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Jugend und Kirche. Welche Anknüpfungsmöglichkeiten gibt es?

Hausarbeit 2017 35 Seiten

Theologie - Didaktik, Religionspädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Fragestellung

2 Experiment Jugendkirche

3 Untersuchungsergebnisse im Kontext

4 Auswertung

5 Literaturverzeichnis

Anhang

1 Fragestellung

Kann es Anknüpfungspunkte der Kirche an die Jugend, aber auch der Jugend an die Kirche geben?

Die Jugend an sich gibt es nicht, denn jeder Jugendliche ist individuell

- in seinen Vorlieben, seiner Herkunft, seinen Begabungen und seinem Glau- ben. Daher muss das behandelte Themengebiet differenzierter betrachtet wer- den. Die Sinus-Studie u18 hat sieben Lebenswelten von Jugendlichen im Alter von 14 bis 18 Jahren in Deutschland identifiziert (Konservativ-Bürgerliche, Sozialökologische, Expeditive, Adaptiv-Pragmatische, Materialistische Hedo- nisten, Experimentalistische Hedonisten, Prekäre)1. Prof. Dr. Bernhard Fresacher gibt zu bedenken, dass Jugend in der Moderne „nicht nur eine Le- bensphase [ist], sondern ein Lebensgefühl.“2 Als Ergebnis konnte in der Studie von 2012 festgestellt werden, dass Jugendliche unter enormen Druck stehen, da

- „der Wert eines Menschen in erster Linie an seiner Leistungsfähigkeit bzw. Bildungsbiographie bemessen wird […]
- man keine Zeit vertrödeln darf […]
- ihnen die klassischen Orte (Eltern, Schule, Kirche) oft nicht mehr das passende Rüstzeug zur Bewältigung der Alltagsherausforderungen mit auf dem Weg geben können.“3

Es wurde weiterhin festgestellt, dass in allen identifizierten Lebenswelten „das Bedürfnis nach Halt, Zugehörigkeit und Vergewisserung“4 wächst. Kann hier die Kirche anknüpfen? Können und wollen Jugendliche das Angebot der Kirche annehmen und auch selbst anknüpfen?

Die Problematik besteht darin, dass die wenigsten Jugendlichen noch traditionell orientiert sind. Dies spiegelt sich auch in ihrem Glauben wieder. Jugendliche aller sieben Lebenswelten besitzen zwar das Bedürfnis nach einem Sinn, finden diesen aber in erster Linie im persönlichen Glauben, der nicht notwendigerweise durch Religion oder Kirche vermittelt sein muss. Die Sinus- Studie hat aufgedeckt, dass Jugendliche aller Lebenswelten kaum mit der Kir- che verbunden sind. Besonders haben sich sechs Gründe dafür herausgestellt:

1. Kirche wird als „eine unnahbare, menschenferne Institution“5 er- kannt. Persönliche oder emotionale Bindungen bleiben aus. Weiterhin assoziieren Jugendliche Kirche „mit Sonntagsgottesdiensten, alten Frauen, und kalten Kirchengebäuden.“6
2. Jugendliche empfinden die Themen aus Kirche, Glaube und Religion als langweilig, da sie keinen Mehrwert für ihr alltägliches Leben aus ihnen ziehen können. Daher glauben sie nicht daran, dass die Kirche der geeignete Ort für ihre Sinnfindung sei.
3. Eine Anschlussfähigkeit der Jugendlichen wird durch die normative Grundhaltung der Kirche nicht mehr erkannt, da sich die eigene Le- benswirklichkeit scheinbar in eine andere Richtung entwickelt hat. Kri- tikpunkte sind dabei besonders die mangelnde Gleichberechtigung der Geschlechter und die „unzeitgemäß empfundene Sexualmoral.“7
4. Als weiterer Grund wurde festgehalten, dass die Jugendlichen keinen Zugang zur Kirche haben, da sich bereits die Generation ihrer Eltern von der Kirche distanziert hat und die Jugendlichen so gar nicht erst richtig in die Kirche eingeführt wurden. Taufe und Kommunion werden meist nicht mehr religiös betrachtet, sondern als ein dazugehörender Vorgang in der Gesellschaft, so dass die Kinder meist nur während des Kommunionsunterrichts Zugang zu der Kirche haben. Oft werden sie dabei nicht von ihren Eltern in die Kirche oder zu kirchlichen Ereignis- sen begleitet. So konnte beobachtet werden, dass viele Jugendliche nicht mehr in religiösen Zusammenhängen aufwachsen.
5. Ebenfalls wird das „ästhetische Erscheinungsbild der Kirche (Gebäude, Gewänder)“8 als trist und unmodern empfunden.
6. Oftmals können Jugendliche keine Antworten in der Kirche finden, da sie der kirchlichen Sprache nicht mächtig sind.9

Der Bund der Deutschen Katholischen Jugend stellt passend dazu fol- gende These auf: „Die Kirche läuft Gefahr, eine ganze Generation zu verlie- ren!“10 Vermehrt wird Kritik unter Gleichaltrigen deutlich: Jugendliche, die sich in der Kirche engagieren, werden kritisch befragt, warum sie dies tun. Vie- len Jugendlichen fällt es immer schwerer sich zu verteidigen, sie schämen sich zum Teil für ihre Mitarbeit und verheimlichen sie vor Gleichaltrigen.11 Der Grund für diese Tendenz ist der „enorme Imageverlust“12, den die Kirche seit einigen Jahren erleidet. Damit verbunden ist das Gefühl der Jugendlichen, dass die Kirche der jungen Generation gegenüber „rückwärtsgewand, altbacken, konservativ und unehrlich“13 erscheint. Dazu beigetragen hat sicherlich auch der Skandal um den sexuellen Missbrauch in vielen Einrichtungen der Kirche.

Dem BDKJ ist klar, dass sich etwas ändern muss, damit die Jugend wieder erreicht werden kann - und die Jugendlichen einen Sinn in der Kirche und vor allem einen Sinn der Kirche für ihr Leben erkennen. Bei der Freisinger Bischofskonferenz in Vierzehnheiligen wurde daher vom BDKJ Diözesanvor- stand Würzburg „eine klare Option für die Jugend“14 gefordert (und eine lü- ckenlose Aufklärung der Geschehnisse, damit die Kirche wieder glaubwürdig erscheint). Aus diesem Grund wurde gefordert „den Weg der Modernisierung und des Dialogs mit der Welt, wie ihn das Zweite Vatikanische Konzil ange- stoßen hat“15 weiter aufzunehmen. Weiterhin wird erwartet, dass die Kirche die Jugendarbeit in den Fokus ihrer pastoralen Arbeit stellt.

Doch kann der negativ verlaufende Trend jetzt noch ausgebessert werden? Kann ein Aussterben der katholischen Kirche verhindert werden? Ist der point of no return bereits erreicht?

Die Autoren der Sinus-Studie bringen die Tatsachen präzise zum Aus- druck, indem sie schreiben: „Die lebensweltliche Einbettung von Religion ist weitgehend verloren gegangen, […] der katholische Glaube und sein Regel- werk tragen nur noch bei wenigen unmittelbar zum Sinn des Lebens bei.“16 Doch sie lassen Hoffnung aufscheinen. Sie sagen aus, dass die „Erwartungen an die Kirche immer noch groß“17 seien. Besonders kann man diese Tatsache bei besonders engagierten Mitgliedern der Kirche aus den gehobenen Milieus (Konservativ-Etablierte und Liberal-Intellektuelle) erkennen. Trotz herrschen- der Kritik halten sie an der Kirche (noch) fest, da sie sich „spirituelle Orientie- rung, Seelsorge, eine fröhliche und lebendige Gemeinschaft sowie eine tröstli- che Begleitung am Lebensende“18 erhoffen. Laut der Shell-Jugendstudie aus dem Jahre 2015 ist sich die Hälfte der Befragten einig darüber, dass Fragen des eigenen Lebens von der Kirche nicht beantwortet werden (57%), gleichzeitig wird der Kirche aber eine große gesellschaftliche Funktion zugesprochen (67%). So ist es logisch, dass 75% aller Befragten mit katholischer Konfession die Notwendigkeit der Veränderung sehen, damit die Kirche noch zukunftsfä- hig sein kann.19

Also gibt es doch noch eine Chance für die Kirche und Jugend? Das Projekt Jugendkirche soll in dieser Arbeit genauer betrachtet werden, um zu überprüfen, ob dieses Experiment eine Chance für die Zusammenführung der beiden betrachteten Pole darstellt. Weiterhin werden zwei Jugendliche interviewed, um ihre Meinung in Bezug auf die Kirche zu erfassen. Dazu wird ein Fragebogen erstellt, der ein breites Spektrum an Fragen abdeckt. Aufgrund des Umfangs der Arbeit, kann keine umfassende empirische Studie erfolgen, so dass exemplarische Interviews ausgewertet werden, welche in ein Verhältnis zu bereits bestehenden Ergebnissen gesetzt werden.

Diese Arbeit erfolgt im Rahmen des Master-Studiums in Modul C: We- ge und Formen des Christseins erkunden. Durch die Bearbeitung soll die Kom- petenz geschult werden, Forschungsergebnisse zu deuten, reflektieren, beurtei- len und auf ihre Relevanz für den Katholischen Religionsunterrichts zu über- prüfen. Hier wird ein Exkurs zum Biblischen Lernen vorgestellt, der die Option biblischen Lernens für den Religionsunterricht aufzeigt. Dabei wird ein Schnittpunkt zwischen allen Parteien gesehen (RU, Jugendliche und Kirche), da der Religionsunterricht mit dazu beitragen kann, dass auch Kirche interes- sant für die Jugendlichen werden kann, dies funktioniert natürlich nur, wenn, wie bereits aufgezeigt, eine Modernisierung der Kirche erfolgt. Denn wenn bereits der Religionsunterricht als trist, unehrlich und altmodisch von Jugendli- chen betrachtet wird, werden sie kaum Hoffnung haben, dass die Kirche selbst moderner ist. Im Studium der Katholischen Theologie der Ruhr-Universität Bochum lässt sich ganz klar erkennen, dass besonders die Schülerinnen und Schüler in den Mittelpunkt der Planung gestellt werden und Lehrkräfte sie als Subjekte ihres Glaubens erkennen. Dies bedeutet auch, dass theologische In- halte so aufbereitet werden müssen, dass Schülerinnen und Schüler die (Glau- bens-) Inhalte verstehen können und wollen. Diese Arbeit kann ganz klar dem Modul zugeordnet werden, da die Ausarbeitung der Beziehung von Jugendli- chen und Kirche (und weitergehend dem RU) den Wegen und Formen des Christseins entspricht.

2 Experiment Jugendkirche

Das Schlaglicht, das die Sinus-Studie u18 auf die Jugendlichen geworfen hat, dass in allen Lebenswelten „das Bedürfnis nach Halt, Zugehörigkeit und Vergewisserung“20 wächst, kann als Anknüpfungspunkt der Kirche genutzt werden. Die Jugendkirche soll diese Möglichkeit wahrnehmen.

Die Jugendkirche ist keine Neudefinierung der Jugendarbeit, aber sie ergänzt die kirchliche „Jugendarbeit wie Selbstentfaltung […], Partizipation, Subjektorientierung […], Verkündigung und Feier des Evangeliums in jugend- kulturellen Ausdrucksformen, soziales Engagement aus Glauben“21 um den sakralen Raum, der den Jugendlichen zur Verfügung gestellt wird. So erfahren Jugendliche die Kirche als einen „offenen [und] wirklich gestaltbare[n] Raum“22 Jugendlichen ist es so möglich „Verbindungen (…) zur Lebenswelt, zur Spiritualität“23 und zu ihrer Kultur aufzubauen, „ohne immer sofort Kom- promisse machen zu müssen.“24 Durch diese Zielformulierung, wie es die Ju- gendkirche Oberhausen getätigt hat, werden die zwei Pole Kirche und Jugend in ein Verhältnis gebracht, indem „zwischen den Ausdrucks- und Darstellungs- formen des Christentums und dem, wie Jugendliche ihr Leben gestalten und zu bewältigen versuchen“25 ein Mittler, die Jugendkirche, steht. Dabei stehen die Kommunikation und Vermittlung im Vordergrund. Hierbei wird beachtet, dass die „ästhetische Aneignung christlicher und kirchlicher Inhalte und Ausdrucks- formen unverzichtbarer Bestandteil“26 dafür ist, dass der Glaube lebens- und alltagswirksam werden kann. Wie bereits in der Sinus-Studie aufgezeigt wurde, ist dies der entscheidende Anknüpfungspunkt für die Kirche an die Hoffnung der Jugendlichen. Jugendkirche kann somit also den Graben zwischen der Kir- che und der Jugend überwinden, indem sie Raum für Kommunikation und Vermittlung eröffnet. Der Graben kann mit den Worten Papst Paul VI. verstan- den werden als „Bruch zwischen Evangelium und Kultur“27 (Evangelii nuntiandi) der „das Drama unserer Zeitepoche“28 darstellt, wodurch ein Schis- ma im kulturellen und ästhetischen Verständnis zwischen Jugend- und Erwach- senenkultur entstanden ist, welches durch das Projekt Jugendkirche überwun- den werden soll.

Im Folgenden soll der „ästhetische Graben“29 genauer untersucht wer- den. Dieser Graben besitzt mehrere Dimensionen, die aufgrund unterschiedli- cher Veränderungen entstanden sind, welche zusammenhängen mit dem

„Sitz im Leben christlicher Symbol- und Zeichensprache, mit der Differenzierung und Pluralisierung von Kulturmustern, der Marginalisierung jugendkulturell-ästhetischer Ausdrucks- und Darstellungsformen und mit den heutigen Erlebnis- und Wahrneh- mungsmustern.“30

Essentiell bei der Betrachtung ist, dass Christinnen und Christen ihren Glauben mit einer Symbol- und Zeichensprache, sowie einer Ästhetik ausstatten, die positiv mit ihrer persönlichen Erfahrungswelt in Verbindung steht. In diesem Bereich bleibt zu untersuchen, inwiefern ein Bruch zwischen dem Christentum und der Kultur der Gegenwart und vor allem der jugendlichen Gegenwart vor- handen ist. Klar kann festgestellt werden, dass es sich bei der symbolischen Codierung um einen dynamischen Prozess handelt, der stark mit der Kultur und seinem Wandel verbunden ist. Diese symbolische Codierung bezieht sich nicht nur auf das Christentum, sondern auf alle kommunikativen Mittel, so entsteht zum Beispiel stets eine neue Jugendsprache31. Es sind bereits Kommunikati- onsschwierigkeiten zwischen verschiedenen Generationen vorhanden. Diese Schwierigkeiten erweisen sich in der Kirche als zunehmendes Problem, da die symbolische Codierung des Christentums als relativ starr empfunden wird. So hat Hans-Joachim Höhn bereits 1998 festgestellt, „dass die symbolischen Co- dierungen des Christentums […] mit heutigem Leben und heutiger Existenz kaum mehr etwas zu tun haben.“32 Alt genutzte Symbole, zum Beispiel aus den Bereichen Mensch, Natur und Glaube, können heute in ihrer damaligen Bedeu- tung kaum noch verwendet werden, da sie den Kommunikationsvorgang durch Miss- oder Unverstehen blockieren würden. Sie müssen neu aufgeladen wer- den, so dass die symbolische Codierung des Christentums kommunikationsfä- hig und alltagstauglich für Jugendliche der je neuen Generation sein kann. So ist es essentiell, dass die statische Codierung in einen dynamischen Prozess transformiert wird.33 Diese Aufgabe erweist sich aber als sehr schwierig, weil die Codierungen „von den jeweiligen ››Milieus‹‹ entdeckt werden“34 müssen. Dabei werden aber die Reichweite und Geltung darin beschränkt, dass die Mi- lieus einzelne Symbole unterschiedlich oder sogar entgegengesetzt verstehen können. Dies bedeutet, dass die Ästhetik nur als ein Aspekt betrachtet werden kann, dieser müssen noch andere Zugänge zur Seite gestellt werden.35 Die ju- gendsoziologische Beobachtung zeigt, „dass die Wirklichkeitswahrnehmung, ihre Verarbeitung und die Kreation neuer Alltagswelten von Jugendlichen heu- te auffallend stark durch alltagsästhetische Logiken vorgenommen werden.“36

Das breite Spektrum der Phänomene der Alltagsästhetik bietet „eine komplexe Andockfläche an die Alltagswelten der Jugendlichen.“37

Weiterhin gilt bei dem ästhetischen Graben zu beachten, dass Jugendli- che und Erwachsene eine unterschiedliche Ausdrucksform besitzen und beide Formen geachtet werden müssen. Daher stellt die Jugendkirche Jugendlichen einen sakralen Raum zur Verfügung, indem sie die Symbole des Christentums in ihrer eigenen Sprache und ihren eigenen Ausdrucksformen, gelöst von Kon- ventionen der Erwachsenen, erleben können und so die Möglichkeit erhalten, das Christentum für sich zu erleben und auf ihre Lebenswelt zu übertragen. Dies ist so besonders wichtig, weil die Alltagsästhetik der Jugend meistens von den Erwachsenen nicht ernst genommen wird. Erwachsene und Jugendliche definieren diesen Bereich anders, das, was für Erwachsene oberflächlich oder austauschbar erscheint, spielt für die Jugendlichen eine so wichtige Rolle, dass sie sich darüber identifizieren. Sie nutzen diese Ästhetik in ihrer Selbstlokali- sierung und Selbstbestimmung und geben ihr so einen gesamtbiographischen Wert.38

Wie bereits deutlich wird, sind einige Spannungsfelder vorhanden, die es zu überwinden gilt. Ein entscheidendes Spannungsfeld stellt auch das Image der Kirche dar, wie bereits im ersten Kapitel angedeutet. Jugendliche nutzen zur Beschreibung des gemeindlichen Gottesdienstes Attribute wie „altmodisch und langweilig“39, welche in einem kaum überwindbaren Spannungsverhältnis zu der jugendlichen Erlebnisästhetik, mit den Attributen „geheimnisvoll, fröh- lich, schön, aktuell, beweglich, lebendig, bunt“40 stehen. Anhand der For- schungsergebnisse des Institutes für kirchliche Sozialforschung des Bistums Essen kann ermittelt werden, dass „Unterhaltung, Abwechslung [und] Außer- gewöhnliches“41 Kriterien für Interessantes sind. So kann geschlossen werden, dass das Erlebnisgefühl der Jugendlichen entscheidend für ihre Wahl der Tä- tigkeiten ist, und Kirche weitgehend als uninteressant empfunden wird. Daher muss die Kirche für Jugendliche interessanter werden, am besten in der Form, dass die symbolische Codierung tragbar für Jugendliche wird. Die Kirche in tun haben. 43. Jahrgang Nr. 177, Münster März 2016, S. 35 (im Folgenden zitiert als Swiatkowski, Michael: I´m sexy and I know it!).

Bergkamen hat die Kirchenarbeit etwas verstärkt, indem jugendliche Themen von Jungerwachsenen betreut werden, ohne dass sie urteilen oder die Jugendli- chen einschränken. Jugendgottesdienste beschäftigen sich hier mit modernen Themen, die die Jugendlichen beschäftigen. Sie dürfen den Gottesdienst gestal- ten und ihre eigenen Ideen einbringen. So gab es vor Jahren einen Gottesdienst der sich mit der Show Germanys next Topmodel beschäftigte. Dabei wurde die Show kritisch und christlich hinterfragt und performativ bearbeitet (nur als ein Beispiel).

„Aus Kirche könnte man viel mehr machen.“42 Dieses Zitat stammt von einer jungen Frau bei der Untersuchung, welche im Vorfeld der Gründung der Jugendkirche in Oberhausen, stattgefunden hat. Damit drückt sie all das aus, was die Hoffnung der Jugendlichen markiert. Wenn das Angebot der Kirche für die Jugendlichen attraktiver wäre und die Kommunikation vorhanden sei, könnten Jugendliche in der Kirche einen Halt, eine Zugehörigkeit und Verge- wisserung finden. Dabei soll der Graben aber nicht gezwungenermaßen zuge- schüttet werden und Kirche oder Jugend auch nicht zwanghaft verstellt werden, es geht eher darum „Dignität und Eigenständigkeit der kulturellen Ausdrucks- formen anzuerkennen und nach den gemeinsamen Optionen zu suchen, die Leben fördern, die […] zu mehr Glaube, Hoffnung und Liebe beitragen.“43 Es gibt vor allem drei Experimentbausteine der Jugendkirche:

- „Eine Kirche, einen sakralen Raum zur Verfügung stellen,
- pluriforme Beteiligungs- und Zugehörigkeitsstruktur und
- Medienpräsenz.“44

[...]


1 Vgl. Kläden, Tobias: Wie ticken Jugendliche? - Einblicke in die Sinus-Studie U18, Internetdo- kument auf www.erzbistumberlin.de/fileadmin/user_mount/PDF- Dateien/Bildung/Fortbildungen/2014StudientagWorkshopKlaeden.pdf, von 2014, Zugriff am 01.02.2016 (im Folgenden zitiert als: Kläden, Tobias: Wie ticken Jugendliche?).

2 Fresacher, Bernhard: Wie attraktiv ist die katholische Kirche noch für Jugendliche?, Internet- dokument auf http://www.fresacher.net/religion-und- attraktivitaet/3d30491ad6abaa29849cdcf7eeea2dd7/, von 2012, Zugriff am 01.02.2016.

3 Kläden, Tobias: Wie ticken Jugendliche?

4 Ebd.

5 Ebd.

6 Ebd.

7 Ebd.

8 Ebd.

9 Weiterführende Literatur: Etscheid, Markus: „Wie ticken Jugendliche?“ Die Sinus- Milieustudie U27, Internetdokument auf www.milieus- kirche.de/fileadmin/user_upload/PDFs/Studien/BDKJ-Journal_0304_U27-Sinus-Milieus.pdf, von März/ April 2008, Zugriff am 01.02.2016.

10 BDKJ: BDKJ Diözesanvorstand Würzburg fordert Konsequenzen für die Zukunft der Jugend- arbeit. Die Kirche läuft Gefahr, eine ganze Generation zu verlieren, Internetdokument auf www.bdkj.de/bdkjde/newsansicht/article/die-kirche-laeuft-gefahr-eine-ganze-generation-zu- verlieren.html, vom 17.03.2010, Zugriff am 01.02.2016 (im Folgenden zitiert als: BDKJ: Die Kirche läuft Gefahr).

11 Sinngemäß entnommen aus dem Forum Gute Frage: Warum ist Religion und Glaube so „uncool“ bei Jugendlichen, Internetdokument auf http://www͘gutefrage͘net/frage/warum- ist-religion-und-glaube-so-uncool-bei-jugendlichen, vom 18.03.2010, Zugriff am 01.02.2016.

12 BDKJ: Die Kirche läuft Gefahr

13 Ebd.

14 Ebd.

15 Ebd.

16 Meurer, Christoph: Studie. Im Sturm. Wie katholische Kirche und Gesellschaft auseinander- driften, Internetdokument auf http://www.katholisch.de/aktuelles/aktuelle-artikel/im-sturm, vom 24.01.2013, Zugriff am 01.02.2016 (im Folgenden zitiert als: Meurer, Christoph: Im Sturm).

17 Ebd.

18 Ebd.

19 Kuhn, Jan: Schwerpunkt. Keine Einbahnstraße. Digitale Glaubenskommunikation mit Jugendlichen in Bischöfliches Generalvikariat Münster. Kirche und Schule. Zeitschrift der Hauptabteilung Schule und Erziehung: Unbekannte Wesen? Mit wem wir es in der Schule zu tun haben. 43. Jahrgang Nr. 177, Münster März 2016, S. 14 (im Folgenden zitiert als: Kirche und Schule Nr. 177 Kuhn, Jan: Keine Einbahnstraße).

20 Kläden, Tobias: Wie ticken Jugendliche?

21 Hobelsberger, Hans/ Stams, Elisa/ Heck, Oliver/ Wolharn, Bernd (Hgg.): Experiment Jugend- kirche, Kevelaer 2003, S. 17 (im Folgenden zitiert als: Hobelsberger, Hans/ u.a.: Experiment Jugendkirche).

22 Ebd.

23 Ebd.

24 Ebd.

25 Ebd.

26 Ebd.

27 Ebd.

28 Ebd.

29 Ebd., S. 18.

30 Ebd.

31 Weiterführende Literatur: http://www.uni- magdeburg.de/didaktik/projekte_student/Projektseiten/Jugendsprache/.

32 Hobelsberger, Hans/ u.a.: Experiment Jugendkirche, S. 19.

33 Vgl. Ebd., S. 19f.

34 Hobelsberger Hans: Von do-it-yourself - Self-Performance und einer Buchre-ligion. Hans Hobelsbergers ntwort auf „Schön wär´s“ - Plädoyer für eine asthetisch gewendete Glaubenskommunikation, in Lebendige Seelsorge, 55. Jahrgang 2004.

35 Vgl. ebd.

36 Swiatkowski, Michael: Beispiel. I´m sexy and I know it! Jugendliche Alltags-ästhetik auf der digitalen Bühne in Bischöfliches Generalvikariat Münster. Kir-che und Schule. Zeitschrift der Hauptabteilung Schule und Erziehung: Unbe-kannte Wesen? Mit wem wir es in der Schule zu

37 Ebd., S. 36.

38 Vgl. ebd.

39 Hobelsberger, Hans/ u.a.: Experiment Jugendkirche, S. 21.

40 Ebd.

41 Ebd.

42 Ebd., S. 24.

43 Ebd.

44 Ebd., S. 24-34.

Details

Seiten
35
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668472327
ISBN (Buch)
9783668472334
Dateigröße
859 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v369418
Note
2,0
Schlagworte
Jugendkirche Jugend Glaube Kirche

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Titel: Jugend und Kirche. Welche Anknüpfungsmöglichkeiten gibt es?