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Diakonat der Frau. Historischer und kirchenrechtlicher Kontext sowie aktuelle Diskussion

Hausarbeit 2016 20 Seiten

Theologie - Biblische Theologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.) Einleitung

2.) Frauen und ihre Funktionen im neuen Testament
2.1) Die Rolle der Frau in den Evangelien und in den paulinischen Briefen
2.2) Phoebe im Römerbrief und ihre Aufgaben
2.3) Phoebe als διακονος-Diakonin oder Dienerin?

3.) Historischer Kontext
3.1) Diakonissen in den frühen Gemeinden
3.2) Das Diakonat als reine Vorstufe zum Priesteramt
3.3) Wiederbelebung des ständigen Diakonats ab dem zweiten vatikanischem Konzil
3.4) Liturgische Aspekte für den Frauendiakonat

4.) Kirchenrechtlicher Kontext
4.1) Definition des Diakons
4.2) Unterschied zwischen Priester und Diakon

5.) Die aktuelle Diskussion
5.1) Die Aussagen des Papstes
5.2)Die nächsten Schritte

6.)Fazit

7.)Literaturverzeichnis

1.) Einleitung

Im Mai 2016 machte Papst Franziskus bei einer Audienz mit Ordensfrauen eine Aussage, die hohe Wellen schlagen sollte. Schnell verbreitete sich auf allen medialen Wegen die Nachricht, dass Papst Franziskus prüfen werde, ob eine Zulassung der Frau zur Weihe und zum Amt der Diakonin möglich ist. Es begann eine neue Diskussion darüber, ob dieser Schritt möglich sein könnte und die Rolle der Frau in der katholischen Kirche wurde von neuem diskutiert. Genau so schnell kamen aber auch Gegenstimmen auf, und selbst Papst Franziskus relativierte seine Aussagen und betonte, nicht genauestens eine Aussage über die Einführung des Diakonat der Frau gemacht zu haben, sondern dass er nur eine Kommission einrichten möchte, die über dieses Thema diskutiert.[1] Es ist nun die Absicht dieser Arbeit sich mit diesem Thema zu beschäftigen, es in seiner Vielfalt zu analysieren und zu prüfen, auf welche Art und Weise die Aussagen des Papstes verstanden werden sollten. Hierbei sollen in einem ersten Schritt aus einem exegetischen Standpunkt die Evangelien sowie die Paulusbriefe anhand ihrer Aussagen über die Frauen in der Urgemeinde analysiert werden. Einen besonderen Schwerpunkt wird hierbei der Abschluss des Römerbriefes ( vgl.Röm 16,1-2) sein, in dem Paulus der Gemeinde in Rom eine Frau mit dem Namen Phoebe empfiehlt. Es erscheint interessant zu prüfen, wer diese Phoebe war und in welchem Umfang ihr Amt zu dem des Diakons in Bezug gesetzt werden kann. Dabei ist es notwendig auf linguistische Weise zu prüfen, welche unterschiedlichen Übersetzungen des Wortes διακονος im Koine-Griechisch möglich sind und auf welche Art und Weise dadurch das Schlusskapitel des Römerbriefes verstanden werden kann. In einem zweiten Schritt soll dann durch einen historischen Blickwinkel weiterführend die Entwicklung der Ämter in der Kirche behandelt werden, und in welcher Form Frauen in dieser Entwicklung eine Rolle gespielt haben. Besonders in der früheren Zeit, als die Kirche noch ungeteilt war, kam es besonders in den östlichen Patriarchaten, aber auch in der Westkirche zur Weihung von Frauen in das Amt des Diakons.[2] Erst im Laufe der Jahrhunderte entwickelte sich die Haltung innerhalb der Kirche von einer, den Frauen Einfluss gebenden, zu einer, in der die wichtigen Ämter für Frauen nicht geöffnet sind. Hier soll diskutiert werden, wie es zu dieser Entwicklung kommen konnte und was dazu geführt hat. Dafür wird die Problematik des Diakonenamtes bis zum zweiten vatikanischem Konzil betrachtet werden. Erst seit diesem gibt es überhaupt wieder das Amt des ständigen Diakons, da vorher der Diakon nur eine Vorstufe zum Priesteramt war.[3]. In einem nächsten Schritt soll dann noch anhand eines kirchenrechtlichen Blickwinkels die Dimension des Diakonenamtes definiert werden. Erst einmal ist es hierbei von Notwendigkeit,einen allgemeinen Überblick über die kanonische Definition des Diakons mithilfe des Codex iuris canonici[4] zu geben und im folgenden dann den genaueren Unterschied zwischen dem Priesteramt und dem Amt des Diakons darzustellen. All dies führt zum abschließendem Punkt, bei dem die durch den Papst ausgelöste Diskussion zusammenfassend genauer angeschaut werden soll. Was hat Papst Franziskus gesagt? Was waren seine Absichten? So soll anhand verschiedenster Leitfragen in dieser Arbeit auf eine exegetisch-historische als auch auf eine kirchenrechtliche Art und Weise die Möglichkeit des Frauendiakonats geprüft werden, um diese Ergebnisse dann mit den Aussagen des Papstes in Bezug zu setzen. Abschließend soll daher als Ziel dieser Arbeit eine wissenschaftliche Position zum Frauendiakonat formuliert werden, die Bezug und Stellung zu dieser aktuellen Diskussion nehmen wird.

2.) Frauen und ihre Funktionen im neuen Testament

Um einen guten ersten Überblick über die Thematik des Frauendiakonats zu erhalten, ist es sinnvoll exegetisch vorzugehen. Dabei soll im Folgenden die Rolle der Frau im neuen Testament analysiert werden, und dabei besonders auf Röm 16, 1 + 2 eingegangen werden. Es wird eine inhaltliche sowie sprachliche Analyse dieser Textstelle stattfinden um schließlich zu klären, was diese über Frauen im Amt des Diakons aussagt.

2.1) Die Rolle der Frau in den Evangelien und in den paulinischen Briefen

In den Evangelien als auch in den paulinischen Briefen spielen Frauen eine große Rolle. Im Gegensatz zu der sich im Laufe der Geschichte entwickelnden Ausgrenzung von Frauen aus wichtigen Ämtern und Positionen, treten sie hier noch als starke Persönlichkeiten auf, die an vielen Lebensereignissen Jesu teilhaben und später bei Paulus sogar leitende Funktionen ausüben.Wenn man das neue Testament genau liest, begegnen einem immer wieder Frauen, denen Jesus auf seinem Weg begegnet oder die ihn auf seinem Weg bis zum Kreuz, begleiten. Haben ihn seine Jünger zum Schluss bis auf Johannes verlassen, stehen ihm bei seinem Leiden mehrere Frauen zur Seite. Im Folgendem sollen nun einige dieser Frauen, mit denen Jesus selbst Kontakt hatte und die ihm begegneten, kurz vorgestellt werden. Alle diese Frauen stammten aus einer antiken Gesellschaft, die sehr patriarchalisch definiert war. In ihr waren die Frauen ganz dem Mann untergeordnet und „ihr Körper gehörte einzig und allein ihrem Mann“[5]. Jede Frau sollte sich ganz und vollständig dem Haushalt widmen. Wenn sie das Haus verlies, musste sie immer von ihrem Mann begleitet werden und niemand durfte sie direkt ansprechen.[6] Jesus dagegen spricht mit den Frauen. Er tritt ihnen ebenbürtig gegenüber und weicht auch nicht vor gesellschaftlich ausgeschlossenen Frauen, wie zum Beispiel Aussätzigen und Kranken, zurück. Gleichzeitig muss er aber auch nicht zu ihnen kommen, denn all diese Frauen traten ihm mutig gegenüber. Ein gutes Beispiel hierfür ist die blutflüssige Frau (vgl.Lk 8,43-48 sowie auch Mt 9, 20-22 und Mk 5, 25-34). Da sie an einer Krankheit litt, bei der Flüssigkeiten aus ihr austraten, befand sie sich in einer sehr ausweglosen Situation.[7] Durch ihre Krankheit galt sie als unrein und ohne Rechte. Erst recht durfte sie niemanden berühren, bahnt sich jedoch ihren Weg durch die Menge und berührt Jesus am Gewand. Jesus weist sie nicht zurück, fordert sie aber auf, sich zu erkennen zu geben und spricht sie schließlich von ihrer Krankheit los.[8] So erhält diese Frau nicht nur durch Jesus Rechte, sondern sie bricht auch selbst aus gesellschaftlichen Konventionen aus und wird zu einer starken Persönlichkeit. Ähnlich verhält es sich mit den Frauen am Grab (vgl.Lk 24,1-11). In der antiken Gesellschaft wurden Frauen als Zeugen nicht wahrgenommen. Es war immer mindestens das Zeugnis zweier Männer notwendig, damit es Bestand hatte.[9] Nichts desto trotz waren es Magdalena, Johanna und einige andere Frauen, die als Erste Zeuginnen der Auferstehung wurden. Sie behielten dies aber nicht für sich, sondern gingen direkt zu den Jüngern, um ihnen das Erlebte mitzuteilen, wohl wissend, dass diese ihnen nicht glauben würden. In beiden Stellen des neuen Testamentes lösen sich die Frauen also aus ihrer gesellschaftlich vorgeschriebenen Rolle und handeln als selbstbewusste Persönlichkeiten. Hinzu kommt, dass Gott selbst ihnen diese Rolle zuspricht. Jesus lässt sich von der kranken Frau berühren, obwohl er weiß, dass ihn dies unrein macht und Gott erwählt Frauen als erste Zeuginnen der Auferstehung, obwohl Männer aus Sicht der damaligen Gesellschaft würdiger dafür gewesen wären. Die Frau bekleidet in den Evangelien also eine verantwortungsvolle Position, welches sich auch in den Paulusbriefen weiter fortsetzt. Auch hier wird eine große Anzahl von Frauen genannt und erwähnt. Sie treten als eigenständige und selbstbewusste Personen in Unabhängigkeit von ihrem Mann auf, was in der griechisch-römischen Gesellschaft skandalisiert haben muss.[10] Als Beispiele sollen hier Prisca(vgl.Röm 16, 3-5) und Nympha(vgl.Kol 4,15) genannt werden. Ein besonderer Schwerpunkt wird dann im folgenden auch auf Phoebe gelegt werden, da diese von Paulus mit dem griechischen Wort διακονος(Diakon, Diener) angesprochen wird. Prisca ist die Ehefrau des Aquila. Beide waren während des Judenedikts von Rom nach Korinth geflohen und haben in der dortigen paulinischen Gemeinde gelebt. Während Paulus in Korinth war, war er bei ihnen zu Gast und es verband sie daher eine engere Verbindung. Prisca und Aquila waren nun wieder nach Rom zurückgekehrt, und so grüßt Paulus am Ende seines Briefes an die Römer auch diese beiden. Hierbei ist interessant, dass Prisca vor ihrem Mann genannt wird, was zum einen von einer großen Achtung des Paulus ihr gegenüber spricht, zum anderen aber auch ihre Stellung in der römischen Gemeinde erkennen lässt. Dem Römerbrief zufolge fanden nach ihrer Rückkehr wohl alle Veranstaltungen in ihrem Haus statt und sie hatte in der Gemeinde daher eine verantwortungsvolle Position inne.[11] Ein weiteres Beispiel ist Nympha, welche im Brief an die Kolosser erwähnt wird. Sie war die Leiterin der Hausgemeinde in Laodicea und hatte wohl auch den Vorsitz bei der Feier des Abendmahles in der dortigen Gemeinde.[12] Festzuhalten ist also, dass es auch in den frühen christlichen Gemeinden der paulinischen Zeit, im Gegensatz zur eigentlichen Stellung der Frau in der damaligen Zeit, viele Frauen mit verantwortungsvollen und angesehenen Positionen gab. Für das Thema dieser Arbeit ist nun besonders auch Phöbe (vgl.Röm 16,1-2) interessant, welche Paulus am Ende seines Briefes erwähnt. Im folgenden soll diese Thematik nun näher behandelt werden.

[...]


[1] Radio Vatikan. Vatikan: Kommission zum Diakonat der Frau gegründet. 02.08.2016. im Internet: http://de.radiovaticana.va/news/2016/08/02/vatikan_kommission_zum_diakonat_der_frau_gegründet/1248702 (aufgerufen am 02.08.16 um 16:55 Uhr)

[2] vgl. Winkler, Dietmar (Hrsg.): Diakonat der Frau - Befunde aus biblischer, patristischer, ostkirchlicher, liturgischer und systematisch theologischer Perspektive. LIT-Verlag. Wien 2013 (2.Auflage) 5

[3] vgl. Annette Noller, Ellen Eidt, Heinz Schmidt (Hrsg.): Diakonat - theologische und sozialwissenschaftliche Perspektiven auf ein kirchliches Amt. Band 3 in: „Diakonat-neu gedacht, neu gelebt“. Kohlhammer-Verlag. Stuttgart 2013. 238

[4] vgl. Deutsche Bischofskonferenz (Hrsg.): Codex iuris canonici- Codex des kanonischen Rechtes (7.Auflage). Verlag Butzon und Bercker. Rom 2012

[5] vgl. Saunders, Ross: Frauen im neuen Testament -zwischen Glaube und Auflehnung. Primus Verlag. Darmstadt 1999. 23

[6] siehe 5

[7] vgl. Saunders. 43

[8] vgl. Saunders. 44 + 45

[9] vgl. Saunders. 67 + 68

[10] vgl. Saunders. 113

[11] vgl. Saunders. 114

[12] vgl. Saunders. 116

Details

Seiten
20
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668472693
ISBN (Buch)
9783668472709
Dateigröße
659 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v368982
Institution / Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Note
1,3
Schlagworte
diakonat frau historischer kontext diskussion

Autor

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