Lade Inhalt...

Machtsicherung der NSDAP durch Terror und Gewalt im Jahr 1933

Hausarbeit 2016 15 Seiten

Geschichte Europa - Deutschland - Nationalsozialismus, II. Weltkrieg

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Die Machtsicherung der NSDAP durch Terror und Gewalt im Jahr 1933

2. Der Reichstagsbrand und seine Auswirkungen
a) Ablauf des Reichstagsbrandes
b) Folgen des Reichstagsbrandes

3. Die „wilden“ Konzentrationslager

4. Parteiinterne Gewalt – „Nacht der langen Messer“

5. Das Konzentrationslager Dachau im Jahr 1933

6. Fazit

Quellen- und Literaturverzeichnis

1. Die Machtsicherung der NSDAP durch Terror und Gewalt im Jahr 1933

„Das ist der Beginn des kommunistischen Aufstandes, sie werden jetzt losschlagen! Es darf keine Minute versäumt werden!“.[1] Durch den von Göring 1933 angekündigten angeblichen Beginn des kommunistischen Aufstandes beginnt eine große und impulsive Welle des Terrors und der Gewalt der NSDAP: Wilde Konzentrationslager, verstärkte Verfolgungen der politischen Gegner, zahlreiche Morde und willkürliche Anwendung von Gewalt und Terror gegen Andersdenkende gehörten nach der Machtergreifung Hitlers zum Alltag vieler Menschen.

Rückblickend haben die bis zum Kriegsende andauernden Gräueltaten der Nationalsozialisten in vielen Bereichen ihren Ursprung in den Geschehnissen des Jahres 1933: Die für die Machtsicherung eingesetzten Mittel wurden im Laufe der Zeit aggressiver und kontrollierter, außerdem fand sie ihre Legitimation in diesem Jahr. Im weiteren Verlauf des Jahres 1933 konnte die NSDAP ihren Terror systematisieren – die ersten Konzentrationslager für politische Gefangene wurden eröffnet und das Lager in Dachau als Vorbild für viele folgende genutzt.[2] Dadurch kristallisiert sich heraus, wie bedeutsam und maßgebend das Jahr 1933 für die weitere Entwicklung der Gräueltaten der NSDAP gewesen ist.

Wie konnte sich also diese Gewalt und dieser Terror im Jahr der Machtergreifung zuspitzen? Wie kam Göring dazu, solche drastischen Worte zu verwenden und welches Motiv haben die Nationalsozialisten genutzt, um den Terror und die Gewalt im Jahr 1933 als legitim zu bezeichnen? Wie hat sich der Terror vom unsystematischem zum systematischem Terror entwickelt? Durch die Auseinandersetzung mit diesen Fragen will ich eine Grundlage schaffen, die die Leitfrage meiner Hausarbeit beantworten soll: Mit welchen terroristischen und gewalttätigen Maßnahmen wurde die Machtsicherung der NSDAP im Jahr 1933 gewährleistet?

Im Verlauf meiner Arbeit werde ich mich ausschließlich auf das Jahr der Machtergreifung und vereinzelt auf das darauffolgende Jahr beziehen, da diese unmittelbar mit der Machtsicherung einhergehen und diese im Fokus meiner Betrachtung liegen wird. Zwar haben die Auswirkungen, wie oben erwähnt, drastische Folgen in den weiteren Jahren zu verzeichnen, doch genau deshalb ist für mich der Ursprung derer umso wichtiger. Die dafür genutzten Quellen sollen einen Einblick über das Ausmaß und die Entwicklung des Terrors geben: Das Buch des ehemaligen KZ – Häftlings Hans Beimler beleuchtet hierbei die Gewalt in einem Konzentrationslager, Dirk Schumann legt mit seinem Aufsatz seinen Schwerpunkt auf die Entwicklung und die Folgen des Terrors der NSDAP.

Durch die Verwendung dieser und weiterer Quellen werde ich auf die Ereignisse des Jahres 1933 eingehen, die zur Legitimation der Gewalt führen, willkürlichen Terror auslösen und sich zur systematischen Gewalt zuspitzen. Die zentrale Frage, mit welchen gewalttätigen Maßnahmen die NSDAP die Machtsicherung 1933 vollzog, soll durch diesen Aufbau beantwortet werden.

2. Der Reichstagsbrand und seine Auswirkungen

Die radikale Ansprache Görings, die Kommunisten würden nun mit einem Aufstand beginnen, wurde von Hitler persönlich übertroffen: Wer sich nun der NSDAP in den Weg stelle, werde „niedergemacht“. Er prophezeit, dass das deutsche Volk „für Milde kein Verständnis“ haben werde. Außerdem befiehlt er, dass jeder kommunistische Funktionär „erschossen“ werden solle. Des Weiteren fordert er, dass die kommunistischen Abgeordneten „noch in dieser Nacht aufgehängt werden“ müssen.[3] Was geschah in dieser Nacht, dass die Führungsetage der NSDAP zu solchen drastischen Worten griff, obwohl die „Gewalt von oben“[4] verstärkt den Legalitätskurs verfolgte?[5]

a) Ablauf des Reichstagsbrandes

Am Abend des 27. Februar 1933 steht das Reichstagsgebäude in Flammen. Der vermeintliche Brandstifter ist schnell gefunden: Der holländische Kommunist Marinus van der Lubbe wird verhaftet, er habe das Feuer ausgelöst, weil er die Arbeiterklasse mobilisieren wolle.[6] Mit diesem Motiv war die Führungsetage der NSDAP nicht zufrieden: Wie aus den genannten Zitaten deutlich wird, prophezeiten sie einen anstehenden Aufstand der Kommunisten.

Die bis heute ungelöste Frage ist, ob Marinus van der Lubbe der Brandstifter war oder die NSDAP das Feuer selbst gelegt hat. Die Nationalsozialisten als Urheber dieses Brandes zu beschuldigen, ist durch zwei Tatsachen sehr naheliegend: Schon am Nachmittag des 27. Februars wurden Verhaftungsaktionen für die darauffolgende Nacht in die Wege geleitet.[7] Ein weiteres Motiv, was für meine Hausarbeit von zentraler Bedeutung ist, ist die Tatsache, dass der Reichstagsbrand sehr gut in die Karten der NSDAP spielte und langanhaltende Folgen verursachte, auf die ich im Folgenden näher eingehe.

b) Folgen des Reichstagsbrandes

Ein Tag nach dem Brand des Reichstages wurde die Notverordnung des Reichspräsidenten zum „Schutze von Volk und Staat“[8], auch „Reichstagsbrandverordnung“ genannt, verabschiedet. Sie war grundlegend für die Ausdehnung der Machtbasis des Regimes[9] und stellt das Fundament eines bis zum Kriegsende andauernden Terrors.

Sie hob wichtige Grundrechte auf und ermöglichte es der Reichsregierung, die Länderregierungen ihrer Kontrolle zu unterwerfen.[10] Die Verordnung zeigte die feindselige Haltung der NSDAP gegenüber den Kommunisten: So wird die Reichstagsbrandverordnung mit der „Abwehr von kommunistischen staatsgefährdenden Gewaltakten“[11] eingeleitet. Interessant ist hierbei, dass man von einer Abwehr spricht – man sah sich also gezwungen, Notwehr zu leisten. Durch die Wortwahl der Abwehr wird deutlich, dass man sich nur selbst beschützt und der Feind, in diesem Fall die Kommunisten, schädliche Absichten hat. Um diese Notwehr zu gewährleisten, wurden wichtige Artikel der Weimarer Verfassung, die den Bürgern Grundrechte zusicherten, außer Kraft gesetzt. Dazu gehören die Unverletzlichkeit der Wohnung, die Unverletzlichkeit des Eigentums und die Freiheit der Person.[12] Eine zentrale Rolle nimmt dabei Paragraph 5 der Reichstagsbrandverordnung ein: Durch diesen wurden Vergehen, die im äußersten Fall mit lebenslangem Zuchthaus bestraft worden sind, auf die Todesstrafe erhöht.[13] Somit wird deutlich, dass die Reichstagsbrandverordnung eine zentrale Rolle für den Terror und die Gewalt der NSDAP spielt: Die Terrorisierung der Linken erreichte neue Ausmaße, tausende Funktionäre und prominente Linksintellektuelle wurden kurz nach dem Inkrafttreten der Verordnung verhaftet.[14] Die Sicherung der Macht durch Terror und Gewalt wurde somit offiziell in die Wege geleitet. Die SA sorgte außerdem durch ihre unkontrollierbaren Racheaktionen und ihrer Folter für allgemeine Verunsicherung.[15] Exekutive Maßnahmen wurden ebenfalls durch die Verordnung beschleunigt.[16]

Eine weitere Folge war, dass der nationalsozialistische Terror und die Verfolgung der Kommunisten in der Presse Zuspruch bekam. Die Saale Zeitung verlangte einen „Vernichtungsfeldzug“, die Magdeburgische Zeitung forderte, dass alle kommunistischen Angriffe „mit allen Machtmitteln, über die der Staat verfügt, pariert werden“ müsse.[17] Der Reichstagsbrand hatte also nicht nur zur Folge, dass viele Menschen verhaftet worden sind, sondern auch, dass die Presse diese Taten positiv beäugte. Auch in den Medien war also ein Wandel, welcher die Verteidigung des deutschen Volkes forderte, zu erkennen.

3. Die „wilden“ Konzentrationslager

Nach den Massenverhaftungen, begründet durch den Reichstagsbrand, wurden erste Lager eingerichtet.[18] Sie waren in erster Linie dafür gedacht, die hohe Zahl der Verhafteten unterzubringen, da Gefängnisse und Strafanstalten ihre Kapazitäten überschritten.[19] Die Lager waren oft an improvisierten Orten stationiert, wie Turnhallen, Pferdeställe und Zentralen von feindlichen Parteien.[20] Sie werden von Peter Longerich als „Folterzentralen“[21] bezeichnet. Die Lager waren außerdem auf privater Initiative örtlicher Faschisten gegründet, die dabei auch ihren persönlichen Rachegelüsten nachgingen[22] - sie unterstand also meist den Männern der SA. Das Ausmaß an angewandter Gewalt in diesen „wilden“ Konzentrationslagern wird anhand eines Beispiels deutlich: Auf der Burg in Nürnberg, in denen sich SA – Männer einrichteten, wurden politische Gegner verschleppt und misshandelt. Die Schreie der Inhaftierten waren deutlich auch außerhalb der Burg zu hören.[23] Doch die SA war damit nicht alleine: Die Polizei kooperierte oft mit den SA – Männern, es wurden Geständnisse auf der Burg erpresst und an die Polizei weitergegeben. Weigerte sich der Gefangene, die erzwungene Aussage zu unterschreiben, wurde ihm gedroht, wieder in das Lager zurückgeführt zu werden.[24] Hier wird deutlich, dass Andersdenkende durch die Maßnahmen der SA – Männer ihre Ideologie hinterfragen mussten. Es ging auch darum, die Macht der NSDAP, und die für diese Art von Gewalt zuständige SA, zu demonstrieren und politische Gegner willkürlich zu diffamieren.

Der „wilde“ beziehungsweise willkürliche Terror der SA spitzte sich in der Köpenicker Blutwoche zu. Am Tag nach einer SA – Razzia, in dem hunderte Kommunisten und Sozialdemokraten festgenommen wurden, erschoss ein Sozialdemokrat drei SA – Leute. Diese wollten in das Haus seiner Eltern eindringen.[25] Nach diesem Ereignis wurde die in Köpenick zuständige SA rasend vor Wut, wodurch in den folgenden Tagen 500 Menschen verschleppt wurden. Mindestens 17 von ihnen wurden in der „Köpenicker Blutwoche“ ermordet, der Rest von ihnen unterstand unerträglicher Folter.[26] Die Willkür der SA, die aufgrund eines Einzeltäters ihren Rachegelüsten an mehreren hundert Menschen nachgingen, beleuchtet die minderwertige Stellung der politischen Gegner. Der unsystematische Terror, der in diesem Fall hauptsächlich als „Gewalt von unten“ zu werten ist, ist als Vorläufer für die institutionalisierten Lager zu betrachten, da viele Merkmale, wie der Aufbau der Lager, die überzogenen Foltermethoden und das Ziel, politische Gegner mundtot zu machen, sich gleichen.
Die wilden Konzentrationslager waren also der erste Schritt, die Verfolgung von Andersdenkenden und religiösen Minderheiten in großem Ausmaß in die Wege zu leiten. Durch die genannte Willkür, die von den SA – Männern ausging und der Polizei, die oft mit ihnen kooperierte, konnte eine solide Grundlage zur Sicherung der Macht geleistet werden: Die vielen Freigelassenen der Köpenicker Blutwoche und die der anderen Lager berichteten über die Geschehnisse und auch bei unbeteiligten Gegnern konnte somit die Dominanz der NSDAP, die Machtlosigkeit der Feinde der NSDAP und die Nutzlosigkeit des Widerstandes deutlich gemacht werden. Abschließend ist zu erwähnen, dass im Laufe des Jahres 1933 zahlreiche „wilde“ Konzentrationslager geschlossen[27] oder als systematisierte Lager fortgeführt wurden.

[...]


[1] Diels, Rudolf: Lucifer ante portas. Stuttgart 1950, S. 194.

[2] Vgl. Benz, Wolfgang: Die 101 wichtigsten Fragen. Das Dritte Reich, 3 Auflage, München 2012, S. 56.

[3] Vgl. Diels, Rudolf: Lucifer ante portas, S. 194.

[4] Die „Gewalt von oben“ bezeichnet die Gewalt aus der Perspektive der NS – Führung. Außerdem kann die Gewalt auch von „unten“ betrachtet werden, also aus der Perspektive der SA – Männer selbst. Vgl. Schumann, Dirk: Gewalt als Methode der nationalsozialistischen Machteroberung, in: Wirsching, Andreas (Hg.): Das Jahr 1933. Die nationalsozialistische Machteroberung und die deutsche Gesellschaft, Göttingen 2009 (= Dachauer Symposien zur Zeitgeschichte, Bd. 9), S. 135.

[5] Vgl. Longerich, Peter: Geschichte der SA. Nördlingen 2003, S. 165.

[6] Jesse, Eckhard: Der endlose Streit um den Reichstagsbrand – verschlungene Pfade einer einzigartigen Forschungskontroverse, in: Backes, Uwe (Hg.): Reichstagsbrand. Aufklärung einer historischen Legende, München 1986, S. 63.

[7] Vgl. Bahar, Alexander und Kugel, Wilfried: Der Reichstagsbrand. Wie Geschichte gemacht wird, Berlin 2001, S. 72.

[8] Vgl. Longerich: Geschichte der SA, S. 166.

[9] Vgl. ebd., S. 166.

[10] Vgl. Schumann: Gewalt als Methode, S. 146.

[11] Bahar; Kugel: Der Reichstagsbrand, S. 176.

[12] Vgl. ebd., S.176.

[13] Vgl. ebd., S. 177.

[14] Vgl. Schumann: Gewalt als Methode, S. 146.

[15] Vgl. Longerich: Geschichte der SA, S. 172.

[16] Vgl. Tuchel, Johannes: Konzentrationslager: Organisationsgeschichte und Funktion der „Inspektion der Konzentrationslager“ 1934 – 1938, Boppard am Rhein 1991, S. 53.

[17] Vgl. Schumann: Gewalt als Methode, S. 146.

[18] Vgl. ebd., S. 149.

[19] Vgl. Tuchel: Konzentrationslager, S. 52.

[20] Vgl. Schumann: Gewalt als Methode, S. 149.

[21] Longerich: Geschichte der SA, S. 173.

[22] Vgl. Kühnrich, Heinz: Der KZ – Staat, Die faschistischen Konzentrationslager 1933 – 1945, Berlin, 1980, S. 30. f.

[23] Vgl. Longerich: Geschichte der SA, S. 173.

[24] Vgl. ebd., S. 173f.

[25] Vgl. Longerich: Geschichte der SA, S. 174.

[26] Vgl. ebd., S. 174.

[27] Vgl. Sigel, Robert: Das KZ Dachau und die Konstituierung eines rechtsfreien Raumes als Ausgangspunkt des nationalsozialistischen Terrorsystems, in: Wirsching, Andreas (Hg.): Das Jahr 1933. Die nationalsozialistische Machteroberung und die deutsche Gesellschaft, Göttingen 2009 (= Dachauer Symposien zur Zeitgeschichte, Bd. 9), S.164.

Details

Seiten
15
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668468078
ISBN (Buch)
9783668468085
Dateigröße
582 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v368460
Institution / Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München
Note
2,0
Schlagworte
machtsicherung nsdap terror gewalt jahr

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Machtsicherung der NSDAP durch Terror und Gewalt im Jahr 1933