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Funktionale Analyse von Innovationssystemen

Erkenntnisgewinn durch Analyse von Fehlschlägen in Unternehmen

Hausarbeit (Hauptseminar) 2014 13 Seiten

Umweltwissenschaften

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Analyse von Innovationssystemen

3. Widerstände und Scheitern
3.1 Allgemein
3.2 In Innovationssystemen

4. Widerstände und Scheitern als Bestandteil von Innovationsprozessen

5. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Eine Innovation kann wie folgt definiert werden:

„Die Erzeugung und Umsetzung von Neuerungen wie die Schaffung neuer Produkte oder die Verbesserung vorhandener Produkte (Produktinnovation), die Entwicklung neuer Produktions- und Herstellungsverfahren oder die Einführung neuer Methoden der Organisation und des Managements sowie die Erschließung neuer Kundenkreise und Absatzmärkte (Prozessinnovation oder Verfahrensinnovation). […].“(Duden Wirtschaft von A bis Z 2013).

Innovationen und deren Systeme sind von hoher Wichtigkeit für den Fortschritt eines Landes. Sie können von politischen Akteuren aktiv beeinflusst werden. (vgl. Bangemann 2014) „Wissenstransfer“ ist dabei ein entscheidender Faktor für den Erfolg von Innovationssystemen auf regionaler Ebene. Am Beispiel von Dänemark und Schweden kommt Bangemann allerdings zu dem Schluss, dass eine Übertragbarkeit von politischen Maßnahmen oder Institutionen auf andere Länder nicht ohne weiteres möglich ist, da Innovationssysteme an bestehende politische Gegebenheiten angepasst werden müssen. (vgl. ebd.: 7f.)

Um eine Übertragbarkeit von erfolgreichen Innovationsprozessen (IP), also der Art und Weise wie sich eine Innovation entwickelt, auf andere Länder zu gewährleisten, wird oft versucht, die Eigenschaften von Innovationen und deren Systemen zu verallgemeinern (vgl. Bergek et al. 2008: 408). Hierzu besteht gerade für politische Entscheidungsträger ein großer Anreiz, da ihnen ein praktisches Framework zur Steuerung und Gestaltung von lokal angepassten Innovationsprozessen fehlt (vgl. Edquist 2004; Klein Woolthus et al. 2005 zit. n. Bergek et al. 2008: 408).

Wie dieses Ziel möglicherweise mit einem anderen Ansatz beantwortet werden kann, wird anhand der Frage, inwieweit aus fehlgeschlagenen Innovationen Erkenntnisse für nachfolgende Innovationsprozesse abgeleitet werden können, versucht zu klären.

Es wird zunächst eine Möglichkeit aus der Literatur erläutert, wie Innovationssysteme analysiert werden können.

Danach wird angelehnt an (Schewe und Becker: 2009), am Beispiel von kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU) gezeigt, dass Innovationsprozesse Auswirkungen auf viele verschiedene an der Innovation beteiligte Menschen haben und es demnach nicht immer sinnvoll ist, diese Prozesse zu verallgemeinern. Hierfür wird der Begriff „Scheitern“ in die Diskussion eingebracht. Denn Erfolg kann aus dem idealerweise im Innovationssystem ablaufenden Lernprozess generiert werden, welcher oft aus dem „Scheitern“ an Aufgaben resultiert.

Abschließend wird die Bedeutung dieser Prozesse des Scheiterns auf die Analyse von Innovationssystemen gezeigt und verdeutlicht, was Entscheidungsträger bei der Suche nach einem allgemeingültigen Leitfaden für erfolgreiche Innovationen beachten müssen. Hier wird deutlich, dass aus Scheitern gewonnenes Wissen von allen Akteuren gleichermaßen für eine Verbesserung nachfolgender Innovationsysteme verwendet werden kann.

2. Analyse von Innovationssystemen

Um zu verstehen wie Innovationssysteme (IS) funktionieren, werden unterschiedliche Methoden zur Analyse von IS und ihren Bestandteilen, den Innovationsprozessen, angewendet (vgl. Carlsson et al. 2002). Diese Methoden helfen die Dynamik von IS zu analysieren, um Schlüsselfaktoren für gelungene Innovationsprozesse herauszufinden (vgl. Bergek et al. 2008).

Alternativ können auch erfolgreiche Entwicklungen von Volkswirtschaften und deren IS betrachtet werden, um technologische IS und ihre Auswirkungen besser verstehen zu können (vgl. Carlsson, Stankiewicz 1991) oder um „die Bedeutung von Innovationen […] für die Außenhandelstheorie -und Politik“ (Hasse und Mora 2004: 18) zu untersuchen.

In vorliegender Arbeit werden IP und IS nicht in Zusammenhang mit großskaligen makroökonomischen Systemen wie Volkswirtschaften, Politik oder Außenhandelsbeziehungen betrachtet. Vielmehr wird ein Versuch unternommen, durch einen Fokus auf die Wurzeln von Problemen bei Innovationen, eine Basis für die Erstellung eines allgemeingültigen und praktisch einsetzbaren Frameworks, beispielsweise für politische Entscheidungsträger, zu schaffen. Diese Probleme von Innovationen sind oft auf mikroökonomischer Ebene in KMU zu finden, denn diesen fehlen häufig die nötigen Mittel und Methoden Innovationen erfolgreich hervorzubringen (vgl. Schewe und Becker 2009: V f.).

Um eine Brücke zwischen diesem, mikroökonomischen, Ansatz und den genannten Verknüpfungen zwischen IS und großskaligen makroökonomischen Systemen zu ziehen, wird die Idee der funktionalen Analyse von Innovationssystemen (vgl. Bergek et al. 2008) verwendet, da diese bereits indirekt Probleme als nicht zu vernachlässigendes Hindernis von Innovationsprozessen versteht (vgl. Abbildung 1).

Die in dieser Arbeit verwendeten Begriffe, werden in der Literatur oft heterogen verwendet (vgl. Bergek et al. 2008: 407 f.), weshalb sie an dieser Stelle nochmals definiert werden müssen.

Ein System wird verstanden als „a group of components (devices, objects or agents) serving a common purpose, i.e. working towards a common objective or overall function.“ (Bergek et al. 2008: 408), welches die Systemkomponenten „the actors, networks and institutions contributing to the overall function of developing, diffusing and utilizing new products (goods and services) and processes“ (ebd.: 408 f.) einschließt.

Das Scheitern dieser Systeme wird wiederum als „nicht erfolgreiche Stabilisierung neuer Entscheidungsprämissen in Organisationen“ (Rückert-John 2014: 198) definiert. Es bedeutet demnach auch „ein angestrebtes Ziel o. Ä. nicht erreichen, keinen Erfolg haben“ (Duden 2014: „Scheitern“). In diesem Zusammenhang kann die oben beschriebene Definition von Innovationen um den Begriff der Kreativen Zerstörung oder „creative destruction“ (Aghion und Howitt 2006: 272) erweitert werden. Dies beschreibt die Abkehr von bisherigen Werten & Strukturen und wurde durch den Ökonom Joseph Schumpeter geprägt (vgl. ebd.: 272).

Wie oben erwähnt, kann durch eine funktionale Analyse von IS ein Verständnis für den Ablauf und die Dynamiken von IS kommuniziert werden. In Abbildung 1 wird deutlich, dass Bergek et al. (2008) dabei zunächst die Strukturen von IS betrachten, um dann Schlüsselprozesse „key processes“ oder „functions“ (ebd.: 408) zu identifizieren, welche letztendlich den Output von IP bestimmen. Hierfür werden die Prozesse innerhalb des jeweiligen IS möglichst stark abstrahiert, um eine gute Übertragbarkeit auf andere IS erreichen zu können.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1 Funktionale Analyse von IS nach Bergek et. al 2008: 411

Nach der Methodik von Bergek et al. (2008) werden zunächst die Systemgrenzen des betreffenden IS genau definiert, um im Folgenden die strukturellen Komponenten definieren zu können. Hieraus werden „Funktionen“ abgeleitet, welche beispielsweise die Zusammensetzung des Marktes oder die Legitimation der Innovation repräsentieren. Diese Funktionen werden mit „Blockierungsmechanismen“ verknüpft. Diese Mechanismen stellen wiederum Eigenschaften der Funktionen dar, welche für eine Abschwächung oder ein Scheitern der IP verantwortlich sein können. Letztendlich werden hieraus Maßnahmen entwickelt, welche die Blockaden lösen und zum Erfolg des IS beitragen können. (vgl. ebd.: 411)

Um aus diesem Ansatz ein in der Literatur gefordertes praktisches Framework zu erstellen (vgl. ebd.: 408) werden bei Bergek et al. (2008) die strukturellen Komponenten von IP generalisiert. Es wird argumentiert, dass auf diese Art und Weise eine Übertragbarkeit auf andere IS gewährleistet werden soll.

[...]

Details

Seiten
13
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783668478282
ISBN (Buch)
9783668478299
Dateigröße
609 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v370587
Institution / Hochschule
Universität Osnabrück – Institut für Umweltsystemforschung
Note
1,3
Schlagworte
Funktionale Analyse Innovationen Innovationssysteme Scheitern Lernen Unternehmen Wirtschaft Innovation Erfolg Funktion

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Titel: Funktionale Analyse von Innovationssystemen