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Das Leben des Herzogs Bretislav I. und seine Beziehung zu Polen

Hausarbeit 2014 13 Seiten

Geschichte - Allgemeines

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Hauptteil
2.1 Geschlecht der Premysliden
2.2 Biografie des Herzogs Bretislav 1
2.2.1 Bretislavs Geburt als unehelicher Sohn
2.2.2 Die Entführung seiner Gemahlin Judith von Schweinfurt
2.2.3 Feldzug gegen Polen
2.2.4 Folgen des Feldzugs
2.2.5 Schlachten gegen Ungarn und seine letzten Worte vor dem Tod
2.3 Bretislav I. Beziehung zu Polen
2.4 Leitfragen
2.4.1 Kann das heutige Tschechien seine Entstehung dem Herzog Bretislav I verdanken?
2.4.2 Wie kam es zu einer Freundschaft zwischen Heinrich III. und Bretislav I.?

3. Schluss

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Für viele ist der Herzog Bretislav I. namentlich nicht bekannt. Wer Herzog Bretislav I. ist weiß so gut wie niemand. Woran liegt es, dass wir so wenig über diesen Herzog wissen? Diese Frage habe ich mir oft gestellt, als ich mich zum ersten mal mit dem Herzog Bretislav I. auseinandergesetzt habe. Das wir wenig über Bretislav I. wissen liegt nicht daran, dass wir uns wenig über die Geschichte unseren Nachbarlandes Tschechien interessieren, sondern vielmehr daran, dass wir in der Schule wenig über das Mittelalter unterrichtet werden. Für patriotische Tschechen ist der Herzog gewiss eine bekannte und sehenswürdige Person, den es an Mut nicht mangelte, dessen Kriegsfreudigkeit eventuell auch dafür gesorgt hat, dass das Land Tschechien, so wie wir es heutzutage kennen, existiert und die wichtigen Reliquien in der Prager Veitsdom immer noch aufbewahrt werden. Wenn wir über Bretislav I. sprechen, dann sprechen wir vom 10. bis zum 12. Jahrhundert und den damaligen Ländern Böhmen, Mähren und Schlesien, denn das waren die Ur-Länder die das heutige Tschechien bilden. Mein Hauptziel in dieser Hausarbeit besteht darin, die Leute zu informieren, die sich für Herzog Bretislav I. interessieren aber bisher gar keine Informationen über ihn haben. Um eine stabile Grundlage über Bretislav I. zu gewährleisten, werde ich eine detaillierte Biografie des Herzogs verfassen. Des weiteren möchte ich auf einige Leitfragen, unter anderem ob nun Herzog Bretislav I. dafür beigetragen hat, dass es das heutige Tschechien gibt oder nicht und über die Freundschaftsfrage zwischen Bretislav I. und Kaiser Heinrich III., eingehen.

2. Hauptteil

2.1 Geschlecht der Premysliden

Was man unter dem Geschlecht der Premysliden versteht ist nicht jedem von uns klar, was natürlich nichts schlimmes ist. Um uns eine klarere Vorstellungen darüber zu verschaffen, möchte ich hier etwas in die Thematik eingehen.

Das Geschlecht der Premysliden war, vom Ende des 9. Jahrhunderts bis hin zum 1306 n. Chr. ein böhmisches Herrschaftsgeschlecht, die in Böhmen regiert hat. Innerhalb dieser Zeit brachte das Geschlecht viele Herzöge, zwei bekannte Könige, Vratislav II. und Vladislav II., sowie zahlreiche Erbkönige. Cosmas von Prag überliefert uns, dass das Geschlecht der Premysliden von dem Stammvater, Premysl der Pflüger und seiner Gattin Libussa, entstand. Des weiteren listet er einige vorchristliche Premysliden auf, dessen historische Persönlichkeit jedoch nicht zweifelsfrei eingeordnet werden kann.[1] Die erste Persönlichkeit die auch historisch belegt worden ist, war der Premyslide Borivoj I. und seine Frau Ludmilla. Ihre Herrschaftszeit wird mit 871 - 894 n. Chr. angegeben. Nach Borivoj I. kamen noch viele die über das Geschlecht der Premysliden herrschten. Unter anderem auch Bretislav I., der vom 1034 - 1055 n. Chr. regiert hat. Auf den Herzog Bretislav I. möchte ich im späteren Verlauf noch detailliert eingehen. Die etwa 400 Jährige Premysliden Herrschaft gibt in seiner Bestandszeit viele starke und mutige Herzöge hervor und erlischt mit der Ermordung König Wenzels III, da seine Ehe mit der Königin Viola Elisabeth von Teschen kinderlos bliebt und es somit keine Nachfolger gibt die den Thron besteigen können.[2]

2.2 Biografie Herzog Bretislav I.

2.2.1 Bretislavs Geburt als unehelicher Sohn

Herzog Bretislav I. hatte es in seinem Leben nicht leicht. Er musste im Gegensatz zu den anderen Herzögen für seinen Platz als Herzog in wahrsten Sinne des Wortes kämpfen. Um dies besser verstehen zu können, müssen wir etwas in die Vergangenheit zurückschauen. Bretislav I. war eigentlich ein ganz normaler Junge. Er war gewiss eine Frucht der Liebe, jedoch hatte Bretislav das Pech, dass er als unehelicher Sohn auf die Welt kam.[3] Herzog Udalrich, Bretislavs Vater, bekam mit seiner unfruchtbaren Ehefrau keine Kinder und hatte somit keinen legitimen Nachfolger, die ihn nach seinem Tod, im Geschlecht der Pfemysliden, vertreten konnten. Eines Tages als er von der Jagd zurückkam sah er die hübsche Bauerntochter Bozena am Brunnen Wäsche waschen, ihre Schönheit hatte ihn sehr beeindruckt, denn so eine Schönheit hatte er noch nie gesehen. Cosmas von Prag beschreibt Bozena sehr ausführlich und als eine sehr hübsch Frau. Nachdem er zuhause ankam lies er die hübsche Bauerntochter zu sich bringen und heiratete sie als zweite Ehefrau, was damals nicht selten war und vom Volk gut gesehen wurde.[4] Etwa 1005 kam Bretislav I. auf die Welt er war ein sehr hübscher Junge. Trotz seiner Heirat mit Bozena war Bretislav als unehelicher Sohn, denn zwischen Udalrich und Bozena gab es große Gesellschaftsschichten.

2.2.2 Die Entführung seiner Gemahlin Judith von Schweinfurt

Obwohl Bretislav I. der einzige Nachkomme Herzog Udalrichs war, blieb ihn der Thron verwehrt, da er in der Familie und Gesellschaft nicht anerkannt und als unehelicher Sohn angesehen wurde. Nachdem Bretislav I. zu einem jungen Mann aufwuchs bewies er mehrfach seinen Mut. Er war viel schöner, klüger und stärker als die anderen und es war die Zeit gekommen das er den Thron besteigen wollte[5]. Um den Thron zu besteigen musste aber Bretislav I. eine adelige Frau heiraten. Cosmas von Prag erwähnt hier die außergewöhnlich schöne Adelige Judith von Schweinfurt. Sie war die Tochter des mächtigen Grafen „Otto der Weiße“ der in der Zeit im Deutschen Reich lebte und aus dem Geschlecht des Königs stammte.[6] Die Tatsache das Judith wunderschön war und eine herausragende gesellschaftliche und politische Stellung durch ihre Familie hatte, lies Bretislav I. überlegen sie vom Kloster in Schweinfurt, wo die hübsche Adelige lebte, gewaltsam zu entführen oder ganz offiziell um sie zu werben.[7] Kurzerhand beschloss er Judith vom Kloster zu entführen, denn er wusste das er vom Graf Otto von Weiße keine Zustimmung für die Ehe bekommen würde. Cosmas von Prag schreibt das es an der angeborenen Arroganz der Deutschen und deren hochnäsige Ablehnung der Slawen gelegen hat, dass sich Bretislav I. nicht offiziell für Judith bei dem Grafen Otto der Weiße geworben hat.[8] Nachdem er beschlossen hatte das Kloster zu stürmen, um die hübsche Judith zu befreien, trug er seinen treusten Männern auf, zuverlässige und ausdauernde Pferde zu satteln. Bis auf ihn selbst wusste keiner seinen Plan, denn den anderen gab er an, schnell zum Kaiser zu reiten und wieder zurück zukommen. Seine Gefolgsleute folgten den Anweisungen ohne Widerrede, wunderten sich jedoch über die enorme Reisegeschwindigkeit. Laut Cosmas von Prag standen Bretislav I. und seine Männer etwa 7 Tagen später vor den Toren des Kloster, was für die damaligen Verhältnisse für eine sehr schnelle Reise spricht.[9] Sie wurden als Gäste ins Kloster akzeptiert um die Nacht dort zu verbringen, denn keiner wusste die Absichten Bretislavs. Als Bretislav I. das innere des Klosters betrat, suchte er wie ein „Fuchs“ nach einer möglichen Gelegenheit seine Beute Judith zu entführen[10]. Glücklicherweise war an dem Tag ein Festtag, an dem die Klosterschwestern einem Brauch folgten und aus dem Kloster rausgingen um die Vesperglocke, in der Mitte der Kirche, zu läuten. Kurzerhand griff Bretislav die Möglichkeit Judith zu entführen. Er raubte die ahnungslose Adelige und floh mit ihr in Richtung des Haupteingangs. Als er am Tor stand zerschlug er die Eisenkette, die so dick wie ein Tau war, mit nur einem Schwertschlag.[11] Hierbei zeigt Cosmas von Prag die Stärke die Bretislav I. hatte. Seine Kraft reichte aus, um mit nur einem Schwertstreich, eine Eisenkette die dicker als ein Tau war durchzuschlagen. Seine Gefolgsleute, die in der Zeit noch in ihren Zelten ahnungslos lagen interessierte in diesem Augenblick Bretislav wenig, denn er wollte einfach nur fliehen. Während er mit Judith und einigen Gefolgsleuten floh, lies er den Rest seiner Leute im Kloster, die von herbeieilenden Feinden verstümmelt wurden. Der Raub eignete sich im Jahre 1021 n. Chr. mit seiner Gemahlin kehrte Bretislav dann zurück zu seinem Vater.[12] Bretislav konnte jetzt, nachdem er die hübsche Adelige Judith von Schweinfurt geheiratet hatte, den Thron besteigen. Zusammen bekamen sie 5 Kinder, deren Herrschaftsambitionen Böhmen noch in Atem halten sollten.[13]

2.2.3 Feldzug gegen Polen

Obwohl die Entführung sich im Jahre 1021 n. Chr. eignete, fing die Regierungszeit von Herzog Bretislav im Jahre 1034 n. Chr. an. Cosmas von Prag gibt an, dass der junge Herzog sich während seiner Amtszeit sehr großzügig erwies und viel Schenkungen an die Böhmische Kirche unternahm.[14] Des weiteren berichtet er, dass Bretislav neue Reformbestrebungen anstrebte, wie zum Beispiel die Religiosität, Ehepraxis, Alkoholgenuss und der Feiertagsarbeit.[15] Im Jahre 1034 beschließt Bretislav I. seinen Feldzug gegen Polen, denn Polen wurde durch Thronwirren heimgesucht. Sein Ziel war es, sich die verlorenen Städte in Schlesien und die Stadt Krakau zurückzuerobern und die wichtigen Reliquien der Nationalheiligen, Adalbert und Radim-Gaudentius, zurück nach Prag zu bringen, was ihn dabei helfen sollte die Stadt Prag zum Erzbistum zu erhöhen.[16] 1039 n. Chr. startet er dann einen großen Raubzug durch Polen, indem er viele Burgen, einige Städte, unter anderem Krakau, erobern und plündern ließ und stieß letztendlich bis nach Gnesen vor. Am Grab des Adelbert ließ einer der Kirchfürsten, die Bretislav begleiteten, die Bretislav-Dekrete lesen. Gemeinsam mit den Gebeinen des Heiligen Adalbert und den sterblichen Überresten seines Stiefbruders Radim-Gaudentius beendete er seinen Feldzug gegen Polen und kehrte zurück nach Prag.[17] Es wird stark spekuliert das Bretislavs Priorität in erster Linie daran lag, die Reliquien zu plündern und durch seine Besetzung der eroberten Städte Polen noch mehr zu schwächen.

2.2.4 Folgen des Feldzugs

Trotz seinem erfolgreichen Feldzug bekommt Bretislav große Probleme, unter anderem mit dem Papst Benedikt XI., der Bretislavs Diebstahl der Reliquien als unorthodox ansieht und ihn dafür bestraft. Als Sanktion bekommt der Herzog vom Papst auferlegen, zu Ehren des Heiligen Wenzel, einen Kloster zu bauen.

[...]


[1] Vgl. Sokop, Brigitte: Stammtafeln europäischer Herrscherhäuser, 3. Aufl., Wien 1993.

[2] Vgl. Hoensch, Jörg K: Geschichte Böhmens, München 1987, S. 44 f.

[3] Vgl. Biermann, Gottlieb: Bretislav I, Allgemeine Deutsche Biographie, Band 3, Duncker & Humblot, Leipzig 1876, S. 317 f.

[4] Vgl. Cosmas von Prag: Die Chronik Böhmens 1,Hg. Alexander Heine, Stuttgart 1987, Buch 1/Kapitel 36, S. 110 f.

[5] Vgl. Cosmas von Prag: Die Chronik Böhmens 1,Hg. Alexander Heine, Stuttgart 1987, Buch 1/Kapitel 40, S. 121.

[6] Ebd.

[7] Vgl. Cosmas von Prag: Die Chronik Böhmens 1,Hg. Alexander Heine, Stuttgart 1987, Buch 1/Kapitel 40, S. 122.

[8] Vgl. Cosmas von Prag: Die Chronik Böhmens 1,Hg. Alexander Heine, Stuttgart 1987, Buch 1/Kapitel 40, S. 122.

[9] Vgl. Cosmas von Prag: Die Chronik Böhmens 1,Hg. Alexander Heine, Stuttgart 1987, Buch 1/Kapitel 40, S. 123.

[10] Ebd.

[11] Ebd.

[12] Ebd.

[13] Vgl. Cosmas von Prag: Die Chronik Böhmens 2,Hg. Alexander Heine, Stuttgart 1987, Buch 2, S. 12.

[14] Vgl. Cosmas von Prag: Die Chronik Böhmens 2,Hg. Alexander Heine, Stuttgart 1987, Buch 2, S. 12.

[15] Vgl. Cosmas von Prag: Die Chronik Böhmens 2,Hg. Alexander Heine, Stuttgart 1987, Buch 2/Kapitel 4, S. 48 f.

[16] Vgl. Cosmas von Prag: Die Chronik Böhmens 2,Hg. Alexander Heine, Stuttgart 1987, Buch 2, S. 13.

[17] Vgl. Biermann, Gottlieb: Bretislav I, Allgemeine Deutsche Biographie, Band 3, Duncker & Humblot, Leipzig 1876, S. 317 f.

Details

Seiten
13
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783668479746
ISBN (Buch)
9783668479753
Dateigröße
417 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v369319
Institution / Hochschule
Universität Paderborn
Note
2,3
Schlagworte
Bömen Bretislav Polen Mittelalter

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