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Die athenische Demokratie. Das Verfahren zur Sicherung der Demokratie

Seminararbeit 2016 20 Seiten

Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Exposition

2. Entwicklung der politischen Ordnung anhand von Vordenkern
2.1. Bedingungen für die Entstehung des demokratischen Gedankens

3. Festigung der demokratischen Idee durch Verfahrensformen
3.1 Überprüfung der Person vor Antritt des Amtes
3.2 Losung
3.3 Rechenschaft
3.4 Entgelt für die Tätigkeit im öffentlichen Bereich

4. Abschlussbetrachtung

Quellen- und Literaturverzeichnis

1. Exposition

Die sich in Athen im 4. und 5. Jahrhundert entwickelnde neue Regierungsform hat die politische Gedankenwelt bis heute nachhaltig geprägt. Als eine Herrschaft der Mehrheit etablierte sich die Demokratie, die die politische Partizipation des Volkes stärkte. Ihr Entwicklungsprozess bildet ein zentrales Gebiet der Geschichtswissenschaft der Antike.

Im Rahmen des von mir besuchten Seminars “Athen und Sparta“ wurden zunächst die sozialen Strukturen, die Wirtschaft, das Militär und die politischen Institutionen in Sparta zur Zeit des 4. und 5. Jahrhunderts näher beleuchtet. Anschließend wurden diese Themen im Bezug auf die athenische Gesellschaft untersucht. Hierbei wurden bereits erste deutliche Unterschiede bewusst und die Entstehung des demokratischen Gedankens in Athen weckte mein Interesse. Mit der Bearbeitung dieses Themas ließ es sich nicht für mich vermeiden in Gedanken einige Vergleiche zur modernen Demokratie zu ziehen. Infolgedessen gelangte mein Gedankengang zu jenen Institutionen und gesetzlich festgelegten Regelungen, die eine moderne Demokratie schützen. Ich stellte mir die Frage, ob es bereits zur antiken Zeit in Athen Verfahren gab, die zur Erhaltung und Entfaltung der demokratischen Idee beitrugen. Aus diesem Grund entschied ich mich, die Hausarbeit unter der Leitfrage „Inwiefern gab es Verfahren oder Regelungen zur Festigung der demokratischen Idee in Athen zur Zeit des 4. und 5. Jahrhunderts?“ zu bearbeiten.

Da in dieser Arbeit häufig von einer ‚demokratischen Idee‘ oder einem ‚demokratischen Gedanken‘ gesprochen wird, entschied ich mich zunächst mit dem Prozess der Entstehung der Demokratie in Athen zu beginnen, um herauszufiltern warum mit diesen Wendungen gearbeitet wurde. Hierbei erwies es sich als besonders hilfreich bedeutende Politiker und deren Taten hervorzuheben. Ebenso entschied ich mich hierbei noch etwas genauer auf die Bedingungen zur Entstehung des demokratischen Gedankens einzugehen, um einen umfassenderen Blick zu gewährleisten.

Im zweiten Teil der Arbeit widmete ich mich den Verfahren, die die Gestaltung und Festigung der athenischen Demokratie beinhalteten. Bei den Verfahren selbst erfolgte eine Selektion, da ich mich lediglich auf die Losung, die Überprüfung der Personen vor Antritt des Amtes, der Rechenschaft und auf das Entgelt für die Tätigkeit im öffentlichen Bereich konzentrierte. In diesem Abschnitt erläuterte ich jeweils das Verfahren in seiner Durchführung, seinen Beschränkungen, seiner Bedeutung für die Bevölkerung Athens und vor allem für die Sicherung der Demokratie.

In dieser Hausarbeit erfolgte eine zeitliche Begrenzung in der Bearbeitung, die sich über das Jahrhundert 4. und 5. erstreckt. Im letzten Abschnitt der Arbeit werde ich meine Ergebnisse aus den inhaltlichen Schwerpunkten der Arbeit zusammenfassen und wesentliche Leitgedanken noch einmal hervorheben.

Bei der Auseinandersetzung mit dem Thema studierte ich eine gewisse Anzahl an Sekundärliteratur. Hierbei kristallisierte sich die Monografie „Die athenische Demokratie“ von Jochen Bleicken als besonders geeignet heraus, da sie einen umfassenden Überblick über sämtliche Ebenen der antiken Demokratie liefert.

Des Weiteren habe ich häufig mit der Monographie „Die Athenische Demokratie“ von Tuttu Tarkianen gearbeitet, da diese sich der Festigung der Demokratie im Besonderen widmet.

2. Entwicklung der politischen Ordnung anhand von Vordenkern

Die Entstehung des demokratischen Gedankens wird von den Athenern weit in die Vergangenheit gelegt. Es ist für die Bürger Athens nicht anders vorstellbar, als dass diese neue Staatsform von wenigen großen Staatsmännern erfunden, ausgebaut und in langen schweren Auseinandersetzungen verteidigt und letztendlich bis zum absoluten Höhepunkt geführt wurde. Für die Ordnung und das Gleichgewicht in den Städten sorgten gewisse Stadthalter und Gesetzgeber. Jene „Männer genossen die uneingeschränkte Verehrung der Nachwelt […]”.[1] Für die Stadt Athen war Solon einer von ihnen. Neben Kleisthenes wird er mit den Anfangsschritten der Gründung der Demokratie in Zusammenhang gebracht.

Es ist jedoch festzustellen, dass ein Wandel des politischen Bewusstseins niemals der Idee eines schöpferischen Staatsmannes zu verdanken ist, sondern vielmehr ein komplexer Wandel der politischen und sozialen Lebensumstände der Menschen ist. Das politische Werk Solons hatte immerhin für die Entwicklung des athenischen Staates einen so bedeutenden Stellenwert eingenommen, dass zu sagen ist, dass mit Solon „ […] etwas Neues in die Zukunft Weisendes […] “[2] begann. Nun ist bedeutend zu erfahren, wie die gesellschaftlichen und politischen Formen vor der solonischen Verfassung aussahen. In der archaischen Zeit nahm die Aristokratie einen besonderen Stellenwert ein. Die zusammenhaltende Ethik charakterisiert sich in dieser aristokratischen Gesellschaftsschicht besonders durch den Wettbewerb vieler angesehener Einzelfamilien untereinander. Es ist deutlich einfacher vorstellbar, dass sich in einer Gesellschaft mit stabilen Geschlechtern (großen Familien) ein institutionalisierter Adelsrat leichter herausbilden konnte, als ein Gremium von einer unbestimmten Anzahl aus instabilen Kleinfamilien. Zahlreiche Adlige suchten sich aus diesem Grund Partner aus nichtaristokratischen Gruppen, die sie zur eigenen Interessenpolitik nutzten.[3] Unmittelbar vor dem Auftreten Solons sind vor allem der Adelsrat und die neun Archonten als das höchste Exekutivgremium hervorzuheben.

Insbesondere für die ärmeren und unfreien Bürger wurde der allgemeine Wandel der politischen Situation am schnellsten und stärksten spürbar, denn „ […] die wirtschaftlichen Schwierigkeiten und die stärkere militärische Belastung [wurde] auf sie abgewälzt. “[4] Diese Situation „ […] erzeugte auch bereits ein Selbstbewusstsein, das sich in politische Forderungen niederschlug. “[5] Im Jahre 594 wurde Solon zum Archon gewählt und eine neue Etappe der Entwicklung in Athen begann. Solon, ein hochgeborener Kaufmann, wurde mit der Intention gewählt, die verfeindeten Lager Attikas wieder miteinander zu versöhnen. Er entschied sich die Menschen Athens mithilfe einer Gesetzgebung auf zahlreichen Gebieten zu einem Bewusstsein der Einheit und der Zusammengehörigkeit zu bringen und somit ein Verantwortungsgefühl für ganz Attika hervorzurufen. Die erste politische Tat Solons beinhaltete die Beseitigung der auf Grundstücken liegenden Lasten, welche einen „ […] notwendige[n] Eingriff in die Wirtschaft des Landes […]”[6] darstellte. Dadurch wurde die Voraussetzung für ein besseres gemeinschaftliches Zusammenleben geschaffen. Des Weiteren verknüpfte er politische Rechte mit dem Vermögen und traf Abstufen in sogenannten Vermögensklassen. Der politische Einfluss war dadurch nicht mehr an die Zugehörigkeit zum Adel, sondern an das Vermögen, welches eine berechenbare Größe darstellte, gebunden. Das oberste Amt, das Archontat, wurde von der ersten Klasse gewählt. Nur wenige Besitzende hatten die Möglichkeit in die Volksversammlung einzutreten, welche sich hauptsächlich außenpolitischen Problemen widmete. Durch die Veränderungen der Bevölkerungsgruppen entstanden weitreichende und tiefgreifende Konsequenzen für das allgemeine Zusammenleben Attikas, da nun eine hohe Anzahl an politisch Berechtigten entstand. Nun bestimmten nicht mehr Tradition oder Herkunft die Zugehörigkeit zu den politisch Befähigten, sondern das Vermögen. Eine zusätzliche Erneuerung war die Einführung der Berufungsinstanz, in der jeder Bürger gegen ein ausgesprochenes Urteil in Berufung gehen konnte, und die Schaffung eines Rates mit 400 Mitgliedern, die aus den vier Geschlechterphylen aufgestellt wurden.

Das Wort Solon’s war zwar politisches Programm, reichte aber nicht aus, um längerfristigen Erfolg zu erzielen, denn die alten Konflikte lebten sehr schnell wieder auf und zahlreiche adlige Bürger konnten sich mit den neuen begrenzenden Regeln schwer abfinden. In Athen entstand eine Epoche der Tyrannis.

Im Jahre 510 v. Chr. kam es durch die spartanische Intervention des Königs Kleomenes zu einem abrupten Ende der Tyrannis der Peisistratiden. Dadurch, dass die Tyrannenfamilie Athen verlassen musste, kehrten die geflüchteten Adelsfamilien in die Stadt zurück. In den schnell wieder auflebenden Machtkämpfen der Aristokraten, um die Vorherrschaft in den Gemeinden, war es ein gewisser Isagoras, der besonders erfolgreich in seiner politischen Tätigkeit war.

Im Jahre 508/7 gelang es dem Politiker Kleisthenes das Blatt zu wenden und die Mehrheit der athenischen Bevölkerung davon zu überzeugen, dass das Gemeinwesen in Zukunft so organisiert werden kann, dass das Volk die alleinige Entscheidungsmacht habe und diese auch ausüben kann.[7] Der größte Gegner dieser Idee war der Politiker Isagoras, der sogar den spartanischen König um Unterstützung gegen Kleisthenes bat. Nach Kleisthenes Flucht vor gewaltsamen Ausschreitungen, hatte Isagoras nicht mit dem ausgeprägten Volkswillen der Athener gerechnet. „Als Kleisthenes der gegnerischen Vereinigung unterlag, brachte er das Volk auf seine Seite und übergab Bürgerrechte und Gemeinwesen der Masse. “[8] Die Bürgerschaft stellte sich Isagoras und denen entgegen, die „ […] sich zu Herren Athens aufschwingen wollten […] “.[9] Die Spartaner mit Isagoras verließen Athen und Kleisthenes kehrte zurück, um das bereits Begonnene zu vollenden.

Ihm gelang es mit seiner Phylenreform die Bürgerschaft in eine neue Gesellschaft zu überführen, denn die Reform bestand aus einer Neuordnung der politischen Organisation der Athener in zehn Phylen. Eine Phyle war hierbei ein territoriales Gebilde, das sich aus städtischem, stadtfernem und einem Gebiet zusammenstellte, dass stark von der Stadt entfernt war. Dadurch, dass jede Phyle das Potential besaß ganz Attika zu repräsentieren, war sie eine eigenständige Körperschaft. In jeder Phyle gab es eine Versammlung der Phyleten, die über alle Phylen sowie deren Aufgabenbereiche in der Gesamtpolis entschieden. Die hier gefassten Beschlüsse wurden für jeden Bürger durch öffentliche Bekundungen zugänglich. Jede Phyle hatte selber die Verantwortung finanzielle, kultische oder organisatorischen Angelegenheiten zu regeln. Also war es für die Bürger der einzelnen Phylen möglich sich tatsächlich selbst zu regieren. Auf der politischen Ebene wurden die Ratsmitglieder und die Mitglieder der Volksgerichte gelost beziehungsweise gewählt, sowie die Wahl der neun Archonton vorgenommen. Jeder Athener sollte sich nach Kleisthenes Willen als „ […] Genosse des Demos […] fühlen, daß er sich forthin nach ihm benannte, indem er seine Demenzugehörigkeit als Teil seines Namen führte […]. “[10] Alle Demen waren lokale Selbstverwaltungseinheiten, deren innere Verfassungen ähnlich denen der Gesamtgemeinde waren. Das Verzeichnis der Selbstverwaltungsaufgaben war enorm, da diese neben den internen Aufgaben des Demos auch die Angelegenheiten der Gesamtgemeinde betrafen. So ging es unter anderem um die Regelung wirtschaftlicher Fragen, die Errichtung und Unterhaltung öffentlicher Baueinrichtungen, die Aufsicht und Durchführung lokaler Kulte sowie die Organisation und Durchführung von Kultfesten.[11] Es lässt sich sagen, dass dies keine hochpolitischen Entscheidungen waren, aber dennoch unterstützten sie das Engagement jedes Demoten. Entscheidend sind außerdem die Demoslisten, die alle Demotenmitglieder, die das 18. Lebensjahr vollendet hatten, beinhalteten. Die Eintragung in diese Liste wäre deshalb so bedeutend, weil die Ausübung zahlreicher politischer Rechte daran geknüpft und das Heranziehen zu den bürgerlichen Pflichten an den Demos gebunden war. In den Demen wuchs durch diese kleinen poltischen Aufgaben eine lokale Identität.[12] Kleisthenes war gewillt zunächst die Macht des Adels zu zerschlagen und durch die Neueinteilung der Bürgerschaft seine eigene Machtbasis zu verbreiten und institutionell zu sichern. Athen erhielt eine politische Repräsentation auf der Basis der Gleichheit und eine starke Armee, die aus politisch gleichstehenden Soldaten bestand.[13] Durch die Schaffung der zehn Phylen mit ihren Untereinheiten habe Kleisthenes die Demokratie eingerichtet. Die weitere Entwicklung der Demokratie und der inneren Ordnung ist eng mit den Auseinandersetzungen mit dem Perserreich verbunden, da weitreichende Veränderungen der Ordnungen zwischen den beiden Perserkriegen stattfanden. Die Losung der Archonten wurde eingeführt und die Besetzung der höchsten Stelle wurde somit „ […] unter die Beliebigkeit des Loses gestellt. “[14] Insbesondere nahmen nun die zehn Strategen eine hohe Rolle ein, da sie von der Volksversammlung direkt gewählt und nicht gelost wurden. Durch die Losung kam es zu einer Schwächung des Archontenamtes. Doch schon im Jahr 462/61 gab es zweifelsohne weitere wichtige Veränderungen, die in enger Verbindung mit dem Aeropag standen. Ephialtes, der zu dieser Zeit als einflussreichster Politiker galt, verfolgte die gänzliche Unterordnung der Exekutive unter die Geschworenengerichte. Es kam dann zu einer endgültigen Abhängigkeit der Exekutivmacht von Organen, in denen zahlreiche athenische Bürger saßen. In den folgenden Jahren gab es große Bemühungen die weitere Schwächung der Exekutive fortzuführen. Nach dem Ende der Herrschaft von Ephialtes konnte sich der Ausbau der Demokratie, der Volksherrschaft, besonders durch Perikles, vollziehen. Er wurde in den folgenden 32 Jahren zu einem der anerkanntesten Politiker in Athen und wurde Jahr für Jahr zum Strategen gewählt. Ein weitreichender Schritt unter seiner Führung war unter anderem die Bezahlung der Bürger, die sich politisch aktiv beteiligten. Diese Reform wurde besonders wichtig, da Anzahl der Sitzungen in Räten und Gerichten stark anstieg. Es lässt sich feststellen, dass sich die Demokratie durch sein Wirken stark weiterentwickelte, denn der Wille auf Beteiligung am politischen Geschehen herrschte schon zu jener Zeit vor.

2.1. Bedingungen für die Entstehung des demokratischen Gedankens

Die bereits im vorangegangenen Kapitel dargestellten gesellschaftlichen Bedingungen und Ereignisse haben dazu geführt, dass in Athen in der zweiten Hälfte des 5. Jahrhunderts eine Demokratie entstehen konnte. Es steht jedoch fest, dass es für die Entwicklung des demokratischen Gedankens keine politische Theorie gab, die eine demokratische Verfassung getragen oder gefördert hat.[15] Des Weiteren ist hervorzuheben, dass die Vorstellung über gesellschaftliche Ordnung nicht nur durch Ideen vorangetrieben wurde. „Die Demokratie ist darum nicht das Produkt einer politischen Idee, sondern der besonderen Umstände der athenischen Geschichte des 6. und 5. Jahrhunderts.“[16] Da die sich Demokratie in Athen entwickelt hat, müssen dort auch die Bedingungen für diese Form des politischen (Zusammen-)Lebens gesucht werden.

Fast alle griechischen Stämme waren an den Auseinandersetzungen mit der Aristokratie beteiligt. Diese Krise erfasste beinahe alle Bereiche des privaten und öffentlichen Lebens. Doch es wäre falsch zu denken, Solon sei aufgetreten um Athen in andere Bereiche zu führen. Solon war in seiner Zeit fest verankert und hatte sehr eigensinnige Vorstellungen die Krise Attikas zu überwinden. Er hatte keine Vorstellungen von der politischen Umgestaltung der gesamten politischen Ordnung. Solon sah die Ordnung als eine feste Größe an und wollte sie nicht umformen, sondern die durcheinander gebrachte Ordnung wieder ins Gleichgewicht bringen. In der Sprache Solons bedeutet dies aus der „Anomie“- der Unordnung wieder eine „Eunomie“- eine Wohlordnung herzustellen.[17] Um die alte Ordnung nach Solons Ansichten wieder herstellen zu können, mussten für die Bevölkerung feste Orientierungspunkte gesetzt werden, an die sich alle Bürger zu halten hatten. Es war nicht in seinem Sinne die bestehenden sozialen und politischen Prinzipien zu verändern, sondern feste Punkte zu schaffen, die ein dauerhaftes Miteinander garantieren sollten. Als ersten Schritt gab er den versklavten und verschuldeten Bürgern die Freiheit über ihre eigene Person zurück und übergab allen wehrfähigen Männern das passive Wahlrecht, um sich aktiv am politischen Leben zu beteiligen und sich in Vermögensklassen integrieren zu können. Durch diese Vermögensklassen hatten alle Bürger die Möglichkeit, in den Kreis des Mindesteinkommens aufzusteigen. Die sozialen Verhältnisse der älteren Zeit sollten sich nun in diesen neuen Bestimmungen widerspiegeln. Die reichsten und wahrscheinlich auch einflussreichsten Bürger hatten dadurch auch Begünstigungen in besonderer Weise. Die innere Ordnung hatte nun zum Ziel, dass alle Bürger ein stärkeres Mitspracherecht erhalten sollten. Besonders für die Hopliten stellte sich dadurch eine Veränderung ein. Sie konnten aktiv an dem Willensbildungsprozess durch die Wahl bestimmter Amtsträger teilnehmen. Solon gelang es dadurch die vorhandenen alten Kräfte mit neuen zu verbinden. Die gesamte Idee Solons wird von den Vorstellungen der politischen Verantwortung eines jeden einzelnen für Athen getragen.[18]

Die durch Streit gespaltene Bürgerschaft Attikas wollte Solon, durch die Übernahme von Verantwortung, eine Versöhnung der zerstrittenen Lager erreichen. Mittels der Verankerung dieser Bestimmung in Gesetzten wurde die politische Ordnung für alle Bürger verfügbar.

Doch eigentlich hat das alles noch nicht sehr viel mit der Demokratie zu tun. So war es aber die Intention mit der Solon sein Werk gestaltete für die Zukunft von besonderer Bedeutung. Durch seine Regelungen wurde die Vorstellung von einer Gemeinsamkeit und einer Teilhabe an den Geschehnissen erzeugt. Solon eröffnete ein innenpolitisches Klima, dem sich jeder anschließen konnte und auch sollte. Durch die Auflösung der zentralen Regierungsgewalt, zugunsten einer Regierung aller, war der Ansatz für einen Grundgedanken der Demokratie gelegt. Nach Solon haben noch weitere Politiker an der Ausarbeitung dieses Grundgedanken weiter gearbeitet. So nahm Ephialtes dem Aeropag 462/61 v. Chr. die Kontrolle der Beamten und übergab diese Funktion dem Rat, der Geschworenengerichte und der Volksversammlung. Die Kontrolle lag somit in der Hand der Mehrheit.

[...]


[1] Bleicken, J., Die athenische Demokratie, 4. Aufl., Paderborn 1995.

[2] Ebd. S. 21.

[3] Vgl. Ebd. S. 23.

[4] Ebd. S. 23.

[5] Ebd. S. 24.

[6] Ebd. S. 25.

[7] Vgl. Stahl, M., Gesellschaft und Staat bei den Griechen. Klassische Zeit, Paderborn 2003.

[8] Ebd. S. 24.

[9] Ebd. S. 22.

[10] Bleicken, J., Die athenische Demokratie, 4. Aufl., Paderborn 1995.

[11] Vgl. Stahl, M., Gesellschaft und Staat bei den Griechen. Klassische Zeit, Paderborn 2003.

[12] Vgl. Ebd. S. 35.

[13] Vgl. Bleicken, J., Die athenische Demokratie, 4. Aufl., Paderborn 1995.

[14] Ebd. S. 48.

[15] Vgl. Bleicken, J., Die athenische Demokratie, 4. Aufl., Paderborn 1995.

[16] Ebd. S. 55.

[17] Vgl. Ebd. 56.

[18] Vgl. Ebd. S. 57.

Details

Seiten
20
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668464964
ISBN (Buch)
9783668464971
Dateigröße
519 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v369111
Institution / Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin – Geschichtswissenschaft
Note
2,0
Schlagworte
Athen Demokratie Antike Griechenland Verfassung Verfahren Sicherung

Autor

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Titel: Die athenische Demokratie. Das Verfahren zur Sicherung der Demokratie