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Schwangerschaft vor dem Umbruch

Der Schwangerschaftszustand in "Zedlers Grossem vollständigen Universallexicon aller Wissenschaften und Künste"

Bachelorarbeit 2088 93 Seiten

Geschichte - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1. Herleitung
1.2. Fragestellung und Aufbau der Arbeit
1.3. Anmerkungen zum aktuellen Forschungsstand

2. Johannes Heinrich Zedler und das ‚Grosse vollständige Universallexicon aller Wissenschafften und Künste’

3. Der ‚Zedler’ und seine Artikel als Quelle
3.1. Sprachliche und thematische Strukturen in den Artikeln
3.2. Quellenbezüge – Wissenstraditionen

4. Schwangerschaftsverhütung: „Von denen Dingen, welche die Schwangerschafft verhindern sollen [...].“ – Ein mutiger Schritt in Richtung ‚Aufklärung’

5. Schwangerschaftsdiagnostik: „Die meisten Zufälle und Zeichen der Schwangerschafft sind sehr mißlich und betrüglich“
5.1. Dauer der Schwangerschaft
5.2. Schwangerschaft erkennen
5.2.1. Die Schwangerschaft am Urin erkennen
5.2.2. Ausbleiben der Menstruation als Anzeichen einer Schwangerschaft
5.2.3. Andere Schwangerschaftsanzeichen

6. Schwangerschaftserhaltung: Das gesundheitliche und psychische Wohlbefinden der Schwangeren
6.1. Die Behandlung von typischen „Schwangerschaffts-Zufällen“
6.2. Die Behandlung und Prävention von schwerwiegenden, die Schwangerschaft gefährdenden Krankheiten
6.3. Präventive und stärkende Maßnahmen in der Schwangerschaft

7. Fazit

8. Literaturverzeichnis
8.1. Primärliteratur / Quellen
8.2. Sekundärliteratur
8.2.1. Monografien
8.2.2. Sammelbände
8.2.3. Aufsätze
8.2.4. Lexikonartikel
8.2.5. Internetressourcen
8.3. Bildnachweise

1. Einleitung

1.1. Herleitung

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Im medialen Zeitalter ist Schwangerschaft öffentlich und beinahe absolut erfassbar. Via Internet kann ein „Einblick“ in den eigenen Schwangerschaftsbauch erhalten werden und auch der Geburtstermin scheint eine unanzweifelbare Tatsache darzustellen, der den Endpunkt für einen einem Fahrplan ähnlich anmutenden Schwangerschafts­zustand markiert. Wenn heute die monatliche Menstruationsblutung ausbleibt, was in unserer Gesellschaft als sicherster erster Hinweis auf eine Schwangerschaft gilt[2], kann eine Frau mittels Urintest unkompliziert und in wenigen Minuten feststellen, ob tatsächlich eine Schwangerschaft vorliegt. - Dann ist der Fötus im Inneren einer Frau Tatsache und die Verantwortung für das Leben ist ihr damit übergeben.[3]

Mittels Urintests, Beratungszentren und Ärzten in Krankenhäusern und Gynäkologie­praxen kann bei einer Frau ohne eigenes Zeugnis über ihren Zustand eindeutig eine Schwangerschaft diagnostiziert werden. Duden hat in ihrem 2007 neuaufgelegten Werk „Der Frauenleib als öffentlicher Ort“ treffend formuliert:

„Wir leben in einer Gesellschaft, in der man krank-, schwanger-, ja selbst gesundgeschrieben werden muß“[4].

Folge dieser Zugänglichkeit des Körpers und seines Zustandes von Außen ist der Verlust der individuellen Definitionsmacht über den eigenen Körperzustand mittels einer eigenen Aussage.[5] Eine Frau ist heute nicht mehr schwanger, wenn sie glaubt, schwanger zu sein, weil ihr Körper ihr dies sichtbar oder spürbar anzeigt[6], sondern wenn Dritte bzw. medizinisch-technische Instrumente ihre Vermutung zum Wissen machen.

Am Anfang des 18. Jahrhunderts distanzierten und entfremdeten noch keine technischen Instrumente oder Apparaturen die subjektive Wahrnehmung einer Frau vom eigenen Leib.[7] Diese fehlende Fremdwahrnehmung des Leibesinneren war Voraus­setzung für eine aus heutiger Sicht „körperdominante“[8] Selbstwahrnehmung.[9] Die Wahrnehmung des Körpers und die Bestimmung des Leibeszustandes orientierten sich am äußerlich Sichtbaren und an aus dem Inneren übermittelten „sensitiven Zeichen“[10].[11] Die Erfahrbarkeit des Körperlichen und Leiblichen war damit individuell variierend, rein sinnlich und abhängig vom kulturellen Wissensstand, von gesellschaft­lichen Vorstellungen von Körper und Leib, von soziokulturellen Wahrnehmungs­mustern, von sozialer Sinngebung, von Selbsterfahrungen und subjektiven Empfindungen.[12]

Aber wie lassen sich Körper bzw. Körperlichkeit und Leib bzw. Leiblichkeit differenzieren? Körper als Kategorie des menschlichen Daseins ist Ort und Objekt menschlichen Handelns und besitzt als solcher und solches historische Relevanz, da jedwede Handlung als Ausgangspunkt / Anstoß zur historischen Betrachtung dienen kann.[13] Mehr noch, ohne gesellschaftliche und kulturelle Gestaltung ist Körper nicht denkbar[14], denn er ist Ausdruck gesellschaftlicher produktiver Gestaltung in Abhängig­keit zur Bezugskultur[15] - er ist „historisch konstruiert“[16]. Erscheinung und Wahrnehmung von Körper als gestaltete und gestaltbare Handlungskategorie sind allerdings von verschiedensten Aspekten geprägt. In der Moderne beispielsweise sind Kosmetik, plastische Chirurgie, Essverhalten, Sport etc. probate Mittel, um den Körper zu formen.[17] Aber gerade auch Schwangerschaft als ein den Körper und den Leib sowie den sozialen Status[18] veränderndes und konstituierendes Phänomen erweist sich damit als für die Körpergeschichte als höchst relevanter menschlicher, bzw. speziell weiblicher Zustand.

Um Körper aber als Handlungskategorie verstehen zu können, muss die Abgrenzung dieser zu seiner relationalen Kategorie Leib vollzogen werden.[19] Diese setzt voraus, dass Körper und Leib nicht in einer Essentialismus-Konstruktivismus-Dichotomie, wie sie auch Lorenz[20] kritisiert, aufgewogen werden und somit ein polares Verständnis provoziert wird. Vielmehr muss Leib als die biologische Basis von Körper verstanden werden, ohne die Körper als gelebte Kategorie nicht denkbar ist.[21] Leib meint damit als ein biologisch-fleischliches Dasein keine invariante biologische Tatsache, die lediglich sozial und kulturell zu einem Körper überformt wurde und somit stets versteckt präsent ist. Vielmehr stehen Leiblichkeit und Körperlichkeit in untrennbarer Wechselwirkung.[22] Der schwangere Leib bietet somit die biologische Voraussetzung sowie sensuelle und bewusstseinsschaffende Basis für einen schwanger wahrgenommenen Körper.

Wie eingangs erwähnt, lag das Urteil über die Schwangerschaft in erster Linie im Ermessen der sich wahrnehmenden Frau.[23] Im Gegensatz zu heute ist das Kind noch ein ‚Nicht-Sichtbares’, „ein non-dum“[24]. Technische Entwicklungen und Vorstellungs­modelle haben den uneingeschränkten Blick ins Körperinnere ermöglicht und m.E. damit die Körpergrenze Haut aufgelöst. So wurde der Körper als Kategorie der Selbst­darstellung zusätzlich erweitert.

Im 18. Jahrhundert muss daher die Wahrnehmung des unsichtbar Inneren und damit eines möglichen verborgenen Kindes ein Grunderlebnis der eigenen Körper­wahrnehmung und Leiberfahrung gewesen sein.[25] Das Ausbleiben der Menstruations­blutung galt vor rund 250 Jahren noch nicht als eindeutiges Zeichen einer Schwangerschaft[26], sondern erst die Regung des Kindes im eigenen Leib[27] ließ den weiblichen Körper schwanger sein. Erst ab diesem, aus heutiger Sicht absurd späten Zeitpunkt, der frühestens im vierten Monat eintritt[28], war Leben im Mutterleib existent und die Schwangerschaft wurde zum physischen, psychischen und sozialen Fakt.[29] Die Schwangerschaft im frühen 18. Jahrhundert ist damit anders konstituiert als heute. Sie setzt eine vollkommen andersartige, auf das eigene Innere sensibilisierte Leib­erfahrung und Körperwahrnehmung voraus und beginnt mit der Wahrnehmung des lebenden Kindes im Leib der sich wahrnehmenden Frau. Damit unterscheidet sich die frühmoderne Körperwahrnehmung[30], speziell die der Frau vor, in und während einer Schwangerschaft, grundlegend von der heutigen. Sie variiert nicht nur nach Geschlecht und Zeit, sondern auch nach Stand, Alter und sozialem und kulturellem Umfeld[31] und ist damit immer abhängig von der Bezugskultur zu einem bestimmten Zeitpunkt. Gerade darin zeigt sich, wie sehr der wahrgenommene Körperzustand unabhängig vom faktischen Zustand des Leibes (beispielsweise einer Schwangerschaft) in Abhängigkeit von kulturellem Wissen und sozialer Anerkennung[32] konstruiert wird.

1.2. Fragestellung und Aufbau der Arbeit

1680 entdeckte Jan Swammerdam unter dem Mikroskop die Eierstöcke der Frau und läutete damit den Wandel des bisher vorherrschenden kulturellen Wissens und der Wahrnehmung von Schwangerschaft und des schwangeren Körpers ein.[33]

„Nichts was in der Gebärmutter ist, ermangelt des Bewunderungswürdigen, und doch scheint es dem Ohr anrüchig und dem Blick wundersam, wenn wir sagen, daß Frauen Eierstöcke haben und wie andere Tiere ova ponere, das heißt Eier legen.“[34]

Auch wenn das Wissen um das Ei eine Neudeutung des Befruchtungsaktes und der Schwangerschaft forderte[35], hielten sich die alten Theorien wie die der Gerinnung des Blutes durch den Samen des Mannes im Schoß der Frau oder der Empfängnis als „stoffliche Einprägung“[36] hartnäckig bis in die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts.[37] Erst dann, folgt man der Argumentation von Fischer-Homberger[38], leitete Iohann Roederer mit seinem Werk „Elementia artis obstetrica“[39] (Grundzüge der Geburtshilfe) die Wende zur „körpernahen“[40] und „differenzierten Schwangerschaftsdiagnostik“[41] ein.[42] Sie sieht in den Arbeiten des Göttinger Geburtshelfers die Anfänge der wissenschaftlichen Geburtshilfe in Deutschland.[43]

Aber nicht nur theoretisch wandelte sich das konzeptionelle und anatomische Wissen[44] um die Schwangerschaft. Auch die Geburtspraxis wurde durch die von Obrigkeiten geförderte Errichtung von Gebäranstalten und -häusern grundlegend verändert.[45] Die wissenschaftsfundierte Beobachtung, Diagnose und Betreuung der Schwangerschaft nahm Mitte des 18. Jahrhunderts Gestalt an und veränderte die kulturelle Vorstellung und soziale Praxis der Schwangerschaft grundlegend.

Zwischen 1731-1754 entstand das umfangreichste und für den deutschsprachigen Raum bedeutendste enzyklopädische Werk des 18. Jahrhunderts unter der Herausgeber­schaft von Johann Heinrich Zedler.[46] - ‚Zedlers Grosses vollständiges Universal­lexicon aller Wissenschafften und Künste’.[47] In 64 Bänden und vier Supplement­bänden[48] gibt es mittels 284.000 Artikel und 276.000 Verweisen Aufschluss über das gesammelte und teilweise aus Speziallexika entnommene Wissen verschiedenster Sachgebiete zur Mitte des 18. Jahrhunderts.[49]

Damit steht im nach seinem Herausgeber benannten ‚Zedler’ gesammeltes Wissen genau in der für die historische Schwangerschaftsforschung wandlungsträchtigen Phase um 1750 bereit. Was bis zum Erscheinen des ‚Lexicons’ an Wissen über den Schwangerschaftszustand vorhanden war, präsentiert sich hier gesammelt, teilweise kommentiert und mit Literaturverweisen gekennzeichnet auf vielfältige Weise (Erläuterungen, Rezepte, Anweisungen etc.). Insgesamt stehen rund 40 Artikel des ‚Zedlers’ im engeren Zusammenhang mit dem Sachgebiet des Schwangerschafts­zustandes. - Weitet man dieses Sachgebiet der Schwangerschaft mit nahen Sach­gebieten wie Geburt oder Empfängnis aus, so sind es weit mehr (Siehe Quellenzusammenstellung und -übersicht auf der CD im Buchrücken.).

Diese Arbeit, die im Sommersemester 2008 als Abschlussarbeit zum Bachelor of Arts entstanden ist, widmet sich genau diesen Artikeln zum Schwangerschaftszustand in ‚Zedlers Grosses vollständiges Universallexicon aller Wissenschafften und Künste’. Untersucht werden soll, welches Wissen an der Wende zur „körpernahen“[50] und „differenzierten Schwangerschaftsdiagnostik“[51] als soweit gesichert und relevant galt, dass es in eine umfassende Enzyklopädie Eingang fand. Wie ist dieses strukturiert? Welche Vorstellungen des schwangeren weiblichen Körpers und Leibes werden sichtbar? Lassen sich bereits Hinweise auf die sich grundlegend modernisierende Schwangerschaftsdiagnostik finden?

Kurz: Was wurde von den namentlich unbekannten Autoren[52] des ‚Zedlers’ als relevantes und gesichertes Wissen über die Schwangerschaft empfunden und wie zeichnet sich dieses Verständnis des Zustandes aus?

Ohne in dieser Arbeit jede einzelne Quelle für sich betrachten zu können oder jedes Arzneimittel chemisch erläutern zu wollen, sollen die strukturellen und institutionalisierten Merkmale und Besonderheiten des Schwangerschaftsdiskurses, der sich im und durch den ‚Zedler’ reproduziert, modifiziert und selbst überschreitet, aufgezeigt werden (Siehe dazu auch Kapitel 3, insbesondere S.17-19.).[53] Nach einer Überblicksdarstellung zum historischen Kontext des Untersuchungsgegenstandes und der Quelle folgt zunächst die quellenkritische Analyse der schwangerschaftsbezogenen Artikel- und Quellenstruktur sowie der Wissenstradition im ‚Zedler’, aus der sich auch die diskurs­analytische Herangehensweise bei der Interpretation ergibt. Erst nach dieser historischen und quellenanalytischen Kontextualisierung erfolgt, kategorisiert nach drei Themengebieten (Schwangerschaftsverhütung, Schwangerschaftsdiagnostik und Schwangerschaftserhaltung), die eigentliche Quelleninterpretation in Hinblick auf das im ‚Zedler’ vorhandene Wissen und Verständnis des Schwangerschaftszustandes.

1.3. Anmerkungen zum aktuellen Forschungsstand

In den 1960er Jahren geriet das Geschichtsbild ins Wanken.[54] Öffentlichkeit und Geschichts­wissenschaft wurden sich bewusst, dass Geschichte beinahe konsequent ‚männlich’ war.[55] Der Zustand der Geschichte in den Sechzigern des letzten Jahr­hunderts war allerdings nicht als Männergeschichte forciert worden, vielmehr war er unter dem von den Forschenden selbst gewählten Anspruch einer ‚Allgemeinen Geschichte’ entstanden.[56]

Was zunächst als eine beinahe ausschließlich weiblich dominierte historische sich bewusst dem ‚allgemeinen Geschichtsdogma’ widersetzende Auseinandersetzung der ‚Neuen Frauenbewegung’ begann und von der universitären Geschichtswissenschaft desinteressiert hingenommen wurde[57], hat in den letzten 40 Jahren sowohl die Geschichts­wissenschaft thematisch und methodisch als auch die Geschichte selbst verändert. Anfang der 1990er Jahre löste sich die Polarisierung von Frauen- und Männergeschichte in der sich formierenden Geschlechtergeschichte auf.[58] Sie sind daher heute nicht mehr ohne einander zu denken.[59] Vielmehr stehen sie in direkter Beziehung zueinander und beeinflussen sich wechselseitig. Denn selbst, wenn nur eine bestimmte kleinere geschlechtsspezifische Gruppierung betrachtet wird, kann sie nicht ohne den Bezug zum anderen Geschlecht gedacht werden[60], denn Frauen und Männer[61] und m.E. alle anderen rein leiblich oder auch körperbezogenen Gruppen, die sich über Geschlecht und Geschlechterkonstruktion definieren, sind eingebunden in die kulturellen Ordnungen ihrer Bezugsgesellschaft, die alle Bereiche des menschlichen Zusammenlebens durchdringen.[62] Es handelt sich also bei der Geschlechtergeschichte weniger um eine inhaltsbezogene Fachwissenschaft als um eine Perspektive.[63] Heute, rund 40 Jahre später, scheint dieses Geschlechterbewusstsein in der Geschichts­wissenschaft zumindest soweit Akzeptanz gefunden zu haben, dass Menschen weiblichen und männlichen biologischen Geschlechts als solche erforscht und historisch wahrgenommen werden können.[64]

Gerade weil Schwangerschaft kein leibliches und körperliches Phänomen ist, das Frauen allein betrifft, ist es notwendig, die Forschung an diesem Gegenstand aus einem geschlechtsgeschichtlich bewussten Standpunkt aus zu betreiben. Die Schwangerschaft einer Frau betrifft schon in ihrem Sein jeden Menschen. Aber, und das ist für die Forschung entscheidend, sie ist wie eingangs erläutert (S.6) un­abhängig von ihrer den Leib betreffenden Tatsache gesellschaftlich in Bezug auf die soziale Position und das eigene und fremde Verhalten und damit den Körper einer schwangeren Frau betreffend konstruiert und determiniert.[65] Da Männer wie Frauen Teil der Gesellschaft sind, kann der Schwangerschaftszustand einer Frau als ein durch das Geschlecht ermöglichter Zustand nicht ohne das andere, männliche Geschlecht gedacht werden. Erst durch die Etablierung der Geschlechtergeschichte ist daher eine umfassende und der Thematik gerecht werdende ‚Schwangerschaftsforschung’ möglich geworden.

Die historische Forschung am Gegenstand der Schwangerschaft ist allerdings nicht nur von der Geschlechtergeschichte beeinflusst. Gerade durch die wegweisenden Arbeiten von Duden, die sich aus medizingeschichtlicher Perspektive der Erforschung des weiblichen Leibesinneren und des ungeborenen Kindes widmen, ist der medizinische Aspekt der Schwangerschaft forciert und nicht zu Gunsten von gesellschaftlich-sozialen Aspekten verloren gegangen.[66] Denn Schwangerschaft ist auch ein medizinischer Zustand.

Gleichzeitig muss die Schwangerschaft durch ihre Abhängigkeit vom kulturellen Wissen und der gesellschaftlichen Anerkennung[67] in Bezug auf den schwangeren Körper als Themengebiet der Körpergeschichte verstanden werden. Auf diesem Gebiet der körperbezogenen Schwangerschaftsforschung in der Frühen Neuzeit hat sich besonders Labouvie[68] verdient gemacht.

Auch wenn die Forschung rund um den Schwangerschaftszustand noch durch Ergebnisse aus dem Bereich der Gerichtsmedizin[69] oder der historischen Erforschung der Verhütung[70] oder der Abtreibung[71] bereichert werden kann, so lässt sich das, was Duden 2002 feststellte, nur noch unterstreichen: Die Erforschung des Ungeborenen und auch des damit verbundenen Schwangerschaftszustandes ist immer noch „historisches Neuland“[72].

2. Johannes Heinrich Zedler und das ‚Grosse vollständige Universallexicon aller Wissenschafften und Künste’

Bevor die eigentliche Quellenauswahl in Hinblick auf die Fragestellung untersucht werden kann, müssen Intention und historischer Kontext des ‚Zedlers’ betrachtet werden. Ohne in dieser Arbeit vollständig auf die Entstehungs-geschichte[73] des ‚Zedlers’ eingehen zu können und zu wollen, soll in diesem Kapitel ein kurzer Abriss zum Werk und seinem Autor vollzogen werden, um die den Schwangerschaftszustand be-treffenden Artikel nicht historisch isoliert zu interpretieren.

„Grosses vollständiges Lexicon aller Wissenschafften und Zünfte, Welche bishero durch menschlichen Verstand und Witz erfunden und verbessert worden, Darinnen so wohl die Geographisch-Politische Beschreibung des Erd-Kreyses, nach allen Monarchien, Kayserthümern, Königreichen, Fürstenthümern, Republiquen, freyen Herrschafften, Ländern, Städten, See-Häfen, Vestungen, Schlössern, Flecken, Aemtern, Klöstern, Gebürgen, Pässen, Wäldern, Meeren, Seen, Inseln, Flüssen und Kanälen; samt der natürlichen Abhandlung von dem Reich der Natur, nach allen himmlischen, lufftigen, feurigen, wässerigen und irrdischen Körpern, und allen hierinnen befindlichen Gestirnen, Planeten, Thieren, Pflanzen, Metallen, Mineralien, Salzen und Gesteinen [...]. Als auch eine ausführliche Historisch-Genealogische Nachricht von Durchlauchten und berühmtesten Geschlechtern der Welt, [...]. Ingleichen von allen Staats-Kriegs-Rechts-Policen und Haußhaltungs-Geschäfften des Adelichen und bürgerlichen Standes, der Kauffmannschafft, Handthierungen, [...]. Wie nicht weniger die völlige Vorstellung aller in den Kirchen-Geschichten berühmten Alt-Väter, Propheten, Apostel, Päpste, [...], Endlich auch ein vollkommener Inbegriff der allergelehrtesten Männer, berühmter Universitäten Academien, Societiäten und der von ihnen gemachten Entdeckungen, ferner der Mythologie, Alterthümer, Münz-Wissenschafft, Philosophie, Mathematic, Theologie, Jurisprudentz und Medicin, [...].

Halle und Leipzig, Verlegts Johann Heinrich Zedler, Anno 1732.“[74]

Allein die Vorrede des Universallexikon lässt vermuten, was das Werk zur bedeutendsten deutschen Enzyklopädie des 18. Jahrhunderts[75] werden ließ. Der Herausgeber strebte eine universale Vollständigkeit „in den theoretischen und praktischen Wissenschaften und Künsten an“[76]. Professor Johann Peter von Ludewig (1668-1743)[77], der am Gelingen des Werkes maßgeblich beteiligt war[78], pries den ‚Zedler’ 1731 in einer Anzeige an und nannte ganze 22 Spezial­lexika, die das Werk umfassend vereinigen sollte.[79] Der Besitzer des Werkes fände darin:

"ein biblisches, theologisches, juristisches, medicinisches, philosophisches, mathematisches, Staats[-], Zeitungs[-], Kauf- und Handels[-], Handwercks[-], Haushaltungs- und Wirthschafts[-], Alterthums[-], der Gelehrten, Berühmten, Heiligen, vornehmen Standes, Geschichts[-] und Historisches, poetisches, geographisches, philologisches, Kunst[-] und Natur-Lexicon oder Sachen beysammen[...]"[80]

Und tatsächlich: Der ‚Zedler’ stellt das umfangreichste zum Abschluss gekommene lexikalische Werk Europas dar.[81] Ob allerdings diese Universalität des Lexikons auf die „Sammelleidenschaft“[82] barocker Gelehrter, wie sie für die lexikalischen Erzeugnisse des 17. Jahrhunderts noch typisch war[83], zurückgeht oder ob die Zusammenstellung eines Universalwissens im Dienste der Wissenschaft und der Gesellschaft bereits die Ziele der Aufklärung (Ausbreitung und Aufnahme von Wissen[84] ) verfolgte, ist bis heute in der Forschung strittig.[85] Meines Erachtens stützen Widmungen in mehreren Bänden[86] die These, dass das Konzept des ‚Zedlers’ bereits aufklärerisch geprägt ist.

„[...] vielmehr als die bey diesem Werck gehegte lautere Absicht, das Aufnehmen und die Ausbreitung gelehrter Wissenschafften zu befördern, [...].“[87]

Beispielsweise wird hier sehr genau das Anliegen, das zu der Zeit als gesichert geltende Wissen zu tradieren und der Verbreitung in der Gesellschaft zuzuführen, beschrieben. Das präsentierte Wissen sollte via gelehrter Laien und Wissenschaftler, die sich über andere Fachgebiete informieren, an eine größere Öffentlichkeit weiter­gegeben werden.[88] Der damit wesentlich breitere als in einem Speziallexikon an­gesprochene Adressatenkreis muss dem gegenüber auch in Hinblick auf das finanzielle Interesse eines Verlegers bewertet werden. Denn bei der Erstellung des Werks wurden nicht allein aufklärerische oder barocke Ziele, sondern ebenso praktische, kaufmännische verfolgt.[89]

Eine eindeutige Zuordnung des ‚Zedlers’ zu einer der enzyklopädischen Traditionen erachte ich allerdings als kaum praktikabel, da mit dem gesellschaftlichen und mentalen Umbruch in die Aufklärung eine grundlegende Umdeutung des Wissenschafts­begriffes und der wissenschaftlichen Zielsetzung (Aufnahme und Aus­breitung von Wissen statt Sammlung und Bewahrung des Wissens[90] ) einherging. Solch ein die Gesellschaft und die Kultur prägender Umbruch kann kaum gradlinig und abrupt verlaufen, vielmehr muss er sich zwangsläufig als kultureller Prozess gestalten, in dem Neues und Altes symbiotisch konkurrieren.

Mit seiner Entstehungszeit zwischen 1731 / 1732-1754[91] ist der ‚Zedler’ damit in seiner Intention und seiner strukturellen Anlage von einem, wie Kutsche ihn benennt, „ausgesprochenem Übergangscharakter“[92], geprägt. Es vereint das barocke Streben nach einer umfassenden Sammlung des Wissens mit dem auf­klärerischen Ziel, Wesentliches an eine große Öffentlichkeit weiterzugeben und zwar auf eine kritische und reflektierende Weise.[93] Hierzu gehört auch das Prinzip der kritischen Quellenprüfung[94], das die vielen Quellenangaben in den einzelnen Artikeln des Zedler erklärt (Siehe dazu auch unter Kapitel 3.2., S.21.). Allein im Vergleich der im Folgenden behandelten Artikel zum Schwangerschaftszustand wird schnell deutlich, dass nicht alle Mitarbeiter dieses Prinzip gleichwertig umsetzten, sodass sich der Übergangscharakter nicht nur in der Auswahl des Wissens in Hinblick auf Wesent­liches, das dem Leser zum Verständnis des betrachteten Gegenstandes oder Sach­verhalt helfen sollte[95], zeigt, sondern auch in der Struktur des Lexikons eindeutig nachzuvollziehen ist.

Über den Buchhändler und Verleger Johann Heinrich Zedler ist trotz seines bis heute bewunderten Erfolgs nur wenig bekannt.[96] Neben einem Eintrag in das Register der Stadt Freiberg[97] und den Akten der damaligen Leipziger Bücherkommission, die Auskunft über seine Tätigkeiten und Geschäftsführung geben[98], dient als Quelle vor allem ein 1749 ihm gewidmeter Artikel[99] im 61. Band des Universallexikons. Zwei Jahre vor dem Tod des Verlegers wurde dieser zum wichtigsten Zeugnis über die historische Person Johann Heinrich Zedlers.[100]

Am „7 Jenner des 1706ten Jahres“[101] wurde er als Sohn des „Mastr. Johann Zedler, Bürgers und Schumachers in Breßlau [...]“[102] geboren.[103] Auch wenn gerade seine Jugend mangels Quellen historisch im Dunkeln liegt[104], so liegt die Vermutung Quedenbaums[105] nahe, dass der junge Zedler, der keine gymnasiale Ausbildung ge­nossen hatte[106], besonders aufgeweckt gewesen sein muss, da er sonst nicht als Schuh­machersohn in die damals kostenpflichtige Lehre bei dem breslauer Buchhändler Brachvogel aufgenommen worden wäre.[107] Auch der ihm gewidmete Artikel, der unter Berücksichtigung seiner Intention äußerst kritisch zu betrachten ist, beschreibt die Bestrebungen und die Fähigkeiten des jungen Mannes die These Quedenbaums stützend.

„Weil er von Jugend auf eine besondere Neigung zur Buchhandlung gezeiget; so ward er, nachdem er die zu seinem Endzwecke erforderlichen Wissenschafften, [...], und vermögen[s] seines fähigen Kopffes, gar frühzeitig geschaffet, [...].“[108]

Nach seiner Lehre fand Zedler bei dem renommierten Buchhändler und Verleger Theodor Christoph Felginer (1686 – 1726) in Hamburg eine Anstellung.[109] 1726 heiratete er die elf Jahre ältere Christiana Dorothea Richter (1695 – 1755) im sächsischen Freiberg.[110] Die Heirat in die Familie Richter muss für Zedler von enormem wirtschaftlichem Vorteil gewesen sein, denn die Familie Richter war nicht nur eine alte Freiberger Kaufmanns- und Ratsherrenfamilie und als solche reich begütert, sondern der Bruder seiner Braut zählte zudem zu den produktivsten Verlegern Deutschlands.[111] Kurz nach seiner privaten und wirtschaftlichen Niederlassung in Freiberg wendete sich Zedler 1727 der wirtschaftlich starken Messestadt Leipzig zu, die zu dieser Zeit als Zentrum des Büchermarktes galt, und errichtete dort eine neue Buchhandlung.[112]

„Indem er aber wohl erkannte, daß da er sein Augenmerk insonderheit auf Verlegung grosser Wercke gerichtet, ihm Leipzig, theils wegen der ungleich grösseren Anzahl berühmter Gelehrter daselbst, theils wegen der vielen schönen Druckereyen, weit vorteilhaffter seyn würde; so wendete er sich von Freyberg dahin, und legte auch daselbst eine Buch-Handlung an, in welcher von solcher Zeit an die wichtigsten und grösten Wercke zum Vorschein gekommen sind.“[113]

Wie das Zitat zeigt, war bereits zu Lebzeiten Zedlers 1749 die Bedeutung der An­siedlung in Leipzig für den wirtschaftlichen Erfolg seiner Verlegertätigkeiten erkannt worden. Es gibt aber auch Aufschluss über sein kaufmännisches Hauptinteresse: die „Verlegung grosser Wercke“[114]. Sein erstes bedeutendes Großwerk, eine 22 Bände umfassende deutschsprachige Lutherausgabe, wurde durch seinen Verlag zwischen 1728 / 1729[115] und 1734 herausgegeben.[116] 1740 wurde das Werk um einen Register­band durch den berühmten Leipziger Drucker Bernhard Christoph Breitkopf ergänzt.[117] Es bot dem Leser nicht nur die von Luther selbst übersetzten Texte, sondern auch solche, die von Luther in Latein verfasst worden waren und nun erstmals in deutscher Übersetzung zugänglich wurden.[118] Durch sein erstes Großwerk erlangte Zedler den Kommerzienratstitel.[119]

Noch vor Abschluss der Lutherausgabe und bereits während der Arbeiten an seinem berühmtesten Werk, dem hier betrachteten „Universallexicon aller Wissenschafften und Künste“[120], brachte sein Verlag zwei weitere Großwerke heraus: Die „Allgemeine Staats-[,] Kriegs-[,] Kirchen-[,] und Gelehrten-Chronicke“ (20 Bände) und die deutsche Ausgabe von La Martinières „Dictionnaire géographique“ (11 Bände).[121]

Zedlers Universallexikon war ursprünglich mit zwölf Bänden, später 24 Bände geplant worden.[122] Während der Erstellung zwischen 1731 und 1754[123] wuchs es dann auf 64 Bände und vier Supplementbände an.[124] Die finanziellen Mittel für dieses verlegerische Großprojekt bezog Zedler zum Teil aus dem Vermögen seiner Frau.[125] Den anderen Teil erlangte er von Subskribenten. Da das Gesamtwerk allerdings einen solch be­achtenswerten und für die Subskribenten unerwarteten Umfang annahm und dieser mit enormen Mehrkosten für diese verbunden war, kam Zedler wirtschaftlich und rechtlich in Bedrängnis.[126]

Durch unternehmerisches Geschick, einen günstigen Verkaufspreis und die Geschwindig­keit, mit der die einzelnen Bände erstellt worden waren, konnte er sich trotz der finanziellen Krisen auf dem Leipziger Buchmarkt gegen die starke Konkurrenz durchsetzen.[127] Dass die Erstellung der einzelnen Bände derartig schnell voranging, hatte wahrscheinlich seinen Ursprung darin, dass Zedlers Mitarbeiter geschützte Werke in leicht abgeänderter Fassung für ihre Artikel verwendeten.[128] Aus diesem Grund musste sich Zedler zusätzlich zu seinen wirtschaftlichen Krisen auch noch dem Plagiatsvorwurf stellen.[129] Der Historiker und Kanzler der Hallenser Universität, Johann Peter von Ludewig, setzte sich öffentlichkeitswirksam für ihn ein und trug durch sein gesellschaftliches und politisches Protektorat[130] zum Erfolg des Universallexikons bei.

Am 21.03.1751 starb Johann Heinrich Zedler in Leipzig und hinterließ die bedeu­tendste deutsche Enzyklopädie des 18. Jahrhunderts mit einer krisenreichen Ent­stehungsgeschichte.[131] Durch sein unternehmerisches Geschick und das Protektorat von Ludewigs wurde das Großwerk mit einer Auflage von etwa 2000 Exemplaren dennoch ein Erfolg und eine reale Bedrohung für die dort ansässige Konkurrenz.[132]

Als Quelle kommt dem Werk gerade dadurch, dass die Mitarbeiter des Verlags aus Zeitmangel vorhandenes Wissen aus anderen Fachlexika quellenorientiert zusammen­trugen, eine besondere Bedeutung zu. Es zeigt den Wissensstand zu seinem Ent­stehungszeitpunkt, der vom prozessartigen Umbruch zur Aufklärung geprägt ist und damit verbunden am Übergang zur wissenschaftlichen Schwangerschaftsdiagnose steht.[133] Um also das Wissen um den Schwangerschaftszustand und dessen Verständnis kurz vor der ‚Verwissenschaftlichung’ zu betrachten, kann es kaum geeignetere Quellen als die Artikel des ‚Zedlers’ geben.

3. Der ‚Zedler’ und seine Artikel als Quelle

Was aber zeichnet die Artikel außerhalb ihres historischen übergangsgeprägten und kaufmännisch orientierten Entstehungskontextes aus? Welche Strukturen lassen sich erkennen und welche Vorgehensweise bietet sich an?

Als Enzyklopädie, deren Sinn und Zweck neben der Gewinnerzielung in der Weiter­gabe von Wissensbeständen, die in ihrem Entstehungskontext als wahr und gültig angenommen wurden, besteht[134], ist der ‚Zedler’ Tradition. Wissen über etwas soll be­absichtigt tradiert, also damit verbreitet und erhalten werden.[135] Gerade die großen, populären Werke können als speicherndes und vermittelndes „Scharnier zwischen Wissenschaft und Alltagswissen“[136] angesehen werden. Ihrem Wesen nach ist eine Enzyklopädie daher immer Tradition.

Andererseits begegnen diese Werke dem Forschenden nicht mehr absichtlich, sondern vollkommen unabsichtlich als Überrest einer Speicherungs- und Vermittlungs-begebenheit.[137] Sie sind daher gleichzeitig trotz ihres ihnen immanenten Traditions-charakters immer Überrest, da die für uns oft nicht mehr gültigen Wissensbe­stände durch ihre Differenz und den ‚Nicht-Bezug’ zu unserer kulturell voran­geschrittenen Gesellschaft nicht mehr tradierbar sind. Die Tradition in Enzyklopädien steht also in Abhängigkeit zum kulturell-wissenschaftlichen Stand ihrer Bezugs­gesellschaft. Artikel einer Enzyklopädie müssen daher stets in diesem unauflösbaren und ihnen innewohnenden Spannungsfeld zwischen intendierter Tradition und der kulturell bedingten Wahrnehmung als Überrest betrachtet werden.

Wenn unter einem gesellschaftlichen Diskurs die kontrollierte Versprachlichung von auch problematischen Themen und Praktiken des Alltags verstanden wird[138], vielmehr noch eine Art Summe von sprachlichen Aussagen zu einem bestimmten Thema, die das Wahrnehmen, Denken und Handeln von Individuen steuert, dann „steht der Diskurs nicht neben der Gesellschaft“[139], sondern konstituiert sie. Soziale Akteure, Menschen in ihrer Gesellschaft, artikulieren jeweils ihre zeitgebundenen Diskurse, re­produzieren, modifizieren und überschreiten sie.[140] Solche Überschreitungen machen die kulturelle, soziale und politische Entwicklung von Gesellschaften aus und sind auch dafür verantwortlich, dass Enzyklopädien, die unterschiedliche Diskurse zu einem be­stimmten Zeitpunkt abbilden und ihrem Wesen nach Tradition sind, durch ihre zeitliche Gebundenheit an den Diskurs zu Überresten werden.

Gemeint sind also nicht situativ-singuläre Äußerungen, sondern die strukturellen und institutionalisierten geregelten Zusammenhänge der mündlichen und schriftlichen Kommunikation.[141] Die Diskursformation eines Themas zu einer Zeit bildet also die Regeln und Grenzen der gesellschaftlichen Auseinandersetzung damit ab und konstituiert diese gleichzeitig neu.[142] Diskurse sind somit auch immer Spiegelbild gesell­schaftlicher Entwicklungen.

Da also Enzyklopädien als bestimmter Modus schriftlicher Kommunikation die Diskurse einer Gesellschaft abbilden, liegt es nahe, dass die hier betrachteten Artikel diskurs­analytisch betrachtet werden müssen. Denn die Konstituierung des Konzeptes der schwangeren Frau erfolgt im Diskurs und ist, wie die Quellen zeigen werden, noch nicht per definitionem eindeutig vorbestimmt. Es gilt also die Gesetzmäßigkeiten und Strukturen sowie ihre Widersprüche aus der Vielzahl der Quellen zu extrahieren und in ihren Kontext zu setzen und so die dem ‚Zedler’ immanente Vorstellung des Schwangerschaftszustandes zu skizzieren.

3.1. Sprachliche und thematische Strukturen in den Artikeln

Der Vergleich der einzelnen Artikel zeigt deutliche strukturelle Unterschiede in Aufbau und Intention. Die Inhalte sind entweder von einer erläuternden Struktur, Handlungsanweisung gebend oder reinen Rezeptur­formel bzw. von Mischformen geprägt. Eine Klassifizierung nach den drei Orientierungs­polen ‚Darlegung’, ‚Handlungsanweisung’ und ‚Rezept’ bot sich daher für die Erfassung der thematischen Strukturen an. Diese dienen dazu, als idealtypische Kategorien den Vergleich zu erleichtern und die Quellen in Beziehung zueinander setzen zu können, ohne ihre strukturellen Eigenheiten zu vernachlässigen. Die konkrete Zuordnung lässt sich in der tabellarischen Quellenübersicht auf der CD im Buchrücken nachvollziehen.

Aber nicht nur thematische Strukturen, auch sprachliche Strukturdifferenzen lassen sich ausfindig machen. Ohne auf die einzelnen lexikalischen, grammatischen oder orthographischen Eigenheiten jedes Artikels eingehen zu können, möchte ich am Beispiel einiger Wortvarianzen diese Differenzen verdeutlichen, wobei bei einmaligem Auftreten einer Varianz immer die Möglichkeit eines Orthographie- oder Druckfehlers berücksichtigt werden muss.

Rein orthographische Unterschiede liegen beispielsweise bei „Geburt“[143] und „Geburth“[144], „Gebärmutter“[145] und „Gebährmutter“[146] sowie „offtmahls“[147] und „offtmals“[148] vor.

Der Grund für diese sprachlichen Varianzen liegt in dem breiten Autorenstab des ‚Zedlers’, über den im Gegensatz zu den drei Haupt­redakteuren nur sehr wenig bekannt ist.[149] Jacob August Franckenstein betreute als Leipziger Professor für Geschichte und Politik die ersten beiden Bände.[150] Ihm folgte der Leipziger Magister der Philologie Paul Daniel Longolius, der die Bände 3-18 herausgab.[151] Als dieser als Rektor des dortigen Gymnasiums nach Hof berufen wurde, trat der Leipziger Professor der Weltweisheit Carl Günther Ludovici seine Nachfolge an.[152] Er führte als neuer Kopf des Unternehmens das Werk auch nach Zedlers Tod (1751[153] ) weiter, indem er die Produktion einer Supplement-Reihe (Fertigstellung 1754[154] ) in Gang setzte.[155]

Wenn auch nichts über die Artikelautoren selbst bekannt ist, so gibt zumindest der Protektor Zedlers Unternehmens Johann Peter von Ludewig (Siehe dazu auch Kapitel 2., S.11.) in seiner Vorrede zum ersten Band einen Hinweis auf die Arbeits­bedingungen der Autoren.

„Benebenst hat der Verleger [Zedler] nun alle Mitarbeiter / an diesem grossem und weitläuffigem Bau / zusammen gebracht und in seinem Sold stehen; derer ieder sein Werckzeug / an Büchern und Schriften, darnach [...] eingerichtet; [...].“[156]

Zedlers bezahlten Mitarbeitern wurde also das nötige Referenzwissen in Form von Büchern und Schriften zur Verfügung gestellt, um die thematisch weitgestreuten Artikel erstellen zu können. Dieses Referenzwissen, das durch die Aufnahme im Lexikon tradiert wird, soll anhand der vielen Quellennachweise der Autoren im Folgenden kurz skizziert werden.

3.2. Quellenbezüge – Wissenstraditionen

Die erstaunliche Fülle von Quellenverweisen und Autorennennungen, die sich von lateinischen Kurztiteln bis hin zu ausführlichen Werknennungen erstrecken[157], ist in dieser Arbeit nicht erschöpfend behandelbar. Dennoch sollen einige Besonderheiten kurz erwähnt werden.

Allein die Verwendung von Quellenbezügen unterscheidet sich zwischen den Artikeln und wahrscheinlich somit von Autor zu Autor erheblich. So verweisen einige explizit durch Zitate oder Hinweise auf ihre Quellen (Siehe unten.), andere wiederum erwähnen den Ursprung ihres Wissens gar nicht. Hieran lassen sich, wie bereits erläutert (Kapitel 2., insbesondere S.11-14), das unterschiedliche Wissenschafts-verständnis der Autoren und die schrittweise Durchsetzung der durch die Aufklärung aufkommenden kritischen Quellenprüfung nachweisen.[158]

„Über dieses sind auch Exempel aufgezeichnet, da die monatliche Reinigung sich nur allein Zeit der Schwangerschafft hat spüren lassen. Bes. eph. Nat. Cur. Dec. I. Anm. III. Obs. 348. ingleichen Cent. I. & II. In Append. p. 2003. […].”[159]

“[Das ‚Sälblein’] Bräuners, welches er in seinem Pestbüchlein, p.187 also aufzeichnet: ‚[Zitat]’.“[160]

Durch die Nennung der Bezugsautoren und ihrer Werke wird die Wissenstradition im ‚Zedler’ in einigen Artikeln transparent. Ohne hier jeden Autor nennen zu können, möchte ich exemplarisch deutlich machen, wie weitverzweigt und reputabel das Wissensnetzwerk, das von der Antike bis zur Frühen Neuzeit reicht, ist. Beispielsweise wird sich auf Hippokrates als ein durch Jahrtausende tradierter Autor in den Artikeln als Repräsentant für antikes Wissen vermehrt bezogen.

„Ins besondere aber hält man die hitzigen Krankheiten und Fieber bey denenselben [Schwangeren] für gefährlich, ja Hippocrates nennet sie schlechterdings tödtlich, indem er Sect.V.Aph.30. saget: [lateinisches Belegzitat].“[161]

„Denn Unwissenheit wird allezeit von der Verwegenheit und Unverschämtheit begleitet, wie Hippocrates Libr. De Lege saget.“[162]

Insbesondere treten aber frühneuzeitliche Autoren wie beispielsweise der Italiener Paulus Zacchia (Paolo Zacchias 1584-1659[163] ), der als Begründer der Gerichtsmedizin gilt, der berühmte niederländische Humanist Erasmus von Rotterdam (1466 oder 1469-1536[164] ) oder die als Hebamme berühmte Französin Lousie Bourgeois (1563-1636[165] ) auf.

„Eben dieser Meinung ist auch [...] und Zacchias, welcher libr. I.leg. III. Qu. 2 Quaestion. Medic. Legal spricht: ‚[Zitat]’.“[166]

„Die Nüchternheit betreffend, so hätte Erasmus nicht sagen können, was einem Christlichen Philosophen anständiger wäre, und wenigern Leuten zukäme, was er gesaget: ‚[Zitat]’.“[167]

„Bes. Louise Bougeois in ihrem Hebammenbuche I Th. Cap. I. p.28.“[168]

Deutlich wird damit, dass das Wissensnetzwerk im ‚Zedler’ einerseits durch die zeitliche Differenz zu dem tradierten Wissen, aber auch durch internationale Be­ziehungen, die nicht nur innereuropäisch sind, wie das Beispiel unten abschließend zeigt, geprägt ist.

„[...], anders möchte es ihm gehen, wie dem sonst berühmten [...] arabischen Arzte [...].“[169]

[...]


[1] Newsletter-Abonnement der Webseite http://www.schwangerschaft.de: http://www.urbia.de/services/snewsletter, letzter Zugriff: 17.07.2008.

[2] Siehe unter: http://www.babycenter.de/pregnancy/fruehe/schwangerschaftsanzeichen/, letzter Zugriff: 18.07.2008.

[3] Siehe dazu auch: Duden, Barbara: Der Frauenleib als öffentlicher Ort. Vom Missbrauch des Begriffs Leben, Neuauflage, Frankfurt a.M. 2007, S.64 und S.109.

[4] Duden: Frauenleib S.109.

[5] Ebenda.

[6] Labouvie, Eva: Der Leib als Medium, Raum, Zeichen und Zustand. Zur kulturellen Erfahrung und Selbstwahrnehmung des schwangeren Körpers, in: Münch, Paul (Hg.): „Erfahrung“ als Kategorie der Frühneuzeitgeschichte (Historische Zeitschrift, Beiheft, Neue Folge, 31), München 2001, S.116.

[7] Vergleiche dazu: Duden: Frauenleib S.109 und Labouvie: Selbstwahrnehmung des schwangeren Körpers S.116.

[8] Duden: Frauenleib S.109.

[9] Labouvie: Selbstwahrnehmung des schwangeren Körpers S.116.

[10] Ebenda.

[11] Vergleiche: Labouvie: Selbstwahrnehmung des schwangeren Körpers S.116 und Duden: Frauenleib S.109.

[12] Labouvie: Selbstwahrnehmung des schwangeren Körpers S.116.

[13] Sarasin, Philipp: Mapping the body. Körpergeschichte zwischen Konstruktivismus, Politik und „Erfahrung“, in: Historische Anthropologie 7, 1999, S.438f.

[14] Ellerbrock, Dagmar: Körper-Moden – Körper-Grenzen, in: Neue politische Literatur 1, 2004, S.52.

[15] Lindemann, Mary: Kommentar zu Eva Labouvie: Der Leib als Medium, Raum, Zeichen und Zustand. Zur kulturellen Erfahrung und Selbstwahrnehmung des schwangeren Körpers, in: Münch, Paul (Hg.): „Erfahrung“ als Kategorie der Frühneuzeitgeschichte (Historische Zeitschrift, Beiheft, Neue Folge, 31), München 2001, S.127.

[16] Lindemann: Kommentar Labouvie S.127.

[17] Ähnlich dazu in Bezug auf die verloren gegangene Konsonanz zwischen physiologischer und sozialer Bedeutung in der Neuzeit: Rittner, Volker: Handlung, Lebenswelt und Subjektivierung, in: Kamper, Dietmar und Volker Rittner (Hg.): Zur Geschichte des Körpers (Perspektiven zur Anthropologie), München und Wien 1976, S.53 und auch bei Ellerbrock: Körper-Moden S.62f.

[18] Labouvie: Selbstwahrnehmung des schwangeren Körpers S.121.

[19] Sarasin: Körpergeschichte S.440.

[20] Lorenz, Maren: Leibhaftige Vergangenheit. Einführung in die Körpergeschichte (Historische Einführungen 4), Tübingen 2000, S.30 und 32f.

[21] Lorenz: Körpergeschichte S.30 und S.32f. Bis heute ist die Debatte um die Auffassung von Leib und Körper und die damit verbundenen methodischen Schwierigkeiten für die Geschichtswissenschaft nicht geklärt. Dies gilt insbesondere für die deutschsprachige Geschichtswissenschaft, da beispielsweise in der englischen oder französischen Sprache diese semantische Spaltung nicht derartig existent ist (Siehe bei Sarasin: Körpergeschichte S.441.). Ansätze und kontroverse Debatten dazu finden sich u.a. bei: Ellerbrock: Körper-Moden S.52-60, Lorenz: Körpergeschichte S.32f und Sarasin: Körpergeschichte S.437-451.

[22] Ellerbrock: Körper-Moden S.53.

[23] Vergleiche: Labouvie: Selbstwahrnehmung des schwangeren Körpers S.116f und Duden, Barbara: Zwischen ‚wahrem Wissen’ und Prophetie: Konzeptionen des Ungeborenen, in: Dies.; Schlumbohn, Jürgen und Patrice Veit (Hg.): Geschichte des Ungeborenen. Zur Erfahrungs- und Wissenschaftsgeschichte der Schwangerschaft, 17.-20. Jahrhundert (Veröffentlichungen des Max-Planck-Instituts für Geschichte 170), Göttingen 2002, S.43f und Duden: Frauenleib S.109.

[24] Letztere S.21.

[25] Vergleiche zu dieser Schlussfolgerung auch mit: Duden: Frauenleib S.20f und Labouvie: Selbstwahrnehmung des schwangeren Körpers S.119.

[26] Vergleiche: Duden: Frauenleib S.64f und Labouvie: Selbstwahrnehmung des schwangeren Körpers S.119.

[27] Vergleiche: Duden: Frauenleib S.109 und Labouvie: Selbstwahrnehmung des schwangeren Körpers S.119.

[28] Labouvie: Selbstwahrnehmung des schwangeren Körpers S.119.

[29] Vergleiche: Labouvie: Selbstwahrnehmung des schwangeren Körpers S.118f und Duden: Frauenleib S.92f sowie S.109f.

[30] Lindemann: Kommentar Labouvie S.127.

[31] Ebenda.

[32] Ebenda.

[33] Duden: Frauenleib S.69.

[34] Zitiert nach: Duden: Frauenleib S.69.

[35] Ebenda.

[36] Duden: Frauenleib: S.68f.

[37] Duden: Frauenleib S.69.

[38] Fischer-Homberger, Esther: Medizin vor Gericht. Gerichtsmedizin von der Renaissance bis zur Aufklärung, Wien 1983, S.229.

[39] Roederer, Iohann Georgius: Elementa artis obstetriciae in usum auditorum, denuo ed. Henricus Augustus Wrisberg, Göttingen 1766.

[40] Duden: Konzeptionen des Ungeborenen S.44 und Jütte, Robert: Ärzte, Heiler und Patienten. Medizinischer Alltag in der frühen Neuzeit, München und Zürich 1991, S.17.

[41] Fischer-Homberger: Gerichtsmedizin S.229.

[42] Ebenda.

[43] Dies.: S.229f.

[44] Ebenda.

[45] Duden: Konzeptionen des Ungeborenen S.44.

[46] Vergleiche: Bayerische Staatsbibliothek: http://mdz10.bib-bvb.de/~zedler/zedler2007/index.html, letzter Zugriff: 21.07.2008 und Redaktion Zedleriana: http://www.zedleriana.de/index.htm, letzter Zugriff: 21.07.2008.

[47] Bayerische Staatsbibliothek: Letzter Zugriff: 21.07.2008.

[48] Ebenda.

[49] Ebenda.

[50] Duden: Konzeptionen des Ungeborenen S.44.

[51] Fischer-Homberger: Gerichtsmedizin S.229.

[52] Bayerische Staatsbibliothek: Letzter Zugriff: 21.07.2008.

[53] Zum Diskursverständnis siehe: [Art.] Diskurs / Diskursanalyse, in: Heidelberger Onlinelexikon zur Politik. Onlineprojekt des C.H. Beck-Verlages. Einzusehen unter: http://www.politikwissen.de/lexikon/diskurs.html, letzter Zugriff: 18.07.2008.

[54] Vergleiche: Hausen, Karin und Heide Wunder: Einleitung, in: Dies. (Hg.): Frauengeschichte. Geschlechtergeschichte (Geschichte und Geschlechter 1), Frankfurt und New York 1992. S.9.

[55] Hausen / Wunder: Geschlechtergeschichte S.9 und Wolff, Kerstin: Frauen-, Männer-, Geschlechtergeschichte. Eine Spurensuche, in: http://www.clio-online.de/default.aspx?tabid=40208189, letzter Zugriff: 21.07.2008.

[56] Hausen / Wunder: Geschlechtergeschichte S.9.
[56] Dies.: Geschlechtergeschichte S.9f und Wolff: Letzter Zugriff: 21.07.2008.

[57] Hausen / Wunder: Geschlechtergeschichte S.9.

[58] Dies.: Geschlechtergeschichte S.11 und Wolff: Letzter Zugriff: 21.07.2008.

[59] Ebenda.

[60] Ebenda.

[61] Hausen / Wunder: Geschlechtergeschichte S.11f.

[62] Ebenda.

[63] Siehe dazu auch bei: Wolff: Letzter Zugriff: 21.07.2008.

[64] Siehe zu dieser Entwicklung der 1990er Jahre bei: Hausen / Wunder: Geschlechtergeschichte S.9-18.

[65] Lindemann: Kommentar Labouvie S.127.

[66] Vergleiche beispielsweise: Duden, Barbara: Der Frauenleib als öffentlicher Ort. Vom Missbrauch des Begriffs Leben, Neuauflage, Frankfurt a.M. 2007, Dies.; Schlumbohn, Jürgen und Patrice Veit (Hg.): Geschichte des Ungeborenen. Zur Erfahrungs- und Wissenschaftsgeschichte der Schwangerschaft, 17.-20. Jahrhundert (Veröffentlichungen des Max-Planck-Instituts für Geschichte 170), Göttingen 2002 und Dies.: Geschichte unter der Haut. Ein Eisenacher Arzt und seine Patientinnen um 1730, Stuttgart 1987.

[67] Lindemann: Kommentar Labouvie S.127.

[68] Vergleiche beispielsweise diese Werke: Labouvie, Eva: Der Leib als Medium, Raum, Zeichen und Zustand. Zur kulturellen Erfahrung und Selbstwahrnehmung des schwangeren Körpers, in: Münch, Paul (Hg.): „Erfahrung“ als Kategorie der Frühneuzeitgeschichte (Historische Zeitschrift, Beiheft, Neue Folge 31), München 2001, S.115-126, Dies.: Andere Umstände. Eine Kulturgeschichte der Geburt, 2. Auflage, Köln, Weimar und Wien 2000 und weiterführend Dies.: Beistand in Kindsnöten. Hebammen und weibliche Kultur auf dem Land (1550-1910) (Geschichte und Geschlechter 29), Frankfurt a.M. und New York 1999.

[69] Besonders beispielsweise: Fischer-Homberger, Esther: Medizin vor Gericht. Gerichtsmedizin von der Renaissance bis zur Aufklärung, Wien 1983.

[70] Jütte, Robert: Lust ohne Last. Geschichte der Empfängnisverhütung von der Antike bis zur Gegenwart, München 2003.

[71] Ders.: Geschichte der Abtreibung von der Antike bis zur Gegenwart, München 1993.

[72] Duden: Konzeptionen des Ungeborenen S.7f.

[73] Eine gute Einleitung in die Geschichte des Universallexicons des Zedler gibt: Metzger, Stephan: Vorstellung des Zedler'schen Universal-Lexikons als "Buch des Monats" (Dezember 2000 / Januar 2001) der Bibliothek des Deutschen Museums, München 2000. Einzusehen unter: http://www.zedleriana.de/zlitmetzger.htm#top, letzter Zugriff: 18.07.2008.

[74] Vorrede Zedlers, in: Zedler (Band 1), Leipzig 1732, S.4.

[75] Redaktion Zedleriana: Letzter Zugriff: 21.07.2008 und Stammen, Theo und Wolfgang Weber: Zur Einführung, in: Dies. (Hg.): Wissenssicherung, Wissensordnung und Wissensverarbeitung, Das europäische Modell der Enzyklopädie (Colloquia Augustana 18), Berlin 2004, S.10.

[76] Kutsche, Eckart: Kriegsbild, Wehrverfassung und Wehrwesen in der Deutschen Enzyklopädie des 18. Jahrhunderts dargestellt an Zedlers Großem Universallexikon (Dissertation), Breslau 1975, S.42.

[77] Raupp, Werner: Zedler, Johann Heinrich, in: Bautz, Traugott (Hg.): Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (Band 26), Nordhausen 2006, Spalten 1576–1588. Online einzusehen unter: http://bautz.de/bbkl/z/zedler_j_h.shtml, letzter Zugriff: 05.08.2008.

[78] Näheres zur Beteiligung von Prof. von Ludewig siehe: Metzger: Universal-Lexikon. Letzter Zugriff: 18.07.2008 und Meyer, Georg: Das Konversations-Lexikon, eine Sonderform der Enzyklopädie. Ein Beitrag zur Geschichte der Bildungsverbreitung in Deutschland (Dissertation), Göttingen 1965, S.24f.

[79] Vergleiche: Meyer: Konversations-Lexikon S.41 und Metzger: Universal-Lexikon. Letzter Zugriff: 18.07.2008.

[80] Ebenda.

[81] Metzger: Universal-Lexikon. Letzter Zugriff: 18.07.2008.

[82] Ebenda.

[83] Vergleiche: Metzger: Universal-Lexikon. Letzter Zugriff: 18.07.2008 und Meyer: Konversations-Lexikon S.22.

[84] Kutsche: Kriegsbild S.41.

[85] Vergleiche zu dieser Forschungsfrage: Meyer: Konversations-Lexikon S.22, Kutsche: Kriegsbild S.41 und Metzger: Universal-Lexikon. Letzter Zugriff: 18.07.2008.

[86] Siehe zu dieser These auch bei: Kutsche: Kriegsbild S.41.

[87] Widmung zu Band 9, in: Zedler (Band 9), Leipzig 1735, S.14.

[88] Kutsche: Kriegsbild S.41f.

[89] Siehe dazu auch bei: Kutsche: Kriegsbild S.41f.

[90] Kutsche: Kriegsbild S.57-59.

[91] Vergleiche: Meyer: Konversations-Lexikon S.22 und Bayerische Staatsbibliothek: Letzter Zugriff: 21.07.2008.

[92] Kutsche: Kriegsbild S.58f.

[93] Ders.: S.57-59.

[94] Ders.: S.58f.

[95] Kutsche: Kriegsbild S.58.

[96] Vergleiche: Blühm, Elger: Johann Heinrich Zedler und sein Lexikon, in: Jahrbuch der Schlesischen Friedrich-Wilhelms-Universität zu Breslau 7, Stuttgart 1962, S.186, Meyer: Konversations-Lexikon S.21 und Raupp: Zedler. Letzter Zugriff: 05.08.2008.

[97] Siehe Fußnote 2 bei: Quedenbaum, Gerd: Der Verleger und Buchhändler Johann Heinrich Zedler 1706-1751. Ein Buchunternehmer in den Zwängen seiner Zeit. Ein Beitrag zur Geschichte des deutschen Buchhandels im 18. Jahrhundert, Hildesheim und New York 1977, S.12.

[98] Blühm: Zedler S.186.

[99] [Art.] Zedler, Johann Heinrich, in: Zedler (Band 61), Leipzig 1749, S.168f, Sp.309-311.

[100] Blühm: Zedler S.186.

[101] [Art.] Zedler, Johann Heinrich, in: Zedler (Band 61), Leipzig 1749, S.168, Sp.309.

[102] Register der Stadt Freiberg, Gemeinde St. Petri 1596-1726, S.454. Hier entnommen bei: Quedenbaum: Zedler S.12.

[103] Vergleiche: [Art.] Zedler, Johann Heinrich, in: Zedler (Band 61), Leipzig 1749, S.168, Sp.309 und Raupp: Zedler. Letzter Zugriff: 05.08.2008 und Quedenbaum: Zedler S.12.

[104] Raupp: Zedler. Letzter Zugriff: 05.08.2008.

[105] Quedenbaum: Zedler S.13.

[106] Raupp: Zedler. Letzter Zugriff: 05.08.2008.

[107] Quedenbaum: Zedler S.13.

[108] [Art.] Zedler, Johann Heinrich, in: Zedler (Band 61), Leipzig 1749, S.168, Sp.309.

[109] Vergleiche: Raupp: Zedler. Letzter Zugriff: 05.08.2008, Quedenbaum: Zedler S.13 und Kutsche: Kriegsbild S.59.

[110] Vergleiche: Raupp: Zedler. Letzter Zugriff: 05.08.2008, Quedenbaum: Zedler S.13f, [Art.] Zedler, Johann Heinrich, in: Zedler (Band 61), Leipzig 1749, S.168, Sp.309 und Kutsche: Kriegsbild S.39.

[111] Vergleiche: Quedenbaum: Zedler S.13f und Raupp: Zedler. Letzter Zugriff: 05.08.2008.

[112] Vergleiche: [Art.] Zedler, Johann Heinrich, in: Zedler (Band 61), Leipzig 1749, S.168, Sp.309, Quedenbaum: Zedler S.15-18 und Raupp: Zedler. Letzter Zugriff: 05.08.2008.

[113] [Art.] Zedler, Johann Heinrich, in: Zedler (Band 61), Leipzig 1749, S.168, Sp.309.

[114] Ebenda.

[115] Quellentext und Sekundärliteratur sind hier uneins. Vergleiche: [Art.] Zedler, Johann Heinrich, in: Zedler (Band 61), Leipzig 1749, S.168, Sp.309 und Raupp: Zedler. Letzter Zugriff: 05.08.2008.

[116] Vergleiche: [Art.] Zedler, Johann Heinrich, in: Zedler (Band 61), Leipzig 1749, S.168, Sp.309, Raupp: Zedler. Letzter Zugriff: 05.08.2008 und Kutsche: Kriegsbild S.39.

[117] [Art.] Zedler, Johann Heinrich, in: Zedler (Band 61), Leipzig 1749, S.168, Sp.309f und Raupp: Zedler. Letzter Zugriff: 05.08.2008.

[118] Raupp: Zedler. Letzter Zugriff: 05.08.2008 und [Art.] Zedler, Johann Heinrich, in: Zedler (Band 61), Leipzig 1749, S.168, Sp.309f.

[119] Raupp: Zedler. Letzter Zugriff: 05.08.2008 und Kutsche: Kriegsbild S.39.

[120] Vorrede Band 1, in: Zedler (Band 1), Leipzig 1732, S.4.

[121] Kutsche: Kriegsbild S.39f.

[122] Ebenda.

[123] Bayerische Staatsbibliothek: Letzter Zugriff: 21.07.2008.

[124] Dies. und Kutsche: Kriegsbild S.40.

[125] Kutsche: Kriegsbild S.40.

[126] Kutsche: Kriegsbild S.40.

[127] Ders.: S.40f, Quedenbaum: Zedler S.31, Meyer: Konversations-Lexikon S.23 und Metzger: Universal-Lexikon. Letzter Zugriff: 18.07.2008.

[128] Kutsche: Kriegsbild S.40.

[129] Raupp: Zedler. Letzter Zugriff: 05.08.2008.

[130] Vergleiche: Raupp: Zedler. Letzter Zugriff: 05.08.2008 und Quedenbaum: Zedler beispielsweise S.79f, S.97 oder S.112.

[131] Zedleriana 2008: Letzter Zugriff: 21.07.2008, Stammen / Weber: Wissenssicherung S.10 und Raupp: Zedler. Letzter Zugriff: 05.08.2008.

[132] Kutsche: Kriegsbild S.40f, Quedenbaum: Zedler S.31, Meyer: Konversations-Lexikon S.23 und Metzger: Universal-Lexikon. Letzter Zugriff: 18.07.2009.

[133] Duden: Konzeptionen des Ungeborenen S.44 und Fischer-Homberger: Gerichtsmedizin S.229.

[134] Tomkowiak, Ingrid: Vorwort, in: Dies. (Hg.): Populäre Enzyklopädien. Von der Auswahl, Ordnung und Vermittlung des Wissens, Zürich 2002, S.9.

[135] Ich verwende hier eher die von Bernheim geprägte Unterscheidung von Tradition und Überrest, die sich an der Absicht historischer Überlieferungen orientiert. Siehe dazu zusammenfassend: Goetz, Hans-Werner: Proseminar Geschichte: Mittelalter (UTB 1719), 2. Auflage, Stuttgart 2000, S.90f.

[136] Tomkowiak: Enzyklopädien S.9.

[137] Siehe hierzu: Goetz: Mittelalter S.90f.

[138] Dinges, Martin: Sexualitätsdiskurse in der Frühen Neuzeit, in: Sozialwissenschaftliche Informationen 24, 1995, S.12.

[139] Einführung in die historische Diskursanalyse der Universität Essen nach Foucault: http://www.uni-essen.de/einladung/Vorlesungen/methoden/histdiskurs.htm, letzter Zugriff: 18.07.2008.

[140] [Art.] Diskurs / Diskursanalyse, in: Heidelberger Onlinelexikon zur Politik. Onlineprojekt des C.H. Beck-Verlages. Einzusehen unter: http://www.politikwissen.de/lexikon/diskurs.html, letzter Zugriff: 18.07.2008.

[141] [Art.] Diskurs / Diskursanalyse, in: Heidelberger Onlinelexikon zur Politik. Onlineprojekt des C.H. Beck-Verlages. Einzusehen unter: http://www.politikwissen.de/lexikon/diskurs.html, letzter Zugriff: 18.07.2008.

[142] Einführung in die historische Diskursanalyse der Universität Essen nach Foucault: http://www.uni-essen.de/einladung/Vorlesungen/methoden/histdiskurs.htm, letzter Zugriff: 18.07.2008.

[143] So verwendet in: [Art.] Geburt, in: Zedler (Band 10), Leipzig 1735, S.267-279, Sp.507-531.

[144] Beispielsweise verwendet in: [Art.] Schwangern, (Fieber und Hitze der), in: Zedler (Band 35), Leipzig 1743, S.941f, Sp.1854f und [Art.] Schwangern, (Schrecken und Zorn der), in: Zedler (Band 35), Leipzig 1743, S.943f, Sp.1858f.

[145] So verwendet in: [Art.] Ohnmachten bey Schwangern, in: Zedler (Band 25), Leipzig 1740, S.519, Sp.1011f.

[146] So verwendet in: [Art.] Ruhr der Schwangern, in: Zedler (Band 32), Leipzig 1742, S.843f, Sp.1660-1662.

[147] So verwendet in: [Art.] Geburt, in: Zedler (Band 10), Leipzig 1735, S.267-279, Sp.507-531.

[148] So verwendet in: [Art.] Schwangerschaffts-Kennzeichen, in: Zedler (Band 35), Leipzig 1743, S.946-954, Sp.1864-1879.

[149] Vergleiche dazu: Meyer: Konversations-Lexikon S.24f und Metzger: Universal-Lexikon. Letzter Zugriff: 18.07.2008.

[150] Metzger: Universal-Lexikon. Letzter Zugriff: 18.07.2008.

[151] Ebenda.

[152] Ebenda.

[153] Raupp: Zedler. Letzter Zugriff: 05.08.2008.

[154] Bayerische Staatsbibliothek: Letzter Zugriff: 21.07.2008.

[155] Vergleiche: Meyer: Konversations-Lexikon S.24f und Metzger: Universal-Lexikon. Letzter Zugriff: 18.07.2008.

[156] Vorrede van Ludewigs, in: Zedler (Band 1), Leipzig 1732, S.24.

[157] Vergleiche beispielsweise: [Art.] Schwangerschafft, in: Zedler (Band 35), Leipzig 1743, S.946, Sp.1863 und [Art.] Schwangerschaffts-Kennzeichen, in: Zedler (Band 35), Leipzig 1743, S.949, Sp.1870.

[158] Kutsche: Kriegsbild S.58f.

[159] [Art.] Schwangerschaffts-Kennzeichen, in: Zedler (Band 35), Leipzig 1743, S.949, Sp.1870.

[160] [Art.] Sälblein (Pest-) für Schwangere, in: Zedler (Band 33), Leipzig 1742, S.245, Sp.464.

[161] [Art.] Schwangern, (Fieber und Hitze der), in: Zedler (Band 35), Leipzig 1743, S.942, Sp.1855.

[162] [Art.] Schwangerschaffts-Kennzeichen, in: Zedler (Band 35), Leipzig 1743, S.948, Sp.1867.

[163] Fischer-Homberger: Gerichtsmedizin S.49.

[164] Bautz, Friedrich Wilhelm: Erasmus von Rotterdam, in: Bautz, Traugott (Hg.): Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (Band 1), Hamm 1990, Spalten 1524-1532. Online einzusehen unter: http://www.bautz.de/bbkl/e/erasmus_v_r.shtml, letzter Zugriff: 18.07.2008.

[165] Fischer-Homberger: Gerichtsmedizin S.59.

[166] [Art.] Schwangerschaffts-Kennzeichen, in: Zedler (Band 35), Leipzig 1743, S.948, Sp.1867.

[167] [Art.] Unkeuschheit, in: Zedler (Band 49), Leipzig 1746), S.927, Sp.1823.

[168] [Art.] Schwangerschaffts-Kennzeichen, in: Zedler (Band 35), Leipzig 1743, S.951, Sp.1873.

[169] Ders.: S.948, Sp.1868.

Details

Seiten
93
Jahr
2088
ISBN (eBook)
9783668477773
ISBN (Buch)
9783668477780
Dateigröße
1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v370432
Institution / Hochschule
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg
Note
1,0
Schlagworte
Frühe Neuzeit Schwangerschaft Zedler

Autor

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Titel: Schwangerschaft vor dem Umbruch