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Beginnender Ost-West-Konflikt und Gründung der DDR. Bis wann war die Teilung Deutschlands vermeidbar?

Hausarbeit (Hauptseminar) 2017 19 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Neueste Geschichte, Europäische Einigung

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung
a. Herleitung und Fragestellung
b. Methodisches Vorgehen
c. Aufbau der Arbeit
d. Theoretischer Hintergrund
e. Forschungsstand
f. Definitionen

2. Das Auseinanderdriften der großen Blöcke – ein etappenweises Entfernen
a. Schlüsselmomente/ Parameter

Konferenz von Casablanca

Konferenz von Jalta

Konferenz von Potsdam

Londoner Außenministerkonferenz/ Ministerpräsidentenkonferenz

Bizone/ Trizone

Währungsreform und Wirtschaftshilfe

Berlinblockade/ Luftbrücke

Gründung der BRD/ DDR

b. Zusammenfassung

3. Bis wann war die Teilung Deutschlands vermeidbar?

4. Konklusion

5. Bibliographie

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

a. Herleitung und Fragestellung

[1] „Selten waren die Schwierigkeiten, ein historisches Phänomen zu identifizieren, so groß wie im Falle jenes Konfliktes, für den sich der Begriff ‚Kalter Krieg‘ eingebürgert hat“ (Loth 1983: 155). Die hier von Loth aufgegriffene Problematik der Spezifizierung eines historischen Konflikts ist, trotz der Klarheit einer bipolaren Situation, unumstritten, da „die Vorstellungen über die Zukunft Deutschlands in den vier Besatzungszonen weit auseinander [gingen]“ (Benz 2005: 40). Das Resultat – ein geteiltes Deutschland – war ebenso wenig determiniert wie das Nichtausbrechen des Kalten Krieges, welcher Sinnbild für die machtpolitischen Auseinandersetzungen zweier Großmächte ist. „Wo die Bundesrepublik endete, war [damit] keine Entscheidung der Deutschen, sondern ein Ergebnis des amerikanisch-sowjetischen Gegensatzes“ (Geppert 2012: 1), was die Bedeutung dieser Thematik hervorhebt, denn wo/ wann sie begann, war auch keine Entscheidung der Deutschen.

Die anfängliche Allianz im Kampf gegen den gemeinsamen Feind Hitler wurde sukzessive zur gegenseitigen Feindschaft in Ermangelung einer gemeinsamen Richtung. Fraglich ist jedoch, ab wann der Konflikt gegenseitiger Systeme in dem Maße eskaliert war, dass eine Teilung Deutschlands unvermeidlich wurde. Dieser Vorgang soll Gegenstand dieser Arbeit sein, da nicht der verlorene Krieg zur Teilung Deutschland führte, sondern vielmehr der Beginn des Kalten Krieges.

b. Methodisches Vorgehen

Da es in dieser Arbeit besonders um die Streitfrage gehen soll, ob, respektive bis wann die Teilung Deutschlands hätte verhindert werden können, ist die Methode der Hermeneutik (vgl. Freytag/ Piereth 2009: 109) nicht ausreichend, da sie schlichtweg Sinnzusammenhänge begreift und erklärt sowie durch Vorwissen auf Verständnis baut. Aus diesem Grund kommt der, zugegebenermaßen etwas in die Jahre gekommene, Ansatz des Historismus zum Einsatz, da ein zentraler Gedanke dieser Methode ist, der Geschichte gegenüber aufgrund des eigenen Wissens über den Ausgang derselben nicht ungerecht oder voreingenommen zu sein, sondern vielmehr mithilfe von Quellen eine Rekonstruktion anzustreben, um zu fragen, „wie es ´eigentlich gewesen ist´“ (Freytag/ Piereth 2009: 109). Unterstützt wird dieser Ansatz durch Mols, der festhält, dass eine Analyse nur unter Beachtung des Aspekts der „Prägung politisch-theoretischen Denkens durch die jeweils erfahrene historische Epoche“ (2006: 36) sinnhaft ist. Durch dieses Herangehen wird in der Arbeit besonderen auf das Historische unter dem Gesichtspunkt des entstehenden Ost-West-Konflikts Wert gelegt, dessen friedvoller Ausgang seinerzeit keineswegs selbstverständlich war. Die Untersuchbarkeit wird dabei durch Parameter sichergestellt.

c. Aufbau der Arbeit

Um die Fragestellung nach der Vermeidbarkeit einer Teilung Deutschlands adäquat beantworten zu können, sollen nach der Einleitung im Hauptteil zuerst Schlüsselmomente durch deskriptive Aufarbeitung gefunden werden, anhand welcher eine Analyse der Thematik und folglich eine Beantwortung der Forschungsfrage erfolgen kann. Abschnitt 2b geht dabei nochmals auf den Konflikt des Kalten Krieges, bzw. der Differenz der großen Mächte ein, um für Kapitel drei das Verständnis mit Blick auf die Methode zu schärfen. Mit deren Hilfe soll hier die Forschungsfrage mit Blick auf Methode, Historie und Empirie beantwortet werden, was durch einen Vergleich zwischen geschichtlichen Gegebenheiten und logischen Überlegungen sowohl analytisch als auch deskriptiv und logisch erfolgt.

d. Theoretischer Hintergrund

In Ermangelung einer theoriebezogenen Fragestellung wird diese Arbeit nur unter dem Aspekt des theoretischen Hintergrunds verfasst. Sie ist hierbei der kritisch-dialektischen Theorie angelehnt (vgl. Mols 2006: 50), welche im Sinne der kritischen Friedensforschung Ideologie klar mit einbezieht und die (bspw.) Rational Choice Theorie dabei, und vor allem mit Blick auf den vorliegenden Ost-West-Konflikt, Lügen straft. Mit Blick auf den von H. Morgenthau verfassten realistischer Ansatz wird das System internationaler Beziehungen dabei als Anarchie verstanden, bei welcher Staaten vor allem nach Machterhalt und Machterwerb ausgerichtet sind (vgl. Deitelhoff/ Zürn 2013: 389). Überdies muss konstatiert werden, dass der ablehnenden Annahme Mols, die kritisch-dialektische Politikwissenschaft habe die Schwachstelle, dass „der Kontingenzcharakter von Geschichte verloren [ginge]“ (Mols 2006: 52) widersprochen werden darf, da ein ideologisch geprägter Konflikt zweifelsohne und nur durch die Betrachtung der Ideologie an sich analysiert werden kann. Die bereits erwähnte Rational Choice Theorie könnte dies aufgrund ihres vollkommen wertneutralen und rein logischen Herangehens nicht im Ansatz leisten. Überdies ist eine Orientierung an normativen Ansätzen aufgrund der Fragestellung nicht erforderlich (vgl. Lauth et al. 2014: 100).

e. Forschungsstand

Der Forschungsstand der Thematik ist ebenso vielseitig wie die Meinungen und Untersuchungen über den Kalten Krieg selbst. Das methodische Vorgehen und den theoretischen Ansatz betrachtend müssen zuerst zeitgenössische Beiträge beleuchtet werden, für welche Schwarz ein Beispiel der Sicherheitspolitik ist (vgl. Schwarz 1976: 465-554) und auch, im weiteren Sinne und mit Blick auf den Ostblock, Hacker 1983, welcher eine Übersicht von 1939-1980 liefert und auch auf Voraussetzungen zur Entstehung eingeht. Im Sinne der Dokumentenanalyse kann ebenso Erich Honecker als Beispiel der Ostpolitik genannt werden, wie Dokumente der ‚Gruppe Ulbricht‘ (vgl. Keiderling 1993) oder das DDR Handbuch von Zimmermann et al. (1985), was allerdings in dieser Arbeit aufgrund der speziellen Herangehensweise keine Verwendung findet. Während Ritter (1998) vor allem auf das Vonstattengehen des Wiederaufbaus, die Entnazifizierung, die Wirtschaft und das Schulwesen im Detail eingeht, betrachtet Jesse besonders den Systemwandel (vgl. Jesse 2013, Kapitel 5), ebenso wie Wolfgang Benz, in Fragen der Demokratiewerdung (2010). Für die militärische Geschichte kann Jeremy Black (2015) als wegweisend genannt werden, der besonders die internationale Dimension des Konflikts herausarbeitet. Leitwerke der Chronologie (vgl. Emmerich et al. 2013) sowie einer dokumentenbasierten Chronologie[2] mit Schwerpunkt auf innerdeutschem Dialog wurden unter anderem von Manfred Overesch (1974) vorgelegt, welche das Vorgehen dieser Arbeit ebenso unterstützten wie das generelle thematische Verständnis. Im Weiteren wird der Kalter Krieg aus verschiedenen Perspektiven von Leffler und Westad (2010) dargestellt, die in der Reihe ‚Cambridge History‘ ein umfassendes Standardwerk vorgelegt haben. Als nicht minder wichtiges Standardwerk bezüglich des geschichtlichen Hintergrunds der deutschen Nation bleibt Winkler (2005) zu nennen, ebenso wie bezüglich der Geschichte des Kalten Krieges generell Winkler (2014). In der modernen Forschung darf noch die Bundeszentrale der politischen Bildung nicht unerwähnt bleiben, die in ihrer Zeitschrift ‚Informationen zur politischen Bildung‘ (z.B. Geschichte der DDR (3/ 2011), Geschichte der Sowjetunion (2/ 2014), oder Deutschlands (259/ 2005)) einen anschaulichen Einblick in die Geschichte gewährt. Auf die Analyse von Kontroversen im Sinne der Forschung muss an dieser Stelle aufgrund des schieren Umfangs verzichtet werden. Diese sind mithin auch nicht von Relevanz für das Ergebnis der Arbeit.

f. Definitionen

Wenngleich Hans-Joachim Lauth und Ruth Zimmerling die Unterscheidung zwischen international und intergouvernemental herausstellen (vgl. Lauth/ Zimmerling 2006: 143), soll für die vorliegende Arbeit beim Begriff international nicht zwangsläufig die Beteiligung mehrerer Staaten, sondern lediglich der intergouvernementale Charakter einer bi- oder multipolaren Beziehung ausgedrückt werden. Die Unterscheidung, ob nun zwei oder mehrere Staaten beteiligt sind, ist nicht von Relevanz. Ebenfalls wird, der Länger dieser Arbeit geschuldet, keine Unterscheidung zwischen der systemischen und der subsystemischen Ebene getroffen (vgl. Lauth/ Zimmerling 2006: 145).

Aus Gründen der einfacheren Lesbarkeit wird sowohl auf die in der Literatur erwähnte genaue Spezifizierung der Terminologie zwischen DDR, SBZ, Zone oder »so genannte DDR« verzichtet als auch auf eine permanente geschlechtsneutrale Sprache. Mithin sind natürlich im Falle einer einfachen Nennung beide Geschlechter gemeint.

2. Das Auseinanderdriften der großen Blöcke – ein etappenweises Entfernen

Die eingangs erwähnte Feindwerdung der ehemaligen Kriegsallianz ist bereits im Voraus jedweder Untersuchung als Konflikt zweier Großmächte zu identifizieren, deren Machtstreben den Konflikt überhaupt erst generierten. „Das Verhältnis von Konflikt und Gewalt ist [dabei] mehrdimensional und erst aus ihren wechselseitigen Bezügen lassen sich letztlich jene Zutaten isolieren, die bestimmte Konfliktursachen und Konfliktdynamiken explosiv werden lassen“ (Chojnacki/ Namberger 2013: 501). Aus diesem Grund werden, um die Forschungsfrage beantworten zu können, Parameter zur Prüfung aufgestellt, die im Sinne der Herangehensweise Schlüsselszenen sind, welche das Auseinanderdriften der Machtblöcke veranschaulichen und in retrospektiver Betrachtung am Ende der Arbeit die Beantwortung der Forschungsfrage ermöglichen. Die Auswahl der Schlüsselszenen erfolgt durch Analyse der Chronologie des Aufeinandertreffens der »großen Drei«.

a. Schlüsselmomente/ Parameter

Konferenz von Casablanca

Während der Konferenz von Casablanca, bei welcher die Sowjets nicht vertreten waren, debattierte man die gemeinsame Strategie gegen Hitlerdeutschland. „In bezug [sic!] auf die Demokratisierungspolitik formulierte Präsident Roosevelt nach der Konferenz von Casablanca Mitte Februar 1943 einen Satz, der bis heute zu den amerikanischen Grundüberzeugungen gehört: Jede Nation, die über ihre Regierungsform frei entscheiden könne, würde eine deutsche oder japanische Diktatur ablehnen“ (Besier/ Lindemann 2006: 168). In diesem Sinne schlossen sich die Sowjetunion der amerikanischen und britischen Forderung nach einer bedingungslosen Kapitulation Deutschlands an (vgl. Jesse 2013: 78), was unterstreicht, dass die spätere Feindschaft während der Existenz Hitlers noch keine solche war. Man zog sprichwörtlich an einem Strang und versuchte, Europa zu befrieden.

Konferenz von Jalta

In Jalta schließlich hatte sich „die Anti-Hitler-Koalition auf Grundzüge einer europäischen Nachkriegsordnung und eine Reihe von Regelungen für die Behandlung Deutschlands verständigt“ (Deutscher Bundestag 1991: 344). Der Alliierter Kontrollrat wurde im Sinne einer koordinierten Führung in Verbindung mit den Besatzungszonen geschaffen und es herrschte auch noch Einigkeit bezüglich der Zielen und des weiteren Vorgehens. Demnach einigten sich „Die großen Drei“ (Jesse 2013: 78) unter anderem auf die Entnazifizierung und die Aufteilung Deutschlands, da „das Sicherheitsbedürfnis vor Deutschland groß [war]“ (Jesse 2013: 78). Es handelte sich somit um gemeinsame Idee der Zerstückelung Deutschlands (vgl. Hacker 1983: 258), welche kollektiv getragen wurde. „Im übrigen [sic!] aber erschöpft sich die Einigkeit der Siegermächte in dem bloßen Willen, für die Zukunft jede Gefahr eines erneut von Deutschland ausgehenden Krieges auszuschließen und das nationalsozialistische Regime restlos zu beseitigen“ (Deutscher Bundestag 1991: 344). Im Folgenden gilt es „für die weitere Entwicklung und spätere Einbeziehung der SBZ/ DDR in den sowjetischen Machtbereich […] festzuhalten, daß es Stalin war, der im Frühjahr 1945 einen jähen Gesinnungswandel vollzog und alle zuvor erörterten Pläne […] kompromisslos verwarf“ (Hacker 1983: 258). Demnach wackelte die Allianz bereits in Jalta, da Stalin „auf diese Weise […] vermeiden [wollte], dass die Westmächte einen dominierenden Einfluss in der Mitte Europas gewännen“ (Geppert 2012: 3). Es kann folglich gesagt werden, dass „schon sehr bald nach dem Niederringen des gemeinsamen Feindes […] der schon vor dem Krieg schwelende Konflikt zwischen der […] sowjetisch-kommunistischen und der […] demokratischen Weltanschauung in aller Heftigkeit wieder auf[brach]“ (Vierecke at al. 2010: 211). „[Es] offenbart sich [daher] das Bild einer widersprüchlichen Politik, die sich mehrere Optionen offenhielt: Offiziell […] wurde die Einheit Deutschlands beschworen, praktisch sorgte die SMAD zielstrebig dafür, dass die politischen und sozialen Strukturen in der SBZ schnell nach sowjetischem Vorbild umgeformt wurden“ (Malycha 2011: 5). Von der Sicherheit einer Teilung Deutschlands kann jedoch in Ermangelung stichhaltiger Beweise noch keine Rede sein. Lediglich die Spannungen zwischen den beiden Großmächten wurden intensiviert und das Verfolgen eigener Ziele visiert.

Konferenz von Potsdam

Bei der Potsdamkonferenz wurden weitere Eckpunkte der Aufteilung Deutschlands in vier Zonen sowie die Grundlegung einer politischen Richtung festgelegt (vgl. Geppert 2012: 3). Allerdings sind „auch [diese] […] Vereinbarungen […] vielfach lediglich vage Umschreibungen der differierenden Zielvorstellungen. Sie können die fortbestehenden massiven Interessensgegensätze kaum überdecken. Der Alliierte Kontrollrat erwies sich deshalb bald in den meisten Fragen als entscheidungsunfähig“ (Deutscher Bundestag 1991: 344). Die Teilung Deutschlands kann somit bereits hier als eingeleitet betrachtet werden, da man es selbst mit dem Alliierten Kontrollrat und der kritischen Frage der von deutschem Boden ausgehenden Sicherheit nicht schaffte, sich auf ein gemeinsames Vorgehen zu verständigen (vgl. Deutscher Bundestag 1991: 344). Beispielhaft kann die Bodenreform der Sowjets angeführt werden, welche den Ansichten der Amerikaner ebenso widerstrebte, wie der „Aufbau einer bewaffneten ‚Volkspolizei‘, die Verstaatlichung der Schwer- und Schlüsselindustrie, eine Schulreform […] sowie […] die Zwangsfusionierung der KPD mit der sozialdemokratischen Partei (SPD) zur Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED)“ (Geppert 2012: 3). Wenngleich bereits hier das Konfliktpotential festgestellt werden kann, ist dies jedoch im Sinne der Forschungsfrage noch kein finaler Bruch, da nach wie vor Konferenzen stattfanden und im Alliierten Kontrollrat weiterhin zusammengearbeitet wurde.

Londoner Außenministerkonferenz/ Ministerpräsidentenkonferenz

„Angesichts der in London deutlich gewordenen aussichtlosen Verhandlungssituation und der französischen Widerstände gegen einen Ausbau der Bizone begannen im Februar 1948 in London Sechsmächte-Gespräche […] über eine längerfristige Deutschlandpolitik. Sie wurden zum Ausgangspunkt für das Auseinanderbrechen des Alliierten Kontrollrats und schließlich für den ersten Höhepunkt des Kalten Krieges, die Berlin Blockade“ (Kleßmann 1991: 188). Doch auch von deutscher Seite erhob sich Widerstand gegen die bevorstehende Teilung. So kann die von Ministerpräsident Ehard initiierte Münchner Ministerpräsidentenkonferenz als „Versuch [gesehen werden], der Separatstaatenentwicklung entgegenzuwirken und durch politische Initiativen den gesamtnationalen Zusammenhalt zu unterstreichen“ (Kleßmann 1991: 187). Diese Konferenz blieb leider, ebenso wie die Londoner Außenministerkonferenz, ohne nennenswerten Erfolg, da vorab schon eine politische Diskussion durch die Siegermächte untersagt wurde. Die Länder der SBZ reisten vorzeitig ab, was erneut hervorhebt, dass die Teilung Deutschlands bereits unausgesprochen im Raum stand und aufgrund der verfahrenen Situation zunehmend wahrscheinlich wurde. Ebenso wie die Ministerpräsidentenkonferenz scheiterte auch der Deutscher Volkskongress (als Ergebnis der Londoner Außenministerkonferenz), der mit dem Wunsch abgehalten wurde, die deutsche Teilung von deutscher Seite aus noch zu verhindern (vgl. Deutscher Bundestag 1991: 368). Es kam folglich insgesamt zum offenen Bruch der Siegermächte, woraufhin die weiteren Verhandlungen abgebrochen wurden. Das Thema einer Zentralregierung in Deutschland scheiterte also nicht nur am Veto Frankreichs und der Sowjetunion, sondern auch an den unüberwindbaren Gegensätzen der Mächte. Als unvermeidliche Schlussfolgerung übergaben „am 1. Juli […] die drei alliierten Militärgouverneure die entsprechenden Beschlüsse in Frankfurt den Ministerpräsidenten der westdeutschen Länder, womit aus den ‚Londoner Empfehlungen‘ die ‚Frankfurter Dokumente‘ wurden“ (Winkler 2014: 109). Die Westintegration der Westzonen schritt damit unaufhörlich voran, was auch Kinder wie folgt bekundet: „1948 Londoner Sechs-Mächte-Konferenz mit Empfehlung für Westdeutschland: wirtschaftl. Integration in Westeuropa, Erarbeitung einer Verfassung […]. Die UdSSR nimmt an der Sitzung nicht mehr teil“ (Kinder 2010: 527). Der Grund hierfür liegt darin, dass die „Sowjetunion […] in den westlichen Protesten gegen ihr Vorgehen in Osteuropa und in der Weigerung der USA, ihr die geforderten 10 Milliarden Dollar Reparationen zuzugestehen, eine Einkreisungspolitik der kapitalistischen Länder [sieht] und [nun] offen zur Sicherung ihres Einflußbereichs [übergeht]“ (Deutscher Bundestag 1991: 367). Eine Teilung Deutschlands wurde mit dem Scheitern der Konferenzen (und damit aller Versuche, die Teilung zu verhindern) erneut zunehmend wahrscheinlicher.

Bizone/ Trizone

Da „eine Konferenz der dt. Länderchefs in München (Juni) […] an der Forderung der MP der SBZ, die polit. Einheit vor der wirtschaftl. herzustellen“ (Kinder et al. 2010: 527), gescheitert war, erfolgte der Zusammenschluss der Westzonen. Erst zur Bizone unter dem Widerstand Frankreichs, dann zur Trizone. Dies geschah nicht nur unter Ausschluss der Sowjets, sondern auch unter deren starkem Protest (vgl. Emmerich et al. 2013: 248), was zweifelsohne nicht zur Entspannung der Lage beitragen konnte. Das Veto der Sowjets lag nicht zuletzt an der Ruhrfrage. „In der sowjetischen Zone prägen sich unterdessen Grundzüge einer sozialistischen Ordnung aus“ (Emmerich et al. 2013: 248). „Mit Unterstützung Großbritanniens und später auch Frankreichs werden die Westzonen schrittweise in das westliche Staatensystem einbezogen“ (Deutscher Bundestag 1991: 368). Dieser Schritt nahm in weiten Teilen die politische Ordnung vorweg und vertiefte den Graben zwischen Ost und West. „In der amerikanischen Besatzungszone wurden am 19.9. die Bundesländer Hessen, Württemberg-Baden und Bayern geschaffen. Im Gegensatz zur UdSSR bevorzugen die USA ein föderales System in Deutschland“ (Emmerich et al. 2013: 247). Die „Vorform des Weststaats“ (Benz 2010: 153) war somit komplett und die Teilung Deutschlands aufgrund des großen Zerwürfnisses nahezu besiegelt.

Währungsreform und Wirtschaftshilfe

Der Marshallplan war ein umfangreiches Hilfsprogramm, welches „Kredite [sowie] Rohstoff- und Warenlieferungen“ beinhaltete (Emmerich et al. 2013: 249). Ziel der Amerikaner war die Versorgung der Bevölkerung sowie das Eindämmen sowjetischen Einflusses, was das Konfliktpotential enorm steigerte, da so nicht nur kein Kompromiss gefunden werden konnte, sondern nun der »Klassenfeind« aktiv unterdrückt wurde. Ein weiterer Vorteil für die Amerikaner war natürlich nicht zuletzt der durch den Marshallplan generierte Absatzmarkt für die heimische Wirtschaft. Dies sei jedoch, aufgrund der Thematik der Arbeit, nur der Vollständigkeit halber erwähnt. Im Übrigen wurde von den Amerikanern 1948 die Währungsreform eingeleitet, welche einen Tag später von der Sowjetunion mit einer eben solchen für die SBZ beantwortet wurde (vgl. Emmerich et al. 2013: 250). Dies unterstreicht nochmals die geminderte Wahrscheinlichkeit einer amerikanisch-sowjetischen Übereinkunft, da beide Länder bereits die Währungsreform vorbereitet hatten. Andernfalls wäre ein solch schnelles Reagieren der Sowjetunion nicht möglich gewesen. Erneut scheint sich hierdurch die Spannung zu erhöhen, da sich Meinungsverschiedenheiten nun, auch durch die Berlinblockade, offen zu einem Konflikt entwickelten. Auch Besir und Lindemann unterstüzen diesen Ansatz, indem sie den Auslöser des Bruchs genau deklarieren: „Der Umschlag von einer wackeligen Allianz zur Konfrontation war 1946 eingetreten, nachdem George F. Kennan in seinem berühmten langen Telegramm – als Reaktion auf Stalins Rede vom 9. Februar 1946 – die Truman-Administration davon überzeugt hatte, daß die UdSSR ihren ideologischen wie machtpolitischen Einfluß über den ganzen Globus zu verbreiten trachtete“ (Besier/ Lindemann 2006: 175). Nur „zwei Wochen später prägte Winston Churchill das Wort vom »Eisernen Vorhang«, der den kommunistischen Osten von der Freien Welt trenne“ (Besier/ Lindemann 2006: 175). Die amerikanische Tagespolitik konzentrierte sich fortan auf die Eindämmung des Kommunismus und nicht mehr auf die Erhaltung der Bundesrepublik. Eine Klärung wurde seit der Konferenz von Potsdam nicht wieder angestrebt.

[...]


[1] Nach Stykow, Petra et al. (2010): 185.

[2] Weiterführende Literatur: Dokumentensammlung in: Münch (Hrsg.) 1968: Dokumente des geteilten Deutschlands.

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Titel: Beginnender Ost-West-Konflikt und Gründung der DDR. Bis wann war die Teilung Deutschlands vermeidbar?