Lade Inhalt...

Gesellschaftskritik im Märchen. "Das kalte Herz" von Wilhelm Hauff

Hausarbeit 2013 16 Seiten

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Geschichtlicher Hintergrund
2.1 Situation der Gesellschaft um 1826
2.2 Verhältnis zwischen Werk und Gesellschaft

3. Gesellschaftskritik im Märchen

4. Hauffs Stellung zwischen Romantik und Realismus

5. Schluss

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Es gibt Menschen, „die von allem den Preis und von nichts den Wert kennen“1, sagte bereits Oscar Wilde. So ergeht es auch zunächst dem Kohlenmunk-Peter in Wilhelm Hauffs (1802-1827) Märchen Das kalte Herz. Der Protagonist lernt hier wie es ist in Armut und Reichtum zu leben und welche Konsequenzen das für seine Familie und Umwelt mit sich bringt. Das kalte Herz ist die Kerngeschichte des dritten Teils von Hauffs Märchenalmanache, Das Wirtshaus im Spessart, und ist 1826 erstmalig erschienen. Das zwischen Romantik und Realismus erschaffene Kunstmärchen befasst sich in erster Linie mit den Problemen innerhalb der Gesellschaft, die aufgrund von Wohlstand und Reichtum entstehen und schildert diese anhand der persönlichen Erfahrungen der Hauptfigur.

Um die in dem Märchen enthaltende Kritik an der Gesellschaft deutlicher zu verstehen, soll zunächst die Situation der Gesellschaft um 1826 geschildert werden. Diese wird im Anschluss in Verhältnis mit dem Werk Hauffs gesetzt. Danach folgt das Hauptaugenmerk der Arbeit, die Gesellschaftskritik innerhalb des Märchens. Diese soll mithilfe der bisherigen Beobachtungen dargestellt werden. Bevor es abschließend zum Fazit kommt, wird Hauffs Stellung zwischen Frühromantik und Spätrealismus geschildert und in Beziehung mit seiner Gesellschaftskritik gesetzt. Zum Abschluss werden die gewonnenen Erkenntnisse nochmals zusammengefasst und es wird ein Ausblick gegeben, der die Gegenwärtigkeit des Gesellschaftsproblems ins Auge fasst.

2. Geschichtlicher Hintergrund

Das Märchen Wilhelm Hauffs erhält seine kritische Funktion nicht zuletzt durch den geschichtlichen Hintergrund. Der Autor stellt anhand der Figuren in Das kalte Herz politische Verhältnisse dar, die den Wandel zur damaligen Zeit deutlich machen. Um die im Märchen enthaltende Kritik anschaulicher zu machen, wird also zunächst die Situation der Bevölkerung um 1826 geschildert.

2.1 Situation der Gesellschaft um 1826

Wilhelm Hauff schrieb sein Werk 1826 unter besonderen gesellschaftlichen Umständen. Denn in der Zeitspanne zwischen 1770 und 1830 kam es zu einer enormen Veränderung innerhalb der Gesellschaft, die Ständegesellschaft wurde von der modernen Gesellschaft abgelöst. Diese Ordnung führte zu der Konsequenz, dass jeder Mensch für seinen eigenen Beruf und somit auch für sein eigenes Einkommen verantwortlich war. Durch das Aufkommen des kapitalistischen Marktmodells kam es in dieser Zeit zu vielen – auch politischen – Veränderungen, die ihren Höhepunkt 1789 mit der Französischen Revolution erreichten.2

Infolge der Industrialisierung kam es außerdem zum Bau der Eisenbahn, welcher die Möglichkeit des schnellen Reisens bot. Das trug auch zur Freigabe des Fernhandels bei und hatte Auswirkungen auf die Region des Schwarzwaldes.3 Hier kam es zu einem erheblichen Aufschwung des Holzhandels mit den Niederlanden. Doch dieser industrielle Wandel wurde von den Bürgern nicht ausschließlich als positiv wahrgenommen, sondern eher „als Bedrohung oder gar Verlust von Identität“4. Der Aufschwung des Handels brachte die Haltung mit sich, dass alles als Tauschwert betrachtet wurde und die Menschen damals eine gewisse Gefühlskälte entwickelten, wodurch es aufgrund der sozialen Ungerechtigkeit auch häufig zu Missgunst und Neid kam.5 Dass diese Zustände darüber hinaus einen großen Einfluss auf die damalige Literatur und somit auch auf Hauffs Märchen hatten, zeigt sich im Folgenden.

2.2 Verhältnis zwischen Werk und Gesellschaft

Hauffs Märchen wurde also stark von den gesellschaftlichen Umständen und den damit verbundenen Gefühlskrisen der Menschen geprägt. Am Anfang von Das kalte Herz werden Wohlstand und Sozialprestige als Märchenglück gepriesen.6 Der Köhlersohn Peter Munk hat den Beruf seines Vaters übernommen und ist verärgert über diesen Stand, er besitzt große Sehnsucht nach Reichtum und damit verbundenem Ansehen und Glück:

[…] wär ich doch nur so angesehen und reich wie der dicke Ezechiel, oder so kühn und so gewaltig wie der lange Schlurker, oder so berühmt und könnte den Musikanten Taler statt Kreuzer zuwerfen wie der Tanzbodenkönig!7

Diese drei Vorbilder Peters personifizieren neben dem wirtschaftlichen Umbruch im Schwarzwald auch die allgemeine Kapitalisierung der Gesellschaft und stellen eine „negative Trinität“8 dar. Trotzdem sie also „wegen ihres Geizes verhasst [waren], so standen sie doch wegen ihres Geldes in Ansehen“9. Der dicke Ezechiel, der lange Schlurker und der Tanzbodenkönig stehen darüber hinaus in einem engen Verhältnis zum Holländer-Michel, auf den zu einem späteren Zeitpunkt eingegangen wird.10 Alle drei Leitbilder kamen durch Geld oder spezielle Fähigkeiten zu einem gesellschaftlichen Aufstieg, von dem Peter bisher nur träumen kann. Um sich diesen Traum erfüllen zu können erhofft er sich Hilfe durch das Glasmännlein oder den Holländer-Michel, über die er viele Sagen gehört hatte. Der Kohlenmunk-Peter lügt folglich sogar seine Mutter an, um das Glasmännlein aufzusuchen.11 Nach einem gescheiterten Versuch das Glasmännlein zu sich zu rufen, trifft Peter auf den Holländer-Michel. Doch aufgrund seines schlechten Rufes versucht es der Protagonist des Märchens erneut beim Glasmännlein. Dieses warnt Peter anschließend vor, dass nur durch hart erarbeitetes Geld Glück erlangt werden kann und er sich doch bitte „etwas Gutes und Nützliches“12

wünschen möge. Doch Peter ignoriert seinen Rat und wünscht sich als ersten seiner drei Wünsche, „[…] dass [er] noch besser tanzen könne als der Tanzbodenkönig und immer so viel Geld in der Tasche habe wie der dicke Ezechiel“13.

Während das Glasmännlein die Hauptfigur also zu schützen und zu belehren versucht, stellt der Holländer-Michel den Gegensatz und somit das Böse dar. Das Glasmännlein führt vor wie es sich in Zeiten des Kapitalismus menschlich leben lässt mit fairer Arbeit, die „schließlich zu einem sozialen Aufstieg verhilft“14. Der Holländer-Michel hingegen wird von Hauff als gefühlskalt und unbarmherzig beschrieben. Die Gegenüberstellung Hauffs von den Glasmachern und den Holzfällern ist also offensichtlich. Während die Glasmacher ihre Umwelt respektieren und sie von dieser scheinbar sogar auch begünstigt werden, missachten die Holzfäller die Umwelt und wohnen nur aus Geldgier im Wald. Zudem gelten die Glasmacher als vollkommen rein, während die Holzfäller „eher […] charakteristisch für den Frühkapitalismus“15 dargestellt werden.

Grund für den Bekanntheitsgrad des Holländer-Michels scheint folglich der von ihm betriebene Holzhandel zu sein, welcher ihm einen enormen Kapitalzustrom erbringt.16 Doch dem Märchen nach bringt ein so schnell wachsender Reichtum nur „unredlich[e] und schlecht[e]“17 Menschen mit sich. So kommt es auch im Verlauf Des kalten Herzens dazu, dass Peter Munk sich vom Reichtum verführen lässt und somit „zum chronischen Wirtshausgänger und Spieler, später zum gefühllosen, profitgierigen Wucherer“18 wird. Nachdem bei Peter zum Schluss jedoch der Verstand siegt und er sich dafür entscheidet durch sein einfaches Dasein als Köhler Geld zu verdienen, stellt er das Rückgrat der modernen Gesellschaft dar.19 Neben diesem zeitgemäßen Aspekt des Kapitalismus, lässt Hauff auch den Kult des Reisens nicht außer Acht, indem er Peter selbst auf Weltreise gehen lässt und auch häufig auf das Aussehen der Landschaft eingeht.20 So bilden „Peter Munks […] Abenteuer […] also gleichzeitig eine Art Reiseerzählung, die als Metapher für das Leben in der damaligen Gesellschaft dient“21.

Anhand dieser Gesichtspunkte ist deutlich zu sehen, dass die „thematisierten Konflikte stets eng auf Entwicklungen und Krisenerfahrungen von Hauffs eigener Zeit und Umwelt bezogen sind“22 und das Märchen in erster Linie die „Gefahren moderner Geldwirtschaft“23 aufzeigen möchte. Sowohl in Das kalte Herz als auch in der damaligen Gesellschaft scheint ein jeder Gebrauchswert zum Tauschwert zu werden und die zwischenmenschlichen Beziehungen dienen ausschließlich dem eigenen Profit.24 Es hat den Anschein, dass Hauff durch sein Märchen den Wandel an sich anerkennt, er jedoch die Leser dazu aufruft diesen „human [zu] gestalten“25. Auf diesen Punkt wird anschließend noch genauer eingegangen.

3. Gesellschaftskritik im Märchen

Wilhelm Hauffs Märchen Das kalte Herz dient offenbar nicht ausschließlich der Unterhaltung. Es beinhaltet auch eine geschichtliche Gesellschaftskritik, die dem Leser auf eine belehrende Art vor der Gier nach Reichtum warnt. Diese Bemängelung der menschlichen Gier wird an einer Stelle explizit von dem Glasmännlein hervorgehoben, wenn es sagt: „[i]hr seid ein sonderbar Geschlecht, ihr Menschen! Selten ist einer mit dem Stand ganz zufrieden, in dem er geboren und erzogen ist“26.

In erster Linie fällt Hauffs Kritik jedoch bei der Betrachtung des Titels auf. Das steinerne Herz tritt als Pars pro toto auf und steht dementsprechend „für Inhumanität, die durch die Kapitalisierung gefördert wird“27. Das Herz gilt als Sitz der Seele und noch zu Anfang des Werkes scheint Peter ein solches zu besitzen. Selbst nach dem er durch das Glasmännlein Reichtum erlangt hatte, vergaß er nicht die Armen. Sondern „er warf das Geld mit vollen Händen weg und teilte es den Armen reichlich mit, wusste er doch, wie ihn selbst einst die Armut gedrückt hatte“28. Doch sehr bald wird sich der Kohlenmunk-Peter bewusst, dass der Wohlstand auch seine negativen Seiten mit sich bringt. Durch seine törichte Art kommt es zum Verfall der Glashütte, die er durch das Gläsmännlein erhalten hatte. Diesem gibt der Protagonist auch die Schuld für sein Unglück und stellt fest: „[s]elbst als ich noch ein elender Köhlersbursch war, lebte ich froher und hatte keine Sorgen“29. Dass Peter dem Glasmännlein die Schuld für seinen

Verlust gegeben hat, bereut dieser bereits kurz darauf. Er erkennt seine Undankbarkeit und sucht im Anschluss den Holländer-Michel auf, um ihn um Hilfe zu bitten.30 Wie bereits erwähnt stellt der Holländer-Michel das Gegenteil zum Glasmännlein dar. An diesem Punkt spielt nach Smith auch die Höhenlage innerhalb des Schwarzwaldes eine bedeutende Rolle, sie spiegelt die Moral der Völker wider. So wohnen am Unterlauf des Rheines die Holländer, welche durch ihren kapitalistischen Handel und ihre schlechten Sitten bekannt sind. Da die Glasmacher am edelsten sind, wohnen sie auch höher im Schwarzwald als alle anderen Leute. Sie wohnen jedoch auch nicht auf dem Höhepunkt des Schwarzwaldes. Dieser Teil, der Tannenbühl, bleibt unbevölkert und besitzt mysteriöse Eigenschaften.31 Dieser Zusammenhang zwischen Höhenlage und Moral wird außerdem darin bestätigt, dass Peter zu Anfang in der Nähe des märchenhaften Tannenbühls gewohnt hat und im Verlauf der Geschichte „irgendwo dazwischen“32 wohnt. Peter befindet sich auf dem Weg zu seiner Erkenntnis folglich zunächst auf dem Irrweg, der besonders durch den Einfluss des Holländer-Michels verursacht wurde.

Denn der Holländer-Michel ist letztlich nur an seinem eigenen Nutzen interessiert und personifiziert in Das kalte Herz den Verlust der sozialen Verantwortung zugunsten der Kapitalvermehrung.33 Er bringt die Hauptfigur des Märchens sogar dazu sein eigenes Herz als etwas Schlechtes anzusehen, um es ihm abzunehmen: „du, armer Schelm, kannst nichts dagegen tun; aber gib mir das kaum pochende Ding, und du wirst sehen, wie gut du es dann hast“34. Diesem trügerischen Rat folgt Peter und tauscht sein lebendiges Herz gegen einen kalten Stein, sodass er von nun an frei von Emotionen jeglicher Art ist. Dieser Tausch kann auch als Teufelspakt verstanden werden und somit in Verbindung gesetzt werden mit Goethes Faust. 35

Nach dem Austausch mit dem Holländer-Michel scheint es dem Kohlenmunk- Peter zunächst gut zu gehen und er geht mit dem vielen Geld auf eine große Weltreise. Das Geld hat innerhalb Hauffs Märchen eine besondere Rolle, es erscheint dem Leser fast mysteriös.36 So wird Peter schon nach kurzer Zeit bewusst, dass ihn nichts mehr erfreut, kein Geld, „kein Bild, kein Haus, keine Musik, kein Tanz; sein Herz von Stein [nimmt] an nichts Anteil, und seine Augen, seine Ohren [sind] abgestumpft für alles Schöne“37. Diese Freudlosigkeit treibt Peter zurück in seine Heimat, den Schwarzwald. Dort angekommen wendet er sich erneut an den Holländer-Michel, welcher ihm nochmals hunderttausend Gulden schenkt und ihm gegen seine Freudlosigkeit zur

Arbeit rät. Auf diesen Rat hin fängt der Protagonist an mit Korn und Geld zu handeln, sodass er in Kürze zu einem der reichsten Männer im Schwarzwald aufsteigt. Dabei fängt Peter an die armen Menschen auszunehmen und sie schlecht zu behandeln. Er lässt sogar seine eigene Mutter zurück und gibt ihr gar nichts von seinem großen Reichtum ab.38

Im Folgenden kommt es dazu, dass Peter Lisbeth heiratet. Sie stellt das Gegenbild von Peter dar und verhilft ihm am Ende des Märchens zur Freiheit.39 Doch von seiner enormen Geldgier angetrieben, behandelt er sie zunächst schlecht. Er verbietet ihr sogar Geld an die Armen zu geben, doch aufgrund ihres guten Herzens

schenkt sie dem als alten Mann getarnten Glasmännlein trotz allem Brot und Wein. Als Peter das sieht, erschlägt er Lisbeth aus Habgier und gibt dem Glasmännlein wiederholt für alles die Schuld. An dieser Stelle des Märchens erscheint es mir allerdings fraglich wie Peter so in Aufregung geraten konnte, wo er doch weder ein Herz noch Gefühle besitzt. Von größerer Bedeutung ist allerdings, dass die Ehefrau den Opfertod für ein neues Leben von Peter stirbt, wobei sie zum Schluss des Märchens wieder zum Leben erweckt wird.40 Nach dem Mord macht das Männlein Peter schwere Vorwürfe und bietet ihm die Möglichkeit innerhalb von drei Tagen alles wieder gut zu machen. Daraufhin wird der Kohlenmunk-Peter nachts von schlechten Träumen heimgesucht, sodass er anfängt über den Tod und seine schlimmen Taten nachzudenken.41 Er sucht das Gespräch im Wirtshaus mit dem dicken Ezechiel, welcher selber ein steinernes Herz hat und ihm Folgendes über das Herz erzählt:

[h]ab mal einen Schulmeister darüber gefragt; der sagte mir, dass nach dem Tod die Herzen gewogen werden, wie schwer sie sich versündigt hätten. Die leichten steigen auf, die schweren sinken hinab, und ich denke, unsere Steine werden ein gutes Gewicht haben.42

Diese Geschichte stimmt Peter schlecht, sodass er mithilfe des Glasmännleins und durch eine List sein lebendiges Herz zurückerlangen möchte. Das Glasmännlein überreicht ihm zur Hilfe ein „Kreuzlein aus Glas, [welches] auf die neue, gereinigte Seelenverfassung, die sich durch eine ehrliche Reue gebildet hat“43, verweist. Hier stellt sich erneut die Frage, ob Peter mit einem kalten Herzen schon so viel Einsicht zeigen kann. Zudem erscheint es fraglich, dass Peter nicht auch die anderen gegen Stein ausgetauschten Herzen rettet. Doch es mag Hauffs Botschaft sein, dass jeder seines eigenen Glückes Schmied ist und so ist es auch in dem Märchen der Fall, dass es jedem selbst bestimmt ist seinen Weg in die Freiheit zu finden.44

Als er schließlich wieder sein richtiges Herz besitzt, fängt Peter an seine niederträchtigen Taten zu büßen. Der Protagonist ist so traurig, dass er am liebsten selber sterben würde. Aber aufgrund seiner Einsicht gibt das Glasmännlein Peter den dritten Wunsch frei und lässt seine Mutter und seine Ehefrau wieder auferstehen. In Folge dessen beginnt Peter mit seiner Familie ein neues Leben in einem bescheidenen Haus. Er fängt wieder an ein Handwerk auszuüben und sein Ansehen steigt allein durch seinen Fleiß. Schließlich haben ihn all seine schlechten Erfahrungen gelehrt, dass es „doch besser [ist], zufrieden zu sein mit wenigem, als Gold und Güter [zu] haben, und ein kaltes Herz“45.

Das Märchen rät dem Menschen also dazu zufrieden zu sein mit dem, was man hat. Vor allem in der Zeit des Kapitalismus und der Industrialisierung erhält dieser Rat große Wichtigkeit. Hauff schien die Bürger seiner Zeit dazu aufzufordern oberflächliche Werte wie Geld und Ansehen hinten anzustellen und sich wieder mehr auf die sozialen Werte wie Liebe und Wertschätzung zu fokussieren. Denn oftmals vergessen die Menschen auch heute noch vor lauter Gier und Neid die Bedeutung von zwischenmenschlichen Beziehungen, welche vor allem in Zeiten des Handels in den Hintergrund rücken. Das Märchen „plädiert [folglich], in heutigen Begriffen, für einen sozial verträglichen und humanen Umbau der Gesellschaft, den die Leser allerdings ohne Hilfe von Geistern leisten müssen“46. Zudem lehrt Wilhelm Hauff durch sein Märchen, dass es wichtiger ist mit Fleiß sein Geld zu verdienen und dabei möglicherweise weniger zu verdienen, als durch Betrug einen Überfluss an Reichtum zu haben. Demgemäß hatte für Hauff das Handwerk nicht nur eine Bedeutung im Sinne der Arbeit, sondern es „fordert [im ursprünglichen Sinne] Kopf, Herz und Hand; Geist, Ethik und Kraft“47.

[...]


1 Schmidbauer 2012: 9.

2 Vgl. Kremer 2007: 1-7.

3 Vgl. Kittstein 2002: 63.

4 Kremer 2007: 5.

5 Vgl. Kittstein 2002: 26.

6 Vgl. Kittstein 2002: 25.

7 Hauff 2009: 7.

8 Stiasny 1995: 151.

9 Hauff 2009: 6.

10 Vgl. Neuhaus 2002: 131.

11 Vgl. Hauff 2009: 7-9.

12 Hauff 2009: 21.

13 Hauff 2009: 21.

14 Neuhaus 2002: 131.

15 Smith 2002: 74.

16 Hauff 2009: 11-14.

17 Hauff 2009: 11.

18 Kittstein 2002: 26.

19 Vgl. Kittstein 2002: 81.

20 Vgl. Hauff 2009: 33-34.

21 Smith 2002: 75.

22 Kittstein 2002: 20.

23 Stiasny 1995: 175.

24 Vgl. Kremer 2007: 195.

25 Neuhaus 2002: 132.

26 Hauff 2009: 20.

27 Neuhaus 2002: 131.

28 Hauff 2009: 24.

29 Hauff 2009: 25.

30 Vgl. Hauff 2009: 26-29.

31 Vgl. Smith 2002: 77-78.

32 Smith 2002: 76.

33 Vgl. Voß 2009: 58.

34 Hauff 2009: 31.

35 Vgl. Neuhaus 2002: 133.

36 Vgl. Voß 2009: 61.

37 Hauff 2009: 33.

38 Vgl. Hauff 2009: 30-35.

39 Vgl. Stiasny 1995: 162.

40 Vgl. Stiasny 1995: 165.

41 Vgl. Hauff 2009: 36-41.

42 Hauff 2009: 41.

43 Stiasny 1995: 167.

44 Vgl. Stiasny 1995: 168.

45 Hauff 2009: 47.

46 Neuhaus 2002: 134.

47 Stiasny 1995: 154-155.

Details

Seiten
16
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783668479203
ISBN (Buch)
9783668479210
Dateigröße
675 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v370095
Institution / Hochschule
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Note
1,7
Schlagworte
Wilhelm Hauff Das kalte Herz Gesellschaftskritik im Märchen Gesellschaftskritik Märchen 1826 Werk und Gesellschaft Romantik Realismus Das Wirtshaus im Spessart Kunstmärchen

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Gesellschaftskritik im Märchen. "Das kalte Herz" von Wilhelm Hauff