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Musik-Apps. Musikinstrumente der Zukunft?

Hausarbeit 2016 17 Seiten

Musikwissenschaft

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Das Musikinstrument

3. Musik-Apps
3.1. Funktionsweise ausgewählter Musik-Apps
3.2. Musikprojekte mit Apps
3.3. Klassifizierung von Musik-Apps

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

6. Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

Musik begleitet die meisten Menschen in ihrem Alltag. Mit Tablets und Smartphones können wir Musik hören wann und wo wir wollen. Doch die reine Musikwiedergabe ist nicht das Einzige, was die mobilen Geräte können. Durch unzählige Apps kann das Smartphone oder Tablet auch zum Musikinstrument werden. So erzählte Damon Albarn, der Erschaffer der Band Gorillaz, beispielsweise, dass er ein ganzes Album nur mit Hilfe von Musik-Apps aufnahm: „I’ve made it on an iPad – I hope I’ll be making the first record on an iPad. I fell in love with my iPad as soon as I got it, so I’ve made a completely different kind of record.”[1] Auch das DigiEnsemble Berlin nutzt Smartphones und Tablets als Musikinstrumente. Mit Musik-Apps, die eigentlich als Anwendungen zum Zeitvertreib programmiert wurden, entwickeln die jungen Musiker professionelle Musikprojekte.[2]

In dieser Arbeit möchte ich mich deshalb der Frage widmen, ob Musik-Apps gleichzeitig auch als eigenständige Musikinstrumente zu definieren sind oder nur die digitale Version bereits bestehender Instrumente darstellen. Eine weitere Frage, die ich untersuchen möchte ist, ob Musik-Apps normale Instrumente in Zukunft ersetzen könnten. Hierzu werde ich im ersten Teil meiner Arbeit versuchen eine eigene Definition für ein Musikinstrument zu formulieren. Im Anschluss gehe ich dann genauer auf die Musik-Apps selbst ein, erläutere anhand einiger Apps ihre Funktionsweise und zeige weitere Beispiele für den professionellen Gebrauch von Musik-Apps. Alle Applikationen, deren Funktionsweise ich beschreiben werde, benutze ich auch selber, weshalb allein die Apps mir in diesem Teil als Quellen ausreichen werden. Im dritten Teil werde ich mögliche Klassifizierungen der Apps diskutieren und in einem abschließenden Fazit werde ich einen Vergleich zwischen den anfänglich zusammengetragenen Definitionen und den Musik-Apps ziehen, um meine Ausgangsfragen zu beantworten.

2. Das Musikinstrument

Schon bei dem Wort Instrument allein, denken viele automatisch auch an Musikinstrumente und selbst der Duden erklärt das Wort unter anderem als eine Kurzform für Musikinstrument.[3] Doch seinen eigentlichen Ursprung hat es im Lateinischen, wo es Werkzeug oder Gerät bedeutet. Das passt zu der Definition von Michael Dickreiter, nach der ein Musikinstrument „ein Gerät [ist], mit dem man Schall erzeugen kann, den wir als Musik bezeichnen“[4], wobei es Ansichtssache ist, welcher Schall auch als Musik bezeichnet werden kann.

Um diese Definition etwas genauer zu gestalten, ist es angebracht die Begriffe Werkzeug/Gerät und Musik genauer zu erläutern. Unter einem Werkzeug verstehe ich im künstlerischen Sinne etwas mit dem man arbeiten kann und womit man kreativ sein kann. Den Begriff Musik möchte ich hier sehr breitgefächert definieren, weshalb ich mich einer Definition von John Cage anschließe. In einem Vortrag von 1937 definiert er Musik als eine Klang-Geräusch-Organisation:

Wo immer wir auch sein mögen, zumeist hören wir Geräusche. Beachten wir sie nicht, stören sie uns. Hören wir sein, finden wir sie faszinierend (…). Sollte das Wort Musik heilig sein und den Instrumenten des 18. Und 19. Jahrhunderts vorbehalten, können wir dafür ein sinnvolles einsetzen: Klangorganisation.[5]

Zusammenfassend definiere ich ein Musikinstrument in dieser Arbeit also als ein Arbeitsmittel, mit dem man kreativ sein kann und es ermöglicht Schall zu erzeugen, der eine Klang-Geräusch-Organisation ergibt.

3. Musik-Apps

Musik-Apps sind ein Beispiel für das Zusammentreffen von Kunst und Technik. Allein im Apple App Store existieren mehr als 60.000 Apps in der Kategorie Musik und ähnliche Zahlen lassen sich auch für die App Stores von Android und Windows finden[6]. Neben den Musikplayern, Radio- und Podcastapps existieren auch zahlreiche Applikationen, die es dem Nutzer ermöglichen selbst zum Musiker zu werden. Das geht mit Apps, die sich zur Musikproduktion eignen, über Apps, die normale Instrumente imitieren, bis hin zu Apps, die auch mit der Stimme als Instrument arbeiten. Anhand einiger Beispiele möchte ich nachfolgend die Funktionsweise und die musikalischen Möglichkeiten von Apps als Musikinstrumente beschreiben.

3.1. Funktionsweise ausgewählter Musik-Apps

Mit Apps Musik zu machen hat gegenüber normalen Instrumenten den Vorteil, dass sie meist auf Erfolg angelegt sind und besonders einsteigerfreundlich entwickelt wurden. Für die meisten Applikationen benötigt man weder Notenkenntnis noch Spieltechnik. Bei der App SoundPrism beispielsweise genügen schon zwei Finger, um Musik zu machen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Bsp. 1: Screenshot Soundprisme

Wie die Abbildung zeigt besteht die Nutzeroberfläche aus vier Spalten. Die grüne Spalte auf der linken Seite ist der Bereich in dem die Bassnoten gespielt werden. Er zeigt also auch die jeweilige Tonart an, in der man sich befindet. Auf der Abbildung befinden wir uns in C-Dur. Der Grundton liegt in der Mitte und die Tonleitertöne sind in Terzabständen aufgelistet. Dur-Akkorde haben jeweils einen Groß- und Moll-Akkorde einen Kleinbuchstaben. Die größere ebenfalls grüne Spalte auf der rechten Seite ist der Akkord-Bereich, der einem Keyboard ähnelt. Die tiefen Noten sind hier ganz links und die hohen Noten ganz rechts. Zusätzlich ist der Bereich in mehrere waagerechte Linien aufgeteilt, die abwechselnd heller und dunkler sind, um Moll und Dur voneinander zu unterscheiden. Wenn man über diesen Bereich fährt, merkt man schnell, dass nicht nur eine Note gespielt wird. Das hängt mit den Einstellungen in der zweiten Spalte von Links zusammen. Die drei oberen Schaltflächen dieser Spalte bestimmen, ob man eine, zwei oder drei Noten gleichzeitig spielt.

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Bsp. 2: Screenshots Soundprisme beim Spiel von einer, zwei und drei Noten

Die drei unteren Flächen legen die gespielten Oktaven fest. So ist es möglich eine Note anzutippen und gleichzeitig auch die Note ein oder zwei Oktaven Höher zu spielen. Die beiden Eigenschaften kann man dann kombinieren, um einen volleren Klang zu erhalten. Streicht man in dieser Spalte nach oben erscheint eine Klaviertastatur, die zusätzlich zeigt, welche Tasten theoretisch auf einem Klavier gespielt werden würden. Die letzte verbleibende Spalte beinhaltet zwei Pfeile, die für den Wechsel in eine andere Tonart benötigt werden. Die Schaltfläche mit der Hand ist die „Hold-Taste“. Sie ermöglicht es einen Akkord so lange zu halten bis ein neuer gespielt wird. Mit der Taste darüber kann man die Klangfarbe festlegen, die von normalem Klavierklang, über Orgelklang bis hin zu dem Klang eines Synthesizers oder nicht mit einem normalen Instrument vergleichbaren Klängen reicht. Die letzte Taste führt zum Hauptmenü, in dem man schließlich die gespielten Stücke auch aufnehmen und zur Weiterverarbeitung als Sounddatei speichern kann.

Insgesamt stecken hinter Soundprism viele Grundlagen aus der Harmonielehre, wie der Quintenzirkel, die Terzschichtung und leitereigenen Drei- und Vierklänge. Diese sind aber in dem Programm so einfach kombiniert, dass sie von jedem auch ohne musikalische Vorbildung angewendet werden können um einfach Melodiesequenzen zu spielen, breite Klangteppiche zu erzeugen und in Verbindung mit anderen Apps ganze Songs zu produzieren.

Eine App, die sich gut mit Soundprism kombinieren lässt, ist Patterning, eine Applikation zur Erstellung von Beats.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Bsp. 3: Screenshot Patterning

Wie man sieht ist das Design der Benutzeroberfläche diesmal kreisförmig. Die Kreise ganz links sind die acht verschiedenen Loops, mit denen man unterschiedliche Beats spielen kann. In diesem Beispiel ähnelt der Aufbau dem eines Schlagzeugs, denn von Oben nach Unten kann man auf der linken Seite zwischen Kick drum, Snare drum, closed Hi-Hat, open Hi-Hat, Crash-Becken, Noise-Gate und zwei Toms wählen. Unter dem Menüpunkt „Drumkit“ ist es aber auch möglich zwischen weiteren Loops zu wählen, die keinem anderen Instrument nachempfunden sind. Die Beats selber erzeugt man auf der großen mittleren Kreisfläche, dem Pattern-Editor, durch simples Wischen und Ziehen. Der Pattern-Editor besteht aus 8 Ringen, die sich durch die Schaltflächen auf der linken Seite auswählen lassen. Jeder Ring ist in Schritte unterteilt, die sich durch Berührung hinzufügen zu lassen. Berührt man den Schritt weit entfernt vom Mittelpunkt wird er lauter, berührt man ihn nah am Mittelpunkt wird er leiser. Wie viele Schritte ein Ring hat lässt sich auf der rechten Seite einstellen. Möglich sind bis zu 64 Schritte. Weitere Einstellungen, die sich vornehmen lassen sind Step Duration, Wiedergabemodus und Auto-Rotate. Unter Step Duration wählt man den Notenwert, der bei Patterning von ganzen bis hin zu zweiunddreißigstel Noten gehen kann. Der Wiedergabemodus bestimmt, ob der Loop vorwärts, rückwärts oder zufällig abgespielt wird. Auto-Rotate bestimmt um wie viele Schritte sich der Ring drehen soll, nachdem er durchgespielt ist. Neben diesen Bearbeitungsmöglichkeiten, die sich auf die einzelnen Ringe im Pattern-Editor beziehen, liefert Patterning noch ein Mischpult und verschiedene Filter, um das gesamte Werk zu bearbeiten und zu experimentieren.

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Bsp. 4: Screenshots Funktionen Filter und Mischpult in Patterning

Eine App, die vor allem mit der Stimme arbeitet, ist Improvox. Sie ermöglicht Tonhöhenkorrekturen, Harmonisierungen und die Anwendung von Effekten sowohl bei aufgenommenen Sequenzen als auch in Echtzeit.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Bsp. 5: Screenshot Improvox

Um die Stimme in Echtzeit zu verändern reicht es schon in das normale Mikrofon am Tablet zu sprechen. Die Anwendung verändert die Stimme dann entsprechend den gewählten Einstellungen. In der unteren linken Ecke kann man beispielsweise die Tonart mit den Pfeiltasten oder mit der eigenen Stimme ändern. In der unteren rechten Ecke wählt man dann dazu das passende Tongeschlecht. Das traurige Gesicht steht für Moll und das fröhliche Gesicht für Dur. Auf der linken Hälfte des Touchpads ist es dann möglich je nach Tonart Terz, Quinte, Oktave oder alle drei zusammen zur Stimme hinzuzufügen. Auf der unteren Leiste mittig kann man unter der Kategorie „Style“ dann noch zusätzlich auswählen in welchem Musikstil die Harmonisierung erfolgen soll. Improvox bietet hierfür die Stile Chor, Pop, Barbershop, Jazz und Barock. Auf der rechten Hälfte bietet die App dann noch verschiedene Effekte wie Echo, Hall und Höhleneffekt. Etwas unbekannter ist der Stutter-Effekt, bei dem das Gesungene rhythmisch auseinander gehackt und wird, um ein Stottern zu erzeugen. In beiden Hälften der App gilt, dass der Effekt zu nimmt je weiter man den Finger in die Ecke zieht. Oben Links befindet sich der „Controls“ Bereich, in dem man auswählen kann, ob sich die Tonhöhenkorrektur nur auf die eigene Stimme, auf die hinzugefügten Stimmen oder auf Beides beziehen soll.

Soundprism, Patterning und Improvox lassen sich alle mit einer vierten App kombinieren: Audiobus. Diese Anwendung ist eine Art leicht zu bedienendes Mischpult für verschiedene Apps.

[...]


[1] Adam Bychawski: Damon Albarn records new Gorillaz album on an iPad, URL: http://www.nme.com/news/gorillaz/53816, Stand: 07.06.2016.

[2] Vgl. Digisemble Berlin – Musik mit Apps URL: http://www.digiensemble.de/about/, Stand: 07.06.2016.

[3] Vgl. Duden: Instrument, das, URL: http://www.duden.de/rechtschreibung/Instrument, Stand 23.06.2016.

[4] Dickreiter, Michael: „Musikinstrumente; Moderne Instrumente; Historische Instrumente; Klangakustik“, Kassel: Bärenreiterverlag, 2007, S. 11.

[5] Block, Rene; Dombois,Lorenz; Hertling, Nele; Volkmann, Barbara: „Für Augen und Ohren. Von der Spieluhr zum akustischen Environment. Objekte - Installationen – Performances“, Ausstellungskatalog, Berlin: Akademie der Künste, 1980, S. 174f.

[6] Vgl. Mobile Apps- Statista-Dossier, veröffentlicht von Statista GmbH, URL: http://de.statista.com/statistik/studie/id/11697/dokument/mobile-apps-statista-dossier/, Stand: 07.06.2016.

Details

Seiten
17
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668478626
Dateigröße
1.1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v368921
Institution / Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin
Note
1,7
Schlagworte
musik-apps musikinstrumente zukunft

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Titel: Musik-Apps. Musikinstrumente der Zukunft?