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Theorien beruflicher Bildung. Welche Rolle kann die Idee der nachhaltigen Entwicklung für eine Theorie zur beruflichen Bildung spielen?

Hausarbeit 2013 20 Seiten

Didaktik - BWL, Wirtschaftspädagogik

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Allgemeine Bildungstheorien

3. Der Stellenwert des Berufs in unserer Gesellschaft

4. Einführung in die Bildung im Sinne der Nachhaltigkeit
4.1 Geschichte der Bildung für eine nachhaltige Entwicklung
4.2 Kerngedanken der Bildung für eine nachhaltige Entwicklung
4.3 Bildungstheoretische Anknüpfungspunkte.

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

7. Internetquellen

1. Einleitung

Die zentralen Bereiche der Gesellschaft wie Wirtschaft, Technik, Ökologie und Wissenschaft wurden von Zeit zu Zeit immer verzwickter. Daher erforderte auch die starke Zunahme und Alterung des Wissens eine veränderte Weise des Denkens und auch des Handelns.1 Die weltweiten Umweltprobleme unterstützen zudem die Dringlichkeit einer nachhaltigen Entwicklung. Zusammen mit der Globalisierung bildeten sich internationale Vernetzungen der zentralen Bereiche der Gesellschaft und ergaben somit eine große Herausforderung der Länder und Staaten. Da die Umweltzerstörung immer mehr zunahm, wurde 1992 demnach die Agenda 21 in Rio de Janeiro errichtet. Diese Verabschiedung beinhaltete konkrete Handlungsweisen, um eine nachhaltige Entwicklung zu gewährleisten.2 Dennoch drang der Kerngedanke nicht in das Zentrum der Bildungsarbeit hervor und konnte lediglich als Leitbild in die berufliche Bildung eingeführt werden. Allerdings zeigten sich bei der Umsetzung der Idee kaum Ergebnisse. Zusätzlich scheiterten Projekte, Bücher, Filme und Aufsätze zum Thema der nachhaltigen Entwicklung. Diese konnten sich jedoch nicht in den Köpfen der Gesellschaft festsetzen.3 Aus diesem Zusammenhang ergab sich auch der aktuelle Diskurs über eine Ökonomisierung von Bildung. Der Begriff Bildung erforderte viele gemeinsame Elemente wie politisch-administrative, ökonomische, sozio-kulturelle und natürlich pädagogische Elemente.4 2001 ergriff das Bundesministerium die Notwendigkeit der nachhaltigen Entwicklung und schaffte mit der Machbarkeitsstudie einen bedeutenden Schritt dieser Relevanz. Auch in der Wirtschaftspolitik gab es zahlreiche Veränderungen. Die Unternehmen bemühten sich nachhaltig zu agieren, um einen Fortschritt der nachhaltigen Entwicklung zu erreichen. Dennoch wurden im Bildungsbericht Mängel in der Umsetzung festgestellt und auch Fischer betonte, dass die Berufsbildung weiterhin von der Politik nicht ausreichend beachtet wird.5

Auch gibt es einige Konflikte zwischen der Besetzung von Arbeitsplätzen und Umweltschutz. Durch Umweltschutzregelungen der Regierung, könnten einige Arbeitsplätze verloren gehen, da die Unternehmer durch hohe Auflagen negativ beeinträchtigt werden könnten. Erst seit Mitte der 90er Jahre begann ein Wandel, ob diese Bestimmungen nicht sogar neue Arbeitsplätze zu schaffen vermag. In diesem sogenannten Spannungsfeld zwischen Arbeit und Ökologie wurden zahlreiche Forderungen einer nachhaltigen Ausrichtung erfasst. Auch wurde 1992 während der Hochschultage die Notwendigkeit der beruflichen Umweltbildung deutlich gemacht, die Übertragung der Nachhaltigkeit auf die berufliche Bildung durchzuführen.6

Aus den oben genannten Gründen soll mit dieser Arbeit die Relevanz der beruflichen Bildung für eine nachhaltige Entwicklung thematisiert werden. Da diese Relevanz in der Gesellschaft nicht alltäglich ist, soll diese Idee der Nachhaltigkeit in Bezug auf die berufliche Bildung wieder einen Stellenwert bekommen. Da es sich bei dieser Idee um eine sehr umfangreiche Größe handelt, die unterschiedliche Definitionen beinhaltet, werden zunächst die bildungstheoretische Vorstellungen dargestellt, sowie Vorstellungen der beruflichen Bildung. Anhand dessen kann der Stellenwert des Berufs in der heutigen Gesellschaft beschrieben werden. Des Weiteres werden die Kerngedanken einer nachhaltigen Entwicklung charakterisiert und herausgefiltert Anschließend werden die Bildungstheorien mit der nachhaltigen Entwicklung verknüpft. Es soll der Frage, an welche Bildungsvorstellungen bei einer Umsetzung der Berufsbildung für eine nachhaltige Entwicklung angeknüpft werden kann, als auch der Frage, welche theoretischen Probleme bei der Integration dieser Idee in die berufliche Bildung bewältigt werden müssen, nachgegangen werden.

2. Allgemeine Bildungstheorien

Es handelt sich bei dem Begriff der Bildung um eine komplexe Leitidee, die keine eindeutige Definition zulässt. Seit Beginn der Auseinandersetzung mit der Bildung wurde der Begriff immer unterschiedlich neu definiert und interpretiert, sodass heutzutage keine klare Abgrenzung des Begriffs möglich ist.7 Auch Dietrich Hoffmann stellte fest, dass es Schwierigkeiten mit sich bringt den Begriff der Bildung eindeutig zu erläutern. Auch er versuchte sich an einer Abgrenzung, gab aber eindeutig zu erkennen, dass systematisch von Bildungsbegriffen und Bildungstheorien zu sprechen ist.8 Um auf diese Bildungstheorien detaillierter einzugehen, wird im Folgenden zunächst ein Einblick auf die Systematik von Bildungstheorien gegeben. Anschließend werden die bildungstheoretischen Vorstellungen von Wilhelm von Humboldt, Peter Bieri, Wolfgang Klafki und Hartmut von Hentig erläutert.

Andreas Schelten bezeichnet das Wort Bildung als Formung, einem Material eine bestimmte Form zu geben. Das Wort Bildung bezeichnet im Allgemeinen auch das Ergebnis eines Erziehungsprozesses.9 Dem Bildungsbegriff liegt zudem eine bestimmte Systematik zugrunde, nach der zwischen materiellen und formalen Bildungstheorien unterschieden wird. Die materielle Bildungstheorie hat die Aufgabe, allgemeine Inhalte zu vermitteln, wobei das Objekt an sich den Bezugspunkt verkörpert. Vorab muss allerdings eine gewisse Anhäufung von Wissen erfolgen, um die Voraussetzung für späteres Handeln zu erfüllen. Im Gegensatz zur materiellen Bildungstheorie wird die formale Bildungstheorie nicht vom Objekt, sondern vom Subjekt aus definiert. Hierbei sollen nicht nur Inhalte vermittelt werden, zusätzlich sollen eine Weiterentwicklung des eigenen Potentials sowie die Förderung persönlicher Fähigkeiten erfolgen.10

Als Gründer des klassischen Bildungsbegriffs gilt Wilhelm von Humboldt. Individualität, Persönlichkeit und Humanität sind hierbei Grundbegriffe seiner Theorie. Er lebte zur Zeiten des Neuhumanismus in Deutschland und hat in seiner neuhumanistischen Bildungstheorie die Trennung von allgemeiner und beruflicher Bildung in Betracht gezogen. Den Ausgangspunkt von Humboldts Überlegungen bildet die Frage nach dem Zweck. Entscheidend ist, dass er sich weder auf religiöse oder politische Aspekte noch auf gesellschaftliche oder wirtschaftliche Belange bezieht. Humboldt beruft sich auf das Innere des Menschen. Bildung wird von Humboldt als „höchste und proportionierlichste Entfaltung“ der menschlichen Kräfte zu einem Ganzen verstanden.11 In seiner Theorie betont er „die Entfaltung der menschlichen Kräfte auch auf die Verschiedenheit der Köpfe, das heißt, auf die Eigentümlichkeit der sich bildenden Individuen Rücksicht zu nehmen“. Daraus resultieren drei Grundbestimmungen für den Bildungsprozess. Dieser wird als allgemein, rege und frei beschrieben.12 Mit diesen Bestimmungen spricht er die Bedeutung des aktiven Ichs im Bildungsprozess an. Bildung soll empfangen werden, aber auch dazu verleiten, sich Wissen selbst anzueignen.13 Die Trennung von allgemeiner und beruflicher Bildung hat den Vorteil, dass eine „reine“ Bildung entsteht und vollkommene Menschen und Bürger geschaffen werden. In Bezug auf die berufliche Bildung sollen Kenntnisse für den Beruf mithilfe der Allgemeinbildung erworben werden. Es sollen die Fähigkeiten angeeignet werden, die dem Menschen zur Anwendung in seinem Beruf verhelfen.14 Der Philosophie-Professor Peter Bieri versteht Bildung als etwas das Menschen mit sich und für sich machen. Dies ist daher ein Vorgang, der vom Menschen selbst ausgeht. Die Neugierde, nach dem Wunsch etwas Neues über die Welt zu erfahren, ist dabei eine Grundvoraussetzung. Es geht ferner darum zu verstehen, was in der Welt passiert und warum es passiert. Gebildet zu sein, heißt auch, sein eigenes Wissen ständig zu überprüfen und zu hinterfragen.15 Zu Bildung gehört ebenfalls das Verständnis über den Menschen wie er denkt, fühlt, redet und lebt. Daraus resultieren die verschiedenen Kulturen auf der Erde. Innerhalb dieser Kulturen wird die Gesellschaft von Geboten und Verboten geprägt und es entstehen unterschiedliche Empfindungen und Wahrnehmungen. In diesem Zusammenhang darf die eigene Kultur nicht als eine überlegende angesehen werden und es bedarf der Einsicht, dass in anderen Teilen der Erde aufgrund „historischer Zufälligkeit“ eine andere moralische und kulturelle Identität herrscht.16

Laut Bieri sind Leser gebildete Menschen. Es reicht jedoch nicht, sich der Vielfalt der Wörter hinzugeben, sondern weiß der Gebildete Literatur so zu lesen, dass sie ihn verändert. Durch das Hinterfragen des Gelesenen und des eigenen Wissens ist der Leser ein anderer als vorher. Er kann die Welt danach differenzierter betrachten und komplizierte Zusammenhänge erkennen. Durch die Aneignung eines breiteren begrifflichen Repertoires kann der Mensch sich besser ausdrücken und Einfühlungsvermögen zeigen. Je gebildeter jemand ist, desto besser kann er sich in die Lage eines anderen hineinversetzen.17

Im Unterschied zur Ausbildung, wobei ein Wissensstandard erreicht wird, ist Bildung ein zweckfreier Wert, der neben den erworbenen Fähigkeiten auch einen Nutzen bietet. Bildung ist zwar nicht als Mittel zum Glück zu verstehen, dennoch haben gebildete Menschen Freude daran die Welt besser verstehen zu können und die gestiegenen Erfahrungen genießen zu können.18

Laut Wolfgang Klafki muss Bildung heutzutage selbstständig erarbeitet und unterschiedlich verstanden werden.

[...]


1 Vgl. Becker, Christian; Die Methode Glasgow, Motiviert, Vernetzt und nachhaltig lernen im Unterricht, Sabine Müller-Jentsch (Hrsg.), Oldenburg 2006, S. 6.

2 Vgl. Michelsen, Gerd; Bildung für eine nachhaltige Entwicklung: Meilensteine auf einem langen Weg; In: Ernst Tiemeyer, Karl Wilbers (Hrsg.): Berufliche Bildung für nachhaltiges Wirtschaften, Konzepte - Curricula - Methoden - Beispiele, Bielefeld 2006, S. 20f.

3 Vgl. Ehrke, Michael; Berufliches Lernen und gesellschaftliche Entwicklung, Andreas Fischer, Gabriele Hahn, Otto Semmler (Hrsg.), Bielefeld 2005, S. 72.

4 Vgl. Ebd., S. 12.

5 Vgl. Ehrke, Michael; Berufliches Lernen und gesellschaftliche Entwicklung, S. 72.

6 Vgl. Ehrke, Michael; Berufliches Lernen und gesellschaftliche Entwicklung, S. 73.

7 Vgl. Ehrke, Michael; Berufliches Lernen und gesellschaftliche Entwicklung, S. 17.

8 Vgl. Hoffmann, Dietrich; Bildung - Halbbildung - Unbildung, Der Verfall eines pädagogischen Sachverhalts; in: Dietrich Hoffmann (Hrsg.): Rekonstruktion und Revision des Bildungsbegriffs, Vorschläge zu einer Modernisierung, Weinheim 1999, S. 15f.

9 Vgl. Schelten, Andreas; Einführung in die Berufspädagogik, 3. Auflage, Stuttgart 2004, S. 27.

10 Vgl. Blankertz, Herwig; Theorien und Modelle der Didaktik, 9. Auflage, München 1975, S. 37ff.

11 Vgl. Koller, Hans-Christoph; Grundbegriffe, Theorien und Methoden der Erziehungswissenschaft - Eine Einführung, 4. Auflage, Stuttgart 2009, S.75f.

12 Vgl. Ebd., S. 81.

13 Vgl. Ebd., S. 82f.

14 Vgl. Von Humboldt, Wilhelm; Der Litauische Schulplan; in: Andreas von Flitner (Hrsg.): Schriften zur Anthropologie und Bildungslehre, 2. Auflage, Düsseldorf 1964.

15 Vgl. Bieri, Peter; Wie wollen wir leben? - Wie wäre es gebildet zu sein?, 2007, S.26.

16 Vgl. Ebd., S.27.

17 Vgl. Bieri, Peter; Wie wollen wir leben? - Wie wäre es gebildet zu sein?, 2007, S.27.

18 Vgl. Bieri, Peter; Wie wollen wir leben? - Wie wäre es gebildet zu sein?, 2007, S.27.

Details

Seiten
20
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783668478954
ISBN (Buch)
9783668478961
Dateigröße
520 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v370554
Institution / Hochschule
Leuphana Universität Lüneburg
Note
1,0
Schlagworte
Berufliche Bildung Theorie Gesellschaft

Autor

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Titel: Theorien beruflicher Bildung. Welche Rolle kann die Idee der nachhaltigen Entwicklung für eine Theorie zur beruflichen Bildung spielen?