Lade Inhalt...

Makroökonomische Analyse der Hartz-IV-Reform. Diamond-Mortensen-Pissarides-Modell, Modelle von Launov/Wälde und Krebs/Scheffel

Seminararbeit 2015 27 Seiten

VWL - Makroökonomie, allgemein

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Hartz-IV-Reform
2.1. Hintergründe
2.2. Inhalte der Reform

3. Modellanalyse
3.1. Diamond-Mortensen-Pissarides-Modell
3.1.1. Beschreibung des Modells
3.1.2. Absenkung der Arbeitslosenunterstützung
3.1.3. Anwendbarkeit des DMP-Modells auf Hartz IV
3.2. Erweiterung des DMP-Modells durch Launov und Wälde
3.2.1. Beschreibung des Modells
3.2.2. Ergebnisse des Modells
3.3. Das Modell von Krebs und Scheffel
3.3.1. Beschreibung des Modells
3.3.2. Resultate des Modells
3.4. Vergleich der Modelle von Launov/Wälde und Krebs/Scheffel

4. Ergebnis
4.1. Probleme der Analyse von Hartz IV
4.2. Ausblick

5. Literaturverzeichnis

6. Anhang

1. Einleitung

Die Hartz-Reformen waren Anfang des Jahrtausends entwickelt worden, um die hohe Arbeitslosenquote in Deutschland zu bekämpfen und einen neuen Ansatz der Arbeitsmarktpolitik zu schaffen. Seit der Einführung der Reformen hat sich die Arbeitslosigkeit in Deutschland trotz der weltweit schweren Rezession 2008 und 2009 positiv entwickelt und Deutschlands Wirtschaft gilt als die stärkste Europas. Nichtsdestotrotz steht insbesondere die Hartz-IV-Reform, die am 1. Januar 2005 als letzte der Reformen in Kraft trat, in der öffentlichen Kritik. Dies ist darauf zurückzuführen, dass die Reform insbesondere finanzielle Einbußen für Arbeitslose bedeutet. Ob diese zu einer Senkung der Arbeitslosenquote und allgemein zu einer positiven Entwicklung der gesamtwirtschaftlichen Lage geführt hat, steht zur Debatte.

Der Einfluss der Hartz IV Reform auf die deutsche Volkswirtschaft soll der Gegenstand dieser Arbeit sein. Dafür werde ich zunächst die Hintergründe und Inhalte von Hartz IV darlegen. Anschließend folgt die makroökonomische Analyse anhand dreier Modelle, um die Effekte der Reform zu identifizieren und zu quantifizieren. Als Grundlage werde ich dafür das Diamond-Mortensen-Pissarides- Modell (1994) verwenden, das die allgemeinen Effekte auf den Arbeitsmarkt erklärt, jedoch keine Betrachtung der Anreizeffekte oder Zahlen liefern kann. Darauf aufbauend wird das Modell von Launov und Wälde (2013) miteinbezogen, die eine Erweiterung des DMP-Modells vornehmen und dabei zu Ergebnissen kommen, die gegen die Hartz-IV-Reform sprechen. Diese Resultate werde ich im Anschluss mit den von Krebs und Scheffel (2013) in einem abweichendem Modell gefundenen Ergebnissen vergleichen, die eine deutlich positivere Bilanz aus der Reform ziehen. Zuletzt werde ich meine Schlussüberlegungen darlegen und einen Ausblick auf die Zukunft der Hartz-Reformen und der Arbeitslosigkeit in Deutschland geben.

2. Die Hartz-IV-Reform

2.1. Hintergründe

Die schlechte gesamtwirtschaftliche Lage der 1990er und frühen 2000er Jahre in Deutschland führte dazu, dass das Land als der „Kranke Mann Europas“ galt. (Dustmann/Fitzenberger/Schönberg/Spitz-Oener 2014: 167) Von 1991 bis 2003 wuchs das BIP um nur 18%, was im Vergleich zu anderen Industrienationen gering war. Die Arbeitslosenquote war bis 2005 auf 9,6% in West- und 18,6% in Ostdeutschland gestiegen, (Jacobi/Kluve 2007: 46) was im Januar 2005 einem Höchststand von über 5 Mio. Arbeitslosen für die gesamte Bundesrepublik entsprach (Fitzenberger 2009: 3).

Die Gründe für diese schlechte Ausgangslage sind verschieden. Zum einen warf die Wiedervereinigung Deutschland zurück, da die ostdeutsche Wirtschaft und die dort ansässigen Arbeitnehmer noch nicht wettbewerbsfähig waren. Zum anderen trug die Arbeitsmarktpolitik der 90er Jahre nicht zum Abbau der Arbeitslosigkeit bei und setzte keine Anreize für die Jobsuche. Sie hatte vielmehr das Ziel, den sozialen Status des Arbeitslosen aufrechtzuerhalten, als ihn in seiner Notlage als letzte Option aufzufangen. Die finanziellen Leistungen waren allesamt an das frühere Einkommen des Arbeitslosen geknüpft. Dabei wurde für Kurzzeitarbeitslose in den ersten 6 bis 32 Monaten das durch die Arbeitslosenversicherung finanzierte Arbeitslosengeld gezahlt. Danach fiel man bis zum Ende der Arbeitslosigkeit in die ebenfalls prozentual am letzten Nettoeinkommen orientierte Arbeitslosenhilfe, die mit Steuergeldern gesichert wurde. Diese zeitlich unbegrenzte Auszahlung von Arbeitslosenunterstützung war und ist eine besondere Eigenschaft des deutschen Systems (Jacobi/Kluve 2007: 47).

Anlass für die Hartz-Reformen war der Vermittlungsskandal um die damalige Bundesanstalt für Arbeit, die ihre Quoten für die Vermittlung von Arbeitslosen gefälscht und übertrieben hatte. Davon angestoßen waren die Hartz-Reformen 2002 mit dem Ziel umgesetzt worden, die Arbeitslosigkeit innerhalb von drei Jahren zu reduzieren (Fitzenberger 2009: 3). Grundsätzlich orientieren die Hartz-Reformen sich dabei an drei Zielrichtungen: ,Mehr Effizienz in der Arbeitsvermittlung’, ,Mehr

Aktivierung und Eigenverantwortung’ und ,Mehr Arbeitsnachfrage durch mehr Flexibilität.’ ,Mehr Effizienz in der Arbeitsvermittlung’ soll durch eine besser strukturierte Vermittlungsagentur zu einem besseren Matching von Arbeitnehmern und -gebern führen. Der zweite Grundpfeiler, ,Mehr Arbeitsnachfrage durch mehr Flexibilität’, richtet sich an das Arbeitsangebot und spiegelt sich insbesondere in einer Anpassung der Rahmenbedingungen für Unternehmen in Form von beispielsweise der Deregulierung von Leiharbeit oder des Kündigungsschutzes wider. Während die ersten beiden Zielfelder von den Hartz-Reform I bis III angegangen wurden, richtet sich Hartz IV insbesondere an den letzten Bereich: ,Mehr Aktivierung und Eigen Verantwortung.’ Dieser zielt auf das Arbeitsangebot und eine Erhöhung der Arbeitsanreize für Arbeitslose (Klinger/Rothe/Weber 2013: 1 f.). Die wichtigsten Reforminhalte, die dieses Ziel erreichen sollen, sollen ทนท ausgeführt werden.

2.2. Inhalte der Reform

Die letzte der Hartz-Reformen, Hartz IV, trat am 1. Januar 2005 in Kraft. Die entscheidenden Änderungen bilden die Zusammenlegung der Sozialhilfe und der Arbeitslosenhilfe zum Arbeitslosengeld II, die Verkürzung der Bezugsdauer für Arbeitslosengeld-I-Empfänger und die Senkung der Regelsätze für Kinder.

In Folge der Zusammenlegung von Arbeits- und Sozialhilfe, geregelt durch das neue Sozialgesetzbuch II, erhält eine gemeinsame Gruppe, bestehend aus den bisherigen Empfängern der Arbeitslosenhilfe und allen arbeitsfähigen Sozialhilfeempfängern die neue Grundsicherung, das Arbeitslosengeld II, das den Grundpfeiler der Hartz IV Reform bildet. (Boss/Christensen/Schrader 2005: 17) Somit erhalten beispielsweise auch all diejenigen, die bislang noch keine Beiträge für die Sozialversicherung geleistet haben, die aber arbeitsfähig sind, von vorneherein das ALG II. (Jacobi/Kluve 2007: 53) Bei Eintritt in die Arbeitslosigkeit besteht zunächst ein Anspruch auf das befristete Arbeitslosengeld I, das bis zu zwölf Monate lang, im Gegensatz zu den vorherigen bis zu 32 Monaten, ausgezahlt wird und abhängig von Alter und Beschäftigungszeiten berechnet wird. Nach Ende dieses Zeitraums wird bei andauernder Arbeitslosigkeit und Bedarfsanspruch, das Arbeitslosengeld II ausgezahlt. (Fitzenberger 2009: 7) Ein entscheidender Unterschied zum vorhergehenden System ist, dass nur noch das ALG I einkommensabhängig ist, während das ALG II nach Regelsätzen gestaffelt ist (Jacobi/Kluve 2007: 53). Demnach haben alle Bezieher des ALG II dieselben finanziellen Voraussetzungen, unabhängig von ihrem vorherigen Einkommen.

Wichtig in der Analyse der Auswirkungen von Hartz IV ist, dass das ALG II für Langzeitarbeitslose eine geringere finanzielle Unterstützung bedeutet, während sich an der Vergütung für Kurzzeitarbeitslose wenig verändert hat. Die finanziellen Auswirkungen lassen sich an der Nettoersatzquote für Langzeitarbeitslose ablesen, die die durchschnittliche Arbeitslosenunterstützung als Anteil des durchschnittlichen Nettoarbeitseinkommens definiert. Vor Einführung der Reform erhielt ein Arbeitslosenhilfebezieher, wie in Abbildung 1 dargestellt, 57% des durchschnittlichen Einkommens, während er ทนท noch 46% erhält. Analog erhielt ein Alleinstehender 53% des Durchschnittsarbeitseinkommen, jetzt nur noch 37% und eine Familie mit zwei Kindern fällt von 73% auf 54%. Es lässt sich leicht feststellen, dass die Differenz für die Familie den gravierendsten Unterschied von 19% bedeutet (Daten: OECD). Bemerkenswert ist, dass die Nettoersatzquote für Langzeitarbeitslose vor der Reform höher als in jedem anderen OECD-Land war, während die Quote für Kurzzeitarbeitslose vergleichbar mit vielen anderen Ländern war (Rinne/Zimmermann 2013: 3).

ABBILDUNG 1

Finanziell bedeutet dies seit dem 1. Januar 2015 eine aktuelle monatliche Regelleistung für Alleinstehende und Alleinerziehende in Höhe von 399บ in Gesamtdeutschland. Volljährige Partner erhalten jeweils 36o€. Auf den Grundbetrag für Alleinstehende wird für weitere Haushaltsmitglieder ein Prozentsatz dieser Leistung aufgeschlagen. So werden beispielsweise für junge Erwachsene unter 25 Jahren, die im Haushalt leben, 80% des Betrags ausgezahlt und Kinder bis 6 Jahren erhalten etwas unter 60% dieser Leistung (Daten: Bundesagentur für Arbeit). Der letzte wichtige Aspekt von Hartz IV ist die Kürzung der Regelsätze für Kinder, die im Vergleich zum vorherigen System die finanzielle Unterstützung für Kinder, je nach Alter, um 5% bis 15% reduziert hat (Boss et ah, 2005: 17). Dies zeigt, dass die Förderung von Heranwachsenden heute anders gehandhabt wird und sich die Politik einen neuen Zielkurs gesetzt zu haben scheint.

Auf den finanziellen Regelsatz kommen von den Kommunen getragene Zusatzleistungen für beispielsweise Heizung, Wohnung oder Bildung sowie Mehrbedarfsleistungen für Z.B. Schwangere oder Kranke. Ebenso haben Bezieher von Arbeitslosengeld Freibeträge, die nicht auf die finanzielle Leistung angerechnet werden (Boss et al. 2005: 17). Insgesamt sind die Anrechnungsregeln bei Hartz IV im Vergleich zum System der Arbeitslosen- und Sozialhilfe strenger geworden (Fitzenberger 2009:12).

Unter der Richtlinie ,Fördern und Fordern’, die als Grundsatz des Ziels ,Mehr Aktivierung und Eigen Verantwortung’ gilt, wird eine höhere Leistungsbereitschaft der Arbeitslosengeldempfänger gefordert (Klinger/Rothe/Weber 2013: 2). So sind bei unkooperativem Verhalten gegenüber der Bundesagentur für Arbeit Sanktionen in Form von Geldleistungen möglich. Ebenso wurden die Zumutbarkeitskriterien für die Annahme einer angebotenen Arbeit erweitert und verlangen demnach eine höhere Flexibilität in der Berufs- und Wohnortwahl (Jacobi/Kluve 2007: 53).

3. Modellanalyse

3.1. Diamond-Mortensen-Pissarides-Modell

Um die Effekte von Hartz IV zu erklären, werden wir im Folgenden das Diamond- Mortensen-Pissarides-Modell von 1994 betrachten, für das Peter Diamond, Dale Mortensen und Christopher Pissarides im Jahr 2010 den Nobelpreis der Wirtschaftswissenschaften erhielten. Die Erklärung des Modells stützt sich auf die von Stephen D. Williamson in seinem Standardlehrbuch „Macroeconomics“ gegebene.

3.1.1. Beschreibung des Modells

Die Motivation hinter dem einperiodigen DMP-Modell liegt in der Nichträumung des Arbeitsmarktes, die dadurch gegeben ist, dass Arbeitslose nach Arbeit und Firmen nach Arbeitern suchen. Es gibt viele Konsumenten N, die alle erwerbsfähig sind. Q Arbeiter suchen nach offenen Stellen, Vakanzen, die von Firmen inseriert werden. Dementsprechend befinden sich N — Q der Konsumenten nicht in der Erwerbsbevölkerung Q, sondern entscheiden sich für Heimarbeit in Form von beispielsweise Kinderbetreuung oder Gartenarbeit. Die erwartete Auszahlung bei der Jobsuche ist P(Q). Mit dem Wert dieser Auszahlung steigt die Zahl an Konsumenten, die sich gegen Heimarbeit und für die Jobsuche entscheiden. Eine Firma muss, um zu produzieren, eine offene Stelle zu den Kosten к inserieren. Es gibt A Firmen, die jede eine Vakanz inserieren kann (Williamson 2014: 208 f.).

Damit kann der Matching-Prozess, der die Zusammenführung von Arbeitssuchenden Q und Firmen A beschreibt, einsetzen. Aufgrund der Diversität der Firmen und der unterschiedlichen Fähigkeiten der Arbeitsuchenden ist dieser Prozess aufwendig und kostspielig. Diese Schwierigkeit spiegelt sich in der Matching-Effizienz e wider, die neben Q und A die Anzahl der erfolgreichen Matches M in der Matching-Funktion bestimmt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Matching-Funktion hat konstante Skalenerträge sowie ein positives und abnehmendes Grenzprodukt. Die Anzahl der Matches wächst sowohl mit e als auch mit Q und A, wobei sich e beispielsweise aufgrund von besseren Informationen und Suchtechnologien erhöhen kann (Williamson 2014: 210 f.). An der Matching- Effizienz setzen die früheren Hartz-Reformen verstärkt an, indem sie versuchen, die Effizienz der Arbeitsvermittlung zu erhöhen.

Wird ein Arbeitssuchender gematcht, so erhält er den Lohn พ. Falls die Suche scheitert, ist er arbeitslos und bekommt ein Arbeitslosengeld b. Die Wahrscheinlichkeit, einen Job zu finden, wird als Anteil der Matches an der arbeitssuchenden Bevölkerung gemessen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Dabei ist die Arbeitskräfteknappheit j durch den Quotienten von inserierenden Firmen und Arbeitssuchenden gegeben (Williamson 2014: 211 f.).

Aus der Wahrscheinlichkeit der erfolgreichen Arbeitssuche lässt sich auf die erwartete Auszahlung P(Q) der Suche schließen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Entsprechend lässt sich für eine Firma die Wahrscheinlichkeit eines Matches ermitteln.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3.1.2. Absenkung der Arbeitslosenunterstützung

Der entscheidende Faktor der Hartz-IV-Reform, die Absenkung der finanziellen Arbeitslosenunterstützung, lässt sich ทนท im DMP-Modell durch eine Reduktion von b darstellen. Ein kleineres b lässt den Gesamtgewinn z — b steigen. Dadurch wird der Nenner der rechten Seite der als Arbeitsnachfrage interpretierten Gleichung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

und die Zahl der Vakanzen erhöht. So kann sich die Anzahl der jobsuchenden Individuen erhöhen, weil sich die Wahrscheinlichkeit, eine Anstellung zu finden, verbessert. Gleichzeitig sinkt allerdings die erwartete Auszahlung der Jobsuche P(Q), da sich durch die geringere Arbeitslosenunterstützung der Marktlohn verringert. Dies bedeutet einen höheren Gewinn für die Firmen, resultiert aber in einem Nachteil für die arbeitenden Individuen. Alle Vorgänge zueinander führend, ergeben sich entgegengesetzte Effekte für die Entwicklung der Zahl der Arbeitssuchenden Q, da zwar die Zahl der Vakanzen steigt und die Arbeitslosenunterstützung sinkt, aber auch gleichzeitig der Lohn sinkt. Tendenziell sollte der positive Effekt auf die Arbeitslosigkeit aber höher sein, sodass aus dem Modell ein erhöhtes Q und eine niedrigere Arbeitslosenquote resultiert. Erhöht sich Q, so steigt der Output Y, der ebenso von der Richtung der Effekte abhängt (Williamson 2014: 217-219).

ABBILDUNG 3

3.1.3. Anwendbarkeit des DMP-Modells auf Hartz IV

Das DMP-Modell erklärt das durch die Hartz-IV-Reform gewünschte Resultat einer Verringerung der Arbeitslosenquote, bestimmt aber auch den Effekt des gesunkenen Lohnes, der ebenfalls in der Realität eingetreten ist. Das Modell kann lediglich als Basismodell dienen, da es keine quantitativen Ergebnisse liefert und viele für die Arbeitssuche entscheidenden Effekte nicht darstellt. So sind die Anreize, welche in der Realität entscheidend für die Motivation eines Konsumenten sind, nach Arbeit zu suchen, nicht modelliert und können lediglich intuitiv interpretiert werden.

Wichtige Effekte, die sich auf den Gesamtnutzen auswirken, wurden in dem Modell ebenfalls vernachlässigt. So lässt sich annehmen, dass eine geringere finanzielle Hilfe mehr Menschen dazu bringt, schneller nach Arbeit zu suchen, da der Nutzen von Arbeit relativ zum Nutzen von Heimarbeit steigt. Diese schnellere Arbeitssuche kann dazu führen, dass die gematchten Arbeiter schlechtere Matches sind. Aufgrund der eingeschränkten finanziellen Leistung des ALG II könnten Arbeitslose insofern unter Druck geraten, als dass sie schnellstmöglich eine Anstellung annehmen, unabhängig davon, ob diese ihren Fähigkeiten und ihrer Ausbildung entspricht. Finanziell abgesichert durch eine höhere Arbeitslosenhilfe lassen sich Individuen eventuell mehr Zeit zur Arbeitssuche, wodurch schlussendlich durch die besseren Matches ein höherer Gesamtnutzen für die Volkswirtschaft entsteht. Existiert dieser Effekt, so wird er durch die strenger definierten Kriterien für annehmbare Arbeit und die möglichen Sanktionen von Hartz IV verstärkt, die das Modell ebenfalls nicht abbilden kann.

[...]

Details

Seiten
27
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668468313
ISBN (Buch)
9783668468320
Dateigröße
939 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v368466
Institution / Hochschule
Universität Mannheim
Note
1,0
Schlagworte
VWL HartzIV Arbeitslosigkeit Reform

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Makroökonomische Analyse der Hartz-IV-Reform. Diamond-Mortensen-Pissarides-Modell, Modelle von Launov/Wälde und Krebs/Scheffel