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Die allgemeine Selbstwirksamkeitserwartung im Kontext von soziodemographischen Merkmalen und dem psychischen Gesundheitszustand

Wissenschaftliche Studie 2017 52 Seiten

Psychologie - Klinische u. Gesundheitspsychologie, Psychopathologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abstract

Zusammenfassung

Einleitung

1. Theoretische Grundlagen
1.1 Vom Selbst zur Selbstwirksamkeitserwartung
1.2 Quellen der Selbstwirksamkeitserwartung
1.3 Selbstwirksamkeit und psychische Gesundheit

2. Fragestellung und Hypothesen

3. Methode
3.1 Design
3.2 Stichprobe
3.3 Material
3.4 Erhebung

4. Ergebnisse

5. Diskussion
5.1 Fazit
5.2 Ausblick

Literaturverzeichnis

Anhang

Anhang A: Rekrutierungs-Mail

Anhang B: FKK

Anhang C: Maßnahmespezifischer Fragebogen

Anhang D: Fragebogen gekürzt

Abstract

The following study examined perceived self-efficacy in context of sociodemographic features and the psychological state of health. The investigation concerned sex, age, graduation, mental health, nationality and the marital status. These variables were brought into relation with general perceived self-efficacy. Data was gathered in cross-sectional surveys. The measurement of perceived self-efficacy was realised with Krampens 'Fragebogen zu Kompetenz- und Kontrollüberzeugungen'. In order to capture the sociodemographic features and the psychological state of health, a new questionary has been developed. The sample consisted of 66 probands (35 with mental disorders and 31 with psychological health). Collected data was analysed with T-Tests, a Pearson correlation and a regression analysis. The analysis of data revealed that there's no statistically significant connection between perceived self-efficacy and sociodemographic features as well as there's no statistically significant association with the psychological state of health. But findings, that are already in existence, could be proved with this study.

Zusammenfassung

Die nachfolgende Studie betrachtet die allgemeine Selbstwirksamkeitserwartung im Kontext von soziodemographischen Merkmalen und dem psychischen Gesundheitszustand. An einer Stichprobe von 66 Versuchspersonen wurde überprüft, ob die allgemeine Selbstwirksamkeitserwartung in Zusammenhang mit den Variablen: Geschlecht, Alter, Schulabschluss, psychische Gesundheit, Staatsangehörigkeit und Familienstand steht. Von den 66 Versuchspersonen befanden sich 35 zum Zeitpunkt der Befragung in einer Rehabilitationsmaßnahme. Diese StudienteilnehmerInnen wurden der Teilstichprobe der psychisch Erkrankten zugeordnet. Bei den restlichen 31 Versuchspersonen lag keine schwerwiegende psychische Erkrankung vor. Erhoben wurden die Daten in Querschnittserhebungen. Die allgemeine Selbstwirksamkeitserwartung wurde mit dem Fragebogen zu Kompetenz- und Kontrollüberzeugungen von Günter Krampen erfasst. Die soziodemographischen Merkmale wurden mit Hilfe eines, eigens für diese Studie entwickelten, Fragebogens erhoben. Ausgewertet wurden die gesammelten Daten mit T-Tests, einer Korrelation, sowie einer Regressionsanalyse. Im Rahmen der Auswertung konnten keine signifikanten Zusammenhänge zwischen der allgemeinen Selbstwirksamkeitserwartung und den untersuchten soziodemographischen Merkmalen gefunden werden. Auch in Hinblick auf den psychischen Gesundheitszustand war das Ergebnis der statistischen Datenanalyse nicht signifikant. Nichtsdestotrotz konnten bereits existierende wissenschaftliche Befunde mit dieser Studie bestätigt werden, denn es zeigte sich auch in dieser Untersuchung, dass es keinen Zusammenhang zwischen dem Lebensalter und der allgemeinen Selbstwirksamkeitserwartung gibt.

Einleitung

„Der Glaube kann Berge versetzen“

Dies ist ein in Deutschland geläufiges Sprichwort, das besagt, dass rein durch den Glauben auch unmöglich erscheinende Aufgaben gemeistert werden können. Wichtig für ein erfolgreiches Gelingen ist demnach vor allem positives Denken und das Überzeugt-Sein von den eigenen Fähigkeiten oder von einer bestimmten Sache.

Dass der Glaube tatsächlich Berge versetzen kann, zeigt sich mitunter in Studien zum Placebo-Effekt. Beim Placebo-Effekt treten therapeutische Wirkungen nach der Verabreichung von Scheinpräparaten auf, obwohl diese keinerlei chemische Wirkstoffe enthalten, die tatsächlich zu einer Besserung hätten beitragen können. Die Wirkung eines Placebos ist somit einzig und allein auf die Erwartungshaltung beziehungsweise auf die Überzeugung, es würde helfen, zurückzuführen.

Aber nicht nur der Glaube an eine bestimmte Sache ist hinsichtlich des Erfolgs von Bedeutung, sondern auch der Glaube an sich selbst. Ist man von seinen eigenen Stärken und seiner eigenen Wirksamkeit überzeugt, traut man sich eher zu eine bestimmte Situation zu meistern. Das Überzeugt-Sein von den eigenen Fähigkeiten und von sich selbst trägt somit maßgeblich dazu bei, ob eine Handlung in Angriff genommen wird oder nicht. Die Erwartung, ein spezielles Verhalten aufgrund der eigenen Kompetenzen zeigen zu können und eine Handlung erfolgreich ausführen zu können, wird im wissenschaftlichen Sprachgebrauch Selbstwirksamkeitserwartung genannt. In der Literatur findet das von Albert Bandura entwickelte Konzept der Selbstwirksamkeit zunehmend mehr Beachtung. Der Fokus der psychologischen Forschung liegt jedoch zumeist auf spezifischen Selbstwirksamkeitserwartungen. Zur allgemeinen Selbstwirksamkeitserwartung, die alle Lebensbereiche umfasst, lassen sich vergleichsweise wenige Studien finden. Dies ist mitunter darauf zurückzuführen, dass die allgemeine Selbstwirksamkeitsüberzeugung schwieriger zu erfassen ist, als es die bereichsspezifischen Selbstwirksamkeitserwartungen sind. Um diesem Mangel an Studien entgegenzuwirken, beschäftigt sich die vorliegende Arbeit mit der allgemeinen Selbstwirksamkeitserwartung, denn diese ist eine essenzielle persönliche Ressource, die dabei hilft das eigene Potential auszuschöpfen und Herausforderungen erfolgreich zu bewältigen. Die allgemeine Selbstwirksamkeitserwartung wird in der nachfolgenden Arbeit im Kontext von soziodemographischen Merkmalen und dem psychischen Gesundheitszustand betrachtet.

Zu Beginn der Arbeit werden die Begriffe Selbst und Selbstwirksamkeitserwartung unter der Zuhilfenahme von psychologischer Theorie erläutert. Außerdem wird im theoretischen Teil auf die Quellen der Selbstwirksamkeit eingegangen, sowie die psychische Gesundheit in Verbindung mit der Selbstwirksamkeitserwartung thematisiert. Anschließend werden die Hypothesen, die der folgenden Forschungsarbeit zugrunde liegen, vorgestellt. Im dritten Teil der Arbeit werden sowohl das Vorgehen, als auch die Methoden der durchgeführten Studie behandelt. Den Schluss bilden die Ergebnisse und eine Diskussion.

1. Theoretische Grundlagen

1.1 Vom Selbst zur Selbstwirksamkeitserwartung

Um das Konzept der Selbstwirksamkeit verstehen zu können, muss zunächst einmal das Selbst an sich betrachtet werden.

Der Begriff des Selbst findet im alltäglichen Sprachgebrauch, sowie in verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen Anwendung (vgl. Schachinger, 2002). In der Umgangssprache wird die Begrifflichkeit häufig als Äquivalent zum Identitätsbegriff verwendet. Generell beschreiben sowohl das Selbst, als auch die Identität, ein ähnliches Konstrukt. Beide Termini umfassen einen unveränderbaren Kern der Persönlichkeit, der durch ein variables Persönlichkeitselement ergänzt wird (vgl. ebd.). Nicht zuletzt weil sich aus dem Wortstamm „Selbst“ eine Vielzahl an psychologischen Begriffen herausgebildet hat (Selbstaufmerksamkeit, Selbstkonzept, Selbstbewusstsein, Selbstwert, um nur einige zu nennen), ist der Begriff des Selbst in der Psychologie gebräuchlicher, als der, der Identität (vgl. ebd.). Das psychologische Verständnis vom Selbst basiert auf einer Differenzierung von William James. James unterteilte das Selbst in zwei miteinander verbundene Aspekte: Das erkennende Selbst (Self as Knower) und das erkannte Selbst (Self as Known) (vgl. James, 1890). Das erkennende Selbst beinhaltet Wissen über die eigene Person und wird heutzutage als Selbstkonzept bezeichnet (vgl. Linville & Carlston, 1994). Das erkannte Selbst spiegelt den Prozess der Selbstwahrnehmung wider und ist auch unter dem Begriff Self-Awareness bekannt (vgl. ebd.). Die neuzeitliche Forschung beschäftigt sich zu einem großen Teil mit dem erkennenden Selbst. Um die Selbstwirksamkeitserwartung erfassen zu können, ist es ebenfalls vonnöten den Fokus auf das erkennende Selbst bzw. auf das Selbstkonzept zu richten.

Das Selbstkonzept stellt eine Gedächtnisrepräsentation des Selbst dar (vgl. Hannover, 1997). Es beinhaltet sämtliches Wissen über die eigene Person, welches im Laufe des Lebens gesammelt wurde (vgl. ebd.). Das Selbstkonzept umfasst demnach alle Aspekte, die ein Mensch von sich selbst wahrnimmt. Dazu gehören körperliche Merkmale, Einstellungen, Kompetenzen, Emotionen und Verhalten. Laut Hannover (1997) ist das Selbstkonzept die Gesamtheit verschiedener Selbstkonstrukte. Damit ist gemeint, dass sich Menschen in verschiedenen Situationen unterschiedlich wahrnehmen und dieses Selbstwissen anschließend kontextgebunden abspeichern (vgl. ebd.). Eine Person kann zum Beispiel Informationen zu sich am Arbeitsplatz und Informationen zu sich im privaten Bereich gespeichert haben. Das selbstbezogene Wissen in den einzelnen Bereichen bildet dabei jeweils ein Selbstkonstrukt. Die einzelnen Selbstkonstrukte können dabei ganz unterschiedlich ausfallen (vgl. ebd.). Eine Person könnte sich am Arbeitsplatz etwa als streng und entscheidungsfreudig wahrnehmen, wohingegen sie sich im privaten Bereich vielleicht eher als tolerant und entscheidungs-schwach beschreiben würde. Abbildung 1 zeigt ein Selbstkonzept mit den Selbstkonstrukten 'Ich am Arbeitsplatz' und 'Ich zu Hause'. Dieses assoziative Netzwerk ist stark vereinfacht dargestellt. In der Realität beinhaltet ein Selbstkonzept weitaus mehr selbstbezogene Informationen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Selbstkonzept (nach Linville & Carlston, 1994)

Das Selbstkonzept kann als kognitive Komponente des Selbst angesehen werden. Jedoch ist nicht nur das bloße Wissen um die eigene Person ein Teil des Selbst, sondern auch die Bewertung dieses Wissens (vgl. Chen, Boucher & Tapias, 2006). Aus dem Wissen und der Bewertung resultiert das Bild, das ein Mensch von sich selbst hat (vgl. ebd.)

Mit dem Selbstbild geht wiederum die evaluative Komponente des Selbst, nämlich der Selbstwert einher (vgl. Pinquart, 1998). Oftmals wird der Selbstwert auch als Selbstwertgefühl bezeichnet. Da es sich streng genommen aber nicht um eine Emotion, sondern vielmehr um eine subjektive Einstellung dem eigenen Selbst gegenüber handelt (vgl. ebd.), wird im Folgenden die Begrifflichkeit Selbstwert verwendet. Der Selbstwert ist der Wert, den ein Mensch sich auf Basis seiner affektiv und kognitiv bewerteten Selbstkonstrukte selbst zuschreibt (vgl. Schachinger, 2002). Häufig beruht der Selbstwert auf sozialen Vergleichen (vgl. ebd.). Neben den eigenen Bewertungen spielen auch die Bewertungen, die ein Mensch von Außen erfährt, eine wichtige Rolle in puncto Selbstwert (vgl. ebd.). Vor allem für Kinder ist die Bewertung des sozialen Umfeldes von Bedeutung, denn Zuwendung und Anerkennung durch nahestehende Bezugspersonen (wie etwa die Eltern) können den Selbstwert von Kindern positiv prägen (vgl. ebd). Im Gegensatz zum Selbstkonzept ist der Selbstwert weniger stabil, weil er auch durch Stimmungsschwankungen beeinflusst werden kann (vgl. Asendorpf, 2009). Gleichzeitig wirkt sich der Selbstwert wiederum auch auf die eigenen Gedanken, die Stimmung und auf das Verhalten aus. Laut Gerrig und Zimbardo (2008) besteht bei Menschen mit geringem Selbstwert weniger Sicherheit über das eigene Selbst. Dies hat wiederum zur Folge, dass Menschen mit geringem Selbstwert den Erfolg ihrer Handlungen nur schwer voraussagen können und sich aus diesem Grund weniger zutrauen (also ein passiveres Verhalten zeigen), als Menschen mit einem hoch ausgeprägten Selbstwert (vgl. ebd.).

Das Wissen und die Sicherheit über das eigene Selbst ist es jedoch, was die Selbstwirksamkeitserwartung nach Bandura auszeichnet.

Das Konzept der Selbstwirksamkeitserwartung wurde 1977 von Albert Bandura entwickelt und beruht auf seiner sozial-kognitiven Theorie (vgl. Fuchs, 20005). Nach der sozial-kognitiven Theorie wird menschliches Handeln maßgeblich von zwei Faktoren bestimmt, nämlich von der Handlungs-Ergebnis-Erwartung (out-come expectancies) und von der Selbstwirksamkeitserwartung (perceived self-efficacy) (vgl. Bandura, 1998). Die Handlungs-Ergebnis-Erwartung bezieht sich auf die Überzeugung, dass durch bestimmte Handlungen gewünschte Ergebnisse erzielt werden können (vgl. ebd.). Möchte eine Person beispielsweise ihren Hochschulabschluss erwerben, ist es für sie vonnöten sich mit den entsprechenden Studieninhalten auseinanderzusetzen und alle Prüfungen erfolgreich abzuschließen. Die erwartete positive Konsequenz könnte demnach ein Anreiz sein sich die Kenntnisse, die für das Bestehen der Prüfungen notwendig sind, anzueignen. Ob eine Person tatsächlich auch das relevante Wissen für die zu absolvierenden Prüfungen erwirbt, ist dabei jedoch vielmehr von der Selbstwirksamkeitserwartung, als von der Handlungs-Ergebnis-Erwartung abhängig (vgl. Schwarzer & Jerusalem, 2002). Während die Handlungs-Ergebnis-Erwartung universell zu betrachten ist, thematisiert die Selbstwirksamkeitserwartung die selbstbezogene Wahrnehmung (vgl. ebd.). Erst wenn sich eine Person dazu in der Lage sieht eine Handlung zielführend einsetzen zu können, wird sie dies auch tun (vgl. ebd.). In anderen Worten: eine Person muss davon überzeugt sein, sich die erforderlichen Kenntnisse aneignen zu können. Weiß eine Person zwar mit welchen Studieninhalten sie sich vertraut machen soll, fühlt sich aber aufgrund von mangelnden Fertigkeiten oder fehlender Konzentration nicht dazu in der Lage dieses Wissen zu erlernen, ist die Selbstwirksamkeitserwartung schwach ausgeprägt (vgl. ebd.). Auch wenn eine Person sich im universitären Kontext als nur wenig wirksam einschätzt, muss dies nicht bedeuten, dass ihre Selbstwirksamkeitserwartung grundsätzlich gering ist. Es ist zum Beispiel denkbar, dass die gleiche Person sich gut im sportlichen Kontext behaupten kann und aus diesem Grund eine hohe Selbstwirksamkeitserwartung in diesem Bereich besitzt. Neben den spezifischen Selbstwirksamkeitserwartungen, gibt es auch eine allgemeine Selbstwirksamkeitserwartung, die alle Lebensbereiche umfasst (vgl. Bandura, 1998). Die allgemeine Selbstwirksamkeitserwartung bezeichnet die generelle Überzeugung einen Einfluss auf die Dinge zu haben, die das eigene Leben bestimmen (vgl. ebd.). Sie beschreibt also inwieweit sich ein Mensch als unabhängig von äußeren Gegebenheiten sieht (vgl. ebd.). Eine Person mit einer hohen allgemeinen Selbstwirksamkeitserwartung vertraut entsprechend in ihre eigenen Fähigkeiten und glaubt auch in schwierigen Situationen daran, etwas bewirken zu können (vgl. ebd.). Ist eine Person mit gut ausgeprägter Selbstwirksamkeitserwartung zum Beispiel von Arbeitslosigkeit betroffen, kann es sein, dass sie dies weniger als Katastrophe, als vielmehr als Herausforderung, die es zu meistern gilt, ansieht. Für eine Person mit niedriger Selbstwirksamkeitsüberzeugung kann eine Arbeitslosigkeit hingegen ein schwerer Schicksalsschlag bedeuten. Bei der Bewältigung von neuen Lebensanforderungen stellt die allgemeine Selbstwirksamkeitserwartung eine wichtige persönliche Ressource dar (vgl. Jerusalem & Mittag, 1995). Eine Stärkung der allgemeinen Selbstwirksamkeitserwartung ist demnach für Menschen mit einem geringen Glauben an die eigene Wirksamkeit erstrebenswert.

Welche Faktoren einen Einfluss auf die allgemeine Selbstwirksamkeitserwartung haben, wird nachfolgend thematisiert.

1.2 Quellen der Selbstwirksamkeitserwartung

Nach Bandura (1994) wird die Selbstwirksamkeitserwartung über vier wesentliche Quellen erworben, die hinsichtlich der Stärke ihres Einflusses aufgereiht werden können:

1. Eigene Erfolgserlebnisse (Performance Accomplishments)
2. Stellvertretende Erfahrungen (Vicarious Experience)
3. Verbale Beeinflussung (Verbal Persuasion)
4. Emotionale Erregung (Emotional Arousal)

Den stärksten Einfluss auf den Erwerb von Selbstwirksamkeitserwartung hat die Erfahrung eigener Erfolgserlebnisse. Bewältigt man schwierige Aufgaben, die entweder von außen an einen herangetragen wurden (extrinsisch motiviert) oder die man sich selbst auferlegt hat (intrinsisch motiviert), erfolgreich, kann dies den Glauben an die eigenen Fähigkeiten stärken (vgl. ebd.). Eine wichtige Voraussetzung hierbei ist, dass das Erfolgserlebnis registriert und den eigenen Kompetenzen zugeschrieben wird. Nur wenn der Erfolg internal und stabil attribuiert wird, kann die Selbstwirksamkeitserwartung positiv beeinflusst werden (vgl. ebd.). Der Schwierigkeitsgrad einer Aufgabe ist in diesem Kontext ebenfalls von Bedeutung. Sieht sich eine Person vorwiegend mit einfachen Aufgaben konfrontiert und kann diese problemlos lösen, birgt dies die Gefahr einer Gewöhnung an einen schnellen Erfolg (vgl. Bandura, 1998). Bleibt dieser schnelle Erfolg aus, kann sich das wiederum negativ auf die Selbstwirksamkeitserwartung auswirken (vgl. ebd.). Gesteigert werden kann die Selbstwirksamkeitserwartung durch schwierige Aufgaben, die eine Person fordern. Gelingt es einer Person eine schwierige Aufgabe mit Hilfe der eigenen Kompetenzen zu meistern, stärkt dies, unter den oben genannten Bedingungen, nicht nur die Selbstwirksamkeitsüberzeugung, sondern führt auch dazu, dass sich die Person in Zukunft weiteren Herausforderungen stellt (vgl. ebd.). Der Aufbau von Selbstwirksamkeitsüberzeugung durch eigene Erfolgserlebnisse findet mitunter in der kognitiven Verhaltenstherapie Anwendung (vgl. Schwarzer & Jerusalem, 2002). Begibt sich ein/e PhobikerIn in verhaltenstherapeutische Behandlung, so wird zu Beginn eine Zielhierarchie erarbeitet (vgl. ebd.). Die einzelnen Therapieschritte, die zum Erreichen eines Hauptziels (beispielsweise eine Schlange berühren können) notwendig sind, werden dabei nach und nach durchgeführt (vgl. ebd.). Vor jeder schwierigen Aufgabe wird dabei die entsprechende Selbstwirksamkeitserwartung formuliert (vgl. ebd.). Diese könnte zum Beispiel so lauten: „Ich bin mir sicher, dass ich mich dem Terrarium mit der Schlange bis auf fünf Meter nähern kann“. Je mehr dieser schwierigen Aufgaben erfolgreich von dem/der PhobikerIn gemeistert werden, desto mehr schwindet die spezifische Angst (vgl. ebd.). Selbstwirksamkeitserwartungen, egal ob handlungsspezifisch oder generalisiert, stellen, wie bereits erwähnt, eine wichtige Ressource dar. Misslingt die Bewältigung eines Problems, hat dies für Menschen mit einer hohen Selbstwirksamkeitserwartung meist keine gravierenden Folgen (vgl. Bandura, 1998). Die Niederlage wird dann häufig auf Pech oder aber auf mangelnde Bemühungen zurückgeführt (vgl. ebd.). Bei Menschen mit niedriger Selbstwirksamkeitserwartung hingegen bedeutet ein derartiges Scheitern meist auch ein persönliches Scheitern (vgl. ebd.).

Gibt es nicht genügend Möglichkeiten eigene Erfahrungen zu sammeln und eigene Erfolge zu erleben, spielen stellvertretende Erfahrungen eine wichtige Rolle im Erwerb von Selbstwirksamkeitserwartung. Die eigene Selbstwirksamkeitserwartung wird hierbei von Menschen, die einem selbst als ähnlich empfunden werden, beeinflusst (vgl. Bandura, 1998). Bandura (1994) nennt diese Quelle auch das Modell- und Beobachtungslernen. Beobachtet man eine Person bei der erfolgreichen Bewältigung einer Herausforderung, traut man sich selbst auch eher an diese Herausforderung heran (vgl. Bandura, 1998). Dabei gilt: Je mehr Ähnlichkeit zur Modellperson besteht, desto stärker ist der Einfluss auf die eigene Selbstwirksamkeitserwartung, denn bei einer geringen Distanz ist der soziale Vergleich, der Aufschluss über die eigenen Kompetenzen gibt, einfacher (vgl. ebd.). Stellvertretende Erfahrungen kommen mitunter in Selbsthilfe- oder therapeutischen Gruppen zum Tragen. Leidet eine Person beispielsweise an einer substanzgebundenen Abhängigkeit und möchte sich dem Suchtmittel lossagen, so kann der Austausch mit Gleichgesinnten, die in ihrer Therapie schon ein paar Wochen voraus sind, sehr hilfreich sein. Durch sie erfährt der/die Betroffene wie mit einzelnen Schwierigkeiten, wie etwa Suchtdruck, umgegangen werden kann. Zusätzlich wird, wenn die Modellpersonen abstinent leben und ihren Weg in die Abstinenz offen kommunizieren, die Selbstwirksamkeitserwartung des Abhängigkeitserkrankten gestärkt. Die betroffene Person könnte dann Gedanken wie etwa: „Wenn er/sie das schafft, dann schaffe ich das auch“ entwickeln und die stellvertretenden Erfahrungen für sich nutzen.

Auch verbale Beeinflussung wirkt sich auf die Selbstwirksamkeitserwartung aus. Wird einer Person gut zugeredet im Sinne von: „Du kannst das. In dir schlummert das notwendige Potenzial“, kann dies wiederum eine Steigerung der Selbstwirksamkeitserwartung zur Folge haben (vgl. Bandura, 1994). Ob sich das mündliche Überzeugen bezahlt macht, ist dabei abhängig von der Expertise, der Vertrauenswürdigkeit und von der Attraktivität der einflussnehmenden Person (vgl. Schachinger, 2002). Mündliche Überredung kann nur dann funktionieren, wenn der oder die zu Motivierende der einflussnehmenden Person Glauben schenkt. Dies kann beispielsweise der Fall sein, wenn die einflussnehmende Person Autorität ausstrahlt (vgl. Schwarzer & Jerusalem, 2002). Außerdem müssen die Inhalte der Überredung realistisch sein. Sind die Motivationsversuche absolut nicht kompatibel mit der eignen Einschätzung der Person, kann dies genau das Gegenteil von dem eigentlich Beabsichtigten bezwecken und die Person demotivieren (vgl. Schachinger, 2002). War eine verbale Ermutigung erfolgreich, ist das Resultat der nachfolgenden Anstrengung von großer Bedeutung. Wurden die Erwartungen der Menschen, die an einen geglaubt haben, erfüllt, ist eine Zunahme der Selbstwirksamkeitsüberzeugung möglich (vgl. Schwarzer & Jerusalem, 2002). Ob die erworbene Selbstwirksamkeitsüberzeugung jedoch erhalten bleibt, hängt dabei von den darauffolgenden Bemühungen ab. Scheitern diese, kann das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten wieder geschwächt werden (vgl. ebd.).

Emotionale Erregung kann ebenfalls eine Quelle der Selbstwirksamkeitserwartung darstellen. Häufig sind physiologische und psychische Reaktionen auf bestimmte Anforderungen die Basis zur Bewertung der eigenen Selbstwirksamkeit (vgl. Bandura, 1994). Löst eine neue Situation Stressreaktionen wie etwa Herzklopfen, Händezittern, Übelkeit oder Anspannung aus, so besteht die Möglichkeit, dass diese vom Betroffenen als Schwäche oder fehlende Kompetenz zur Bewältigungen dieser Situation interpretiert werden (vgl. Schwarzer & Jerusalem, 2002). Daher kann es sein, dass eine Person mit hohem emotionalem Erregungsniveau nur in geringem Maße davon überzeugt ist, ein Problem meistern zu können. Bei einem niedrigen emotionalen Erregungsniveau ist die Erwartung einer erfolgreichen Problembewältigung zumeist höher. Aus diesem Grund ist es vor allem im therapeutischen Kontext wichtig Stressreaktionen abzubauen und Fertigkeiten zu vermitteln, die dabei helfen können in schwierigen Situationen einen kühlen Kopf zu bewahren (vgl. ebd.). Dies kann beispielsweise über Entspannungstechniken geschehen. Eine gut ausgeprägte Selbstwirksamkeitserwartung wirkt ebenfalls prophylaktisch, da durch sie die Erwartung ängstlicher Erregung beeinflusst wird (vgl. ebd.). Hat eine Person eine hohe Selbstwirksamkeitsüberzeugung und erwartet vor einer bestimmten Herausforderung nur geringe Anzeichen ängstlicher Erregung, so ist das tatsächlich wahrgenommene emotionale Erregungsniveau in der entsprechenden Situation vergleichsweise gering. Psychotherapien haben daher oftmals eine Stärkung der Selbstwirksamkeitserwartung zum Ziel.

1.3 Selbstwirksamkeit und psychische Gesundheit

Auch wenn im vorherigen Kapitel bereits ein Bezug zum therapeutischen Kontext hergestellt wurde, wurde die Rolle der Selbstwirksamkeitserwartung in Hinblick auf die psychische Gesundheit noch nicht genauer beleuchtet. Um nachvollziehen zu können, in welchem Zusammenhang Selbstwirksamkeit und psychische Gesundheit stehen, gilt es zunächst einmal zu definieren, was psychische Gesundheit ist. Dies gelingt am besten durch Abgrenzung zur psychischen Krankheit.

Unter einer psychischen Krankheit wird laut Waller (2007) eine Beeinträchtigung des menschlichen Erlebens verstanden. Sowohl die Wahrnehmung, die Emotion, die Kognition, als auch das Ich-Erleben können davon betroffen sein (vgl. ebd.). Zudem kann sich eine psychische Erkrankung auf das Verhalten, auf die Willensstärke und auch auf die sozialen Beziehungen des Betroffenen auswirken (vgl. ebd.). Nicht jede Abweichung von einer zuvor definierten Norm ist dabei auch krankheitswertig. Erst wenn die Abweichung vom Betroffenen selbst als abnorm empfunden wird und mit einem subjektiven Leidensdruck einhergeht, kann von einer psychischen Erkrankung ausgegangen werden (vgl. ebd.).

Psychische Gesundheit kann im Umkehrschluss als Abwesenheit von psychischer Erkrankung aufgefasst werden (vgl. Schulte, 1998). Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) definiert psychische Gesundheit wie folgt:

„Positive psychische Gesundheit ist ein Zustand des Wohlbefindens, in dem der Einzelne seine Fähigkeiten ausschöpfen, die normalen Lebensbelastungen bewältigen, produktiv und fruchtbar arbeiten kann und imstande ist, etwas zu seiner Gemeinschaft beizutragen.“ (WHO, 2006, S.47).

Die Definition der WHO beinhaltet neben einer individuellen Sichtweise, die die freie Entfaltung jedes Einzelnen anspricht, auch eine gesellschaftliche Perspektive, die auf den Beitrag eines jeden zum Gemeinwohl anspielt. Psychische Gesundheit ist somit sowohl für einzelne Individuen, als auch für die gesamte Gesellschaft von Nutzen. In einer Studie zur sportlichen Aktivität konnten Fuchs & Schwarzer (1994) einen Zusammenhang zwischen der psychischen Gesundheit und der Selbstwirksamkeitserwartung finden. Personen mit einer hohen Selbstwirksamkeitserwartung hatten demnach eine bessere psychische und physische Gesundheit, als Personen mit einer niedrigen Selbstwirksamkeitserwartung (vgl. ebd.). Eine niedrige Erwartung an die Selbstwirksamkeit kann sogar dazu beitragen, dass sich psychische Erkrankungen manifestieren. Nimmt sich eine Person in einer Situation als inkompetent wahr, richtet sie ihre Aufmerksamkeit auf die eigene Person und überschätzt die Schwierigkeit der Situation (vgl. Bandura, 1998). Dies kann dazu führen, dass sie die besagte Situation meidet, was die Selbstwirksamkeitserwartung wiederum negativ beeinflusst. Entzieht sich eine Person aufgrund ihrer gering ausgeprägten Erwartung an das Selbst zunehmend mehr herausfordernden Situationen, kann das gezeigte Vermeidungsverhalten die Entstehung einer manifesten Angsterkrankung begünstigen (vgl. Ruholl, 2007). Außerdem wirkt sich eine geringe Selbstwirksamkeitsüberzeugung auch auf das Durchhaltevermögen aus. Personen mit einer niedrigen Selbstwirksamkeitserwartung nutzen zumeist nur einen Teil ihres eigentlichen Potentials und können aus diesem Grund keine ausreichenden Bewältigungsstrategien entwickeln (vgl. ebd.). Aufgaben, die herausfordernd sind und nur mit Durchhaltevermögen zu bewerkstelligen sind, werden daher oftmals nicht angegangen oder bereits nach kurzer Zeit wieder abgebrochen (vgl. ebd.). Dies kann zur Folge haben, dass ebenfalls nicht genügend gegen eine psychische Erkrankung, wie etwa Angst oder Sucht, angekämpft wird. Die Aufrechterhaltung der Chronifizierung wird durch diese Passivität gefördert (vgl. ebd.).

Es gibt bereits eine Vielzahl an Studien, die sich mit dem Zusammenhang verschiedener psychischer Erkrankungen und der Selbstwirksamkeit beschäftigt (vgl. Ruholl, 2007; Anderson & McLean, 1997; Ollendick, 1995; de Jong, Henrich & Noppeney, 1985). Am häufigsten ergründet ist der Zusammenhang zwischen Angsterkrankungen und Selbstwirksamkeit (vgl. Ollendick, 1995), sowie zwischen Depressionen und Selbstwirksamkeit (vgl. Anderson & McLean, 1997; de Jong, Henrich & Noppeney, 1985). Hierbei konnten deutliche Beziehungen gefunden werden. Menschen, die an einer Depression oder an einer Angsterkrankung leiden, verfügen demnach nur über eine geringe Selbstwirksamkeitserwartung (vgl. ebd.). Forschungsarbeiten im psychosomatischen Bereich sind noch rar. Ruholl (2007) berücksichtigte aus diesem Grund psychosomatische Erkrankungen in ihrer Arbeit und untersuchte die allgemeine Selbstwirksamkeitserwartung hinsichtlich der Diagnosen 'Depression', 'Angsstörung', 'Anpassungsstörung', 'Somatoforme Störung', 'Essstörung', 'Sexuelle Funktionsstörung' und 'Psychosomatose'. Es zeigte sich, dass Menschen mit einer Depression, mit einer Angsterkrankung oder mit einer Essstörung die niedrigsten Werte in Hinblick auf die allgemeine Selbstwirksamkeit hatten (vgl. ebd.). Menschen mit einer Anpassungsstörung oder einer Psychosomatose zeigten mittlere Selbstwirksamkeitswerte und Menschen mit einer diagnostizierten sexuellen Funktionsstörung oder mit einer somatoformen Störung hatten sogar vergleichsweise hohe Selbstwirksamkeitswerte (vgl. ebd.). Ruholl erklärt diesen signifikanten Unterschied mit dem Bezug zum eigenen Selbst. Eine somatoforme Störung betreffe nur in geringerem Maße das eigene Selbst, wohingegen bei einer Angststörung oder Depression eine stärkere Verknüpfung zum eigenen Selbst besteht (vgl. ebd.). Auch der Zusammenhang von Selbstwirksamkeit und Suchtverhalten wurde in der Forschung untersucht. Manning & Wright (1983) fanden zum Beispiel heraus, dass Menschen mit einer gering ausgeprägten Selbstwirksamkeitserwartung vermehrt zu Schmerzmedikamenten greifen. Menschen mit einer niedrigen Selbstwirksamkeitsüberzeugung können somit auch eher dazu neigen eine Abhängigkeitserkrankung zu entwickeln. Zumeist wurde die Selbstwirksamkeit in Bezug auf das Rückfallmanagement erforscht. Schindler & Körkel (1994) konnten nachweisen, dass die Selbstwirksamkeitserwartung einen Aufschluss über das zukünftige Trinkverhalten von jungen Alkoholabhängigen gibt. Verfügt eine Person nur über eine geringe Selbstwirksamkeitserwartung, besteht für sie eine größere Gefahr rückfällig zu werden (vgl. ebd.). Personen mit einer hohen Selbstwirksamkeitserwartung erleben hingegen seltener Rückfälle (vgl. ebd.).

Eine hohe Selbstwirksamkeitserwartung wirkt psychischen Erkrankungen entgegen und kommt der psychischen Gesundheit entsprechend zugute. Nicht nur aus diesem Grund haben therapeutische Interventionen eine Stärkung der Selbstwirksamkeit zum Ziel. Neben dem Individuum, kann auch die Gesellschaft von der besseren Nutzung der personellen Ressourcen, die mit einer Steigerung der allgemeinen Selbstwirksamkeitserwartung einhergeht, profitieren (vgl. Schachinger, 2002). Schwarzer (1994) beschreibt die Selbstwirksamkeit als eine „stabile Persönlichkeitsdimension“, die jedoch nicht unveränderbar ist. Es ist empirisch bewiesen, dass die allgemeine Selbstwirksamkeitserwartung im Rahmen einer kognitiven Verhaltenstherapie positiv verändert werden kann (vgl. Schwarzer & Jerusalem, 2002). In einer Studie, die die Einnahme von Benzodiazepinen mit der Selbstwirksamkeit korreliert, wurde deutlich, dass Patienten durch eine kognitive Verhaltenstherapie, in der die Selbstwirksamkeit verbessert wurde, fast gänzlich auf Beruhigungsmittel verzichten konnten (vgl. Belanger, Morin, Bastien & Ladouceur, 2005).

2. Fragestellung und Hypothesen

Aufgrund der Bedeutung der Selbstwirksamkeit für die psychische Gesundheit, betrachtet die vorliegende Studie die allgemeine Selbstwirksamkeitserwartung vor dem Hintergrund des psychischen Gesundheitszustandes. Außerdem werden auch soziodemographische Merkmale in der folgenden Forschungsarbeit berücksichtigt. Es wird untersucht, ob die allgemeine Selbstwirksamkeitserwartung in Zusammenhang mit den Variablen: Geschlecht, Alter, Schulabschluss, psychische Gesundheit, Staatsangehörigkeit und Familienstand steht.

Geschlecht:

Es gibt bereits Studien zur Selbstwirksamkeitserwartung, die sich mit Geschlechterunterschieden befassen, jedoch beziehen sich diese Studien hauptsächlich auf spezifische Selbstwirksamkeitserwartungen. Hackett, Betz, O’Halloran und Romac (1990) erforschten zum Beispiel die Selbstwirksamkeitserwartung von Studierenden in Verbindung mit Anagramm- und Zahlenfolgeaufgaben. Sie fanden heraus, dass sich Studenten bei diesen Aufgaben als selbstwirksamer einschätzten, als Studentinnen (vgl. ebd.). Pintrich und de Groot (1990) untersuchten die Selbstwirksamkeitserwartung von Schülern und fanden ebenfalls Geschlechterunterschiede: sowohl in ihrer Muttersprache Englisch, als auch in den naturwissenschaftlichen Fächern, zeigten Jungen höhere Selbstwirksamkeitswerte, als Mädchen (vgl. ebd.). Die genannten Forschungsarbeiten legen nahe, dass Jungen und Männer stärker von der eigenen Wirksamkeit überzeugt sind, als Mädchen und Frauen. Unter Berücksichtigung dieser Befunde wird daher erwartet, dass sich dies auch in der allgemeinen Selbstwirksamkeitserwartung widerspiegelt und Männer auch hier höhere Werte zeigen. Die erste Hypothese lautet:

H1: Männer weisen eine höhere allgemeine Selbstwirksamkeitserwartung auf, als Frauen.

Alter:

In Bezug auf das Alter konnte bislang noch kein Zusammenhang zwischen der Höhe der allgemeinen Selbstwirksamkeitserwartung und dem Lebensalter gefunden werden. Laut Schwarzer (1993) ist die allgemeine Selbstwirksamkeitserwartung zeitstabil und somit unabhängig vom Alter. Aus diesem Grund wird davon ausgegangen, dass auch in der folgenden Untersuchung kein Zusammenhang zwischen dem Lebensalter und der allgemeinen Selbstwirksamkeitserwartung gefunden wird. Als zweite Hypothese wird formuliert:

H2: Es gibt keinen Zusammenhang zwischen dem Alter und der allgemeinen Selbstwirksamkeitserwartung.

Schulabschluss:

Wie bereits erwähnt, wirken sich Erfolgserlebnisse positiv auf die Selbstwirksamkeitserwartung aus, insofern diese Erfolge internal und stabil attribuiert werden (vgl. Bandura, 1994). Misst man den schulischen Erfolg nun anhand des Schulabschlusses, so könnte man annehmen, dass ein hoher Schulabschluss mit einer hohen allgemeinen Selbstwirksamkeitserwartung einhergeht und ein niedriger Schulabschluss mit einer niedrigeren allgemeinen Selbstwirksamkeitserwartung. Es ergibt sich demnach die dritte Hypothese:

H3: Abiturienten zeigen eine höhere allgemeine Selbstwirksamkeitserwartung, als Nicht - Abiturienten.

Psychische Gesundheit:

In Hinblick auf die psychische Gesundheit konnte bislang nachgewiesen werden, dass es Zusammenhänge zwischen unterschiedlichen Diagnosen und der allgemeinen Selbstwirksamkeitserwartung gibt (vgl. Ruholl, 2007). Menschen, die an einer Depression, an Ängsten oder an Essstörungen leiden, schätzen ihre eigene Wirksamkeit häufig nur sehr gering ein (vgl. ebd.). Depressionen gehören zu den häufigsten psychischen Erkrankungen und treten oftmals gemeinsam mit Angststörungen, somatoformen Störungen, sowie mit Abhängigkeitserkrankungen auf (vgl. Wittchen, Jacobi, Klose & Ryl, 2010). Aufgrund der Tragweite von Depressionen ist anzunehmen, dass Menschen, die an einer psychischen Erkrankung leiden, generell Einbußen in der Selbstwirksamkeit haben. Die vierte Hypothese lautet entsprechend:

H4: Psychisch Erkrankte haben eine geringere allgemeine Selbstwirksamkeitserwartung , als Menschen, die nicht unter einer psychischen Erkrankung leiden.

Staatsangehörigkeit:

Es gibt bereits Studien die belegen, dass die Erwartung an die Selbstwirksamkeit je nach Kultur unterschiedlich ausgeprägt ist. In kollektivistischen Kulturen werden Erfolge seltener internal attribuiert, als in individualistischen Kulturen (vgl. Yan & Gaier, 1994). Stigler, Smith und Mao (1985) untersuchten die Selbstwirksamkeitserwartung von asiatischen und amerikanischen Schülern und fanden heraus, dass asiatische SchülerInnen, trotz besserer Leistungen, eine geringere Selbstwirksamkeitserwartung zeigten, als amerikanische SchülerInnen. Diese kulturellen Differenzen spiegeln sich auch in einer Studie von Scholz, Gutiérrez Doña, Sud & Schwarzer (2002) wider. Da die Staatsangehörigkeit jedoch nur wenig Rückschlüsse bezüglich der kulturellen Einflüsse zulässt und somit kein ausreichender Indikator zur Erhebung ist, wird von folgender Hypothese ausgegangen:

H5: Es gibt keinen Zusammenhang zwischen der Staatsangehörigkeit und der allgemeinen Selbstwirksamkeitserwartung.

Familienstand:

Wie zuvor genannt, ist verbale Beeinflussung eine Quelle der Selbstwirksamkeit. Menschen, die verbal ermutigt werden und denen von anderen zugetraut wird, eine bestimmte Situation zu meistern, strengen sich eher an (vgl. Bandura, 2004). Betrachtet man den Familienstand nun als soziale Ressource (und lässt außer Acht, dass es auch destruktive Beziehungen gibt), liegt die Vermutung nahe, dass Menschen, die in einer Partnerschaft leben mehr verbale Ermutigung erfahren und dementsprechend eine höhere allgemeine Selbstwirksamkeitserwartung zeigen, als Menschen, die nicht in einer Partnerschaft leben. Die dazugehörige Hypothese lautet:

H6: Menschen, die in einer Partnerschaft leben haben eine höhere allgemeine Selbstwirksamkeitserwartung, als Menschen, die nicht in einer Partnerschaft leben.

Zum Abschluss soll noch die nachstehende explorative Fragestellung untersucht werden:

Haben die Variablen Geschlecht, Alter, Schulabschluss, psychische Gesundheit, Staatsangehörigkeit und Familienstand einen Einfluss auf die allgemeine Selbstwirksamkeitserwartung?

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Titel: Die allgemeine Selbstwirksamkeitserwartung im Kontext von soziodemographischen Merkmalen und dem psychischen Gesundheitszustand