Lade Inhalt...

Europabilder der Frühen Neuzeit. Kurz- und längerfristige Auswirkungen von Immanuel Kants Werk "Zum ewigen Frieden" von 1800 bis heute

Seminararbeit 2017 23 Seiten

Philosophie - Philosophie des 17. und 18. Jahrhunderts

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Biographischer und historischer Kontext
2.1 Kurze Biographie Kants
2.2 Einfluss des zeithistorischen Hintergrunds

3. Der Friedensbegriff vor Kant

4. Das Werk „Zum ewigen Frieden“
4.1 Die Präliminarartikel
4.2 Die Definitivartikel
4.3 Die Zusätze
4.4 Die Anhänge
4.5 Zusammenfassende Betrachtung des Werkes

5. Kurz- und längerfristige Auswirkungen des Werkes
5.1 Kant und mögliche Auswirkungen auf die UNO
5.2 Kant und mögliche Auswirkungen auf die EU

6. Fazit

7. Quellen- und Literaturverzeichnis

7.1 Quellenverzeichnis

7.2 Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Der Geist, den die Kantische Schrift zum ewigen Frieden atmet, muß jedem Freunde der Gerechtigkeit wohltun, und noch die späteste Nachwelt wird auch in diese Denkmale die erhabene Gesinnung des ehrwürdigen Weisen bewundern."[1] Noch im selben Jahr des Erscheinens der zweiten Auflage des Werkes Zum ewigen Frieden von Immanuel Kant verfasste Friedrich Schlegel diese vorrausschauenden Worte. Und er sollte Recht behalten, denn Kants Friedenschrift ist eine der, wenn nicht die meist rezipierteste Schrift in der Thematik der Friedenssicherung. Des Weiteren zeigt dieses Zitat, dass schon ab Beginn der Veröffentlichung das Werk sehr häufig gelesen wurde und Kant somit damals schon extrem einflussreich gewesen sein muss.

Mit seinem Werk ordnete sich Kant sowohl als politischer Denker, als auch als Vorreiter in der Thematik des Friedens ein. Faktisch stellt die Friedensschrift Kants eine der wichtigsten Friedensentwürfe aller Zeiten dar. Jedoch ist diese Vermutung noch nicht durch die Forschung geklärt und untermauert worden. Von diesem Fakt inspiriert, soll sich diese Arbeit mit den Auswirkungen Kants von damals bis heute beschäftigen und dabei den Fokus auf das eben genannte Werk legen.

Eingangs soll die Person Immanuel Kant vorgestellt und anschließend der zeithistorische Hintergrund der Friedensschrift erörtert werden. Bevor sowohl eine kurze Zusammenfassung des Werkes Zum ewigen Frieden, als auch eine kleine Interpretation dessen folgt, soll der Status und die Geschichte des Friedensbegriffs vor Kant aufgezeichnet werden. Im Anschluss soll die Leitfrage geklärt werden, welche kurz- und längerfristigen Auswirkungen Kants Werk „Zum ewigen Frieden“ von 1800 bis heute hatte. Dazu sollen sowohl die Vereinten Nationen, als auch die Europäische Union als gesonderte Beispiele analysiert und dem Entwurf Kants zugeordnet werden. Weiterführend soll mit Letzterem eine Brücke von Kant und dem Europa- und Weltbild des 18. Jahrhunderts zu dem heutigen geschlagen werden.

2. Biographischer und historischer Kontext

2.1 Kurze Biographie Kants

Einer der bekanntesten Philosophen aller Zeiten war Immanuel Kant. Dieser wurde 1724 in Königsberg geboren und im pietistischen Christentum erzogen. Von 1732 bis 1740 lernte Kant im Collegium Fridericianum die alten Sprachen und erhielt die religiöse Information. Im Anschluss daran begann er in Königsberg das Studium der Philosophie, Mathematik und Theologie.

Durch den Tod seines Vaters 1747 war er gezwungen, sein Studium abzubrechen und sein Geld als Hauslehrer zu verdienen, jedoch konnte er ab 1755 durch die Habilitation von seinen Vorlesungshonoraren leben. Durch seine letzte Beschäftigung als Hauslehrer auf dem Schloss Waldburg-Capustigall erhielt er den Eintritt in die höheren Kreise der Königsberger Gesellschaft.

Nach jahrelangem Bemühen erlangte er 1770 schließlich die Professur für Logik und Metaphysik in seiner Heimatstadt. Ab 1796 gab er aufgrund von Altersschwäche die Vorlesungen dann auf und verstarb schließlich 1804 nach einer vermutlichen Demenzerkrankung.

Man unterscheidet bei Kants Werken die vorkritischen und kritischen, wobei an dieser Stelle nur die kritischen Werke erwähnt werden sollen. Das erste Werk der Kantischen Philosophie trägt den Titel Kritik der reinen Vernunft und wurde 1781 veröffentlicht. Daraufhin verfasste Kant die folgenden Werke: Prolegomena (1783), Idee zu einer allgemeinen Geschichte in weltbürgerlicher Absicht (1784), Grundlegung zur Metaphysik der Sitten (1785), Kritik der praktischen Vernunft (1788), Kritik der Urteilskraft (1790), die Religion der innerhalb der Grenzen der Vernunft (1893) und 1795 letztlich das Werk Zum ewigen Frieden, welches für diese Arbeit von immenser Relevanz ist.[2]

Zur Zeit der Erscheinung des Werkes Zum ewigen Frieden war Immanuel Kant 71 Jahre alt und es wurde ihm bald danach nachgesagt, dass er senil gewesen sei und deswegen viele seine letzten Werke kritisch betrachten. Jedoch bleibt das Ansehen der Werke trotz dieser biographischen Faktoren weitgehend bestehen.[3]

2.2 Einfluss des zeithistorischen Hintergrunds

Kants Friedensschrift entsteht im Zeitalter der Aufklärung, das auch unter anderem maßgeblich von ihm selbst mitgeprägt wurde. Das Zeitalter der Aufklärung hängt eng mit vielen Umbrüchen zusammen. Ein besonders hervorstechendes Ereignis für diese Zeit ist natürlich die Französische Revolution, die sicherlich auch an Kant nicht spurlos vorbeigegangen ist.

Ebenfalls in die Krise der Umbrüche gelangte in Preußen die Interessensgemeinschaft der Fürste und die aufklärerische Rationalität. Das Ausbleiben einer Revolution in Preußen darf dem Reformwerk Friedrich des Großen verdankt werden.[4]

Am 20. April 1792 erklärte Frankreich schließlich Österreich den Krieg. Dadurch trat auch Preußen in den Krieg, da sie ein Schutzbündnis gegen die Revolution mit Österreich hatten. Drei Jahre später dann, am 5. April 1795, unterschrieb Hardenberg den Baseler Frieden, der den Austritt Preußens aus dem Krieg mit sich brachte. Preußen unterschrieb den Vertrag, da es sich bei einer dritten Teilung Polens einen Vorteil verschaffen wollte. Auch der Baseler Frieden war sicherlich nicht spurlos an Kant vorbeigegangen und hat ihn möglicherweise in irgendeiner Art und Weise getroffen oder beeinflusst. Warum der Baseler Frieden Immanuel Kant eventuell beeinflusst hat, wird im vierten Kapitel deutlich. Dazu wird der fünfte Präliminarartikel, der das Einmischen in nationale Angelegenheiten verbietet, erörtert. Dies besagt schließlich auch der Baseler Frieden.

Ob und inwieweit sich jedoch die damaligen historischen Ereignisse auf Kant auswirkten, ist bis heute umstritten. Sowohl die amerikanische Unabhängigkeitsbewegung als auch die Französische Revolution waren für Kant von gravierender historischer Bedeutung. Es muss jedoch hervorgehoben werden, dass er zwar die Ziele dieser Revolutionen teilte, jedoch verachtete er die brachiale Gewalt beim Versuch der Durchsetzung aufs Äußerste. So kann es durchaus sein, dass nicht ein großer Faktor, wie die Französische Revolution, sondern das Gesamtpaket der vielen Faktoren ihn prägten und möglicherweise zum Verfassen dieser Friedensschrift animierten.

Zum Einfluss des Baseler Friedens auf Kant, hat Hans Saner zum Beispiel eine klare Meinung. Nach ihm „spricht kaum etwas gegen die Annahme, daß der Baseler Frieden der Anlaß zur Friedensschrift war, am wenigsten die relativ kurze Zeitspanne von vier Monaten zwischen Friedensschluß und der Ankündigung der fertigen Schrift an den Verleger Nicolovius. Der kurze Zeitraum des angeblichen Verfassens der Friedensschrift nach Saners Prinzip sei seiner Meinung nicht ungewöhnlich für Kant, da er die Kritik der reinen Vernunft auch binnen nur vier bis fünf Monaten geschrieben haben soll.[5] Jedoch bleibt seine Meinung hier zwar gut begründet, jedoch dennoch unbewiesen und deswegen gelangt man wieder an den Punkt, dass eine Beeinflussung nicht ausgeschlossen aber auch nicht nachweisbar ist.

3. Der Friedensbegriff vor Kant

Der Friedensbegriff hat im Mittelmeerraum schon eine längere Tradition und wurde mit dem griechischen eirênê und dem römischen pax sogar in den Rang des Vergöttlichten gehoben. Das antike Friedensverständnis stellt dabei zwei Unterscheidungen auf: Zum einen der bloße Kriegszustand und zum anderen die auf einer Rechtsordnung beruhenden inneren Eintracht.[6]

Im Mittelalter kam dann eine dritte Komponente hinzu, wo nach kosmischer Ordnung alle Lebewesen in Gott versöhnt und vereinigt werden sollten. Der erste Friedensplan wurde 1305 von Pierre Dubois unter dem Titel De recuperatione Terre Sance verfasst. Bei der Friedensfindung im christlichen Mittelalter ging es natürlich vornehmlich um die Wiedereroberung des Heiligen Landes.[7]

In der Renaissance war es vor allem Erasmus von Rotterdam der sich für die Friedenssicherung einsetzte. In seinem Werk Querela pacis (1517) beschuldigte er die Fürsten, dass sie grundlos in den Krieg ziehen würden, jedoch war sein Friedenskonzept noch nicht völlig ausgereift. In der Reformationszeit erst gelingt es dann den Friedensbegriff von seiner religiösen Befangenheit zu befreien und nicht nur der innerstaatliche Frieden, sondern auch der zwischen einzelnen Staaten wird wichtiger.[8]

1623 legte Eméric Crucé mit seinem Werk Le Nouveau Cynée den ersten Weltfriedensplan vor, der in Venedig tagen soll und auch alle nichtchristlichen Staaten miteinbezieht.[9] Zur selben Zeit verfasste auch der Herzog von Sully den Gran Dessin (1638), der eine Ratsversammlung und internationale Streitmacht vorsieht.

Ein weiterer Plan zur Ordnung Europas kam 1693 von William Penn mit seinem Essay towards the present and the Future Peace in Europe. Dessen Plan war jedoch, da Penn Quäker war, religiös besetzt. Der Friedensplan nach Penn sah einen regelmäßig zusammentretenden Kongress, der auch als Schiedsgericht fungieren sollte, vor.[10]

19 Jahre später verknüpfte Abbé Saint Pierre christliche, politische und aufklärerische Impulse mit seiner Schrift Projet pour rendre la paix perpétuelle en Europe. Als Friedensgarant sollte ein föderativ organisierter Fürstenbund mit diplomatischen Verbindungen und einem Reichstag sorgen. Die Kosten sollten alle Mitglieder untereinander teilen. Außerdem sorgte dieser Fürstenbund dafür, dass man sich gemeinsam gegen Nichtmitglieder zur Wehr setzte, also eine Art Beistandspakt.[11] Trotz seiner ideologischen und nationalen Voreingenommenheit, die man dem Abbé durchaus vorwerfen kann, ist sein Friedensentwurf sehr innovativ.[12]

Es folgten in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts sehr viele Friedensentwürfe, unter anderem von Johann Michael von Loen 1747, Ange Goudar 1757 oder Karl Gottlob Günther 1787, jedoch übernahmen sie weitestgehend die Ideen von Sully und Saint Pierre.[13]

Nennenswert sind jedoch noch die zwei Werke Rousseaus Extrait du projet de paix perpétuelle de L’Abbé de Saint Pierre und Jugement sur la Paix Perpétuelle, die 1756 entstanden. Rousseau steht in diesem Werken zwischen Hochachtung und völliger Kritik gegenüber Saint Pierre. Er schlägt wie eben dieser einen Gesandtenkongress vor. Im zweiten Werk kritisiert er aber dann, dass ein solcher Friedensbund nur den Status Quo aufrechthalten würde und sich nicht von der absolutistischen zur demokratischen Staatenordnung hinwenden würde.[14]

Von den historischen Ereignissen, wie der Französischen Revolution und dem Baseler Frieden von 1795 vermutlich geprägt und durch Saint Pierre und Rousseau[15] motiviert, setzt sich Kant 1796 schließlich an seinen eigenen Friedensplan, der nun im folgenden Kapitel analysiert werden soll.

4. Das Werk „Zum ewigen Frieden“

Zunächst soll das Werk Kants in seiner Form und seinem Aufbau betrachtet und anschließend analysiert werden. Das Werk zum ewigen Frieden wurde 1795 von Kant verfasst und gliedert sich in fünf Abschnitte. Zuerst befasst sich Kant mit den Präliminarartikeln, welche die Vorbedingungen des idealen Friedenszustandes darstellen sollen und wodurch überhaupt erst Frieden möglich sei. Danach widmet sich Kant den Definitivartikeln, bei denen es sich um die entscheidenden Bedingungen für den Frieden handeln soll. In diesem Teil des Werkes wird das ideale Modell des Friedens durch das Recht aus Vernunftprinzipien dargestellt. Anschließend folgt der erste Zusatz mit der Garantie des ewigen Friedens, welcher aufzeigen soll, dass der ewige Frieden auch praktisch möglich ist. Der zweite Zusatz beschreibt, wie die Philosophen dabei die konkreten politischen Inhalte unterstützen könnten. Mit dem Anhang, der die Beziehung zwischen Politik und Macht schildern soll, schließt Kant sein Friedensentwurf schließlich ab. Das Werk erinnert in seinem Aufbau stark an einen Friedensvertrag. Dies wird vor allem durch die Einteilung in Präliminar- und Definitivartikel, die zu der Zeit Kants eine geläufige Form für Friedensverträge darstellte, sehr deutlich. Zwar war es üblich erst einen Prälimniarvertrag und dann den definitiven Vertrag abzuschließen, jedoch kombiniert Kant dieses Vorgehen hier scheinbar in einem einzigen Vertrag.[16]

4.1 Die Präliminarartikel

Nach dieser kurzen Einführung in den Aufbau und die Form des Werkes, wird nun noch einmal genauer auf die einzelnen Bestandteile eingegangen.

Daher werden nun zuerst die sechs Präliminarartikel Kants näher beleuchtet. Der erste Präliminarartikel lautet: „Es soll kein Friedensschluss für einen solchen gelten, der mit dem geheimen Vorbehalt des Stoffs zu einem künftigen Kriege gemacht worden.“[17] Er enthält eine Definition des Friedensbegriffs, wonach Frieden ein dauerhafter Zustand der Gewaltlosigkeit und nicht nur ein bloßer Waffenstillstand sein sollte. Somit müsse ein Friedensvertrag also nicht nur Kriege beenden, sondern auch neuen potenziellen Konflikten vorbeugen.

Der zweite Präliminarartikel beschreibt, dass ein Staat kein patrimonium, sprich ein Hab und Gut sei, sondern eine „Gesellschaft von Menschen.“[18] An dieser Stelle wird die bereits in Kapitel drei erwähnte Anlehnung an Saint Pierre deutlich, da Saint Pierre zu dieser Thematik fast wortgleich aufgestellt ist.[19] Explizit schreibt Kant dazu: „Es soll kein für sich bestehender Staat (klein oder groß, das gilt hier gleichviel) von einem andern Staate durch Erbung, Tausch, Kauf oder Schenkung erworben werden können.“[20]

Anschließend kritisiert Kant noch den seinerzeit sehr verbreiteten Soldatenhandel, bei dem Untertanen zu Soldaten gemacht würden. Hier bleibt Kant seiner Moralphilosophie sehr treu.

Der dritte Präliminarartikel lautet wie folgt: „Stehende Heere (miles perpetus) sollen mit der Zeit ganz aufhören.“[21] Dieser Artikel erklärt sich wie von selbst, denn wenn es ewigen Frieden gäbe, würde man auch keine stehenden Heere benötigen. Er betont, dass das Rüsten von Heeren immer weiter zu einem Aufrüsten führen würde und die Verpflichtung, gegen Sold zu töten, die Menschen zu einem Werkzeug degradiere.

Der vierte Präliminarartikel versucht den globalen militärischen Aufrüstungen den Riegel vorzuschieben, indem er Staatsschulden zu Rüstungszwecken verbietet. Zu zivilen Zwecken, zum Beispiel zum Ausbau der Infrastruktur, sei dies jedoch noch erlaubt. „Es sollen keine Staatsschulden in Beziehung auf äußere Staatshändel gemacht werden.“[22]

Anschließend beschäftigt sich Kant mit der Souveränität der Staaten. Er sagt: „Kein Staat soll sich in die Verfassung und Regierung eines andern Staats gewalttätig einmischen.“[23] Kant stellt die Souveränität eines Staates als oberstes Gebot dar. Er begründet den fünften Präliminarartikel so, dass ein Volk, das sich schlecht regieren lässt, sich selbst bestrafe und die außenstehenden Staaten daraus lernen sollten, ohne sich einzumischen. Jedoch klammert Kant den Fall aus, wenn ein Staat sich durch innere Unruhen und Auseinandersetzungen in zwei Einzelstaaten auseinanderspalte. In diesem Fall, dürfe ein Staat einer der beiden Parteien Beistand leisten, weil dann nämlich Anarchie herrsche. Dieser Fall wird mit dem Baseler Frieden 1795, wie bereits im zweiten Kapitel erwähnt, gesichert.

Den letzten der Präliminarartikel formuliert Kant so: „Es soll sich kein Staat im Kriege mit einem andern solche Feindseligkeiten erlauben, welche das wechselseitige Zutrauen im künftigen Frieden unmöglich machen müssen: als da sind, Anstellung der Meuchelmörder (percussores), Giftmischer (venefici), Brechung der Kapitulation, Anstiftung des Verrats (perduellio) in dem bekriegten Staat etc.“[24]. Sollte es also doch widererwartend zu einer kriegerischen Auseinandersetzung kommen, so sollten die Staaten sich an gewisse Grundregeln halten, weil diese Regeln einen Ausrottungskrieg vermeiden, eine Basis für die Zeit nach der Beendigung des Krieges schaffen würden und das Einhalten dieser Regeln das notwendige Vertrauen nach einem Friedensschluss kräftige.

Kant unterscheidet die erläuterten Präliminarartikel in die leges strictae, welche sofort und ohne Aufschub durchgeführt werden müssen und die Präliminarartikel Nummer 1, 5 und 6 beinhaltet und in die leges latae, dessen Umsetzung nicht direkt vollzogen werden müsse, sondern noch verschoben werden könne und diese sind die Präliminarartikel Nummer 2, 3 und 4.[25] Laut Kant müssen erstere eingehalten werden, um einen Friedensvertrag zustande zu bringen, wohingegen letztere lediglich der Entschärfung des Naturzustands beisteuern sollen.[26] Gemeinsam bilden die Präliminarartikel also wie anfangs erwähnt die Basis des ewigen Friedens, indem sie den Friedenszustand ermöglichen.

4.2 Die Definitivartikel

Für Kant ist der Friedenszustand kein natürlicher Zustand, sondern muss gestiftet werden. Er betont durch das Adjektiv „ewig“ die Notwendigkeit der Dauerhaftigkeit des Friedens und es geht ihm nicht nur um den innerstaatlichen, sondern auch um den globalen Frieden. Auf dem Weg zum Erreichen dieser Ziele stellen die Präliminarartikel lediglich einen Zwischenschritt dar. Um jedoch ewigen Frieden zu sichern, benötigt man Grundsätze, die dafür sorgen, dass sich kriegerische Handlungen nicht mehr lohnen. Diese Aufgabe erfüllen die drei Definitivartikel, die im Folgenden vorgestellt werden sollen.

[...]


[1] Schlegel, Friedrich zitiert nach: Kant, Immanuel: Zum Ewigen Frieden, herausgegeben von Rudolf Malter, Stuttgart 2008, S. 84.

[2] Jaspers, Karl: Kant. Leben, Werk, Wirkung, München 1975, S. 9ff. (Im Folgenden zitiert als: Jaspers: Kant).

[3] Cavallar, Georg: Pax Kantiana. Systematisch-histrorische Untersuchung des Entwurfs „Zum ewigen Frieden“ (1795) von Immanuel Kant, Wien (u.a.) 1992, S. 8f. (Im Folgenden zitiert als: Cavalar: Pax Kantiana).

[4] Cavallar: Pax Kantiana, S. 3ff.

[5] Saner, Hans: Die negativen Bedingungen des Friedens, in: Ottfried Höffe (Hg.), Immanuel Kant. Zum Ewigen Frieden, Berlin 1995, S. 44.

[6] Merle, Jean-Christophe: Zur Geschichte des Friedensbegriffs vor Kant. Ein Überblick, in: Höffe (Hg.), Immanuel Kant. Zum ewigen Frieden, Berlin 1995, S. 31f. (Im Folgenden zitiert als: Merle: Vor Kant).

[7] Cavallar: Pax Kantiana, S. 23f.

[8] Merle: Vor Kant, S. 34.

[9] Cavallar: Pax Kantiana, S. 25.

[10] Gerhardt,Volker: Immanuel Kants Entwurf Zum ewigen Frieden. Eine Theorie der Politik, Darmstadt 1995, S. 24. (Im Folgenden zitiert als: Gerhardt: Kant).

[11] Gerhardt: Kant, S. 25.

[12] Gerhardt: Kant, S. 26.

[13] Cavallar: Pax Kantiana, S. 27.

[14] Merle: Vor Kant, S. 41f.

[15] Cavallar: Pax Kantiana, S. 33.

[16] Saner: Frieden, S. 44.

[17] Kant, Immanuel: Zum Ewigen Frieden, herausgegeben von Rudolf Malter, Stuttgart 2008, S. 3. (Im Folgenden zitiert als: Kant: Frieden).

[18] Kant: Frieden, S. 4.

[19] Cavallar: Pax Kantiana, S. 108f.

[20] Kant: Frieden, S. 4.

[21] Kant: Frieden, S. 5.

[22] Kant: Frieden, S. 6.

[23] Kant: Frieden, S. 6.

[24] Kant: Frieden, S. 7.

[25] Kant: Frieden, S. 8f.

[26] Hackel, Marcus: Kants Friedenschrift und das Völkerrecht, Berlin 2000, S. 45. (Im Folgenden zitiert als: Hackel: Kants Friedensschrift).

Details

Seiten
23
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668484481
ISBN (Buch)
9783668484498
Dateigröße
544 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v369435
Institution / Hochschule
Ruhr-Universität Bochum
Note
1,3
Schlagworte
zum ewigen Frieden Europabilder Frühe Neuzeit uno eu Immanuel Kant Vereinte Nationen Europäische Union Politische Philosophie

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Europabilder der Frühen Neuzeit. Kurz- und längerfristige Auswirkungen von Immanuel Kants Werk "Zum ewigen Frieden" von 1800 bis heute