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Zusammenhang zwischen der Fußball-WM und Aktienrenditen. Einfluss von überraschenden Spielresultaten auf Aktienkurse

Bachelorarbeit 2014 43 Seiten

BWL - Bank, Börse, Versicherung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Anhangsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Symbolverzeichnis

1. Einleitung

2. Zusammenhang zwischen Fußballergebnissen und Aktienrenditen
2.1 Auswirkungen der Sportereignisse auf die Stimmung von Sportfans
2.2 Sportstimmung, Investorenstimmung und Aktienrenditen
2.3 Siege und Niederlagen und ihre Auswirkungen auf Aktienrenditen
2.4 Abgeleitete Hypothesen

3. Methodik
3.1 Datensatz
3.2 Empirische Vorgehensweise

4. Diskussion der Ergebnisse
4.1 Die Ergebnisse im Überblick
4.2 Glaubwürdigkeit der Ergebnisse

5. Schluss

Anhang

Literaturverzeichnis

Webseitenverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Länderstatistik

Tabelle 2: Außergewöhnliche Rendite am Tag nach WM-Spielen

Tabelle 3: Robustheitstest: Zeitliche Aufspaltung der Stichprobe

Anhangsverzeichnis

Anhang 1: Teilnehmerfeld der WM je Kontinent (Stand: WM 2014)

Anhang 2: Häufigkeitsverteilungen der WM-Spiele

Anhang 3: Indexkursentwicklungen in Krisenzeiten

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Innerhalb der Finanzliteratur wird schon seit geraumer Zeit über die Effizienz der Kapitalmärkte diskutiert.[1] Die traditionelle Finanzmarkttheorie geht von einem effizienten Markt mit rationalen Investoren aus. Dort sind alle relevanten und verfügbaren Informationen über die Wirtschaftsaussichten in den Preisen der Wertpapiere enthalten.[2] In den letzten Jahren sind Finanzökonomen aufgeschlossener in Richtung der unvollständigen Rationalität der Investoren geworden.[3] Die verhaltensorientierte Finanzmarkttheorie fokussiert sich auf die begrenzten kognitiven Fähigkeiten der Investoren, aufgrund dessen systematische Fehler im Denkprozess möglich sind. Dadurch können abweichende Wertpapierpreise im Vergleich zu effizienten Märkten entstehen.[4]

Im Rahmen dieser Arbeit wird der Zusammenhang zwischen der Fußball-WM als (wahrscheinlich) wirtschaftsunabhängiges Ereignis und Aktienrenditen untersucht. Dazu wird der Einfluss von Siegen und Niederlagen der Nationalmannschaften auf die Renditen der Leitindizes der entsprechenden Länder überprüft. Diese Arbeit stellt zum Teil eine Wiederholungsstudie zur Untersuchung von Edmans et al. (2007) dar. Der Datensatz wird jedoch um die drei WM-Turniere aus jüngster Vergangenheit erweitert. Darüber hinaus wird der Einfluss von überraschenden Spielresultaten auf Aktienkurse genauer betrachtet.

Wirtschaftsunabhängige Ereignisse enthalten keine ökonomisch relevanten Informationen für den Kapitalmarkt. Entsprechend der traditionellen Finanzmarkttheorie, sollten solche Ereignisse somit keinen Einfluss auf die Wirtschaft haben. Wenn sie allerdings die Stimmung, das Selbstvertrauen sowie den physischen, mentalen oder emotionalen Zustand der Investoren beeinflussen können, halten verhaltensorientierte Finanzwissenschaftler einen Einfluss auf die Wertpapierpreise für möglich.[5] Diese Studie gehört folglich zum noch neueren Literaturstrang des verhaltensorientierten Ansatzes. Dieser beschäftigt sich mit psychologisch belegten Verhaltensverzerrungen der Investoren und dem daraus resultierenden Einfluss auf Wertpapierpreise.[6]

Die vorliegende Arbeit ist wie folgt aufgebaut. Im zweiten Kapitel wird zunächst die potentielle Kausalkette erläutert, auf deren Grundlage ein Zusammenhang zwischen Fußballergebnissen und Aktienkurse zustande kommen könnte. Dabei wird genauer darauf eingegangen, inwiefern der Sport im Allgemeinen sowie im speziellen der Fußball die Menschen psychologisch beeinflusst und wie sich dieser Einfluss schließlich bis hin zum Kapitalmarkt erstrecken kann. Die angewendete Methodik wird im dritten Kapitel erläutert. Darin werden der Datensatz und die empirische Vorgehensweise beschrieben. Darauf folgen die Präsentation der Ergebnisse sowie die anschließende Diskussion über deren Glaubwürdigkeit. Im letzten Kapitel werden die wichtigsten Ergebnisse zusammengefasst und schließlich noch ein Ausblick für weitere Untersuchungen gegeben.

2. Zusammenhang zwischen Fußballergebnissen und Aktienrenditen

2.1 Auswirkungen der Sportereignisse auf die Stimmung von Sportfans

Einige psychologische Befunde zeigen, dass Sportergebnisse und im speziellen auch der Fußball einen signifikanten Einfluss auf die Stimmung der Menschen haben kann.

Hirt et al. (1992) stellen bei Studenten der Indiana University einen Einfluss auf die Stimmung sowie auf das Selbstwertgefühl in Abhängigkeit vom Spielergebnis des Basketballteams ihrer Universität fest. Sie erläutern, dass die Zugehörigkeit zu einer Fangemeinde Individuen eine soziale Identität gibt. Diese bringt eine große emotionale Bedeutung und Werthaltigkeit mit sich, wodurch Fans ihre Lieblingsmannschaft möglicherweise als Erweiterung ihres persönlichen Ichs betrachten. Demzufolge werden Siege des Teams als persönlicher Erfolg und Niederlagen des Teams entsprechend als persönlicher Misserfolg wahrgenommen. Der persönliche Erfolg der Individuen ist schließlich ein maßgebender Einflussfaktor für deren Gemütslage und emotionalen Zustand.[7]

Bei einem Experiment von Schwarz et al. (1987) wirkt sich der Ausgang zweier WM-Spiele im Jahr 1982 sogar auf die Beurteilung der allgemeinen Lebenszufriedenheit der Probanden aus. Für Individuen ist es eine komplexe Aufgabe, ein Gesamtfazit über das bisherige Leben zu ziehen. Denn dafür sind keine genaueren Bewertungskriterien definiert. Außerdem sind die Informationen zur Beurteilung der Lebenszufriedenheit vielschichtig und lassen sich nur schwer anhand eines Vergleichsmaßstabs beurteilen. Deswegen wird vermutet, dass die Probanden ihre aktuelle Stimmung als simplen Indikator für ihr allgemeines Wohlbefinden verwenden.[8]

Bless et al. (1996) gelangen zu der Erkenntnis, dass gut aufgelegte Menschen eher dazu neigen, auf vereinfachende Heuristiken zurückgreifen. Der Grund dafür stellt die erhöhte Aktivierung von positiven und miteinander verknüpften Gedanken aus dem Gedächtnis dar. Aufgrund der begrenzten Verarbeitungsmöglichkeiten von Informationen kommt es schließlich zu Beeinträchtigungen innerhalb des Denkprozesses. Indizien sprechen dafür, dass gut gelaunte Menschen kategorisch Denken. Sie neigen deshalb dazu, sich auf einfache Klischees verlassen und greifen eher auf ihren schon vorhandenen Wissensstand zurück. Im Gegensatz dazu hinterfragen schlecht gelaunte Menschen Sachverhalte tendenziell, da sie häufiger detaillierte, analytische Denkprozesse in Gang setzen. Folglich sind gut aufgelegte Menschen einfacher von einer Sache zu überzeugen als schlecht gelaunte Menschen. In der Literatur herrscht dennoch Uneinigkeit, ob man den Rückgriff auf Heuristiken eher mit kognitiven Defiziten oder mit einem effizienten Mittel zur Vereinfachung komplexer Strukturen in Verbindung bringen sollte.[9] [10]

Innerhalb der Studie von Schweitzer et al. (1992) verändert sich bei den Probanden die Auffassung über den Eintritt eines bedrohlichen Ereignisses, nachdem sie ein American Football Spiel am Fernseher verfolgt haben. Die niedergeschlagenen Fans der Verlierermannschaft sind pessimistischer eingestellt als die euphorischen Fans der Gewinnermannschaft. Denn sie schätzen die Wahrscheinlichkeiten eines potentiellen Irak-Krieges und die daraus resultierenden Opferzahlen deutlich höher ein.[11]

Arkes et al. (1988) finden heraus, dass sowohl die Anzahl der Käufe als auch die Zahlungsbereitschaft für Lotteriescheine von der Ohio State Lotterie nach einem Sieg des Footballteams der Ohio State University gestiegen sind.[12]

Sportereignisse haben jedoch nicht nur einen Einfluss auf die Stimmung, sondern in vielen Fällen sogar Auswirkungen auf die Gesundheit der Menschen.

Caroll et al. (2002) beobachten bei der WM 1998 eine erhöhte Anzahl an Notaufnahmen in englischen Krankenhäusern aufgrund von Herzinfarkten. Als Ursache wird die Niederlage der Engländer im Elfmeterschießen gegen Argentinien ausgemacht. Nach anderen Spielen der englischen Nationalmannschaft wird dies allerdings nicht beobachtet. Sie kommen zu dem Entschluss, dass die erhöhten Gesundheitsrisiken nur bei sehr wichtigen Spielen bestehen, da diese mit großer emotionaler Erregung verbunden sind.[13]

Die Studie von Trovato (1998) weist auf ein erhöhtes Selbstmordrisiko von Kanadiern hin, wenn die Montreal Canadians früh beim Stanley Cup ausscheiden. Bei jungen, alleinstehenden Männern ist das Selbstgefährdungsrisiko am höchsten.[14]

Die Untersuchung von White (1989) nimmt die Gewaltbereitschaft der Menschen während der Playoffs in der amerikanischen NFL unter die Lupe. In den Städten der Verliererteams wird eine erhöhte Anzahl an Tötungsdelikten beobachtet.[15]

Diese empirischen Belege verdeutlichen den Einfluss von Sportereignissen auf das Verhalten der Menschen. Im Folgenden wir der mögliche Zusammenhang von Aktienkursen und der Investorenstimmung anhand von Sport- und im speziellen von Fußballergebnissen erläutert.

2.2 Sportstimmung, Investorenstimmung und Aktienrenditen

Zunächst wird erläutert, weshalb sich gerade Fußballergebnisse zur Messung des verhaltensinduzierten Einflusses auf Aktienkurse eignen. Es wurde bereits erläutert, dass Sportereignisse die Stimmung der Menschen stark beeinflussen können (siehe 2.1).

Eine Variable muss drei Kriterien erfüllen, um den Zusammenhang zwischen der Stimmung und den Aktienrenditen der Marktindizes messen zu können. Erstens muss die Variable wesentliche und unmissverständliche Auswirkungen auf die Stimmung der Individuen haben. Ansonsten besteht die Gefahr, dass der Stimmungseffekt nicht stark genug ist, um tatsächlich auch Wertpapierpreise beeinflussen zu können. Desweiteren muss der Stimmungseffekt auch eine angemessene Reichweite haben. Denn ein Großteil der Bevölkerung muss den Stimmungseinflüssen unterliegen, damit auch genügend Investoren davon betroffen sind. Schließlich müssen die Stimmungsschwankungen zwischen den einzelnen Einwohnnern eines Landes eine stark positive Korrelation aufweisen.[16]

Fußballergebnisse von Nationalmannschaften sollten diese Kriterien insgesamt erfüllen. Denn Fußball ist in vielen Ländern die Volkssportart Nummer eins und somit von nationalem Interesse. Dies bestätigen die Fernsehzuschauerzahlen, die Intensität der Medienberichterstattung sowie die Absatzzahlen von Fußballartikeln zahlreicher Länder.[17] Die Fußball-WM ist darüber hinaus das größte globale Sportereignis neben den Olympischen Spielen.[18] Wenn man die Anzahl der Fernsehzuschauer über alle Spiele hinweg aufsummiert, haben über 25 Milliarden Menschen die WM 2002 in Japan und Süd Korea vor den Fernsehbildschirmen verfolgt. Allein eine Milliarde Menschen haben sich das Finale zwischen Brasilien und Deutschland angeschaut. Diese Zahlen verdeutlichen, dass Fußball weltweit eine enorme Aufmerksamkeit auf sich zieht.[19] Dementsprechend gibt es wohl kaum ein vergleichbares Sportereignis, welches einen ähnlich starken und positiv korrelierten Effekt auf die Stimmung in so weiten Teilen eines Landes bewirken kann.[20] Folglich werden WM-Spielergebnisse als Stellvertretergröße für die Stimmung verwendet, damit der Effekt auf die Aktienrenditen bestimmt werden kann.

Hieraus wird deutlich, weshalb Fußballergebnisse von Vereinsmannschaften für die Untersuchung des Zusammenhangs weniger geeignet sind. Die Stimmungsschwankungen innerhalb einer Nation weisen bei Spielen auf Vereinsebene eine deutlich geringere Korrelation im Vergleich zu Länderspielen auf. Nach einem nationalen Ligaspiel steht die Freude der Fans der Gewinnermannschaft im Kontrast zur gleichzeitigen Enttäuschung der gegnerischen Anhänger. Demzufolge würde sich der Stimmungseinfluss auf die Kurse der nationalen Indizes gegenseitig aufheben. Außerdem ist die Reichweite des Stimmungseffekts geringer, da die Fangemeinschaft eines nationalen Fußballklubs kleiner ist als die Bevölkerungszahl einer ganzen Nation. Allerdings ist der Stimmungseffekt je Anhänger auf Vereinsebene stärker einzuschätzen. Die Verbundenheit zu einem Klub ist normalweise größer als das Nationalgefühl der Menschen.[21]

Nun stellt sich die Frage, inwiefern die Stimmung schließlich die Aktienkurse beeinflussen kann? Im Allgemeinen existiert ein Zusammenhang zwischen der Stimmung und den Aktienkursen, sofern der Aktienpreis aufgrund von Stimmungseinflüssen vom Barwert der zukünftigen Free Cashflows abweicht. Demnach müssen stimmungsbedingte Verzerrungen entweder zu fehlerhaften Einschätzungen von zukünftig erwarteten Free Cashflows oder zu einer falschen Risikobeurteilung führen.[22]

Hirshleifer and Shumway (2003) führen an, dass gut gelaunte Menschen bei ihren Entscheidungen und Beurteilungen optimistischer sind als schlecht gelaunte Menschen. Die Stimmung eines Menschen kann sich sogar bis auf die Beurteilung der allgemeinen Lebenszufriedenheit auswirken (siehe 2.1).

Eine Veränderung der Gemütslage in Abhängigkeit von Sportresultaten könnte sich folglich auf das Urteilsvermögen, das Verhalten und schließlich auf den Entscheidungsfindungsprozess der Menschen auswirken. Desweiteren springen gutgelaunten Menschen mehr positive Informationen ins Auge und rufen diese häufiger ins Bewusstsein hervor als negative Informationen. Bei schlechtgelaunten Menschen wird die entgegengesetzte Beobachtung gemacht. Gut aufgelegte Individuen stellen aus einzelnen Gedanken außergewöhnliche Zusammenhänge her, schneiden besser bei kreativen Problemlösungsaufgaben ab und zeigen eine höhere mentale Flexibilität. Außerdem enthalten Gefühlszustände Informationen für Individuen, aus denen sie Schlussfolgerungen über ihre Umwelt ziehen können. Menschen ordnen ihre Gefühlslage oft der falschen Quelle zu. Dadurch kann es zu stimmungsbedingten Fehlurteilen kommen, dem sogenannten „Misattribution Bias“.[23]

Aus verhaltenswissenschaftlicher Perspektive wäre es folglich möglich, dass Menschen ihre positive Stimmung nach einem Sieg ihrer Nationalmannschaft fälschlicherweise mit verbesserten nationalen Wirtschaftsaussichten in Verbindung bringen. Dadurch könnten die Kurse des nationalen Aktienindex ungerechtfertigter Weise ansteigen. Das umgekehrte Szenario wäre im Falle einer Niederlage denkbar.

Die Voraussetzung dafür ist allerdings, dass ein Großteil der Aktien von inländischen Investoren gehalten wird. Der festgestellte „Home Bias“ von French und Poterba (1991) stützt diese Annahme. Der Anteil an inländischen Investoren innerhalb der fünf größten Aktienmärkte (Stand: 1991) sieht wie folgt aus: USA: 92,2 Prozent; Großbritannien: 92 Prozent; Japan: 95,7 Prozent; Deutschland, 79 Prozent; Frankreich, 89,4 Prozent. Trotz der Kenntnis über die Vorteile von internationalen Diversifikationsmöglichkeiten hält ein Großteil der Investoren demnach sein Vermögen im Inland.[24] Eine Begründung könnte die Forderung einer zusätzlichen Risikoprämie für ausländische Wertpapiere liefern. Im Normalfall sind inländische Investoren schlechter über ausländische Märkte, Firmen und Institutionen informiert. Aufgrund dessen wird der Handel mit ausländischen Wertpapieren vermutlich als riskanter wahrgenommen.[25]

Der Einfluss der Gemütslage auf die Risikobeurteilung wird als komplex und situationsabhängig angesehen.[26] Arkes et al. (1988) beobachten beispielsweise bei gut aufgelegten Menschen risikofreudiges Verhalten, solange bei hohen Risiken der mögliche Verlust gering ist. Risikoaversion wird festgestellt, sofern potentielle (hohe) Verluste im Mittelpunkt stehen.[27]

Iliewa und Wang (2014) kommen zur Erkenntnis, dass sich der Rendite-Risiko-Zielkonflikt nach Siegen verringert und nach Niederlagen entsprechend verstärkt. Anders formuliert, wird nach Siegen risikofreudiges Verhalten und nach Niederlagen risikoscheues Verhalten der Investoren beobachtet.[28] Diesen Effekt stellen sie bei Personen fest, welche beruflich im deutschen Finanzsektor tätig sind. Somit kann nicht nur die breite Masse den psychologischen Verzerrungen unterliegen. Es können durchaus auch Finanzmarktexperten davon betroffen sein. Dies ist eine interessante Erkenntnis, da in der bestehenden Literatur oft behauptet worden ist, dass Finanzmarktexperten keinen verhaltensinduzierten Verzerrungen unterworfen sind. Allerdings machen sie nicht die Stimmung, sondern den veränderten Testosteron-Spiegel für die Verzerrung im Urteilsvermögen sowie in der Entscheidungsfindung verantwortlich. Die bestehende Finanzliteratur hat sich fast ausschließlich auf den Einfluss der Stimmung fokussiert. Testosteron ist in der Literatur bisher noch wenig Beachtung geschenkt worden. Das Hormon könnte jedoch auch einen potentiellen, exogenen Einflussfaktor für außergewöhnliche Aktienrenditen darstellen. Bei Sportereignissen wird nicht nur der Testosteron-Spiegel von aktiven Sportlern beeinflusst, sondern auch der von den Fans. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Fans das Sportereignis direkt im Stadion oder zu Hause vor den Fernsehbildschirmen verfolgen.[29] Iliewa und Wang (2014) betonen, dass das Hormon in der breiten Bevölkerung keinen zwingenden Einfluss auf das Urteilsvermögen haben muss.[30] Vor allem in der von Männern dominierten Finanzbranche könnte das Sexualhormon jedoch ein wichtiger Einflussfaktor sein. Testosteron steigert einerseits das aggressive Verhalten, andererseits verbessert es die Aufmerksamkeit, verstärkt die Informationssuche sowie die Informationsverarbeitung. Folglich werden Entscheidungen und die Urteilsbildung bei höherem Testosteron-Spiegel vermutlich besser durchdacht. Im Bezug auf das Gesamtergebnis der Untersuchung des Zusammenhangs zwischen Fußballergebnissen und Aktienkursen ist es jedoch unerheblich, ob der Testosteron-Spiegel oder die Stimmung für die Verzerrung im Verhalten verantwortlich ist. Beide Faktoren werden durch Sportereignisse gleichermaßen beeinflusst. Ein Sieg führt zu einer besseren Stimmung sowie zu einem höheren Testosteron-Spiegel, eine Niederlage hat einen entsprechend gegenläufigen Effekt. Nach Siegen werden beide Faktoren normalerweise mit risikofreudigem Verhalten in Verbindung gebracht. Niederlagen führen tendenziell zu risikomeidendem Verhalten (siehe oben). Demzufolge sind beide Faktoren nur schwer voneinander zu trennen.[31] Das Gesamtergebnis verändert sich somit nicht, falls wirklich Testosteron und nicht die Stimmung die treibende Kraft für Renditeveränderungen sein sollte.

Einige empirische Studien haben sich bereits mit dem Einfluss von Fußballergebnissen auf Aktienkurse beschäftigt. Der Großteil der Studien konzentriert sich auf die Untersuchung des Zusammenhangs anhand der Spielergebnisse von Fußballnationalmannschaften. Daran knüpft folglich auch diese Untersuchung an.

Ashton et al. (2003) untersuchen den Einfluss der Spielergebnisse der englischen Nationalmannschaft auf den englischen Aktienindex FTSE 100. Dazu haben sie eine Event-Study durchgeführt. Ashton et al. (2003) kommen schließlich zu dem Ergebnis, dass die durchschnittliche Indexrendite nach Siegen positiv und nach Niederlagen entsprechend negativ ist. Somit beobachten sie einen symmetrischen Renditeeffekt. Die Stärke des Effekts hängt von der Relevanz des Spiels ab. Ein Spiel bei einem internationalen Turnier hat beispielweise einen größeren Einfluss als ein Freundschaftsspiel.[32]

Klein et al. (2009) führen eine Wiederholungsstudie zu Ashton et al. (2003)‘s Untersuchung durch, da nach ihrer Ansicht einige Unstimmigkeiten in der methodischen Vorgehensweise existieren. Sie untersuchen dabei den gleichen Datensatz und die gleiche Zeitspanne wie Ashton et al. (2003). Nach einigen Anpassungen wird die Event-Study erneut durchgeführt.[33] Nach Siegen verschwindet der positive Effekt. Nach Niederlagen wird ein beträchtlich geringerer aber dennoch signifikanter Effekt gemessen. Sie betonen die Sensibilität der empirischen Resultate gegenüber winzigen Fehlern im Versuchsaufbau und sehen die Erkenntnisse von Ashton et al. (2003) folglich als nicht verlässlich an.[34]

Ashton et al. (2011) kritisieren daraufhin die Interpretation der Ergebnisse von Klein et al. (2009), da sie zu sehr darauf fokussiert sind, die Existenz der Markteffizienz zu beweisen. Sie argumentieren damit, dass Klein et al. (2009) schließlich einen signifikant negativen Renditeeffekt nach Niederlagen festgestellt haben. Ihrer Ansicht nach wird die gemessene Signifikanz in der abschließenden Diskussion zu sehr herunterspielt. Sie erkennen allerdings die Kritik im Versuchsaufbau an und führen die Event-Study unter Berücksichtigung der Mängel sowie mit einem vergrößerten Datensatz erneut durch.[35] Im Gegensatz zu Klein et al. (2009) stellen sie erneut einen symmetrischen Renditeeffekt fest. Sowohl der positive als auch der negative Effekt sind jedoch geringer als bei der ursprünglichen Studie von Ashton et al. (2003). Dies führen sie auf die typische Tendenz zur Annäherung an einen effizienten Markt im Zeitablauf zurück, da dies bereits bei ähnlichen Marktanomalien beobachtet worden ist.[36]

Edmans et al. (2007) untersuchen den Zusammenhang zwischen Fußballergebnissen und Aktienrenditen mit einer deutlich größeren Stichprobe von 39 Ländern. Dazu werden die entsprechenden Leitindizes der Länder zur Messung des Renditeeffekts verwendet. Es ist die erste Studie, die eine konkrete Verbindung zwischen Fußballergebnissen und Aktienrenditen mittels der Investorenstimmung herstellt. Es wird eine signifikant negative Aktienrendite von bis zu -49 Basispunkten am Tag nach einer WM-Niederlage in der K.O.-Runde gemessen. Damit einhergehend stellen sie auch einen stärkeren Effekt bei wichtigen Spielen fest. Allerdings nimmt der Renditeeffekt bei Edmans et al. (2007) eine asymmetrische Gestalt an. Nach Niederlagen wird eine negative, außergewöhnliche Rendite gemessen. Nach Siegen wird jedoch keine positive Rendite beobachtet. Dieser asymmetrische Effekt wird im Folgenden auch als Verlusteffekt bezeichnet. Bei den Nationalmannschaftsspielen in den Sportarten Cricket, Rugby und Basketball werden die gleichen Renditemuster beobachtet. Der Effekt ist zwar geringer als bei Fußballspielen, aber dennoch von ökonomischer und statistischer Bedeutung.[37] Sie schlagen zudem auf der Grundlage der asymmetrischen Struktur des Effekts eine mögliche Arbitragestrategie vor. Durch den Kauf zweier Short-Futures auf die Indizes der beiden aufeinandertreffenden Nationalmannschaften sind unabhängig vom Spielausgang sichere Gewinne möglich. Der Kursverlust im „Verliererland“ ermöglicht ceteris paribus Profite, aufgrund des gleichbleibenden Kurses im „Gewinnerland“ werden dort jedoch keine Verluste gemacht. Edmans et al. (2007) betonen allerdings auftretende Schwierigkeiten bei der Umsetzung der Strategie. Zum einen finden internationale Turniere zu selten statt und zum anderen sind die Transaktionskosten vermutlich zu hoch, um die Ineffizienz tatsächlich ausnutzen zu können.[38]

Kaplanski und Levy (2010) gelangen zur Erkenntnis, dass sogar neutrale Aktienmärkte von den Ergebnissen ausländischer Nationalmannschaften beeinflusst werden können. Ein neutraler Markt liegt vor, wenn die entsprechende Nationalmannschaft an diesem Tag kein Spiel hatte. Auf dem U.S Markt wird eine durchschnittliche Rendite von -2,58 Prozent während der WM-Turniere im Zeitraum von 1950 bis 2007 gemessen. In den Jahren in denen keine WM-Turniere stattgefunden haben, wird über die gleiche Zeitspanne eine Rendite von + 1,21 Prozent beobachtet. Diesen Effekt führen sie auf den hohen Anteil an ausländischen Transaktionen auf dem amerikanischen Aktienmarkt zurück. Dieser hat beispielsweise im Jahr 2006 33 Prozent betragen. Bezugnehmend auf die asymmetrische Struktur des Effekts, welcher bei Edmans et al. (2007) beobachtet wird (s.o.), beschreiben sie eine weitere Arbitragestrategie, die sogar unter Berücksichtigung von Transaktionskosten lohnenswert erscheint. Aufgrund der eben erwähnten hohen Anzahl an ausländischen Transaktionen können sich die Verlusteffekte der lokalen Märkte auf den U.S. Markt übertragen. Auf dem U.S. Markt kommen schließlich alle unterschiedlichen ausländischen Investoren zusammen. Demzufolge hat ein einzelnes Spiel dort zwar eine geringere Auswirkung, die Gesamtmenge der einflussnehmenden Spiele ist jedoch auf dem U.S. Markt deutlich größer als auf einem einzelnen lokalen Markt. Daher erwarten sie, dass der aggregierte, negative Gesamteffekt größer ist als der Effekt auf den einzelnen lokalen Märkten.[39]

Kaplanski und Levy (2014) überprüfen, ob die Marktineffizienz aufgrund des Verlusteffektes bei der darauffolgenden WM 2010 ausgenutzt worden ist. Bei den vorherigen WM-Turnieren ist die Möglichkeit zur Erzielung von außergewöhnlichen Renditen noch ungenutzt geblieben, weil dort vermutlich noch niemand von der Marktanomalie gewusst hat. Kurz vor der WM 2010 sind mögliche Arbitragestrategien für wichtige, internationale Turniere in den Fokus der Medien gelangt. Professionelle Investoren haben zudem ausführliche Investmentstrategien zur Ausnutzung dieser Marktineffizienz vorgeschlagen. Bei der WM 2010 haben sich sowohl der Kursverlauf als auch die Gestalt des Verlusteffektes auf dem U.S. Markt verändert. Die ungerechtfertigten Kurssenkungen aufgrund der Investorenstimmung sind zwar immer noch entdeckt worden, das Zeitfenster zur Ausnutzung des Effektes ist jedoch viel kürzer gewesen. Dies ist ein Indiz dafür, dass die Märkte effizienter geworden sind. Im Laufe der kommenden WM-Turniere sollte der Effekt auf dem U.S. Markt daher verschwinden, wie es bei anderen Marktanomalien auch schon geschehen ist.[40]

Gerlach (2011) gehört zu den Kritikern bezüglich des zuvor häufig festgestellten Zusammenhangs zwischen Aktienrenditen und Fußballergebnissen. Er beobachtet, dass sich die Renditeverläufe zwischen benachbarten Ländern sehr ähneln, unabhängig davon, ob deren Nationalmannschaften ein Spiel absolviert haben. Er stellt schlussendlich keinen Zusammenhang fest. Die Gültigkeit seiner Ergebnisse knüpft er aber an die Bedingung, dass die Renditen der neutralen Märkte von den Spielergebnissen ausländischer Nationalmannschaften unabhängig sind. Kaplanski und Levy (2014) sind jedoch exakt zu diesem Ergebnis gekommen. Gerlach (2011) erhebt allerdings Einwände gegen den Zusammenhang des U.S. Marktes als neutralem Markt und den Spielergebnissen ausländischer Nationalteams. Erstens sind auch bereits in der vierwöchigen Periode vor der WM außergewöhnliche Renditen gemessen worden. Darüber hinaus wird bei EM-Turnieren kein Einfluss auf die U.S. Märkte festgestellt. Und zu guter Letzt hat die Stärke des Zusammenhangs über die Zeit abgenommen, obwohl Ausländer ihre Beteiligungen an U.S. Vermögenswerten erhöht haben.[41]

Eine verwandte Gruppe untersucht den Zusammenhang zwischen Aktienrenditen und Fußballergebnissen anhand von Vereinsmannschaften. Dabei stehen jedoch nicht die gesamtwirtschaftlichen Einflussfaktoren im Fokus, sondern die Auswirkungen der Spielergebnisse auf Aktienkurse von börsengelisteten Fußballvereinen.[42] [43] [44]

Im Allgemeinen ist die Messung eines Zusammenhangs zwischen den Spielergebnissen und den Clubaktien nicht unbedingt direkt mit einer Marktineffizienz in Verbindung zu bringen. Der Free Cashflow kann durchaus vom Erfolg der Vereine beeinflusst werden. Denn allein der AC Mailand hat als Champions League Gewinner im Jahr 2007 40 Millionen Euro von der UEFA erhalten. Insgesamt ist ein Preisgeld von 580 Million Euro an die Mannschaften verteilt worden.[45]

Daran anknüpfend könnte es für einen gesamtwirtschaftlichen Effekt auch eine rationale Erklärung geben. Die Fußballweltmeisterschaft ist für einige Branchen ein wirtschaftlich bedeutendes Ereignis. Demnach wäre es denkbar, dass effiziente Märkte in Abhängigkeit vom Erfolg der Nationalmannschaften ihre Erwartungen über potentielle, wirtschaftliche Profite korrigieren.[46] Adidas-Chef Herbert Hainer hat beispielsweise die WM 2014 als „herausragenden Erfolg“ für sein Unternehmen bezeichnet. Der Sportartikelhersteller Adidas hat mit Deutschland und Argentinien beide Finalteilnehmer ausgerüstet. Es sind alleine vom Titelgewinner Deutschland zwei Millionen Trikots verkauft worden. Allein aus den Verkäufen von Fußballartikeln wird dem DAX-Unternehmen bis Ende des Jahres 2014 ein Rekordumsatz von zwei Milliarden Euro prognostiziert.[47]

Aktienstratege Ralf Zimmermann vom Bankhaus Lampe hält die Auswirkungen für den DAX allerdings für vernachlässigbar, da das Gewicht von Adidas im Index zu gering ist. Der DAX hängt weniger als zwei Prozent von der Entwicklung der Adidas-Aktie ab.[48]

Selbst die Zusatzleistungen von insgesamt 3,5 Milliarden Euro, die aufgrund der WM 2006 in Deutschland erzeugt wurden, sind für das deutsche BIP kaum spürbar gewesen. Denn diese Leistungen machen auf das Jahr hochgerechnet nur 0,03 Prozent am Gesamtanteil aus.[49]

Edmans et al. (2007) nennen außerdem potentielle Stimmungseinflüsse, die auch aus rationaler Sicht Auswirkungen auf die Wirtschaft haben können. Nach Niederlagen könnten sich stimmungsbedingt die Verkaufszahlen von Fußballartikeln, Werbeeinnahmen, die generelle Kauflaune der Menschen oder die Produktivität der Berufstätigen verringern. Allerdings sind sie der Ansicht, dass dieser direkte wirtschaftliche Zusammenhang vernachlässigbar ist. Denn ihre gemessenen Kursverluste schätzen Edmans et al. (2007) als eindeutig zu hoch ein, um den stimmungsinduzierten Renditeeffekt auf ökonomische Determinanten zurückführen zu können.[50] Darüber hinaus stellen sie fest, dass die ex ante Gewinnwahrscheinlichkeiten der Teams keinen Einfluss auf die Höhe des Verlusteffekts haben. Sofern der Erfolg von Nationalmannschaften rationale, ökonomische Auswirkungen hätte, sollten die ex ante Gewinnwahrscheinlichkeiten für Aktienkurse jedoch eine entscheidende Rolle spielen. Diese Tatsachen bekräftigen die Unabhängigkeit der Fußballergebnisse von ökonomisch relevanten Faktoren.[51]

2.3 Siege und Niederlagen und ihre Auswirkungen auf Aktienrenditen

Im vorherigen Abschnitt haben die empirischen Studien unterschiedliche Beobachtungen bezüglich der Auswirkungen der Siege und Niederlagen auf Aktienrenditen gemacht. Der eine Teil der Untersuchungen hat einen symmetrischen Effekt gemessen. Der andere Teil hat allerdings ausschließlich negative Renditen nach Niederlagen entdeckt (siehe 2.2.). Einige Punkte lassen eher auf ein asymmetrisches Renditeverhalten schließen.

Dafür spricht zum einen der Modus des WM-Turniers. In der Gruppenphase gibt es zunächst drei Spiele pro Team. Im Anschluss sind es noch vier K.O.-Runden bis zum Titelgewinn. Während man vor allem in der K.O.-Runde mit einem Sieg lediglich die nächste Runde erreicht, scheidet das Team bei einer Niederlage endgültig aus dem Turnier aus.[52]

Je größer die Bedeutung eines Spiels ist, desto größer sollte auch der Verlusteffekt sein. Edmans et al. (2007) messen bei K.O.-Spielen einen stärkeren negativen Renditeeffekt als bei Gruppenspielen. Sie begründen dies dadurch, dass die Endphase des WM-Turniers einen größeren Einfluss auf die Stimmung der Menschen hat. Denn in der K.O.-Runde ist das Medieninteresse am größten und eine Niederlage ist mit dem direkten Ausscheiden aus dem Turnier verbunden. Im Gegensatz dazu können in der Gruppenphase manche Spielergebnisse irrelevant sein. Am ersten Gruppenspieltag kann sich ein Team beispielsweise unabhängig vom Spielresultat niemals sicher für die K.O-Runde qualifizieren. Andererseits kann ein Team am letzten Gruppenspieltag auch schon sicher ausgeschieden sein. In beiden Fällen sollte das Spielergebnis eine geringe Auswirkung auf die Aktienrenditen haben, sofern die Stimmung der Haupttreiber des Effekts ist.[53]

Auch die Prospect Theory von Kahneman und Tversky (1979) spricht für den asymmetrischen Renditeverlauf. Dort wird der Nutzen von Individuen über den Abstand zu einem neutralen Referenzpunkt bestimmt. Das absolute Wohlstandsniveau hat einen nachrangigen Einfluss auf den wahrgenommenen Nutzen. Der Referenzpunkt dient als Orientierungspunkt um beurteilen zu können, ob ein eingetretener Umweltzustand als Gewinn oder Verlust angesehen wird. Die Nutzenfunktion ist im Verlustbereich steiler als im Gewinnbereich.[54] [55] Dies verdeutlicht die Verlustaversion der Individuen bereits gegenüber kleinster Risiken, welche durch einen entsprechenden Gewinn in gleicher Höhe nicht egalisiert werden können.[56] Im Bezug auf ein Fußballspiel sollte der neutrale Referenzpunkt normalerweise mit den Erwartungen über den Spielausgang eines Fans vor Spielbeginn übereinstimmen.[57] Aufgrund der Verlustaversion wiegt die getrübte Stimmung bei einer Niederlage jedoch schwerer gegenüber der positiven Stimmung bei einem Sieg der Nationalmannschaft.

Der sogenannte „Allegiance Bias“ der von Markman und Hirt (2002) entdeckt worden ist, lässt zusätzlich auf einen verstärkt asymmetrischen Effekt schließen.

Dadurch dass Fans auf einen Sieg ihrer Lieblingsmannschaft hoffen, ist ihr Urteilsvermögen bezüglich der Prognose über den Spielausgang systematischen Verzerrungen unterworfen. Sie rufen verstärkt Erinnerungen aus ihrem Gedächtnis hervor, die die Siegesaussichten ihres Teams erhöhen und ignorieren Fakten, die für eine Niederlage sprechen könnten.[58] Fans überschätzen die Siegeswahrscheinlichkeit ihres Teams um beinahe fünf Prozentpunkte.[59]

Hiermit ist die Gefahr der ex ante Marktineffizienz (vor Spielbeginn) aufgrund von Überoptimismus erläutert worden, welche auch bei Bernile und Lyandres (2011) beschrieben wird. Sie gehen zudem noch auf eine mögliche ex post Ineffizienz der Märkte ein, die sich durch die Auflösung der Unsicherheit begründen lässt.[60]

[...]


[1] Vgl. Statman, 1999, S. 18.

[2] Vgl. Fama, 1970, S. 383.

[3] Vgl. Hirshleifer, 2001, S. 1533.

[4] Vgl. Statman, 1999, S. 18, 26.

[5] Vgl. Boyle / Walter, 2003, S. 225.

[6] Vgl. Edmans et al., 2007, S. 1968.

[7] Vgl. Hirt et al., 1992, S. 724-725.

[8] Vgl. Schwarz et al., 1987, S. 71, 77.

[9] Vgl. Bless et al., 1996, S. 665.

[10] Vgl. Hirshleifer, 2001, S. 1012.

[11] Vgl. Schweitzer et al., 1992, S. 75-76.

[12] Vgl. Arkes et al., 1988, S. 184-186.

[13] Vgl. Caroll et al., 2002, S. 1439.

[14] Vgl. Trovato, 1998, S. 118.

[15] Vgl. White, 1989, S. 432.

[16] Vgl. Edmans et al., 2007, S. 1969.

[17] Vgl. Edmans et al., 2007, S. 1968.

[18] Vgl. Ashton et al., 2003 , S. 783.

[19] Vgl. Edmans et al., 2007, S. 1970.

[20] Vgl. Edmans et al., 2007, S. 1971.

[21] Vgl. Boyle / Walter, 2003, S. 226.

[22] Vgl. Bernile / Lyandres, 2011, S. 357.

[23] Vgl. Hirshleifer / Shumway, 2003, S. 1009-1013.

[24] Vgl. French / Poterba, 1991, S. 222.

[25] Vgl. French / Poterba, 1991, S. 225.

[26] Vgl. Hirshleifer / Shumway, 2003, S. 1012.

[27] Vgl. Arkes et al., 1988, S. 191-192.

[28] Vgl. Iliewa / Wang, 2014, S. 14.

[29] Vgl. Iliewa / Wang, 2014, S. 1-5.

[30] Vgl. Iliewa / Wang, 2014, S. 23.

[31] Vgl. Iliewa / Wang, 2014, S. 1-5.

[32] Vgl. Ashton et al., 2003, S. 784-785.

[33] Vgl. Klein et al., 2009, S. 3287-3289.

[34] Vgl. Klein et al., 2009, S. 3292-3293.

[35] Vgl. Ashton et al., 2011, S. 3709-3710.

[36] Vgl. Ashton et al., 2011, S. 3716.

[37] Vgl. Edmans et al., 2007, S. 1967.

[38] Vgl. Edmans et al., 2007, S. 1991-1992.

[39] Vgl. Kaplanski / Levy, 2010, S. 535-536.

[40] Vgl. Kaplanski / Levy, 2014, S. 41.

[41] Vgl. Gerlach, 2011, S. 879-880.

[42] Vgl. Scholtens / Peenstra, 2009, S. 3231.

[43] Vgl. Palomino et al., 2009, S. 368.

[44] Vgl. Bernile / Lyandres, 2011, S. 357.

[45] Vgl. Scholtens / Peenstra, 2009, S. 3231.

[46] Vgl. Ashton et al., 2003, S. 783.

[47] Vgl. www.mz-web.de.

[48] Vgl. www.rhein-zeitung.de.

[49] Vgl. www.tagesspiegel.de.

[50] Vgl. Edmans et al., 2007, S. 1984-1985.

[51] Vgl. Edmans et al., 2007, S. 1967, 1988.

[52] Vgl. Edmans et al., 2007, S. 1971.

[53] Vgl. Edmans et al., 2007, S. 1977.

[54] Vgl. Kahneman / Tversky, 1979, S.263.

[55] Vgl. Edmans et al., 2007, S. 1971.

[56] Vgl. Hirshleifer, 2001, S. 1545.

[57] Vgl. Edmans et al., 2007, S. 1971.

[58] Vgl. Markman / Hirt, 2002, S. 61.

[59] Vgl. Bernile / Lyandres, 2011, S. 358.

[60] Vgl. Bernile / Lyandres, 2011, S. 357-358.

Details

Seiten
43
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783668476752
ISBN (Buch)
9783668476769
Dateigröße
1.3 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v369011
Institution / Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München
Note
1,30
Schlagworte
Corporate Finance Behavioral Finance Fussball Sport Aktienmarkt Weltmeisterschaft Überraschung Börse Kapitalmarkt Aktien Finanzierung Investitionen Finance WM Finanzmarkt Verhalten Behavior

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Titel: Zusammenhang zwischen der Fußball-WM und Aktienrenditen. Einfluss von überraschenden Spielresultaten auf Aktienkurse