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Auswertung von Gruppendiskussionen. Vorbereitung, Analyse, Theoriebildung

Hausarbeit 2017 14 Seiten

BWL - Marketing, Unternehmenskommunikation, CRM, Marktforschung, Social Media

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Die Gruppendiskussion

3 Auswertung von Gruppendiskussionen
3.1 Vorbereitende Maßnahmen
3.2 Qualitative Inhaltsanalyse
3.3 Typologische Analyse
3.4 Gegenstandsbezogene Theorienbildung
3.5 Objektive Hermeneutik

4 Schlussbetrachtung

Abbildungsverzeichnis

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

In der heutigen Zeit werden die unterschiedlichsten Methoden in der Marktfor­schung angewandt, um Antworten für relevante Fragestellungen zu finden. Eine Methode findet sich in der Gruppendiskussion. Dieser kommt schon vor einigen Jahren an Bedeutung zu (Lamnek, 1998, S. 5). Auch heute nimmt diese Unter­suchungsmethode einen besonderen Stellenwert ein (Kühn & Koschel, 2011, S. 11). Umso wichtiger ist es sich auch mit den möglichen Auswertungsmethoden der Gruppendiskussion auseinanderzusetzen.

Zu Beginn dieser Arbeit soll ein kurzer Überblick über die Methode der Gruppen­diskussion gegeben werden. Die nachfolgenden Kapitel beschäftigen sich an­schließend mit einer Auswahl unterschiedlicher Verfahren der Auswertung. Um zu verdeutlichen wie sich die einzelnen Methoden unterscheiden, soll im An­schluss der vorliegenden Arbeit näher auf die jeweiligen Anwendungsbereiche eingegangen werden.

2 Die Gruppendiskussion

In der wissenschaftlichen Literatur lassen sich zahlreiche Quellen auffinden, die für die Definition des Begriffs „Gruppendiskussion“ in Betracht gezogen werden können. Lamnek (1998) beschreibt die Gruppendiskussion in Anlehnung an Mor­gan (1997) als „eine Erhebungsmethode, die Daten durch die Interaktion der Gruppenmitglieder gewinnt, wobei die Thematik durch das Interesse des For­schers bestimmt wird“ (Lamnek, 1998, S. 27). Der Diskurs zwischen den Grup­penmitgliedern findet dabei unter Anleitung eines Moderators statt. Ausgehend hiervon handelt es sich bei der Gruppendiskussion also mehr um einen „diskur­siven Austausch von Ansichten und Argumenten“, mit der Möglichkeit das Ge­spräch unter den Teilnehmern zu modifizieren (Lamnek, 1998, S. 34). Einsatz findet diese Methode bei unterschiedlichen Fragestellungen, eignet sich jedoch besonders für die Erhebung von gemeinschaftlichen Einstellungen oder für die Erforschung von Ideologien und Vorurteilen (Mayring, 2016, S. 78).

3 Auswertung von Gruppendiskussionen

Dieses Kapitel soll einen Teil bedeutsamer Auswertungsverfahren vorstellen, wo­bei bestimmte Verfahren unberücksichtigt bleiben. Eine ausführliche Darstellung aller Methoden würde sich zwar für eine tiefergehende Betrachtung anbieten, liegt allerdings außerhalb der Zielsetzung der vorliegenden Arbeit. Aus diesem Grund wird den ausgewählten Theorien besondere Bedeutung zukommen.

3.1 Vorbereitende Maßnahmen

Bevor die gewonnenen bzw. erhobenen Daten ausgewertet werden können, macht es Sinn sich schon während der Konzeption eines Studiendesigns mit un­terschiedlichen Fragen der Datenanalyse zu beschäftigen. Demnach sollte eine Auseinandersetzung mit den folgenden Fragen erfolgen (Lamnek, 1998, S. 162):

1) Wie viel Zeit ist für die Analyse zu veranschlagen oder wie viel Zeit ist z.B. vom Auftraggeber vorgegeben?
2) Welche Informationen und Daten werden für die Analyse zur Verfügung stehen?
3) Wie sind die Daten organisiert und strukturiert, welche Analysen lassen sie zu?
4) Welche Art von Ergebnissen erwartet etwa der Auftraggeber?
5) In welcher Form sollen die Befunde präsentiert und veröffentlicht werden?

Ein besonderes Augenmerk sollte hierbei auf 2) und 3) geworfen werden, da i.d.R. eine Auswertung auf Basis von gesammeltem Datenmaterial erfolgt. So unterscheiden sich beispielweise Transkriptionssysteme, die bei einer späteren Analyse zu berücksichtigen sind.

3.2 Qualitative Inhaltsanalyse

Eines der derzeit prominentesten Auswertungsverfahren in der qualitativen For­schung ist die qualitative Inhaltsanalyse. Diese soll „Texte systematisch analy- sieren, indem sie das Material schrittweise mit theoriegeleitet am Material entwi­ckelten Kategoriensystemen bearbeitet“ (Mayring, 2016, S. 114). Eine einheitli­che Definition der Inhaltsanalyse findet sich in der Literatur bislang allerdings nicht. Mayring (2010) hält jedoch fest, dass die Inhaltsanalyse nicht nur bloße Inhalte der Kommunikation widergibt, sondern mittels systematischer Vorgehens­weise diese analysiert. Die Analyse erfolgt dabei vor einem Theoriehintergrund, der vom jeweiligen Forschungsinteresse abhängt (Mayring, 2010, S. 13). Mayring (2016, S. 115) unterscheidet zwischen drei Grundformen der qualitativen Inhalts­analyse:

1) Zusammenfassung: Ziel der Analyse ist es, das Material so zu reduzieren, dass die wesentlichen Inhalte erhalten bleiben, durch Abstraktion ein über­schaubares Korpus zu schaffen, das immer noch ein Abbild des Grund­materials ist.
2) Explikation: Ziel der Analyse ist es, zu einzelnen fraglichen Textteilen [...] zusätzliches Material heranzutragen, das das Verständnis erweitert, das die Textstelle erläutert, erklärt, ausdeutet.
3) Strukturierung: Ziel der Analyse ist es, bestimmte Aspekte aus dem Mate­rial herauszufiltern, unter vorher festgelegten Ordnungskriterien einen Querschnitt durch das Material zu legen oder das Material auf Grund be­stimmter Kriterien einzuschätzen.

Aus den beschriebenen Grundformen gehen sieben unterschiedliche Analysefor­men hervor (siehe Abbildung 1).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Analyseformen qualitativer Textanalysen (in Anlehnung an Mayring, 2010, S. 66)

Die Zusammenfassung stellt die erste Technik der qualitativen Inhaltsanalyse dar. Diese Technik lässt sich allerdings auch nutzen, um eine induktive Katego­rienbildung vorzunehmen. Hierfür ist es nötig, vorab einzelne Kategorisierungs- dimensionen und ein passendes Abstraktionsniveau zu definieren. Ferner sollte ein Selektionskriterium für die Kategorienbildung bestimmt werden. Anschlie­ßend erfolgt die Kategorienbildung indem der zu analysierende Text Zeile für Zeile revidiert wird. Wird nun eine zur Kategoriendefinition passende Textstelle gefunden, so wird hierfür eine Kategorie inkl. Kategorienbezeichnung (Wort oder kurzer Satz) formuliert. In der fortlaufenden Analyse werden weitere Kategorien gebildet oder Textstellen bereits existierenden Kategorien zugeordnet. Tritt eine Sättigung ein, also dann, wenn keine neuen Kategorien mehr gebildet werden können, erfolgt eine Überarbeitung und Prüfung des entwickelten Kategoriensys­tems. Es wird geprüft, inwieweit das System zum vorab definierten Abstraktions­niveau und der Fragestellung passt. Nach dieser Überprüfung können Verände­rungen des Systems vorgenommen werden. Allerdings ist es danach notwendig, den Text noch einmal anhand des überarbeiteten Kategoriensystems zu bearbei­ten. Nun kann eine weitere Auswertung anhand zweier unterschiedlicher Vorge­hensweise erfolgen: das System kann (1) im Hinblick auf die Fragestellung und den Theoriehintergrund interpretiert oder (2) quantitativ ausgewertet werden (Ma­yring, 2016), S. 115ff).

Anhand der Explikation kann nun zusätzliches Material herangetragen werden, um einzelne Textstellen zu interpretieren. Dieses systematische Vorgehen kann auf zwei Wegen erfolgen: anhand einer engen und einer weiten Kontextanalyse. Die enge Kontextanalyse zieht das direkte Textumfeld bzw. nahe gelegene Text­abschnitte mit in die Analyse ein. Die weite Kontextanalyse hingegen nutzt über das verfügbare Material hinausgehende Informationen, wie z.B. Informationen über den Autor, um die fragliche Textstelle zu explizieren. Ziel der Explikation ist es, die fragliche Textstelle gegen eine Paraphrase einzutauschen. Reicht die Ex­plikation nicht aus, so muss wie bei der induktiven Kategorienbildung eine er­neute Überprüfung des Textmaterials erfolgen (Mayring, 2016, S. 117f).

Die Strukturierung des Textmaterials stellt die letzte Form der Inhaltsanalyse dar. Hierbei wird versucht, dass zuvor entwickelte Kategoriensystem so klar zu defi­nieren, sodass dieses eine Zuordnung von beliebigem Textmaterial zu den be­stimmten Kategorien ermöglicht. Im Fokus steht dabei die Extraktion bestimmter Strukturen, die sich aus dem Text ergeben. Vorgegangen wird in drei Schritten: (1) Die Kategorien werden so definiert, dass eine Zuteilung von Textbestandtei­len eindeutig möglich ist, (2) es wird eine bestimmte Textstelle für eine Kategorie ausgewählt, die als sogenanntes Ankerbeispiel für die jeweilige Kategorie aufge­führt wird und (3) es werden Kodierregeln aufgestellt, um Abgrenzungsproble­men zwischen Kategorien entgegenzuwirken. Infolgedessen wird eine klare Ka­tegorienzuordnung ermöglicht. Daneben wird außerdem ein Kodierleitfaden er­stellt, in dem alle Bestimmungen gesammelt werden. Nachdem der Leitfaden er­stellt wurde, erfolgt eine zweistufige Überprüfung anhand des vorliegenden Ma­terials. Im ersten Schritt werden alle Fundstellen im Text markiert oder die jewei­lige Kategoriennummer notiert. Anschließend werden die entsprechenden Stel­len „herausgefiltert, zusammengefasst und aufgearbeitet“ (Mayring, 2016, S. 120).

3.3 Typologische Analyse

Im Gegensatz zur qualitativen Inhaltsanalyse handelt es sich bei der typologi- schen Analyse um einen deskriptiv orientierten Ansatz, basierend auf dem Kon­zept des idealtypischen Verstehens nach Max Weber, zur Auswertung von un­terschiedlichen Materialien. Anhand der Entwicklung sogenannter Idealtypen soll das vorliegende Material greifbar gemacht und repräsentiert werden. Mayring (2016) zufolge wird hierfür nach Festlegen der Fragestellung vorab ein Typisie­rungskriterium bestimmt, um passende Bestandteile aus dem Material zu extra­hieren und dieses genauer zu beschreiben. Des Weiteren wird eine Typisierungs­dimension bestimmt. Bei dieser handelt es sich um die „inhaltliche Festlegung über welche Materialbestandteile typisiert werden sollen“ (Mayring, 2016, S. 130). Die typologische Analyse erfolgt dann anhand zweier Durchgänge. Im ers­ten Durchgang werden die Typen bzgl. Typisierungsdimension und -kriterium entwickelt. Im Anschluss wird das Material anhand der zuvor festgelegten Typen überprüft, um Textstellen zu identifizieren, die diese besonders gut beschreiben. Diese Vorgehensweise lässt sich außerdem mit der zuvor beschriebenen struk­turierenden qualitativen Inhaltsanalyse verknüpfen und weiter ausführen. Wie bei den meisten Analyseverfahren findet auch hier eine Rücküberprüfung und Über­arbeitung des Materials statt (Mayring, 2016, S. 131f).

3.4 Gegenstandsbezogene Theorienbildung

Bei der gegenstandsbezogenen Theorienbildung, auch bekannt als Grounded Theory, kommt es zu Überschneidungen von Auswertung und Erhebung des zu analysierenden Materials. Das Modell stützt sich hierbei auf die Annahme, dass seitens der Forscher bereits während der Erhebung eine Auseinandersetzung mit Theoriehintergrund, Konzepten und Hypothesen stattfindet (Mayring, 2016, S. 103ff; Przyborski & Wohlrab-Sahr, 2014, S. 189ff). Kühn und Koschel (2007) beschreiben diese Auseinandersetzung zwischen Theoriebildung und Daten­sammlung als Grundforderung der Grounded Theory (Kühn & Koschel, 2007, S. 124). Kennzeichnend hierbei ist, dass „bereits gesichtete Gesprächspassagen immer wieder aufs Neue unter dem sich mit dem theoretischen Erkenntnisgewinn verändernden Blickwinkel betrachtet und re-interpretiert werden“ (Kühn & Ko­schel, 2011, S. 189). Bei der Auswertung sollen außerdem die folgenden Grund­prinzipien berücksichtigt werden (Kühn & Koschel, 2011, S. 190):

1) Vergleiche stellen den Weg zur Erkenntnis dar.
2) Memos weisen den Weg.
3) Verstehen erfolgt durch ein induktiv-deduktives Wechselspiel im Sinne ei­ner hermeneutischen Spirale.

[...]

Details

Seiten
14
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668494961
ISBN (Buch)
9783668494978
Dateigröße
470 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v371104
Institution / Hochschule
Technische Hochschule Köln, ehem. Fachhochschule Köln – IWS
Note
2,0
Schlagworte
Marktforschung Gruppendiskussion Gruppendiskussionsverfahren Auswertung von Gruppendiskussionen Inhaltsanalyse Hermeneutik

Autor

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Titel: Auswertung von Gruppendiskussionen. Vorbereitung, Analyse, Theoriebildung