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Erinnerungskultur im Täterland. Wie sieht das Gedenken und Erinnern des Holocausts morgen aus und was kann Deutschland von der Erinnerungskultur und der Aufarbeitung der Alliierten lernen?

Studienarbeit 2015 43 Seiten

Geschichte Europa - Deutschland - Nationalsozialismus, II. Weltkrieg

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

II. Vorwort

III. Einführung
1. Historischer Hintergrund
2. Umfrage zum Thema Erinnern - 2015

IV. Theorie des Erinnerns
1. Was ist eine Erinnerungskultur? – Eine Annäherung
2. Erinnerungskultur in Deutschland
2.1 Der Rhythmus des Erinnerns
2.2 Militärisches Gedenken
2.3 Verblassende Erinnerungen
3. Die Erinnerungskulturen der Alliierten – Ein Vergleich
3.1 Frankreich
3.2 Die Vereinigten Staaten von Amerika (USA)
3.3 Sowjetunion/ Stellvertretend Russland
3.4 Groß Britannien
3.5 Vergleiche der Erinnerungskulturen

V. Praxisteil
1. Vorstellung der Gedenkstätte Bergen-Belsen
2. Ausstellungskonzepte der Gedenkstätte Bergen-Belsen
2.1 Das Dokumentationszentrum
2.2 Der Sprung ins digitale Zeitalter
3. 70. Jahrestag der Befreiung des KZ Bergen-Belsens – 26.04.2015
3.1 Der Festakt in der Gedenkstätte
4. Die Zukunft des Gedenkens und Erinnerns
4.1 Die Hürden und Möglichkeiten des digitalen Zeitalters
4.2 Vom Umgang mit dem geistigen Erbe der Überlebenden
5. Prognose
5.1 Umfrage: Möchten sie vergessen?
5.2 Auswirkungen der Abschaffung/ Beibehaltung des Erinnerns
6. Fazit

VI. Schlusswort

Literaturverzeichnis

Grafikverzeichnis

II. Vorwort

Diese Hausarbeit befasst sich mit dem Thema der Erinnerungskultur, schwerpunktmäßig in Deutschland. Sie soll aufzeigen wie Heutzutage im Jahr 2015 an die Opfer des Holocausts gedacht und erinnert wird und wie sich diese Erinnerungskultur gewandelt hat und einen Ausblick darauf geben, wie sich diese Erinnerungskultur weiter wandeln muss, kann und wird.

Die Gräueltaten des NS-Regimes werden teilweise in dieser Arbeit genannt, da sie monumental für die Aufarbeitung und das Verständnis der Geschichte sind, und nur so dazu dienlich sind, um aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen und eine würdige Erinnerungskultur zu schaffen.

Alle Menschen, egal welcher Rassen, glaubensformen, Geschlechter, Berufe und Geistliche- sowie Politische Meinungs- und Glaubensformen sie entsprangen mögen, werden in dieser Arbeit gleichwertig betrachtet und mit gebührendem Respekt ihrer Toten gegenüber geschrieben, sofern die wissenschaftliche Distanz dies zulässt. In dieser Arbeit wird nicht eine Gruppe der vielen Millionen von Toten mehr hervorgehoben als andere, keine Bevölkerungsgruppe soll unbedacht bleiben, auch wenn diese nicht ausdrücklich erwähnt wird.

Die geschehenen Taten sind nicht wieder gut zu machen oder zu vergessen. Diese Arbeit soll einen Beitrag, exemplarisch an der Gedenkstätte Bergen-Belsen, leisten, um das Gedenken und das große Erbe der Überlebenden, das Gedenken und jenes Wissen um die Wahrheit der Vergangenheit, aufrecht zu erhalten und weiter in die Zukunft fortzutragen.

Anlass dieser Arbeit ist die 70. Jährung der Befreiung des Konzentrationslagers Bergen-Belsen. Welcher mit einem Festakt, an dem der amtierenden Bundespräsident Herr Joachim Gauck, teilnahm, sowie zahlreiche Vertreterinnen und Vertreter der Landesregierung des Bundeslandes Niedersachsens, des britischen Königshauses sowie zahlreiche Vertreterinnen und Vertreter von Verbänden und Gemeinden ehemaliger verfolgter Volksgruppen sowie einige Überlebende des Konzentrationslagers Bergen-Belsen.

„Gebt Euren Toten Heimrecht,
Ihr Lebendigen,
daß wir unter Euch wohnen und weilen dürfen
in hellen und dunklen Stunden.
Weint uns nicht nach,
daß jeder Freund sich scheuen muß,
von uns zu reden!
Macht, daß die Freunde ein Herz fassen,
von uns zu plaudern und zu lachen!
Gebt uns Heimrecht, […]“ (Walter Flex)

III. Einführung

Die nachfolgende Hausarbeit soll einen Überblick über die deutsche Erinnerungskultur und des gesellschaftlichen Gedenkens verschaffen. Hierbei soll insbesondere der Punkt des Gedenkens auf dem Boden des Täterlandes untersucht werden und mit den Erinnerungskulturen der Alliierten vergleichen werden.

In dieser nachfolgenden kurzen Einführung, welche mit einem kurzen Abriss des historischen Hintergrundes beginnt und eine Umfrage zum Schlussstrich unter dem Erinnern vorstellt, sollen die beiden Fundamente dieser Arbeit erläutert werden.

Der Einführung folgt ein theoretischer Bereich, in dem die verschiedenen Erinnerungskulturen, sowohl die der Deutschen als auch die der Alliierten, vorgestellt und erläutert werden. Hier sollen die Unterschiede im Umgang mit dem Thema Gedenken und Erinnern näher beleuchtet und vorgestellt werden. So wird zunächst im Allgemeinen vorstellt was eine Erinnerungskultur ist und was sie ausmacht. Danach folgt die Vorstellung der deutschen Erinnerungskultur. Hier wird unterschieden zwischen öffentlichen, militärischen und privaten Erinnerungsriten und Veranstaltungen. Auch wird der Rhythmus des Erinnerns beleuchtet analysiert. Diesem Teil der Theorie schließen sich die Vorstellungen der Erinnerungskulturen der Alliierten an, sowie ein Vergleich von ihnen mit derer Deutschlands. Im Anschluss folgt eine kurze Vorstellung des gemeinsamen Erinnerns, an den Anbeginn der Befreiung – Der D-Day.

Nach dem theoretischen Teil schließt sich nahtlos der praktische Teil an.

Hier wird zunächst die Gedenkstätte Bergen-Belsen vorgestellt. Es wird ein erster Überblick über Daten und Fakten zu dieser Gedenkstätte gegeben. Anschließend wird das Ausstellungskonzept der Gedenkstätte Bergen-Belsen aufgezeigt und erläutert, aber auch das hier ansässige Dokumentationszentrum wird vorgestellt. Nachdem ein faktischer Überblick über die Gedenkstätte gegeben wurde wird im Folgenden auf ein besonderes Ereignis geblickt. So werden die Feierlichkeiten anlässlich des 70. Jahrestages der Befreiung des Konzentrationslagers Bergen-Belsen geschildert, als praktisches Beispiel der Erinnerungskultur und der Wichtigkeit von Gedenkstätten.

Im Schlussteil dieser Arbeit folgt das aktuelle Thema, jenes Gedenken in der Zukunft, insbesondere im Hinblick auf die Generation Internet und die Möglichkeiten des digitalen Zeitalters.

Im abschließenden Teil wird nochmals auf die oben erläuterte Umfrage gezielt. Hier soll nun anhand ihrer und der vorangegangen Erkenntnisse eine Progonose erstellt werden, ob ein Schlussstrich unter dem Erinnern wirklich hilfreich wäre und wenn ja, wann dieser geschehen sollte und wie endgültig diese Entscheidung sein könnte.

Die Arbeit schließt mit einem Fazit.

1. Historischer Hintergrund

Durch die Ernennung Hitlers zum Reichskanzler am 30.01.1933 durch Reichspräsident Hindenburg steht Hitler eine große Machtquelle, welche er somit ergriffen hat offen. Am 19. August 1934 bestätigt das deutsche Volk mit knapp 90% der Stimmenanteile, im Rahmen einer Volksabstimmung, die Vereinigung der Ämter des Reichspräsidenten und des Reichskanzlers in einer Person (Vgl. Archiv der Gegenwart, S. 1583). Hitler. Diese Neuschöpfung von Machtquell ist der gesicherte Anbeginn der Terrorherrschaft des Dritten Reiches. Die Ereignisse in den folge Jahren überschlagen sich nahe zu. Hitlers Hasswahnn gegenüber den Juden nimmt immer mehr zu und greift um sich, so droht er schließlich in seiner Reichtstagsrede vom 30.01.1939 „ die Vernichtung der Jüdischen Rasse in Europa“ an (Holocaust-Chronologie).

Am 01.September 1939 beginnt mit dem gefälschten Angriff auf Polen der zweite Weltkrieg.

In seinem Verlauf ändert Hitler die Strategie gegenüber die ihm unwillkommenen Personengruppen, muss er sich doch eingestehen, dass eben diese Personen, die er so jähzornig hasst, seinen Krieg mitentscheiden könnten; So werden neben den Konzentrationslagern die Arbeitslager von extremer Bedeutung, werden doch hier von den Verstoßenen Personen die so dringend benötigten Waffen und Munitionen gefertigt und weitere wichtige kriegstreibende Rohstoffe gewonnen, verarbeitet und verschickt.

Im Laufe des Krieges fällt Hitler über zahlreiche Länder her, bei manchen ist er sehr schnell erfolgreich in seiner Besatzung, wie im Falle von Polen, bei einigen anderen unterschätzt er allerdings die gegnerischen Streitkräfte, wie der Stellungskrieg an der Ostfront zeigt. Während Hitler im Verlauf des Krieges von der Roten Armee wieder in den Westen zurückgedrängt wird, überlässt er die in den Ostgebieten liegenden Konzentrations- und Arbeitslagern aber keineswegs ihrem Schicksal. So werden die Lager evakuiert, unter ihnen auch das zu trauriger Berühmtheit gekommene Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau, im Allgemeinen nur Auschwitz genannt. „Ich selbst kam mit einem großen Frauentransport politischer Häftlinge aus dem KZ Auschwitz Anfang Januar hierher (KZ Bergen-Belsen). […] Doch kaum, dass wir am Lagertor angekommen waren und sehen mussten, wie uns Josef Kramer, der uns bereits gut bekannte ehemaliger Kommandant aus Auschwitz empfing, verflogen die Hoffnungen. […] Kramer und die ehemaligen Auschwitz-Aufseherinnen […].“ (Anastasija Gulej, 2015).

Die Umdisponierung der Häftlinge fand quer durch das Dritte Reich statt.

Am 15. April 1945 war es soweit, der Tag der Befreiung des KZ Bergen-Belsen war gekommen. Die britischen Truppen befreiten das Lager im Rahmen ihres Engagements bei den alliierten.

Am 08. Mai 1945 endete der Zweite Weltkrieg. Er verursachte enormes Leiden und Millionen von toten, doch auch mit seinem offiziellen Ende, der bedingungslosen Kapitulation Nazi-Deutschlands hörte das Sterben noch nicht auf.

2. Umfrage zum Thema Erinnern - 2015

„In Deutschland fordern 58 Prozent der Befragten, einen Schlussstrich zu ziehen, 38 Prozent lehnen dies ab.“ (Bertelsmann Stiftung, 2015). Dieser eine Satz, im Rahmen eines Berichtes der Bertelsmann Stiftung zum Deutsch-Israelischen Verhältnis löste eine ungeahnt große und emotionale Debatte aus, ob man wirklich fordern darf zu vergessen.

Um eine wirklich präzise Aussage darüber tätigen zu können, wie dramatisch diese Forderung der 58 Prozent ist, wäre es hilfreich zu wissen, warum sie gerne vergessen würden. Darauf gibt die Umfrage leider keine Antwort.

Eines muss nur einem jeden der solch eine Forderung aufstellt gewiss sein, man kann nicht einfach nur einen Schlussstrich unter das Gedenken und Erinnern ziehen, man wirft damit auch wieder das große weite graue Tuch des Vergessens und Schweigens über ein höchst grausames aber trotzdem zur Geschichte gehörendes Kapitel. Es wäre damit nicht nur die Konfrontation mit Gedenkveranstaltungen im Jetzt Schluss, es wäre auch mit der Aufklärung, Forschung und Mahnung der Geschichte Schluss. Einer der größten Fehltritte der Menschheit würde dann vergessen werden, und mit ihm auch das wohl wichtiges an diesem Kapitel der Geschichte, die Berühmte Moral der Geschicht‘, das Wissen, darum wie man so etwas verhindern kann. Die Chancen so etwas, gleichwohl in welchem Teil der Erde, nochmals durchleben zu müssen wächst damit exponentiell. Das diese These nicht einfach geschlussfolgert ist zeigen die aktuellen Entwicklungen auf den Gebieten Syriens, Iraks, Irans, Afghanistans, Tunesien, Ägyptens, überall dort wo der Islamische Staat Angst, Tod und Schrecken mit seiner Terrorherrschaft betreibt und Menschen genauso dem Tode zu teilt wie Hitler es eins tat.

Im weiteren Verlauf dieser Arbeit soll untersucht werden, in wie fern diese Forderung tatsächlich umgesetzt werden könnte und warum, sowie was dies für Deutschland, die Deutschen, die Angehörigen der Opfer und die Alliierten bedeuten würde.

Nachfolgend schließt sich dieser Einführung der theoretische Teil dieser Arbeit an.

IV. Theorie des Erinnerns

Im Rahmen dieses Theorieteils soll sowohl eine Definition von Erinnerungskulturaufgezeigt werden, als auch verschieden Typen des Erinnerns und Gedenkens gezeigt werden. So wird sowohl auf die offiziellen Veranstaltungen mit Staatsfrauen und Staatsmännern eingegangen, als auch auf private alternativen und dem militärischen Gedenkens im Land der Täter.

Zunächst soll aber eine Heranführung durch eine Definition erbracht werden.

1. Was ist eine Erinnerungskultur? – Eine Annäherung

„[…] Aufgrund der Forschungsentwicklungen der vergangenen zwei Jahrzehnte ist es sinnvoller, ‚Erinnerungskultur‘ als einen formalen Oberbegriff aller denkbaren Formen der bewussten Erinnerung an historische Ereignisse, Persönlichkeiten und Prozesse zu verstehen, diese daraus entstehende Kultur der Erinnerung wird von Individuen, soziale Gruppen oder sogar Nationen, gelebt.“ (Vgl. Cornelißen, 2012).

Die Definition nach Cornelißen verdeutlicht wie umfangreich der Begriff der Erinnerungskultur ist und welche Faktoren für ihn berücksichtig werden müssen. Eine abstraktere Definition wird daher stets realistischer sein als eine konkrete Definition, welche sich aber gleichwohl aus eben dieser abstrakten ableiten lassen.

So lässt sich die Definition nach Cornelißen beispielsweise für eine Nation so ableiten, dass eine Erinnerungskultur einer Nation darin ihr Wesen findet, das sie ihre eigene Geschichte begreift, aufarbeitet und analysiert um die daraus resultierenden Ergebnisse zu bewerten und einem stetigen Prozess der Neu- und Weiteranalysierung/ Erforschung zukommen zu lassen, wodurch der Themenkomplex stets präsent ist und somit ein stetiger, alltäglicher Bestandteil des nationalen Gedächtnisses ist. Die Erinnerungskultur wird daher sowohl von staatlicher Seite bei offiziellen Anlässen praktiziert, aber auch stillschweigend, durch etwa Straßen- und Platznamen aber auch der Bevölkerung zugeführt, durch einen darauf ausgerichteten Geschichts- und Politikunterricht. Jeder Bürger einer Nation trägt somit die jeweilige Erinnerungskultur in sich, in wie weit er diese praktiziert ist ihm als Individuum selbst zu überlassen. Sie ist aber ein fester Bestandteil des national Staatlichen Erbes und so wie die politische Kultur Merkmal einer Nation.

2. Erinnerungskultur in Deutschland

Zahlreiche Straßen, Schulen, Plätze, Gebäude, Stiftungen etc. sind nach Persönlichkeiten benannt, die in der Geschichte großes geleistet haben. So sind unter anderem die Geschwister Scholl und Hannah Arendt all gegenwärtig. Eine alltägliche Konfrontation mit dem Geschehenen, der Vergangenheit und der Erinnerung, ein stummer Apell der Würdigung ihres Erbes durch die heutige Gesellschaft. Im Trubel der heutigen modernen dauervernetzten Gesellschaft gehen diese stummen Zeugen der Geschichte allerdings leider schnell unter. Umso präsenter sind sie aber in den Schulen zu finden.

Es wird wohl kaum einen Schüler geben, der bei seinem Schulabschluss noch nie etwas von Hannah Arendt und ihrem Tagebuch gehört hat, oder über die Aktionen der Geschwister Scholl.

Die Schulen leisten hier den wohl wichtigsten Teil, der Erinnerung und Prävention zugleich ist. Der Themenkomplex des Dritten Reiches mit allen Facetten wird auf die Klassenstufen angepasst und jährlich erweitert. Ein Rhythmus des Erinnerns durch die lange Konfrontation setzt ein, so dass aktuelle Themen mit der Vergangenheit assoziiert werden und alarmierend bewertet werden, durch das wissen, wohin rassistische und verachtende Bewegungen führen können. Neben dem Erinnern und Verstehen, des auch heute noch schwer begreiflichem, liegt hier, aber der Samen einer nur schwerst zu entwurzelnden, starken und prachtvollen Gesellschaft. Die der Demokratieschützer, -verteidiger, -einsteher. Neben dem Unterricht im eigenen Klassenraum steht den Schülern aber oftmals noch eine besondere Möglichkeit der Annäherung an den Themenkomplex Erinnerung offen; Der Gedenkstättenbesuch. Die Besuche reichen allerdings nicht als Tagesausflug aus, so ist eine gründliche Vor- und Nachbereitung in der Klasse Pflicht, damit das Gesehene und Erfahrene auch richtig verarbeitet werden kann.

Neben dem Schulunterricht bestehen noch weitere Möglichkeiten, wie die Erinnerungskultur Deutschlands gelebt werden kann.

Eine Möglichkeit sind auch die öffentlichen Gedenkveranstaltungen, welche von Organisationen, Vereinen, Verbänden, Parteien, und den Regierenden auf allen Ebenen veranstaltet werden. Ein offizieller Rahmenablauf stellt das Programm solcher Veranstaltungen, ein gewisser Scharm schwingt diesen Veranstaltungen häufig mit, wirken sie doch so seriös, elegant und schwergewichtig in ihrer Erscheinung. Interessierte Bürger können den Veranstaltungen bei wohnen und ihr Erinnern somit den anderen Bürgern offenkundig zeigen und somit ein Bekenntnis abgeben, das sie verstanden haben was dort passiert ist, das sie dies bedauern und still schwören dafür einzustehen, das solch etwas sich nicht nochmals wiederholt.

Ebenfalls offenkundig treten die Medien an besonderen Tagen der Erinnerung und des Gedenkens für die Erinnerungskultur ein. So werden große wissenschaftliche, Journalistische Berichte veröffentlicht, Beiträge in den Nachrichtensendungen gezeigt, Sondersendungen gezeigt, Chronologien veröffentlicht und hin und wieder liest man einen immer seltener werden Zeitzeugenbericht und Interviews mit Überlebenden der KZs, des Krieges, des Dritten Reiches im Allgemeinen.

Der aber wohl wichtigste Punkt der Erinnerungskultur in Deutschland sind weder die offiziellen Kranzniederlegungen hoher Politiker und der Staatsführung, nein es sind die stummen Mahnmale, die Gedenkstätten. Sie bieten einen unersetzlichen Schatz an Wissen und Erinnerungen sowie einen zentralen Ort wo Angehörigen ihren Toten nochmals ‚nah‘ sein können. Sie sind ganz besondere Orte, Orte anderen mehrmals Geschichte geschrieben wurde und wird.

2.1 Der Rhythmus des Erinnerns

Seit fast 20 Jahren, seit dem Jahre 1996, findet Deutschland am 27. Januar jeden Jahres, der ‚Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus‘ statt. Der damalige amtierende Bundespräsident Herr Roman Herzog rief diesen Gedenktag aus, der bis heute begangen wird. Jenes Datum, der 27. Januar, ist wahrlich kein Zufallsdatum. So ist dies jenes geschichtsträchtige Datum, welches als der Tag der Befreiung des Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau, durch die Rote Armee, in die Geschichte einging. Natürlich hätte Bundespräsident Herzog auch etwa den 15. April, der Tag der Befreiung Bergen-Belsens, als Gedenktag ausrufen können. Es sollte aber bewusst jener 27. Januar sein. (Vgl. Dymczyk, 2015)

Das ehemalige Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau ist der internationale Inbegriff der Gräueltaten des Naziregimes. So wird das Lager Auschwitz-Birkenau auch als Vernichtungslager bezeichnet. Der hier systematisch durchgeführte Massenmord, die perfiden Tötungsstrategien und nicht zu Letzt die grausigen Experimente an Menschen, des berüchtigten Lagerarztes Mengele, brachten diesen Ort des Todes zu Berühmtheit.

So scheint es sehr wohl überlegt, den Tag der Befreiung eben diesen Lagers als Gedenktag gewählt zu haben. Jedes Jahr finden, gleichwohl welcher Wochentag es auch sein mag, Gedenkveranstaltungen, bundesweit, statt, in denen allen Opfern gedacht wird. Die Veranstaltungen finden quer durch die Gesellschaft statt, so beteiligen sich etwa der Bundestag, die Kirchen, Volksgruppenverbände und noch viele mehr an der Gestaltung und Ausübung von Gedenkveranstaltungen.

Das jährliche Erinnern gibt einen stets wiederkehrenden zuverlässigen Rhythmus des Erinnerns vor.

2.1.1 Das Erinnern im Jahr 2015 – offizielle Veranstaltungen

Das Erinnerungsjahr 2015 ist ein besonderes Jahr in der deutschen Erinnerungskultur. In diesem Jahr sind die Schrecken des 2. Weltkrieges aber auch die unendliche Erleichterung durch die Befreiung durch die Alliierten 70 Jahre her. Im Folgenden wird eine stichpunktartige Auflistung der für diese Arbeit relevanten Gedenkveranstaltungen diesen Jahres dargestellt:

- 27. Januar ~ Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus
- 12. März ~ Todestag von Anne Frank – kleine Gedenkfeier in Bergen-Belsen
- 26. April ~ offizielle Gedenkveranstaltung zum 70. Jahrestag der Befreiung des KZ- Bergen-Belsens mit Teilnahme des amtierenden Bundespräsidenten
- 08. Mai ~ offizieller Tag des Kriegsendes des 2. Weltkrieges
- 12.Juni ~ Geburtstag von Anne Frank – kleine lokale Erinnerungsfeier in Bergen

Auf die große Gedenkfeier am 26. April, in der Gedenkstätte Bergen-Belsen, wird im späteren Verlauf dieser Arbeit noch erläuternd eingegangen.

2.2 Militärisches Gedenken

Gedenken an die Opfer von tyrannischer Gewaltherrschaft, Krieg und Terrorregime, mit der Beteiligung vom Militär, ist in jeder Nation ein heikles Thema, dennoch scheint es nirgendwo heikler zu sein, als im Nachkriegsdeutschland.

Mit der Kapitulation Nazideutschlands am 08. Mai 1945 endet das Dritte Reich, und mit ihm auch das Bestehen der Wehrmacht. In diesem Jahr, 2015, findet das 60-jährige Jubiläum zum Bestehen der heutigen Bundeswehr statt. Das Militär wurde grundlegend umstrukturiert, und durch die Gewaltenteilung Kontrollapparate geschaffen.

Den Anteil den die Wehrmacht und auch andere paramilitärische Gruppierungen wie die ‚SS‘ an den Verbrechen des Holocausts haben ist unbestreitbar.

Aber Frage aber bleibt, gerade im Hinblickt auf andere Nationen, in wieweit kann das heutige Militär, die Bundeswehr, in Gedenkveranstaltungen einbezogen werden? Nun mögen die Bilder der letzten im Fernsehen gezeigten Gedenkveranstaltungen aufkommen und dabei auffallen, dass durchaus Militär anwesend war. Anwesend sein oder aktiv mit eingebunden sein, ist noch ein großer Unterschied; so hat man zwar schon häufiger, bei vielen verschiedenen Gedenkveranstaltungen beobachten, wie Soldaten der Bundeswehr Kränze mit niederlegen, Ehrenwachen halten und der Veranstaltungen einen besondere feierlichen Rahmen durch ihre Anwesenheit in Paradeuniformen geben. Aber noch sprach ein bundeswehrangehöriger auf einer offiziellen Gedenkfeier für die Opfer des Holocausts.

Es ist wahrlich eine Gretchenfrage, darf das Militär dass denn überhaupt, mit der Vergangenheit des deutschen Militärs?

Hier ist genauesten auszudifferenzieren. So war kein heutiger Bundeswehrangehöriger an diesen Verbrechen beteiligt und auch die Familien der heutigen Soldaten haben sicherlich Verluste, wohl möglich auch in Konzentrations-, Arbeits- und Vernichtungslager zu belkagen, denn es wurden nicht nur Juden systematisch verfolgt und ermordet. Es wurden ebenfalls sehr viele Deutsche verfolgt und ermordet, weil sie sich im Wiederstand egagierten, anders Dachten, Behindert waren oder Homosexuell. Leider wird dies häufig vergessen, dass nahezu jede heutige deutsche Familie tiefe, traumatisierende erlebenisse in der zeit machen musste und dadurch auch zu Dritt-Opfern der Vernichtungsmaschinerie Hitlers wurden.

Es wäre für die vollkommene Aufarbeitung sicherlich hilfreich, wenn auch das Militär größer in die Gedenkveranstaltungen eingebunden werden würde. Und gebe es denn keine friedlichere, versöhnlichere Geste, als die, einer Verteidigungsministerin die auf einer Gedenkveranstaltung, in einer Gedenkstätte klar sagt, ‚Ja es gab und gibt Schuld, auch das damalige Militär war daran beteiligt. Dies wird zu tiefst bedauert. Aber das heutige Militär, die Bundeswehr steht hier und heute als Kämpfer für den Frieden ein. So wird die Bundeswehr auch weiterhin den Hilferufen anderer Staaten folgen, wenn diese von Terrorgruppierungen und Regimen bedroht werden. Die Bundeswehr steht dafür ein dass sich die Geschichte nicht wiederholt. ‘

Eine klare Auseinandersetzung und Distanzierung der Themen der Bundeswehr in der Öffentlichkeit, der zeigt, dass sie sich mit der Geschichte Auseinandersetzt und die Fehler erkannt hat ist ein wichtiges Zeichen im Aufarbeitungsprozess der gesamten Gesellschaft.

Gewiss bekommt man als Zivilist nicht allzu viel von der Bundeswehr mit, vorausgesetzt man lebt nicht in unmittelbarer Nachbarschaft. Gerade deswegen ist eine Offensive die Einblicke in die Aufarbeitung der Geschichte durch die Bundeswehr wichtig, damit kein Raum für Spekulationen entsteht und Vorurteile abgebaut werden können. Auch wären Veranstaltungen der politischen Bildung, die auch für Zivilisten öffentlich zugänglich sind, ein erster großer Schritt um die Anmerkung der Bundeswehr in der Gesellschaft zu stärken, denn nur wenn alle integriert sind, und sich keiner ausgegrenzt fühlt, fällt auch niemand in die Rolle des aggressiven Außenseiters. Gemeinsame Diskussionen zeigen schnell neue Denkweisen auf, aber auch Gemeinsamkeiten. So wäre es möglich, dass in ein paar Jahren die Bundeswehr aktiv an den Gedenkveranstaltungen teilnimmt, als Botschafter des Friedens, welcher zwar auch gesichert und Verteidigt werden muss, zur Not per Waffe, aber in friedlicher Mission. Das Gedenken in der Gesellschaft wäre dann wirklich eins. Eine gedenkenden Einheit der gesamten Gesellschaft Deutschlands, dies ist ein Bild, dass der Aufarbeitung sehr gut tun würde.

2.3 Verblassende Erinnerungen

Eines, wenn nicht sogar das Wertvollste Gut, für die Erinnerungskultur und das Gedenken sind die Überlebenden der Lager. Gleichwohl welches Lager sie überlebten, dass sie immer wieder nach Deutschland zurückkehren, Zeitzeugenberichte und Interviews geben, mit Schülern, Studenten und Erwachsenen gemeinsam Gedenkstätten besuchen und mit ihnen ihre Erinnerungen teilen ist ein unersetzlich wichtiger Teil der Aufarbeitung.

Die Vergangenheit scheint durch sie so, als wäre es erst gestern. Die heutigen Schüler und Studenten, wo eventuell keine Großeltern mehr vorhanden sind, die auch erzählen könnten wie es war und warum es so war, werden durch die Überlebenden und ihren Erzählungen auf ganz neue Weise berührt.

Es ist eine wundervolle Geste, dass immer noch, sofern sie es denn noch können, überlebenden aus allen Ländern, in denen sie nun leben mögen, nach Deutschland kommen und an den Gedenkveranstaltungen teilnehmen, aber vor allem dass ihnen die politische Bildung der Jugend so sehr ans Herz gewachsen ist. Sie leisten durch ihre Erzählungen, Erinnerungen, Interviews etc. einen Beitrag, der nicht ersetzt werden kann.

Die die heute noch leben, sind hochbetagt, haben ihre eigenen Familien die auch schon mehrere Generationen umfassen aufwachsen sehen. Es ist unumkehrlich dass irgendwann der Tag kommt, an dem kein Überlebender mehr lebt. Dieser Tag ist der Tag, an dem sich das Erinnern und Gedenken vollkommen drehen und verändern kann.

Zunächst ist die Frage, wer kann ihren Platz einnehmen? Wird es ähnlich wie bei Anne Frank und ihrem Vater sein, der ihr Tagebuch veröffentlichte, ihre Geschichte Erzählte? Werden die Kinder oder gar die Kindeskinder den Auftrag erkennen und annehmen und die Erinnerungen, das geistige Erbe ihrer Eltern und Großeltern weiter in die Welt tragen? Oder setzt mit dem Todestag des letzten Überlebenden das ganz große Vergessen ein?

Es sind noch zu viele Unbekannte und Variablen in diesen Fragen, man kann für das Wissen der zukünftigen Generationen nur hoffen, dass sich jemand diesen Auftrages, der Aufrechterhaltung der Erinnerung annehmen wird, denn wenn die Gesellschaft vergisst, vergisst sie auch durch was wir so wurden wie wir wurden und was einst die Lehren daraus waren, die Möglichkeit es nochmals durchleben zu müssen solche Herrschaften steigt dadurch exponentiell an.

Es besteht aber auch, dass mit dem Tod des letzten Überlebenden die Aufarbeitung, auch die kritische Aufarbeitung erst recht beginnt und sich dann die Gesellschaft traut zu hinterfragen, warum haben die Eltern, Großeltern, die Gesellschaft denn überhaupt damit gemacht, wussten sie wirklich nichts oder verdrängten sie was um sie herum geschah? Die Fragen geben bis heute Forschungsstoff, und ein Großteil wird sich leider erst trauen genau dies zu hinterfragen, wenn die die es selbst beantworten könnten, gegangen sind.

2.3.1 Erinnerung und Gedenken im Schulunterricht

Die politische Bildung der Jugend ist, wie bereits oben beschrieben, das Fundament, welches gelegt werden, und so gelegt werden muss, dass sie für radikales Gedankengut, gleichwohl ob links- oder rechtsradikal, keinen Zugang zu ihnen findet.

Erst wenn sie und die Gesellschaft es verstanden haben was dazu geführt hat dass es so gekommen war wie es war, können die Schlüsse für das Heute gezogen werden; Die Ergebnisse der Aufarbeitung mit den Antworten auf die wichtigste Frage aus der Aufarbeitung: Wie kann man sowas ein zweites Mal vermeiden?

Hier spielt nachwievor der Schulunterricht die wohl tragende Rolle.

Obwohl die Gesellschaft heute in einer der wohl aufgeklärtesten Zeiten in nahezu allen Bereich ist, ist in vielen Haushalten das Frage nach der Beteiligung der eigenen Familie damals, nachwievor ein Tabu, da wird dann lieber das Thema Sex und Verhütung als Gespräch vorgezogen.

Der allgemeinen Behandlung des Themas in der Schule ist nichts entgegenzusetzen, allerdings sollte darauf geachtet werden das die Themen nicht nur an der Oberfläche behandelt werden, sondern das auch einzelnen kritische Hinterfragungen der Schüler ihren Platz finden, auch wenn die Antwort eventuell unbequem sein mag.

Die Teilnahme an gemeinsamen Gedenkveranstaltungen, gleichwohl ob Schulintern oder Extern, fördern das soziale- und gesellschaftliche Bewusstsein über die Verantwortung, derer auch die nachfolgende Generationen noch gegenüberstehen werden, und wirkt zugleich, durch den scheinbar zum Greifen nahen Schrecken abschreckend und sensibilisierend zu gleich.

„„Die Forderung, daß Auschwitz nicht noch einmal sei, ist die allererste an Erziehung. Sie geht so sehr jeglicher anderen voran, daß ich weder glaube sie begründen zu müssen noch zu sollen. Ich kann nicht verstehen, daß man mit ihr bis heute so wenig sich abgegeben hat.“ (Adorno 1966:88)“ (Steffens, Widmaier, 2015)

Jener oben zitierte Auszug aus dem berühmten Rundfunkvortrag Theodor W. Adornos, im Jahre 1966, hat an seiner Gültigkeit, 49 Jahre nach seiner Ausstrahlung, nichts verloren.

2.3.2 Privates Erinnern

In vielen Familien, gleichwohl, ob in Deutschland oder anderen Nationen, wird auch Heute noch an den Holocaust erinnert. Die Beweggründe hierfür sind verschiedenster Natur, ob als Angehörige ehemaliger Lagerhäftlinge die ihr Leben lassen mussten, Überlebender oder weiterer Opfer des Krieges und Holocausts.

Die, die sich noch an die Vergangenheit erinnern können berichten vom erlebten und dem damaligen Alltag, dem Tod und der Befreiung. Ihre Worte sind Mahnungen an die nachfolgenden Generationen.

Viele Familien erinnern auf ihre ganz eigene Weise an die Tragödien ihrer Angehörigen, so ist der Familienbesuch der Gedenkstätte des betreffenden Lagers häufig der einzige Weg ihren Toten nahe zu sein.

Auf den wenigen einzelnen Grabsteinen, und den großen Grabestafeln der Massengräber finden sich exemplarisch, auf dem Friedhofsteil der Gedenkstätte Bergen-Belsen, viele Blumen und kleine Steine. So sind ist Gedenkstätte mit ihrem alten Lagergelände eben auch ein Friedhof, auf dem man seine Toten besucht, ihnen gedenkt und sich ihren erinnert.

Der Punkt, an dem die tiefe Trauer der Erinnerung weicht, ist jener wichtiger Punkt, in dem die Person derer gedacht und erinnert wird einen Hauch Unsterblichkeit erlangt.

Für die Erinnerung an die Familiengeschichte ist Jeder selbst verantwortlich, aber für die Erinnerung an alle Opfer ist und bleibt die Gesellschaft zuständig. Zwar wir die Erinnerungskultur durchaus von den einzelnen Erinnerungsritualen mit gezeichnet, aber die gesellschaftlich Erinnerung zeichnet schließlich aus.

Im nachfolgenden dritten Teil werden die Erinnerungskulturen der Alliierten-Nationen aufgezeigt und erläutert. Die Unterschiede zur deutschen Erinnerungskultur werden ebenfalls verdeutlicht.

3. Die Erinnerungskulturen der Alliierten – Ein Vergleich

Nachstehend werden die Erinnerungskultur Frankreichs, der Vereinigten Staaten von Amerika, Russlands, stellvertretend für die Sowjetunion und Groß Britanniens vorgestellt.

„1998 wurde unter Initiative des schwedischen Premierministers Göran Persson, des britischen Premierministers Tony Blair und des Präsidenten der USA Bill Clinton die »Task Force for International Cooperation on Holocaust Education, Remembrance and Research« (ITF) gegründet, dessen Mitgliedsstaaten sich verpflichteten, einen Holocaust Gedenktag einzuführen. […] Der 27. Januar etablierte sich in der Folge international als Gedenktag für die Opfer des Holocaust. Im Jahr 2005 wurde der 27. Januar von der UNO zum »Internationalen Gedenktag an die Opfer des Holocaust« erklärt. In welcher Form gedacht wird, welcher Opfer gedacht wird und welche Institutionen Gedenkveranstaltungen organisieren, ist von Land zu Land unterschiedlich.“ (Dymczyk, 2010)

3.1 Frankreich

Am 03. September 1939 erklärte Frankreich, zeitgleich mit Groß Britannien dem Dritten Reich den Krieg. Die nachfolgende Zeit wird gemeinhin als Stellungskrieg beschrieben. Am 20. Juni 1940 wurde dem französischen Waffenstillstandsgesuch statt gegeben. Hitlers ‚Blitzkrieg‘ durch den Westfeldzug war somit vorerst erfolgreich.

Am 06. Juni 1944 stand Frankreich Schulter an Schulter mit Groß Britannien, Kanada, den Vereinigten Staaten von Amerika, der Sowjetunion als die Landung in der Normandie am D-Day begannen. Dieser Tag markiert bis heute den Anbeginn der Wendungen im 2. Weltkrieg.

3.1.1 Frankreichs Erinnerungskultur

Der 16. Juli markiert den »Nationalen Gedenktag rassistischer und antisemitischer Verfolgung«. Bei diesem Gedenktag handelt es sich um eine Veranstaltung, in deren Rahmen an das Zusammentreiben der Juden in das Vélodrome d’Hiver, in Jahre 1942 gedacht wird.

Veranstalter ist die Abteilung für Angelegenheiten der Veteranen, eine staatliche Einrichtung, die mit dem Verteidigungsministerium gekoppelt ist.

(Vgl. Dymczyk, 2010)

3.2 Die Vereinigten Staaten von Amerika (USA)

Durch Japans Angriff auf Pearl Harbor am 07. Dezember und Italiens sowie Nazi-Deutschlands Kriegserklärung vom11. Dezember 1941 führten zum Kriegseintritt der USA. Bereits vorher unterstützen sie Groß Britannien. US-Amerikanische Truppen landeten am 06. Juni 1944 im Rahmen des D-Days unter der Operation Neptune am sogenannten ‚Omaha Beach‘ in der Normandie.

3.2.1 Die Erinnerungskultur der Vereinigten Staaten von Amerika

Das Besondere ist, das die USA nicht nur einen offiziellen Gedenktag haben, sondern mehrere »Days of Remembrance« feiern. Der Ursprung der Feierlichkeiten liegt im Datum des 29. Aprils 1945, der Befreiung des KZ Dachaus, dieses Datum ist in der US-Amerikanischen Geschichte so signifikant, dass der 28. Und 29. April 1979 per Gesetzentwurf zum Holocaustopfer-Gedenktag wurde. “[…] during the Week of Remembrance, which runs from the Sunday before Holocaust Remembrance Day (Yom Hashoah) through the following
Sunday.” (United States Holocaust Memorial Museum, 2015).

Das Datum des ‚Yom Hashoah‘ Festes, der 27. Nisan im jüdischen Kalander, ist somit der Schlüsseltag der Feierlichkeiten. (Vgl. timeanddate, 2015).

3.3 Sowjetunion/ Stellvertretend Russland

Da die Sowjetunion zerfallen ist, wird an dieser Stelle die Erinnerungskultur Russlands, als größter Nachfolger der Sowjetunion belichtet.

Die bekannteste Deutsch-Russische Schlacht im 2. Weltkrieg ist der Stellungskrieg rund um Kaliningrad, entlang der Wolga, und die Einkesselung der deutschen Truppen in und um Stalingrad.

Bevor die Sowjetunion auf der Seite der Alliierten sich stellte, stand sie lange Zeit dem Dritten Reich zur Seite. Hitler und Stalin schlossen einst den sogenannten ‚Nicht-Angriffs-Pakt‘ über den sich Hitler später hinwegsetzte. Die Rote Armee leistet dem Ostfeldzug Hitlers erbitterten Widerstand und konnte die Truppen weit in den Westen zurückdrängen. Am 30. April 1945 steht die Rote Armee in Berlin und hisst die Sowjetische Flagge auf dem Reichstag. An diesem Tag begeht Hitler zusammen mit Eva Braun Selbstmord.

3.3.1 Russlands Erinnerungskultur

„Jedes Jahr initiiert das Zentrum „Holocaust“ am 27. Januar, dem Tag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz, eine Gedenkzeremonie in einem Moskauer Saal. An dieser Veranstaltung nehmen Menschen aus dem öffentlichen Leben, so z.B. Botschafter mehrerer Länder, darunter Deutschland, teil. Das Ereignis zieht immer ein großes Multimediales Interesse auf sich.“ (Russisches Forschungs-und Bildungszentrum "Holocaust", 2008)

Die russischen Feierlichkeiten finden damit gleichzeitig mit denen in Deutschland statt, beide Nationen wählten das selbige Ereignis, die Befreiung des KZ Auschwitz als Datumsgeber aus.

3.4 Groß Britannien

Groß Britannien war bereits früh im 2. Weltkrieg verwickelt, insbesondere der Seekrieg war hier das bedeutende Schlachtfeld. So gelang es ihnen auch zeitweise den Versorgungsweg per See abzuschneiden. Es beteiligten sich allerdings auch die anderen Waffengattungen der britischen Armee am Krieg. So gelangen den britischen Bombern der ‚Royal Airforce‘ schwere Luftschläge auf deutschem Boden. Auch im Krieg auf dem Boden waren sie mit ihren Truppen beteiligt. Am 06. Juni 1944 landeten im Rahmen des D-Days viele britische Soldaten mit Kriegsgerät in der Normandie, um die Befreiung von den Nazis zu beginnen

3.4.1 Großbritanniens Erinnerungskultur.

Ebenso wie Deutschland und Russland finden die Gedenkveranstaltungen in Großbritannien am 27. Januar statt. Die NGO »Holocaust Educational Trust« organisiert jedes Jahr verschiedene Gedenkveranstaltungen; Manchmal kooperieren Ministerien und NGOs auch mit den örtlichen jüdischen Gemeinden oder anderen jüdischen Organisationen (vgl. Dymczyk, 2010).

„In Großbritannien wird aller Opfer des Holocaust, Opfer durch Nazi-Verfolgung, wie auch Betroffener anderer Völkermorde in Kambodscha, Ruanda, Bosnien und Darfur gedacht. Darüber hinaus soll die Veranstaltung die Überlebenden ehren und die Bevölkerung aufrufen, sich gegen Verfolgung und Exklusion einzusetzen, wofür ein Lernen aus der Vergangenheit Grundlage sei.“ (Dymczyk, 2010).

„In Großbritannien gilt Bergen-Belsen als das zentrale Symbol für die Gesamtheit der NS-Verbrechen.“(Gedenkstätte Bergen Belsen, 2015).

3.5 Vergleiche der Erinnerungskulturen

Unter den Punkten 3.1 – 3.4.1 wurden die Erinnerungskulturen der Länder Frankreich, der USA, Russlands und Großbritanniens vorgestellt. Diese sollen in dem nachfolgenden Abschnitt mit der unter Punkt 2. erläuterten Erinnerungskultur Deutschlands verglichen werden.

Zunächst liegt die größte Gemeinsamkeit darin, dass alle fünf Nationen einen Gedenktag abhalten. Dieser ist zwar nicht überall, siehe Großbritannien, nur zum Gedenken für die Opfer des Holocausts, aber es gibt sie und sie finden alle jährlich statt. Die Besonderheit liegt hier auf Seiten der USA, die als einzige dieser vergleichenden Nationen eine ganze Erinnerungswoche feiern.

Terminlich sind die offiziellen Gedenkveranstaltungen Russlands, Deutschlands und Großbritanniens eng verbunden, da sie alle am 27. Januar jeden Jahres stattfinden. Dies hat zwar den Vorteil dass, in vielen Nationen gleichzeitig an einem solch bedeutenden Datum gedacht wird, es hat aber auch den Nachteil das die Völker, und deren Vertreter nicht gemeinsam Gedenken können, können sie nun mal nicht auf allen Veranstaltungen gleichzeitig sein.

Frankreich feiert offiziell erst später, am 16. Juni. Das Datum hat nicht mit einer Befreiung eines KZ zu tun wie etwas das Datum des 27. Januars, dennoch wird auch hier dne Opfern des Holocausts gedacht und an die Zusammentreibung der Juden gedacht.

Die USA fallen mit ihrer einwöchigen Feier aus dem Durchschnitt der Feierdauer. Sie erinnern sehr genau an die Taten und das geschehene. Die jetzigen Feierlichkeiten sind an den jährlich variierenden Termin des jüdischen Festes ‚Yom Hashoah’ gekoppelt. Im Anfang wählten aber auch die USA ein Datum der Befreiung eines KZs aus. Den 28. Und 29. April. Die Tage in denen US-Amerikanische Truppen das KZ Dachau befreiten.

Generell ist damit festzuhalten, dass in vielen Nationen die Feierlichkeiten mit Daten, von Befreiungen von Konzentrationslagern gekoppelt sind.

Das Erinnern über einen längeren Zeitraum, wie die USA es betreiben, bringt den Vorteil, dass die Bevölkerung sich häufiger und länger mit der Vergangenheit auseinander setzt und somit ihre eigenen Aufarbeitung voranbringen kann, aber auch dass sie sensibilisierter ist.

Die Erinnerungskulturen sind so verschieden wie die Nationen und ihre Völker es selbst sind, aber dies ist etwas Gutes, denn jeder neue Blickwinkel, auch die vielen verschiedenen der Erinnerung, vervollständigen das Bild, welches für das Verständnis, und der vollkommenen Aufarbeitung des wohl schwärzten Kapitels Europas so wichtig sind.

Die Problematik, oder besser das gesagt das größtmögliche Fingerspitzengefühl wird dennoch immer in Deutschland gebraucht werden, ist es und wird es doch immer schwierig sein, das Gedenken und aufarbeiten auf dem Boden des Täterlandes.

Der nachfolgende Praxisteil befasst sich mit der Gedenkstätte Bergen-Belsen, als exemplarische Darstellung der Erinnerungskultur in Deutschland.

Zunächst wird die Gedenkstätte Bergen-Belsen kurz vorgestellt, in ihrer Geografie, der Gedenkstättenanlage, den Besonderheiten dieser Gedenkstätte und auch dem was sie zuvor war.

Nach der Vorstellung der oben genannten Punkte erfolgt die Rekonstruktion der Feierlichkeiten zum 70. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Bergen-Belsen durch die britischen Truppen.

Im Anschluss erfolgt eine Prognose über den Umgang und Wandel der Erinnerungskultur in der digitalen Zeit.

Der Praxisteil schließt mit einem Fazit.

Die Arbeit wird mit einem Schlusswort beendet.

V. Praxisteil

Im hier Nachsteheden Praxisteil soll zunächst die Gedenkstätte Bergen-Belsen vorgestellt werden. Sie steht in dieser Arbeit exemplarisch für die Erinnerungskultur Deutschlands und deren Auslebung.

1. Vorstellung der Gedenkstätte Bergen-Belsen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten
Grafik 1: Gedenkstätte Bergen-Belsen

„Die Gedenkstätte Bergen-Belsen umfasst die gesamte Fläche des ehemaligen Kriegsgefangenen- und Konzentrationslagers. Zahlreiche Gedenkzeichen und Mahnmale erinnern zwischen den Massengräbern an das Leiden und Sterben von Zehntausenden Menschen. Von Gebäuden aus der Lagerzeit sind lediglich noch Fundamente erhalten. Im Rahmen der Neugestaltung wird auch das Außengelände umgestaltet. Ziel ist es, mit behutsamen Eingriffen die Topographie des Lagers sichtbarer zu machen, bauliche Reste zu sichern und die Besucherführung zu verbessern.

Besucher erreichen die Gedenkstätte über einen zentralen Platz außerhalb des ehemaligen Lagerareals. Er führt zu dem lang gestreckten, zweigeschossigen neuen Dokumentationszentrum mit der Dauerausstellung zur Geschichte Bergen-Belsens. Auf der gegenüberliegenden Seite des Platzes befinden sich Gebäude für Verwaltung, Bildungsarbeit, Sonderausstellungen und Veranstaltungen.

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Details

Seiten
43
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668491229
ISBN (Buch)
9783668491236
Dateigröße
1.8 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v370808
Institution / Hochschule
Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover – Historisches Seminar
Note
Schlagworte
Gedenkstätten Aufarbeitung NS Zeit außerschulische Lernorte Gedenken Erinnerungskultur

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Titel: Erinnerungskultur im Täterland. Wie sieht das Gedenken und Erinnern des Holocausts morgen aus und was kann Deutschland von der Erinnerungskultur und der Aufarbeitung der Alliierten lernen?