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Die Projektmethode. Komponenten, Ablauf und Ziele

Hausarbeit (Hauptseminar) 2004 20 Seiten

Didaktik - Allgemeine Didaktik, Erziehungsziele, Methoden

Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Begriffsbestimmung

3 Historische Entwicklung

4 Projektkriterien und methodische Merkmale
4.1 Situationsbezug
4.2 Orientierung an den Beteiligten und deren Interessen
4..3 Selbstorganisation und Selbstverantwortung
4.4 Gesellschaftliche Praxisrelevanz
4.5 Zielgerichtete Projektplanung
4.6 Produkt- und Handlungsorientierung
4.7 Einbeziehen vieler Sinne
4.8 Soziales Lernen im Projekt
4.9 Interdisziplinarität

5 Komponenten der Projektmethode
5.1 Projektinitiative
5.2 Auseinandersetzung mit der Projektinitiative
5.3 Gemeinsame Entwicklung des Betätigungsgebietes
5.4 Projektdurchführung
5.5 Beendigung des Projekts
5.6 Fixpunkte und Metainteraktion
5.7 Grundmuster der Projektmethode

6 Ziele der Projektmethode

7 Mögliche Auswirkungen der Projektmethode

8 Grenzen der Projektmethode

9 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Für den Unterrichtserfolg in der Schule stellt die Auswahl der Methode eine besonders wichtige Rolle dar. Die Projektmethode wird heutzutage in den unterschiedlichsten Schularten (von der Grundschule bis zur gymnasialen Oberstufe) erfolgreich eingesetzt, und stellt eine Art modernes Unterrichten dar. Die Methode geht allerdings weit in die Geschichte zurück. Es stellt sich hier die Frage, was die Projektmethode genau ist. Dies soll im Folgenden dargestellt werden.

Begonnen wird mit der Begriffsentwicklung des Wortes „Projekt“ und der historischen Entwicklung. Im Anschluss daran, werden Projektkriterien sowie die methodischen Merkmale dieser Unterrichtsart ausführlich dargestellt. Die Komponenten der Projektmethode und der Ablauf sollen daraufhin erläutert werden. Die verschiedenen Ziele die durch das Einsetzten der Methode zustande kommen, werden ebenso aufgeführt, wie mögliche Auswirkungen.

Abschließend sollen die Grenzen die sich bei der Projektmethode auftreten nicht unerwähnt bleiben.

2 Begriffsbestimmung

Der Begriff „Projekt“ hat seinen Ursprung in dem lateinischen Wort „proicere“, welches soviel wie vorwerfen, entwerfen und hinauswerfen bedeutet. Im alltäglichen Sprachgebrauch wird der Ausdruck „Projekt“ als Plan, Entwurf oder Vorhaben verstanden, welcher immer die tatsächliche Realisation des Plans impliziert. Die Verwirklichung einer Aufgabe stellte bereits bei den Begründern dieser Methode das Hauptanliegen dar.

Beim Betrachten der Projektmethode im schulischem Kontext ist von der Absicht die Rede, „Lernen so zu organisieren, dass Schüler befähigt werden, komplexe Aufgabenstellungen und Lebenssituationen zu bewältigen.“[1] Dabei werden mögliche Aufgabenfelder aus dem täglichen Leben heraus gegriffen, selbstverantwortlich geplant, praktisch realisiert und auf natürliche Weise behandelt. Die Schüler erweitern auf diese Art ihren Erfahrungshorizont. Die Projektmethode kann mit Hilfe von vier Merkmalen definiert werden: „Der Aufgabencharakter der praktischen Tätigkeit, die Planung und Ausführung durch die Schüler, die Verwendung physischer Mittel und die Bereicherung der Erfahrung.“[2] Daraus resultieren verschiedene Stufen, welche für die Projektmethode wesentlich sind: die Zielsetzung, die Planung, die Ausführung und die Beurteilung.[3]

Für die Unterrichtsform Projektmethode werden teilweise synonym auch andere Begriffe verwendet, wie Projektunterricht, Projekt, Vorhaben oder projektorientierter Unterricht.

3 Historische Entwicklung

Die Projektmethode hat eine lange Vorgeschichte, die nicht auf eine bestimmte Person zurückzuführen ist. Ein Ursprung ist in der französischen Bauakademie „Royale d’Architecture“ zu finden. Im Jahre 1702 wurden dort Wettbewerbe durchgeführt, deren Entwürfe „projets“ genannt wurden und von den Studenten Kreativität und Zusammenarbeit erforderten. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden diese Ansätze auch in der technischen Berufsausbildung und den frühen Arbeitsschulen im deutschen Sprachraum verwirklicht. Von dort gelangte die Projektmethode 1879 in die USA und wurde an der neu gegründeten „Manual Training School“ angewendet. Erst Anfang des 20. Jahrhunderts widmete sich die amerikanische Pädagogik der Projektmethode. Eine neue „child-centered- education“ sollte begründet werden, welche von den Interessen der Lernenden ausgeht, und es entstand aus dem Projekt der technischen Berufsausbildung eine allgemeine Lernmethode. Das Lernen sollte sich von nun an nach den Interessen und Fähigkeiten der Kinder richten.[4] Der Philosophie- und Pädagogikprofessor John Dewey schuf die Grundlage für die politische und wissenschaftliche Konzeption der Projektmethode. Er gründete 1896 die „Laboratory School“ und ließ an Stelle von Schulfächern Lebenseinheiten treten, welche praktische Aufgaben an die Schüler stellten, die sie nach ausführlicher Planung selbstständig lösen sollten. Dewey und sein Kollege William Heard Kilpatrick schlossen sich den bereits von Johann Heinrich Pestalozzi verfassten Ansichten an, dass sich Lernprozesse am deutlichsten und anhaltendsten durch die Anschauung und das Handeln einprägen.[5] Deweys Projektunterricht sah sehr unterschiedlich aus und es gab keine einheitliche Theorie zu dieser Methode. Diese formulierte Kilpatrick in seinem Aufsatz „The Project-Method“, erschienen 1918 in der Pädagogikzeitschrift „Teachers College Record“. Kilpatrick definierte die Methode „ausschließlich an den Tätigkeiten und Interessen der Lernenden, speziell der Kinder.“[6] Er vertrat überzeugt die „child-centered education“ und unterschied sich dabei massiv von den Einstellungen Deweys, der dies nicht nachvollziehen konnte.

Eine zweite Grundlage zur Projektmethode findet man allgemein in der Reformpädagogik. Berthold Otto greift in seinem Gesamtunterricht beispielsweise das freie Unterrichtsgespräch heraus. Er geht davon aus, dass die komplexe Lebenswirklichkeit der Kinder ganzheitlich als Erfahrungsfeld in den Unterricht aufgenommen werden muss und nicht in einzelne wissenschaftliche Disziplinen aufgegliedert werden darf. Von den Schülern spontan geäußerte Fragen und das sich daran anschließende freie Unterrichtsgespräch entwickeln sich bei Berthold Otto zu Gruppenarbeiten oder Projekten.[7] Dewey, Kilpatrick und Otto prägten mit ihrem Projekt- bzw. Gesamtunterricht die pädagogischen Reformenbestrebungen des 20. Jahrhunderts in Deutschland.[8] Auch in der Arbeitsschulbewegung von Georg Kerschensteiner und Hugo Gaudig waren Einflüsse des Projektunterrichts festzustellen, allerdings unterlag die Bezeichnung „Projekt“ noch keiner absolut gültigen Theorie. In der Zeit des Nationalsozialismus wurde der Projektgedanke abgelehnt. Einerseits war die faschistische Pädagogik zum Beispiel gegen eine Selbst- und Mitbestimmung von Schülern. Für ihre Ideologie nützliche Gedanken wurden andererseits aber aufgenommen und eingesetzt.[9] In der ehemaligen DDR wurde der Projektgedanke in der Pädagogik mit der Begründung abgelehnt, dass durch diese Methode kein systematisches und wissenschaftliches Arbeiten möglich sei. Allerdings wurde diese Methode nach der Wende nicht mehr so angesehen. 1946 brachte Otto Haase mit seinem Konzept bezüglich schulischer Vorhaben das Projekt wieder in die Diskussion.[10] In den 1960/70er Jahren entwickelte sich die Projektmethode weiter. Hauptsächlich nach den Gedanken von Kilpatrick. Zu diesem Zeitpunkt wurden in verschiedenen europäischen Ländern Bildungsreformen festgelegt und der Gedanke der Projektmethode trat immer wieder auf. Besonders als Argumente gegen traditionelles Lernen in Schulen und Universitäten wurde der Projektgedanke genutzt. Es wurden offene Lernsituationen verlangt, handlungsorientiertes und praxisnahes Lernen sollten umgesetzt werden, Schulen sollten sich nach außen öffnen und sich an der Alltagswelt der Schüler orientieren. Selbstverwirklichung und eigenständige Tätigkeit sollten gefördert werden.[11] An den Hochschulen wurden Modelle für ein Projektstudium eingeführt, wie beispielsweise an der Universität Bremen oder in der Projektorientierung der Pädagogenausbildung in Bielefeld und Berlin. Heute sind nur noch die Ansätze dieser Formen erhalten geblieben, diese sind aber weit verbreitet.[12]

In heutiger Zeit ist der Projektunterricht eine in allen schulischen Institutionen zu findende Unterrichtsmethode.

4 Projektkriterien und methodische Merkmale

Der Projektunterricht kann nicht präzise definiert werden. Allerdings gibt es Merkmale, welche diese Methode beinhaltet. Im Folgenden werden neun Kriterien (nach Bastian / Gudjons 1988), welche ein Projekt bestimmen, genannt. Die Aufzählung kann allerdings nur als eine „einkreisende Umschreibung“[13] aufgefasst werden. Der Projektunterricht muss dabei nicht alle der neun Merkmale enthalten. Hingegen kann Unterricht, der keines dieser Kennzeichen enthält, nicht als Projektunterricht verstanden werden.[14]

[...]


[1] LENZEN, Dieter: Pädagogische Grundbegriffe. Hamburg: Rowohlt, 20016 , S. 1273.

[2] LENZEN, 20016, S. 1273.

[3] Vgl. LENZEN, 20016, S. 1273.

[4] Vgl. HÄNSEL, Dagmar: Handbuch Projektunterricht. Weinheim / Basel: Beltz Verlag, 1997, S. 15f.

[5] Vgl. STRUCK, Peter: Projektunterricht. Stuttgart: Kohlhammer, 1980, S. 10.

[6] Hänsel, 1997, S. 17.

[7] Vgl. LENZEN, 20016, S. 1274.

[8] STRUCK, 1980, S. 10.

[9] Vgl. EMER, Wolfgang / LENZEN, Klaus-Dieter: Projektunterricht gestalten – Schule verändern. Projektunterricht als Beitrag zur Schulentwicklung. Baltmannsweiler: Schneider, 2002, S. 15.

[10] Vgl. BASTIAN, Johannes / GUDJONS, Herbert / SCHNACK, Jochen / SPETH, Martin (Hrsg.): Theorie des Projektunterrichts. Hamburg: Bermann und Helbig, 1997, S. 91.

[11] Vgl. LENZEN, 20016, S. 1274f.

[12] Vgl. EMER / LENZEN, 2002, S. 17.

[13] BASTIAN, Johannes / GUDJONS, Herbert: Das Projektbuch. Hamburg: Bergmann und Helbig, 19882 , S. 15.

[14] BASTIAN / GUDJONS, 19882 , S. 15.

Details

Seiten
20
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638364126
Dateigröße
644 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v36906
Institution / Hochschule
Universität Koblenz-Landau – Institut für Allgemeine Didaktik
Note
1,3
Schlagworte
Projektmethode Unterrichtsmethoden

Autor

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