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Fairnesserziehung durch ein genetisches Unterrichtsmodell im Flagfootball in einer 6. Jahrgangsstufe

Examensarbeit 2017 59 Seiten

Didaktik - Sport, Sportpädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Sachanalyse des Flagfootbalspiels und theoretische Vorüberlegungen
2.1 Spielidee Flagfootball
2.2 Anforderungsprofil und Grundtechniken des Flagfootballspiels
2.3 Flagfootball im Bedingungsfeld Schule
2.4 Grundgedanke des Genetischen Lehrens und Lernens

3 Analyse der Lerngruppe und der Rahmenbedingungen
3.1 Pädagogisch-psychologische Einschätzung der Klassen 6b,c
3.2 Räumliche Gegebenheiten

4 Methodisch-didaktische Vorüberlegungen mit Bezug zum Lehrplan

5 Durchführung und Analyse des geplanten Unterrichtsprojekts
5.1 Praktische Durchführung der ersten Unterrichtseinheit
5.1.1 Erläuterung der Vorgehensweise in der ersten Unterrichtseinheit
5.1.2 Beobachtungen der ersten Unterrichtseinheit
5.2 Praktische Durchführung der zweiten Unterrichtseinheit
5.2.1 Erläuterung der Vorgehensweise der zweiten Unterrichtseinheit
5.2.2 Beobachtungen der zweiten Unterrichtseinheit
5.3 Praktische Durchführung der dritten Unterrichtseinheit
5.3.1 Erläuterung der Vorgehensweise in der dritten Unterrichtseinheit
5.3.2 Beobachtungen der dritten Unterrichtseinheit
5.4 Praktische Durchführung der vierten Unterrichtseinheit
5.4.1 Erläuterung der Vorgehensweise in der vierten Unterrichtseinheit
5.4.2 Beobachtungen der vierten Unterrichtseinheit
5.5 Praktische Durchführung der fünften Unterrichtseinheit
5.5.1 Erläuterung der Vorgehensweise in der fünften Unterrichtseinheit
5.5.2 Beobachtungen der fünften Unterrichtseinheit

6 Analyse und kritische Betrachtung des Unterrichtsprojekts

7 Literaturverzeichnis

8 Anhänge
8.1 Abbildungen
8.2 Stundenskizzen
8.3 Playbook
8.4 Schülerbeispiel eines Playbooks
8.5 Englische Fachbegriffe
8.6 Fragebogen
8.7 Auswertung der Fragebögen

1 Einleitung

Wer kennt sie nicht, die typischen Sportfilme aus der Filmfabrik Hollywood?

Dem populärsten Teamsport aus den Vereinigten Staaten wurden schon unzählige Filme gewidmet, deren Aufarbeitung – sei es in Form eines Dramas oder einer Komödie – den verschiedensten Interessen des Publikums gerecht werden konnte. Nächstenliebe, Re-Sozialisierung oder Rassismus bilden oftmals das thematische Fundament, in das wiederum spektakuläre Sprints, perfekte Pässe und Ballbeherrschung, Konzentration, clevere Strategen, unglaublicher Teamgeist sowie knallharte Blocks und Tacklings geschickt eingearbeitet werden, um die notwendige Attraktivität zu erzeugen.

Die Rede ist von American Football.

„`Schach auf dem Rasen´ nennen es die einen, `Krieg auf dem Rasen´ abschätzig die anderen.“[1] Dabei steckt in beiden Aussagen ein wahrer Kern.

Um einen „Krieg auf dem Rasen“ bzw. in der Turnhalle zu vermeiden, müssen gewisse Parameter dieser Sportart zielführend angepasst werden, damit American Football auch im Schulsport eine attraktive und sichere Möglichkeit bietet, die Vorteile dieses Trendsports für Schülerinnen und Schüler zu nutzen.

Die Alternative heißt Flagfootball[2]. Diese Spielsportart verlangt von den Sportlern und Sportlerinnen alle konditionellen, technischen, kognitiven und sozialen Fähigkeiten des American Football, jedoch ohne den direkten Körperkontakt, dem ein hohes Verletzungspotential innewohnt, zu provozieren.

Die Entwicklung einer grundlegenden Spielidee für dieses Endzonenspiel ist Hauptaufgabe der in dieser Arbeit dargelegten Unterrichtseinheit. Darüber hinaus soll die Beantwortung von drei elementaren Leitfragen eine zielgerichtete Gesamtreflexion des Projekts ermöglichen.

1. Eignet sich das Flagfootballspiel für den Schulunterricht?
2. Ist die genetische Vermittlung des Spielprinzips für diese Sportart sinnvoll?
3. Ist prinzipiell die genetische Vermittlung von Inhalten in einer 6. Jahrgangsstufe
und damit in der Unterstufe realisierbar?

Im Folgenden werden dazu unter Punkt 2 dieser Arbeit im Rahmen theoretischer Vorüberlegungen die Spielidee und Grundtechniken von Flagfootball erläutert und einige charakteristische Eigenschaften des Spiels vorgestellt, die für den Einsatz im Bedingungsfeld Schule relevant sind. Im Anschluss daran erfolgt die Veranschaulichung der Grundlagen sowie Möglichkeiten einer erfolgreichen Umsetzung des genetischen Vermittlungskonzeptes. Auch werden in diesem Zusammenhang die Klasse und die vorherrschenden Rahmenbedingungen beschrieben, auf deren Grundlage schließlich verschiedene Kriterien angeführt werden, die das didaktisch-methodische Vorgehen der betreffenden Unterrichtseinheit weiterführend beeinflussen. Dabei rücken ebenso relevante Lehrplanvorgaben und die sich aus ihnen ergebenden Aufgaben und Ziele des Sportunterrichts am Gymnasium in den Fokus dieser Arbeit. Das Hauptaugenmerk liegt jedoch anschließend auf der Beschreibung der Unterrichtssequenz und der Auswertung der Beobachtungen im Unterrichtsgeschehen, welche abschließend kritisch analysiert sowie in Anlehnung an die oben aufgeführten Leitfragen reflektiert werden.

2 Sachanalyse des Flagfootbalspiels und theoretische
Vorüberlegungen

2.1 Spielidee Flagfootball

Flagfootball ist eine kontaktlose Variante des American Football[3] und lässt sich in die Gruppe der großen Ballspielsportarten einordnen. Die Spielidee wurde von Soldaten in den frühen 1940er Jahren in Nordamerika entwickelt, als diese nach einer Alternative zum körperbetonten, verletzungsanfälligen und ausrüstungsintensiven Spiel American Football suchten und sich so Tücher an den Gürtel banden.[4]

Analog der Spielidee des American Football ist Flagfootball ein klassisches Endzonenspiel. Dabei versucht die angreifende Mannschaft (Offense)[5] einen Football in die gegnerische Endzone zu befördern und auf diese Weise einen Touchdown bzw. Punktgewinn zu erzielen. Um Raumgewinne und Punkte zu erspielen, stehen der Offense mehrere Versuche zur Verfügung.[6]

Die verteidigende Mannschaft (Defense) hat ihrerseits die Aufgabe, den Raumgewinn der Offense zu verhindern, indem sie den Ball abfängt, oder, was dem Spiel seinen besonderen Reiz verleiht, dem Ballträger eine sogenannte Flag (Flagge) abreißt, von denen jeder Spieler eine oder zwei an seinem Gürtel trägt. Mit der Einführung der Flags wurde das aus dem American Football bekannte Tackling (Zu-Boden-Bringen) und Halten der Gegenspieler unterbunden, sodass Spielzüge nun infolge des Ziehens einer Flagge ohne Körperkontakt beendet werden können und anschließend eine Unterbrechung des Spielflusses bis zum Start des nachfolgenden Spielzuges eintritt. Zusätzlich wird der aktuelle Spielzug ebenso beendet, wenn der Ball zu Boden fällt oder der Ballträger die Seitenauslinie überquert.

Der nachfolgende Angriffsversuch startet jeweils auf Höhe der Angriffslinie, welche sich dort befindet, wo der letzte Spielzug beendet wurde. Nachdem die Mannschaften eine Aufstellung an der neuen Angriffslinie (Line of Scrimmage) eingenommen haben, startet der Angriff in der Mitte dieser Linie. Dabei eröffnet die Offense ihren Spielzug durch den sogenannten Snap, bei dem der Centerspieler nach festgelegtem Zuruf des Quarterbacks den Ball aufnimmt und durch die Beine an diesen weitergibt. Der angreifenden Mannschaft bieten sich grundsätzlich zwei Möglichkeiten, den Ball in Richtung gegnerische Endzone vorzutragen.

Die erste Möglichkeit einen Raumgewinn zu erzielen, eröffnen die Lauf-Spielzüge. Diese werden durch die Ballübergabe (Handoff) an einen sogenannten Runningback eingeleitet, bevor dieser die Angriffslinie überquert. Dieser Spieler läuft mit dem Ball so weit wie möglich in Richtung gegnerischer Endzone, bis ihm von einem verteidigenden Spieler eine Flagge gezogen wird. Der Vorteil dieser Variante besteht in einem Loslösen von der manndeckenden Defense und einem sicheren und schnellen Ballvortrag durch ein gewisses Überraschungsmoment.

Die andere Option stellen Pass-Spielzüge dar, welche durch ein gezieltes Zuspiel des Quarterbacks über die Angriffslinie hinaus in den Lauf des Passempfängers (Receivers) eingeleitet werden. Dabei können schnell große Wege überwunden werden, jedoch besteht die Gefahr, dass ein Spieler der Defense den gespielten Ball abfängt (Interception). So wechselt das Angriffsrecht und die bis dato verteidigende Mannschaft hat noch im laufenden Spielzug die Möglichkeit, durch direktes Zurücktragen des Balls in die Endzone einen Touchdown zu erzielen.

2.2 Anforderungsprofil und Grundtechniken des Flagfootballspiels

Die vorangegangenen Ausführungen lassen auf eine starke Reglementierung des Spielverlaufs schließen und erhöhen die Anforderungen des Spiels an die Spieler. So ist es nicht nur die Vielzahl der zu erlernenden Regeln, sondern auch der Spielverlauf selber, der die Spieler hinsichtlich der Wahrnehmung und kognitiver Verarbeitung in besonderer Weise fordert. Spielzüge sind gerade dann erfolgreich, wenn die Lauf- und Passrouten aller angreifenden Spieler genau geplant werden und räumlich und zeitlich so aufeinander abgestimmt sind, dass sie einerseits die gegnerische Verteidigung überraschen und andererseits dem Quarterback feste Anspielmöglichkeiten bieten. Dabei hat dieser zu antizipieren, wann welcher Spieler an welchem Ort sein wird.[7]

Die kognitiven Elemente führen zusammen mit weiteren Fähigkeiten und Fertigkeiten zu einem sehr breiten Anforderungsprofil des Sportspiels Flagfootball. Neben sozialen Aspekten, wie z.B. Teamgeist und Integration von Spielern mit unterschiedlichen Voraussetzungen, sind hier vor allem konditionelle Fähigkeiten wie Schnelligkeit und Sprintausdauer, aber auch koordinative Fähigkeiten wie beispielweise Reaktions- und Orientierungsfähigkeit sowie technische Fertigkeiten im Hinblick auf das Beherrschen eines geraden Wurfs oder das Fangen des Balls in der Bewegung, anzuführen. Da die Grundfertigkeit des Werfens für Flagfootball besonders wichtig ist und sich von den Techniken anderer Sportspiele unterscheidet, wird diese nachfolgend kurz vorgestellt.

Bei der Wurfbewegung des Footballs handelt es sich um eine Schlagwurfbewegung mit überlagerter Außendrehung des Handgelenkes, die eine Rotation des Footballs um seine Längsachse initiiert und damit eine stabile Flugbahn garantiert. Für das Werfen des ungewohnt geformten Spielgerätes ist insbesondere auf eine korrekte Griffhaltung zu achten. Der kleine, Ring- und Mittelfinger liegen dabei auf der geschnürten Naht des Footballs, Daumen und Zeigefinger bilden einen Halbkreis unterhalb der Spitze, die dem Werfer zugewandt ist, wobei der Zeigefinger möglichst nah an dieser platziert sein soll.[8]

2.3 Flagfootball im Bedingungsfeld Schule

Der American Football Verband Deutschland (AFVD) bemüht sich, American Football über Flagfootball in Deutschland populärer zu machen. 2006 rief der AFVD eine Kommission für Flagfootball ins Leben. Diese beschäftigt sich unter anderem verstärkt in den Bereichen Jugend und Schule mit der Entwicklung von Flagfootball. 2009 hat der AFVD sein Freizeitsportkonzept Flag & Fun mit dem Ziel vorgestellt, Flagfootball als Straßen- und Trendsport für Jedermann zu etablieren.[9]

Heutzutage kann in Deutschland Flagfootball ebenso wie die Muttersportart American Football immer noch der Gruppe der Trendsportarten zugeordnet werden und wirkt daher auf die Schüler sehr motivierend, sich neuen Bewegungserfahrungen zu widmen. Der Football mit seiner Eiform, der den Schülern in der Regel aus dem bisherigen Sportunterricht nicht bekannt ist, bringt für diese einen sehr hohen Aufforderungscharakter mit sich. Da im Allgemeinen keine oder nur wenig Vorerfahrungen auf Schülerseite vorhanden sind, kann von einem einheitlichen Eingangsniveau ausgegangen werden.

Obwohl Flagfootball eigentlich im Freien gespielt wird, lässt es sich im Rahmen reduzierter Spielfeldmaße und verringerter Spielerzahl auch in der Halle spielen. Der nicht gestattete Körperkontakt vermeidet auf besondere Art und Weise die Gefährdung der Spieler über das normale Verletzungsrisiko hinaus und vermag Leistungsdifferenzen aufgrund unterschiedlicher körperlicher Voraussetzungen weitgehend auszugleichen. Darüber hinaus hat beim Flagfootball jeder Spieler bestimmte Aufgaben innerhalb seiner Mannschaft wahrzunehmen, die ihn im Hinblick auf seine individuellen Stärken für das Team wichtigmachen. Infolgedessen sind gerade die Teams erfolgreich, bei denen die einzelnen Spieler ihre verschiedenen Aufgaben im Rahmen vorab abgestimmter Spielzüge differenziert wahrnehmen und so gemeinsam den Erfolg erwirken. Vor allem dieser Aspekt ist bezüglich eines zu fördernden Teamgeistes sowie dem Fairplay-Gedanken von Bedeutung.

2.4 Grundgedanke des Genetischen Lehrens und Lernens

Das Ziel des genetischen Lehrens ist „die Re-Konstruktion eines Spieles aus seinem Ursprung heraus“[10], in der jeder Schüler das Spiel für sich neu erfindet. Aufgrund der nicht vorhandenen Vorerfahrungen der Schüler im Flagfootball ist daher das Genetische Vermittlungskonzept prädestiniert, um die Spielidee dieses Endzonenspiels den Schülern näher zu bringen. Den Schülern wird dabei anders als bei dem Spielreihenkonzept der Übergang von einer Spielform zur nächsten, im Sinne des Fortschreitens in der Spielreihe, nicht durch den Lehrer vorgegeben, sondern im freien Spiel durch die Schüler bestimmt, indem sie Probleme des laufenden Spiels erkennen und Lösungen in Verbindung mit neuen Spielformen erarbeiten. Dies verlangt von den Schülern eine hohe kognitive Leistungsbereitschaft, da sie die Struktur des Spiels verstehen lernen müssen. Dabei ist der Weg zum Spiel das entscheidende Kriterium und nicht das Spiel selber.[11]

Die Basis der zu vermittelnden Inhalte durch die Lehrperson bilden zunächst drei grundlegenden Prinzipien. Das erste Prinzip ist das namengebende genetische Lehren selbst. Darunter versteht man, dass die Schüler am ursprünglichen Problem arbeiten und selbstständig Lösungen entwickeln. Die damit einhergehende Förderung des eigenverantwortlichen Denkens und Arbeitens der Schüler wird, indem die Lehrkraft auftretende Problemstellungen an sie zurück gibt und die Entwicklung der Lösungswege durch weitere gezielte Fragen unterstützt bzw. indirekt lenkt, begünstigt. Dieses Vorgehen gründet auf dem zweiten Prinzip und wird als sokratisches Lehren bezeichnet. Zum Schluss werden beide Prinzipien beim Exemplarischen Lehren synthetisch an ausgewählten Beispielen durchgeführt, wobei daran zentrale und grundlegende Erkenntnisse besonders prägnant gewonnen werden können.[12]

Die grundlegende Struktur eines Genetischen Lehrgangs kann wie folgt beschrieben werden:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.1: Struktur des genetischen Lernens

Das Phänomen soll das Interesse beim Schüler wecken und führt gewissermaßen dazu, dass das Problem der aktuellen Situation zum Problem der Schüler wird. Durch die Vielzahl an Schülern können verschiedene Lösungsvorschläge gefunden werden, welche erprobt und infolgedessen durch den Prozess des Übens stetig optimiert werden.

Im Sinne dieses Vermittlungskonzeptes kann man von vornherein nicht festlegen bzw. lediglich spekulieren, welche Probleme in welcher Reihenfolge aufzugreifen und zu bearbeiten sind. Dies verlangt vom Lehrer ein hohes Maß an Flexibilität und eine intensive Planung und Vorüberlegung, um jederzeit den Lösungsvorschlägen der Schüler gerecht zu werden. Gleichzeitig funktioniert dieses Konzept nur, wenn die Schüler kognitiv in der Lage sind, Probleme zu erkennen und aktiv Lösungsansätze finden.[13]

3 Analyse der Lerngruppe und der Rahmenbedingungen

3.1 Pädagogisch-psychologische Einschätzung der Klassen 6b,c

Die Schüler der Klasse 6b und 6c unterrichte ich seit Beginn des Schuljahres 2016/2017 im Fach Sport. Der Sportkurs besteht aus 25 ausschließlich männlichen Schülern, was dem Arbeiten infolge eines überwiegend positiven Umgangstons und einer ausgeprägten Hilfsbereitschaft eine durchaus angenehme Atmosphäre verleiht. Trotz der merklich leistungsheterogenen Konstitution des Kurses ist das Engagement der Schüler bis auf wenige Ausnahamen sehr positiv einzuschätzen, da diese im Allgemeinen unabhängig von deren Begabung viel Freude an der Bewegung und eine hohe Motivation für den Sportunterricht mitbringen. Aufgrund dieser Situation eignen sich diese Unterstufenklassen trotz ihres jungen Alters für das genetische Vermittlungskonzept.

Im Laufe des Schuljahres wurde unter anderem das Handballspiel über das Spielreihenkonzept eingeführt, wodurch die Schüler auf eine gute technische und taktische Vorerfahrung in einem Wurf- und Fangspiel zurückgreifen können.

American Football kannten alle Schüler aus Filmen, wohingegen Flagfootball keinem der Schüler bekannt war und demnach der Reiz des Neuen bei ihnen umso mehr die Motivation schürte.

3.2 Räumliche Gegebenheiten

Der Sportunterricht findet wöchentlich dienstags in der dritten und vierten Stunde (09.45 – 11.15 Uhr) in der Sporthalle des Xxx-Gymnasiums statt, die eine angemessene Größe für Teams bis zu sechs Mann bietet.

Hütchen zum Markieren des Spielfeldes stehen in ausreichender Anzahl zur Verfügung, ebenso vier Footballs und eine spezifische Ausstattung an verschieden farbigen Flags (Abb.2)[14]. Zur besseren Orientierung und zur Unterscheidung der beiden Mannschaften tragen die Schüler zusätzlich zu den Flags verschiedenfarbige Leibchen.

4 Methodisch-didaktische Vorüberlegungen mit Bezug zum
Lehrplan

Im Hinblick auf die sportlichen Handlungsfelder ruft der Lehrplan[15], durch regelmäßiges Wiederholen, Üben und Trainieren dazu auf, den Schülern wesentliche motorische Fertigkeiten und koordinative Fähigkeiten zu vermitteln und diese stetig in individuellem Tempo zu verbessern.

Außerdem erwartet der Lehrplan im Bereich des Handlungsfelds Sportspiele neben der technik- und taktikspezifischen Hinführung zu den Zielspielen, die Entwicklung allgemeiner spielerischer Handlungskompetenzen wie die Orientierung an Mit- und Gegenspieler und vor allem die Weiterentwicklung der Grundtechniken – insbesondere des zielgenauen, kontrollierten Zuspiels. Das Unterrichtprojekt Flagfootball wird somit diesem Handlungsfeld gerecht.

Weiterhin spielen die Lernbereiche „Gesundheit und Fitness“, „Freizeit und Umwelt“ und „Leisten, Gestalten, Spielen“ eine zentrale Rolle. Innerhalb dieser erwerben die Schüler wichtige Fertigkeiten, Fähigkeiten, Kenntnisse und vor allem Einstellungen, wodurch die so wichtige Bedeutung des sportlichen Handelns, eigenverantwortlich sportlich aktiv zu sein, im höchsten Maße gefördert wird.

Der Fokus liegt beim Flagfootballprojekt jedoch primär auf dem Lernbereich „Fairness und Kooperation“. Beide Parameter werden durch die jeweils vorliegende Spielsituation gezielt geschult. Das Akzeptieren und Einhalten von Grundregeln wie die Unterlassung von Körperkontakt sowie das situative Anpassen und gemeinsame Erarbeiten von spielflussfördernden Regeln, die dem Spiel nach und nach eine höhere Komplexität verleihen, ist die Grundlage für ein friedliches Mit- und Gegeneinander. In den spielerischen Wettkämpfen müssen die Schüler Konflikte im eigenen Team und im Leistungsvergleich möglichst schnell lösen, um diesen Wettkampf erfolgreich zu bestreiten und um den Bewegungsanteil so groß wie möglich zu halten.

Das „Spielen“ steht alleine deshalb schon im Vordergrund, da das Ausüben verschiedener Spielformen zur Hinführung der Spielidee maßgeblich beiträgt. Diese Vermittlung kommt dem altersgemäßen Bewegungsdrang entgegen. Neben dem „Spielen“ bleibt viel Platz für „Leisten“ und vor allem „Gestalten“. Die Schüler können sich durch ihre Leistung in den Übungs- und Spielformen ausdrücken und miteinander vergleichen, dabei gestalten sie diese durch eigene, problemlösende Ideen zur Verbesserung des Spielflusses primär selber.

Dem Bereich „Freizeit und Umwelt“ wird, vor allem durch den Aspekt, dass Flagfootball eine Freiluftsportart ist und diese auch bei entsprechendem Wetter außerhalb der Halle auf geeigneten Plätzen realisiert werden kann, genüge getan. Außerdem soll auch den Schülern aufgezeigt werden, mit welchem geringen Materialbedarf bzw. Materialalternativen wie Handtüchern oder T-Shirts als Flags dieses Spiel auch in der Freizeit ausgeübt werden kann.

In jeder Sportstunde sollten sich allein durch die aktive Bewegungszeit positive Auswirkungen auf die „Gesundheit und Fitness“ ergeben. Trotz der Reflexionsphasen bei der angewendeten Vermittlungsmethode des genetischen Lernens wird darauf geachtet, dass die aktiven Phasen dem hohen Bewegungsdrang der Schüler gerecht werden.

Um die Effektivität der Unterrichtseinheit sicher zu stellen, ist es wichtig, dass im gesamten Sportkurs ein hohes Maß an Leistungsbereitschaft und Durchhaltevermögen vorhanden ist.

5 Durchführung und Analyse des geplanten Unterrichtsprojekts

Das geplante Unterrichtsprojekt fand im Zeitraum vom 22.11.2016 – 20.12.2016 statt. Dabei waren alle Stunden für eine Durchführung in der Sporthalle konzipiert.

Das genetische Vermittlungsprinzip stellt eine besondere Herausforderung für die Vorbereitung des Unterrichtsprojektes dar, da wie oben schon angeführt, Phänomene und damit verbundene Probleme nicht zuverlässig planbar, sondern lediglich erahnbar sind. Zusätzlich sollen die Schüler selber Lösungsansätze und entsprechende Spiel- und Übungsformen zum Optimieren taktischer Feinheiten des Flagfootballs finden. Dies führt dazu, dass für die einzelnen Stunden zwar Grob- und Feinziele geplant werden können, die erfolgreiche Umsetzung, bzw. in welcher Reihenfolge diese Ziele erreicht werden, jedoch stark von dem individuellen Verhalten, den Ideen und Engagement der Schüler abhängt. Dieser Faktor bedingt eine permanente Modifikation und möglicherweise Neuplanung der darauffolgenden Unterrichtseinheit, was eine äußerst umfangreiche Konzeption der einzelnen Stundenskizzen nach sich zieht, da zu denkbaren Erwartungen jeweils mögliche Lösungsansätze aufgezeigt werden müssen. In den folgenden Beschreibungen wird demnach zunächst der geplante Unterrichtsverlauf und zugehörige Erwartungen präsentiert sowie nachfolgend die tatsächlichen Ergebnisse dargelegt.

5.1 Praktische Durchführung der ersten Unterrichtseinheit

Ziel dieser Stunde ist eine grundlegende Einführung ins Flagfootballspiel. Die Schüler lernen dabei das genetische Vermittlungsprinzip kennen und sollen erste Regelergänzungen gemeinsam erarbeiten und ausprobieren.

5.1.1 Erläuterung der Vorgehensweise in der ersten Unterrichtseinheit

Zu Beginn der ersten Stunde wird eine Blindumfrage durchgeführt, um Vorerfahrungen der Schüler mit einzelnen Ballsportspielen vor allem American Football und Flagfootball zu erfragen. Dazu schließen die Schüler die Augen und bestätigen die Fragen des Lehrers mit Handzeichen. Eine Fragereihe lautet z.B.: „Kennst du American Football? – Kennst du American Football aus der Schule? – Kennst du American Football aus dem Verein? – Kennst du American Football aus dem Fernsehen?“

Im Anschluss wird den Schülern das Thema der folgenden Stunden vorgestellt mit dem Vermerk, dass sie primär selber den Stundenverlauf bestimmen. Dies wird ihnen beim folgenden Aufwärmspiel Parteiball mit einem Football verdeutlicht. Dabei generiert der Football einen hohen Aufforderungscharakter. Die Klasse wird auf zwei Spielfelder aufgeteilt, wobei die einzelnen Mannschaften vom Lehrer bewusst – leistungsstark gegen leistungsschwach – eingeteilt werden. Neben der Spielfeldbegrenzung ist kein weiterer Rahmen vorgegeben. Auf der Grundlage, dass die Schüler das Parteiballspiel aus dem vorangegangen Sportunterricht kennen, sind Fragen zu der Schrittregel und dem Punktgewinn zu erwarten. Dabei bestimmen die Schüler selber diese Regeln und probieren sie auf ihrem Spielfeld aus. Durch die vorgegebene Mannschaftseinteilung wird ein weiteres Problem hinsichtlich des Spaßfaktors provoziert, das kooperativ von den Schülern bearbeitet werden soll. Durch gezieltes Lenken im Unterrichtsgespräch werden die Schüler zur Erkenntnis geführt, dass ausgeglichene Mannschaften nicht nur für leistungsschwächere Schüler interessanter sind, um auch Punkte erzielen zu können, sondern auch für leistungsstärkere, damit der Punktgewinn ebenso für sie eine Herausforderung darstellt. Den Schülern wird an dieser Stelle erneut das bisherige und künftige eigenverantwortliche Vorgehen verdeutlicht, sodass sie verinnerlichen, in Zukunft eigene Lösungsansätze für auftretende Probleme zu entwickeln und diese anschließend darauf zu testen, ob ihre Ideen die erwarteten Ergebnisse mit sich bringen. Dabei beobachten nicht aktiv am Unterricht teilnehmende Schüler aufmerksam das Geschehen und übernehmen teilweise Lehrer- und Schiedsrichteraufgaben.

Im Anschluss an das Aufwärmen werden in Bezug auf die Blindumfrage an einem vorbereiteten Plakat die Grundregeln für das Flagfootballspiel erarbeitet. Dabei stellen sich die Fragen nach dem Punktgewinn und damit dem Ziel des Spiels sowie einer etwaigen Schrittreglementierung mit Ball, dem erlaubten Körperkontakt und wie man seinen Gegner aufhalten kann. Dazu verwendet der Lehrer selber ein Flagfootballoutfit, um vor allem auf die letzte Frage anschaulicher eingehen zu können. Folgende Grundregeln werden erwartet. Punktgewinn durch Bringen des Balls in die gegnerische Endzone (Touchdown). Eine Schrittreglementierung gibt es nicht. Körperkontakt ist verboten! Den Gegenspieler kann ich aufhalten, indem ich eine Flag ziehe, wenn er im Ballbesitz ist oder ich einen Pass abfange. Zur Sicherung erhalten die Schüler ein Playbook[16], in das sie die erarbeiteten Grundregeln übernehmen sollen.

Es folgt das erste Ausprobieren der Grundregeln in der Praxis. Dabei wird sechs gegen sechs auf ein vorbereitetes Feld inklusive fünf Meter Endzone gespielt. Probleme, die unmittelbar auftreten sollten, sind die Fragen nach dem Ort und der Art des Spielbeginns und der Positionierung des Gegners. Eine mögliche Lösung ist traditionell der Spielbeginn durch Ballübergabe an einen Mitspieler von der Mittellinie, bei der das gegnerische Team mit festgelegtem Abstand auf seiner Spielfeldhälfte steht. Weiterhin ist ein chaotischer Spielfluss durch ständigen Ballbesitzwechsel infolge fehlgeschlagener Pässe oder Probleme beim Fangen des Balls zu erwarten. Eine mögliche zum Zielspiel hinführende Idee wäre das Prinzip, dass eine Mannschaft mehrere Angriffsversuche nacheinander hat, um einen Touchdown zu erzielen. Nachdem erste Regeln ergänzt werden, die für den Spielablauf wichtig sind und erfolgreich erprobt worden sind, übernehmen die Schüler diese in ihr Playbook.

Nach dieser für die Schüler kognitiv anstrengenden Stunde erfolgt ein lockeres Dehnen im Sitzen und Liegen zu entspannender Musik.

5.1.2 Beobachtungen der ersten Unterrichtseinheit

Die Blindumfrage hat ergeben, dass kein Schüler Flagfootball kannte, dafür aber alle Schüler American Football schon einmal im Fernseher gesehen haben. Eine solche Trendsportart in der Schule zu spielen, war eine hohe Motivation für alle Schüler. Die Regelprobleme im Aufwärmspiel Parteiball erkannten die Schüler sofort und lösten diese auf beiden Spielfeldern jeweils anders. Auf dem einen Feld wurden fünf Schritte erlaubt und ein Punkt nach sieben Pässen gegeben, auf dem anderen Feld hielten sich die Schüler an eine Dreischrittregel und punkteten bereits nach fünf erfolgreichen Pässen. Auf beiden Spielfeldern wurde zusätzlich noch festgelegt, dass bei einem Ausball der Ballbesitz wechselt. Das Unterrichtsgespräch bezüglich der ungleichen Teams gestaltete sich zunächst relativ zögerlich und bedurfte viel Mitwirken durch die Lehrperson, führte letzten Endes aber zu der gewünschten Erkenntnis und einer selbstständigen Mannschaftseinteilung durch zwei freiwillige Schüler.

Die Erarbeitung der Grundregeln im Folgenden verlief im Gegensatz dazu auch ohne große Beteiligung seitens des Lehrers problemlos und zielführend. Besonders gefallen hat den Schülern der Erhalt ihres persönlichen Playbooks.

Bei der anschließenden praktischen Umsetzung im freien Spiel eröffneten einige Schüler, anders als erwartet, dieses sofort durch die aus dem Fernsehen bekannte Variante des Anwurfes durch die Beine, dem sogenannten Snap (Abb. 3). Diese Eröffnung wurde erprobt und von den Schülern einerseits für sinnvoll, andererseits aber vor allem als sehr motivierend empfunden. Die gegnerische Mannschaft musste circa vier Meter Abstand einhalten. Nach mehreren hektisch wirkenden Ballbesitzwechseln wurde mit den Schülern im Gespräch nach passenden Lösungen gesucht. Auch hier zeigte sich eine mediale Vorerfahrung auf Schülerseite, welche schnell die Idee von mehreren Angriffsversuchen, den sogenannten Downs als Vorschlag anbrachten. Nachdem die Anzahl auf drei Downs festgelegt und praktisch überprüft wurde, wollten einige Schüler wissen, ob es realistisch sei, einen Touchdown auch von der eigenen Endzone aus mit drei Downs erzielen zu können. Dies wurde getestet und im Anschluss die eigene Endzone als Startpunkt festgelegt, wobei eine Erhöhung der Anzahl der Downs auf vier erfolgte. Hinsichtlich der abschließenden Frage der Lehrkraft nach einer möglichen Steigerung der Attraktivität bezüglich des Punktgewinns erarbeiteten die Schüler innerhalb ihrer Mannschaften zwei Lösungen, die zum einen eine Modifikation der Endzone sowie eine Neuerung im Spiel erbrachten. Der Endzonenbereich wird zukünftig durch drei nebeneinander angeordnete Weichbodenmatten imitiert, auf die der Spieler mit dem Football springen muss. Zusätzlich erhält das Team, welches einen Touchdown erzielt hat, die Möglichkeit auf ein Field Goal und kann demnach einen weiteren Punkt gewinnen. Dieses erfolgt, indem ein Schüler den Football auf Höhe der Mittellinie festhält und ein weiterer Mitspieler diesen mit dem Fuß in Richtung des Basketballkorbes kickt. Sollte ein Teil des Brettes bzw. der Korb getroffen werden, gilt das Field Goal als erfolgreich und geht im Unterschied zu einem Touchdown, der mit zwei Punkten belohnt wird, mit einem Punkt in die Wertung ein.

Die Schüler notierten sich die neuen Regeln in ihrem Playbook und empfanden das anschließende Dehnen als entspannend.

5.2 Praktische Durchführung der zweiten Unterrichtseinheit

Ziel dieser Stunde ist die Festigung der Regeln in der Praxis. Dabei sollen die Schüler Defizite im Spielgeschehen erkennen und verbessern. Zusätzlich werden notwendige Individualtechniken wie Werfen, Fangen und Transportieren des Balls besprochen und verstärkt geübt.

5.2.1 Erläuterung der Vorgehensweise der zweiten Unterrichtseinheit

Zur Aktivierung des Herz-Kreislauf-Systems und zur Mobilisierung der im Flagfootball verwendeten Muskelgruppen spielen die Schüler Linienball auf zwei Feldern. Dabei werden zusätzlich die für diese Stunde gegenständlichen Individualtechniken gefordert und in den Fokus gerückt. Das Ziel dieses Spiels besteht darin, den Ball durch geschicktes Passspiel auf der gegnerischen Grundlinie abzulegen, wobei der Spieler in Ballbesitz nur drei Schritte laufen darf und spätestens zu diesem Zeitpunkt einen Pass einleiten muss. Als Variation wird zu Beginn mit einem Softball gespielt und im Anschluss mit dem üblichen Football in Junior Größe. Nach dem Erwärmungsspiel werden nochmals die Regeln zum Flagfootballspiel aus der letzten Stunde mit Hilfe der im Playbook niedergeschriebenen Informationen wiederholt.

Danach wird erneut Flagfootball sechs gegen sechs gespielt. Als Variationsmöglichkeit ist auch fünf gegen fünf denkbar, da auf diese Weise mehrere Beobachter die Spielsituationen vom Spielfeldrand aus verfolgen und sich über das Spielgeschehen austauschen können. Das Spiel wird infolge von wiederholt auftretenden Problemen, die den Spielfluss einschränken, unterbrochen. Im Vorfeld der Unterrichtseinheit kann das Eintreten folgender Phänomene mit hoher Wahrscheinlichkeit vorausgeahnt werden. Es bilden sich Spielknäule, weil die Schüler zu ballbezogen agieren. Pässe kommen nicht an bzw. können nicht gefangen werden, da die Technik des Werfens und Fangens Defizite aufweist. Weitere Punkte, die möglicherweise besprochen werden, sind die Tragetechnik des Balls und die schnelle sowie sichere Ausführung des Snaps.

Die Orientierung weg vom Ball und hin zum Generieren von Freiräumen, ist ein Grundproblem, welches in allen Ballsportspielen vor allem zu Beginn des Lernprozesses auftritt. Zur Entwicklung von Lösungsansätzen kann ein Zurückblicken auf die Handballeinheit dieses Schuljahrs unterstützend wirken, bei der ebenso die Verbesserung des Freilaufens ein wichtiger Schritt hin zu einem flüssigen Spiel war. Für diese Problematik bieten sich sämtliche Spiele mit Schrittregeln an, z.B. Parteiball oder Mattenball.

Neben dieser essentiellen Kognitivierung der Schüler in Bezug auf die Wichtigkeit der Laufwege bildet die Wurftechnik eine weitere wichtige Stütze auf dem Weg hin zum Zielspiel. Diese sollte explizit durch eine Besprechung der einzelnen Bewegungselemente und eine anschließende Demonstration thematisiert werden. Damit zusammenhängend spielt auch die korrekte Grifftechnik eine wichtige Rolle, bei der Mittel-, Ring- und kleiner Finger auf der Naht des Footballs liegen. Daumen und Zeigefinger umgreifen die Spitze des Footballs, die zum Werfer zeigt (Abb. 4). Eine einfache Übungsform ist das Positionieren in Gassenaufstellung und partnerweiße Zupassen des Balls, wobei gleichzeitig die Technik des Fangens, die ebenfalls zum Gegenstand der Diskussion gemacht werden sollte, verbessert wird. Übungsmöglichkeiten bieten Zielwurfspiele, z.B. auf Hütchen oder Reifen, die in Fußballtore gehangen werden. Interessant ist die Möglichkeit der erzwungenen Häufung von Pässen, indem das Spielfeld verkleinert wird, da somit Laufspielzüge fast nicht mehr möglich sind. Gleichzeitig wird dabei dennoch das geschickte Freilaufen geschult.

Durch geeignete Staffelspiele kann z.B. eine hohe Wiederholungszahl von Pass- und Fangenbewegungen erreicht werden. Dabei sollte das Fangen von hohen und tiefen Pässen integriert werden.

Die natürliche Lauf- und Sprintbewegung lässt sich mit der Tragetechnik, den Football in einem Arm zu halten, am effektivsten realisieren. Durch die Größe und Form des Balls geschieht die Sicherung beim Tragen durch „Einspannen“ des Balls zwischen angezogenem Handgelenk und Oberarm (Abb. 5). Eine mögliche Spielform, um das Laufen mit Ball zu schulen, ist Jägerball. Dabei haben alle Schüler einen Ball und ihre Flag in einem mit Hütchen begrenzten Spielfeld bei sich. Es werden zwei Jäger mit Leibchen markiert. Diese versuchen nun die Flags der anderen Spieler (Hasen) zu ziehen. Ziel ist es in einer festgelegten Zeit so viele Flags wie möglich zu fangen. Ebenso gilt man als ausgeschieden, wenn die Kontrolle über den eigenen Ball verloren wird. Die Schüler notieren sich entsprechende Erkenntnisse in ihrem Playbook.

Als eine Art Ritual folgt erneut ein lockeres Dehnen im Sitzen und Liegen zur Musik.

5.2.2 Beobachtungen der zweiten Unterrichtseinheit

Das Erwärmungsspiel hat die Schüler sehr gut innerviert und auf das kommende Stundenprogramm vorbereitet. Die Regelwiederholung konnte zügig und präzise aufgrund der Unterstützung durch das Playbook abgeschlossen werden, wobei außerdem die Gründe der jeweiligen Regel im Unterrichtsgespräch nochmals ins Gedächtnis gerufen wurden.

Im anschließenden Spiel hat sich das erwartete Spielerknäul ergeben. Der passive Schüler, der Fußball im Verein spielt, hat dies ebenso erkannt und konnte so die Rolle des Lehrers übernehmen und das Spiel unterbrechen. Die Sensibilisierung für das Freilaufen und der Sinn, welcher dahinter steckt, wurde nach einem Unterrichtsgespräch von den Schülern erkannt. Zur Verbesserung schlugen die Schüler kooperativ und eigenständig Parteiball vor. Dabei wollten sie besonders bewusst auf das Freilaufen und Anbieten für den Mitspieler achten. Im Anschluss an ein gut funktionierendes Parteiballspiel wurde Flagfootball erneut zum Gegenstand der Stunde.

In den folgenden vier Spielzügen kam es dreimal zu einem unvollständigen Pass, sei es durch einen unpräzisen Wurf oder schlechte Fangtechnik. Die Schüler empfanden die Pässe selber als zu hektisch, zu weit und zu unsauber hinsichtlich der Technik ausgeführt. Die Lehrkraft räumte der Sportklasse ein Zeitfenster von drei Minuten ein, in dem sie sich über die korrekte Wurftechnik Gedanken machen dürfen und sie sich gegenseitig erklären können. Im Anschluss war sich die Klasse schnell darüber einig, welche zwei Schüler diese demonstrieren sollen. Daraufhin haben sich die Schüler in Sechsergruppen zusammengefunden und das Werfen und Fangen in Gassenaufstellung über verschiedene Distanzen mit Nachlaufen ausprobiert. Nach einiger Zeit entwickelte sich aus dieser Übung ein Wettkampfcharakter, indem jede Gruppe ihre vollständigen Pässe zählte, ohne dass der Football den Boden berührt. Im Anschluss an diesen Technikteil resümierten die Schüler die gewonnenen Erkenntnisse in einem Gesprächskreis und formulierten für das anschließende Flagfootballspiel das Ziel, sich besser freizulaufen, damit auch kurze Pässe möglich sind. Dieses Ziel konnte nicht in jedem Spielzug erfolgreich umgesetzt werden, jedoch war eine deutliche Verbesserung zu erkennen. Vor allem fiel auf, dass die Absprachen vor den Spielzügen zunahmen.

Des Weiteren haben die Schüler noch zwei neue Regeln ins Playbook mit aufgenommen. Spielt z.B. Team rot in der Offense, dann dürfen sie fünf Meter in Richtung gegnerische Endzone vorrücken, falls sich die Defense bewegt, bevor der Snap ausgeführt wird. Bewegt sich allerdings die Offense zu früh, verlieren sie analog dazu eigene fünf Meter. Diese Regel wurde ergänzt, da es häufig dazu kam, dass der Snap gerade erst ausgeführt wurde und die Defense durch frühzeitiges Bewegen direkt auf Höhe der Offense stand (Abb. 6). Weiterhin wurde konstatiert, dass zu Beginn eines Spielzuges der Center das Signal „Snap“ lautstark erteilt.

Die Schüler haben unter anderen diese neuen Regeln und weitere Notizen zum Werfen und Freilaufen in ihr Playbook übernommen.

[...]


[1] Brinke/Kränzle, American Football, 2016, S.15.

[2] In der Literatur finden sich mit Flagfootball bzw. Flag-Football unterschiedliche Schreibweisen. Aus Gründen einer verbesserten Lesbarkeit wird nachfolgend einheitlich die erstgenannte Schriftform verwendet.

[3] vgl. http://www.afvd.de/download/AFVD_Regeln_5on5_Flag_Football_2014ff_(31.01.2014).pdf, besucht am: 08.02.2017, 13:10 Uhr.

[4] vgl. http://studentweb.cortland.edu/eric.greenwood/leaguehistory.htm, besucht am: 08.02.2017, 10:25 Uhr.

[5] Im Flagfootball werden die Begriffe wie bei der Muttersportart American Football allesamt in englischer Sprache verwendet. Diese Begriffe müssen die Schüler nicht explizit lernen, wer- den jedoch im Unterricht teilweise mit verwendet und entsprechend erklärt. Die Bedeutungen der wichtigsten Begriffe befinden sich im Anhang 8.5 Englische Fachbegriffe.

[6] Laut Regelwerk startet der jeweils erste Spielzug der beginnenden Mannschaft an der eigenen 5- Meter-Linie. Die angreifende Mannschaft hat maximal vier Versuche, um von dort die Mittel- linie zu erreichen bzw. zu überqueren und nachfolgend nochmals vier Versuche, um einen Touchdown in der Endzone zu erzielen.

[7] vgl. Lange/Sinning, Neue und bewährte Ballspiele: für Schule und Verein, 2001, S. 59.

[8] vgl. Glorius/Leue, Ballspiele, Praxiserprobte Spielideen für Freizeit, Schule und Verein, 2010, S. 66f.

[9] vgl. http://www.flagfootball.de/text.php?Inhalt=page&ID=10&menu=31&HP=flagfootball, be- sucht am: 10.02.2017, 9:17 Uhr.

[10] Loibl, Basketball - Genetisches Lehren und Lernen, 2001, S. 21.

[11] vgl. Loibl, Basketball - Genetisches Lehren und Lernen, 2001, S.19.

[12] vgl. Lange/Sinning, Handbuch Methoden im Sport, 2010, S. 62-71.

[13] vgl. Loibl, Basketball - Genetisches Lehren und Lernen, 2001, S.19ff.

[14] Als Abkürzung für den Begriff Abbildung wird im folgenden Abb. verwendet. Die Abbildungen befinden sich im Anhang 8.1 Abbildungen.

[15] vgl. http://www.isb-gym8-lehrplan.de/contentserv/3.1.neu/g8.de/index.php?StoryID=26324, be- sucht am: 12.02.2017, 08:15 Uhr.

[16] Im Playbook notieren die Schüler Regeln, Gruppentaktiken, wichtige Notizen und ihre erreich- ten Punkte beim Abschlussturnier. Eine Druckvorlage befindet sich im Anhang 8.3 Playbook.

Details

Seiten
59
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668471269
ISBN (Buch)
9783668471276
Dateigröße
1.6 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v368462
Note
1
Schlagworte
Sport Flagfootball genetisch Modell Klasse 6 fair Fairness Erzeihung Trendsport Schule

Autor

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Titel: Fairnesserziehung durch ein genetisches Unterrichtsmodell im Flagfootball in einer 6. Jahrgangsstufe