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Wie wirkt sich Psychopathie auf die Wahrnehmung aus und welche Folgen entstehen hierdurch für die Mitmenschen?

von Selma Kan

Hausarbeit 2017 18 Seiten

Psychologie - Persönlichkeitspsychologie

Leseprobe

Inhalt

1. Zusammenfassung

2. Einleitung

3. Begriffsklärung
3.1 Definition Wahrnehmung
3.2 Einführung in das Krankheitsbild Psychopathie

4. Auswirkung psychopathischer Eigenschaften auf die Wahrnehmung
4.1 Wahrnehmung anderer Menschen
4.2 Eigenwahrnehmung

5. Folgen

6. Diskussion und Fazit

7. Literaturverzeichnis

1. Zusammenfassung

Die Wahrnehmung eines jeden Menschen ist unterschiedlich. Sie wird geprägt durch den eigenen Charakter, entstanden durch individuelle Gene und Erfahrungen. Dadurch kann die Sicht der Umwelt nur subjektiv und nicht objektiv-real sein. Den­noch weisen von Psychopathie betroffene Personen ähnliche Wahrnehmungen an­derer Menschen, sowie ihrer selbst auf. Analog zu diesen Wahrnehmungen unter­scheiden sie sich auch in grundlegenden Eigenschaften von anderen Menschen.

Es gibt grundsätzliche, in der Menschheit verinnerlichte Eigenschaften, die ein Zu­sammenleben überhaupt möglich machen. Dazu gehören zum Beispiel Empathie und das Gewissen. Durch letzteres werden unsere Handlungen gesteuert. Es steht in starker Verbindung mit dem Gefühlsleben. Werden Emotionen nicht, oder nur sehr schwach empfunden, wie es bei psychopathischen Menschen der Fall ist, fehlt diese Einschränkung in Form des Gewissens. Ihr Verhalten wird nicht durch eine innere Stimme, die richtig und falsch suggeriert, kontrolliert. Dadurch gestehen sie sich auch im Nachhinein keine Fehler ein. Im Gegenteil, sie nehmen sich selbst als allem und jedem überlegen wahr. Die Gefühle anderer Menschen sind unbedeu­tend, denn sie können weder Liebe noch Angst nachempfinden. Dieser Wahrneh­mung folgt rücksichtsloses Handeln, was sich auf alle, die mit ihnen zu tun haben negativ auswirkt. Das Leben ist ein Spiel. Und wer will schon nicht gewinnen?

2. Einleitung „Die Stärke eines Volkes ist sein Gewissen." (Dryden; zitiert nach Stout, 2006, S.1)

Es gibt formelle sowie informelle Regeln in unserer Gesellschaft (Hare, 2005). Die einen sind durch unsere Gesetze bestimmt, die anderen allgemein anerkannte, mo­ralische Normen. Beide Formen tragen dazu bei, dass ein Zusammenleben als Ge­meinschaft möglich ist. Von klein auf wird gelernt mit ihnen zu leben und sich an sie zu halten. Dafür gibt es mehrere Gründe: Die Angst erwischt und bestraft zu werden, sowie unser Gespür für das, was richtig und was falsch wäre, und auch die Berück­sichtigung des Wohlergehens von Mitmenschen. Das Gewissen steuert diesen in­neren Prozess. So hält das Gewissen quasi die Gesellschaft als solche zusammen. Was, wenn es fehlte? Bei einem von Psychopathie betroffenen Menschen ist das der Fall. Auch, wenn sie die Regeln kennen, fehlen diesen Menschen dadurch die Gründe, sich an sie zu halten.

Auf den ersten Blick scheint es unverständlich, wie jemand so emotionslos sein kann. Besonders spannend ist die Tatsache, dass es hierfür nachweisliche neuro­logische Unterschiede zwischen psychopathischen und nichtpsychopathischen Menschen gibt. Viele kennen einen psychopathischen Menschen, ohne sich dessen bewusst zu sein. Ob Nachbar, Freund, Angehöriger oder Kollege: Psychopathie ist lange kein vereinzeltes Phänomen. Es ist wichtig die Ausmaße der Psychopathie zu verstehen und auch der Allgemeinheit bekannter zu machen. Nur so ist es mög­lich sich selber und auch die Gesellschaft zu schützen. Dafür ist es von Bedeutung die Sichtweise eines von Psychopathie betroffenen Menschen auf die Welt zu ver­stehen. Denn sie ist der Kern, aus welchem sein Verhalten resultiert. Wie kommt also die Wahrnehmung eines psychopathischen Menschen zustande? Dies gilt es im Folgenden zu erläutern, sowie die Konsequenzen für das Umfeld aufzuzeigen. Daraus ergibt sich die Leitfrage:

Wie wirkt sich Psychopathie auf die Wahrnehmung aus und welche Folgen entste­hen hierdurch für die Mitmenschen?

Um diese Frage beantworten zu können, muss zunächst deutlich gemacht werden, was Psychopathie ausmacht. So wird Psychopathie zunächst anhand grundlegen­der Symptome der von Dr. Robert Hare entwickelten Psychopathie-Checkliste er­läutert. Auf einige dieser Eigenschaften bezogen wird anhand ausgewählter Bei­spiele das Verhalten und Aussagen von Menschen mit Psychopathie analysiert, um Rückschlüsse auf ihre Wahrnehmung ziehen zu können. Es folgen die Konsequen­zen, welche für das Umfeld entstehen. Daraus wird das Fazit gezogen, welche Be­reiche der Wahrnehmung eines psychopathischen Menschen auf welche Symp­tome ihres Syndroms zurückzuführen sind.

3. Begriffsklärung

3.1 Definition Wahrnehmung

Die Wahrnehmung ist ein komplexer Vorgang der Reizverarbeitung und Interpreta­tion. Man könnte sie als Schnittstelle zwischen außen und innen ansehen. Die Au­ßenwelt wird durch die Sinnesorgane verarbeitet und dabei durch verschiedene As­pekte der eigenen Person gefiltert: durch eigene Erkenntnisse, Erfahrungen und auch die persönliche Bewertung dieser einzelnen Aspekte. Auch Empfindungen sind Teil der Wahrnehmung (Dorsch, Häcker & Stapf, 1994). Unser Erleben ist die Gesamtheit vieler einzelner Elemente. Unser Denken, unsere Charaktereigenschaf­ten und unsere Erinnerungen nehmen Einfluss darauf, wie wir zu unserer Umwelt in Beziehung treten, wie wir uns selbst wahrnehmen und verhalten. Wir geben den Dingen unsere persönliche Wirklichkeit (Birkenbihl, 2005). Somit ist die Wahrneh­mung immer ein subjektiver Eindruck der Umwelt.

3.2 Einführung in das Krankheitsbild Psychopathie

„Wer sind diese Leute?" (Babiak & Hare, 2007).

Nach dem ICD-10 wird Psychopathie unter F60.2 den „dissozialen Persönlichkeits­störungen" zugeordnet und wie folgt definiert:

„Eine Persönlichkeitsstörung, die durch eine Missachtung sozialer Verpflichtungen und herzloses Unbeteiligtsein an Gefühlen für andere gekennzeichnet ist. Zwischen dem Verhalten und den herrschenden sozialen Normen besteht eine erhebliche Diskrepanz. Das Verhalten erscheint durch nachteilige Erlebnisse, einschließlich Bestrafung, nicht änderungsfähig. Es besteht eine geringe Frustrationstoleranz und eine niedrige Schwelle für aggressives, auch gewalttätiges Ver­halten, eine Neigung, andere zu beschuldigen oder vordergründige Rationalisierungen für das Verhalten anzubieten, durch das der be­treffende Patient in einen Konflikt mit der Gesellschaft geraten ist." (Krollner B. & Krollner D., 2017)

Psychopathie bedeutet abgeleitet aus psyche, die Seele und pathos, die Krankheit, übersetzt „Geisteskrankheit" (Hare, 2005). Dennoch fällt es schwer die Persönlich­keitsstörung dort einzuordnen. Hare beschreibt es so:

„Psychopathen sind weder desorientiert oder ohne Realitätsbezug, noch leiden sie unter Sinnestäuschungen, Halluzinationen oder schweren Angstzuständen, wie sie bei den meisten anderen Persön­lichkeitsstörungen auftreten. Im Gegensatz zu psychotisch gestörten Personen wissen Psychopathen, was und warum sie etwas tun, sie sind rational" (Hare, 2005, S. 20).

Stout (2005) stimmt ihm hier zu, mit dem Argument, dass Psychopathie die Betroffe­nen nicht stören oder in ihrem Leben offensichtlich einschränken und leiden lassen. „Psychopathie ist eine Persönlichkeitsstörung, die durch eine ausgeprägte Kombi- nation von Verhaltensweisen und daraus gefolgerten Charaktereigenschaften defi­niert wird." (Hare, 2005). Diese Kombination mehrerer Symptome macht Psychopa­thie zu einem Syndrom.

Um dieses Syndrom besser feststellen zu können, entwickelte Dr. Robert Hare (2005) die sogenannte Psychopathie Checkliste. Sie enthält 20 Eigenschaften, auf­geteilt in emotionale- und Verhaltensmerkmale. Personen mit Psychopathie weisen alle oder die meisten dieser Merkmale auf. Menschen ohne diese Diagnose besit­zen nur wenige. Anhand der Checkliste wird durch Interviews und Lebensge­schichte der betroffenen Personen ihr Grad an Psychopathie eingeschätzt. Die wichtigsten Symptome sind laut Robert Hare (2005): „heuchlerisch und oberfläch­lich", „egozentrisch und grandios", „Mangel an Reue oder Schuldbewusstsein", „Mangeln an Einfühlungsvermögen", „hinterlistig und manipulativ", „flaches Ge­fühlsleben", sowie „impulsiv", „unbeherrscht", „sucht Erregung", „verantwortungs­los", „gestörtes Verhalten als Kind" und „abweichendes Sozialverhalten als Erwach­sener" (S.30).

Wie psychopathische Personen sich selbst, ihr Verhalten sowie andere Menschen wahrnehmen, wird im Folgenden anhand von Beispielen erläutert. Einige der ge­nannten grundlegenden Charaktereigenschaften der Psychopathie werden hierbei als ausschlaggebende Faktoren analysiert.

4 Auswirkung psychopathischer Eigenschaften auf die Wahrnehmung

4.1 Wahrnehmung anderer Menschen

Viele Charaktereigenschaften psychopathischer Menschen hängen mit mangelnder Empathie zusammen, der Unfähigkeit sich in die Gefühlslage anderer Menschen hineinzuversetzen (Hare, 2005).

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Details

Seiten
18
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668479586
ISBN (Buch)
9783668479593
Dateigröße
555 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v369197
Institution / Hochschule
Medical School Hamburg
Note
1,3
Schlagworte
Psychopathie Wahrnehmung Psychopath Gesellschaft Mitmenschen Umfeld Rücksicht Mitfühlen Psychopathie-Checkliste Hare Persönlichkeitsstörung Verhalten Eigenwahrnehmung Gewissen Gefühlsleben schuldig ausnutzen selbstbewusst Schuldbewusstsein egoistisch

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