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Ein Überblick über den Landnutzungswandel auf Teneriffa. Entwicklungen und Perspektiven

Zusammenfassung 2016 11 Seiten

Geowissenschaften / Geographie - Sonstiges

Leseprobe

Landnutzungswandel auf Teneriffa

Entwicklungen und Perspektiven

1. Definition

- Landnutzung: Art und Weise der Nutzung der Landoberfläche durch den Menschen

- Wandel = Änderung dieser Nutzung

- Beispiele: Rodung von Wäldern, Bebauung von Grünflächen, Renaturierung ehemaliger Industrieflächen

(lms.seos-project.eu)

2. Geschichtliche Entwicklung

- kulturlandschaftliche Entwicklung begann hauptsächlich mit Beginn der europäischen Kolonialisierung im 15. Jahrhundert

- zuvor hauptsächlich Anbau von Getreide und Haltung von Wanderviehherden durch Ureinwohner (Guanchen)

- ab 16. Jahrhundert monokultureller Zuckerrohr- und Weinanbau durch spanische Besatzer

- Zuckerrohranbau und Brennholzgewinnung auf Kosten der kanarischen Waldbestände

- Produktionsmenge von Wein stieg bis Ende 16. Jahrhundert auf 10.000 Liter

- Verdrängung von Bruchwald und Sukkulentenbusch

- Weinanbau bis heute wichtiger landwirtschaftlicher Faktor (2010 7.963 Tonnen) (INSTITUTO CANARIO DE ESTADISDICA 2013)

- ab Mitte 17. Jahrhundert Anbau überseeischer Gemüse- und Obstsorten

- 18. Jahrhundert landwirtschaftliche Diversifizierung

- erste Hälfte des 19. Jahrhundert Handel mit Cochenille (roter Naturfarbstoff der Schildlaus) -> Kiefernwälder, Sukkulentbusch, Brachwälder, Rebberge weichen für Feigenkakteen (an ihnen lebt die Schildlaus)

- ab Mitte 19. Jahrhundert monokultureller Anbau von Bananen, später Tomaten

- heute Intensivlandwirtschaft mit Bananen (gefördert durch EU- Subventionen, Produktionsmenge 2010 ca. 174.700 Tonnen), Tomaten, Schnittblumen

- Bananenanbau dominiert weite Teile Teneriffas

- kanarische Banane nicht weltmarktfähig, da arbeitsintensiv (chemischer Pflanzenschutz, künstliche Bewässerung) -> Bananenkulturen werden zunehmend durch Weinanbau ersetzt

- hohe Überbeanspruchung des Naturraums -> starke Fragmentierung der hohen ökologischen Vielfalt wie kanarischer Lorbeerwald oder thermophiler Buschwald

- nach 2. Weltkrieg nahm Bevölkerung auf Insel stark zu -> Anstieg an Baumaßnahmen & landwirtschaftlicher Infrastruktur

- exportorientierte Produktion von Bananen & Kartoffeln erweitert um Nelken, Rosen, Strelitzien

- heutzutage über 1000 Blumensorten gezüchtet (Orchideen, Rosen, südafrikanische & australische Proteaceen)

- anthropogene Eingriffe vornehmlich in mittleren Höhenstufen (400 - 800 m, Waldrodung) und Basalstufe (0 - 400 m, Landwirtschaft)

- bis Mitte 20. Jahrhundert fast aus­schließ­lich landwirtschaftliche Inwertsetzungsprozesse

- seit 1992 Tourismus maßgebliche Rolle bei anthropogener Umgestaltung des Raums

(POTT et al. 2003, S. 184 ff.)

3. Tourismus

- über 11,4 Millionen Touristen jährlich (2014) (teneriffa-news.com)

- Wandel von Agrar- zur Dienstleistungsgesellschaft -> Migrationsbewegung der Bevölkerung aus ländlichem Raum in urbane Tourismuszentren

- Siedlungsexpansion -> Versiegelung der Küstenzonen

- Ausdehnung landeinwärts -> Beanspruchung zahlreicher ehemaliger Bananen- und Tomatenplantagen

- Ausbau überwiegend touristisch geprägter Infrastruktur (Urbanisationen, Sporthäfen, Spazierwege, Schimmanlagen)

- auch Randzonen betroffen (Industriegebiete, sekundäres Straßennetz, Wohnorte, etc.)

- Rückgang der küstennahen Agrarflächen

- Aufgabe landwirtschaftlicher Nutzflächen -> potenzieller Raum für angrenzende Ökosysteme sich wieder auszubreiten & zu regenerieren

- Verlagerung & Konzentration menschlicher Aktivitäten von mittleren Höhenzonen auf die Küstenbereiche

- Wiederaufblühen der Weinproduktion durch steigende Nachfrage im Tourismus

(NAUMANN 2008, S. 1 ff.; POTT et al. 2003, S. 197 ff.; GOBIERNO DE CANARIAS 2013a, S. 132 f.; GOBIERNO DE CANARIAS 2013c, S. 143)

4. Agrarische Landnutzung

- Lage im Wirkungsbereich des Nordost- Passats, hypsometrische Gegebenheiten & geologische Gegebenheiten bewirken vielfältige, kleinräumige Unterschiede in Klima, Qualität des Bodens & Relief

- hohe Spanne im Jahresniederschlag: Norden feucht, Süden trocken

- Landwirtschaft 2000 über 50% des Gesamtwasserverbrauchs

- exportorientierte Plantagenwirtschaft größter Wasserkonsument der Insel (AGUILERA-KLINK et al. 2000, S. 235)

- Terrassenfeldbau an steilen Hängen

- küstennahe, ebene Flächen = Plantagenwirtschaft mit subtropischen Früchten wie Bananen & Zitrusfrüchten

- höher gelegene Teile der Insel = Früchte gemäßigter Zonen wie Kartoffeln & Wein

- landwirtschaftlich beeinflusste Fläche von 601,6 Quadratkilometern (ca. 1/3 Teneriffas) (durch aktuelle oder historische Nutzung, 2009)

- 2010 nur 28% dieser Fläche genutzt = 72% stillgelegt (vornehmlich in topographisch & klimatisch benachteiligten Regionen)

- gesamtlandwirtschaftliche Entwicklung Teneriffas von deutlichem Flächenrückgang innerhalb der letzten 25 Jahre geprägt

- Reduzierung der landwirtschaftlichen Anbaufläche von ca. 25.000 ha im Jahr 1986/88 auf etwa 16.700 ha im Jahr 2010

- besonders Ackerflächen & Schwarzbrachen mit meist traditionellem Bewässerungs- und Trockenfeldbau zur Produktion von Feldfrüchten für lokalen Markt aufgegeben (- 8.000 ha)

- Plantagen Flächendezimierung von 55% auf 2.500 ha

- stetiger Flächenanstieg bei Gewächshauskulturen, mit hauptsächlich exportorientiertem Anbau von Bananen, Tomaten & Schnittblumen (von 250 ha 1986/88 auf 3.300 ha 2010)

- viel landwirtschaftlich stillgelegte Fläche

- besonders in schwer zugängliche Regionen mit hohem Gefälle (z.B. im Nordwesten) oder hoher Aridität (Regionen im Süden)

(OTTO 2003, S. 59 ff.)

- küstennah geringe, unregelmäßige Niederschläge & hohe Verdunstungsraten = geringe Produktivität

- nur intensiver Bewässerungsfeldbau oder Trockenfeldbau

- periodische Brachlegung zur Regenration des Nährstoffhaushaltes

- Vulkanhänge = geeignete Bodenfruchtbarkeit, höhere Wasserspeicherkapazität -> ausgedehnte Terrassierungen -> mehrere Ernten pro Jahr (z.B. (Abb. 1: Ackerterrassen: GÜNTHERT 2011) Kartoffeln)

- Bewässerungslandwirtschaft (Regadio) vor allem zum Anbau von Kartoffeln, Süßkartoffeln, Paprika, Mais, Bohnen, Karotten, Kürbis, tropischen Früchten wie Papaya, Mango, Cherimoya, Avocado & in exportorientierter Landwirtschaft für Bananen & Tomaten

- Bananenanbau: humoser Boden, hohe Mitteltemperaturen, viel Wasser -> thermische Voraussetzungen in Küstennähe & Zonen zwischen 0 - 300 m

- humusreiche Feinerde aus Bergstufen zur Bodenanreicherung & intensive Bewässerung

- Monokulturen in großflächigen Plastiktreibhäusern zur Verringerung von Verdunstung

- südlich Tomatenbauregion und seit den 1970er Jahren nördliche und südliche Bananplantagen (vorher nur Norden, Süden trockener)

- Schnittblumen im Küstenbereich der gesamten Insel

- Tomatenexport heute vornehmlich winterliche Ausfuhr von Früh- Tomaten nach Europa

- heute geringe Bedeutung im Vergleich zu 1950er & 60er Jahren -> zu dieser Zeit Sukkulentbusch im Süden für Gewächshäuser großflächig zerstört

(OTTO 2003, S. 535)

[...]

Details

Seiten
11
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668490239
Dateigröße
1.4 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v369876
Institution / Hochschule
Universität Hildesheim (Stiftung)
Note
2,0
Schlagworte
überblick landnutzungswandel teneriffa entwicklungen perspektiven

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Titel: Ein Überblick über den Landnutzungswandel auf Teneriffa. Entwicklungen und Perspektiven