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Krafttraining in der Rehabilitation in der medizinischen Trainingstherapie am Bsp. von Kreuzbandrupturen

Hausarbeit (Hauptseminar) 2005 19 Seiten

Sport - Sportmedizin, Therapie, Prävention, Ernährung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Der Patient zwischen Operation und Rehabilitation

2. Rehabilitative Maßnahmen aus Sicht des Mediziners
2.1. Vorwort
2.2. Die MTT in ihrer Anwendung aus Sicht des Mediziners
2.3. Rehabilitationsmodelle mit Hilfe von Krafttrainingsmaßnahmen

3. Fazit

4. Literaturverzeichnis

1. Der Patient zwischen Operation und Rehabilitation

Die Rehabilitation nach einer Kreuzbandverletzung kennt verschiedenste Ansätze. So gestalten sich die Maßnahmen schon bei den einzelnen physiotherapeutischen Behandlungsmethoden sehr unterschiedlich. Während einige Therapiemaßnahmen eher auf einer „sanften Behandlung“ basieren, Hinzu kommen noch die unterschiedlichen Auffassungen der Mediziner, so dass kein einheitliches Rehabilitationsprogramm existiert. Das liegt unter anderem an fehlenden Forschungsergebnissen und so gibt es für den Kreuzbandverletzten mehrere Behandlungsmethoden denen er sich stellen könnte, wenn er wüsste wie viele Varianten vorhanden wären, wobei man von keiner behaupten kann, dass sie die optimale Genesung fördert.

Die Zahl der kreuzbandverletzten Patienten ist nicht gering, so sollte man gerade annehmen dass ein einheitliches Verfahren zur Rehabilitation entwickelt wurde. Um die Anzahl der bei Sport-, und Verkehrsunfällen am Kniegelenk verletzten Personen einmal zu beziffern, lassen sich Zahlen von 15-30% von allen Verletzungen statistisch errechnen. In 30-85% ist dabei das vordere Kreuzband betroffen, wobei das vordere Kreuzband etwa 5-10 Mal häufiger beschädigt wird als das hintere.[1]

Der typische vordere Kreuzbandriss hat meistens sportliche Aktivitäten zur Ursache, die in Risikogruppen eingeteilt werden können. So sind Sportarten, wie Fußball, Tennis, Squash, Football und Abfahrtski als Aktivitäten mit hohem Verletzungsrisiko charakterisiert, wobei Langlauf oder Bergsteigen eher Sportarten mit geringem Risiko sind. Das Laufen und Radfahren fördert dabei sogar die Gesundheit der Kniegelenksbänder.

Kommt es dann jedoch zu einer Verletzung, so zieht dies meist weitere Folgen mit sich. Damit sind mögliche Begleiterscheinungen gemeint, die zusätzlich zu einem Kreuzbandriss auftreten können, wie die Meniskus-, oder Seitenbandverletzungen.[2] Diese sind im Gegensatz zu der Kreuzbandruptur schneller abgeheilt, so dass eine Rehabilitation bei derartigen Schäden frühzeitiger zum Einsatz kommen kann.

Bei allen Kniegelenksschäden tritt als Folgeerscheinung eine Atrophie der Oberschenkelmuskulatur, durch die eingeschränkten Bewegungs-, und Belastungs-möglichkeiten, ein. Eine solche ist aber von Patient zu Patient unterschiedlich und von mehreren, individuellen Faktoren abhängig. Auf der einen Seite sind das die medizinischen Faktoren, wie das Alter der Verletzung, die Art der Behandlung, also entweder operativ oder konservativ, die Dauer der Immobilisation, Gelenkergüsse und Schmerzen, zusätzliche beteiligte Verletzungen wie Knochenaußenrisse o. ä., sowie der Muskelfasertyp. Auf der anderen Seite findet man die interindividuellen persönlichen Eigenschaften des Menschen, wie das Alter, das Geschlecht und den Trainingszustand beim Auftreten der Verletzung.

In der folgenden Abbildung sind sowohl die Verletzungsformen dargestellt, die eine Muskelatrophie hervorrufen, als auch die Nebenfolgen der Muskelatrophie. Das ganze ist nicht weiteres als ein unüberwindlicher Kreislauf, der bei einer Kreuzbandruptur meistens auftritt. So muss auch der Physiotherapeut bei der rehabilitativen Behandlung auf Knorpelschäden, Ergüsse oder Schmerzen, aber auch das Alter, Geschlecht, die Schwere der Verletzung, Zusatzverletzungen und die berufliche, sowie private Belastungssituation des Patienten berücksichtigen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten[3]

Die Muskelatrophie ist nichts anderes als die Verringerung der Muskelmasse mit einer Abnahme des Muskelquerschnittes.[4] Dabei nimmt aus biomechanischer Sicht, die Proteinsynthese und die aerobe Kapazität des Muskels ab, sowie die Volumendichte der Myofibrillen und die Größe der Sarkomere und Mitochondrien aus Sicht der Zellstruktur.[5]

Dies kann in der ersten postoperativen Woche eine Kraftabnahme von bis zu 50% des Ausgangsniveaus bedeuten, wenn das verletzte Bein nicht bewegt wird und daher sollte in der Rehabilitation so früh wie möglich mit der Mobilisation des Kniegelenks begonnen werden. Untersuchungen haben gezeigt, dass Patienten ihr Kraftniveau, selbst durch Training, welches wahrscheinlich jedoch erst zu spät begonnen wurde, auch nach 12-18 Monaten ihre ursprünglichen Kraftfähigkeiten um 10-20% verfehlten und noch nicht wieder erreichten.

Durch solche Untersuchungsergebnisse kommen die Wissenschaftler nun nach und nach zu dem Entschluss, ein längeres Ruhigstellen des operierten Beines zu vermeiden, da die Wahrscheinlichkeit des Auftretens der beschriebenen Immobilisationsschäden mit diese Methode zu hoch ist. Durch folgende Aussage wird die Frage nach der schnellen oder konservativen Nachbehandlung deutlich: „Der Muskel ist bei der Entstehung eines bestehenden Gelenkschadens ebenso maßgeblich beteiligt, wie dieses selbst. Man könnte viele kranke Gelenke funktionell retten, wenn man in den hierfür entscheidenden Frühstadien auch ihn (d.h. den Muskel) entsprechend behandeln würde.“[6]

Noch bevor man die Beugefähigkeit des operierten Kreuzbandes wiederhergestellt hat, sollte man an die 90% des atrophisierten Muskels rehabilitiert haben, damit keine Folgeschäden auftreten, die sehr vielseitig sein können. So könnte es erneut zu Ergüssen, Störungen im Bewegungsablauf, Knorpelschäden oder sogar zur Arthrose kommen.

Doch solche Folgeschäden sollten gar nicht erst auftreten, was größtenteils vermieden werden kann, wenn Therapiekonzepte vom Patienten gewählt werden, die nach modernem Standard ausgerichtet sind und ein Modell beinhalten das auf Krafttraining basiert.

2. Rehabilitative Maßnahmen aus Sicht des Mediziners

2.1. Vorwort

Das medizinische Aufbautraining (MAT), welches auch als die Medizinische Trainingstherapie (MTT) bezeichnet werden kann, existiert seit 1967 und geht auf den norwegischen Physiotherapeuten Holten zurück.[7] Was hat man sich nun unter diesen Begriffen vorzustellen? Da beide die gleiche Behandlungsform beschreiben, wird in den weiteren Ausführungen nur der Begriff der MTT benutzt und dieser stellt nichts anderes als eine Therapieform dar, welche das Erlernen von physiologischen Bewegungsabläufen für den Alltag, die Arbeit und den Sport unterstützt. Durch ein funktionelles Training wird immer das Hauptziel angestrebt, dass individuell möglichste Bewegungsmaß des Patienten nach der Kreuzbandoperation wiederzuerlangen. Weitere allgemeine Ziele sind das Beherrschen der Alltagsbewegungen, das Erreichen von Schmerzfreiheit, sowie die Verbesserung der Belastungs-, und Leistungsfähigkeit. Es erfordert eine spezielle Trainingstherapie, wenn der Patient seine optimale berufliche Arbeitsfähigkeit oder das sportliche Leistungsvermögen wiedererlangen möchte.[8] Die Trainingserfolge kann man anhand von Funktions-, Gewichts-, oder Volumenveränderungen von Organen erkennen oder durch verschiedene Tests, die auch Eigenbefinden des Patienten ermitteln können.

Damit Therapieerfolge erzielt werden können, wurden die so genannten Rumba Regeln formuliert, die eine Art Zielvereinbarung zwischen Therapeuten und Patienten darstellen. So setzt sich der Begriff Rumba aus folgenden Schlagwörtern zusammen: „Relavant, Understandable, Measurable, Behavioral, Attainable.“ So bezieht sich die erste dieser Regeln darauf, dass die Therapieziele sowohl für den Patienten und auch den Therapeuten oberste Priorität besitzen und im Therapieprozeß subjektiv nicht an Bedeutung verlieren dürfen. Mit dem Begriff Understandable ist die Verständlichkeit und Nachvollziehbarkeit der Ziele für beiderlei Seiten gemeint. Measurable meint, dass die Ziele quantifizierbar und messbar sein müssen, damit man Teilerfolge und weiteres dem Patienten verdeutlichen kann. Der Begriff Behavioral bedeutet nichts anderes, als das die ausgewiesenen Ziele auch beeinflusst werden können. Denn es kann durchaus vorkommen, dass bestimmte Ziele während der Therapie einfach nicht zu erreichen sind und dann sollte der Therapeut die Anforderungen einfach etwas zurücknehmen. Kaum etwas anderes ist mit dem Wort Attainable gemeint, was besagt, dass die Ziele innerhalb der Rehabilitation erreichbar sein müssen.[9]

[...]


[1] vgl.: http://webdoc.sub.gwdg.de/diss/2004/gropengiesser/gropengiesser.pdf, 18.03.05

[2] Vgl.: www.katharinenhospital.de , 06.11.04

[3] Eigenentwurf, siehe Textbeschreibung

[4] Röthig, P. (Hrsg.) (19926): Sportwissenschaftliches Lexikon, Schorndorf: Verlag Hofmann

[5] Barth, J. A.(1987): Sportmedizinische Grundlagen der Körpererziehung und des sportlichen Trainings, Johann Ambrosius Barth: Leipzig, S. 34

[6] Horn, H-G./Steinmann, H-J. (2001): Medizinisches Aufbautraining, München/Jena: Urban&Fischer Verlag, S.38

[7] Vgl.: Kunz, M/ Koll, R./ Droste, S.: Medizinisches Aufbautraining- MAT. Grundlagen und praktische Anleitung für die Fortbildung. Gesundheits-Dialog Verlag GmbH, Oberhaching, 1995, S. 8

[8] Vgl.: Ebd.: Medizinisches Aufbautraining- MAT. Grundlagen und praktische Anleitung für die Fortbildung. Gesundheits-Dialog Verlag GmbH, Oberhaching, 1995, S. 10-12

[9] Vgl.: Mellerowicz, H.: Naturgesetzliche Grundlagen des Trainings, in: Hollmann, W. (Hrsg.) Zentrale Themen der Sportmedizin, Berlin/Heidelberg/New York/Tokio, Springer Verlag 1996, S.310-323

Details

Seiten
19
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638365130
Dateigröße
734 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v37060
Institution / Hochschule
Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg – Institut für Sportwissenschaften
Note
3+
Schlagworte
Krafttraining Rehabilitation Trainingstherapie Kreuzbandrupturen Gesundheitsorientiertes

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Titel: Krafttraining in der Rehabilitation in der medizinischen Trainingstherapie am Bsp. von Kreuzbandrupturen