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Stress im Studium. Psychische Belastungen und Erkrankungen bei Studierenden im Präsenz- und im Fernstudium

Bachelorarbeit 2017 125 Seiten

Psychologie - Arbeit, Betrieb, Organisation und Wirtschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abstrakt

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Zielsetzung der Arbeit
1.3 Aufbau der Arbeit

2 Theoretische Grundlagen
2.1 Formen des Studiums
2.2 Stress
2.3 Psychische Belastung
2.4 2.4 Ableitung der untersuchungsrelevanten Forschungsfragen

3 Die empirische Untersuchung
3.1 Untersuchungsobjekt: Studierende in Deutschland anhand aktueller Zahlen
3.2 Die Befragung

4 Ergebnisse der Befragung
4.1 Methodik zur Auswertung
4.2 Auswertung des Datenmaterials der Befragung
4.3 Prüfung der Annahmen
4.4 Interpretation und Beurteilung der psychischen Belastung von Studierenden

5 Diskussion
5.1 Kritische Reflexion der Methodik
5.2 Kritische Reflexion der Ergebnisse
5.3 Fazit mit Zukunftsausblick

Literaturverzeichnis

Internetquellenverzeichnis

Anhang
Anhang 1: Übersicht – Einladungsliste Befragungsteilnehnmer
Anhang 2: Fragebogen
Anhang 3: SPSS Zusatzauswertungen

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Transaktionales Stressmodell nach Lazarus (Quelle: Bamberg, E.; Keller, M.; Wohlert, C.; Zeh, A.: 2006, S. 10)

Abbildung 2: Auslöser für Stress (Quelle: Statista (14.11.2016): https://de.statista.com/statistik/daten/studie/6803/umfrage/ursachen-fuer-stress/)

Abbildung 3: Stressoren im Studium (Quelle: Schäfer, A.: 2013, S. 8)

Abbildung 4: Zusammenhang von psychischer Belastung und psychischer Beanspruchung (Quelle: Oppolzer, A.: 2009, S. 15)

Abbildung 5: Anzahl der Studierenden in Deutschland (Quelle: Statista (27.01.2017):https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1264/umfrage/anzahl-der-studenten-nach-hochschulart/)

Abbildung 6: Auswertung: Immatrikulation nach Hochschulart in %, Frage S1 (Quelle: Eigene Darstellung)

Abbildung 7: Auswertung: Körperliche Beschwerden im Alltag, Frage B4 (Quelle: Eigene Darstellung)

Abbildung 8: Auswertung: Beeinträchtigung der psychischen Gesundheit durch das Studium, Frage P5 (Quelle: Eigene Darstellung)

Abbildung 9: Auswertung: Altersstruktur der Befragungsteilnehmer, Frage D2 (Quelle: Eigene Darstellung)

Abbildung 10: Auswertung: Stressoren im Studium, Frage B1 (Quelle: Eigene Darstellung)

Abbildung 11: Auswertung: Stressoren im Alltag, Frage B2 (Quelle: Eigene Darstellung)

Abbildung 12: Auswertung: PHQ-Stressmodul, Frage P7 (Quelle: Eigene Darstellung)

Abbildung 13: Auswertung: BDI – Verlust von Energie, Frage P13 (Quelle: Eigene Darstellung)

Abbildung 14: Auswertung: Beschwerden-Liste, Frage P6 (Quelle: Eigene Darstellung)

Abbildung 15: Auswertung: Stress- und Coping-Inventar, Frage P8 (Quelle: Eigene Darstellung)

Abbildung 16: Auswertung: GAD-7 Fragebogen, Frage P9 (Quelle: Eigene Darstellung)

Abbildung 17: Auswertung: BDI – Pessimismus, Frage P13 (Quelle: Eigene Darstellung)

Abbildung 18: Auswertung: BDI – Frühere Misserfolge, Frage P13 (Quelle: Eigene Darstellung)

Abbildung 19: Auswertung: BDI – Abneigung gegen sich selbst, Frage P13 (Quelle: Eigene Darstellung)

Abbildung 20: Auswertung: BDI – Entschlussunfähigkeit, Frage P13 (Quelle: Eigene Darstellung)

Abbildung 21: Auswertung: Konsumverhalten Alkohol, Frage P10 (Quelle: Eigene Darstellung)

Abbildung 22: Auswertung: Konsumverhalten Drogen, Frage P11 (Quelle: Eigene Darstellung)

Abbildung 23: Auswertung: Konsumverhalten Medikamente, Frage P12 (Quelle: Eigene Darstellung)

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Zentrale Unterschiede zwischen Präsenz- und Fernstudium (Quelle: Eigene Darstellung)

Tabelle 2: Symptome von Alkohol-, Drogen- & Medikamentenabhängigkeit (Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Disse, S.: 2015, S. 44 ff.)

Tabelle 3: Strukturbaum zum Konstrukt „Psychische Belastung im Studium“ (Quelle: Eigene Darstellung)

Tabelle 4: Übersicht der Gütekriterien (Quelle: Eigene Darstellung)

Tabelle 5: Interpretation der Skalensummenwerte des GAD-7 Fragebogens (Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Brähler, E.; Zenger, M.; Kemper, C. J.: 2014, S. 95)

Tabelle 6: Interpretation der Skalensummenwerte des BDI (Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Geue, K.; Strauß, B.; Brähler, E.: 2016, S. 50)

Tabelle 7: Umfrageverbreitung via Facebook (Quelle: Eigene Darstellung)

Abstrakt

Das Hauptaugenmerk der vorliegenden Bachelorarbeit liegt auf dem Themengebiet der psychischen Belastung bei Studierenden im Präsenzstudium sowie bei Studierenden im Fernstudium. In der Arbeit wird dabei nicht nur die grundlegende Theorie zum Thema Stress miteinbezogen, sondern auch die Folgen psychischer Belastungen: die psychischen Störungen. Die Studierenden in Deutschland stellen dabei das Objekt der empirischen Untersuchung dar.

Im Fokus der empirischen Untersuchung stehen die folgenden drei Aspekte: der Grad der psychischen Belastung von Studierenden, die Stressoren, die diese psychischen Belastungen bedingen und die Beeinträchtigung der psychischen Gesundheit, welche gegebenenfalls Anzeichen einer psychischen Störung aufweisen kann. Um diese zentralen Aspekte zu erforschen, wurden von der Autorin 1.039 Studierende aus ganz Deutschland befragt, die momentan ein Präsenz- oder ein Fernstudium absolvieren.

Das Ziel dieser Arbeit liegt somit in der Beantwortung von drei Forschungsfragen, welche die oben genannten Aspekte abdecken, und daraus folgend in der Beurteilung der psychischen Gesundheit der Studierenden in Deutschland.

Durch die Studie konnte keine der drei Forschungsfragen bestätigt werden. Die Ergebnisse zeigen jedoch deutlich, dass sich der Grad der psychischen Belastung bei Präsenz- und Fernstudierenden unterscheidet. Die Studierenden im Präsenzstudium sind demnach deutlich stärker belastet. Dies zeigt sich nicht nur in der Beeinträchtigung der psychischen Gesundheit, sondern auch in Form von körperlichen Beschwerden. Studierende, die nach dem Beginn des Studiums eine psychische Störung entwickelten, geben an, dass das Studium wesentlich zu dessen Entstehung beigetragen hat (59,2%).

Zeitnot, Leistungsdruck und die Angst vor dem eigenen Versagen werden sowohl von Präsenz- als auch von Fernstudierenden als die Hauptstressoren genannt. Dabei zeigt sich, dass diese Stressoren bei den Fernstudierenden jeweils um knapp 20% niedriger ausgeprägt sind. Während für die Fernstudierenden die Familie, Kinder und die Berufstätigkeit als Stressoren empfunden werden, stehen für die Präsenzstudierenden ein möglicher Auszug bzw. Umzug, die Loslösung vom Elternhaus und die finanzielle Situation als weitere Stressoren im Vordergrund.

Die Studierenden im Präsenzstudium fühlen sich durch das Studium in ihrer psychischen Gesundheit zwar deutlich mehr beeinträchtigt (41%), dennoch muss angemerkt werden, dass sich auch 21% der Fernstudierenden in ihrer psychischen Gesundheit beeinträchtigt fühlen. Die Resultate der Auswertung hinsichtlich einer psychischen Störung zeigen, dass sowohl Anzeichen einer Angstsymptomatik als auch einer Depression bei den Studierenden zu erkennen sind.

Zusammenfassend zeigen die Ergebnisse dieser empirischen Untersuchung, dass sowohl bei den Präsenz- als auch bei den Fernstudierenden psychische Belastungen vorhanden sind, jedoch bei den Studierenden im Präsenzstudium stärker ausgeprägt sind. Über die Ergebnisse der Befragung zur psychischen Belastung im Studium darf, entgegen der Annahme der Gesellschaft Stress entstehe erst im Berufsalltag, nicht hinweggesehen werden.

Diese Abschlussarbeit dient vor allem der Aufdeckung von Belastungen und Stressoren, die im Studium auftreten und durch das Studium entstehen. Dabei können die Studierenden für die Thematik sensibilisiert werden und Universitäten und Hochschulen können Punkte erkennen, an denen z.B. mittels psychologischer Beratungsstellen interveniert werden kann.

Die Autorin dieser Arbeit erhofft sich selbst einen interdisziplinären Erkenntnisgewinn, Einblicke in die Unterschiede zwischen Präsenz- und Fernstudium und die Erweiterung ihrer Fähigkeiten in der empirischen Forschung.

Schlüsselwörter: Studium – Präsenzstudium – Fernstudium – Studierende – Stress – Stressoren – Transaktionales Stressmodell – Psychische Belastung – Depression – Angststörung – Abhängigkeitserkrankung

1 Einleitung

Jeder Mensch kennt es: Die Schule ist abgeschlossen und es stellt sich die Frage wie es weitergehen soll. Das Studium ist häufig die erste Wahl. Mittlerweile gibt es viele verschiedene Studienmöglichkeiten: ein Studium an der Universität, an der Fachhochschule, an der pädagogischen Hochschule, ein duales Studium oder ein Fernstudium. Das Studium erfordert eine hohe Belastbarkeit der Studierenden aufgrund von Abgabefristen und Klausuren als auch aus privatem Blickwinkel wie bspw. die Handhabung der finanziellen Situation oder die Loslösung vom Elternhaus. Somit sind die Studierenden häufig einem enormen Stress ausgesetzt. Nicht ungewöhnlich ist, dass Studierende sogar psychische Probleme entwickeln wie zum Beispiel Depressionen. So werden zunehmend psychische Störungen bei Studierenden diagnostiziert, Medikamente werden verschrieben und der Bedarf an psychologischen Beratungsstellen an den Hochschulen steigt.[1] Es ist offensichtlich, dass Stresszustände bereits im Studium einsetzen können und nicht erst mit dem Einstieg in die Berufswelt. Das Studium, Stress und andere Belastungen ergeben ein komplexes Zusammenspiel, welches durch eine Vielzahl weiterer Faktoren beeinflusst wird.

1.1 Problemstellung

In der heutigen Generation nehmen die Belastungsfaktoren immer mehr Raum ein. So lastet auf den Menschen bereits im frühen Schulalter viel Druck, denn die Leistung in der Grundschule entscheidet über die weitere Beschulungsart, was weitere Konsequenzen nach sich zieht: Nur Schüler, die gute Leistungen zeigen, können das Gymnasium besuchen. Dieses müssen sie wiederrum gut abschließen, damit sie das Studium beginnen können, das sie sich vorstellen. Mit der heutzutage ansteigenden Anzahl an Studierenden steigen auch die Aufnahmeanforderungen an den Universitäten und Hochschulen, was zum Beispiel ein NC von 1,0 für das Studium der Medizin verdeutlicht.[2] Gelingt es mit den erbrachten Leistungen ein Studium zu beginnen, nehmen die Belastungen weiter zu: Die Prüfungsanforderungen sind hoch, der Lernstoff sehr umfassend und die Zeit meistens zu knapp. Dadurch geraten die Studierenden immer wieder unter Stress. Aber wie bereits angedeutet, stellen nicht nur die Leistungsanforderungen eine Belastung im Leben der Studierenden dar. So stellt gerade für Studierende, die ein Präsenzstudium beginnen, der Auszug aus dem Elternhaus gleich mehrere Belastungen gleichzeitig dar. Zum einen steht die Loslösung vom Elternhaus im Vordergrund und zum anderen die neue finanzielle Situation durch die Finanzierung der Wohnung, des Studiums und dem weiteren Lebensunterhalt. Häufig nehmen die Studierenden deshalb neben dem Studium eine Berufstätigkeit auf, bspw. in Form eines Mini-Jobs oder einer Werkstudententätigkeit. Für Studierende im Fernstudium ist diese Belastung meist nochmals höher, da diese häufig einer Vollzeitberufstätigkeit nachgehen und zusätzlich studieren. Der Wunsch sich weiterzubilden ist in den letzten Jahren stark gestiegen. Das Studium an einer Fernuniversität kommt vor allem dann häufig in Betracht, wenn ein Masterabschluss angestrebt wird, dieser aber erst nach ein paar Jahren Berufstätigkeit begonnen wird. Das Ziel ist häufig eine positive berufliche Veränderung.[3] Nichtsdestotrotz ist die Belastung der Studierenden hoch. Dadurch besteht bereits die Gefahr, dass die psychische Gesundheit der Studierenden leidet. Es gibt bereits eine Vielzahl an Studien, in denen die psychische Belastung im Studium untersucht wird. Die Ergebnisse ähneln sich: Studierende fühlen sich überdurchschnittlich gestresst.[4] Genau dieser Stress trägt mit dazu bei, dass Studierende immer häufiger unter einer psychischen Störung leiden. So geht aus dem Report der Techniker Krankenkasse (2015) hervor, dass jeder fünfte Studierende eine psychische Diagnose erhält.[5]

Diese Abschlussarbeit verfolgt nun als Hauptziel diese psychischen Belastungen der Studierenden empirisch zu untersuchen und ein Vergleich zwischen Studierenden im Präsenzstudium und von Studierenden im Fernstudium zu ziehen. Die Vermittlung der dafür notwendigen theoretischen Grundlagen und eine detaillierte Ausführung zu der empirischen Untersuchung erfolgt im weiteren Verlauf dieser Arbeit.

1.2 Zielsetzung der Arbeit

Wie aus der obigen Problemstellung deutlich wird, stellt ein Studium häufig eine große Herausforderung dar. Nicht nur das Lernen des neuen Stoffes, sondern auch viele weitere Faktoren können dabei nicht unberücksichtigt bleiben: finanzielle Sorgen, Prüfungsängste, zu hohe Ansprüche an sich, Nebenjobs, ggf. die Loslösung vom Elternhaus, jüngere Studierende aufgrund der verkürzten Schullaufbahn durch das achtjährige Gymnasium (G8) etc. Diese Herausforderungen können sich schnell zu psychischen Belastungen entwickeln.

Diese Bachelorarbeit setzt sich zum Ziel, diese psychischen Belastungen empirisch zu messen und Faktoren zu ermitteln, welche die psychischen Belastungen und den Stress bedingen oder auch verstärken können. Neben dieser Messung soll ebenso untersucht werden, inwiefern bzw. ob sich die psychischen Belastungen von Studierenden in einem Präsenzstudium zu den Belastungen von Fernstudenten unterscheidet, welche Unterschiede es hinsichtlich der Stressoren gibt und wie die eigenen Grenzen der Studierenden hinsichtlich der psychischen Belastbarkeit gesetzt sind. Diese drei Fragestellungen stellen das wesentliche Ziel der empirischen Untersuchung dieser Arbeit dar und werden in Kapitel 2.4 ausführlich vorgestellt.

Die psychische Belastung von Studierenden wird häufig unterschätzt, indem das Studentenleben als entspannte Zeit voller neuer Bekanntschaften, Semesterpartys und viel Freizeit beschrieben wird. Die Prüfungen und weitere Aufgaben geraten hier häufig aus dem Blickfeld. Diesem Vorurteil wird mit der vorliegenden Arbeit in Theorie und Praxis auf den Grund gegangen.

1.3 Aufbau der Arbeit

Die vorliegende Arbeit gliedert sich in zwei Hauptteile. Zu Beginn werden die notwendigen theoretischen Grundkenntnisse vermittelt, um ein gemeinsames Grundverständnis für diese Arbeit zu schaffen. Die Theorie umfasst zum einem die Formen des Studiums und zum anderen die Problemfelder Stress und die psychische Belastung. In dem folgenden zweiten Teil wird die durchgeführte empirische Untersuchung vorgestellt. Dabei wird auf die angewandte Methodik und auf die Durchführung der Untersuchung eingegangen. Des Weiteren werden die Ergebnisse der Befragung präsentiert und im nachfolgenden Diskussionsteil kritisch reflektiert. Zum Abschluss dieser Bachelorarbeit wird die psychische Belastung der Studierenden beurteilt, um ein Fazit mit Zukunftsausblick geben zu können.

2 Theoretische Grundlagen

Dieses Kapitel dient der Vermittlung von theoretischen Grundkenntnissen, die für die vorliegende Arbeit relevant sind. Zu Beginn wird grundlegend zwischen einem Präsenz- und einem Fernstudium unterschieden. Nachfolgend wird zum einen die Thematik Stress betrachtet und zum anderen wird explizit auf die psychischen Belastungen und die psychischen Störungen eingegangen. Des Weiteren werden jeweils die Zusammenhänge zum Studium vermittelt. Abschließend werden mit Hilfe des aufgearbeiteten Wissens die untersuchungsrelevanten Forschungsfragen für den Praxisteil dieser Arbeit vorgestellt.

2.1 Formen des Studiums

Die Schule ist vorbei und für die Schüler stellt sich die Frage nach ihrem beruflichen Weg. Eine Vielzahl an Schulabsolventen entscheidet sich für ein Studium. Das Studium stellt dabei eine Ausbildung an einer Universität oder Hochschule nach wissenschaftlichen Maßstäben dar.[6] Je nach Studiengang gibt es weitere Hochschularten wie z.B. die Pädagogische Hochschule, Musikhochschulen, Sporthochschulen o.ä. Abgeleitet wird der Begriff Studium von dem lateinischen Wort „studere“ und bedeutet „nach etwas streben, sich um etwas bemühen“.[7] Innerhalb des Studiums kann in die folgenden Studienformen unterschieden werden: Präsenzstudium (Voll- oder Teilzeit), Fernstudium (Voll- oder Teilzeit) und duales Studium.[8] Da für diese Arbeit und die empirische Untersuchung lediglich das Präsenz- und das Fernstudium von Bedeutung sind, werden nur diese beiden Varianten im nachfolgenden genauer definiert und vorgestellt.

2.1.1 Das Präsenzstudium

Das Präsenzstudium ist die Studienform, bei der die Studierenden vor Ort in Voll- oder Teilzeit an einer Universität oder Fachhochschule studieren. Bei einem Präsenzstudium stellt das Studium die Haupttätigkeit der Studierenden dar, sowohl inhaltlich als auch zeitlich gesehen. Die Organisation und Zeitstrukturen orientieren sich hierbei an den üblichen Arbeitstagen. Dies bedeutet, dass sich die Präsenzzeiten üblicherweise auf den Zeitraum von Montag bis Freitag von ca. 8 bis 18 Uhr erstrecken. Diese Präsenzzeiten enthalten dabei die Vorlesungen, Exkursionen, Seminare, Klausuren etc. Üblicherweise ist bei diesen Präsenzen ein Zeitaufwand von ca. 10 bis 25 Stunden veranschlagt.[9] Für die Studierenden findet der Alltag hauptsächlich auf dem Campus statt. In dieser Studienform sind die Studierenden also „präsent“ und haben direkten Kontakt zu ihren Professoren, Dozenten und Kommilitonen. Ebenso werden Klausuren und andere Prüfungsleistungen direkt vor Ort erbracht. Die Regelstudienzeit beträgt für einen Bachelorabschluss sechs bis acht Semester und für den Abschluss eines Masterstudiengangs zwei bis vier Semester.[10] Für einen erfolgreichen Abschluss müssen die Studierenden 180 (Bachelor) bzw. 120 (Master) sog. ECTS-Punkte[11] erreichen.

Hinsichtlich der Immatrikulation an einer Universität gibt es für die Studierenden je nach Studiengang bestimmte Voraussetzungen, die sie erfüllen müssen. Aufgrund der steigenden Anzahl an Studienanfängern gibt es für stark nachgefragte Studiengänge, wie z.B. Medizin oder Psychologie, mittlerweile einen Numerus Clausus (NC). Durch den Numerus Clausus wird der Studiengang auf eine bestimmte Höchstzahl an Studierenden beschränkt und die Studienplätze werden nach unterschiedlichen Kriterien vergeben, häufig z.B. nach der Durchschnittsnote des Abiturs.[12] Wird dieser NC von einem Studierenden nicht erfüllt, bietet sich die Möglichkeit durch sog. Wartesemester zu einem späteren Zeitpunkt einen Studienplatz zu bekommen. Diese Wartezeit ist abhängig von der Anzahl an Bewerbern und der Abiturdurchschnittsnote und beschreibt die Zeit zwischen dem Erwerb der Hochschulzugangsberechtigung und dem Beginn des Studiums. Die einzige Voraussetzung zur Anrechnung der Wartezeit ist, dass keine Immatrikulation an einer deutschen Hochschule stattgefunden hat.[13]

Nach der Zustimmung des Landtages zu einem Volksbegehren wurden die Studiengebühren nach und nach in den 16 Bundesländern wieder abgeschafft. Somit bestehen spätestens seit 2014 keine Studiengebühren an den staatlichen Hochschulen in Deutschland mehr. Langzeitstudierende können je nach Bundesland eine Ausnahme bilden.[14] Dabei sei angemerkt, dass an privaten Hochschulen nach wie vor Studiengebühren anfallen können.

Zusammenfassend kann das Präsenzstudium als Studium auf dem Hochschulcampus beschrieben werden, bei dem Vorlesungen, Seminare, Klausuren oder sonstige Leistungen direkt vor Ort erbracht werden. Positive Aspekte (z.B. keine anfallenden Studiengebühren) und negative Aspekte (z.B. zeitliche Gebundenheit an Vorlesungen) sind gleichermaßen vorhanden.

2.1.2 Das Fernstudium

Im Gegensatz zu dem eben vorgestellten Präsenzstudium steht das Fernstudium. Wie der Name bereits verlauten lässt, haben die Studierenden in einem Fernstudium keine Präsenzen an der Universität. Das Hauptmerkmal eines Fernstudiums ist die räumliche Distanz zwischen Lernenden und Lehrenden.[15] Aufgrund dessen kann das Fernstudium als ein raum- und zeitüberbrückendes, aus der Ferne gesteuertes, überregionales Studium definiert werden. Dabei erfolgt die Kommunikation der Lehrinhalte mittels technischer Medien. Verständniskontrollen und Leistungsbestätigungen können sowohl direkt, durch zentrale und dezentrale Tutorials oder Seminare, als auch indirekt z.B. über technische Medien durchgeführt werden.[16]

Für Studierende, die sich für ein Fernstudium entscheiden, gibt es die Möglichkeit sich an einer Fernuniversität zu immatrikulieren. Es bietet sich zum einen die Möglichkeit eine staatliche Hochschule wie z.B. die Fernuniversität Hagen oder zum anderen eine Hochschule mit privatem Träger wie z.B. die SRH Fernhochschule Riedlingen zu besuchen. Dabei ist zu berücksichtigen, dass dadurch für die meisten Fernstudiengänge Studiengebühren anfallen. Sofern die jeweilige Fernuniversität staatlich anerkannt ist, können die Studierenden ihr Studium mit dem Bachelor- oder Master, der gleichwertig mit einem Abschluss an einer Präsenzuniversität ist, abschließen. Für diesen Abschluss werden wie in einem Präsenzstudium 180 (Bachelor) bzw. 120 (Master) ECTS-Punkte benötigt.

In einem Fernstudium gibt es neben der räumlichen Distanz weitere Besonderheiten im Vergleich zu einem Präsenzstudium. Hauptsächlich ist hierbei die zeitliche Flexibilität zu nennen. Ein Fernstudium ermöglicht eine individuelle Zeit- und Lerneinteilung. Dies resultiert hauptsächlich aus dem Verzicht auf Präsenzveranstaltungen, die durch die Fernlehrmedien (Studienbriefe, Onlineaufzeichnungen o.ä.) kompensiert werden sollen.[17] Dennoch ist an der Stelle hinzuzufügen, dass viele Fernuniversitäten z.B. (freiwillige) Präsenzwochenenden anbieten. An vielen Fernuniversitäten ist es sogar möglich sog. Teilzeitsemester zu wählen, in denen ein Semester mit den ursprünglichen sechs Monaten auf einen Zeitraum von zwölf Monate gestreckt werden kann, d.h. die Regelstudienzeit kann für den Bachelorabschluss bspw. zwischen sechs und zwölf Semester liegen.

Aufgrund dieser vorgestellten Aspekte wird den Studierenden die Möglichkeit geboten neben dem Studium einer Berufstätigkeit nachzugehen. Deshalb ist es nicht unüblich, dass unter den Studiereden auch ältere Personen weilen, die bspw. bereits mehrere Jahre gearbeitet haben und sich erst dann dazu entscheiden nebenher ein Studium zu beginnen.

Abschließend lässt sich festhalten, dass auch ein Fernstudium sowohl positive Seiten als auch negative Seiten mit sich bringt. Die zeitliche Flexibilität ist ein großer Vorteil, gerade eben auch für berufstätige Personen, die ihre Tätigkeit neben dem Studium weiter halten möchten. Nachteile können z.B. die fehlenden Präsenzzeiten und der fehlende persönliche Kontakt zu den Dozenten mit sich bringen.

2.1.3 Zentrale Unterschiede zwischen Präsenz- und Fernstudium

Nachdem in den vorherigen Kapiteln sowohl das Präsenz- als auch das Fernstudium ausführlich vorgestellt wurden, werden in diesem Kapitel nochmals die zentralen Unterschiede der beiden Studienformen tabellarisch zusammengefasst:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Zentrale Unterschiede zwischen Präsenz- und Fernstudium (Quelle: Eigene Darstellung)

2.2 Stress

Für den Großteil der Gesellschaft ist Stress ein sehr geläufiger Begriff. Ein Leben ohne Stress ist kaum noch vorstellbar. Die Menschen sind in Hektik und haben viel zu erledigen – die Zeit scheint dafür zu wenig. Ein Problem, das nicht nur im Berufsalltag Schwierigkeiten birgt, sondern auch bereits für Studierende an der Universität. Aus einer Studie geht hervor, dass für 43% der Befragten der Beruf, die Schule oder das Studium der hauptsächliche Auslöser für Stress ist.[18]

Da Stress das psychische Wohlbefinden der Menschen maßgeblich bedingt, ist es für das Verständnis der vorliegenden Arbeit wichtig, die theoretischen Kenntnisse bzgl. der Thematik Stress zu vermitteln. Dazu wird in diesem Kapitel der Begriff Stress definiert und anschließend in Zusammenhang zu dem transaktionalen Stressmodell nach Lazarus gesetzt. Mögliche Stressoren werden im Anschluss herausgearbeitet. Abschließend wird explizit auf die Problematik Stress im Studium eingegangen.

2.2.1 Begriffsbestimmung

Wie bereits angedeutet, ist der Begriff Stress mittlerweile nicht mehr wegzudenken. Dabei erhält der Begriff Stress viele unterschiedliche Bedeutungen. Für ein gemeinsames Verständnis der vorliegenden Arbeit wird die Definition von Seyle (1950) herangezogen. Seyle versteht unter Stress die physiologische Reaktion auf Belastungen – sog. Stressoren.[19] Detaillierter definiert es Sapolsky (1994), indem er Stress als ein Muster (un-)spezifischer Reaktionen eines Organismus auf Reizereignisse beschreibt, die sein Gleichgewicht stören und seine Fähigkeiten zur Bewältigung strapazieren oder überschreiten.[20] Ferner können drei verschiedene Ansätze zur Begriffsbestimmung von Stress herangezogen werden: Stress als Reiz, Stress als Reaktion und Stress als Beziehungskonzept. Löst eine situative Bedingung eine bestimmte reaktive Veränderung aus, wird von Stress als Reiz gesprochen. Daraus resultiert auch die Unterscheidung in Eustress, den positiven Stress, und Distress, was den negativ wahrgenommenen Stress umfasst. Wird von Stress als Reaktion gesprochen, wird der Stress als Muster (un-) spezifischer Reaktionen des Organismus auf Reizereignisse bezeichnet. Dies inkludiert die Annahme von drei Phasen: Alarmreaktion – Phase der Resistenz – Phase der Erschöpfung. Zuletzt steht der Stress als Beziehungskonzept. In diesem Ansatz zur Begriffsbestimmung beschreibt der Stress verschiedene Arten von Beziehungen zwischen Personen und Umwelt, die durch kognitive Bewertungsprozesse vermittelt werden.[21]

Diese drei Ansätze ergänzen die Definitionen von Seyle und Sapolsky und bilden somit die Grundlage für den weiteren Verlauf dieser Arbeit. Wie bereits kurz angedeutet wurde, gibt es nicht nur den negativen Stress (Distress), sondern auch den Eustress. Der Eustress stellt dabei den positiven Stress dar. Er verleiht Schwung und Energie für bevorstehende Aufgaben.[22] Da der Fokus dieser Arbeit auf den psychischen Belastungen liegt, ist der Distress von vorrangiger Bedeutung. Denn der Distress wird als etwas Belastendes, Unangenehmes und Bedrohliches wahrgenommen.[23] Dies wird in den folgenden Kapiteln näher betrachtet, um den Zusammenhang zu den psychischen Belastungen herstellen zu können.

2.2.2 Stressoren

Wie aus dem vorherigen Kapitel bereits hervorgeht, kann Stress durch bestimmte Reizereignisse ausgelöst werden. Dieses Kapitel setzt sich nun zum Ziel diese Reizereignisse bzw. Stressoren näher zu betrachten.

Diese sog. Reizereignisse umfassen eine ganze Bandbreite externer und interner Bedingungen, die allesamt als Stressoren bezeichnet werden. Ein Stressor ist folglich ein Reizereignis, das vom Organismus eine Anpassung verlangt.[24] Seyle beschreibt den Stressor verkürzt als Stoff, der Stress erzeugen kann.[25]

In einem ersten Schritt können diese Stressoren nach inneren und äußeren Stressoren unterschieden werden. Zu den inneren Stressoren, die meist schwieriger zu identifizieren sind, zählen bspw. hohe Ansprüche, unerfüllte Wünsche, zu hohe Erwartungen, geringe Belastbarkeit, Perfektionismus. Die äußeren Stressoren umfassen bspw. Lärm, Verkehrsstau, Wartezeiten, schlechtes Wetter, Kälte oder Hitze, Schmerzen.[26] Hinsichtlich des Studiums können folgende Stressoren vorliegen: Zeitdruck, zu viel Lernstoff, Konflikte mit Professoren, Unter-/Überforderung, Konkurrenzdruck o.ä.

Des Weiteren lassen sich drei verschiedene Typen und verschiedene Dimensionen von Stressoren unterscheiden. Hinsichtlich des Typs können die Stressoren nach physischen (körperliche Ebene), psychischen (kognitiv-emotionale Ebene) und sozialen (behaviorale Ebene) Aspekten differenziert werden.[27] Physische Stressoren missachten demnach grundlegende Bedürfnisse wie bspw. durch den Entzug von Nahrung oder das Zufügen von Schmerzen. Die Stressoren auf der psychischen Ebene sind abhängig von der eigenen Wahrnehmung und Interpretation bestimmter Situationen. Beispielhaft können hierfür entscheidende Veränderungen im Leben oder tragische Ereignisse genannt werden.[28] Stressoren im sozialen Bereich verletzen die zentralen seelischen Bedürfnisse eines Menschen, z.B. einen Mangel an Anerkennung oder Zuwendung.[29] Im Gegensatz dazu widmet sich die Unterscheidung der verschiedenen Dimensionen den Aspekten der Intensität, der Dauer, der Häufigkeit und der Vorhersagbarkeit der Stressoren.[30]

Inwiefern sich der Stress und die vorgestellten Stressoren im Studium auswirken, wird in Kapitel 2.2.4 nähergebracht. Zuvor wird in diesem Zusammenhang das transaktionale Stressmodell nach Lazarus vorgestellt.

2.2.3 Transaktionales Stressmodell von Lazarus

Um den Stress und die Stressoren in einen Zusammenhang zu bringen und zu veranschaulichen, wird an dieser Stelle das bekannte transaktionale Stressmodell nach Lazarus vorgestellt.

Das transaktionale Stressmodell geht davon aus, dass Menschen Situationen unterschiedlich einschätzen und darüber hinaus über unterschiedliche Bewältigungsstrategien und -kompetenzen verfügen. Dies ist auch der Grund warum verschiedene Menschen ein und dieselbe Situation unterschiedlich wahrnehmen, bewerten und dementsprechend anders und individuell darauf reagieren.[31] Denn der Stress ist nach Lazarus eine Form der Transaktion zwischen einer Person und seiner Umwelt. Dabei meint die Transaktion eine Verbindung zwischen einer sich ändernden Situation und einer denkenden, fühlenden und handelnden Person. Wie die Transaktion schlussendlich aussieht ist abhängig von den kognitiven Bewertungsprozessen des Individuums. Diese Bewertungsprozesse sind ausschlaggebend dafür, ob eine Situation stressrelevant ist oder nicht. Dieser Prozess legt außerdem fest warum und in welchem Ausmaß eine bestimmte Beziehung zwischen einer Person und der Umwelt als Stress wahrgenommen wird.[32]

Die kognitiven Bewertungen werden zu Beginn in die primäre Bewertung (primary appraisal) sowie in die sekundäre Bewertung unterschieden. In der primären Bewertung kann ein Ereignis in drei verschiedene Kategorien eingeordnet werden. Das Ereignis kann irrelevant sein, d.h. von diesem Ereignis wird keine Auswirkung auf das Wohlbefinden der Person befürchtet. Eine weitere Möglichkeit ist die Bewertung eines Ereignisses als günstig bzw. positiv. Die dritte Kategorie ist die Empfindung, dass ein Ereignis stressend ist. Ob eine Transaktion als stressend wahrgenommen wird, hängt dabei unter anderem von dem Kräftegleichgewicht zwischen Anforderungen und Fähigkeiten einer Person ab, was die Stress-/Situationsbewältigung (coping) meint.[33] Diese Kategorie ist die entscheidende für das transaktionale Stressmodell. Stressrelevante Situationen werden an dieser Stelle unterteilt in Bedrohung, Schädigung oder Verlust und Herausforderung. Eine Bedrohung und eine Schädigung bzw. Verlust sind vorwiegend mit negativen Emotionen besetzt wie z.B. Angst, Ärger oder Besorgnis.[34] Eine Bedrohung zeichnet sich dadurch aus, dass eine Schädigung oder ein Verlust noch nicht eingetreten sind, sondern antizipiert werden. Eine Schädigung hingegen ist bereits eingetreten. Die Herausforderung ist mit eher positiven Empfindungen verbunden (z.B. Zuversicht), hängt aber dennoch eng mit der Bedrohung zusammen. In einem zweiten Schritt folgt die sekundäre Bewertung. In dieser wägt die Person die eigenen Bewältigungsfähigkeiten und -möglichkeiten ab. Die primäre und sekundäre Bewertung beeinflussen sich wechselseitig und können sich auch zeitlich überschneiden. Der Hauptgrund für diesen Zusammenhang ist, dass durch die Bewältigungsfähigkeiten, die eine Person glaubt zu besitzen, beeinflusst wird, ob eine Situation überhaupt als stressrelevant wirksam wird.[35]

Lazarus unterscheidet hinsichtlich der Formen der Bewältigungsstrategien in problemorientierte und emotionsorientierte Strategien. Dabei verfolgen die problemorientierten Strategien das Ziel, die stressende Situation zu beseitigen oder zumindest zu verbessern, z.B. durch Informationssuche zu Alternativen, direkte Handlungen aber auch Kampf oder Flucht. Bei den emotionsorientierten Strategien geht es darum, die entstandenen negativen Emotionen zu mildern ohne sich konkret mit den Ursachen auseinanderzusetzen z.B. durch Distanzierung oder Bagatellisierung.[36] Aus diesem Prozess herauskönnen als Folge Neubewertungen der Situation stattfinden. Durch die Auseinandersetzung mit der Umwelt und den Rückmeldungen hinsichtlich der eigenen Reaktionen und Konsequenzen entstehen Neubewertungen in primärer und sekundärer Art. Kurz gesagt, ist das Konzept der Bewertung ein Rückkoppelungssystem.[37] So kann beispielsweise aus einer erfolgreichen Bewältigung einer Prüfungssituation eine Neubewertung resultieren, durch welche die nächste Prüfung nicht mehr als Bedrohung und ohne Angstgefühl wahrgenommen wird.

Abschließend veranschaulicht die nachfolgende Abbildung zusammenfassend den Gedanken des transaktionalen Stressmodells und den dahinterliegenden Prozessen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Transaktionales Stressmodell nach Lazarus (Quelle: Bamberg, E.; Keller, M.; Wohlert, C.; Zeh, A.: 2006, S. 10)

2.2.4 Stress im Studium

Nachdem nun die theoretischen Grundlagen bzgl. der Thematik Stress vermittelt wurden und ein gemeinsames Verständnis besteht, wird in diesem Kapitel der Zusammenhang von Stress und Studium hergestellt.

Aus einer Befragung von Forsa im Jahr 2016 geht hervor, dass 43% der Befragten (n=1.014) den Beruf, die Schule oder das Studium als Hauptauslöser für Stress angeben.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Auslöser für Stress (Quelle: Statista (14.11.2016): https://de.statista.com/statistik/daten/studie/6803/umfrage/ursachen-fuer-stress/)

In einer weiteren repräsentativen Online-Befragung (n> 18.000 Hochschüler/innen) des Lehrstuhls für Marketing der Universität Potsdam und des Lehrstuhls für Marketing und Business Development der Universität Hohenheim geben 53% der befragten Studierenden an, dass sie unter einem hohen Stresslevel stehen. Dieser Anteil ist höher als derjenige von Berufstätigen in einer vergleichbaren Studie aus dem Jahr 2015.[38]

Nun stellt sich die Frage, welche konkreten Stressoren auf die Studierenden wirken. Dabei sei angemerkt, dass das Studium selbst als Stressor für die gesamte Belastung zu sehen ist und es innerhalb dessen Stressoren gibt, die auf die Belastung Studium wirken.

Folgende Abbildung zeigt die hauptsächlichen Stressoren im Studium:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Stressoren im Studium (Quelle: Schäfer, A.: 2013, S. 8)

Die Ergebnisse dieser Studie zeigen, dass vor allem die Zeitnot und der Leistungsdruck als hauptsächliche Stressauslöser gelten. Dies lässt sich durch die große Menge an Lernstoff für Klausuren und die dafür vorgesehene kurze Vorbereitungszeit erklären. So geben 39% der Studierenden an, dass sie kaum zur Ruhe kommen können, da sie durch das Studium ständig gefordert werden.[39] Es wird ebenfalls deutlich, dass die Stressoren unterschiedlichen Bereichen entstammen: Es gibt Stressoren sowohl aus dem Bereich des hochschulbezogenen Stresses (Zeitnot) als auch aus den Bereichen des intrapersonellen Stresses (Zukunftsangst) und des interpersonellen Stresses (Konkurrenzdruck).[40]

Dass sich 49% der Befragten durch den Stress in ihrem Studium beeinträchtigt fühlen ist nicht verwunderlich, wenn ein Blick auf die Symptome von Stress geworfen wird.[41] Neben den häufigen körperlichen Symptomen, wie z.B. Kopfschmerzen, Magenschmerzen, Herzklopfen, Müdigkeit, unspezifische Schmerzen, Anfälligkeit für Infektionen, sind auch psychische Symptome wie Stimmungsschwankungen, Grübeln, Reizbarkeit, Zynismus, mangelnde Konzentration und Nervosität vorzufinden. Zusätzlich zu diesen Symptomen kommt es häufig auch zu Veränderungen im Verhalten bspw. durch vermehrtes Rauchen/Abhängigkeiten, Heißhunger/Appetitlosigkeit, verändertes Schlafverhalten oder dem Rückzug aus privaten Beziehungen.[42] Diese Symptome können für die Studierenden mindestens so belastend sein wie der Stressor selbst.

Der Stress ist für die Studierenden demnach ein täglicher Begleiter – mal mehr und mal weniger. Dieser permanent hohe Stresslevel führt bei einer Vielzahl von Studierenden zu einer psychischen Belastung. Wie sich eine solche psychische Belastung äußern kann und welche weiteren Folgen für das Studium daraus resultieren können wird im folgenden Kapitel näher erläutert.

2.3 Psychische Belastung

Die psychische Belastung ist für die vorliegende Arbeit und besonders für den zweiten Teil, der empirischen Untersuchung, von zentraler Bedeutung. Deshalb ist es wichtig, an dieser Stelle, einen Überblick über das breite Spektrum an psychischen Belastungen zu geben. Dazu wird zu Beginn eine Begriffsbestimmung vorgenommen, um ein gemeinsames (Grund-)Verständnis zu erlangen. Anschließend wird explizit auf die Folgen psychischer Belastungen eingegangen. Das Hauptaugenmerk liegt dabei auf drei ausgewählten psychischen Störungen, die häufig als Folge von Stress im Studium auftreten: die Depression, die Angststörung und die Abhängigkeitserkrankungen. Abschließend findet eine detaillierte Betrachtung der Auswirkungen von psychischen Belastungen auf das Studium statt.

2.3.1 Begriffsbestimmung

Um den Begriff der psychischen Belastung zu definieren, gibt es die internationale Norm DIN EN ISO 10075-1: Ergonomische Grundlagen bezüglich psychischer Arbeitsbelastung. Demnach stellt die psychische Belastung die Gesamtheit aller erfassbaren Einflüsse dar, die von außen auf den Menschen zukommen und psychisch auf ihn einwirken.[43] Die Gesamtheit der Einflüsse bezieht sich dabei auf kognitive, informationsverarbeitende, motorische, soziale und emotionale Aktivitäten in der Auseinandersetzung des Arbeitenden mit seiner spezifischen Arbeitssituation. Vorerst wird der Begriff Belastung dabei in der neutralen Form verwendet, d.h. die Belastung kann sowohl negativ als auch positiv sein.[44] In der Definition wird der Begriff des Arbeitenden verwendet, dies kann in Hinblick auf die Thematik dieser Arbeit jedoch auf die Studierenden übertragen werden.

Aufgrund der Vielzahl an unterschiedlichen Belastungsfaktoren (auch: Stressoren, S.20) können diese hinsichtlich ihrer Ursachen in drei Gruppen gegliedert werden:

- Apersonale Belastungsfaktoren (Physikalisches Umfeld)
- Interpersonale Belastungsfaktoren (Soziales Umfeld)
- Personale Belastungsfaktoren (Innere Belastungen einer Person)[45]

An dieser Stelle sei angemerkt, dass die psychische Belastung von der psychischen Beanspruchung abgegrenzt werden muss. Die psychische Beanspruchung ist, nach der Norm DIN EN ISO 10075-1, die unmittelbare (nicht die langfristige) Auswirkung der psychischen Belastung auf das Individuum in Abhängigkeit von seinen jeweiligen überdauernden und augenblicklichen Situation und seinen Ressourcen einschließlich der individuellen Bewältigungsstrategien.[46] Vereinfacht meint dies, dass äußere Reize auf das Individuum einwirken (Belastung) und der Körper auf diese Reize reagiert (Beanspruchung).[47] Je nach dem Grad der einwirkenden Belastung und der Beanspruchungsgrenze des Individuums kommt es zu individuellen Folgen.

Dieser Zusammenhang wird in der folgenden Abbildung veranschaulicht:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Zusammenhang von psychischer Belastung und psychischer Beanspruchung (Quelle: Oppolzer, A.: 2009, S. 15)

2.3.2 Folgen psychischer Belastungen

Die Folgen psychischer Belastungen können sehr weitreichend und individuell sein. Sind die Beanspruchung und die Belastung für den Menschen zu hoch und nicht mehr zu bewältigen, können sich psychische Störungen entwickeln. Eine psychische Störung liegt vor, wenn die Funktionsweise der kognitiven und emotionalen Prozesse sowie des Verhaltens ernsthaft beeinträchtigt ist, sodass die betroffene Person darunter leidet und bei der Erreichung wichtiger Ziele behindert wird. Psychische Störungen führen demnach zu einer subjektiven und objektiven Einschränkung der Lebensqualität.[48] Mittlerweile gibt es eine Vielzahl unterschiedlicher psychischen Krankheitsbildern, die im ICD-10[49] gelistet sind. Aus dem Gesundheitsreport der Techniker Krankenkasse im Jahr 2013 geht hervor, dass bei 21% der Studierenden eine psychische Störung diagnostiziert wurde. Zu den häufigsten Formen zählen Depressionen, somatoforme Störungen, Anpassungs- und Belastungsstörungen sowie Angststörungen.[50]

Nachfolgend werden drei häufig auftretende psychische Störungen bei Studierenden detailliert betrachtet. Dies sind die Depressionen, die Angststörungen und abschließend die Abhängigkeitserkrankungen. Weitere mögliche neurotische Störungen wie bspw. Essstörungen, Zwangsstörungen, dissoziative Störungen oder nichtorganische Schlafstörungen seien an dieser Stelle nur erwähnt, ebenso wie psychotische Störungen wie z.B. Schizophrenie.

2.3.2.1 Depression

Dieses Kapitel gibt einen Überblick über die Depression als psychische Störung in Folge der psychischen Belastung.

Definition und Klassifikation nach ICD-10

Die Depression gehört zu den affektiven psychischen Störungen. Dabei versteht man unter einer Depression ein Symptomkomplex, der aus einer gedrückten, traurigen Verstimmung, Interessenlosigkeit und Antriebsstörungen, einer motorischen und psychischen Hemmung, typischen depressiven Gedankeninhalten und bestimmten somatischen (körperlichen) Störungen besteht.[51] Kennzeichnend für eine Depression ist die Beeinträchtigung des Betroffenen im körperlichen Befinden, dem Denken, den Gefühlen, der Gestimmtheit, dem Bezug zur Umwelt, aber auch in Bezug zur eigenen Person und Zukunft.[52] Komorbiditäten, die sog. Begleiterkrankungen der Depression sind nicht selten. Angststörungen, Substanzmissbrauch und Persönlichkeitsstörungen sind häufige Begleiterkrankungen, die vor allem im Hinblick auf eine geeignete und erfolgreiche Behandlung berücksichtigt werden sollten.[53]

Im ICD-10 stellen die affektiven Störungen ein eigenes Kapitel dar – F3. Unterschieden werden in diesem Kapitel die manische, depressive und bipolare Verlaufsform. Die Depression (Unipolare Depression) trägt danach in der Diagnostik die F32 (Depressive Episode). Unterschieden wird weiter in eine leichte, mittelgradige und schwere Episode und Verläufe mit und ohne psychotische Symptome wie z.B. Halluzinationen oder Wahn.[54] Eine weitere Voraussetzung für eine Depression nach der ICD-10-Klassifikation ist eine Dauer der depressiven Episode von mindestens zwei Wochen sowie das Vorhandensein von mindestens vier definierten Symptomen, die zuvor bereits genannt wurden.[55] Auf diese Symptome, mögliche Ursachen und Folgen wird im Folgenden näher eingegangen, nach dem ein Blick auf die Epidemiologie und Prävalenz geworfen wurde.

Epidemiologie und Prävalenz

Die Depression gehört zu den häufigsten psychischen Erkrankungen. Ca. 8% der deutschen Bevölkerung leiden unter einer behandlungsbedürftigen Depression, wobei Frauen (ca. 15,5%) häufiger betroffen sind als Männer (ca. 8%). Des Weiteren ist zu beobachten, dass es zwei Häufigkeitsgipfel gibt: zwischen dem 20. – 29. Lebensjahr und zwischen dem 50. – 59. Lebensjahr. Ebenso sind vor allem den Arbeitslosen und Städter höhere Depressionsraten zuzuweisen.[56] Weitere Zusammenhänge bestehen hinsichtlich des Alters, Geschlechts und dem sozioökonomischen Status.[57]

Die Einschätzungen für die Lebenszeitprävalenz der depressiven Störung liegen zwischen 3% und 18%. Die Wahrscheinlichkeit an einer Depression zu erkranken liegt bei Männern bei ca. 12% und bei Frauen bei ca. 26%.[58]

Ursachen und Symptome

Die Ursachen und Symptome einer Depression sind sehr vielfältig und komplex.

Vor allem die Ursachen sind sehr vielschichtig und individuell, sodass diese in ihrer Gesamtheit nicht in dieser Abschlussarbeit aufgeführt werden können. Nachfolgend werden exemplarisch mögliche Ursachen gelistet:

- genetische Faktoren

- Störung in der Neurotransmission (relativer Mangel an Serotonin und Noradrenalin)

- kritische Lebensereignisse (z.B. Verlust einer Bezugsperson)

- chronobiologische Faktoren (Störungen der biologischen Rhythmen)

- körperliche Erkrankungen oder Medikamenteneinnahme (z.B. Parkinson)

- Fehlentwicklungen in der frühen Kindheit.[59]

Ebenso umfangreich ist die Liste möglicher Symptome einer Depression. Diese Symptome können in vier Kategorien gegliedert werden:

- Auffälligkeiten in der Stimmung
Traurigkeit, Verlust von Freude und Aktivitäten, Gefühle der Ängstlichkeit, Scham und Schuld
- Auffälligkeiten im Denken
Niedriges Selbstwertgefühl, Pessimismus und Hoffnungslosigkeit auch hinsichtlich der Zukunft, Suizidgedanken
- Auffälligkeiten in der Motivation
Hemmung der Initiative und Reaktionen („Lähmung des Willens“), beeinträchtigte Entscheidungsfähigkeit
- Auffälligkeiten auf körperlicher Ebene
Appetitlosigkeit, Schlafstörungen, Gefühl der Schwäche, Müdigkeit[60]

Als weitere mögliche Symptome können z.B. Niedergeschlagenheit, Grübelneigung, Gefühl der Gefühlslosigkeit, Leere oder die Unfähigkeit zu Lachen oder Weinen genannt werden.[61] An dieser Stelle sei angemerkt, dass die Symptome individuell verschieden sind und nicht bei allen Betroffenen in gleicher Weise auftreten.

Zur Erfassung der Symptome und zur Stützung der Diagnostik einer Depression gibt es eine Reihe klinisch-psychologischer Testverfahren. Ein bekanntes und bewährtes Testverfahren stellt Becks-Depressions-Inventar (kurz: BDI-Fragebogen) dar. Der BDI stellt ein Selbstbeurteilungsverfahren dar, das die Schwere der depressiven Symptomatik zu messen versucht. Die Grundlage bei der Entwicklung dieses Tests stellen die Symptome dar, die häufig von psychiatrischen Patienten mit einer diagnostizierten Depression geäußert wurden. Der BDI beinhaltet die affektive, die somatische und die kognitive Symptomebene. Der Test umfasst insgesamt 21 Gruppen von Aussagen, für die jeweils vier Antwortmöglichkeiten gegeben sind. Die Schwere wird nun durch den Summenwert der Antworten ermittelt. Auszüge dieses Testverfahrens werden auch im Rahmen der empirischen Untersuchung dieser Arbeit verwendet.[62]

Auf die Folgen und Auswirkungen einer Depression wird in Kapitel 2.3.3, vor allem im Hinblick auf das Studium, eingegangen.

2.3.2.2 Angststörungen

Als Folge psychischer Belastungen zählen auch die Angststörungen, welche in diesem Kapitel vorgestellt werden.

Definition und Klassifikation nach ICD-10

Der Begriff der Angst selbst beschreibt zunächst einen Zustand der Erregung des psychischen Systems als Reaktion auf die Wahrnehmung von empirischen Hinweisen oder imaginierter Vorstellungen hinsichtlich einer Gefahr oder Bedrohung.[63] Die Angst ist ein Zustand, den jeder Mensch in bestimmten Lebenssituationen empfindet. Bei der Angststörung ist besonders das Ausmaß der erlebten Angst ausschlaggebend. Der Übergang von der natürlichen Angst hin zur Angststörung ist dabei meist nicht eindeutig. Dennoch kann festgehalten werden, dass die Angst zur Angststörung wird, wenn diese von der betroffenen Person so bedrohlich wahrgenommen wird und dadurch die Bewältigung des Alltags stark beeinträchtigt oder gar nicht mehr möglich ist. Dies schließt mit ein, dass die Angst situationsunangemessen ist und ohne ausreichenden Grund bzw. ohne tatsächliche Bedrohung empfunden wird. Folglich kommt es zur Angst vor der Angst – die Angst wird vermieden und nicht die Auslöser.[64]

Im ICD-10 sind die Angststörungen im Kapitel Neurotische, Belastungs- und somatoforme Störungen zu finden. Getrennt wird nach phobischen Störungen (F40) und anderen Angststörungen (F41). Bei den phobischen Störungen wird die Angst überwiegend durch eindeutig definierte Situationen oder Objekte hervorgerufen, z.B. die Agoraphobie (Platzangst) oder die soziale Phobie. Die anderen Angststörungen umfassen die Panikstörung und die generalisierte Angststörung. Die Angst bezieht sich dabei nicht auf eine bestimmte Umgebungssituation dar, stellt aber die Manifestation der Angst als Hauptsymptom dar.[65]

Epidemiologie und Prävalenz

Internationalen Studien zufolge liegt die Lebenszeitprävalenz für Angststörungen zwischen 14 – 29%. Für die Bevölkerung in Deutschland wurde eine Lebenszeitprävalenz von ca. 15% ermittelt. Des Weiteren konnte beobachtet werden, dass sowohl phobische Ängste als auch die anderen Angststörungen bei Frauen häufiger auftreten als bei Männern. Die Lebenszeitprävalenz für die Panikstörung beträgt 2% und tritt gehäuft zwischen dem 35. – 65. Lebensjahr auf. Eine generalisierte Angststörung beginnt hingegen meist schon in der Jugend und dem jungen Erwachsenenalter.[66]

Ursachen und Symptome

Für die Angststörung gibt es nicht die eine Erklärung. Vielmehr entsteht die Angststörung durch eine Vielzahl an unterschiedlichen Faktoren. Folgende Faktoren können nach aktuellem Stand der Wissenschaft als Ursache für eine Angststörung genannt werden:

- moderater bis erheblicher Erbfaktor (Faktoren verteilen sich über mehrere Gene)
- Veränderung der Neurotransmittersysteme im Gehirn
- Fehlkonditionierungen/ -kognitionen
- frühkindliche Traumata
- elterliche Erziehungsstile
- akuter Stress und Belastungen.[67]

Nachdem nun ein Blick auf das breite Spektrum der möglichen Ursachen geworfen wurde, wird an dieser Stelle auf die spezifischen Symptome einer Angststörung eingegangen. Auch hier ist darauf hinzuweisen, dass die Symptome individuell auftreten und sich in der Art und Weise des Auftretens bei jedem Betroffenen unterscheiden können. Die Symptome werden klassischerweise in drei Bereiche gegliedert, die im Folgenden nun kurz aufgeführt werden:

- Körperliche Symptome
Herzklopfen, beschleunigter Puls, Herzrasen, Schwitzen, Zittern, Atemnot oder Erstickungsgefühle, Hitzewallungen, Kälteschauer, Übelkeit, Schwindel, Benommenheit, Schwächegefühl
- Psychische Symptome
Derealisation, Depersonalisation, Angst, die Kontrolle zu verlieren/verrückt zu werden/zu sterben
- Soziale und gesundheitliche Folgen als Symptome
Unfähigkeit etwas alleine zu tun, Abhängigkeit zur Bezugsperson, Berufsunfähigkeit, Depression, Substanzmissbrauch (Alkohol, Beruhigungsmittel).[68]

Wie für die Depression gibt es auch für Angststörungen klinisch-psychologische Testverfahren, die diese Problematik untersuchen und damit die Diagnostik stützen. Beispielhaft wird hier der GAD-7 Fragebogen (Generalizied Anxiety Disorder Scale-7) kurz vorgestellt, da dieser in der durchgeführten Befragung für diese Arbeit Anwendung fand. Der GAD-7 ist Teil des Gesundheitsfragebogens für Patienten (PHQ) und dient der Identifizierung von generalisierten Angststörungen und zur Bewertung der allgemeinen Ängstlichkeit. Die sieben Fragen werden anhand einer 3er-Skala nach der Häufigkeit des Auftretens beantwortet. Die Auswertung erfolgt anhand des Summenwertes aller Antworten.[69]

Inwiefern sich die Angststörung auf das Studium auswirkt, u.a. aufgrund der eben beschriebenen Symptomatik, wird in Kapitel 2.3.3 näher erläutert.

2.3.2.3 Abhängigkeitserkrankungen

Psychische Belastungen können in vielen Fällen zu Abhängigkeiten führen. Darunter fällt sowohl die Alkoholabhängigkeit als auch die Abhängigkeit von Drogen oder Medikamenten. Diese werden in diesem Kapitel näher betrachtet. Nicht stoffgebundene Abhängigkeitserkrankungen oder Suchtverhalten, wie bspw. die Spiel- oder Kaufsucht, werden in diesem Kapitel außen vor gelassen.

Definition und Klassifikation nach ICD-10

Der Begriff der Abhängigkeit beschreibt einen Zustand, der auf den Missbrauch von speziellen Substanzen folgt. Der Missbrauch dieser schädlichen Stoffe kann demnach als Vorstufe zur Abhängigkeit betrachtet werden und als Folge zu körperlichen und seelischen Schäden führen. Die Abhängigkeit ist gekennzeichnet durch das unbezwingbare Verlangen zur Einnahme der Substanzen, wie bspw. Alkohol, Drogen oder Medikamente. Bei Abstinenz reagiert der Körper dann mit Entzugserscheinungen. Dabei ist bei dieser Erkrankung generell zwischen einer körperlichen und einer psychischen Abhängigkeit zu unterscheiden.[70] Die körperliche Abhängigkeit umfasst den Prozess, bei dem sich die Physiologie des Körpers auf die fortwährende Zufuhr der Substanzen anpasst bzw. einstellt und deshalb abhängig wird. Begründet wird dies dadurch, dass bestimmte körpereigene Neurotransmitter aufgrund der ständigen Anwesenheit der Substanzen nur noch vermindert zur Verfügung stehen. Dem hingegen wird von einer psychischen Abhängigkeit gesprochen, wenn der Gebrauch der Substanz ein angenehmes und wünschenswertes Gefühl auslöst und sich dadurch ein starkes Verlangen – das sog. craving – entwickelt. Die psychische Abhängigkeit kann aber auch ohne eine körperliche Abhängigkeit des Stoffes entstehen.[71]

Der ICD-10 sieht für die Abhängigkeitserkrankungen ein eigenes Kapitel vor. Das Kapitel 2 Psychische und Verhaltensstörungen durch psychotrope Substanzen (F10 – F19) beinhaltet sowohl die Einnahme von Alkohol, Drogen und verschiedenen Medikamenten, wobei letztere noch weiter unterschieden werden und eine eigene Diagnose erhalten.[72]

Epidemiologie und Prävalenz

In der deutschen Bevölkerung liegt der Anteil der Abhängigen bei ca. 5 – 7%. Der größte Anteil mit ca. 3,4% entfällt auf die Alkoholabhängigkeit, wovon Männer häufiger betroffen sind als Frauen. Zu beachten ist bei der Alkoholabhängigkeit, dass 40 – 60% des Risikos für die Abhängigkeit auf genetische Faktoren zurückgeführt werden kann. Für die Cannabisabhängigkeit, welche hier exemplarisch für die Drogenabhängigkeit aufgeführt wird, liegt die Prävalenz bei ca. 0,5%. 4,5% der deutschen Bevölkerung konsumieren Cannabis, wobei das Einstiegsalter bei etwa 16,4 Jahren liegt. Die Prävalenz für Kokain liegt in Deutschland bei 0,2%, für Ecstasy und Amphetamine bei ca. 0,4 – 0,7%. Im Gegensatz dazu liegt die Prävalenz für eine Medikamentenabhängigkeit in Deutschland bei deutlich höheren 3,4%. Das Risiko einer Erkrankung im Bereich der Medikamente steigt mit dem 40. Lebensjahr deutlich an und es konnte beobachtet werden, dass Frauen fast doppelt so häufig betroffen sind als Männer. Angemerkt sei an dieser Stelle, dass 4 – 5% der verordneten Medikamente über Abhängigkeitspotential verfügen.[73]

Ursachen und Symptome

Wie für jede psychische Störung gibt es für die Entstehung einer Abhängigkeitserkrankung viele mögliche Ursachen. Zur Erklärung geht man heute von einem multifaktoriellen Geschehen aus. Im Folgenden werden mögliche Ursachen genannt ohne diese im Detail auszuführen:

- Vererbung (bei Alkoholismus)
- Belohnung
durch die Einnahme von Alkohol oder anderen Substanzen kann ein Entspannungszustand erreicht werden oder Angst und Anspannung gemildert werden
- Familiäre Einflüsse
z.B. ein betroffenes Elternteil oder das Aufwachsen in einer Broken-Home-Familie (Konflikt-, Scheidungsfamilien)
- Soziale Faktoren
Gruppendruck, Geltungsbedürfnis, berufliches Umfeld, Abbau sozialer Hemmungen etc.
- Ich-Schwäche
Fähigkeit zur Eigensteuerung konnte nicht entwickelt werden, Affektintoleranz
- Regression / Fixierung auf der oralen Ebene
die unzureichende äußere Zuwendung wird kompensiert, indem sich der Betroffene selbst mit Alkohol oder anderen Substanzen „versorgt“
- Behandlung körperlicher / seelischer Beschwerden (bei Medikamentenabhängigkeit).[74]

Die Symptome sind ebenso vielseitig wie die Ursachen. Im Gegensatz zu anderen psychischen Störungen kommt es bei den Abhängigkeitserkrankungen vermehrt zu körperlichen Symptomen. Diese Symptome weichen, wie bei den anderen Störungen auch, von Betroffenem zu Betroffenem ab und treten nicht zwingend in gleicher Reihenfolge oder Intensität auf.

Für eine bessere Übersichtlichkeit werden die Symptome für die Alkoholabhängigkeit, die Drogen- und die Medikamentenabhängigkeit jeweils tabellarisch getrennt dargestellt. Zu beachten ist hier, dass diese Übersicht lediglich einen Ausschnitt der möglichen Symptome darstellt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 2: Symptome von Alkohol-, Drogen- & Medikamentenabhängigkeit (Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Disse, S.: 2015, S. 44 ff.)

Zur Erkennung und Einordnung von Abhängigkeitserkrankungen gibt es ebenfalls Testverfahren. In der Befragung der Studierenden für die empirische Untersuchung wurden dazu Auszüge aus dem AUDIT-Fragebogen (Alcohol Use Disorders Identification Test) und aus dem Trierer Inventar für Medikamentenabhängige (kurz: TIM) verwendet. Der AUDIT-Fragebogen, der von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) entwickelt wurde, dient als Selbsttest, um die eigenen Trinkgewohnheiten einschätzen zu können. Die Auswertung erfolgt dabei anhand der Gesamtpunktzahl aller Antworten der zehn Fragen.[75] Das Trierer Inventar für Medikamentenabhänge ist ein psychometrisches Testverfahren zur Differentialdiagnostik. Es beinhaltet 94 Items, die anhand einer 4er-Skala beantwortet werden. Die Auswertung erfolgt wiederrum an den Gesamtpunktwerten.[76] Aufgrund der umfassenden Abfrage wurden für die Befragung dieser Arbeit lediglich vier ausgewählte Items verwendet. Die Auswertung und die Ergebnisse folgen in Kapitel 4.

Im folgenden Kapitel 2.3.3 wird nun näher auf die Auswirkungen auf das Studium, die durch die vorgestellten psychischen Störungen bedingt werden, eingegangen.

2.3.3 Auswirkungen auf das Studium

Nachdem in den vorherigen Kapiteln auf die psychischen Belastungen und auf einzelne psychische Störungen eingegangen wurde, werden in diesem Kapitel deren Auswirkungen auf das Studium betrachtet. Aufgrund der Vielzahl an Belastungsfaktoren im Studium und allein schon durch die Symptome einer psychischen Störung liegt es nahe, dass diese sich auf den weiteren Verlauf des Studiums auswirken können.

[...]


[1] Vgl. Focus Online (29.01.2017): http://www.focus.de/familie/studium/depression-angststoerung-koerperliche-beschwerden-studie-mehr-als-jeder-fuenfte-student-bekommt-psychische-diagnose_id_4787666.html

[2] Vgl. Frankfurter Allgemeine (29.01.2017): http://www.faz.net/aktuell/beruf-chance/campus/numerus-clausus-in-medizin-eins-komma-null-14065447.html

[3] Vgl. Riße, D.: 2016

[4] Vgl. Herbst, U.; Müller, M.; Voeth, M.; Eidhoff, A.; Stief, S.: 2015, S. 21 f.

[5] Vgl. Spiegel Online (29.01.2017): http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/stress-und-depressionen- bei-studenten-nehmen-zu-a-1041520.html

[6] Vgl. Definition (04.11.2016): https://definition.cs.de/studium/

[7] Vgl. Technische Universität Darmstadt (04.11.2016): https://www.osa.tu- darmstadt.de/PhysikBSc/httpdocs/infos.html

[8] Vgl. Klumpp, M.; Rybnikova, I.: 2010, S. 25

[9] Vgl. Klumpp, M.; Rybnikova, I.: 2010, S. 25

[10] Vgl. Hochschulkompass (13.11.2016): http://www.hochschulkompass.de/studium/rund-ums- studieren/studienformen/vollzeitstudium.html

[11] ECTS = European Credit Transfer System: europaweites, einheitliches Bewertungssystem

[12] Vgl. Gabler Wirtschaftslexikon: 2005, Bd. 5, S. 2193

[13] Vgl. Universität Augsburg (13.11.2016): https://www.uni- augsburg.de/einrichtungen/studienberatung/faq/wartezeit.html

[14] Vgl. Deutsches Studentenwerk (13.11.2016): https://www.studentenwerke.de/sites/default/files/uebersicht_studiengebuehren_2014_1.pdf

[15] Vgl. § 1 Abs. 1 FernUSG (24. August 1976)

[16] Vgl. Gabler Wirtschaftslexikon: 2005, Bd. 3, S. 1035

[17] Vgl. Klumpp, M.; Rybnikova, I.: 2010, S. 25

[18] Vgl. Statista (03.11.2016): https://de.statista.com/statistik/daten/studie/6803/umfrage/ursachen-fuer- stress/

[19] Vgl. Herders Lexikon der Psychologie: 2007, Bd. 3, S. 2230

[20] Vgl. Zimbardo, P. G.; Gerring, R. J.: 2003, S. 370

[21] Vgl. Orth, H.; Lauer, T.; Sieber, M.; Koch, A.: 2010, S. 112

[22] Vgl. Kypta, G.: 2008, S.41

[23] Vgl. Kury, P.:2010, S. 11

[24] Vgl. Zimbardo, P. G.; Gerring, R. J.: 2003, S. 370

[25] Vgl. Kury, P.: 2010, S. 80

[26] Vgl. experto.de (14.11.2016): http://www.experto.de/organisation/stressabbau/stressabbau-so-unterscheiden-sie-innere-und-aeussere-stressoren.html

[27] Vgl. Eppel, H.: 2007, S. 19

[28] Vgl. Zimbardo, P. G.; Gerring, R. J.: 2003, S. 375

[29] Vgl. Eppel, H.: 2007, S. 23

[30] Vgl. Zimbardo, P. G.; Gerring, R. J.: 2003, S. 371

[31] Vgl. Zimbardo, P. G.; Gerring, R. J.: 2003, S. 731

[32] Vgl. Bamberg, E.; Keller, M.; Wohlert, C.; Zeh, A.: 2006, S. 10

[33] Vgl. Orth, H.; Lauer, T.; Sieber, M.; Koch, A.: 2010, S. 113

[34] Vgl. Berufsgenossenschaft Nahrungsmittel und Gastgewerbe (16.11.2016): http://stress.portal.bgn.de/8179/15090/7

[35] Vgl. Orth, H.; Lauer, T.; Sieber, M.; Koch, A.: 2010, S. 115

[36] Vgl. Kessler, H.: 2015, S. 286 f.

[37] Vgl. Orth, H.; Lauer, T.; Sieber, M.; Koch, A.: 2010, S. 117

[38] Vgl. AOK die Gesundheitskasse (14.11.2016): http://aok-bv.de/presse/pressemitteilungen/2016/ index_17265.html

[39] Vgl. Schäfer, A.: 2013, S. 7

[40] Vgl. AOK Gesundheitskasse (14.11.2016): http://aok-bv.de/imperia/md/aokbv/presse/ pressemitteilungen/archiv/2016/08_projektbericht_stressstudie_druck.pdf

[41] Vgl. Schäfer, A.: 2013, S. 7

[42] Vgl. Kypta, G.: 2008, S. 43 f.

[43] Vgl. Nachreiner, F.: 2012, S. 8

[44] Vgl. Metz, A-M.; Rothe, H.-J.: 2016, S. 7

[45] Vgl. Günther, L.: 2015, S. 9

[46] Vgl. Nachreiner, F.: 2012, S. 10

[47] Vgl. Günther, L.: 2015, S. 8

[48] Vgl. Zimbardo, P. G.; Gerring, R. J.: 2003, S. 602

[49] ICD-10: International Classification of Diseases, 10. Revision

[50] Vgl. Focus Online (15.11.2016): http://www.focus.de/familie/studium/depression-angststoerung- koerperliche-beschwerden-studie-mehr-als-jeder-fuenfte-student-bekommt-psychische- diagnose_id_4787666.html

[51] Vgl. Herders Lexikon der Psychologie: 2007, Bd. 1, S. 354

[52] Vgl. Wolfersdorf, M.: 2008, S. 19

[53] Vgl. Coleman, L. H.: 2014, S. 30

[54] Vgl. Koeslin, J.: 2007, S. 93

[55] Vgl. Disse, S.: 2015, S. 132

[56] Vgl. Disse, S.: 2015, S. 132

[57] Vgl. Busch, M. A.; Maske, U. E.; Ryl, L.; Schlack, R.; Hapke, U.: 2013, S. 734

[58] Vgl. Schauenburg, H.; Hofmann, B.: 2007, S. 8

[59] Vgl. Koeslin, J.: 2007, S. 91 f.

[60] Vgl. Zimbardo, P. G.; Gerring, R. J.: 2003, S. 617

[61] Vgl. Bandelow, B.: 2010, S. 43 ff.

[62] Vgl. Hautzinger, M.; Keller, F.; Kühner, C.: 2006

[63] Vgl. Geo Themenlexikon: 2007, Bd. 12, S. 38

[64] Vgl. Niklewski, G.; Riecke-Niklewski, R.: 2009, S. 37 ff.

[65] Vgl. Disse, S.: 2015, S. 149 ff.

[66] Vgl. Disse, S.: 2015, S. 149 ff.

[67] Vgl. Bandelow, B.; Gruber, O.; Falkai, P.: 2012, S. 84 f.

[68] Vgl. Koeslin, J.: 2007, S. 118 f.

[69] Vgl. PubMed Central® (29.01.2017): https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4399767/

[70] Vgl. Koeslin, J.: 2007, S. 171

[71] Vgl. Zimbardo, P. G.; Gerring, R. J.: 2003, S. 190

[72] Vgl. Disse, S.: 2015, S. 40

[73] Vgl. Disse, S.: 2015, S. 42 ff.

[74] Vgl. Koeslin, J.: 2007, S. 173 ff.

[75] Vgl. institut sucht prävention (04.02.2017): http://www.praevention.at/sucht-und- suchtvorbeugung/suchtmittel/alkohol/alkohol-selbsttest.html

[76] Vgl. Funke, J.; Funke, W.; Klein, M.; Scheller, R.: 2001, S. 92

Details

Seiten
125
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668499652
ISBN (Buch)
9783960951087
Dateigröße
2 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v369860
Institution / Hochschule
SRH Hochschule Riedlingen
Note
1,7
Schlagworte
Präsenzstudium Fernstudium Stress Stressoren Transaktionales Stressmodell Psychische Belastung Depression Angststörung Abhängigkeitserkrankung

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Titel: Stress im Studium. Psychische Belastungen und Erkrankungen bei Studierenden im Präsenz- und im Fernstudium