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Spezifische Aspekte des Lebens der türkischen ÖsterreicherInnen verdeutlicht an einer Befragung von türkischen Sankt PöltnerInnen

Facharbeit (Schule) 2017 42 Seiten

Soziologie - Politische Soziologie, Majoritäten, Minoritäten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1 Integration
1.1 Teilbereiche der Integration
1.2 Kriterien der Integration
1.2.1 Entwicklungs- und familienpsychologische Ansicht
1.3 Integrationsbereitschaft türkischer Sankt Pöltner
1.4 Mögliche Probleme, die bei der Integration auftreten
1.4.1 Integrationsunwillige Türken

2 Multikulturalität
2.1 Transkulturalität
2.2 Bilingualismus
2.2.1 Doppelte Halbsprachigkeit
2.3 Eine Brücke zwischen Österreich und der Türkei

3 Die Bedeutung des Islams
3.1 Die Stellung der Frau
3.1.1 Die weibliche Ehre
3.2 Die Stellung des Mannes
3.2.1 Die männliche Ehre
3.3 Erziehungsstil

4 Zusammenfassung

Anhang

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abstract

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Integration der türkischstämmigen Österreicher sowie der kulturellen Vielfalt in Österreich und der Bedeutung des Islams für die türkisch-österreichischen Muslime. Als Erstes wird der Integrationsbegriff analysiert, hierbei wird aufgezeigt, dass Integration ein wechselseitiger Prozess ist. Die prekäre finanzielle Situation, an welcher viele türkische Österreicher leiden, zeigt, dass die Integration in Österreich gescheitert ist. Weiters beleuchtet die Arbeit das Konzept der multikulturellen Gesellschaft. Hierbei handelt es sich um eine organisierte Verantwortungslosigkeit, die sich seit Jahren unter dem Mantel der Wahrung der kulturellen Vielfalt versteckt. Die transkulturelle Gesellschaft stellt eine Alternative dar. Hier vermischen sich die Kulturen und es entsteht eine neue bereichernde Kultur, welche der Integration gegenüber positiv eingestellt ist. Zudem ist die Bedeutung des Islams für das türkisch-muslimische gesellschaftliche Miteinander noch immer sehr wichtig. Die Ernährerrolle steht jedoch nicht nur dem türkisch-muslimischen Mann zu, sondern auch der Frau, denn aufgrund der finanziellen Schwierigkeiten ist es oft nicht möglich, dass nur ein Elternteil erwerbstätig ist. Außerdem impliziert die weibliche Ehre heutzutage neben dem anständigen Verhalten stets die Jungfräulichkeit. Dies soll primär vom unverheirateten Mädchen und sekundär vom Familienvater beziehungsweise von Brüdern beschützt werden, wobei dies die Reglementierung der weiblichen Freiheiten mit sich bringt.

Einleitung

In der Gesellschaft wird den Türken oftmals nachgesagt, dass sie integrationsunwillig sind. Ob die Integration der türkischen Bevölkerung gescheitert ist und wer die Schuld dafür trägt, wird in der vorliegenden Arbeit auf den Grund gegangen. Hierzu wird vorerst versucht den komplexen Integrationsbegriff zu beschreiben, Teilbereiche sowie Kriterien der Integration beziehungsweise die Integrationschance von Kindern zu beleuchten. Die aus der Literaturarbeit gewonnenen Erkenntnisse, sollen durchgehend in dieser Arbeit durch die Ergebnisse der Online-Befragung, welche an 33 Österreichern mit türkischen Wurzeln durchgeführt wird, verdeutlicht werden. Ferner wird ein Augenmerk auf die Probleme, welche bei der Integration entstehen beziehungswiese die Integration hemmen, gelegt.

Des Weiteren soll das Konzept der laut Seyran Ates gescheiterten multikulturellen Gesellschaft analysiert und die transkulturelle Gesellschaft, welche im Gegensatz zur multikulturellen keine Mauer um sich baut, beschrieben werden. Zudem soll die Frage, ob es eine ,,Doppelte Halbsprachigkeit‘‘ unter den in Österreich lebenden Türken gibt, mit Hilfe der Befragung beantwortet werden.

Gibt es eine Hierarchie in den türkisch-muslimischen Familien? Hat die Jungfräulichkeit noch eine Bedeutung in der türkisch-österreichischen Community? Sind Frauen und Männer im Islam gleichberechtigt? Die vorliegende Arbeit versucht diese Fragen zu beantworten, in der Hoffnung, dass eines Tages Österreich in Berücksichtigung dieser Aspekte die Migrationspolitik lenkt.

Neben der exzessiven Literaturarbeit, wobei Sammelbänder, Bücher, Hochschulschriften sowie Internetseiten verwendet werden, wird eine OnlineBefragung an 33 türkischen Sankt Pöltnern durchgeführt.

Aufgrund der besseren Lesbarkeit wurde auf einen geschlechtergerechten Sprachgebrauch verzichtet.

1 Integration

Obwohl es bis dato nicht gelungen ist, sich auf einen allgemeingültigen Integrationsbegriff zu einigen, werde ich diesen Begriff thematisieren. In dieser Arbeit ist mit Integration ein wechselseitiger Prozess zwischen den Türken und Österreichern gemeint, in der die Integrationsbereitschaft der gesamten Gesellschaft gefordert ist.1 Des Weiteren stellt die Integration die Fähigkeit zur ebenbürtigen Beteiligung am gesellschaftlichen Alltag und den natürlich vorhandenen Ressourcen2 wie zum Beispiel Bildung, Unterkunft, politische Beteiligung, sozialstaatliche Leistungen und Arbeitsplatzangebote dar. Der Integrationsbegriff repräsentiert auch die Binnenverhältnisse einer Gemeinschaft, wobei ,,das zentrale Medium der Integration […] der soziale Aufstieg‘‘ ist.3 Die Islamische Glaubensgemeinschaft hingegen meint, dass Integration durch Partizipation gelingt, demnach sehen sie die Beteiligung als Grundlage an, um als Mitwirkender des gesellschaftlichen Wohls zu fungieren, ohne, dass dabei eine Veränderung der Identität stattfindet.4 Diese Erklärung ist jedoch kritisch zu betrachten, da es schwierig bis unmöglich ist, dass türkischstämmige Österreicher sich ohne Anpassungsbestrebungen integrieren und somit ihre Identität völlig wahren.

Weiters verlaufen Integrationsprozesse des Individuums zwar unauffällig, dies ändert aber nichts an der Tatsache, dass eine enorme Adaptationsleistung benötigt wird, die aufgrund von zufälligen Erkenntnissen, individuellen Lebensgestaltungen sowie der Politik nicht steuerbar ist.5 Anzumerken ist im Übrigen, dass die Integrationsgeschwindigkeit und -form immens an die gesellschaftliche und kulturelle Differenz zwischen der Aufnahme- und Heimatkultur gebunden ist. Je umfangreicher hier die Kluft scheint, desto diffiziler wird dementsprechend die Integration.6 Dies ist auch der Grund, weswegen die türkischen Österreicher beispielsweise im Gegensatz zu spanischen Migranten mehr Leistung erbringen müssen, um die vorher beschriebene Differenz aufzuarbeiten.7

1.1 Teilbereiche der Integration

Die Integration ist ein breitgefächertes Themengebiet, jedoch unterscheidet man im sozialintegrativen Bereich laut Hartmut Esser vier wesentliche Bereiche der Integration, nämlich die kognitive, strukturelle, soziale und die identifikatorische Integration.

Die kulturelle Integration, die auch kognitive Integration genannt wird, beschäftigt sich mit dem ,,Prozess des Erwerbs des jeweiligen Wissens beziehungsweise der jeweiligen Kompetenzen‘‘ wie zum Beispiel dem Erlernen der deutschen Sprache, um Kommunikation überhaupt möglich zu machen und die erfolgreiche Wertevermittlung des Aufnahmelandes. Das Ziel der strukturellen Integration ist es, die Österreicher mit türkischen Wurzeln in essenziellen Einrichtungen beispielsweise Arbeitsplatz, Wohnung, Bildung etc. einzuflechten und die Umstände zum Erwerb der Staatsbürgerschaft zu begünstigen.

Die soziale Integration befasst sich hingegen mit der zwischenmenschlichen Beziehung, nämlich den Vorgaben für traditionelle Arten der Interaktion (Lebensgefährte, Kameradschaften, Nachbarn, Alterskohorte etc.). Weiters sollen sich die Österreicher mit türkischem Migrationshintergrund in die Mehrheitsgesellschaft eingliedern.

Zu guter Letzt ist zu betonen, dass die identifikatorische Integration laut einigen muslimischen Zuwanderern assimilatorische Züge aufweist.8 Dies ist eine Feststellung von Ahmet Toprak, wobei er sich hierbei auf keinerlei Statistiken beruft.

Laut Toprak lehnt eine Minderheit von Muslimen die identifikatorische Integration ab, damit ihre eigene Sprache, ihr Glaubensbekenntnis9 und ihre

eigenen Richtlinien sowie Werte nicht gefährdet werden. Dies ist jedoch problematisch, da sich dieser Bereich der Integration mit dem sogenannten ,,Wir-Gefühl‘‘ der Migranten auseinandersetzt, die zu den angestammten Österreichern aufgebaut werden soll. Dieser Bereich schreitet gegenüber den oben beschriebenen anderen Bereichen aufgrund der Problematik des Aufbaus des ,,Wir-Gefühls‘‘ tendenziell viel langsamer fort.10

Um auf die spezielle Situation in Sankt Pölten eingehen zu können, wurde wie in der Einleitung erwähnt, eine Online-Befragung durchgeführt. Zehn der Teilnehmer sind unter 18 Jahren, elf 18 bis 25 Jahre, drei von den türkischen Österreichern 26 bis 40 Jahre, sechs 41 bis 60 Jahre und drei über 60 Jahre alt. Insgesamt haben 25 Frauen und acht Männer an dieser Befragung teilgenommen. Grundsätzlich handelt es hierbei um eine Online-Befragung, da aber ein Großteil der ersten Generation, nämlich der Gastarbeiter, keine ausreichenden Deutschkenntnisse besitzen, wurden drei türkische Sankt Pöltner, welche über 60 Jahre alt sind, mündlich auf Türkisch befragt. Bei der mündlichen Befragung hat die Verfasserin der vorwissenschaftlichen Arbeit die Fragen der Online-Befragung spontan auf Türkisch übersetzt. Ihre Antworten wurden schließlich der Online-Befragung beigefügt. Des Weiteren wurden mehrheitlich (nämlich 16) Schüler, drei Studenten, zwei Arbeitslose, drei Hausfrauen, fünf Pensionisten beziehungsweise drei Arbeiter/ Angestellte befragt. Die Fragen beziehen sich auf Integration, Multikulturalität und den Islam in Bezug auf die türkischen Österreicher.

Bezogen auf die Türken, die ihren Lebensmittelpunkt in Sankt Pölten haben, ist festzustellen, dass 18 Personen Österreich und die Türkei als ihre Heimat ansehen. Sechs Teilnehmer identifizieren sich sogar dermaßen mit dem Land, indem sie leben, sodass sie nur Österreich als Heimatland bezeichnen. Die Übrigen sind davon überzeugt, dass trotz allem die Türkei ihr Vaterland ist. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass nur ca. 1/5 der Befragten sich von seinen türkischen Wurzeln abwendet und sich nur als Österreicher bezeichnet.

1.2 Kriterien der Integration

Damit Integration gelingen kann, müssen Türken und Österreicher in Kommunikation treten und dabei die Meinung des anderen respektieren und verstehen, wodurch seinem Gegenüber Anerkennung vermittelt wird, welche die Integration begünstigt.11

„Von ernsthafter Integrationspolitik kann nur dann die Rede sein, wenn folgende drei Eckpfeiler erfüllt werden: Rechtliche Gleichstellung, Chancengleichheit und die Wahrung und Förderung kultureller Vielfalt.‘‘12

Besonders hervorzuheben ist, dass 24 türkische Sankt Pöltner von 33 Befragten der Meinung sind, dass integrierte Türken noch immer schlechtere Chancen haben als Österreicher. Zwar dürfen die Ergebnisse der Befragung nicht überbewertet werden, bedenklich ist es trotzdem, dass etwa ¾ der befragten Personen dieser Ansicht sind.

Weiters soll die Arbeitsplatzverteilung bezüglich differenten Hierarchieebenen beziehungsweise Berufszweigen der Österreicher mit türkischen Wurzeln demselben Bild entsprechen wie jenem der Österreicher.13 Dasselbe Prinzip gilt selbstverständlich bei Bildungsanstalten. Eine Studie der Statistik Austria erhob 2014 die berufliche Stellung der Erwerbstätigen in Österreich nach dem Migrationshintergrund. Herausgefunden wurde, dass 55,5% der türkischstämmigen Österreicher als Arbeiter tätig sind. 38,7% sind Angestellte/ Beamte/ Vertragsbedienstete/ Freie Dienstnehmer und lediglich 5,8% sind in ihrem eigenen Betrieb beschäftigt. Im Gegensatz dazu sind 22,5 % der angestammten Österreicher als Arbeiter tätig. 63,1% sind Angestellte/ Beamte/ Vertragsbedienstete/ Freie Dienstnehmer und 14,5% der Berufstätigen sind selbstständig.14 Diese Studie zeigt durch die gravierende Diskrepanz, dass eine gleichrangige Arbeitsplatzverteilung in Österreich gescheitert ist.

Nach Perchinig stellt die deutsche Sprache die ,,zentrale Voraussetzung für Integration (dar) und […] in Sprachkursen liegt das wesentliche Instrument der Integrationspolitik.‘‘15 Nichtsdestotrotz liegt Herr Perchinig mit dieser Feststellung falsch, da der Erwerb der deutschen Sprache fernab der Deutschkurse geschieht und zwar in der alltäglichen mündlichen Kommunikation. Die Aneignung der deutschen Sprache ist somit das Resultat erfolgreicher Partizipation von Türken, die in Österreich leben, an Bildungsinstitutionen und der Arbeitswelt.16

,,Kriterium für Integrationserfolg ist nicht das Verschwinden von Differenz, sondern von Diskriminierung, die Abflachung von sozialen Ungleichheiten, die Ermöglichung von sozialer Aufwärtsmobilität, die Vermeidung von kastenähnlichen Strukturen.‘‘17

Des Weiteren meinen elf von 33 Sankt Pöltnern mit türkischem Migrationshintergrund Integration sei schwierig, da Türken aufgrund ihrer Abstammung diskriminiert werden.

Ob es in Sankt Pölten beziehungsweise in Österreich im allgemeinen eine Diskriminierung der Türken gibt, kann nicht geklärt werden. Man kann jedoch annehmen, dass es eine gewisse Herabwürdigung gibt.

Seit Jahren wird die Integration falsch gelenkt, ohne zu wissen, dass das Pflichtbewusstsein der angestammten Bevölkerung sowie der Intellektuellen gleichermaßen notwendig ist, wie die der türkischstämmigen Österreicher, damit eine erfolgreiche Integration gelingen kann.18

1.2.1 Entwicklungs- und familienpsychologische Ansicht

Der finanzielle Stand der Familie und die Geschwisteranzahl sind bedeutende Faktoren in Bezug auf die Integrationschance, weil das Risiko der gescheiterten Integration bei finanzschwachen türkischen Kindern zweimal so groß ist als bei finanziell besser ausgestatteten Mädchen und Burschen19 mit türkischen Wurzeln. Hierbei ist anzumerken, dass zwischen 2012 und 2014 50% der in der Türkei geborenen Migranten armutsgefährdet waren, jedoch ist dieser Prozentsatz aufgrund von Sozialleistungen des Staates Österreich um 27% zurückgegangen. Die Transferzahlungen sind also für die Mehrheit der türkischstämmigen Österreicher von besonderer Bedeutung. Demgegenüber waren im selben Jahr 19% der Österreicher in Geldnot. Durch staatliche Hilfen reduzierte sich dieser Wert auf 10%.20 In diesem Zusammenhang ist zu erkennen, dass die türkische-österreichische Bevölkerung im Vergleich zur Urbevölkerung21 eher finanzielle Probleme hat. In dieser Statistik werden lediglich Migranten, die in der Türkei geboren wurden, berücksichtigt. Folglich ist es problematisch ein allgemeingültiges Urteil zu bilden.

Die Geschwisteranzahl agiert gleichfalls als signifikanter Indikator zur Beurteilung der Integrationschance, denn wenn Geschwister/ Verwandte über keine großen Altersunterschiede verfügen, erfolgt eine Interaktion mit einheimischen Kindern meist schwerlich. Dadurch wird die Integration erheblich erschwert.22 Hierbei ist zu betonen, dass ein türkisches Kind durchschnittlich ein bis zwei Geschwister hat.

1.3 Integrationsbereitschaft türkischer Sankt Pöltner

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Den Sankt Pöltnern mit türkischen Wurzeln wird in der Öffentlichkeit oft nachgesagt, dass sie integrationsunwillig seien. Man kann aber aufgrund der deutlichen Ergebnisse der Befragung das Gegenteil behaupten. Von den 33 Befragten, meinen 24, dass sie sich integrieren möchten. Eine Integrationsbereitschaft ist bei den Befragten definitiv vorhanden. Weiters gibt es keine Teilnehmer, die die Integration ablehnen. Die restlichen neun Österreicher, deren Wurzeln in der Türkei liegen, lehnen eine absolute Integration ab und begrüßen diese nur bedingt, was jedoch nicht heißt, dass sie integrationsunwillig sind.

Der derzeitige Integrationsstand und der Integrationswille der befragten Personen stimmen auf jeden Fall nicht überein. Lediglich zwölf türkische Sankt Pöltner geben an, sie Wie gut sind Sie integriert? sehr gut gut mittelmäßig schlecht gar nicht seien sehr gut integriert.

Abbildung 2: Integrationsstand Weiters konnten sich acht

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

von den Befragten gut integrieren. Zudem gibt es tatsächlich sieben Türken, die in Sankt Pölten ihren Lebensmittelpunkt haben, jedoch schlecht integriert sind. Eine der Befragten ist sogar gar nicht integriert, wobei es sich hier um eine 73-jährige Gastarbeiterin handelt, die nur wenige Jahre in Österreich gearbeitet hat, kein Wort Deutsch spricht beziehungsweise selten ihre Wohnung verlässt. Ihre Segregation ist auf die fehlende Interaktion mit Österreichern zurückzuführen.

1.4 Mögliche Probleme, die bei der Integration auftreten

In erster Linie sind die Wertschätzungsdefizite der jugendlichen türkischen Österreicher auffällig. Als Beispiel ist im privaten Bereich die Diskothek oder das Café anzuführen, wo Jugendliche mit türkischem Migrationshintergrund tendenziell weniger respektvoll behandelt und als Individuum gewürdigt werden, wobei dies integrationshemmend wirkt.23 Außerdem ist Diskriminierung aufgrund türkischer Abstammung ein weiterer Grund sich von Österreichern abzuwenden.24 Auch das Misslingen der Integration in der Schule ist unabwendbar, falls die Eltern keine guten Deutschkenntnisse besitzen, die sie wiederum an ihre Kinder weitergeben können,25 weswegen die Kinder privat höchstwahrscheinlich nur mit türkischstämmigen Alterskohorten interagieren.26

Laut Hakkaoui erscheint die Bildung einer neuen Identität den Türken, die in Österreich leben, besonders komplex, da diese in der Regel aus gänzlich verschiedenartigen sozialen und kulturellen Milieus im Vergleich zu Österreichern stammen.27

Bei 20 Teilnehmern der Befragung ist festzustellen, dass sie Integration als schwierig empfinden, weil religiöse beziehungsweise kulturelle Unterschiede zwischen den Türken und der angestammten Bevölkerung herrschen. Somit ist Hakkaouis These, die oben erläutert wurde, verifiziert.

1.4.1 Integrationsunwillige Türken

Den Kopftuchträgerinnen hingegen wird im öffentlichen Leben oft vorgeworfen, dass sie Integrationsverweigerer seien und ihre Kopfbedeckung als politisches Kampfmittel einsetzen.28 Sogar dazu gezwungen werden ihre Haare zu bedecken, um sich vor bösen Blicken der Männer zu schützen. Zwar ist die Funktion des Kopftuches umstritten, da jede Frau individuelle Vorstellungen diesbezüglich hat, jedoch kann im Allgemeinen gesagt werden, dass es als Symbol für die Bewahrung der persönlichen Identität dient, die Ausübung der fünf Säulen des Islams vollendet sowie die Gläubigkeit der Kopftuchträgerinnen unterstreicht. Aufgrund dessen ist die Feststellung, dass Türkinnen gegenüber dem Integrationsbegriff negativ eingestimmt sind, weit hergeholt und nicht der Wahrheit entsprechend. Derartige Unterstellungen hemmen lediglich die gesellschaftliche Teilnahme der österreichischen Türkinnen.

Des Weiteren erfolgt bei der türkischstämmigen Bevölkerung, die ihre erstrebten Wünsche nicht erreichen, eine Resignation und folglich werden diese als integrationsunwillige Muslime abgestempelt, obwohl die Gründe dafür keinesfalls religiöse beziehungsweise kulturelle Unterschiede sind. Hier spielen rein wirtschaftliche und gesellschaftliche Aspekte eine Rolle.29

[...]


1 Vgl. SCHMIDINGER 2010, S. 38

2 Vgl. USLUCAN 2011, S. 31

3 Vgl. PERCHINIG 2010, S. 13 PERCHINIG 2010, S. 18

4 Vgl. BAGHAJATI 2008, S. 45

5 Vgl. USLUCAN 2011, S. 22, S. 31

6 Vgl. USLUCAN 2011, S. 38

7 Vgl. USLUCAN 2011, S. 38

8 Vgl. ESSER 2001, S. 8-14

Vgl. TOPRAK 2010, S. 161, S. 165-166

9 Vgl. TOPRAK 2010, S. 165-166

10 Vgl. TOPRAK 2010, S. 165-166, S. 161

11 Vgl. USLUCAN 2011, S. 14 Vgl. HAKKAOUI 2007, S. 183

12 http://www.integrationshaus.at/cgi-bin/page.pl?id=341;lang=de [27.09.2016]

13 Vgl. USLUCAN 2011, S. 44

14 Vgl. STATISTIK AUSTRIA 2015, S. 55

15 PERCHINIG 2010, S. 18

16 Vgl. PLUTZAR 2010, S. 125, S. 127

17 REINPRECHT 2010, S. 44

18 Vgl. KELEK 2015, S. 31

19 Vgl. USLUCAN 2011, S. 53

20 Vgl. STATISTIK AUSTRIA 2015, S. 65

21 Aufgrund der Begriffsproblematik wird der Begriff ,,Urbevölkerung‘‘ verwendet, auch angestammte Bevölkerung

22 Vgl. USLUCAN 2011, S. 53-54

23 Vgl. USLUCAN 2011, S. 59, S. 91

24 Vgl. USLUCAN 2011, S. 59, S. 91

25 Vgl. KELEK 2015, S. 238

26 Vgl. KELEK 2015, S. 238

27 Vgl. HAKKAOUI 2007, S. 183

28 Vgl. TOPRAK 2010, S. 30

29 Vgl. TOPRAK 2010, S. 164

Details

Seiten
42
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668496422
ISBN (Buch)
9783668496439
Dateigröße
849 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v370686
Note
1,0
Schlagworte
spezifische aspekte lebens österreicherinnen befragung sankt pöltnerinnen

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