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Die Bedeutung von Hedgefonds als Investitionsmöglichkeit in der modernen Ökonomie

Seminararbeit 2016 16 Seiten

BWL - Investition und Finanzierung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Konzept von Hedgefonds
2.1 Definition und Charakteristika
2.2 Historischer Hintergrund
2.3 Anlagestrategien
2.3.1 Relative Value
2.3.2 Event Driven
2.3.3 Opportunistic

3 Bedeutung von Hedgefonds für die moderne Ökonomie
3.1 Beeinflussung der Kapitalmärkte
3.1.1 Positive Einflüsse von Hedgefonds
3.1.2 Negative Einflüsse von Hedgefonds
3.2 Konsequenzen für Investoren
3.3 Auswirkungen auf Unternehmen

4 Regulierung von Hedgefonds
4.1 Regulierungsnotwendigkeiten
4.2 Mögliche Regulierungsmassnahmen

5 Fazit & Zukunftsprognose

Literaturverzeichnis

Abstract

Die vorliegende Arbeit befasst sich mit dem Thema Hedgefonds. Dabei wird deren Bedeutung als alternative Investitionsmöglichkeit auf den Kapitalmärkten bzw. deren Relevanz für die moderne Ökonomie analysiert.

Konkret soll im Folgenden untersucht werden, welchen Einfluss die Geschäftstätigkeit von Hedgefonds auf den Finanzmarkt und die Marktteilnehmer hat, welche groben Regulierungsmöglichkeiten existieren und inwiefern eine Regulierung dieser speziellen Anlageform generell sinnvoll ist. Dabei wird in dieser Arbeit bewusst keine allzu detaillierte Darstellung der rechtspolitischen Hintergründe vorgenommen, da die meisten bisherigen Regulierungsmassnahmen ausschliesslich auf nationaler Ebene durchgeführt werden und sich von ihrer jeweiligen Herangehensweise stark voneinander unterscheiden. Vielmehr wird eine allgemeingültige Feststellung darüber gemacht, welche Akteure wie stark von den Konsequenzen der Aktivitäten von Hedgefonds betroffen sind und der Schluss gezogen, dass die positiven Effekte dieser Form der Investition auf den Finanzsektor mindestens mit den negativen gleichzusetzen sind.

Darüber hinaus wird festgehalten, dass gewisse Massnahmen zur Risikoeinschränkung mit Hinblick auf die Prävention weiterer Finanzkrisen durchaus notwendig sind, jedoch eine zu strenge Regulierung eher kontraproduktive Auswirkungen auf den Finanzmarkt hätte.

Die Analyse macht deutlich, dass es noch extremen Forschungsbedarf in diesem Bereich gibt, hebt jedoch zugleich auch den Handlungsbedarf im wirtschaftspolitischen sowie -rechtlichen Sektor mit Hinblick auf die künftige Finanzmarktentwicklung hervor.

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Entwicklung des verwalteten Vermögens der Hedgefonds global von 1997 bis zum 2. Quartal 2016

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Methodik und Anlageformen unterschiedlicher Investmentstrategien

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

„Sie bleiben anonym, haben kein Gesicht, fallen wie Heuschreckenschwärme über Unternehmen her, grasen sie ab und ziehen weiter.“ So äusserte sich der damalige SPD-Vorsitzende Franz Müntefering am 17. April 2005 im Rahmen eines Interviews mit der Bild am Sonntag zum Thema Hedgefonds und kritisierte damit die Herangehensweise gewisser Anlagestrategien im Finanzmarkt (Franz Müntefering, 2005). Dieses Zitat entwickelte eine ungeahnte Popularität und entfachte eine sehr kontroverse Debatte über die Auswirkungen von Hedgefonds-Aktivitäten auf den Finanzsektor, die bis heute anhält.

Allerdings ist diese negative Darstellung der Anlageform angesichts ihrer wachsenden Beliebtheit bei den Investoren zu hinterfragen.

Hedgefonds sind eine Form der finanziellen Anlage. Darunter lässt sich eine Vielzahl unterschiedlicher Investmentfonds zusammenfassen, die von Hedgefonds-Managern aktiv investiert bzw. verwaltet werden. Was sie alle gemeinsam haben ist das Ziel, exzeptionell hohe Renditen zu erzielen, die das durchschnittliche Niveau herkömmlicher Anlagen deutlich übersteigen. Im Gegenzug dafür muss mit einem höheren Risiko gerechnet werden. Die einzelnen Hedgefonds verfolgen eine breite Palette verschiedener Anlagestrategien, wobei sich die jeweiligen Risiko- sowie Gewinnchancen stark unterscheiden können (Racicot & Théoret, 2014).

Welche Bedeutung haben Hedgefonds als alternative Investitionsmöglichkeit auf den Kapitalmärkten der modernen Ökonomie?

Diese Frage soll im Folgenden genauer untersucht werden. Das Thema ist sehr aktuell und der Forschungsstand noch unausgereift. Daher wird sich diese Arbeit hauptsächlich mit qualitativen Faktoren beschäftigen, um herauszufinden, inwiefern die Geschäftstätigkeit von Hedgefonds sich auf den Finanzmarkt und deren Marktteilnehmer auswirkt.

Im ersten Teil der Arbeit wird hierzu das generelle Konzept von Hedgefonds sowie deren Charakteristika beschrieben, bevor die unterschiedlichen Anlagestrategien erläutert werden. Kapitel drei befasst sich mit der Relevanz dieser Form der finanziellen Anlage für den Finanzsektor und stellt die positiven Einflüsse auf diesen den negativen gegenüber. Im Anschluss daran werden die möglichen Konsequenzen von HedgefondsAktivitäten auf Investoren sowie Unternehmen erläutert, wobei das im Vergleich zu traditionellen Anlageformen erhöhte Risiko im Fokus steht.

Anschliessend wird in Kapitel vier die Notwendigkeit gewisser Regulierungsmassnahmen deutlich gemacht, bevor verschiedene Möglichkeiten der Restriktion vorgestellt werden. Darüber hinaus wird die generelle Sinnhaftigkeit von Regulierungen bezüglich Hedgefonds analysiert.

Schlussendlich wird ein Fazit gezogen und eine Prognose für die zukünftige Entwicklung des HedgefondsMarktes abgegeben.

2 Konzept von Hedgefonds

2.1 Definition und Charakteristika

Den Begriff Hedgefonds exakt zu definieren ist daher kompliziert, da sich dahinter eine Vielzahl gänzlich unterschiedlicher Anlage mit jeweils verschiedenen Strategien verbirgt. Eine allgemein anerkannte Definition existiert folglich nicht. Verbreitet ist die Bezeichnung als „Sammelbegriff für eine sehr heterogene Gruppe von Investmentgesellschaften“ (Deutsche Bundesbank, 1999, S.31). Das gemeinsame Ziel, welches alle Hedgefonds verbindet, ist die Erreichung überdurchschnittlicher Renditen für ihre jeweiligen Investoren. Um dies zu erfüllen, werden häufig hohe Risiken in Kauf genommen (Racicot & Théoret, 2014).

Des Weiteren zeichnen sich Hedgefonds durch folgende Charakteristika aus: ihre Flexibilität in Bezug auf Anlagemöglichkeiten, ihre geringen Regulierungen und eine häufig limitierte Anzahl an risikobereiten Anlegern aus. (Deutsche Bundesbank, 1999, S.31). Diese sind meist institutionelle Investoren oder Privatleute, die über ein überdurchschnittliches Kapital verfügen, denn oftmals liegt die Mindestsumme einer Hedgefonds-Anlage bei einer Million US-Dollar. Hinzu kommt, dass die erfolgsabhängigen Provisionen für die jeweiligen Manager der Fonds zumeist um die 20 Prozent betragen (Cottier, 1997, S.121).

Hedgefonds werden allgemein als moderne, alternative Investitionsmöglichkeit klassifiziert. Als solche qualifizieren sie Merkmale wie das Fehlen von hohen Markteintrittsbarrieren, niedrige Liquidität und hohe Komplexität der jeweiligen Anlagestrategien (Pichl, 2001, S.16). Diese Anlageform hat gegenüber traditionellen Investitionsweisen den grossen Vorteil, durch ihre gesteigerte Flexibilität schneller auf Veränderungen der verschiedenen Umweltsphären (z.B. der Finanzmärkte oder der Politik) reagieren zu können. Dies wird u.a. durch den hohen Fremdkapitalanteil ermöglicht, wobei der geringe Eigenkapitalanteil das Risiko im Falle eines Misserfolgs zusätzlich steigert. Im Erfolgsfall vervielfacht sich der eigene Gewinn jedoch durch die Spekulation auf Kredit (Friedrich & Bahr, 2003, S.21).

2.2 Historischer Hintergrund

Der Terminus Hedgefonds wurde von dem englischen Wort hedging abgeleitet, welches „Absichern“ bedeutet. Der erste Hedgefonds wurde im Jahr 1949 von Alfred W. Jones mit der Absicht gegründet, Aktienpositionen abzusichern, um dadurch auch bei sinkenden Kursen der Aktien Gewinne zu erwirtschaften. Diese ge nerierte er durch den Ankauf unterbewerteter Aktien sowie den Leerverkauf überbewerteter Anteile. Somit war seine Erfolgsstrategie relativ unabhängig von den recht volatilen Entwicklungen am Aktienmarkt (Hehn, 2000, S.247). Im Lauf der Jahre wurden verschiedene Neuerungen eingeführt, wie z.B. die überdurchschnittliche Aufnah- me von Fremdkapital zur Steigerung der Anlegerrendite, wobei man sich den Leverage-Effekt zunutze mach te (Pichl, 2001, S.1f.). Dennoch flachte das Interesse für Hedgefonds, deren immenses Potenzial lange Jahre unterschätzt geblieben war, bald ab und stieg erst wieder 1986 an, als über die enormen Renditen des legendären „Julian Robertson’s Tiger Fund“ berichtet wurde (Rohrer, 1986, S.86).

In den Folgejahren bedienten sich Hedgefonds nach und nach immer unterschiedlicher Anlagestrategien, wobei die Grundidee einer Absicherung ausgeblendet wurde. Somit nahm die expansive Entwicklung dieser Anlageform ihren Lauf, die von nun an zur Portfoliodiversifikation sowie als Alternative zu traditionellen Investmentstrategien diente. Auch nach der Finanzkrise 2008 konnte sich diese Branche rasch erholen und wächst seither kontinuierlich an (Ackermann, McEnally & Ravenscraft,1999, S.13ff.).

2.3 Anlagestrategien

Wie vorangehend erläutert verfolgen Hedgefonds eine grosse Anzahl unterschiedlicher Investmentstrategien, welche jeweils gänzlich verschiedene Risiko- bzw. Rendite-Potenziale innehaben (Berg, 2009, S.51). Eine kategorische Einteilung der Anlagestrategien ist problematisch, da die Abgrenzungen zwischen den einzelnen Methoden fliessend sind und es an einheitlichen internationalen Standards mangelt. Es gibt somit unterschiedliche Optionen der Unterteilung, allerdings lassen sich drei strategische Hauptkategorien hervorheben, auf die in den nachfolgenden Abschnitten näher eingegangen wird.

Tabelle 2:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Anmerkung. In Anlehnung an: Hehn (2000), S.229.

Anhand der obenstehenden Tabelle 1 sind die wichtigsten Investmentstrategien von Hedgefonds, aufgeteilt in die drei Hauptkategorien dargestellt. Letztere werden im nachfolgenden Abschnitt detaillierter beschrieben.

2.3.1 Relative Value

Die Relative Value-Strategie zielt darauf, Ineffizienzen verschiedener Märkte auszunutzen. Dies impliziert z.B. die Erzielung von Gewinnen, indem preisliche Differenzen für das gleiche Produkt an verschiedenen Standorten genutzt werden. Dies läuft fast ausschliesslich auf Kreditbasis und birgt somit ein finanzielles Risiko, aufgrund potenzieller Marktschwankungen während der Transaktions- bzw. Lagerzeit auftreten kön nen (Berg, 2009, S.53f.).

2.3.2 Event Driven

Die Event Driven-Strategie basiert auf bevorstehenden oder wahrscheinlich eintreffenden Ereignissen, wie z.B. Firmenübernahmen, Restrukturierungen, Veränderungen der politischen oder rechtlichen Umweltsphäre. Dabei wird versucht, die dadurch ausgelöste Unsicherheit von Investoren auszunutzen, die oftmals zur Unterbewertung von Aktien führt, die somit billig gekauft und später, nach der Stabilisierung der Situation, wieder teuer verkauft werden können (Hehn, 2000, S.229).

2.3.3 Opportunistic

Die Grundlage der Opportunistic-Strategie ist die Annahme, dass Hedgefonds-Manager über eine bessere Selektionsgabe verfügen, als andere Marktteilnehmer. Auf der Basis von Analysen über globale Trends sowie das Marktgeschehen werden Vorhersagen für die Marktentwicklung gemacht, um künftige Tendenzen der Rohstoff- und Finanzmärkte zu prognostizieren und erfolgreich in die jeweiligen Branchen zu investieren (Bostelmann, 2008, S.16).

3 Bedeutung von Hedgefonds für die moderne Ökonomie

3.1 Beeinflussung der Kapitalmärkte

Wie die Abbildung 1 verdeutlicht, hat das in Hedgefonds verwaltete Vermögen seit 1997 immer stärker zugenommen. Nach einem deutlichen Rückgang zwischen 2008 und 2009 aufgrund der negativen Auswirkungen der Finanzkrise, ist wieder eine kontinuierliche Zunahme des Vermögens erkennbar. Zur Mitte des Jahres 2016 ist deren Summe auf annähernd drei Milliarden US-Dollar angestiegen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1 Entwicklung des verwalteten Vermögens der Hedgefonds global von 1997 bis zum 2. Quartal 20161

Anmerkung. Aus BarclayHedge (2016)

Wenn man die Anwendung des Leverage-Effekts bzw. das in Hedgefonds investierte Fremdkapital berücksichtigt, so verfügen diese über zusätzliches Finanzkapital, welches nicht in der obigen Abbildung 1 erfasst ist. Es wird also schnell deutlich, dass die Hedgefonds-Aktivitäten Auswirkungen auf globaler Ebene haben. Vor allem in Hinblick auf geplante Regulierungsmassnahmen muss daher abgewogen werden, ob die positiven oder die negativen Effekte überwiegen.

3.1.1 Positive Einflüsse von Hedgefonds

Auf der Basis ihrer diversifizierten Anlagestrategien werden durch Hedgefonds die bereits in Abschnitt 2.2 angesprochenen Diversifikationseffekte erzielt, welche zur Effizienzsteigerung der Anlageportfolios in er- heblichem Ausmass beitragen. In Anbetracht dieser Tatsache sind Hedgefonds durchaus ein wichtiger Be- standteil der Finanzmärkte, deren Spektrum an Investitionsmöglichkeiten durch sie in nicht unbeträchtlicher Weise ergänzt wird.

Darüber hinaus sorgen sie, wenn auch unabsichtlich, für eine verbesserte Effizienz der Informations- und Transaktionskosten. Denn im Rahmen von spekulativen Investitionen oder Arbitrage-Geschäften werden die Preise der betreffenden Ware bzw. Aktie auf dem Finanzmarkt häufig in die Nähe ihres Fundamentalwertes gebracht und es entsteht ein gewisses Mass an Stabilisierung. In extremen Fällen der Überbewertung können Hedgefonds z.B. , anders als Aktienfonds, durch Leerverkäufe der jeweiligen Werte dabei helfen, die Volatilität am Markt zu regulieren (Deutsche Bundesbank, 1999, S.12). Man kann also zusammenfassen, dass Hedgefonds in beträchlicher Weise zur Finanzmarkteffizienz beitragen und die Investitionsmöglichkeiten für Anleger auf dem Kapitalmarkt hervorragend ergänzen.

Dieser Sichtweise stehen andererseits die negativen Effekte dieser Form der Anlage entgegen.

3.1.2 Negative Einflüsse von Hedgefonds

Prinzipiell können gewisse Anlegerverbände oder sogar Privatakteure Unruhen und Unsicherheiten auf dem Finanzmarkt hervorrufen, sobald sie es erreichen massgeblich Einfluss auf die Preisbildung zu nehmen. Hedgefonds können sich dabei generell zweier verschiedener Massnahmen bedienen: zum einen können sie den Markt direkt durch An- oder Verkauf eigener Anteile beeinflussen und zum anderen können sie einen indirekten Effekt auf die Preisbildung haben, sofern die Aktivitäten einzelner Hedgefonds die anderer Markt- teilnehmer mitziehen. Neben der Möglichkeit eines solchen Domino-Effektes spricht die hohe Summe an Fremdkapital, welches im Rahmen des Leverage-Effekts generiert wird für eine potenziell destabilisierende Wirkung von Hedgefonds, gerade auf illiquiden Märkten, sobald hohe Renditen unwahrscheinlich werden (Lubochinsky, Fitzgerald & McGinty, 2002, S.34). Diese Effekte sind durchaus denkbar, allerdings gibt es keine konkreten Nachweise dafür.

[...]


1 Angabe in Milliarden US-Dollar

Details

Seiten
16
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668480506
ISBN (Buch)
9783668480513
Dateigröße
1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v368484
Institution / Hochschule
Universität St. Gallen
Note
1.5
Schlagworte
bedeutung hedgefonds investitionsmöglichkeit ökonomie

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Titel: Die Bedeutung von Hedgefonds als Investitionsmöglichkeit in der modernen Ökonomie