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Eine empirische Untersuchung zur Wirkung von Facebook-Nutzung auf das psychische Wohlbefinden

Bachelorarbeit 2016 83 Seiten

Psychologie - Arbeit, Betrieb, Organisation und Wirtschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Zusammenfassung

1 Einleitung

2 Theoretischer Hintergrund
2.1 Soziale Netzwerke
2.1.1 Definition
2.1.2 Funktionen
2.2 Facebook
2.2.1 Daten und Fakten
2.2.2 Struktur
2.2.3 Nutzung
2.3 PsychischesWohlbefinden
2.3.1 Definitionen
2.3.2 Strukturmodell des Wohlbefindens nach Becker
2.3.3 Multidimensionales Modell Ryff
2.3.4 Subjektives Wohlbefinden nach Diener, Suh, Lucas & Smith
2.3.5 Multidimensionales Modell Perrig-Chiello
2.4 Neid
2.5 Selbstwertgefühl und Selbstdarstellung
2.6 SozialeÜberlastung
2.7 StressundStressempfinden
2.8 Zum Zusammenhang sozialer Netzwerke und Wohlbefinden

3 EmpirischeUntersuchung
3.1 Konzeptspezifikation und Hypothesenbildung
3.2 Methodische Umsetzung
3.2.1 Forschungsdesign
3.2.2 Operationalisierung derVariablen
3.2.3 Stichprobe und Datenerhebung
3.2.4 Auswertungsmethoden und Voraussetzungen

4 Ergebnisse
4.1 Reliabilitätsanalyse
4.2 Hypothesentestung
4.2.1 Korrelationsanalyse
4.2.2 Regressionsanalyse
4.2.4 Mediationsanalyse

5 Diskussion

6 Ausblick

Anhangsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Zusammenfassung

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Nutzung des sozialen Netzwerks Facebook und dessen Zusammenhang zum Wohlbefinden der Nutzer. In einer Onlinebefragung wurden demografische Daten, Angaben zur Nutzung von Facebook, Wohlbefinden und unterschiedlichen Konstrukten, welche aus der Nutzung von Facebook resultieren und mit dem Wohlbefinden zusammenhängen, erhoben. Diese wurden auf Basis einer einschlägigen Literaturrecherche begründet und ausgewählt. Um das Zusammenspiel der unterschiedlichen Variablen zu untersuchen, wurde ein Variablenmodell entwickelt, aus welchem die zu überprüfenden Hypothesen abgeleitet wurden. An der Onlinebefragung nahmen insgesamt N = 1467 Personen teil. Die erhobenen Daten wurden auf fehlende Werte untersucht. Anschließend konnten 1079 Datensätze ausgewertet werden. Es hat sich herausgestellt, dass die Nutzung von Facebook einen Effekt auf das Wohlbefinden der Nutzer hat. Jedoch ist davon auszugehen, dass der totale Effekt durch das Miteinbeziehen eines Mediators aufgehoben wird und die Beziehung zwischen Facebook und Wohlbefinden durch andere Variablen mediiert wird.

1 Einleitung

Im Laufe der letzten zehn Jahre hat sich Facebook zu dem entwickelt, was es heute ist: das größte soziale Netzwerk der Welt. Fast 1,5 Milliarden Menschen nutzen dieses Netzwerk aktiv. Facebook erfreut sich unter anderem dieser großen Beliebtheit, da es den Kommunikationsaustausch zwischen Personen erleichtert. Freundschaften lassen sich leichter aufrechterhalten, alte Bekanntschaften finden sich wieder. Das Ganze findet jedoch nicht unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Die Öffentlichkeit kann an jedem geteilten Ereignis teilhaben und aktiv einen Einfluss aufdie Nutzer nehmen.

In den letzten Jahren hat sich nicht nur Facebook verändert, sondern Facebook hat auch das Leben innerhalb unserer Gesellschaft verändert. Vor allem hat sich die Art und Weise, wie Menschen miteinander kommunizieren, gewandelt. Wer sich damals verabreden wollte, ging zum Nachbarn oder führte ein Telefonat. Heute werden private Nachrichten schnell über Facebook versendet. Öffentlich wird nach Ratschlägen in Gruppen oder nach Meinungen auf der eigenen Chronik gefragt. Die Vielfalt an Nutzungsmöglichkeiten nimmt einige Zeit der Nutzer in Anspruch. Damit eröffnen sich neue Fragenstellungen, wie etwa nach dem Einfluss der Nutzung von Facebook auf das reale Leben. Es stellt sich die Frage, welche Wirkung Facebook-Nutzung tatsächlich hat und mit welchen Folgen zu rechnen ist.

Die vorliegende Arbeit soll zur Beantwortung dieser Fragestellung herangezogen werden. Auf Basis einer einschlägigen Literaturrecherche sowie einer empirischen Untersuchung soll der Einfluss von Facebook-Nutzung auf das psychische Wohlbefinden der Nutzer untersucht werden.

Die Arbeit gliedert sich in sechs Kapitel. Kapitel 2 gibt einen Überblick über die theoretischen Grundlagen, die der vorliegenden Untersuchung dienen. Nach einer Einführung in die Thematik sozialer Netzwerke im klassischen und modernen Sinne folgt eine Erläuterung des Konstrukts Wohlbefinden. Das Kapitel schließt mit einer fundierten Literaturrecherche zum aktuellen Forschungsstand.

In Kapitel 3 wird anschließend die empirische Untersuchung dargelegt. Neben der aus der Literatur abgeleiteten Bildung der Hypothesen erfolgt außerdem eine Beschreibung der methodischen Umsetzung. Die methodische Umsetzung umfasst die Wahl eines geeigneten Forschungsdesigns, die Vorstellung der Untersuchungsvariablen und die Operationalisierung der relevanten Variablen. Es folgt eine Beschreibung des Aufbaus und Ablaufs der Durchführung sowie eine Skizze der vorhandenen Stichprobe.

In Kapitel 4 werden die zuvor postulierten Hypothesen überprüft und die gewonnenen Ergebnisse dargestellt. In Kapitel 5 erfolgt anschließend eine kritische Würdigung der Ergebnisse sowie eine kritische Reflexion der methodischen Vorgehensweise. Ein zusammenfassendes Fazit sowie das Aufzeigen weiterer Perspektiven findet sich im Schlusskapitel.

2 Theoretischer Hintergrund

Im nachfolgenden Teil der Arbeit wird eine theoretische Aufbereitung der in dieser Arbeit verwendeten relevanten Begriffe geboten und eine Übersicht der ausschlaggebenden Literatur gegeben. Soziale Netzwerke im klassischen und modernen Sinne sowie das Konstrukt Wohlbefinden werden näher erläutert. Außerdem werden weitere, für die Untersuchung relevante Konstrukte, hinzugezogen.

2.1 Soziale Netzwerke

Das folgende Kapitel soll ein Verständnis und eine umfassende Erklärung zu sozialen Netzwerken und den darin enthaltenen Funktionen gewährleisten. Es soll ein Verständnis für den Wandel des Begriffs soziales Netzwerk geschaffen und der Nutzen sozialer Netzwerke erläutert werden.

2.1.1 Definition

Mehrere Disziplinen beschäftigen sich mit der Thematik sozialer Netzwerke, so etwa die Ökonomie, Psychologie oder auch die Sozial- und Kommunikationswissenschaften. In der wissenschaftlichen Literatur lassen sich zahlreiche Quellen auffinden, die für die Definition des Begriffs „Soziales Netzwerk“ in Betracht gezogen werden können.

In der Soziologie werden soziale Netzwerke in Anlehnung an Kopp und Schäfers (2010) als „ein Geflecht von sozialen Beziehungen, in das der Einzelne, Gruppen, kollektive oder korporative Akteure eingebettet sind“ bezeichnet (Kopp & Schäfers, 2010, S. 209). Nicht nur die „starken und direkten Beziehungen zwischen den

Netzwerkeinheiten“ sind in das Konzept des sozialen Netzwerkes involviert, sondern gleicherweise die schwächeren, indirekten Beziehungen (Schenk, 1984, S. 29). Als Netzwerkeinheiten können einzelne Personen und soziale Einheiten, wie beispielsweise „Gruppen, Organisationen oder auch Nationen“, verstanden werden (Röhrle, 1994, S. 15). Kopp und Schäfers (2010) bekräftigen die Annahme Schenks, dass in sozialen Netzwerken auch schwächere Beziehungen integriert sind. Demnach differenzieren sich soziale Netzwerke hinsichtlich unterschiedlich stark ausgeprägter, direkter und indirekter Kommunikationsbeziehungen, die das Verhalten des Individuums beeinflussen (Kopp & Schäfers, 2010). Dies ist für die vorliegende Untersuchung relevant, zumal der Einfluss der direkten und indirekten Kommunikation untersucht werden soll.

Weiterhin kann zwischen totalen und partialen Netzwerken unterschieden. Nach Barnes (1969) ist ein totales Netzwerk „a first-order abstraction from reality, and it contains as much as possible of the information about the whole of the social life oft he community to which it corresponds“ (Barnes, 1969, S. 56; zit. n. Schenk, 1984). Somit umfassen totale Netzwerke alle möglichen Beziehungen zwischen den einzelnen Netzwerkeinheiten. Die Beziehungen in partialen Netzwerken sind hingegen auf eine bestimmte Kategorie, wie zum Beispiel Verwandtschaft oder Freundschaft, beschränkt (Schenk, 1984).

Soziale Netzwerke können als die „spezifischen Webmuster alltäglicher sozialer Beziehungen“ verstanden werden (Keupp & Röhrle, 1987, S. 7). Röhrle (1994) fasst in Anlehnung an Schenk (1984) die Merkmale sozialer Netzwerke zusammen (S. 16). Dabei unterscheidet er zwischen (1) relationalen, (2) kollektiv und individuell bedeutsamen funktionalen Merkmalen und (3) Merkmalen der Morphologie (siehe Tabelle 1). Innerhalb dieser Kategorien geht Röhrle (1994) genauer auf einzelne Kriterien ein. Ein relationales Merkmal sozialer Beziehungen besteht beispielsweise in der Intensität der Beziehung. Röhrle (1994) beschreibt in Anlehnung an Granovetter (1982), dass zwischen schwachen und starken Verbindungen differenziert wird. Das Ausmaß dieser Verbindung setzt sich „aus dem Aufwand, mit dem soziale Beziehungen gepflegt werden, dem Grad es emotionalen Engagements oder gegenseitigen Vertrauens und aus dem Ausmaß wechselseitiger Unterstützungen“ zusammen (Granovetter, 1982, zit. n. Röhrle, 1994, S. 17)

Ein weiteres relationales Merkmal ist die Kontakthäufigkeit, beziehungsweise die Kontaktdichte. Die Kontaktdichte einer sozialen Beziehung lässt sich allerdings auch bei der Betrachtung von latenten und aktualisierten Beziehungen darstellen. Demnach fallen latente Beziehungen durch eine eher schwache Kontaktdichte auf. Gleichzeitig sind latente Beziehungen allerdings „aktivierbare soziale Einheiten“ und „insbesondere für Befindlichkeiten, wie z.B. Geborgenheitsgefühle, sehr bedeutsam“ (Röhrle, 1994, S. 17). Die Dauer, als relationales Merkmal sozialer Netzwerke, wird im Allgemeinen mit der Intensität der sozialen Beziehung in Beziehung gesetzt. (Schenk, 1984; Röhrle, 1994). Allerdings habe die Kontakthäufigkeit einen geringeren Einfluss auf die Intensität und Intimität von Beziehungen. (Schenk, 1984, S. 70). Schenk (1984) differenziert hierbei zwischen einzelnen partialen Netzwerken; denn eine auf Dauer ausgelegte Beziehung mit vielen Kommunikationsmöglichkeiten zwischen, beispielsweise Studenten des gleichen Kurses, führt nicht automatisch zu einer intensiven und intimen Beziehung zwischen den Einheiten. Würde die

Kontakthäufigkeit in diesem Fall die Intensität der Beziehung beeinflussen, so würde die Intensität der Beziehung abnehmen, wenn die Kontakthäufigkeit der Einheiten reduziert werden würde. Bei Beziehung innerhalb einer Verwandtschaft ist es umgekehrt. „Hierbei spielt die Häufigkeit des Kontaktes, die bisweilen durch regionale Grenzen behindert wird, kaum eine Rolle“ (Mayer, 1962, S. 576-592 zit. n. Schenk, 1984, S. 71). Folglich kann eine Beziehung auch dann intensiv sein, wenn nur eingeschränkte Kontaktmöglichkeiten bestehen würden. Röhrle (1994) kategorisiert die soziale Unterstützung und soziale Kontrollen als funktionale Merkmale sozialer Netzwerke. Aufgrund dieser Merkmale lassen sich soziale Netzwerke als „selbsterhaltende- bzw. -regulierende Systeme“ verstehen (Röhrle, 1994, S. 18).

Tabelle 1: Merkmale sozialer Netzwerke (in Anlehnung an Röhrle, 1994, S. 16)

1. Relationale Merkmale

1.1. Starke vs. schwache Bindungen

1.2. Kontakthäufigkeit

1.3. Latente vs. aktualisierte Beziehungen

1.4. Dauer

1.5. Multiplexe vs. uniplexe Beziehungen

1.6. Egozentriertheit vs. Altruismus

1.7. Reziprozität

1.8. Homogenität

1.9. Grad deran Bedingungen geknüpften Zugänglichkeit

2. Kollektiv und individuell bedeutsame funktionale Merkmale

2.1. Soziale Unterstützung

2.2. Soziale Kontrolle

3. Merkmale der Morphologie

3.1. Größe

3.2. Dichte

3.3. Erreichbarkeit

3.4. Zentralität

3.5. Custer und Cliquen

3.6. Sektoren und Zonen

Soziale Kontrollen tragen vor allem zur Beständigkeit sozialer Beziehungen bei, während Unterstützungen im Sinne sozialer Netzwerke auf die Pflege dieser Beziehungen Einfluss nehmen (Röhrle, 1994). Infolgedessen gleichen funktionale Merkmale Abweichungen im sozialen Netzwerk aus und tragen zu einem Gleichgewicht innerhalb dieses Systems bei.

Um die Struktur sozialer Netzwerke besser zu verstehen, bietet es sich an, die von Röhrle (1994) als Merkmale der Morphologie benannten Kriterien zu betrachten. Die Anzahl der sich im Netzwerk befindenden Personen determiniert in erster Linie die Größe des Netzwerks. Die Größe des Netzwerkes wird dadurch bestimmt, wie viele Personen sich an diesem beteiligen (Keupp & Röhrle, 1987). Abhängig von dieser Größe ist die Dichte des sozialen Netzwerkes. Diese ergibt sich aus den tatsächlichen Verbindungen in Relation zu den potentiellen Verbindungen in einem sozialen Netzwerk (Keupp & Röhrle, 1987; Röhrle, 1994). Regionen, in denen eine höhere Dichte vorkommt, lassen sich als Cliquen oder Clustern definieren (Keupp & Röhrle, 1987, S. 26). Im Hinblick auf die morphologische Struktur sozialer Netzwerke spielt auch die Erreichbarkeit sozialer Einheiten eine entscheidende Rolle. Über die Erreichbarkeit soll ermittelt werden, „wie schnell und unmittelbar Mitglieder eines sozialen Netzwerkes eine Zielperson (Element) erreichen können“ (Röhrle, 1994, S. 19).

Bislang kam Kommunikation innerhalb sozialer Netzwerke erst bei der physischen Anwesenheit mindestens zweier Personen zustande (Buhl, 2008; Döring, 2003). Doch auch in computervermittelten Netzen existieren soziale Netzwerke. Schelkse (2007) beschreibt diese Form von Kontakt als ebenfalls reale Beziehung. Social Network Sites (SNSs) im Sinne von sozialen Netzwerken sind heute alltäglich (Richter, Riemer & von Brocke, 2011). Vor allem „textbasierte computervermittelte Kommunikation“ findet über SNSs im Internet statt (Döring, 2003, S. 38). Doch was sind soziale Netzwerke im

Sinne des Internets eigentlich? Eine einheitliche Definition sozialer Netzwerke im Internet gibt es bis zu diesem Zeitpunkt nicht. Buhl (2008) spricht von sogenannten Online-Communitys (OCs). OCs sind dabei eine große Komponente des Web 2.0. Mitglieder eines solchen Netzwerkes haben die Möglichkeit, Informationen einzuholen und Neuigkeiten auszutauschen. Viele Begriffsauffassungen, die sich mit Online Social Networks beschäftigen, werden synonym verwendet. So verstehen Schoberth & Schrott (2001) die virtuelle Gemeinschaft als besondere Form von Gemeinschaften. Ferner befassen sich Boyd und Ellison (2007) mit den sogenannten Social Network Sites. Diese definieren sie als „web-based services that allow individuals to (1) construct a public or semi-public profile within a bounded system, (2) articulate a list of other users with whom they share a connection, and (3) view and traverse their list of connections and those made by others within the system“ (S. 211). Die wohl bekannteste SNS ist Facebook. Mit über 1,49 Milliarden Nutzern dominiert Facebook eindeutig das Web 2.0 (Kemp, 2015).

2.1.2 Funktionen

Netzwerke im klassischen Sinne haben in erster Linie Funktionen wie Schutz und Halt, die in besonderer Weise das Leben eines jeden Kindes bestimmen. Ohne diese sozialen Funktionen des Netzwerkes würde ein Kind kaum überleben. So beispielsweise die Pflege. Ein Säugling ist nicht in der Lage sich selbst um die Befriedigung seiner biologischen Bedürfnisse, wie die Nahrungsaufnahme, zu kümmern. Diese Aufgabe hat das soziale Netzwerk des Säuglings zu übernehmen. Schutz durch die jeweilige Bezugsperson soll mögliche Bedrohungen und Gefährdungen des Kindes vermeiden oder reduzieren; Halt oder auch emotionale Zuwendung wird in Form von Zuneigung und Liebe ausgedrückt (Schmidt-Denter, 2005). Um soziale Beziehungen und ihre Funktionen besser zu verstehen ist es sinnvoll diese in Beziehungstypen zu unterteilen. Eine solche Unterteilung nahm Döring (2003) vor (siehe Abb. 1). Döring (2003) unterscheidet zunächst zwischen „formalen und persönlichen Beziehungen“. Diese wiederum lassen sich in „schwache (lockere) und starke (enge) Bindungen unterteilen“. Zuletzt differenziert Döring (2003) „nach der Art der jeweiligen Rollen der Beziehungspartner“ (S. 405). Formale Beziehungen sind in Funktionssysteme integriert, welche „dazu dienen, gesellschaftliche Aufgaben zu erfüllen“ (Döring, 2003, S. 405). Die Beziehungspartner handeln hierbei nach formalisierten Rollen, da sie sich in einer ökonomischen Austauschbeziehung, wie etwa die Beziehung zwischen Kunden und Verkäufer, befinden (Döring, 2003). Die Funktion einer solchen Beziehung liegt beispielweise in der Aneignung eines Produktes, beziehungsweise des Geldes, somit in der Transaktion zwischen mindestens zwei Partnern. Persönliche Beziehungen werden im Gegensatz zu formalen Beziehungen in soziale Systeme eingeschlossen. In sozialen Systemen geht es um das „Aufgebot des Ähnlichen und Gleichen, um Gefühle der Nähe und Verbundenheit“ (Döring, 2003, S. 406). Während Emotionen in formalen Systemen kaum eine Rolle spielen, sind sie in persönlichen Beziehungen von hoher Bedeutung. Dort geht es vor allem um „Wertschätzung und Vertrauen“ (Döring, 2003, S. 406).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Beziehungstypen (in Anlehnung an Döring, 2003)

Schwache und starke Bindungen unterscheiden sich vor allem in ihrer Intensivität. Schwache Bindungen sind „dadurch gekennzeichnet, da sie weniger zeitintensiv sind, mit einem geringeren emotionalen Engagement verbunden sind, nicht intim und wenig multiplex sind“ als starke Bindungen. Starke Bindungen werden eher durch „tiefere Gefühle wie Geborgenheit und Liebe“ dargestellt (Diewald, 1991, S. 101).

Individuen besitzen ein Bedürfnis nach Zugehörigkeit und Liebe (Maslow, 1991). Soziale Netzwerke können dieses Bedürfnis befriedigen, da innerhalb dieser Systeme die Möglichkeit besteht, sich untereinander zu vernetzen. Damit Menschen gesund bleiben und schlussweg überleben, muss das Zugehörigkeitsbedürfnis befriedigt werden (Maslow, 1991, S. 71).

Vor allem im Web 2.0 bietet sich die Möglichkeit der Vernetzung. Aus diesem Grund entwickelte sich eine große Zahl an sogenannten Networking-Plattformen, die für eine bestimmte Personengruppe oder die Allgemeinheit beschaffen sind. Facebook beispielsweise entwickelte sich aus einem sozialen Netzwerk für Studenten zum größten sozialen Netzwerk der Gesellschaft (Bernecker & Beilharz, 2012).

Die meisten sozialen Netzwerke im Internet basieren auf einem ähnlichen Konzept. Zu Anfang legen Mitglieder ein eigenes Profil an, mittels dessen sie sich anderen Mitgliedern des Netzwerkes präsentieren. Bei der Erstellung des Profils greifen die Mitglieder aufVorgaben der jeweiligen Plattform zurück. Das Mitglied gestaltet aktiv die Darstellung seines Profils und kann Informationen wie z.B. Geburtstag, Beziehungsstatus, Interessen und Kontaktdaten preisgeben. Des Weiteren besteht die Möglichkeit Nachrichten zu versenden und zu erhalten (Alfert, 2015; Bernecker & Beilharz, 2012). Darüber hinaus ist es möglich Kontakte hinzuzufügen (Alfert, 2015), was zu einer erfolgreichen, wenn auch eher quantitativen, Vernetzung beiträgt. Mitglieder sozialer Netzwerke können außerdem interessensspezifischen Gruppen beitreten (Bernecker & Beilharz, 2012), um sich auszutauschen oder Aktivitäten zu planen.

Ein Großteil der computergestützten sozialen Netzwerke beinhaltet eine praktische Suchfunktion. Über diese können Mitglieder per Eingabe eines bestimmten Suchbegriffes Personen, Gruppen, Unternehmen und ähnliches einfach und ohne viel Aufwand finden (Bernecker & Beilharz, 2012; Alfert, 2015). Die Suchfunktion sozialer Netzwerke erleichtert das Auffinden bestimmter Personen maßgeblich. Die gesuchte Person kann „anhand von Parametern wie Schule, Heimatort o.ä. gefunden werden“ (Alfert, 2015, S. 42). Die vor allem im Business-Bereich bekannten Netzwerke XING und Linkedln stellen nicht nur die direkten Kontakte dar, vielmehr auch die Verknüpfung zwischen Kontakten zweiten oder dritten Grades und dem eigenen Profil. Dies ermöglicht Unternehmern, Kunden und Lieferanten einfacher und schneller zu kommunizieren (Bernecker & Beilharz, 2012). Von Bedeutung ist neben der Vernetzung auch die Jobsuche. XING ermöglicht Mitgliedern, innerhalb des Netzwerkes aktiv auf Jobsuche zu gehen. Über den Reiter Stellenmarkt können Mitglieder Parameter wie Tätigkeitsfeld und Ort angeben und so nach relevanten Stellenangeboten suchen. XING funktioniert in diesem Sinne wie eine klassische Job- Suchmaschine im Internet. Vorteilhaft ist, dass XING-Mitgliedern die Verbindungen zwischen dem Angebot und dem persönlichen Netzwerk anzeigt (XING, 2015). Dadurch wird die Kontaktaufnahme zwischen Interessenten und Unternehmen erleichtert und der Interessent kann sich zusätzliche Informationen zum jeweiligen Unternehmen einholen.

Ein weiteres beliebtes soziales Netzwerk ist Twitter. Twitter zählt zu den sogenannten Microblogging-Diensten. Über diesen Kanal werden Kurznachrichten, keine länger als 140 Zeichen, verbreitet. Twitter wird vor allem genutzt, um sich über „aktuelle News auszutauschen, Kontakte zuknüpfen oder Bilder und Videos zu verbreiten“ (Bernecker & Beilharz, 2012). Es besteht die Möglichkeit sich schnell über aktuelle Themen zu informieren, sich in bestehende Diskussionen einzuschalten oder eigene Denkanstöße zu geben, die wiederum von anderen Mitgliedern des Netzwerkes retweetet oder kommentiert werden können.

In sozialen Netzwerken geht es folglich darum, Inhalte, Videos und Bilder inbegriffen, zu verbreiten. In diesem Zuge ist die Online-Plattform YouTube zu nennen. YouTube kann als Multimedia-Netzwerk unter den sozialen Netzwerken verstanden werden. In dieser Form der Netzwerke geht es vor allem um das „(1) Veröffentlichen, (2) Verwalten und (3) Vernetzen digitaler Medien“ (Alpar, Blaschke & Keßler, 2007, S. 30). Personen, die ein Profil bei YouTube angelegt haben, können Videos anderer Nutzer kommentieren und bewerten (YouTube, 2015). Demnach besteht auch hier eine mögliche Interaktion zwischen den einzelnen Nutzern.

2.2 Facebook

Das soziale Netzwerk Facebook ist das wohl bekannteste und meist genutzte unter allen Netzwerken. Nachfolgend soll ein Überblick über die Online-Plattform und seine Nutzungsmöglichkeiten gegeben werde.

2.2.1 Daten und Fakten

Facebook wurde 2004 mit dem Ziel gegründet, die Welt offener zu gestalten und zu einer besseren Vernetzung beizutragen. Nutzer verwenden Facebook vor allem, um mit Freunden und Familie in Kontakt zu bleiben, um Neuigkeiten zu aktuellen Themen zu erhalten oder um Dinge mit anderen zu teilen, die ihnen wichtig sind. Im Dezember 2004 zählt Facebook rund eine Millionen aktive Nutzer. Diese umfassen vor allem College-Besucher. 2005 kamen Highschool-Besucher hinzu. Bis zu diesem Zeitpunkt konnten Mitglieder lediglich Nachrichten an ihre Freunde versenden. Im Dezember 2005 stieg die Rate aktiver Nutzer auf sechs Millionen Mitglieder. Nach und nach entstehen immer mehr Funktionen und Gadgets, die für die Nutzer attraktiv erscheinen. Parallel dazu steigen auch die Nutzerzahlen. Innerhalb einen Jahres verzeichnet Facebook einen Zuwachs von 100%. Ende 2007 zählt Facebook über 58 Millionen aktive Nutzer. Mitte 2008 erscheint eine Facebook App für das iPhone, welche wird Entwicklung des sozialen Netzwerkes maßgeblich verändern wird. Nutzer können noch einfacher und schneller auf Facebook zugreifen. Ein halbes Jahr später wird der legendäre Like Button eingeführt. Facebook wächst weiter. Im Juli 2010 verwenden rund 500 Millionen Nutzer das soziale Netzwerk. 2012 beläuft sich die Zahl der Nutzer auf eine Milliarde. Im selben Jahr gibt Facebook den Erwerb von Instagram bekannt. Auch dieses soziale Netzwerk erfreut sich einer gigantischen Nutzerzahl und lässt das Facebook-Imperium weiter wachsen. Auch heute nutzen täglich weltweit mehr als eine Milliarde Nutzer das soziale Netzwerk (Facebook, 2015).

2.2.2 Struktur

Das nachfolgende Kapitel soll einen Überblick über Facebook und die Nutzungsmöglichkeiten geben. Dafür werden zunächst die ersten Schritte im sozialen Netzwerk beschrieben. Anschließend werden die wichtigsten Nutzungsmöglichkeiten aufgezeigt.

Registrierung

Wer Facebook verwenden möchte, muss sich zunächst ein Konto auf Facebook anlegen. Eine Registrierung ist für alle Personen, die mindestens 13 Jahre alt sind, möglich. Andernfalls ist die Einverständniserklärung eines Erziehungsberechtigten notwendig. Das Konto wird mit Angabe des Namens und einer gültigen E-mail-Adresse angelegt. Die Registrierung wird erst durch das Bestätigen des Kontos per E-Mail gültig. Bei der Registrierung fragt Facebook danach, ob Freunde aus dem Adressbuch hinzugefügt werden sollen. Dieser Schritt kann allerdings übersprungen werden (Schwindt, 2012).

Gestaltung des Profils

Im nächsten Schritt besteht die Möglichkeit, sein Profil individuell zu gestalten. Dazu gehört auch das Hochladen eines Profilfotos. Des Weiteren kann ein Titelbild hinzugefügt werden, welches das Nutzerprofil schmückt (Schwindt, 2012). Nach Alfert (2015) lässt sich die Selbstdarstellung des Nutzers durch das Hinzufügen personenbezogener Daten, wie z.B. Geburtsdatum, Beziehungsstatus und Interessen, gestalten (Alfert, 2015, S. 42).

Chronik

Die Facebook-Chronik dient vor allem der Veröffentlichung von Beiträgen (Schwindt, 2012). Aber auch Freunde können, wenn Nutzer es erlauben, Nachrichten auf der Chronik hinterlassen. Neben dem Verfassen von Beiträgen besteht auch die Möglichkeit Lebensereignisse innerhalb der Chronik zu setzen (Schwindt, 2012). Diese werden in chronologischer Anordnung angezeigt. Beiträge können außerdem bearbeitet und auf ein bestimmtes Datum zurückdatiert werden. Die Chronik ist zusätzlich an ein Aktivitätenprotokoll geknüpft. Dieses ermöglicht das Nachvollziehen allerTätigkeiten, die auf Facebookvon einem Nutzer getätigt wurden (Schwindt, 2012).

Freunde finden

Über die Suchfunktion lassen sich Personen durch das Verwenden von Parametern wie Name, Hochschule, Wohnort oder ähnlichem finden. Ist eine Person gefunden, so kann man dieser über den Button Freundin hinzufügen eine Kontaktanfrage senden. Diese kann angenommen oder aber auch abgelehnt werden. Sind die ersten Kontakte geknüpft, schlägt Facebook automatisch Freunde der eigenen Kontakte, die der jeweilige Nutzer potentiell kennen könnte, vor. Kennt ein Nutzer einen anderen Nutzer, so kann er auch diesem eine Freundschaftsanfrage schicken. Eine Verknüpfung zwischen zwei Personen kommt erst durch das Annehmen dieser Anfrage zustande (Schwindt, 2012).

Gruppen

Innerhalb von Facebook existieren Foren, sogenannte Gruppen. Gruppen schaffen Nutzern eine Möglichkeit zur Diskussion und zum Informationsaustausch bezüglich spezifischer Themen (Alfert, 2015). Die Nutzer können außerdem selbst Gruppen gründen. Hinsichtlich Privatsphäre-Einstellungen lassen sich drei Arten von Gruppen unterscheiden: (1) Öffentliche Gruppen, (2) Geschlossene Gruppen und (3) Geheime Gruppen.

Zu öffentlichen Gruppen hat jeder Nutzer Zugang. Der Nutzer kann der Gruppe selbstständig beitreten oder aber von einem anderen Nutzer eingeladen werden. Des Weiteren können alle Facebook-Nutzer sehen, welche Inhalte von wem in der Gruppe gepostet werden. Um geschlossenen Gruppen beizutreten, muss ein Nutzer entweder eingeladen werden oder eine Beitrittsanfrage an die Gruppe senden. Innerhalb dieser Gruppen können nur aktuelle Mitglieder der Gruppe sehen, was in der Gruppe gepostet wird. Nicht-Mitglieder sehen lediglich, welche Nutzer sich in dieser Gruppe befinden. Geheimen Gruppen können Nutzer keine Beitrittsanfrage senden. Um der Gruppe beitreten zu können, müssen sie von anderen Mitgliedern der jeweiligen Gruppe hinzugefügt bzw. eingeladen werden. Geheime Gruppen sind für Nicht­Mitglieder der Gruppe unsichtbar, d.h. weder der Name, Beschreibung, Mitglieder, noch die Inhalte werden angezeigt. Lediglich ehemalige Mitglieder haben auch nach Austreten aus der Gruppe einen Zugang zu einem Teil dieser Daten (Facebook, 2015a).

Seiten

Neben Profilen und Gruppen existieren sogenannte Seiten. Seiten repräsentieren beispielweise ein Unternehmen, einen Künstler, Marken oder Organisationen. Seiten sind ähnlich wie Nutzer-Profile aufgebaut und enthalten ebenfalls eine Chronik. Ein großer Unterschied zwischen Seiten und Profilen besteht darin, dass Seiten lediglich mit Gefällt mir markiert werden können. Das Versenden von Freundschaftsanfragen seitens der Nutzer ist hier nicht möglich (Schwindt, 2012).

Startseite und Newsfeed

Nach jedem Login auf Facebook wird zunächst die Startseite angezeigt. Von dort aus lassen sich unterschiedliche Aktivitäten wie z.B. Freundschaftsanfragen, Nachrichten oder auch die Kontoverwaltung steuern. Besonders präsent erscheint der mittlere Bereich der Startseite. Dieser Bereich wird als Newsfeed bezeichnet. Im Newsfeed werden alle neuen Aktivitäten der einzelnen Vernetzungen aufgelistet. Nutzer haben die Möglichkeit, diese Aktivitäten und Beiträge mit Gefällt mir zu markieren oder zu kommentieren (Alfert, 2015; Schwindt, 2012).

Gefällt mir

In sozialen Netzwerken können Nutzer ihre „Zustimmung, Anerkennung und Anteilnahme“ zum Ausdruck bringen (Alfert, 2015). Beiträge, Fotos und Aktivitäten können von Facebook-Nutzern mit Hilfe des Gefällt mir-Buttons markiert werden. Diese

Aktivität wird im Newsfeed der verknüpften Kontakte angezeigt und so gegebenenfalls weiter verbreitet.

2.2.3 Nutzung

Die Zahl der aktiven Nutzer des sozialen Netzwerkes Facebook ist in den letzten Jahren merklich angestiegen. Dies mag vor allem an der Einfachheit der Vernetzungsmöglichkeiten liegen. Nutzer können sich mit nur wenigen Klicks mit Familienangehörigen, Freunden und Kommilitonen verbinden. Facebook erleichtert die Kommunikationsaufnahme und das Pflegen von Beziehungen erheblich. Aber warum werden überhaupt Kontakte online geknüpft und gepflegt, anstatt raus in die Welt zu gehen? Heidig (2011) ist der Auffassung, dass diese Entwicklung evolutionär bedingt sei. Vor einigen Jahrzehnten sei es normal gewesen mit einer Großfamilie und mehreren Generationen eng, auf einem kleinen Raum, zusammen zu leben. Man war nie allein und ständig in ein soziales Netzwerk eingebunden. Soziale Bedürfnisse und Sicherheitsbedürfnisse konnten befriedigt werden. Allerdings veränderten sich die Wohnsituationen und Lebensräume und -strukturen. Der ansteigende Wohlstand in der Gesellschaft führte zu einer Vergrößerung des realen Lebensraumes. Gleichzeitig vergrößerten sich die Abstände zwischen den Menschen. Familien leben nun nicht mehr zusammen auf engem Raum, einzelne Personen befinden sich am Rande ihres sozialen Netzwerkes. Die Zahl der realen Beziehungen nimmt ab. Das Bedürfnis nach Zugehörigkeit jedoch bleibt. Soziale Netzwerke im Internet können diese Dissonanz wieder ausgleichen. Infolgedessen können virtuelle Beziehungen reale Beziehungen ersetzen und das Bedürfnis nach Zugehörigkeit befriedigen (Heidig, 2011).

Doch Facebook ist mehr als nur ein soziales Netzwerk im Internet. Facebook bietet neben der sozialen Bedürfnisbefriedigung auch die Möglichkeit zur idealen Selbstdarstellung. Mummendey (2006) ist der Auffassung, dass Individuen in der Lage sind „ihr Bild von der eigenen Person zu beeinflussen, aufrechtzuerhalten oder zu verbessern, ihren Selbstwert zu verteidigen oderzu erhöhen. Dazu sind sie gewöhnlich auf ihre Interaktionspartner angewiesen“ (Mummendy, 2006, S. 49). Facebook als virtuelle Welt bietet eine große Bandbreite dieser Interaktionspartner. Während in der realen, beziehungsweise Offline-Welt die Selbstdarstellung überwiegend unkontrolliert und automatisch abläuft (Mummendey, 2006), wird sie online bewusst kontrolliert (Horn, 2007). Horn (2007) beschreibt die virtuelle Selbstdarstellung als auf vorangegangener Reflexion aufbauenden kognitiven Aufwand (S 128).

Motivationspsychologische Ansätze nehmen an, dass die positive Selbstdarstellung zur Verteidigung oder Erhöhung des Selbstwertes führt. Das Selbstwertgefühl resultiert dabei aus (1) Selbstwahrnehmung, (2) sozialer Rückmeldung und (3) sozialer Vergleichsprozesse (Mummendey, 2006, S. 41ff.). Zugleich hat das Selbstwertgefühl einen Einfluss auf das subjektive Wohlbefinden (Diener & Diener, 1995).

2.3 Psychisches Wohlbefinden

ln diesem Kapitel folgt eine nähere Spezifikation des Begriffs Wohlbefinden. Es soll ein Überblick über gängige Theorien und Annahmen gegeben werden, damit ein besseres Verständnis der nachstehenden Zusammenhänge gewährleistet ist.

2.3.1 Definitionen

Das Konstrukt Wohlbefinden lässt sich nur grob definieren und wird oft mit Begriffen wie „Glück, Freude, Flow, Zufriedenheit, Sinnerfülltheit, Lebenszufriedenheit, Lebensqualität und seelische Gesundheit“ in Verbindung gebracht oder synonym verwendet (Frank, 2011, S. 5).

2.3.2 Strukturmodell des Wohlbefindens nach Becker

Becker (1991) differenziert innerhalb des Strukturmodells zwischen aktuellem (AW) und habituellem Wohlbefinden (HW). Unter aktuellem Wohlbefinden versteht er das momentane positive Erleben einer Person. Das habituelle Wohlbefinden bezieht sich auf die „emotionalen und körperlichen Erfahrungen der letzten Wochen oder Monate“ (Becker, 1991, zit. n. Frank, 2011, S. 5). Demnach kann habituelles Wohlbefinden als die zeitlich stabilere Komponente angesehen werden. Habituelles wie auch aktuelles Wohlbefinden lassen sich jeweils in psychisches und physisches Wohlbefinden unterteilen. Positive Stimmungen, Freisein von Beschwerden sowie Emotionen wie Freude und Glück charakterisieren das psychische Wohlbefinden. Das physische Wohlbefinden gliedert sich in positive körperliche Empfindungen und körperliche Beschwerdefreiheit (Becker, 1991, zit. n. Frank, 2011).

2.3.3 Multidimensionales Modell Ryff

Ryff (1989) entwickelte ein Modell, welches sechs Dimensionen integriert, die sich auf das psychologische Wohlbefinden auswirken. Das multidimensionale Modell umfasst die Dimensionen (1) Selbstakzeptanz (self-acceptance), (2) positive Beziehungen zu anderen (positive relations with others), (3) Autonomie (autonomy), (4) Umweltbewältigung (environmental mastery), (5) Sinn im Leben (purpose of Life) und (6) persönliches Wachstum (personal growth). Demnach fühlen sich Menschen wohl „wenn sie alle Teile ihrer selbst akzeptieren, warmherzige und vertrauensvolle Beziehungen zu anderen pflegen können, in hohem Maße selbstbestimmt leben, in der Lage sind, ihr Leben so auszurichten, dass sich ihre Bedürfnisse erfüllen, ein zielgerichtetes Leben führen und sich selbst in ständiger Weiterentwicklung erleben“ (Frank, 2011, S. 6).

2.3.4 Subjektives Wohlbefinden nach Diener, Suh, Lucas & Smith

Das subjektive Wohlbefinden (SWB) wird als „selbst wahrgenommenes Gefühl des Glücks im Leben oder (...) Zufriedenheit mit dem Leben“ verstanden (Myers, 2014, S. 517). Diener (2000) versteht unter subjektivem Wohlbefinden die kognitive und affektive Bewertung eines Individuums über sein Leben. SWB wird „einerseits als Glücksgefühl (manchmal definiert als höherer Anteil der guten im Verhältnis zu den schlechten Gefühlen), andererseits als ein Gefühl der Zufriedenheit mit dem Leben“ erfasst (Myers, 2014, S. 516). Das subjektive Wohlbefinden lässt sich in die Komponenten (1) Lebenszufriedenheit (life satisfaction), (2) Bereichszufriedenheit (satisfaction with important domains), (3) positiver Affekt (positive affect) und (4) negativer Affekt (negative affect) einteilen. Aufgrund der Integration negativer sowie positiver Stimmungen und Gefühle wird das subjektive Wohlbefinden durch unangenehme sowie angenehme Gefühlszustände beeinflusst. Diese Gefühle und Stimmungen stellen die affektive Ebene des Modells dar. Die kognitive Komponente des Modells wird anhand von Lebens- bzw. Bereichszufriedenheit beschrieben. Letztere umfasst spezifische Lebensbereiche wie Arbeit, Familie, Freizeit und Gesundheit (Diener, E., Suh, Lucas, & Smith, 1999).

2.3.5 Multidimensionales Modell Perrig-Chiello

Perrig-Chiello (1997) beschreibt den Menschen als ein „psycho-physisches Wesen“, welcher sich „in einem sozialen Kontext zu behaupten hat“ und spricht in ihrem multidimensionalen Modell des Wohlbefindens absichtlich nicht von einem subjektiven Wohlbefinden, sondern von allgemeinem Wohlbefinden (Perrig-Chiello, 1997, S. 115). Innerhalb des Modells lässt sich das allgemeine Wohlbefinden von Personen in die Komponenten physisches, psychisches und soziales Wohlbefinden einteilen (siehe Abb. 2). Diese drei Komponenten stehen lebenslang in einer Wechselbeziehung zueinander und sind miteinander verknüpft. Sie beeinflussen sich gegenseitig und unterscheiden sich lediglich hinsichtlich ihrer Ausprägung abhängig von der aktuellen Lebensphase. So steht beispielweise das physische Wohlbefinden eines Säuglings im Vordergrund, da dieser nicht in der Lage ist, sich selbst zu versorgen. Im Laufe des Lebens werden die psychischen und sozialen Aspekte des Wohlbefindens stimuliert (Perrig-Chiello, 1997).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Pyramide des allgemeinen Wohlbefindens (in Anlehnung an Perrig-Chiello, 1997, S. 115)

Das psychische Wohlbefinden wird in Anlehnung an Perrig-Chiello (1997) über die Attribute (1) Lebenszufriedenheit, (2) Lebenssinn und (3) Kontrolle (mastery) beschrieben. Diese Dimensionen konkretisiert sie, indem sie auf verschiedene wissenschaftliche Forschungsansätze zurückgreift. Diese drei Dimensionen des psychischen Wohlbefindens können nur unter Einbezug des Faktors Zeit, also im Hinblick auf die Vergangenheit, Gegenwart und die Zukunft, überprüft werden. (Perrig- Chiello, 1997, S. 119f.).

2.4 Neid

Schoeck (1969) beschreibt Neid als eine Art Treiber, der in der Natur des Menschen obliegt. Neid kann nur dann zu Stande kommen, wenn sich mindestens zwei Individuen in einem Vergleich befinden. Ohne das Empfinden von Neid könnten sich die Menschen innerhalb ihrer sozialen Systeme weniger gut weiterentwickeln. Neid kann als eine komplexe emotionale Reaktion, hervorgerufen durch einen sozialen Vergleich, verstanden werden (Schröder, 2003). Innerhalb dieses Vergleichs kommt es zu einem Ungleichgewicht. Person X bekommt scheinbar mehr Aufmerksamkeit als Person Y. Person Y spricht in diesem Moment Person X zu, dass diese einen Vorteil aus der Situation zieht und eine Art Bedürfnisbefriedigung erhält. Gleichzeitig stellt Person Y fest, dass sie im Nachteil ist, weil ihr diese Befriedigung verwehrt bleibt.

2.5 Selbstwertgefühl und Selbstdarstellung

Jonas, Stroebe und Hewstone (2014) definieren das Selbstwertgefühl als „die Gesamtbewertung, die wir auf einer Positiv-negativ-Dimension in Bezug auf uns selbst vornehmen“ (S. 157). Demnach beschreibt das Selbstwertgefühl, inwieweit eine Person den Wert der eigenen Person als hoch oder gering bewertet (Myers, 2014). Der Begriff Selbstdarstellung wird häufig unterschiedlich verwendet und ist nicht einheitlich definiert. Ebert und Piwinger (2007) beschreiben Selbstdarstellung als Inszenierungsstrategie mit selbstwertdienlichem Zweck. Diese Inszenierung hat das Ziel, in einer sozialen Umgebung ein positives Fremdbild zu schaffen und somit den Selbstwert einer Person zu erhalten bzw. zu erhöhen.

2.6 Soziale Überlastung

Soziale Überlastung ist ein Begriff, welcher vor allem in sozialen Netzwerken wie Facebook Verwendung findet. Soziale Überlastung entsteht dann, wenn die Verpflichtung gegenüber den Facebook-Freunden als zu stark und unangenehm wahrgenommen wird (Maier, Laumer, Eckhardt, & Weitzel, 2014). Folglich kann soziale Überlastung als negative Konsequenz der Nutzung virtueller sozialer Netzwerke verstanden werden.

2.7 Stress und Stressempfinden

ln der Literatur existiert eine Vielzahl an Definitionen und Theorien für das Stresskonzept. Stress im Allgemeinen ist eine psychophysische Reaktion des Körpers auf spezifische Stressoren, welche als Anforderung, Bedrohung oder Schaden wahrgenommen werden (Wagner-Link, 2009).

Stress ist kein modernes Phänomen, sondern gründet viel mehr auf einem evolutionären Gedanken. Denn die Aktivierung des Organismus dient im Grunde genommen dem Überleben einer Spezies und ist eine biologische und natürliche Aktivierungsreaktion des Körpers (Schlehlein, 2006). Des Weiteren kann zwischen den beiden von Hans Selye geprägten Stressbegriffen Distress und Eustress differenziert werden. Eustress ist die positive Aktivierung des Körpers (Schlehlein, 2006) und dient der Erhöhung der Leistungsbereitschaft (z.B. bei Herausforderung), während Distress als negativer Stress aufzufassen ist, welcher die Leistungsbereitschaft senkt (zum Beispiel bei Bedrohung). Distress liegt meist eine Überforderung, also ein „Übermaß an Anforderungen“ (S. 751) zugrunde.

Psychologisch gesehen kann Stress als die fehlende Balance des psychischen Gleichgewichts verstanden werden. Das bedeutet, dass die äußeren Anforderungen und die Handlungsmöglichkeiten einer Person in einem Missverhältnis zueinander stehen (Nil et al., 2010) und eine Überforderung resultiert. Stress resultiert also nicht aus den Ereignissen selbst, sondern viel mehr aus den Bewertungen dieser (Lazarus, 1998). Bewertet eine Person den Stimulus als Herausforderung, so reagiert sie mit Konzentration (siehe Abb. 3). Wird der Stimulus als Bedrohung wahrgenommen, so reagiert die Person mit Stress.

Bewertung der Situation Reaktion

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Verlauf der Stressreaktion (in Anlehnung an Myers, 2014, S. 526)

2.8 Zum Zusammenhang sozialer Netzwerke und Wohlbefinden

Die Funktionen sozialer Netzwerke wurden im Kapitel 2.1.2 bereits erklärt. Im folgenden Kapitel soll beschrieben werden, welchen Einfluss soziale Netzwerke und insbesondere die SNS Facebook auf das heutige Leben in der Gesellschaft haben. Dieser Einfluss wird bedingt durch die rapide ansteigende Nutzerzahl sozialer Netzwerke und der stetigen Entwicklung neuer Informations- und Kommunikationstechnologien. Facebook zählt zum jetzigen Zeitpunkt knapp 1,5 Milliarden aktive Nutzer pro Monat. 1,31 Milliarden Menschen nutzen das soziale Netzwerk über die mobile App und sind rein theoretisch 24 Stunden am Tag erreichbar („Company Info“, 2015). Dass die Nutzung von Facebook einen Einfluss auf den Menschen hat, belegen zahlreiche Studien. Ob das soziale Netzwerk eher Fluch oder Segen ist, kann bis heute nicht konkretisiert werden. Allerdings haben Forscher sowohl positive, als auch negative Effekte feststellen können.

So fanden Maier, et al. (2014) heraus, dass Facebook-Nutzer eine Art soziale Überlastung wahrnehmen. Diese Überlastung kommt dadurch zustande, dass Nutzer sich verstärkt um ihre Facebook-Freunde sorgen und sich um diese kümmern möchten. Je mehr Zeit die Nutzer in Facebook investieren und je größer die Anzahl der Facebook-Freunde ist, desto stärker ist die wahrgenommene Überlastung und führt zu Stress und Unzufriedenheit.

Im Gegensatz dazu führen Zywica und Danowski (2008) den Gedanken an, dass die Nutzung von Facebook zur Steigerung des sozialen Kapitals führt. Einen besonderen Vorteil sehen sie für introvertierte Nutzer. Diese können sich mit Hilfe des sozialen Netzwerkes, im Gegenteil zur Realität, positiv darstellen und möglichst viele Freunde finden. Diesen positiven Effekt stellten auch Carrier, Spradlin, Bunce und Rosen (2015) fest. Eine intensivere Nutzung sozialer Netzwerke führt zur Entwicklung von virtueller Empathie, welche sich auf die Realität überträgt. Außerdem erleichtern soziale Netzwerke die Kommunikationsmöglichkeiten für introvertiertere Personen (American Psychological Association, 2011; Carrier et al., 2015). Das die Nutzung von Facebook zum Erwerb von sozialen Kapital führt, befürworten auch Ellison, Steinfield und Lampe (2011). Das soziale Kapital wird hier im Sinne der wahrgenommenen emotionalen Unterstützung aufgeführt. Beispielsweise reagieren Freunde aus dem Facebook- Netzwerk auf einen geteilten Beitrag, über eine Krankheit, mit aufmunternden und unterstützenden Worten. Die wahrgenommene emotionale Unterstützung fungiert als psychosoziale Ressource und hat einen positiven Effekt auf das Wohlbefinden (RKI, 2010).

Allerdings zeigen andere Studien auch, dass die Nutzung von Facebook vermehrt zu Anzeichen von psychischen Störungen, wie Depression und Angststörungen, führen kann (American Psychological Association, 2011). Die Nutzung des sozialen Netzwerkes kann demnach neben einer unterstützenden Wirkung auch eine schädliche Wirkung zur Folge haben. Ferner soll eine intensive Facebook-Nutzung auf Dauer unglücklich machen. Chou und Edge (2012) befragten Studierende unter anderem zu ihrem Nutzungsverhalten sowie zu ihrer Wahrnehmung und Bewertung des Lebens anderer Personen. Die Studie ergab, dass Studierende, die das soziale Netzwerk häufiger nutzten als andere, dazu neigen, das Leben anderer als glücklicher und ihr eigenes als unfair zu bewerten. Zu dieser Bewertung kommt es aufgrund von Attributionsfehlern. Menschen gehen davon aus, dass die Informationen, die auf Facebook bereitgestellt werden, wahr sind und tatsächlich Auskunft über die Persönlichkeit und das Leben anderer geben. Des Weiteren führt die Anwendung von Verfügbarkeitsheuristiken ebenfalls zu einer verzerrten Wahrnehmung. Stellen besonders viele Facebook-Freunde ihr eigenes Leben positiv zur Schau, wird das eigene Leben als weniger glücklich eingeschätzt. Folglich erzeugt Facebook einen sozialen Vergleich, indem die Entstehung negativer Gefühle begünstigt wird. Zu diesem Schluss kommen auch Krasnova, Wenninger, Widjaja und Buxmann (2013). Emotionen wie Traurigkeit und Frustration basieren auf dem Vorhandensein von Neidgefühlen. Krasnova et al. (2013) nehmen an, dass vor allem passive Nutzer dazu neigen, neidisch auf die positiven Nachrichten und Postings ihrer Freunde zu reagieren. Dies hat zur Folge, dass vorhandene Neidgefühle die allgemeine Lebenszufriedenheit der Nutzer negativ beeinflussen.

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Details

Seiten
83
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668491854
ISBN (Buch)
9783668491861
Dateigröße
1.7 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v371108
Institution / Hochschule
Rheinische Fachhochschule Köln
Note
1,3
Schlagworte
Facebook Facebooknutzung Wohlbefinden Facebook und Wohlbefinden Einfluss von Facebook Auswirkungen von Facebook

Autor

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Titel: Eine empirische Untersuchung zur Wirkung von Facebook-Nutzung auf das psychische Wohlbefinden