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Der Subjekt-Begriff im Poststrukturalismus. Ein Vergleich zwischen den Theorien von Foucault, Lacan und Butler

Seminararbeit 2014 17 Seiten

Soziologie - Sonstiges

Leseprobe

Gliederung

I Einleitung

II Hauptteil
1. Hintergrund Poststrukturalismus
2. Der Subjekt-Begriff
3. Der Subjekt-Begriff bei den Vertretern des Poststrukturalismus
3.1 Der Subjekt-Begriff bei Michel Foucault
3.2 Der Subjekt-Begriff bei Jaques Lacan
3.3 Der Subjekt-Begriff bei Judith Butler

III Fazit

Literaturliste

I Einleitung

Der Begriff Poststrukturalismus umfasst mehrere geistes- und sozialwissenschaftliche Ansätze und Methoden, deren Ursprung in Frankreich der 1960er Jahre liegt. Den Poststrukturalismus beschreibt somit eine disparate, auf Axiomen des Strukturalismus aufbauende und diese gleichzeitig überwindende Strömung. Diese Strömung teilt mit dem Strukturalismus die Auffassung, dass kulturelle Phänomene allgemein sprachlich strukturiert sind und eine arbiträre Beziehung zwischen Bezeichnung und Bezeichneten vorherrscht. (vgl. Schwanebeck 2013) Der Poststrukturalismus geht im Unterschied zum Strukturalismus allerdings von der Gleichrangigkeit der Ebenen des Signifikanten und des Signifikats aus. Der Sprecher bleibt auch hier unbedeutend.

Für das breite Feld poststrukturalistischer Theorien sind die Begriffe Subjekt und Subjektivität zentrale Gegenstände der kulturwissenschaftlichen Analytik. Es findet ein Bruch mit den traditionellen Subjekt- und Identitätssemantiken statt. Diese Zentralität betrifft Foucaults Analyse von Subjektivierungsweisen in der Geschichte der Moderne, Lacans kulturtheoretische Psychoanalyse des Subjekts und Butlers Modell der Reproduktion und Subversion des Subjekts. (vgl. Reckwitz 2008, S.77)

Eine weitere zentrale Behauptung im Poststrukturalismus ist der „Tod des Subjekts“. Es wird davon ausgegangen, dass das Subjekt ohne Ursprung und Einheit sei. Es sei ein „in der Sprache gefangenes und durch Sprache seiendes Wesen.“ (vgl. Möller)

Der Subjektbegriff soll also vor dem Hintergrund der Annahme des „Tod des Subjekts“ und der Auffassung der genannten Autoren, und somit Vertretern des Poststrukturalismus, untersucht werden.

II Hauptteil

1. Hintergrund Poststrukturalismus

Poststrukturalistische Ansätze, also die von Foucault, Derrida, Deleuze, Laclau, Autoren der postkolonialen Theorie und von der Gender Theorie inspirierte, haben seit der Jahrtausendwende im deutschen Raum der sozialwissenschaftlichen Forschung Aufmerksamkeit erregt. In den 1980er Jahren nahm der Poststrukturalismus in der deutschsprachigen Debatte eine im engeren Sinn philosophische Position ein. Über diese wurde in erster Linie kritisch gesprochen. Die Rezeption war marginal. Sie kontrastierte mit der intensiven und konstruktiven Verarbeitung poststrukturalistischer Ansätze im englischen Forschungsraum.

Diese Situation hat sich grundsätzlich gewandelt. Der Poststrukturalismus wird nicht mehr als „irrationalistische Philosophie betrachtet, sondern als Feld kulturwissenschaftlich orientierter analytischer Instrumentarien.

Zunächst standen im Mittelpunkt bestimmte, den Theorien scheinbar besonders affine Gegenstände wie Geschlecht, Ethnizität oder bestimmte Methoden der Diskursanalyse. Mittlerweile wird das Interesse auf alle möglichen Aspekte des Sozialen und Kulturellen gelegt. Konsequent ist dabei die Betrachtung soziologischer Kernbegriffe wie Gesellschaft, Klasse, Institution oder Individuum, die poststrukturalistisch unter einem verschobenen Blickwinkel betrachtet werden.

Den Poststrukturalismus beschreiben also unterschiedliche, im Laufe der 1960er Jahre in Frankreich entwickelte Theoriekonzepte, die seit den 1980er Jahren auch Einzug in den englischsprachigen Raum gefunden haben. Sie nehmen sprachtheoretische Grundannahmen des Strukturalismus in ihre Theorien auf und setzten sich im gleichen Moment kritisch von spezifischen Ausprägungen dieses Strukturalismus ab. Es findet somit kein vollständiger Bruch mit dem Strukturalismus statt. Poststrukturalismus ist ebenfalls nicht als Neuauflage des Strukturalismus zu verstehen. Es ist eher ein Durcharbeiten und eine Radikalisierung des strukturalistischen Denkens.

Seinen Anfang nahm es mit Sassures synchroner Analyse der Sprache als System. Er erstellte eine Rekonstruktion immanenter sprachlicher Strukturen. Er vertritt die Meinung, dass Sinn und Bedeutung sich als Merkmale von Zeichen ergeben, durch die differenziellen Beziehungen zu anderen Zeichen. Er erstellte eine allgemeine Theorie des Zeichens, die als „Semiologie“ bezeichnet wird. Das Zeichen wird als Verbindung der Vorstellung mit dem Lautbild betrachtet.

Es setzt sich aus zwei Komponenten zusammen. Erstens dem Lautbild, als materieller oder sinnlicher Komponente, dem Bezeichnenden oder Signifikanten. Und zweitens der Vorstellung vom Gegenstand, der Bezeichnete oder das Signifikant. Die Bedeutung wird also in der Struktur der Sprache produziert, die allgemeinen Regeln folgt. Der Poststrukturalismus ist also die Annahme Sassures, dass Sinnzusammenhänge durch Differenzen und Relationen, von Zeichen bzw. Elementen, konstituiert werden.

Wie bereits erwähnt, gab es in den 1960er Jahren erste Anzeichen einer Kritik bzw. Radikalisierung des strukturalistischen Denkens. Dies betraf die kulturrevolutionären und gegenkulturellen Bewegungen, die im Mai 1968 in Frankreich ihren Höhepunkt fanden. Diese standen mit den poststrukturalistischen Theorien zunächst in einem diskursiven Zusammenhang.

In der Folgezeit entwickelte sich eine enorme Bandbreite poststrukturalistischer Ansätze, wie beispielsweise die von Foucaults Genealogie oder Derridas Dekonstruktion. In den 1980ern fand ein Schub im angelsächsischen Raum statt.

Seit den 1990er Jahren verquickten sich die poststrukturalistischen Ansätze verstärkt mit der postkolonialen Perspektive auf die kulturelle Globalisierung. (vgl. Reckwitz, 2008, S. 8 f.)

2. Der Subjekt-Begriff

Der Begriff Subjekt muss immer mit dem Begriff der Identität im Zusammenhang betrachtet werden. „Subjekt“ ist ein traditionsreiches Konzept der neuzeitlichen Philosophie, während „Identität“ einen klassischen Begriff der Soziologie seit Mitte des 20. Jahrhunderts darstellt. Die moderne Philosophie beginnt im 17. bzw. 18. Jahrhundert als Subjektphilosophie. Das philosophische Denken der Moderne ist zunächst zentriert auf das Subjekt als autonome, sich selbst begründende Instanz. Es dient als Schlüsselfigur der modernen, politischen, ökonomischen, ästhetischen und religiösen Emanzipationsbewegungen.

Der philosophische Diskurs des Subjekts besteht aus drei Segmenten. Erstens ist die Philosophie des Bewusstseins in Frankreich und Deutschland erkenntnistheoretisch und moralphilosophisch ausgerichtet. Das Subjekt wird als „cogito“ bezeichnet. Es wird als Instanz eines Selbstbewusstseins und Selbstreflexion eingeführt. Zweitens die individualistische und kontraktualistische Sozialphilosphie Großbritanniens, die beispielsweise die Vertragstheorien Hobbes und Locke betrifft. Hier wird die Voraussetzung des autonomen, eigeninteressierten und mit moralischen Sinn ausgestatteten einzelnen Akteurs als irreduzibler Ausgangspunkt einer Theorie der Gesellschaft betrachtet. Drittens die theoretischen Diskurse im der Kontext der Romantik. Hier wird das Subjekt als Ort der Expression eines „Innen“ und „Außen“ als individueller Ausdrucksinstanz vorausgesetzt. (vgl. Reckwitz 2008, S. 75 f.)

Die poststrukturalistischen Ansätze gehen von einer Distanz zum Konzept des Subjekts aus im klassisch subjektphilosophischen Sinn einer allgemeingültigen, selbsttransparenten, reflexiven und mentalen Instanz. Diese wird als Dezentrierung des Subjekts beschrieben. Es kommt allerdings nicht zur Auflösung des Begriffs Subjekt, sondern es wird ihm eine verschobene Bedeutung zugeschrieben, so dass Subjektivität innerhalb der Kulturwissenschaft als Produkt historisch spezifischer kultureller Subjektivierungsformen rekonstruierbar wird. Die poststrukturalistischen Perspektiven teilen einige Grundannahmen, was den Subjektbegriff angeht.

Erstens Kulturalisierung: Hierbei liegt die Betonung auf der Abhängigkeit der jeweiligen Subjektivierungsweise von dem historisch und lokal spezifischen Repräsentationssystem. Die kulturwissenschaftliche Analyse richtet sich auf die Art und Weise, in denen solche Wissenschaftsordnungen Subjektivität definieren, produzieren und institutionieren. Die Subjekt-Rationalitäten sind immer relativ zur jeweiligen Wissensordnung zu verstehen. Zweitens Historisierung: Mit der Verwissenschaftlichung geht dezidiert eine Historisierung des Subjektivitätsproblems einher.

[...]

Details

Seiten
17
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783668478930
ISBN (Buch)
9783668478947
Dateigröße
497 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v370614
Institution / Hochschule
Technische Universität Dresden – Soziologie
Note
2,3
Schlagworte
Poststrukturalismus Subjekt Lacan Foucault Butler

Autor

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Titel: Der Subjekt-Begriff im Poststrukturalismus. Ein Vergleich zwischen den Theorien von Foucault, Lacan und Butler