Lade Inhalt...

Gibt es in Deutschland noch Volksparteien im traditionellen Sinn?

Hausarbeit (Hauptseminar) 2012 18 Seiten

Politik - Grundlagen und Allgemeines

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung und Fragestellung
1. A. Herleitung und Fragestellung
1. B. Zielsetzung und Hypothese
1. C. Aufbau der Arbeit
1. D. Forschungsstand

2. Definitionen

3. Volksparteien im eigentlichen Sinn: Was identifiziert eine Volkspartei?
3. A. Funktionale Merkmale
3. B. Strukturelle Merkmale
3. C. Weitere Merkmale

4. Vergleich der heutigen Parteienlandschaft in der BRD
4. A. CDU/ CSU
4. B. SPD

5. Schlussbetrachtung

Literatur

Abbildungen

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Stimmanteile der Zweitstimme bei der Bundestagswahl 2009

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung und Fragestellung

In der nun folgenden Einleitung soll dem Leser ein Überblick über die vorliegende Arbeit, das Ziel dieser, sowie den Forschungsstand gegeben werden. Dazu wurde die Einleitung in Unterkapitel untergliedert, um die Übersichtlichkeit sicherzustellen.[1]

1. A. Herleitung und Fragestellung

Die Demokratie bildet als Staatsform der Bundesrepublik Deutschland seit nunmehr über 60 Jahren das Rückgrat von tiefstem Frieden und vor allem von politischer Stabilität. Hierbei spielen und spielten speziell die Christlich Demokratische Union Deutschlands (CDU) mit ihrer Schwesterpartei der Christlich Sozialen Union Bayerns (CSU), sowie der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD) eine herausragende Rolle in der Geschichte, da sie in den Nachkriegsjahren des zweiten Weltkrieges der Demokratie erste Möglichkeiten zur Existenz und damit dem politischen und wirtschaftlichen Leben Deutschlands boten. Beide Parteien wurden in den Nachkriegsjahren gegründet[2] bzw. reaktiviert[3] und stellten von diesem Zeitpunkt an alle deutschen Kanzler[4] – sie sind die so genannten Volksparteien.

Da diese Volksparteien jedoch in jüngerer Vergangenheit mitunter sehr stark Mitglieder verloren, stellt sich die Frage, ob es in der heutigen Parteienlandschaft der Bundesrepublik Deutschland überhaupt noch Volksparteien gibt. Dies soll Gegenstand dieser Arbeit sein.

1. B. Zielsetzung und Hypothese

Zielsetzung der Arbeit ist die Klärung der oben erläuterten Fragestellung unter Berücksichtigung neuerer Entwicklungen. Dies bedeutet, dass sich Politik, Land und Parteien verändern und daher der streng traditionelle Begriff eventuell nicht mehr zeitgemäß ist. Es soll hierbei die Klärung der Frage Vorrang haben, ob heutige Parteien überhaupt noch als Volksparteien bezeichnet werden können.

Die Hypothese dieser Arbeit verfolgt dabei den Ansatz, dass, wie bereits oben erwähnt, Volksparteien im traditionellen Sinn nicht mehr existieren, da sich die politische Landschaft geändert hat. Ob jedoch, gegenteilig dieser Aussage, Parteien doch als Volksparteien betrachtet werden können, wird Aufgabe des Hauptteils sein.

1. C. Aufbau der Arbeit

Der Aufbau der Seminararbeit ist, um die Kohärenz zu wahren, gedanklich gegliedert. Das bedeutet, dass die Kapitel mit Ausnahme der Einleitung (Kapitel 1 und 2) aufeinander aufbauen und sich ergänzend unterstützen, wobei ein deskriptiver Anfang über einen analytischen Hauptteil zu einem prognostizierenden Schluss führen soll.

1. D. Forschungsstand

Der Forschungsstand im beschriebenen Themenbereich ist als äußerst schwierig zu bezeichnen. Die Meinungen gehen hier weit auseinander, da diese Themen in der Literatur mehr als kontrovers diskutiert sind. Gegenteilig hingegen gestaltet sich die Lage bei der Frage nach dem Rückgang der Wahlbeteiligung, oder auch der Politikverdrossenheit und Partizipation im Generellen. Als Beispiel ist hierbei zu nennen, dass Hans Herbert von Arnim von den „Noch-Volksparteien“ spricht (von Arnim 2009: 11), während der Begriff bei Vierecke (2010) überhaupt keine Anwendung findet, was auf seine Akzeptanz schließen lässt. Die Erklärung dieses Phänomens ist wohl nicht zuletzt in der Unterscheidung des Publikums dieser beiden Autoren zu suchen.

Beim Thema der „volkslosen Volksparteien“ (und der angegliederten Frage nach ihrer Existenz) hingegen steht fest, dass Volksparteien ein mitunter immanentes Problem haben, Mitglieder zu rekrutieren und zu halten.

Hierbei sei ein Zitat von H. H. von Arnim (2009) zur Untermauerung der Argumente genannt: „In zweistelligen Prozentzahlen kündigt das Volk den Volksparteien die Gefolgschaft auf.“ (von Arnim 2009: 11)

Um die Frage trotz des kontroversen Diskurses in der Forschung adäquat beantworten zu können, werden im Hauptteil Parameter aufgestellt, welche bei der Identifikation einer Volkspartei in der Vergangenheit wegweisend waren und es daher in Bezug auf die Fragestellung heute noch sind.

2. Definitionen

Im nun folgenden Kapitel sollen verständnisrelevante Definitionen festgelegt und erörtert, sowie in den Gesamtzusammenhang eingeordnet werden. Da sich das Wort Volkspartei aus den Worten „Volk“ und „Partei“ zusammensetzt, muss auch auf gewöhnliche Parteien eingegangen werden.

Folgende Definitionen sollen ab jetzt für die vorliegende Arbeit grundlegend sein:

Partei

Eine Partei ist nach Andreas Vierecke (2010) ein „auf Dauer angelegte[r] formelle[r] Zusammenschluss von politisch Gleichgesinnten, [der] zur Durchsetzung gemeinsamer […] und zugleich allgemeiner gesellschaftlicher Ziele, […] nach politischer Macht [strebt], um auf die staatliche Willensbildung direkt Einfluss […] nehmen [zu können].“ (Vierecke 2010: 95) Weiter wird in selbigem Kapitel auf die Funktionen einer Partei eingegangen, von welchen besonders die Interessensartikulation zur Geltung kommen soll.

Volkspartei

Unter dem Begriff der Volkspartei sei eine Partei verstanden, welche „sowohl hinsichtlich ihrer Mitglieder- als auch ihrer Wählerschaft [im Vergleich zu einer herkömmlichen Partei, über eine] sehr viel breitere gesellschaftliche Basis [verfügt].“ (Vierecke 2010: 97) Weitere Identifikationsmerkmale werden in Kapitel 3 aufgestellt.

3. Volksparteien im eigentlichen Sinn: Was identifiziert eine Volkspartei?

Der Rückgang der Wahlbeteiligung, das Schwinden der Wählerstimmen für Volksparteien und das Aufkommen neuer Parteien erlaubt die Berechtigung, an der Existenz von Volksparteien zu zweifeln. Daher soll dieses Kapitel unter Zuhilfenahme der Literatur die Identifikationsmerkmale einer Volkspartei im traditionellen Sinn sammeln, ergänzen und erläutern, um diese im nächsten Kapitel auf Parteien des deutschen Bundestages anwenden zu können.

Eine Volkspartei gibt sich in multiplen Aspekten als solche zu erkennen. Im Groben lassen sich die Parameter in einen funktionale und eine strukturellen Bereich untergliedern, wobei auch Aspekte Verwendung finden werden, die nicht in diese Untergliederung fallen.

3. A. Funktionale Merkmale

Eine Volkspartei ist, wie bereits in der Definition erläutert, eine Partei, die auf eine breite Basis im Volk zurückgreifen kann. Sie repräsentiert hierbei breite Schichten der Bevölkerung und steht für diverse Weltanschauungen, um eben diese breiten Schichten vereinen zu können. Sie bildet damit das Gegenstück zu einer Interessenspartei, die, wie der Name bereits vermuten lässt, vor allem für ein bestimmtes Interessensgebiet steht. „[…] [Das] heißt, sie [die Volksparteien] begreifen sich nicht als Vertretung bestimmter Bevölkerungskreise, sondern suchen alle Bürger anzusprechen.“ (Rudzio 2006: 122) Es muss folglich zu diesem Punkt eine Partei zugehörig sein, die über eine heterogene Wählerschaft verfügt und diese auch zu repräsentieren versucht.

Ein weiterer Punkt, welchen Volksparteien im Zuge der funktionalen Merkmale zur Identifikation zu erfüllen haben, ist die regelmäßige Teilnahme an Wahlen. Auf diese wird jedoch im Weiteren nur bedingt eingegangen, da im folgenden Kapitel der Vergleich mit Parteien des deutschen Bundestages gezogen werden soll und diese Parteien ja bekanntlich alle regelmäßig an Wahlen teilnehmen.

Abschließend lässt sich im Bereich der Funktionalität der möglichen Volksparteien die Bestrebung zur Politik des Ausgleichs als entscheidend ansehen, da Parteien, wie bereits im Punkt 1 erwähnt, auf eine breite Anhängerschaft aus heterogenen Wählern zurückgreifen müssen, die durch diese Politik des Ausgleichs – und nur hiermit – erzeugt werden kann.

[...]


[1] Die ADAV und die SDAP gelten als Vorläufer der SPD, da durch Zusammenschluss dieser beiden Parteien die SAP entstand, aus welcher sich später die SPD entwickelte.

[2] Gründungsdaten: CDU: 26.06.1945; CSU: 13.10.1945

[3] Gründungsdatum der SPD: 23.05.1863 (ADAV) sowie 27.05.1875 (SDAP); Verbot durch das Ermächtigungsgesetz Adolf Hitlers am 22.03.1933

[4] Mit Ausnahme des „Zehn-Tage-Kanzlers“ Walter Scheel (FDP), der nach dem Rücktritt Willy Brandts (SPD) die Regierungsgeschäfte übernahm.

Details

Seiten
18
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783668487079
ISBN (Buch)
9783668487086
Dateigröße
528 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v370606
Institution / Hochschule
Universität der Bundeswehr München, Neubiberg – Institut für Politikwissenschaft
Note
2,0
Schlagworte
Volksparteien CDU SPD funktionale Merkmale strukturelle Merkmale Volk Innenpolitik vergleichende Regierungslehre Stimmanteil Wahl CSU BRD Deutschland ADAV FDP SAP SDAP sozial christlich Kanzler Mitglieder Wähler Niedergang Partei Großpartei Basis Wahlen Ausgleich Parteiorganisation Regierung

Autor

Zurück

Titel: Gibt es in Deutschland noch Volksparteien im traditionellen Sinn?