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Interkulturalität im Fremdsprachenunterricht

Ein Forschungsbericht

Praktikumsbericht / -arbeit 2017 20 Seiten

Pädagogik - Interkulturelle Pädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. EINLEITUNG

2. INTERKULTURELLE ERZIEHUNG UND BILDUNG
2.1. MIGRATION
2.2. KULTUR UND ETHNIE
2.3. HETEROGENITÄT
2.4. RASSISMUS
2.5 INTERKULTURELLE ERZIEHUNG UND BILDUNG

3. ZEHN ZIELE FÜR EINE ERFOLGREICHE INTERKULTURELLE BILDUNG UND ERZIEHUNG

4. METHODISCHES VERFAHREN
4.1. AUSWAHL DES METHODISCHEN VERFAHRENS
4.2. METHODOLOGIE

5. ERGEBNISSE

6. FAZIT

BIBLIOGRAPHIE

ANHANG

1. Einleitung

„Our ability to reach unity in diversity will be the beauty and the test of our civilisation.” Ein weltberühmtes Zitat von Mahatma Gandhi zeigt uns, dass auch Menschen von verschiedener Herkunft Gemeinsamkeiten finden und die Schönheit der Diversität erkennen sollten. Entspricht diese Lebensweisheit der Realität in unserer Gesellschaft? Wissen sowohl Schüler1 als auch Lehrer wie sie mit Interkulturalität umgehen und wie sie von ihr profitieren können? Diese Arbeit beschäftigt sich mit diesem Thema im Rahmen des Englisch- und Französischunterrichts und versucht, die folgende Forschungsfrage zu beantworten: ‚Wie wird Interkulturalität im Fremdsprachenunterricht ermöglicht?’

Kinder aus der ganzen Welt kommen nach Deutschland und werden im deutschen Bil- dungswesen geschult, während andere Kinder in Deutschland geboren sind, jedoch mit ihren Eltern eine etwas andere Kultur leben als wiederum andere Familien in ihrem Umfeld. Oft wird seitens der Schule erwartet, dass, alle Probleme beseitigt wären, wenn Schüler die deutsche Sprache lernen, doch greift diese vermeintliche Universallösung für alle migrati- onsbedingten gesellschaftlichen Herausforderungen deutlich zu kurz. Es existieren nicht nur sprachliche, sondern auch kulturelle Barrieren, welche das Leben miteinander beein- flussen und erschweren können (vgl. Aydt, 2015, S. 42ff.). In den vergangenen Jahren nahm die Bundesrepublik Deutschland eine große Anzahl an Flüchtlingen auf: Allein im Juni 2016 wurden 16.335 Asylsuchende neu erfasst (vgl. Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, 2016). Unter diesen Flüchtlingen sind auch viele Kinder, die eine deutsche Schule besuchen. Des Weiteren wurde Europa in den letzten Jahren Opfer mehrerer scho- ckierender Angriffe wie Terrorattacken oder Geiselnahmen, was dazu führte, dass manche Menschen Flüchtlingen gegenüber eine reservierte oder gar ablehnende Haltung entwickel- ten, im Zuge derer diese Minderheit für die Angriffe verantwortlich gemacht wird. Es ist eine wichtige Aufgabe für Lehrkräfte, Rassismus vorzubeugen und die Schüler erkennen zu las- sen, dass die kulturelle Vielfalt in einem Klassenraum ein Privileg und keineswegs ein Hin- dernis darstellt (vgl. Nieke 2000, S. 213f.). Das bedeutet jedoch auch, dass es gilt, Barrie- ren gemeinsam abzubauen und Probleme und Herausforderungen zu thematisieren und gemeinsam Lösungen zu finden.

Ich studiere sowohl Englisch als auch Französisch und in beiden Fächern ist der Begriff der interkulturellen Kompetenz sehr essentiell. Unter interkultureller Kompetenz versteht man die „notwendigen persönlichen Voraussetzungen für angemessene, erfolgreiche und gelin- gende Kommunikation in einer fremdkulturellen Umgebung, mit Angehörigen anderer Kultu- ren“ (Hinz-Rommel, 1994, S. 56). Außerdem war es im Rahmen meines Studiums obligato- risch, zwei Auslandsaufenthalte in je einem frankophonen und anglophonen Land zu absol- vieren. Ich reiste somit mit einigen Kommilitonen nach England und nach Frankreich, wo wir alle zunächst einen Kulturschock erlebten. Je nach Person war der Kulturschock unter-schiedlich stark und wir begannen, dieses Phänomen zu diskutieren. Diejenigen, die im Laufe ihrer Schulzeit keine interkulturellen Erfahrungen hatten machen können, erlebten einen stärkeren Kulturschock als diejenigen, deren interkulturelle Handlungsfähigkeit in ihrer eigenen Lebenswelt permanent oder auch nur gelegentlich geschult wurde. Somit ist das Ziel dieser Arbeit herauszufinden, inwieweit Interkulturalität im Fremdsprachenunterricht behandelt und thematisiert wird, um festzustellen, ob Schüler nach der Schulzeit in der Lage sein werden, mit der kulturellen Vielfalt in ihrem Umfeld oder im Zielland umgehen und von ihr profitieren zu können.

Zunächst werden grundlegende Termini des interkulturellen Lernens definiert und mithilfe von Beispielen veranschaulicht. Anschließend werden Niekes zehn Ziele interkulturellen Lernens vorgestellt und verdeutlicht, welche die Grundlage für das Beantworten der Forschungsfrage bilden. Daraufhin wird auf die Forschungsmethode - in diesem Fall die Unterrichtshospitation bzw. Unterrichtsbeobachtung - eingegangen und erklärt, wie die Datenerhebung genau durchgeführt wurde. Im darauffolgenden Kapitel werden die Ergebnisse vorgestellt und mithilfe von Niekes zehn Zielen auf die Fragestellung ‚Wie wird Interkulturalität im Fremdsprachenunterricht ermöglicht’ hin analysiert. Am Ende dieser Arbeit wird die Forschungsfrage in Form eines Fazits beantwortet.

2. Konzept der interkulturellen Erziehung und Bildung

Im theoretischen Teil dieser Arbeit werden Niekes zehn Ziele für eine erfolgreiche interkulturelle Erziehung und Bildung vorgestellt, doch zuvor ist die Klärung von fundamentalen Grundtermini von Nöten.

2.1. Migration

Es ist sinnvoll, mit dem Begriff der Migration zu beginnen. Der Terminus ‚Migration’ hat seinen etymologischen Ursprung im lateinischen Wort migratio, was ‚Wanderung’ oder ‚Umzug’ bedeutet. Laut Hamburger sind Migranten demnach Menschen, die von einem Land zum anderen auswandern und sich entscheiden, für eine kürzere oder längere Zeit in dem anderen Land zu leben (2009, S. 14). Weiterhin nennt er fünf Motive für Migration: Naturkatastrophen, Wirtschaftsnot, politische und religiöse Verfolgung, soziale Gründe (z.B. Familie) und individuelle Handlungsmotive (z.B. aus Interesse an einer anderen Kultur) (vgl. ebd. S. 17f.). In Deutschland begann eine große Bewegung der Migration unmittelbar nach dem zweiten Weltkrieg, als zwölf Millionen Flüchtlinge aus dem Osten in den Westen ein- wanderten (vgl. ebd. S. 18). Die zweite Einwanderungsphase begann ab dem Jahre 1955, als Gastarbeiter benötigt wurden und diese aus verschiedenen Ländern wie beispielsweise Italien, Polen sowie Portugal angefordert wurden (vgl. ebd.). Seit Beginn der achtziger Jah- re nahm die Bundesrepublik Deutschland Flüchtlinge aus Krisengebieten wie der Türkei, Afghanistan, Libanon etc. auf. Seitdem dient Deutschland vielen Menschen als Zufluchtsort, die sich entschließen, für eine kurze Zeit oder auch für den Rest ihres Lebens hier zu ver- weilen (vgl. ebd.). Aufgrund des seit 2011 stattfindenden Krieges in Syrien nahm Deutsch- land eine große Anzahl an Flüchtlingen aus Syrien, Irak und anderen Ländern des Nahen Ostens auf. Allein von Januar bis Juni 2016 reisten über 200.0000 Flüchtlinge nach Deutschland ein (vgl. Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, 2016). Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Tatsache, dass verschiedene Generationen von Mig- ranten in Deutschland leben. Manche Migranten gehören zur so genannten ersten Genera- tion, welche den Auswanderungsprozess selbst durchlebte und mit den Differenzen der verschiedenen Kulturen zurechtkommen musste bzw. muss. Andere Migranten gehören zur zweiten oder sogar dritten Generation, was bedeutet, dass ihre Eltern bzw. Großeltern ein- wanderten, sie selbst jedoch in der Bundesrepublik geboren und somit sowohl von der Kul- tur Zuhause als auch von der Kultur der Gesellschaft, in der sie leben, beeinflusst sind (Suàrez-Orozco/ Suàrez-Orozco, 2009, S. 62ff.). Diese Art der Migranten ist in der Regel sehr viel stärker integriert als die vorangehenden Genrationen, jedoch haben Vertreter die- ser Gruppe manchmal mit gewissen Konflikten innerhalb der beiden Kulturen zu kämpfen (vgl. ebd.).

2.2. Kultur und Ethnie

An diesem Punkt ist es nun angebracht, die Begriffe der Kultur und der Ethnie anzuspre- chen, die in der Alltagssprache oft synonym verwendet werden, sich jedoch sehr stark in ihrer Bedeutung unterscheiden. Das Wort ‚Ethnie’ stammt vom griechischen Wort ethnos ab , was nichts anderes als ‚Volk’ bedeutet. So definiert Nieke eine Ethnie nicht als eine Na- tion, sondern als Stämme (engl. tribes). Demnach bezeichnet eine Ethnie „eine Gruppe, deren Mitglieder miteinander [ ] verwandt sind“ (Nieke 2000, S. 38 f.). Ethnien unterschei- den sich in Faktoren wie Sprache, Religion und Kultur (vgl. ebd.). Der Terminus ‚Kultur’ stammt hingegen vom lateinischen cultura und bedeutet ‚Bebauung’ oder ‚Pflege’. Eine Kul- tur befindet sich innerhalb einer Ethnie und ist alles, was der Mensch - durch Nutzbarma- chung der natürlichen Gegebenheiten - verändern kann. Dazu gehören Sitten, Bräuche, Moral und auch hier wieder die Religion (vgl. ebd.). Zur Illustrierung wäre ein türkischer Junge, der in Deutschland lebt, von der Ethnie her türkisch, weil er von einer türkischen Familie abstammt, dessen Religion er befolgt und dessen Sprache er spricht. Da dieser Junge aber in Deutschland lebt und den Normen und Werten dieser westlichen Gesell- schaft folgt, die deutsche Sprache spricht und viele deutsche Freunde hat, wäre er von der Kultur her sowohl türkisch als auch deutsch. Zusammenfassend ist bei der Ethnie die weite Verwandtschaft der einzelnen Mitglieder das Hauptcharakteristikum; bei der Kultur hinge- gen sind es Sitten, Bräuche und der gemeinsame Umgang.

2.3. Heterogenität

Da Lehrkräfte in der Schule verschiedenen Kulturen und Ethnien begegnen, ist es ebenfalls notwendig, den Begriff der Heterogenität zu erläutern. Der Begriff ‚Heterogenität’ stammt vom griechischen Adjektiv heterogenes und bedeutet „von verschiedenem Geschlecht, ver- schiedener Gattung oder Abstammung, ungleichartig, aus Ungleichartigem bestehend“ (Ott, 2012, S. 4)2. Heterogenität ist an Homogenität gebunden, denn eine heterogene Gesamt- heit muss Bestandteile aufweisen, die sich gleichen (ebd.). Thomas Ott beginnt seine Illust- rierung dabei mit Kieselsteinen, die von Weitem alle gleich aussehen und einen gemeinsa- men Ort einnehmen, doch sich bei näherem Betrachten in Farbe, Form und Gewicht leicht unterscheiden. Somit haben diese Kieselsteine Gemeinsamkeiten (Homogenität) und auch Unterschiede (Heterogenität). Nun versucht Ott diese Metapher auf Schüler zu übertragen. Alle Schüler sind Menschen und besuchen eine Schule, unterscheiden sich jedoch in ihren Eigenschaften wie in ethnischer Zugehörigkeit, Kultur und Aussehen. Zum Schluss seiner Definition betont Ott, dass es insbesondere gilt, die „Gemeinsamkeiten zu entdecken“ (ebd.): Schüler sollen zwar erkennen, wie unterschiedlich sie sind und dass die Gruppe von diesen Unterschieden profitieren kann, aber dennoch bewusst wahrnehmen, dass sie alle Menschen sind und gemeinsame Interessen und Eigenschaften haben (vgl. ebd.).

2.4. Rassismus

Für Lehrer ist es wichtig zu wissen, dass es nicht immer einfach ist, Heterogenität im Klas- senraum und im Alltag zu begegnen. Sie müssen ein Bewusstsein dafür haben, dass es beispielsweise unter den Eltern ihrer Schüler Menschen geben kann, die Migranten der ersten oder auch zweiten Generation als Eindringlinge, Kriminelle oder Ähnliches wahr- nehmen, was sich gegebenenfalls auch in den Reaktionen der Kinder zeigen kann. Dies veranlasst dazu, den Terminus Rassismus wissenschaftlich zu erläutern. Kurt und Pahl definieren den Begriff ‚Rassismus’ als Lehre zur Rechtfertigung von Diskriminierung, wobei bestimmte Gruppen aufgrund eines Merkmals (z.B. Herkunft, finanzielle Lage, Krankheit etc.) diskriminiert werden (vgl. 2016 S. 16ff). Weiterhin spezifizieren sie den Begriff auf das Thema Migration und Heterogenität im Klassenraum, indem sie 22 Haltungen von Men- schen gegenüber kultureller Heterogenität festlegen, die aus Platzgründen hier nicht alle vorgestellt werden können (vgl. S. 10ff.). Sie nennen zwei Extrema: Xenophilie (Fremden- freundlichkeit) und Xenophobie (Fremdenfeindlichkeit). Während die Xenophilie ein Zeichen von Weltoffenheit ist und Migration und kulturelle Einflüsse als etwas Bereicherndes wahr- nimmt und manchmal sogar für mehr Immigration plädiert, ist die Xenophobie der Frem- denhass, der Migration als etwas Negatives auffasst (vgl. ebd.). Die beiden extremsten Hal- tungen im Spektrum der Xenophobie sind martialische Xenophobie, die „in aggressiv- rassistischem Fremdenhass die Vernichtung alles kulturell Anderen anstreb[t] (ebd., S. 10) und die exkludierende Xenophobie, die anstrebt „in ausgrenzender Fremdenfeindlichkeit kulturell Andere von sich bzw. sich von ihnen fern halten [zu] wollen“ (ebd.). Rassismus ist ein wichtiger Aspekt in der interkulturellen Bildung und Erziehung, da er gerade diese ver- hindert.

[...]


1 Im Folgenden wird der Einfachheit halber die maskuline Form verwendet, sofern nicht ausdrücklich zwischen den Geschlechtern unterschieden wird.

2 Ich studiere zwar die Fächer Englisch und Französisch, habe mich jedoch trotzdem dazu entschieden einen Artikel aus der Musikpädagogik zu benutzen, weil dieser neutral war und sich nicht ausschließlich auf den Musikunterricht bezieht.

Details

Seiten
20
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668541597
ISBN (Buch)
9783668541603
Dateigröße
525 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v371234
Note
Schlagworte
interkulturalität fremdsprachenunterricht forschungsbericht

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