Lade Inhalt...

Mittelstandsfinanzierung durch Sparkassen. Chancen und Risiken im internationalen Vergleich

Bachelorarbeit 2017 51 Seiten

BWL - Bank, Börse, Versicherung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungs- und Tabellenverzeichnis

1 Einleitung

2 Mittelstand
2.1 Qualitative und quantitative Definition
2.1.1 Größenklassen nach § 267 HGB
2.1.2 Mittelstandsdefinition des IfM Bonn
2.1.3 Mittelstandsdefinition der Europäischen Kommission
2.1.4 Definition im Rahmen der vorliegenden Untersuchung
2.2 Die volkswirtschaftliche Bedeutung des Mittelstandes
2.2.1 Der Mittelstand in Deutschland
2.2.2 Der Mittelstand in der Europäischen Union
2.2.3 Der Mittelstand in den USA

3 Finanzierungsformen- und quellen
3.1 Innenfinanzierung
3.2 Außenfinanzierung
3.3 Sonstige Finanzierungformen

4 Die Finanzierungsstruktur von KMU
4.1 Die KMU-Finanzierung in Deutschland
4.2 Die KMU-Finanzierung in der Europäischen Union
4.3 Die KMU-Finanzierung in den USA

5 Chancen und Risiken für Sparkassen
5.1 Leasing und Factoring
5.2 Digitalisierung und Innovationsfinanzierung
5.3 Crowdfunding
5.4 Politische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen

6 Schlussfolgerung

Anhang

Literaturverzeichnis

Kurzfassung

Die vorliegende Ausarbeitung mit dem Titel „Mittelstandsfinanzierung durch Sparkassen – Chancen und Risiken im internationalen Vergleich“ wurde als Abschlussarbeit im Rahmen des Bachelorstudienganges Finance an der Hochschule der Sparkassen-Finanzgruppe - Bonn verfasst. Trotz Niedrigzinspolitik und Geldschwemme der EZB ist der deutsche Mittelstand hinsichtlich seiner Fremdfinanzierungstätigkeit weiterhin vergleichsweise zurückhaltend. Dies wird durch vielfältige Gründe bedingt. So führen zum einen veränderte regulatorische Anforderungen wie Basel III und zum anderen politische Unsicherheiten wie der Brexit, das bestehende Russlandembargo, die Präsidentschaftswahl in den USA, als auch die Stabilität und Zukunft der EU dazu, dass v.a. die exportorientierten deutschen Mittelständler sich hinsichtlich der Finanzierungstätigkeit in Zurückhaltung üben. Aus diesen veränderten Bedingungen ergeben sich neue Anforderungen und Bedürfnissen des Mittelstandes in der Zusammenarbeit mit Kreditinstituten. Die Sparkassen sind als wichtigster Finanzierungspartner des deutschen Mittelstandes folglich unmittelbar von diesen Entwicklungen betroffen und müssen durch neue innovative Produkte oder Beratungsleistungen rechtzeitig darauf reagieren. Deshalb wird in dieser Arbeit zuerst die nationale Entwicklung der Finanzierungstätigkeit in Deutschland betrachtet, um nachfolgend die internationalen Veränderungen zu analysieren und daraus resultierende mögliche Chancen und Risiken für die Sparkassen herauszuarbeiten.

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungs- und Tabellenverzeichnis

Abbildung 1 Größenkategorien für KapG gemäß § 267 HGB

Abbildung 2 Anzahl von Hidden Champions im internationalen Vergleich

Abbildung 3 Systematisierung der Unternehmensfinanzierung

Tabelle 1 KMU-Definition der Europäischen Kommission und des IfM Bonn

1 Einleitung

“Der Mittelstand ist das Herz der deutschen Wirtschaft und Motor für Wachstum und Beschäftigung. Mittelständische Unternehmen in Deutschland entwickeln dank ihrer Kreativität und Marktnähe besonders viele innovative Produkte und Dienstleistungen.“[1] Die mittelständischen Unternehmen zeichnen sich dabei vor allem durch ihre gesellschaftliche und wirtschaftliche regionale Verbundenheit und Nähe aus.[2] Die gleichen Voraussetzungen gelten für die deutschen Sparkassen, die auch aufgrund dieser Tatsache den wichtigsten Finanzierungspartner für den deutschen Mittelstand darstellen.[3] Zuletzt belief sich der Anteil der durch Sparkassen und Landesbanken finanzierten Unternehmenskredite in Deutschland auf 43 Prozent.[4] Somit kann der Mittelstand als Motor der Wirtschaft und die Sparkassen gleichzeitig als Motor der Mittelstandsfinanzierungen bezeichnet werden.[5] In der Vergangenheit haben sich jedoch nicht nur die Finanzierungsstruktur und die Bedürfnisse der mittelständischen Unternehmen verändert, sondern ebenso auch die Rahmenbedingungen für Sparkassen. Die Niedrigzinsphase, regulatorische Anforderungen und die Digitalisierungen sind neben vielen weiteren Herausforderungen als wichtigste Einflussgrößen zu nennen. Folglich müssen die Sparkassen versuchen, die aktuell vorliegenden, sowie zukünftig drohenden Risiken zu erkennen und rechtzeitig auf diese zu reagieren. Andererseits müssen die aus den Veränderungen resultierenden Chancen für sich genutzt werden. Hierbei kann es hilfreich sein, die internationale Mittelstandsfinanzierung zu betrachten und passende Modelle auf Deutschland zu übertragen. Ziel der Arbeit ist folglich, mögliche Chancen und Risiken zu erkennen, um daraus die richtige Empfehlung für Sparkassen abzuleiten.

Zu diesem Zweck soll zu Beginn dieser Arbeit ein Überblick darüber gegeben werden, welche Unternehmen überhaupt unter die Definition des Mittelstandes fallen. Ziel dieser Vorgehensweise ist eine klare Abgrenzung der betrachteten Unternehmen zu gewährleisten. Dabei wird sowohl auf die qualitativen, als auch die quantitativen Aspekte hinsichtlich der Definition eingegangen. Nachfolgend wird die jeweilige Bedeutung des Mittelstandes in Deutschland und vergleichbaren Staaten in Europa, sowie in den USA beleuchtet. Um die verschiedenen Charakteristika der Finanzierungs- und Bilanzstrukturen besser verstehen zu können, folgt dann eine Abgrenzung der verschiedenen Finanzierungsmöglichkeiten anhand von Beispielen, um einen konkreten Bezug zur Praxis herzustellen. Schließlich wird die ausführliche Analyse der verschiedenen nationalen sowie internationalen Entwicklungen und der charakteristischen Merkmale der Finanzierungsstrukturen in den jeweiligen Staaten durchgeführt. Daraus resultiert dann die Prüfung der erarbeiteten Aspekte hinsichtlich der Übertragbarkeit auf Deutschland, um letztendlich Chancen und Risiken für Sparkassen herauszuarbeiten, damit eine Handlungsempfehlung für diese abgegeben werden kann.

2 Mittelstand

In diesem Kapitel wird vorab der zentrale Begriff des Mittelstandes anhand qualitativer und quantitativer Kriterien definiert und abgegrenzt. Neben der Begriffsabgrenzung wird außerdem eine Betrachtung der Bedeutung des Mittelstandes für die Volkswirtschaft in Deutschland und den zu betrachtenden jeweiligen internationalen Vergleichsstaaten folgen.

2.1 Qualitative und quantitative Definition

Da in dieser Arbeit der Mittelstand sowohl in Deutschland, als auch international untersucht wird, muss festgelegt werden, was unter dem Begriff Mittelstand zu verstehen ist. Es lässt sich festhalten, dass für den Begriff Mittelstand weder eine gesetzliche, noch eine sonst allgemein gültige, abschließende Definition besteht.[6] Der Begriff kann daher sowohl anhand quantitativer als auch qualitativer Merkmale beschrieben und definiert werden. So ist der Mittelstand in qualitativer Hinsicht vor allem dadurch gekennzeichnet, dass eine enge Verzahnung von Eigentum und unternehmerischem Handeln besteht. Anders als in managementgeführten Unternehmen wird in mittelständischen Unternehmen langfristig geplant und eine nachhaltige Entwicklung forciert.[7] Da jedoch im Verlauf dieser Arbeit verschiedene statistische Daten analysiert werden, ist es notwendig, vorab eine klare und einheitliche Abgrenzung vorzunehmen, um eine Vergleichbarkeit der Daten zu gewährleisten. Aus diesem Grund wird im vorliegenden Kapitel aus den verschiedenen quantitativen Ansätzen unter Einbeziehung der qualitativen Aspekte eine geeignete Definition erarbeitet, um eine klare Arbeitsgrundlage für diese Ausarbeitung zu schaffen.

2.1.1 Größenklassen nach § 267 HGB

Einen ersten Ansatz bietet das HGB im § 267 mit den Festlegungen zu Wertobergrenzen in Hinblick auf Kapitalgesellschaften. Hierbei wird zwischen kleinen, mittelgroßen und großen Kapitalgesellschaften unterschieden. Für die Einstufung in eine der drei Größenordnungen werden die Größen Bilanzsumme, durchschnittliche Mitarbeiteranzahl und Umsatzerlöse betrachtet. Um einer der genannten Größenkategorien zugeordnet zu werden, müssen an zwei aufeinanderfolgenden Bilanzstichtagen zwei der drei bereits genannten Kriterien einer Größenkategorie erfüllt sein, die in Abbildung 1 unterschieden werden.[8]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1 Größenkategorien für KapG gemäß § 267 HGB[9]

Da diese dargestellten Kriterien jedoch nur für Kapitalgesellschaften und haftungsbeschränkte Personengesellschaften wie z.B. eine GmbH & Co. KG gelten, finden die einzelnen Grenzen außerhalb des HGB keine Anwendung und gelten somit nicht für alle Unternehmen.

2.1.2 Mittelstandsdefinition des IfM Bonn

Das Institut für Mittelstandsforschung Bonn verwendet sowohl eine quantitative, als auch eine qualitative Definition. Quantitativ zählt ein Unternehmen unabhängig von seiner jeweiligen Rechtsform zum Mittelstand, sofern dieses unter 500 Mitarbeiter beschäftigt und einen Jahresumsatz von unter 50 Mio. EUR erwirtschaftet.[10] Zusätzlich wird im kleineren Segment zwischen kleinen Unternehmen mit weniger als 10 Mio. EUR Jahresumsatz und maximal 49 Mitarbeitern, sowie Kleinstunternehmen mit weniger als 2 Mio. EUR Jahresumsatz und maximal 9 Mitarbeitern unterschieden[11]. Dabei gehören jedoch kleine und mittlere Unternehmen, die in Abhängigkeit zu einem anderen Unternehmen stehen, aufgrund ihrer Konzernstrukturen unter Umständen nicht mehr zum Mittelstand.[12] Demnach wird ein Unternehmen, das als Partnerunternehmen mit 25 bis 50 Prozent Anteil oder verbundenes Unternehmen mit mehr als 50 Prozent Anteil eingestuft wird, nicht mehr als eigenständiges Unternehmen im Sinne der Definition betrachtet. Unter Umständen kann das Unternehmen aufgrund der dann vorliegenden Konzernstruktur außerhalb der Größendefinition für kleine und mittlere Unternehmen, kurz KMU, liegen.[13] Der bereits in der Einleitung dieses Kapitels erwähnte qualitative Ansatz des IfM Bonn definiert Unternehmen ergänzend als mittelständische Unternehmen, sofern die Eigentums- und Leitungsrechte in der Person des Unternehmers oder der Unternehmerin, bzw. deren Familie vereint sind. Weil bei diesem qualitativen Ansatz jedoch keinerlei quantitative Beschränkungen berücksichtigt werden, tritt zwischen diesen Familienunternehmen und den KMU naturgemäß eine hohe Schnittmenge auf. Aufgrund der weiteren Fassung der qualitativen Definition wären daher zusätzlich Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern und einem größeren Umsatz als 50 Mio. EUR als mittelständisches Unternehmen einzustufen.

2.1.3 Mittelstandsdefinition der Europäischen Kommission

Um für Untersuchungen der Mittelstandsfinanzierungen im internationalen Vergleich klare wissenschaftliche Abgrenzungen zu ermöglichen, hat sich in der internationalen Wissenschaft der Begriff small and medium-sized enterprises, kurz SME, etabliert, was in nationaler Betrachtung den kleinen und mittleren Unternehmen entspricht.[14] Die EU-Kommission nutzt analog zum IfM Bonn die Kriterien Umsatzerlöse und Anzahl der Mitarbeiter und stellt auf die gleichen Größenordnungen ab. Als Alternativkriterium zu den Umsatzerlösen wird zusätzlich noch die Bilanzsumme berücksichtigt. Neben diesem Unterschied ist die Obergrenze für KMU zudem bei 250 Mitarbeitern und nicht bei 500 Mitarbeitern festgesetzt.[15] Vor allem im europäischen Kontext spielt die Definition der EU-Kommission die bedeutendste Rolle, weshalb auch die KfW als wichtigste Förderbank Deutschlands zur Abgrenzung der förderberechtigten Unternehmen diese Definition nutzt.[16]

2.1.4 Definition im Rahmen der vorliegenden Untersuchung

Da der § 267 HGB außerhalb des HGB keine Anwendung findet und nur für einige Rechtsformen gilt, ist die Definition für diese Arbeit ungeeignet. Dennoch bieten die Größenordnungen des HGB eine erste Orientierungsgröße für die quantitativen und somit vollständig objektiven Merkmalen. Demnach stellen die Beschäftigtenzahl, die Höhe des Jahresumsatzes, sowie die Bilanzsumme eines Unternehmens die geeignetsten Kriterien dar.[17] Die Mittelstandsdefinition des IfM Bonn ist zwar im Bereich der Kleinstunternehmen und kleinen Unternehmen deckungsgleich mit der Definition der EU-Kommission ist, jedoch berücksichtigt das IfM im Bereich der mittleren Unternehmen die volkswirtschaftliche Besonderheit des deutschen Mittelstandes, indem es weiterhin bis 499 Mitarbeiter von einem mittleren Unternehmen ausgeht.[18] Folglich könnte in dieser Arbeit bei Anwendung der IfM-Definition ein internationaler Vergleich vor dem Hintergrund abweichender Definitionen in Deutschland und dem Rest der EU nicht ohne weiteres erfolgen. Aus diesen Gründen wird im weiteren Verlauf dieser Arbeit der Mittelstand in Anlehnung an die Definition der KMU-Kriterien der Europäischen Kommission betrachtet und als KMU bezeichnet. Sollte es in Abbildungen oder genutzten Statistiken dennoch zu Abweichungen im Vergleich zu dieser Definition kommen, wird dieses kenntlich gemacht.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1 KMU-Definition der Europäischen Kommission und des IfM Bonn[21]

2.2 Die volkswirtschaftliche Bedeutung des Mittelstandes

Um Chancen und Risiken für Sparkassen in Hinblick auf die Finanzierung des Mittelstandes herauszuarbeiten, bedarf es vorerst einer Betrachtung der Bedeutung des Mittelstandes für die Volkswirtschaften in Deutschland und der Europäischen Union inklusive Großbritannien und den USA. Dabei ist zu beachten, dass die Definition der EU-Kommission, welche in dieser Arbeit Anwendung findet nur schwer auf die Unternehmen in den USA übertragbar ist, da hier andere Größendefinitionen gelten, die sich sogar noch in den verschiedenen Branchen unterscheiden und daher schwer vergleichbar sind.[22] Trotz der unterschiedlichen Definitionen und den damit verbunden Differenzen bezüglich Art und Anzahl der betrachteten Unternehmen soll die USA in die Betrachtung einbezogen werden. Dies erfolgt auch in Hinblick darauf, dass die Sparkassen-Finanzgruppe entgegen der eingangs für diese Arbeit festgelegten Definition auch bei Familienbetrieben mit z.B. mehr als 100 Mio. EUR Jahresumsatz vom Mittelstand spricht.[23] Somit können sich auch hier Chancen eröffnen, die bei vorliegender Relevanz zumindest kurz beleuchtet werden sollen.

2.2.1 Der Mittelstand in Deutschland

In der stärksten Rezession der Nachkriegsgeschichte, nämlich der Finanzkrise 2009 erwies sich der deutsche Mittelstand als vergleichsweise stabil, indem deutlich weniger Arbeitsplätze abgebaut werden mussten, als in Großunternehmen und erwies sich somit wieder einmal als stabiler Faktor der deutschen Wirtschaft.[24] Mit zuletzt ca. 2,5 Mio. Unternehmen zählten in 2014 etwa 99,3 Prozent der gesamten Unternehmen in Deutschland zu den KMU. Mit 27,8 Mio. Beschäftigten lag der Anteil an der Gesamtzahl der Beschäftigten bei ca. 61 Prozent, welche etwa ein Drittel des Umsatzes in Deutschland erwirtschafteten. Auffällig ist vor allem jedoch, dass fast 44 Prozent der Bruttoinvestition in Sachanlagen durch KMU getätigt wurden.[25] In Hinblick auf den genannten hohen Anteil der Investitionen kann dieses Volumen als Marktpotenzial für Finanzierungen quantifiziert werden. Dieses Potenzial für Mittelstandsfinanzierungen verdeutlicht wiederum die Wichtigkeit für die Kreditinstitute, insbesondere Sparkassen als wichtigster Partner des Mittelstandes. Trotz der allgemein hohen Bedeutung der KMU für Deutschland ist zwischen den einzelnen Wirtschaftsbereichen zu differenzieren. Eine besonders große Rolle spielt das Bau- und Gastgewerbe, in dem 2014 rund 85 Prozent der Umsätze durch KMU erzielt wurden und 91 Prozent der Beschäftigten bei KMU angestellt waren. Ähnlich verhält es sich im Dienstleistungssektor, der ebenfalls klar durch KMU dominiert wird. Im verarbeitenden Gewerbe, sowie in der Verkehrs- und Lagerbranche und vor allem im Bereich der Energieversorgung werden hingegen die größeren Anteile von Großunternehmen abgedeckt.[26] Zwar verfügen andere europäische Staaten über eine höhere absolute Anzahl an KMU, z.B. Frankreich (+ 12 %), Spanien (+16 %) und Italien sogar (+80 %), jedoch ist der signifikanteste Unterschied zu des restlichen EU-Staaten die Größenvielfalt der deutschen KMU. So liegt die durchschnittliche Größe in Deutschland mit 7,4 Beschäftigten nahezu doppelt so hoch, wie in den drei genannten Vergleichsländern.[27] Folglich sind die Kleinstunternehmen mit einem Anteil von 82 Prozent am stärksten ausgeprägt. Es folgen die Kleinunternehmen mit 14,6 Prozent und die mittelgroßen Unternehmen mit einem Anteil von nur 2,7 Prozent.[28] Darüber hinaus ist der deutsche Mittelstand von unzähligen Hidden Champions[29] geprägt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2 Anzahl von Hidden Champions im internationalen Vergleich[30]

Die zuletzt 1.307 deutschen Hidden Champions machen fast die Hälfte der weltweit vorhandenen Unternehmen dieser Art aus, wobei jedoch zu beachten ist, dass hierbei auch Unternehmen außerhalb der gewählten KMU-Definition erfasst sind.[31]

Neben diesen positiven Aspekten des deutschen Mittelstandes finden sich jedoch auch eine Reihe von Problemen und Herausforderungen, mit denen der deutsche Mittelstand konfrontiert ist. So stehen in den nächsten Jahren bis 2018 etwa 620.000 Firmenübergaben an, was ca. 17 Prozent der KMU mit gleichzeitig insgesamt etwa 4 Mio. Beschäftigten entspricht. Obwohl es sich bei einer Firmenübergabe um einen langen und intensiven Prozess handelt, haben erst 42 Prozent der Unternehmen mit einer Übergabe in den nächsten drei Jahren diese bereits eingeleitet.[32] Darüber hinaus ist besonders der Mittelstand vom Fachkräftemangel betroffen, was in einer unter 2.2.2 näher betrachteten Umfrage als eines der großen Probleme für die Unternehmen in 2015 angegeben wurde.[33] Hinzu kommt das in allen Größenklassen und Branchen allgegenwärtige Thema der Digitalisierung, bei dem vor allem die KMU einen teilweise erheblichen Nachholbedarf haben. So steigt der Grad der bisher umgesetzten Maßnahmen im Bereich Digitalisierung mit der Höhe der Umsatzerlöse an, sodass vor allem Kleinstunternehmen bis 1 Mio. EUR Umsatz keinen weit fortgeschrittenen oder überhaupt fortgeschrittenen Stand der Digitalisierung erreicht haben.[34] Der Austritt Großbritanniens aus der EU und die resultierenden Auswirkungen auf das Auslandsgeschäft der KMU mit Großbritannien mit einem Gesamtvolumen von ca. 41 Mrd. EUR sind ebenfalls nicht abzuschätzen und hängen insbesondere langfristig von Verhandlungen bezüglich neu zu definierender Handelsregeln zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich ab.[35]

2.2.2 Der Mittelstand in der Europäischen Union

Betrachtet man die gesamte EU trotz Brexit noch inklusive Großbritannien liegt der Anteil der KMU an der Gesamtanzahl von Unternehmen bei 99,8 Prozent.[36] Dies entspricht in etwa 23 Mio. Unternehmen, in denen insgesamt 90,7 Mio. Beschäftigte tätig sind, was wiederum 66,8 Prozent der gesamten Beschäftigten in der EU ausmacht.[37] Auch in Hinblick auf die Schaffung von Arbeitsplätzen spielen die KMU innerhalb der EU eine entscheidende Rolle. Allein zwischen 2002 und 2010 entstanden in der EU 85 Prozent der neuen Arbeitsplätze in KMU. Anhand dieser Tatsache wird die Bedeutung der KMU vor allem hinsichtlich der Finanz- und Schuldenkrise in Europa deutlich und zeigt, wie wichtig die KMU für die Konjunkturerholung und das Wachstum, insbesondere nach der Finanzkrise, waren und weiterhin sind.[38] Aufgrund dieser Bedeutung der KMU für die Wettbewerbsfähigkeit der EU, zielt auch die Politik darauf ab, politische Strategien und Maßnahmen derart zu gestalten, dass sich wirtschaftliche Aktivität und Existenzgründungen in der EU lohnen. Aufgrund dessen wurden in der EU verschiedene Initiativen wie etwa der small business act mit der Zielrichtung erlassen, die Wettbewerbsfähigkeit von KMU in Hinblick auf Innovationen und Forschungen und den Zugang zu Finanzierungen nachhaltig zu fördern. Dies ermöglicht vor allem Finanzierungen für risikoreiche Forschungsprojekte oder Innovationen.[39]

Trotz der vergleichsweise geringen Fremdfinanzierungstätigkeit von KMU in der EU gilt in 2016 der Zugang zu Finanzierungen lediglich für 9 Prozent dieser Unternehmen als Hauptproblem. Die häufiger angegebenen Probleme bestehen für jedes vierte KMU im Auffinden von Kunden und für jedes fünfte KMU im Fachkräftemangel. Den Wettbewerb, die Regulatorik, sowie die Produktions- und Personalkosten gaben hingegen jeweils nur etwas mehr als 10 Prozent der Unternehmen an.[40] Somit lässt sich festhalten, dass das eingangs erwähnte Problem des Fachkräftemangels angesichts der Befragung ein europaweites Problem darstellt und sich nicht nur auf den deutschen Mittelstand erstreckt. Dass durchschnittlich nur 9 Prozent aller KMU trotz zurückhaltender Fremdfinanzierungstätigkeit den Zugang zu Finanzierungen als Hauptproblem angegeben haben, impliziert das Vorliegen anderer Gründe für das zurückhaltende Finanzierungsverhalten. Dabei ist zu differenzieren, dass der Zugang zu Krediten stark davon abhängt, welche Länder, bzw. Unternehmensgrößen konkret betrachtet werden. Durch eine detailliertere Analyse im weiteren Verlauf der Arbeit wird eine differenzierte Betrachtung der oben genannten Umfrageergebnisse ermöglicht.

2.2.3 Der Mittelstand in den USA

In den USA werden die KMU meist small business, kurz SB genannt, sollen jedoch im weiteren Verlauf dieser Arbeit ebenfalls als KMU bezeichnet werden. Diese machen gemäß der Bundesbehörde States Census Bureau in den USA im Jahr 2014 mit etwa 5,02 Mio. Unternehmen ebenfalls ca. 99,2 Prozent der Firmen aus, beschäftigen jedoch im Vergleich zu der EU und Deutschland nur etwa 42,6 Prozent der Arbeitnehmer, was in den USA absolut gesehen etwa 50,8 Mio. Erwerbstätigen entspricht.[41] Zu beachten ist bei der Betrachtung, dass die KMU-Definition in den USA je nach Branche unterschiedlich ist, jedoch häufig die Obergrenze bei 500 Mitarbeitern analog zur Definition des IfM Bonn festgelegt ist. Die hier betrachtete Statistik nutzt als einziges quantitatives Abgrenzungskriterium die Anzahl der beschäftigten Mitarbeiter und erlaubt es, die Unternehmensdaten nach dem Kriterium bis 249 Mitarbeiter zu gruppieren. Da in Hinblick auf die beiden weiteren Kriterien Bilanzsumme und Umsatzerlöse der EU-Kommission branchenabhängige Unterschiede in den USA bestehen, ist das Kriterium der Mitarbeiterzahl die einzige Möglichkeit eine teilweise Harmonisierung der Daten im Vergleich mit den Europäischen Staaten zu gewährleisten, indem leidglich auf die Mitarbeiteranzahl abgestellt wird. Der Unterschied bei der Wahl der Definition gemäß EU-Kommission mit 249 Mitarbeitern oder der gängigen Definition in den USA mit der Obergrenze von 500 Mitarbeitern kann exemplarisch an dem Anteil der Beschäftigten an der Gesamtbeschäftigtenanzahl im Land deutlich gemacht werden. So sind es wie oben bereits erwähnt nach EU-Definition 42,6 Prozent der Arbeitnehmer, die bei einem KMU beschäftigt sind, jedoch etwa 52 Prozent, wenn man die Obergrenze bei 500 Mitarbeitern ziehen würde.[42]

In Deutschland liegt die durchschnittliche Größe der KMU bei etwa 7,4 Beschäftigten und in der EU sogar nur etwa bei der Hälfte, was vor allem an dem vergleichsweise hohen Anteil von 14,6 Prozent an Kleinunternehmen liegt. Vergleicht man hingegen die USA mit der EU und Deutschland, fällt auf, dass bei ausschließlicher Berücksichtigung der Mitarbeiterzahl der Anteil der Kleinunternehmen mit 10 bis 49 Mitarbeitern in den USA nochmals deutlich über dem Anteil der EU und sogar Deutschlands liegt. Bei 985.266 Unternehmen liegt der prozentuale Anteil an der Gesamtanzahl von 5.060.326 Unternehmen bei 19,47 Prozent und demnach deutlich höher.[43] Da jedoch nur das Kriterium der Mitarbeiteranzahl zum Vergleich genutzt werden kann, ist eine leicht eingeschränkte Vergleichbarkeit nicht vollständig auszuschließen. So können die nach Mitarbeiterzahl unter die Kleinunternehmen in den USA fallenden Unternehmen auch über 10 Mio. EUR Umsatz erwirtschaften und würden somit in der EU-Betrachtung schon in das nächstgrößere Segment der mittleren Unternehmen fallen.

Entgegen den Angaben in der EU, dass lediglich 9 Prozent den Zugang zu Finanzierung als Hauptproblem angaben, ergab sich für die USA, dass 49 Prozent der KMU den Zugang zu Finanzierungen als das größte Problem zum Wachstum ihres Unternehmens angaben. Keine andere Antwort, wie z.B. Steuern, Fachkräfte oder regulatorische Anforderungen wurde derart häufig als Hauptproblem genannt.[44] Somit wird ein weiterer wichtiger Unterscheid zwischen Europa, bzw. Deutschland und den USA hinsichtlich der Finanzierungsmöglichkeiten deutlich. Ob die Gründe dafür in der unterschiedlichen Bankenlandschaft oder an dem Angebot alternativer Finanzierungsmöglichkeiten liegen, wird im weiteren Verlauf der Arbeit näher analysiert.

3 Finanzierungsformen- und quellen

In dieser Arbeit werden die Finanzierungsformen der KMU in anderen Ländern mit denen in Deutschland verglichen, um durch Übertragungen von Modellen aus dem internationalen Umfeld Chancen für Sparkassen zu identifizieren. Deshalb neben der volkswirtschaftlichen Bedeutung des Mittelstandes erläutert werden, welche Formen und Quellen der Finanzierung es für die KMU gibt und wie diese jeweils ausgestaltet sind. Die folgende Übersicht erlaubt in der späteren Betrachtung eine schnellere Zuordnung der einzelnen Finanzierungsquellen und ein besseres Verständnis hinsichtlich der zu analysierenden Finanzierungsstruktur der KMU.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3 Systematisierung der Unternehmensfinanzierung[45]

Grundsätzlich wird für eine Eingruppierung zwischen der Herkunft des Kapitals, also Innen- bzw. Außenfinanzierung und der Rechtsstellung der Kapitalgeber, also Eigen- bzw. Fremdfinanzierung unterschieden. Alternative Finanzierungsformen wie Mezzanine Kapital, die aufgrund ihrer Flexibilität vor allem in den Bereichen Wachstumsfinanzierungen und Unternehmensübernahmen eingesetzt werden, weisen sowohl Eigenschaften der Eigen- als auch der Fremdfinanzierung auf.[46] Insgesamt kann unabhängig von der Wahl der Finanzierungsform festgehalten werden, dass sich jede Entscheidung über die Form der Finanzierung unmittelbar auf die Kapitalstruktur und somit die Eigenkapitalquote, bzw. den Verschuldungsgrad hinsichtlich der Kreditwürdigkeit des Unternehmens niederschlägt. In den nachfolgenden Kapiteln wird anhand einiger kurzer Beispiele eine Kategorisierung einzelner konkreter Finanzierungsquellen vorgenommen. Hierbei werden die gängigen Möglichkeiten der Finanzierung betrachtetet und in die Systematisierung eingeordnet, um im späteren Verlauf eine schnelle Zuordnung und ein besseres Verständnis der einzelnen Finanzierungsquellen zu gewährleisten. Zudem werden ebenfalls exemplarisch die möglichen Vor- und Nachteile der einzelnen Finanzierungsformen dargestellt, um die Intention hinter der Wahl der einen oder anderen Variante aus Sicht der Unternehmen nahezubringen. Es sei dabei betont, dass es sich im Folgenden nicht um eine abschließende Übersicht über alle Möglichkeiten der Finanzierung handelt. Vielmehr soll es bei der Auflistung um eine erste Übersicht gehen, um dem Leser ein besseres Verständnis im weiteren Verlauf der Untersuchung zu ermöglichen.

3.1 Innenfinanzierung

Die Innenfinanzierung kann sowohl durch Selbstfinanzierung, als auch durch andere sonstige Finanzierungsformen erfolgen. Wie eingangs erwähnt wird als erstes Kriterium auf die Herkunft des Kapitals abgestellt, was bei der Innenfinanzierung impliziert, dass die Finanzierungsquelle innerhalb des Unternehmens liegt. Dabei ist außerdem noch zu differenzieren, dass einige dieser Innenfinanzierungsformen automatisch ablaufen können, andere hingegen ein aktives Tätigwerden des Unternehmens erfordern. Zur Unterscheidung wird zuerst auf die Selbstfinanzierung eingegangen, um nachfolgend die sonstige Innenfinanzierung zu betrachten.

Die wichtigste und zugleich häufigste Form der Selbstfinanzierung besteht in der Zurückbehaltung von erzielten Gewinnen. Diese thesaurierten Gewinne werden nicht ausgeschüttet, sondern verbleiben im Unternehmen und werden z.B. bei Kapitalgesellschaften wie einer GmbH in die Gewinnrücklagen eingestellt. Eine weitere Möglichkeit, bei der jedoch ein aktives Tätigwerden im Sinne der Bilanzgestaltung nötig ist, stellt die sogenannte stille Selbstfinanzierung dar, bei der Gewinne teilweise oder vollständig nicht ausgewiesen werden und in die stillen Reserven des Unternehmens fließen, soweit die Bilanzierungsvorschriften diese bilanzpolitischen Gestaltungsmöglichkeiten zulassen. Der Vorteil dieser Finanzierungsform für die Unternehmen besteht darin, dass sie ihre Eigenkapitalquote, bzw. das absolute Eigenkapital erhöhen und sich somit unabhängig von Fremdkapitalgebern wie z.B. Banken machen können, sodass kein zusätzlicher Kapitaldienst geleistet werden muss.[47] Da jedoch eine höhere Eigenkapitalquote für diese besonders wichtig ist, ermöglicht eine höhere Eigenkapitalquote zwar die Unabhängigkeit von Fremdkapitalgebern, erleichtert jedoch im gleichen Zuge den möglichen Zugang zu Krediten oder sonstigen Fremdfinanzierungsmöglichkeiten und schafft somit eine hohe Flexibilität hinsichtlich der späteren Wahl einer Finanzierungsform.

Die sonstigen Finanzierungen fallen ebenfalls in die Kategorie der Innenfinanzierung. Hierbei ist durch aktives Handeln z.B. die Finanzierung aus Rückstellungen zu nennen. Durch die Bildung von Rückstellungen wird der Gewinn geringer ausgewiesen und verbleibt zumindest vorerst im Unternehmen. Gleichzeitig steht mehr Liquidität im Unternehmen zur Verfügung, da ein Liquiditätsabfluss erst im Falle der Inanspruchnahme der Rückstellung stattfindet. Ähnlich verhält es sich bei der Finanzierung aus der Vermögensumschichtung durch z.B. Working Capital Management. Hierunter fallen u.a. das Ändern von Zahlungszielen oder der Abbau offener Forderung aus Lieferung und Leistung. Eine weitere Möglichkeit der Vermögensumschichtung besteht im Verkauf von Anlagevermögen über Buchwert. Die Finanzierung aus Abschreibungsgegenwerten findet hingegen mehr oder weniger automatisch statt. So sind die Abschreibungen in den Verkaufspreisen von Produkten bereits eingepreist, obwohl diese gewinnmindernden Aufwendungen nur buchhalterisch vorgenommen werden und keinen Liquiditätsabfluss zur Folge haben.[48] Auf diese Arten der Finanzierung können Sparkassen in Hinblick auf das Working-Capital- Management im Rahmen der EBIL Bilanzanalyse tätig werden und im Branchenvergleich auf stark abweichende Werte z.B. in Hinblick auf Lagerdauer, Debitorenlaufzeit, etc. hinweisen, damit der Unternehmer ggf. konkrete Maßnahmen zur Verbesserung einleiten kann.

3.2 Außenfinanzierung

Die für Sparkassen als Finanzierungspartner des deutschen Mittelstandes wichtigste Finanzierungsform unter Ertragsgesichtspunkten ist die Außenfinanzierung. Bei dieser Finanzierungsart befindet sich die Mittelherkunft außerhalb des Unternehmens. Der Bereich dieser Finanzierung von außen durch Sparkassen direkt oder ihre Kooperationspartner indirekt bildet das Kerngeschäft der Sparkassen. Hierzu zählen neben der klassischen Kreditfinanzierung auch Beteiligungen und die sonstigen Finanzierungsformen Factoring und Leasing.

Kreditfinanzierungen stellen in Deutschland neben den Gesellschafterdarlehen die häufigste Finanzierungsform von KMU dar und werden in der Regel durch Kreditinstitute in Form von Darlehen verschiedenster Formen wie Annuitätendarlehen, Tilgungsdarlehen, endfällige Darlehen sowie als Einräumung einer Kontokorrentkreditlinie oder eines Avals gewährt.[49] Darüber hinaus ist es auch möglich eine Kreditfinanzierung durch einen Lieferantenkredit in Anspruch zu nehmen. Hierbei wird die Lieferung der Ware getätigt, eine Zahlung für diese Lieferung muss jedoch erst mit einem Zahlungsziel von z.B. 30 Tagen erfolgen.[50]

Eine neue derzeit stark aufstrebende Finanzierungsvariante mit einer geschätzten jährlichen Wachstumsrate von 40 Prozent in Europa bildet das Crowd-lending, synonym P2P-lending. Hier bieten entsprechende Plattformen die Möglichkeit, Kredite sowohl von Privatpersonen, als auch anderen Unternehmen zu einem aufgrund der Bonität festgestellten Zinssatz zu erhalten. Im Prinzip handelt es sich hierbei um eine klassische Kreditfinanzierung ohne das Zwischenschalten eines Kreditinstituts. Aufgrund dieser Tatsache können die Kredite oft deutlich schneller und unkomplizierter vergeben werden, was auch mit der für Kreditinstitute geltenden Regulatorik zusammenhängt. Zudem wird durch die Bündelung mehrerer Geldgeber für einen Kredit das Risiko für die einzelnen investierenden Personen oder Unternehmen geschmälert.[51] Diese Finanzierungsform wird im weiteren Verlauf der Arbeit noch näher behandelt, wobei die Bezeichnung crowd-lending auch gleichzeitig immer das P2P-lending umfasst, da dieses meist synonym verwendet wird.

Eine Form der Beteiligungsfinanzierung bildet die Mezzanine Finanzierung, die wie bereits erwähnt eine Mischform aus Eigen- und Fremdkapital darstellt.[52] Die Mezzanine Finanzierung hat dann Eigenkapitalcharakter, wenn das Kapital dauerhaft überlassen wird und im Insolvenzfall nachrangig haftet oder eine Verlustbeteiligung vereinbart wird. Somit kann diese Finanzierungsform dazu dienen, die Eigenkapital-, bzw. Bilanzstruktur zu verbessern. Eine befristete Laufzeit, ein fester Rückzahlungsanspruch und eine feste Verzinsung sprechen hingegen für die Einordnung als Fremdkapital. Die Mezzanine-Finanzierung kann dabei in Form der stillen Gesellschaft, als nachrangiges Darlehen, in Form einer Anleihe oder als Genussrechtskapital gewährt werden.[53] Private equity oder venture capital als bekannte Beteiligungsformen werden häufig durch Institutionelle Anleger, Banken oder auch Privatpersonen abhängig von Volumen und Ausgestaltung zur Verfügung gestellt. Dies kann für die Unternehmen die Vorteile bieten, dass zum einen frisches Kapital für Investitionen oder Wachstum zur Verfügung stehen, zum anderen kann das Netzwerk und Knowhow des Investors in vielerlei Hinsicht helfen. Individuelle Vereinbarungen, wie die dauerhafte und nicht zeitlich befristete Kapitalüberlassung können ebenfalls getroffen werden. Der Nachteil besteht jedoch darin, dass die Investoren im Gegenzug vereinzelt auch ein Mitspracherecht für das operative Geschäft oder die strategische Ausrichtung fordern. Dies kann für Unternehmer ein entscheidender Faktor dafür sein, sich gegen diese Form der Finanzierung zu entscheiden.[54]

Eine weitere Form der Finanzierung stellt die Spezialform des crowd-investing, oder auch equity-crowdfunding da und funktioniert ähnlich wie das crowd-lending. Da es sich hierbei jedoch um eine Beteiligung handelt, zieht diese Form der Beteiligungsfinanzierung einen Gewinn statt regelmäßige Zinsen nach sich. Mit einer prognostizierten jährlichen Wachstumsrate von etwa 51 Prozent in den nächsten 4 Jahren ist diese Form eine der am stärksten wachsenden alternativen Finanzierungsformen in Europa. Diese Finanzierungsvariante kommt vor allem für Start-ups in Frage, da hier die Idee und das damit verbundene Potenzial im Vordergrund steht. Das Crowd-investing kann somit als Konkurrenz bzw. Substitut für die klassischen Venture-Capital-Finanzierungen durch Privatpersonen oder institutionelle Anleger klassifiziert werden.[55] Eine weitere Zielgruppe sind außerdem Unternehmen, die aufgrund ihrer komplexen und somit schwer verständlichen Geschäftsidee oder Innovation weder einen Kredit, noch Fördermittel in Anspruch nehmen, geschweige denn klassisches Venture-Kapital generieren können. Somit kann das Problem eines schwer kalkulierbaren Businessplans für innovative Ideen, welcher keiner Prüfung durch eine (Förder-) Bank oder VC-Beteiligungsgesellschaft standhalten würde, durch die Unternehmen umgangen werden.[56]

[...]


[1] Vgl. Presse und Informationsamt der Bundesregierung (Hrsg.) (2010 ), S.3.

[2] Vgl. Merl, G. (2008), S. 65.

[3] Vgl. IfM Bonn (Hrsg.) (2015), S. 22.

[4] Vgl. Fahrenschon, G./ Kirchhoff, A.-G./ Simmert, D.B. (Hrsg.) (2015), S.5.

[5] Vgl. Breuer, M. (2013).

[6] Vgl. Beiersdorf, K./ Zeimes, M. (2005), S. 115.

[7] Vgl. Welter, F. / Bijedic, T. / Brink, S. (2014), S. 6.

[8] Vgl. Juris GmbH (Hrsg.) (2017).

[9] Eigene Darstellung.

[10] Vgl. IfM Bonn (Hrsg.) (2017a).

[11] Siehe dazu auch Tabelle 1 auf Seite 5.

[12] Vgl. IfM Bonn (Hrsg.) (2017b).

[13] Vgl. Söllner, R. (2014), S.45.

[14] Vgl. Statistisches Bundesamt (Hrsg.) (2017a).

[15] Vgl. Europäische Kommission (Hrsg.) (2017a).

[16] Vgl. Welter, F./Bijedic, T./Brink (2014), S.6; Wolf, J./Paul, H./Zispe, T. (2009), S. 157; KfW (Hrsg.) (2016c).

[17] Vgl. Herzinger, T.(2010), S.5.

[18] Vgl. IfM Bonn (Hrsg.) (2017a).

[19] Vgl. Europäische Kommission (Hrsg.) (2017a).

[20] Vgl. IfM Bonn (Hrsg.) (2017a).

[21] Eigene Darstellung.

[22] Vgl. U.S. Small Business Administration (Hrsg.) (2016).

[23] Vgl. Vgl. Merl, G. (2008), S. 65.

[24] Vgl. Presse und Informationsamt der Bundesregierung (Hrsg.) (2010 ), S.5.

[25] Vgl. Statistisches Bundesamt (Hrsg.) (2016).

[26] Vgl. Ebenda.

[27] Vgl. Tchouvakhina, M./Schwartz, M. (2013), S.1.

[28] Vgl. Statistisches Bundesamt (Hrsg.) (2017b).

[29] Der breiten Öffentlichkeit unbekannte Unternehmen , die in ihrem Markt Weltmarktführer sind.

[30] Abbildung in Anlehnung an: Ulrich K. (2012).

[31] Vgl. Ulrich K. (2012).

[32] Vgl. Leifels, A. (2016), S.1.

[33] Vgl. BMWi (Hrsg.) (2014), S.2.

[34] Vgl. DSGV (Hrsg.) (2016), S. 7.

[35] Vgl. KfW (Hrsg.) (2016a), S.4.

[36] Vgl. Europäische Kommission (Hrsg.) (2016), S.78.

[37] Vgl. Europäische Kommission (Hrsg.) (2017b), S.2.

[38] Vgl. Kaya, O. (2015), S.3.

[39] Vgl. Europäisches Parlament (Hrsg.)(2016).

[40] Vgl. Europäische Zentralbank (Hrsg.) (2016), S.9.

[41] Siehe Anhang.

[42] Vgl. Europäische Kommission (Hrsg.) (2016), S.22.

[43] Siehe Anhang.

[44] Vgl. Tradeup Capital Fund and Nextrade Group, LLC (Hrsg.) (2015), S.5.

[45] Abbildung in Anlehnung an: Becker, W./ Ulrich, P. (Hrsg.) / Botzkowski, T. (2015), S. 9.

[46] Vgl. Thommen, J.-P./ Achleitner, A.-C./ Gilbert, D.-U./ Hachmeister, D./ Kaiser, G. (2017), S. 276.

[47] Vgl. Guserl, R./ Pernsteiner, H. (2015), S.62 ff.

[48] Vgl. Guserl, R./ Pernsteiner, H. (2015), S.60 f.

[49] Vgl. Becker, W./ Ulrich, P. (Hrsg.) / Botzkowski, T. (2015), S.16.

[50] Vgl. Thommen, J.-P./ Achleitner, A.-C./ Gilbert, D.-U./ Hachmeister, D./ Kaiser, G. (2017), S.312.

[51] Vgl. Bohnhoff, T. (2017), S.13.

[52] Vgl. Goeke, M.(Hrsg.) (2008), S. 135.

[53] Vgl. Becker, H.-P. (2016), S. 221 f.

[54] Ebenda.

[55] Vgl. Bohnhoff, T. (2017), S.13.

[56] Vgl. OECD (Hrsg.) (2015), S. 85.

Details

Seiten
51
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668490864
ISBN (Buch)
9783668490871
Dateigröße
899 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v371190
Institution / Hochschule
Hochschule der Sparkassen-Finanzgruppe Bonn
Note
1,3
Schlagworte
Mittelstand Finanzierung Sparkasse KMU Chancen Risiken internationaler Vergleich Finanzierungsstruktur Crowdfunding P2P SME SB Leasing Factoring Crowdlending Kreditmarktplätze

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Mittelstandsfinanzierung durch Sparkassen. Chancen und Risiken im internationalen Vergleich