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Daguerreotypie und Talbotypie. Worin bestehen die Unterschiede der beiden Verfahren und welche Bedeutung haben sie heute?

Hausarbeit 2015 13 Seiten

Medien / Kommunikation - Mediengeschichte

Leseprobe

Inhalt

Einleitung

Das Verfahren der Daguerreotypie

Das Verfahren der Talbotypie

Vergleich der beiden Verfahren

Bedeutung in der Gegenwart

Fazit

Einleitung

William Henry Fox Talbot oder Louis Jacques Mandé Daguerre: Wer ist der eigentliche Erfinder der Fotografie? Feststeht, dass beide an der Erfindung der Fotografie in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts beteiligt waren und diese auf ihre eigene Weise hervorgebracht und vorangetrieben haben. Beinahe parallel und doch unabhängig voneinander entwickelten sie zwei unterschiedliche Verfahren zur Bildaufnahme: Die „Talbotypien“ und die „Daguerreotypien“. Doch auf welches Verfahren gründet sich unsere heutige digitale Fototechnik?

In dieser Arbeit möchte ich mich mit den Gemeinsamkeiten und Unterschieden der beiden Methoden beschäftigen und herausfinden, welche Aspekte der Aufnahme und Entwicklung von Fotografien auch heute noch eine Rolle spielen.

Dazu werde ich zunächst erklären, welche Ansätze die beiden Erfinder verfolgten und wie es ihnen schließlich gelang, Bilder dauerhaft festzuhalten, ohne sie zeichnen zu müssen.

Anschließend werde ich beide Ansätze vergleichen, um Gemeinsamkeiten aber auch Unterschiede herauszustellen und dadurch die Frage nach ihrer Bedeutung im heutigen fotografischen Zeitalter zu beantworten.

Das Verfahren der Daguerreotypie

Louis Jacques Mandé Daguerre (1787-1851) war ein französischer Dekorationsmaler, der wie viele Maler zu seiner Zeit, die Camera Obscura als Zeichenhilfe benutzte, um die Natur noch detailgetreuer nachzeichnen zu können.

Er besaß zudem ein sogenanntes Diorama, in dem er Transparentgemälde für ein Publikum ausstellte und diese durch wechselnde Beleuchtung in Szene setzte. Dadurch gelang ihm schon 1822 eine detailgenaue perfekte Illusion. Um diese Sensation immer wieder beim Zuschauer hervorzurufen, bedurfte es neuerer Attraktionen, worauf sich Daguerres Ehrgeiz gründete, sich genauer mit der Camera Obscura auseinander zu setzen.[1]

Die Funktionsweise der Camera Obscura war Folgende: Licht, das durch ein kleines Loch in einer Wand in einen dunklen Raum trifft, projiziert das Bild der Objekte außerhalb des Raumes verkleinert und auf dem Kopf stehend auf die gegenüberliegende Wand. Dieses Prinzip ist auf der geradlinigen Ausbreitung des Lichtes begründet.

Wie Daguerre beschäftigte sich auch Joseph Nicéphore Niépce (1765-1833) zur selben Zeit mit der Frage, wie man das Bild der Camera Obscura mit Hilfe von lichtempfindlichen Stoffen festhalten könnte. Mit Niepce, der ihm forschungstechnisch voraus war, schloss Daguerre 1829 einen Partnerschaftsvertrag, um dessen wissenschaftliche Erkenntnisse für sich zu nutzen. So erschloss sich Daguerre 1831 die Lichtempfindlichkeit der auf einer Silberplatte aufgedampften Iodschicht.

Während seiner Forschungsarbeit machte er durch Zufall eine entscheidende Entdeckung: Er stellte eine zu kurz belichtete Silberplatte in seinen Chemikalienschrank. Nach einigen Tagen war auf der für ihn scheinbar unbrauchbar gewordenen Platte plötzlich doch ein Bild zu sehen. Mit dem Wissen, dass einer der Stoffe aus dem Chemikalienschrank das latente Bild sichtbar gemacht hatte, wiederholte er den Versuch und nahm dabei jedes Mal einen anderen Stoff aus dem Schrank heraus.

Daguerre kam schließlich zu dem Ergebnis, dass die Dämpfe einer Schale mit Quecksilber das Iodsilberbild entwickelt haben mussten.[2] Die Quecksilberdämpfe bildeten in Verbindung mit dem Silber ein Amalgam. Dadurch wurden die hellen Teile im Bild in mattiertem weißem Quecksilberamalgam festgehalten, Dinge, die im Schatten lagen, wurden von der unberührten Platte wiedergegeben. Wenn man eine dunkle Fläche auf der Platte spiegelte, wirkte das Bild wie ein Positiv.[3] Seine erste Aufnahme mit diesem Verfahren war ein Stilleben aus seinem Atelier von 1837. Er vollendete die Bilder, indem er sie mit Hilfe einer warmen Kochsalzlösung fixierte. Damit war die erste „Daguerreotypie“ entstanden, wie er seine Erfindung später nannte.

Am 19. August 1839 wurde seine Erfindung von der Akademie der Wissenschaft und dessen Sekretär Dominique Arago, veröffentlicht, dieser war sofort begeistert, als Daguerre ihm seine Aufnahme einer Pariser Stadtansicht zeigte.

Die französische Regierung kaufte Daguerres Erfindung, die Daguerreotypien, und stellte sie der Welt als Geschenk zur Verfügung. Zur Herstellung dieser Daguerreotypien, die Unikate und seitenverkehrt waren, baute und verkaufte er zudem eine Kamera, „le Daguerréotype“, die würfelförmig gebaut war und eine periskopische Linse sowie eine nicht verstellbare Blende besaß. Sie wurde bald in viele Länder exportiert und ermöglichte, dass jeder selbst „Daguerreotypien“ herstellen konnte.[4]

Ein Nachteil des Verfahrens war jedoch zum Zeitpunkt der Veröffentlichung noch die lange Belichtungszeit, mit der es nicht möglich war, Porträtaufnahmen zu machen. Mit Hilfe einiger technischer Erneuerungen, u.a. einem lichtstärkeren Objektiv, an denen Daguerre nicht wirklich beteiligt war, gelang es schließlich doch Menschen zu fotografieren, woraufhin die Erfindung erst richtig bekannt wurde und zahlreiche Portraitateliers eröffneten.[5]

Das Verfahren der Talbotypie

William Henry Fox Talbot (1800-1877), Naturwissenschaftler und Mathematiker, zählt wie Daguerre ebenfalls zu den ersten Erfindern der Fotografie und wird auch als sein englischer Konkurrent bezeichnet.[6] Wie Peter Geimer in seinem Buch „Theorien der Fotografie zur Einführung“ erklärt, lässt Talbot die Menschheit zunächst im Ungewissen über die Entstehungsweise seiner ersten fotografischen Aufnahmen. Durch die Tatsache, dass Fotografien keine von Menschenhand gezeichneten Bilder sind, sei ihre Entstehung wie in einen Zauber gehüllt und wirke fast wie Magie. Erst in seiner eigenen Publikation „The Pencil of Nature“ (1844-46) erklärt Talbot, wie der „Pinsel der Natur“ seine Bilder auf Papier zeichnet.

„The Pencil of Nature“ war nicht nur das erste Buch, das überhaupt Fotografien beinhaltete, sondern diese sollten sich dazu auch noch so gut wie selbst erklären. Talbot verwendete die 24 eigenen Fotografien, um die Leser selbst die Unterschiede und Merkmale des neuen Mediums sehen zu lassen.[7] Talbot erklärt darin, dass seine Fotografien durch „Einwirkung des Lichtes auf empfindlichem Papier“ entstanden seien, das nur durch „optische und chemische Mittel geformt oder gezeichnet“ werde.[8]

Seine ersten Versuche im Freien ein Bild aufzunehmen machte er mit der Camera Obscura um 1823/24. Dazu lässt er die Kamera ein Bild auf ein transparentes Stück Papier werfen, das auf einer Glasscheibe liegt. Das auf dem Papier gut zu erkennende Bild paust er dann mit einem Stift und viel Mühe und Geduld ab. Diese einfache Methode funktioniert also noch nicht ohne eine menschliche Hand, die das Bild zeichnet.

Doch Talbots Wunsch war es, die „märchenhaften Bilder“, die die Natur zeichnet, ihre Vergänglichkeit von Licht und Schatten detailgetreu auf ein Papier aufzudrucken und festzuhalten. Er hatte die Idee, das Bild der Camera Obscura direkt auf einem lichtempfindlichen Papier festzuhalten, ohne es selbst zeichnen zu müssen:

„It was during these thoughts that the idea occured to me…how charming it would be if it were possible to cause these natural images to imprint themselves durably, and remain fixed upon the paper!”[9]

[...]


[1] Bodo von Dewitz: Daguerre oder Talbot? Zur Konkurrenz der Verfahren im deutschen Sprachraum. In: ders. (Hg.) Silber und Salz. Zur Frühzeit der Photographie im deutschen Sprachraum 1839-1860

[2] Marchesi, Jost J.: Die geschichtliche Entwicklung der Fotografie. In: ders. Handbuch der Fotografie Band 1: Geschichte, chemische und optische Grundlagen. Schaffhausen. Verlag Photographie.

[3] Newhall, Beaumont(1982): Geschichte der Photographie/Aus dem Amerikanischen von Reinhard Kaiser. New York. S.18f.

[4] Ebd.

[5] Newhall, Beaumont(1982): Geschichte der Photographie/Aus dem Amerikanischen von Reinhard Kaiser. New York. S.13-58.

[6] Bodo von Dewitz: Daguerre oder Talbot? Zur Konkurrenz der Verfahren im deutschen Sprachraum. In: ders. (Hg.) Silber und Salz. Zur Frühzeit der Photographie im deutschen Sprachraum 1839-1860

[7] Geimer, Peter (2009): Bilder durch Berührung: Fotografie als Abdruck, Spur und Index, In. ders, Theorien der Fotografie zur Einführung. Hamburg. S. 7.

[8] Talbot, William Henry Fox (1844): The Pencil of Nature. London.

[9] Ebd. S. 4

Details

Seiten
13
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668492653
ISBN (Buch)
9783668492660
Dateigröße
453 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v371018
Institution / Hochschule
Philipps-Universität Marburg – Medienwissenschaft
Note
13
Schlagworte
daguerreotypie talbotypie worin unterschiede verfahren bedeutung

Autor

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Titel: Daguerreotypie und Talbotypie. Worin bestehen die Unterschiede der beiden Verfahren und welche Bedeutung haben sie heute?