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Genderspezifische Machtverhältnisse im Striptease als Performance

Zwischen Entmachtung und Ermächtigung

Hausarbeit 2015 11 Seiten

Theaterwissenschaft, Tanz

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Definition des Striptease

3. Genderspezifische Machtverhältnisse im Striptease als Performance
3.1 Zugrundeliegende Rahmenbedingungen
3.2 Verhältnis zwischen Akteur und Publikum
3.2.1 Frauenstripshow
3.2.2 Männerstripshow

4. Resümee

5. Anhang

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„The fantasy they conjure up is like that produced by actors in a play or in dance theater; many strippers maintain that they are simply acting out a role in an art performance space where the script is an improvisational one of fantasy and desire.“1

Dieses Zitat aus dem Buch Stripping, Sex, and Popular Culture von Catherine M. Roach verdeutlicht, wie sehr der Striptease einer Theateraufführung ähnelt. Die folgende Arbeit setzt sich zum Ziel, die genderspezifischen Machtverhältnisse innerhalb der Stripshow als Performance zu ergründen und zu hinterfragen. Hierbei spielt der Text Strip show: Performances of gender and desire von Katherine LiepeLevinson eine elementare Rolle, da in ihm Stripshows als „strange cultural artifacts“2 angesehen werden „because they both uphold and break traditional female and male sex roles and other related cultural rubrics“3.

Im Folgenden soll mithilfe des Oxford Dictionary's sowie den Texten von Liepe- Levinson und Fischer-Lichte zunächst eine Definition des Striptease gegeben werden. Daraufhin werden im Hauptteil die zugrundeliegenden Rahmenbedingungen, in welchen die Stripshow sich befindet, dargelegt werden. Zu diesem Hauptteil gehören zudem der beispielhafte Ablauf einer Frauenstripshow sowie der einer Männerstripshow als auch Beobachtungen zum jeweiligen Machtverhältnis zwischen Akteur und Publikum. Hierbei soll untersucht werden inwieweit diese Verhältnisse von den gängigen Geschlechterrollen geprägt werden und davon abhängig sind.

Dies ist vor allem daher interessant, da beispielsweise Liepe-Levinson Studien erwähnt, die darlegen, „that women and men learn to choreograph their daily gestures and other nonverbal forms of communication according to the social roles they are expected to play.“4 So kann man aus den jeweiligen Choreographien viele aufschlussreiche Details über die jeweilige kulturelle und soziale Stellung des Geschlechtes lesen. Allerdings gilt es hierbei zu beachten, dass es sich bei der Striptease-Show nur um eine Performance, eine verkörperte Fantasie handelt, die nicht zwingend mit der Realität einhergehen muss, aber dennoch von ihr beeinflusst wird. Was zunächst einmal unter dem Begriff des Striptease generell zu verstehen ist, soll nun im folgenden Punkt erläutert werden.

2. Definition des Striptease

„[Striptease is] a form of entertainment, for example in a bar or club, when a performer removes his or her clothes in a sexually exciting way, usually to music, in front of an audience[.]“5

So wird der Striptease vom Oxford Dictionary definiert. Das Strippen kann als Entkleidungskunst verstanden werden und somit ist der/die exotische Tänzer_in zugleich ein_e Künstler_in, der/die auf der Bühne eine Performance abliefert. Hierbei spielen sowohl Kostüme, als auch Choreographie sowie das Verhalten der männlichen und weiblichen Stripper eine signifikante Rolle.6

Nach Erika Fischer-Lichte entsteht eine Darstellung aus Begegnung, Konfrontation und Interaktion von Akteuren und Zuschauern. Allerdings kann hier die jeweilige Zugehörigkeit zur Gruppe der Schauspieler beziehungsweise des Publikums wechseln. In jedem Fall nimmt niemand passiv an der Aufführung teil. Durch die gleichzeitige Produktions- und Rezeptionssituation, die wir in einer Darstellung vorfinden, können die Zuschauer direkt auf die Handelnden reagieren und diese ihnen dementsprechend antworten.7 „Bei den anderen Zuschauern führt die Wahrnehmung der Zuschauerreaktionen dazu, dass sich Grad bzw. Ausmaß ihrer Beteiligung, ihres Interesses, ihrer Spannung erhöht oder verringert […] oder, im Gegenteil, aufhört[...]“8 Die Stripshow zählt also auch in hohem Maße zum Begriff der Aufführung, da unter anderem durch verschiedene „tipping rituals“9 eine Interaktion zwischen Akteur und Zuschauer hergestellt wird, in der der/die Zuschauer_in durchaus Teil der Performance werden und die traditionelle Grenze zwischen Publikum und Akteur verschwimmen kann.10

Katherine Liepe-Levinson beschreibt den Striptease als „performance of gender and desire“11 und äußerst außerdem, dass die Darstellung einer Stripperin „has been described as a representation of Freud's primal scene, socio-sexual purgation, male degradation of women, female rebellion against the double standard - and an authentic instigator of vice and crime“12. Die Männerstripshow hingegen würde oft so beschrieben:

„[A] manifesto of pro-sex feminism, an inadequate female imitation of male lust and the male gaze - and a joke.“13

Die Stripshow beziehungsweise der Besuch einer solchen wird daher in der Gesellschaft meist als obszön und eher selten als künstlerische Performance angesehen. Jedoch ist die Stripshow im Hinblick auf die Performance und ihre genderspezifischen Unterschiede bezüglich des Verhältnisses zwischen Akteur und Zuschauer sehr interessant und aufschlussreich und soll im Folgenden näher betrachtet werden.

3. Genderspezifische Machtverhältnisse im Striptease als Performance

3.1 Zugrundeliegende Rahmenbedingungen

Auch wenn es nach und nach weniger zu werden scheint, so herrscht doch immer noch eine signifikante Differenzierung zwischen Mann und Frau in unserer heutigen Gesellschaft, „[...] because men enjoy greater social and economic power than women in real life, and because men presumably take up the positions of the active desirers (and gazers), while women as a class are taught only to 'desire to be desired.'“14 Feministischen psychoanalytischen Theorien zufolge, wird Frauen demnach die volle Macht vorenthalten, da es ihnen am Phallus und somit am höchsten Kennzeichen für soziale Macht und Unabhängigkeit mangelt. Durch diese Tatsache, würde die Darstellung des weiblichen, entblößten Körpers nur die sozialpsychologische Szene der Entmachtung der Frau durch ihren anatomischen Unterschied im Vergleich zum Mann wiedergeben.15 Die Frau wird demzufolge als „'castrated' female“16 bezeichnet. Marxistische und materialistische Theorien hingegen sehen in den Stripshows eine zunehmende „commodification of sex“17, beispielsweise durch die Trinkgeld- Prozeduren. Nach Liepe-Levinson werden Frauen hier also so angesehen: „[…] females are not only consigned to roles of sexual thralldom and powerlessness, but they are equated as a class with 'the goods' - as things or objects to be looked at, desired, and traded to shore up relations between men.“18

Wie die aufgeführten Gegensätze zwischen und die Konzepte von Mann und Frau jeweils im Frauenstriptease und Männerstriptease zum Ausdruck kommen und wie sich dies in der Interaktion und im Machtverhältnis zwischen Akteur und Publikum äußerst, soll folgend betrachtet werden.

[...]


1 Roach, Catherine M.: Stripping, Sex, and Popular Culture. [s.l.] 2007, S. 73.

2 Liepe-Levinson, Katherine: Strip show. Performances of gender and desire. London 2002, S. 6.

3 Ebd.

4 Liepe-Levinson 2002, S. 108.

5 Hornby, Albert Sydney/Wehmeier, Sally (Hrsg.): Oxford advanced learner's dictionary of current English. Oxford 2005, S. 1522.

6 Vgl. Liepe-Levinson 2002, S. 8.

7 Vgl. Fischer-Lichte 2004, S. 11.

8 Fischer-Lichte 2004, S. 12.

9 Liepe-Levinson 2002, S. 153.

10 Vgl. Liepe-Levinson 2002, S. 4.

11 Liepe-Levinson 2002, S. 1.

12 Ebd.

13 Ebd.

14 Liepe-Levinson 2002, S. 152.

15 Vgl. Liepe-Levinson 2002, S. 10.

16 Liepe-Levinson 2002, S. 10.

17 Ebd.

18 Liepe-Levinson 2002, S. 11.

Details

Seiten
11
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668484184
ISBN (Buch)
9783668484191
Dateigröße
487 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v370839
Institution / Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Note
1,7
Schlagworte
Striptease Pornographie Stripshow Gender Sex Machtverhältnisse Performance Tanz Theater Show

Autor

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Titel: Genderspezifische Machtverhältnisse im Striptease als Performance