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Die Entwicklung des Musik- und Konzertwesens im 18. Jahrhundert in Deutschland, England und Frankreich

Hausarbeit 2016 15 Seiten

Musikwissenschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Deutschland
2.1 Berlin
2.1.1 Musikam (und durch den) preußischen Hof.
2.1.2 ÖffentlichesMusikwesen
2.2 Leipzig

3. England (London)

4. Frankreich (Paris)

5. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Entwicklung und dem Aufkommen der Musik- und Konzertinstitutionen im 18. Jahrhundert. Sie setzt dabei den Fokus auf England (London), Frankreich (Paris) und Deutschland. Dieses Thema ist deshalb relevant, weil sich im 18. Jahrhundert gerade in diesen Bereichen sehr viel getan hat: Zum Beispiel wurde das Konzert, wie wir es heutzutage kennen - also mit der distinkten Rolle des Publikums und eigens für diese Anlässe reservierten Räumlichkeiten - erst in diesen Jahrzehnten wirklich etabliert. Daraus entwickelte sich ein verändertes Bewusstsein von Musik, welches anhand der wichtigsten Musik- und Konzertinstitutionen sowie den neuen Entwicklungen in diesem Bereich, die in den folgenden Seiten näher besprochen werden, erkennbar wird.

Die Arbeit gliedert sich in drei Teile und wird mit einem Fazit abgeschlossen. In den drei Teilen wird jeweils das Musik- und Konzertwesen Deutschlands, Englands und Frankreichs im 18. Jahrhundert untersucht und seine Entwicklung in dieser Zeit dargestellt. Aufgrund der Tatsache, dass das Konzertwesen im 18. Jahrhundert fast in ganz Europa einen großen Aufschwung und Fortschritt erlebte, musste der Fokus dieser Arbeit auf die drei oben genannten Länder eingegrenzt werden. Diese Auswahl wurde getroffen, da Deutschland, England und Frankreich die Vorreiterrolle in diesen Entwicklungen einnahmen und eine umfassendere Bearbeitung des Themas den Rahmen dieser Arbeit sprengen würde. Aus eben diesem Grunde musste die genauere Untersuchung weiter auf diejenigen Orte beschränkt werden, welche für das Musik- und Konzertwesen dieser Länder von besonderer Relevanz sind: In Deutschland sind dies Berlin und Leipzig, in England London und in Frankreich Paris. Die Arbeit gliedert sich entsprechend dieser Reihenfolge.

2. Deutschland

Im Jahrhundert der Aufklärung gab es in Deutschland eine zunehmende Anzahl an Städten mit einem regen Musikleben. Einige wichtige Musikstädte waren zum Beispiel Hamburg, Frankfurt am Main, Nürnberg, Dresden oder Weimar, doch die wohl bedeutendsten hiervon waren Berlin und Leipzig, weshalb sich diese Arbeit auf die beiden letzteren beschränkt.

2.1 Berlin

Im folgenden Kapitel werde ich mich zuerst mit der Musik am preußischen Hof beschäftigen, um dann im zweiten Schritt auf das öffentliche Musikwesen einzugehen.

2.1.1 Musik am (und durch den) preußischen Hof

Noch zu Anfang des 18. Jahrhunderts hörte man nicht viel von der Musik am preußischen Hof in Berlin. Dies hat einerseits damit zu tun, dass das Konzertwesen am Hof privat, also nicht für Außenstehende zugänglich war, aber auch damit, dass Musik dort bis zum Thronantritt Friedrich II. im Jahr 1740 nur eine nebensächliche Rolle spielte. Man kann sogar während der Herrschaft des „Soldatenkönigs“ Friedrich I. (1713­1740) von einer regelrecht „kulturell barbarischen” Epoche sprechen, da Friedrich I. die Musik am Hof auf das allermindeste reduzierte. Durch seine Abschaffung schon vorhandener Institutionen wie zum Beispiel der Hofkapelle, wurde die preußische höfische Musikkultur in ihrer kontinuierlichen Entwicklung stark behindert. Bis zum Tod seines Vaters musste der musikaffine und durchaus auch musikalisch begabte Friedrich II. seine künstlerisch-kreativen Neigungen unterdrücken - lebte diese aber dann um so intensiver während seiner eigenen Regentschaft ab. Mit seiner Ansicht, dass „nichts [...] einem Reich mehr Glanz [gibt], als wenn die Künste unter seinem Schutz erblühen“[1], tritt mit ihm eine neue kulturpolitische Ära ein. Diese verhalf auch der Hofmusik (zum Beispiel durch die Wiederaufnahme und dem Ausbau der Hofkapelle) zu einem Neubeginn. Ein weiter wichtiger Entschluss zur Förderung der Berliner Musikkultur war die Errichtung des 1743 eröffneten Opernhauses auf dem Prachtboulevard Unter den Linden, mit dem Friedrich II. „die Abkehr von der hausväterlichen-biederen Prägung des Landes durch seinen Vater [...] und den Wiedereintritt Preußen[s] in den Kreis der europäischen Kulturnationen “[2] symbolisieren und bewirken wollte. Hierzu schrieben die Berlinischen Nachrichten: „Den Fremden so wohl, als den einheimischen, von was vor Stande sie sind, wird erlaubt seyn, ohne Endgeld, sich bey denen Opern, Comödien, und masquirten Bällen, einzufinden[3] “, denn sie sollten prinzipiell allen Berlinern und auswärtigen Besuchern Berlins zugänglich sein.

In den 46 Jahren seiner Regierungszeit war Friedrich II. im Operngeschehen in vielfältiger Weise engagiert: Neben seiner Einflussnahme auf die Gestaltung der Personalpolitik, des Spielplans und der Produktionen einzelner Opern komponierte er teils auch selbst einzelne Arien und sinfonische Stücke. Neben den Opernvorstellungen konnten die Berliner Bürger auch am Hof selbst regelmäßig Konzerte oder Ballettaufführungen genießen, da Friedrich II. Wert darauflegte, die höfische Musikszene nicht nur privat zu halten, sondern auch Aufführungen für ein großes, öffentliches Publikum anzubieten. So entwickelte sich die preußische Hauptstadt, nicht wenig bedingt durch das hochkarätige Musikprogramm, innerhalb kurzer Zeit zu einem international renommierten und konkurrenzfähigen Musikzentrum und erlebte vor allem in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts seine Blütezeit.

Nach dem Tod Friedrich II. in 1786 übernahm Friedrich Wilhelm II. die Regentschaft, unter dessen Obhut sich das Berliner Musikleben noch weiter entfalten konnte. Schon im Jahre seines Thronantritts eröffnete er auf dem Gendarmenmarkt das königliche Nationaltheater, an welchem ein höfisches aber auch ein bürgerliches Publikum ein neues, vor allem deutsches Opernprogramm kennenlernen konnte. Wie sah es nun mit dem öffentlichen Musikwesen aus? Dies soll im folgenden Kapitel beleuchtet werden.

2.1.2 Öffentliches Musikwesen

Obwohl die Dominanz des Hofes in politischen, ökonomischen und kulturellen Angelegenheiten groß war, schaffte es das Bürgertum trotzdem - gegen Mitte des 18. Jahrhunderts und nochmal verstärkt nach dem Siebenjährigen Krieg (1756-1763, also vergleichsweise relativ spät - eine eigene Musikkultur aufzubauen und zu tragen. Dies drückte sich zunächst in der Gründung verschiedener Liebhabergesellschaften wie zum Beispiel der Musikausübenden Gesellschaft (1749), dem Konzert der Musikliebhaber (1770), dem Übungskonzert (1776) oder dem Konzert für Kenner und Liebhaber (1787) aus, welche zunächst in Privathäusern und dann in zunehmend öffentlicheren Orten (Abonnement-) Konzerte spielten. Parallel dazu veranstalteten immer mehr Hotels und Gaststätten regelmäßige Musikdarbietungen. Man kann besonders ab den 1780er Jahren von einer zunehmenden und anhaltenden Professionalisierung des bürgerlichen Konzertlebens sprechen, da sich zu dem Zeitpunkt schon eine Vielzahl an Konzertreihen in Berlin etabliert hatte, welche in den verschiedensten öffentlichen Einrichtungen gegen Eintrittsgeld für alle zugänglich waren. Laut dem Musikwissenschaftler Christoph

Henzel ist diese „Expansion des öffentlichen Konzertlebens [einerseits] durch das kontinuierliche Wachstum der städtischen Bevölkerung [aber auch] durch die seit dem Regierungsantritt Friedrich II. gewachsene Akzeptanz der Musik als Unterhaltungs- und Bildungsgut “[4] zu erklären. Neben Berlin zeigte jedoch auch Leipzig eine sehr rege Entwicklung des musikalischen Lebens. Dieses soll nun beschrieben werden.

2.2 Leipzig

Eine weitere Stadt welche im deutschen Musikwesens des 18. Jahrhunderts von Bedeutung war, ist Leipzig - wie Berlin eines der frühen Zentren der Aufklärung. Durch seine Wichtigkeit als Handels- und Messestadt war Leipzig schon seit dem Mittelalter im horizonterweiternden Kontakt mit der Welt. Eine seiner wichtigsten Musikinstitutionen, der Thomanerchor der Nikolai-Kirche, welcher noch heute ein internationales Renommee genießt, entstand bereits im 13. Jahrhundert. Seitdem erlebte die Stadt einen progressiven Anstieg der Musikpräsenz in seinen Straßen. „Ton und Klang sind damals unzertrennliche Begleiter aller großen und kleinen Freuden des täglichen Lebens gewesen. Auf Straßen und Plätzen der Stadt, in den Schenken und Gasthöfen klang es, wenn die Abendstunden nahten und das Tageswerk vollbracht war von Liedern und Lautenspiel[5].“ schreibt Arnold Schering über das dortige Musikleben des späten 17. Jahrhunderts. Zu dieser Zeit entstanden auch die ersten Collegia Musica, private Verbände von (vielfach studentischen) Musikliebhabern, welche sich zunächst im geschlossenen Kreis zum Musizieren trafen. 1702 gründete Georg Philipp Telemann kurz nach seiner Immatrikulation das wohl bekannteste Collegium Musicum und richtete auch regelmäßige Proben und Konzerte in verschiedenen öffentlichen Einrichtungen der Stadt wie zum Beispiel Kaffeehäusern oder -gärten ein. Diese Organisationen trugen nicht unwesentlich zur allmählichen Entstehung des öffentlichen Konzerts bei. Eine weitere wichtige Institution war die Konzertgesellschaft des Großen Concerts, gegründet von einer Gruppe einflussreicher, kunstbegeisterter Kaufleute. Dieses ist später mit der Reihe der „in der ganzen zivilisierten Welt wohlbekannten, [...] nach ihrem späteren Lokal [genannten] ,Gewandhaus-Konzerte’[6] “ berühmt geworden.

[...]


[1] o.V. (1912) zitiert in Terne, C. (2009:1)

[2] Henzel, C. (1999:17)

[3] o.V. (1743) zitiert in Terne, C. (2009: 3)

[4] Henzel (1999: 126)

[5] Schering, A. (1926: 302)

[6] Creuzburg, E. (1931: 12)

Details

Seiten
15
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668515093
ISBN (Buch)
9783668515109
Dateigröße
644 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v369864
Institution / Hochschule
Folkwang Universität der Künste
Note
Schlagworte
entwicklung musik- konzertwesens jahrhundert deutschland england frankreich

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