steigern.[20] Weitere Funktionen lassen sich zudem aus dem Controlling implizieren, denn Controller arbeiten mit entscheidungsunterstützenden Kennzahlen und Kenn­zahlensystemen. Funktionen des Controllings sind die Informations-, Planungs-, Koordinations-, Kontroll- und Rationalitätsfunktion.

Im Wesentlichen sind 9 Hauptfunktionen von Kennzahlen erkennbar:

- Datenauslese und Verdichtung

Bei der Datenauslese und Verdichtung von Kennzahlen ist der Aufbau einer Sys­tematik, die Filterung des Datenanfalls und die Kanalisierung von Relevanz. Das Ope­rieren mit Kennzahlen sollte zukunftsorientiert und strategisch ausgerichtet sein, sowie einen festen Platz im täglichen Denken und Handeln haben.[21]

- Gewinnung von Maßstäben / Steuerungsfunktion

Über die Datenauslese und Verdichtung von Kennzahlen werden Maßstäbe gewonnen, branchenspezifische Maßstäbe entwickelt und betriebsindividuelle Maßstäbe vor­gegeben. Maßstäbe sind wichtig, um beurteilen und bewerten zu können.[22] Durch die Verwendung von Kennzahlen werden Steuerungsprozesse vereinfacht.[23]

- Erkennen von Zusammenhängen / Anregungsfunktion

Eine weitere Hauptfunktion von Kennzahlen ist das Erkennen von Zusammenhängen bei der Datenauslese und Verdichtung. Durch das Erkennen von Zusammenhängen werden Einflussfaktoren für die Erfolgswirksamkeit der Intralogistik bestimmt, Ur­sachen für Mängel und Fehler gefunden, sowie die Auswirkungen vorhandener Schwächen und getroffener Maßnahmen analysiert.[24] Durch die laufende Erfassung von Kennzahlen werden Auffälligkeiten und Veränderungen erkannt.[25]

- Entwicklung von Zielprojektionen / Vorgabefunktion

Bei der Entwicklung von Zielprojektionen sollte das Management unter­nehmenspolitische Konzeptionen durch Kennzahlen sowie strategische Zielsetzungen mit Hilfe von Kennzahlen absichern und operative Aufgaben durch ein Kennzahlen­gerüst untermauern.[26] Zudem müssen kritische Kennzahlenwerte als Zielgrößen für die intralogistischen Unternehmensbereiche ermittelt werden, welche als Vergleichs­maßstäbe zu nutzen sind .[27]

- Ergebniskontrolle und Steuerung / Kontrollfunktion

Eine weitere Hauptfunktion ist die Ergebniskontrolle und Steuerung bei der Aus­wertung von Kennzahlen. Es ist wichtig, dass in festgelegten Zeiträumen Soll-Ist Aus­wertungen von Kennzahlen vorgenommen werden und Planvorgaben vorgegeben sind.[28]

- Operationalisierungsfunktion

Kennzahlen und Kennzahlensysteme werden gebildet und verwendet für die Opera­tionalisierung bzw. der Messbarkeit von Zielen und Zielerreichungen.[29]

- Koordinationsfunktion

Kennzahlen und Kennzahlensysteme dienen der Koordination innerhalb des Füh­rungssystems der Intralogistik und vollziehen sich durch Abstimmungsprozesse in der Planung, Analyse und Kontrolle von Koordinationsobjekten- und systemen.[30]

- Planungsfunktion

Kennzahlen und Kennzahlensysteme unterstützen bei der Planung der gesteckten Unternehmensziele, der Umsetzungsmaßnahmen, der Ressourcen, der zukünftigen Ordnung sowie bei der Planung der unterschiedlichen Planungsebenen und Planungs­kreisläufen der Intralogistik.[31]

- Informationsfunktion

Kennzahlen und Kennzahlensysteme dienen zur Erfüllung des Informationsbedarfs des Managements in der Intralogistik. Informationen sind Daten, die für Planungs-, Analyse- und Kontrollprozesse genutzt werden und einen Zweckbezug aufweisen.[32]

3.3. Systematisierung und Klassen von Kennzahlen

Kennzahlen können nach betriebswirtschaftlichen Kriterien differenziert bzw. syste­matisiert werden, typische Einteilungen dabei sind:

- Nach dem Ort des Ursprungs

Kennzahlen können aus der Bilanz, der Buchhaltung, der Aufwands-, Ertrags- und Kostenrechnung oder aus der Statistik stammen.[33]

- Nach der betrieblichen Funktion

Kennzahlen nach der betrieblichen Funktion werden in finanzwirtschaftliche, produktionswirtschaftliche, personalwirtschaftliche, lagerwirtschaftliche und anlagen­wirtschaftliche Kennzahlen differenziert.[34]

- Nach funktionellen Gesichtspunkten

Demnach werden Kennzahlen nach dem Betriebsziel und dessen Verwirklichung (Produktivität, Wirtschaftlichkeit, Rentabilität) als primär und Kennzahlen über die Betriebsmittel und der Verwendung (Einkauf, Lager, Produktion) als sekundär unterschieden.[35]

- Nach Analysebereichen

Analysebereiche können z.B. Liquidität, Verschuldung, Kostenstruktur, Finanzwirt­schaft, AFA, Gewinn oder Investitionen sein.[36]

Für die spätere Verwendung der ausgewählten Kennzahlen werden intralogistische Kennzahlen in folgende Klassen eingeteilt, wobei monetäre Kennzahlen auf finan­zielle Ziele sowie dem Geld betreffend ausgerichtet und nicht monetäre Kennzahlen auf nicht finanzielle Ziele sowie nicht dem Geld betreffend ausgerichtet sind:[37]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3: Organigramm 3 - Klasseneinteilung intralogistischer Kennzahlen (in Anlehnug an: (Quelle: Vgl. Dietrich/Schulze/ Weber(2007), S. 2, (in Anlehnung an: Vgl. Quelle: Haufe, Pro Firma Professional, 2 Arten von Kennzahlen), ergänzt durch eigene Konzeption)

Bei der Abgrenzung von intralogistischen Kennzahlen in monetären und nicht monetären Kennzahlen wurden General Manager befragt, welche Kennzahlen ihnen zur Verfügung stehen und konsequent genutzt werden. Die Befragung ergab, dass 55 % der General Manager über mehr als zehn Finanzkennzahlen, 33 % zwischen fünf bis zehn Finanzkennzahlen und 12 % über weniger als 5 Finanzkennzahlen verfügen. Bei den nicht monetären Kennzahlen nutzen die General Manager im Bereich der Kundenkennzahlen 27 %, bei Prozesskennzahlen 28 % und bei Potentialkennzahlen nur 11 % mehr als zehn Kennzahlen.[38]

[...]


[1] Vgl. Schott (1988), S. 15.

[2] Arnold (2006), S. 1.

[3] Vgl. Stausberg (2005), S. 13.

[4] Vgl. Stausberg (2005), S. 14.

[5] Vgl. Stausberg (2005), S. 15.

[6] Vgl. Heinrich (2014), S. 4.

[7] Vgl. Heinrich (2014), S. 6 f.

[8] Vgl. Heinrich (2014), S. 3 f.

[9] Vgl. Staudt u.a. (1985), S. 22.

[10] Vgl. Gladen (2001), S. 12.

[11] Vgl. Gladen (2001), S. 12.

[12] Staudt u.a. (1985), S. 24.

[13] Vgl. Groll (1986), S. 11. „zitiert in vgl. Schulte (2001), S. 457."

[14] Vgl. Schulte (2001), S. 458.

[15] Vgl. Staudt u.a. (1985), S. 26.

[16] Vgl. Schulte (2001), S. 459.

[17] Vgl. Gladen (2001), S. 16.

[18] Vgl. Schulte (2001), S. 460.

[19] Vgl. Lachnit (1975), S. 41, Matzenbacher (1978), S. 16, Hecker (1975), S. 16. „zitiert in vgl. Schulte (2001), S. 460 f."

[20] Vgl. Schott (1988), S. 16.

[21] Vgl. Schott (1988), S. 16 f.

[22] Vgl. Schott (1988), S. 17.

[23] Vgl. Weber/Hamprecht/Goeldel (1995), S. 188. „zitiert in Vgl. Becker (2014), S. 69."

[24] Vgl. Schott (1988), S. 17.

[25] Vgl. Weber/Hamprecht/Goeldel (1995), S. 188. „zitiert in vgl. Becker (2014), S. 69."

[26] Vgl. Schott (1988), S. 18.

[27] Vgl. Weber/Hamprecht/Goeldel (1995), S. 188. „zitiert in vgl. Becker (2014), S. 69."

[28] Vgl. Schott (1988), S. 18.

[29] Vgl. Weber/Hamprecht/Goeldel (1995), S. 188. „zitiert in vgl. Becker (2014), S. 69."

[30] Vgl. Buchholz (2013), S. 18 f.

[31] Vgl. Buchholz (2013), S. 23.

[32] Vgl. Buchholz (2013), S. 28.

[33] Vgl. Antoine (1956), S. 30 f. „zitiert in vgl. Ester (1997), S. 71."

[34] Vgl. Antoine (1956), S. 30 f. „zitiert in vgl. Ester (1997), S. 71."

[35] Vgl. Graf/Hunziker/Scheerer (1958), S. 79 ff. „zitiert in vgl. Ester (1997), S. 71 f."

[36] Vgl. Hoffmann (1977), S. 230 ff. und S. 239 ff. „zitiert in vgl. Ester (1997), S. 72."

[37] Vgl. Dietrich u.a. (2007), S. 2.

[38] Vgl. Weber/Schäffer (1999a), S. 348. „zitiert in vgl. Sandt (2004), S. 110 f."

Details

Seiten
49
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668498280
ISBN (Buch)
9783668498297
Dateigröße
870 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v371264
Institution / Hochschule
Universität Siegen
Note
2,0
Schlagworte
Anforderungskatalog Gestaltung Verwendung Kennzahlen Kennzahlensystemen

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