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Das genealogische Argument Nietzsches im Lichte der Dialektik von Geltung und Genese

Hausarbeit 2017 24 Seiten

Philosophie - Philosophie des 19. Jahrhunderts

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Profilierung der Fragestellung
2.1 Systematische Grundlage: Die Dialektik von Geltung und Genese
2.2 Vor gängige Kennzeichnung der genealogischen Methode
2.3 Nietzsches Kopernikanische Wende? - Der philosophiehistorische Kontext

3. Die Entstehung der Wahrhaftigkeit als Wert aus dem asketischen Ideal
3.1 Über die „Bedingungen holler Geistigkeit“
3.2 „Leben gegen Leben “ - Der Typus des asketischen Priesters als lebensfeindlicher Boden der Wahrhaftigkeit

4. Vom Wesen der genealogischen Erkenntnis
4.1 Von der Epistemologie zur Genealogie

5. Konklusion (oder die Antwort auf die Frage: Wie ist Genealogie trotzdem möglich?)

Bibliographie

1. Einleitung

über Das, was „Wahrhaftigkeit“ ist, war vielleicht noch Niemand wahrhaftig genug.[1]

Ziel der geplanten Arbeit ist die Kennzeichnung des genealogischen Arguments, wie es in Nietzsches Schrift Zur Genealogie der Moral entfaltet wird. Nietzsche geht es darum, an die Stelle der Geltung von Wertungen das Wissen um ihre Genese zu setzen. Dabei will ich zeigen, dass die genealogisch gewonnene Erkenntnis ihre Dignität und das ihr eigene Selbst­verständnis über eine Neuauslotung des Verhältnisses von Genese und Geltung gewinnt - dies sowohl hinsichtlich ihres Gegenstandes als auch des genealogischen Arguments selbst.[2]

Die Frage nach dem Wesen der genealogischen Erkenntnis, die meine erste Leitfrage darstellt, darf nicht davon absehen, dass der genealogische Blick selbst im Wirkungskreis seiner Thetik steht und damit eigentlich antithetisch (im kantischen Sinne) wird, wenn etwa auf die unmoralischen Ursprünge der Moral respektive die irrationale Herkunft der Wahrhaftigkeit als Wert verwiesen wird. Gerade der Umstand nämlich, dass die Stoßrichtung von Nietzsches Argument einer genetischen Verflüssigung überzeitlicher Geltungsansprüche folgt, wirft zweitens die Frage nach dem Geltungsanspruch der genealogischen Erkenntnis selbst auf. Daran anschließend ergibt sich eine dritte Leitfrage, nämlich welche Art von Verständnis der Moral sich im Anschluss an Nietzsches Genealogie als sachgemäß’ erweist.[3]

Mit diesen drei Leitfragen will ich die Umrisse des Gesamtkomplexes einer genealogischen Methodik[4] im Kräftespiel der Dialektik von Geltung und Genese anhand einschlägiger Textstehen in Jenseits von Gut und Böse und Zur Genealogie der Moral2 in den Blick bekommen. Zur Entfaltung der in diesen drei Leitfragen anklingenden und noch zu explizierenden These werden stichprobenartig einige für zentral befundene Stehen aus den eben genannten Werken konsultiert. Ein Anschein der Willkür (die Auswahl der Stehen betreffend) sollte durch den Gang des Arguments und den Fokus auf die genealogische Historisierung des Wahrhaftigkeitstriebs hinfällig werden.

Im Hintergrund meiner Fragestellung Stehen Michel Foucaults Gedanken zur Genealogie, die im Aufsatz Nietzsche, la ge'ne'aiogie, l’histoire von 1971 den wohl deutlichsten Niederschlag gefunden haben. Ich benutze Foucaults Reflexion der Verschränkung von wirklicher Historie und antimetaphysischer Gestik in Nietzsches Denken gleichsam als stets implizierte Folie für mein Argument zur dialektischen Interdependenz von genealogischem Denken und dem Verhältnis von Genese und Geltung. Demnach ist meine Fragestellung als Ausdruck eines Bedürfnisses zu nehmen, ein adäquates Verständnis dessen zu gewinnen, was es für die Philosophie heißen könnte, „aufmerksam auf die Geschichte“ zu hören, „statt der Metaphysik zu glauben“[5].

2. Profilierung der Fragestellung

In diesem Kapitel, welches den eigentlichen Hauptteil der Textexegese vorbereitet, geht es mir darum, den systematischen wie den historischen Fokus meiner Fragestellung zu profilieren, um gleichsam im grob gefassten Konzept einer genealogischen Methode den Boden für die später unternommene Wesensbestimmung der genealogischen Erkenntnis freizulegen.

2.1 Systematische Grundlage: Die Dialektik von Geltung und Genese

Der Begriff der Geltung betrifft gemeinhin eine „zeitlose Qualität bestimmter Abstrakta wie: Propositionen und Urteile (davon abhängig auch: Sätze, die solche Urteile ausdrücken, und Meinungen über diese Urteile), logische Schlüsse, Erklärungen, Argumentationen, Beweise, [oder] Forschungsmethoden“.[6] Gelegentlich wird die Geltung einer Aussage sogar mit der Wahrheit einer Aussage identifiziert.[7] Die infolgedessen naheliegende Analogisierung von Wahrheit und qualitativer Überzeitlichkeit in der Geltung ist als Hinweis dafür zu nehmen, weshalb der Fingerzeig auf die Genese einer Sache überhaupt als Einwand gegen die Geltung wirken kann.

Zunächst ist es aber wichtig, „eine messerscharfe Trennung der Geltung von der Genese im Sinne einer [terminologischen] Gegenüberstellung von Gründen des Wahrseins und

Gründen des Für-wahr-Haltens“[8] zu unternehmen. Fragen wir nach Wesen und Wirkung der genealogischen Erkenntnis, das heißt der auf Wissen abzielenden Ermittlung der Gründe des Für-wahr-Haltens (hier der Moral), so ist zu berücksichtigen, dass nicht die kritische Trennung, sondern gerade die Art der Überschreitung der terminologischen Grenze zwischen Geltung und Genese von Bedeutung ist. Eine solche Überschreitung vermag sogar dem Philosophieverständnis der Moderne Ausdruck zu verleihen.

Die Stellung dieser Unterscheidung [von Geltung und Genese] hat sich [...] im Kontext der Entwicklung der jüngeren Philosophie in geradezu dramatischer Weise verändert. Im Rahmen metaphysischer Systeme lassen sich Geltungsfragen in der Tat losgelöst von Aspekten der Genese behandeln. Eine nach-metaphysische und durch die Elinwendung zur Sprache als welterschließendem Medium geprägte Philosophie hat auf solche Optionen jedoch verzichtet. Gründe sind ihr immer nur als sprachlich artikulierte oder artikulierbare Gründe verfügbar, und das Wahrsein ist vom Für-wahr- ffalten eben nicht mehr in einer Platonistischen Weise geschieden.[9]

Nietzsche steht wohl hier am Eingang zur Moderne, denn die Hinwendung zur Sprache ist im Wesentlichen mit der Denkbewegung verwandt, welche im Zuge der genealogischen Erkenntnis eine Rückbindung der Oberfläche moralischer Gefühle und Werte an die abgründige Dimension des Willens zur Macht vornimmt.

Umso dringlicher wird auf der Basis solcher Beobachtungen die Gewinnung eines hinreichenden Verständnisses hinsichtlich der Klärung des Verhältnisses von Geltung und Genese bei Nietzsche selbst. Denn meines Erachtens bestätigt die Exegese von Nietzsches Genealogie der Moral jene Erkenntnis, welche eine grundlegende Dynamisierung des philosophischen Systems in seiner Historisierung behauptet. Von dieser spezifisch ,modernen‘ Erkenntnis aus werden sogar Schlüsse über Erfolg und Misserfolg der Philosophie gezogen: „Die voreiligen Konsequenzen aus dieser Entwicklung sind die plakative Parole vom Ende der Philosophie, die Verabschiedung der Vernunft und die verschiedenartigen Nachrufe angesichts des angeblichen Todes des Subjekts.“[10] Solche Konsequenzen können vermieden werden, wenn die Verkomplizierung des philosophischen Geschäfts durch Konfrontation mit der Historie nicht als Anlass zur Resignation genommen wird, sondern zu neuer Philosophie anregt. Statt einer Resignation der Philosophie vor der Unvereinbarkeit ihrer Begriffe sollte das Verhältnis von Geltung und Genese wieder (und endlich seiner Relevanz gemäß) in den Blick genommen werden. Die systemische

Grundlage meiner These bildet demnach die Dialektik von Geltung und Genese, wie sie auch in der gegenwärtigen Literatur hinsichtlich ihrer Relevanz anerkannt ist:

Die Unterscheidung von Geltung und Genese ist [...] keinesfalls obsolet geworden. Das Systematische und das Historische lassen sich allerdings nicht mehr in einer simplen Oppositionsbildung fixieren. [...] Das Verhältnis von Geltung und Genese ist damit als ein dialektisches bestimmt. Geltung ohne Genese ist blind und Genese ohne Geltung ist leer.[11]

In Bezug auf Nietzsches genealogisches Argument sollte deutlich werden, dass es gerade ein Ergebnis des genealogischen Arguments selbst ist, dass die beiden Aspekte nicht mehr scharf voneinander trennbar sind. Nietzsches Genealogie der Moral steht also, wie ทนท zu zeigen ist, emblematisch für die ungebrochene Relevanz der angesprochenen Dialektik von Geltung und Genese.

2.2 Vorgängige Kennzeichnung der genealogischen Methode

Zunächst ist festzuhalten: Das genealogische Denken, welches die Genese einer Sache aufzeigt, kann deshalb als Einwand gegen die absolute Geltung derselben verhandelt werden, weil es gerade eine Bedingung von Geltung ist, die Spuren ihrer Genese zu verwischen. Anders gesagt und auf die Sache der Moral bezogen: Die Genealogie der moralischen Werte greift in die Dialektik von Genese und Geltung der Werte ein, indem sie aufdeckt, was im Rahmen von Geltungen meist verdeckt bleibt: das ,Gewordensein‘ oder eben die ,Genese der Geltung4 jener Werte. Die ,Genese der Geltung4 moralischer Werte meint mithin zunächst nichts anderes als die zeitliche Entstehung überzeitlicher Werte beziehungsweise die partikulare Prägung von Allgemeingültigkeit und bewegt sich damit von Beginn weg in jenem paradoxalen Umfeld, das später auch Nietzsches Bestimmung des asketischen Ideals kennzeichnet.

Das bedeutet, um noch einmal auszuholen, dass die genealogische Methode die Kritik am dogmatisch validierten Verhältnis von Geltung und Genese eines Wertes bereits durch die Art ihrer Methodik impliziert. Denn im Lichte dieser Methode wird die erwähnte Analogisierung von Wahrheit, Geltung, überzeitlicher Normativität und allgemeiner Anerkennung von Beginn weg in ein fragwürdiges Licht gerückt, später sogar radikal dekonstruiert. Neu bei Nietzsche ist, dass der Ort der Wahrheit ทนท im Werden der Sache - nicht mehr in der zeitlichen, räumlichen oder überindividuellen Breitenwirkung der idealen Geltung - liegt. Nietzsche ist der „wirklich gelebten Moral“[12] auf der Spur und nicht dem System ihrer Geltung. Der ,Wert‘ selbst wird somit auf seine reine Aktualität reduziert. Das ,Sein‘ des Wertes hinter dem machtdimensionalen „Thun“ wird genealogisch verflüssigt, ja dieses ,Sein‘ selbst wird nur noch als reines „Thun“ des Willens zu Macht verstanden.[13]

Folgen wir dem Nietzsche-Kommentator Sverre Raffnsøe, so geschieht die Verendlichung der Werte im ontologischen Wirkungskreis einer genealogischen Epoché‘, welche die Gültigkeit von Werten im Zuge der genealogischen Befragung ihres Gegenstandes zwecks Erkenntnisgewinnung zu suspendieren sucht. Raffnsøe hebt in seinem Kommentar zur Genealogie der Moral nämlich hervor, dass der Aspekt der allgemeinen Anerkennung im Lichte der Moralgenealogie nicht mehr wie bis anhin die Grundlage für eine Moral philosophie liefern kann. Nietzsche betreibe seine Kritik,

[...] indem er einen Schritt vor dem zu untersuchenden Phänomen zurücktritt. Um das Problem des Wertes der Moral als solcher überhaupt stellen zu können, muss er erst einmal einen Schritt vor ihrem Gültigkeitsanspruch zurücktreten. Er muss den unmittelbaren Gültigkeitsanspruch, mit dem das Phänomen Moral uns entgegentritt, schlechterdings suspendieren.[14]

Nietzsche denkt also gegen die klassische Moralphilosophie an, wenn diese gemäß Raffnsøe gemeinhin als eine „Handlungsanweisung bestimmt“ wird, „die beansprucht, nicht allein für das einzelne Individuum, sondern für Personen ganz allgemein verpflichtend zu sein“[15]. Im Lichte der Genealogie kann die moralische Erkenntnis nicht mehr unmittelbar positiv verpflichtend sein, sondern muss, um überhaupt als Erkenntnis zu gelten, gerade auf den sich im Negativen erschöpfenden Bereich der Historie absoluter Geltung abzielen. Raffnsøe will die genealogische Methode deshalb sogleich auf ihren methodischen Aspekt beschränkt wissen:

Es geht darum, von diesem [Gültigkeits-]Anspruch [der Moral] zu abstrahieren, ihn einzuklammern und weder für noch gegen ihn Stellung zu beziehen - nicht darum, der Moral jegliche Geltung abzusprechen. Allerdings ist ein den Gültigkeitsanspruch suspendierendes Denken nicht notwendigerweise auch im Besitz der positiven Maßstäbe, die eine richtungweisende und positiv belehrende Kritik erlauben.[16]

Nietzsche bezieht nach dieser Einschätzung also nicht Position zum Problem der Moral. Es fragt sich dann aber, inwiefern die genealogische Erkenntnis selbst noch einen Anspruch auf philosophische Gültigkeit erheben darf, gerade weil der Wert von Erkenntnis selbst genealogisch historisiert und mithin gleichsam ,entabsolutiert‘ oder ,verendlicht‘ wird. Wird die Wahrheit im Gewordensein der Werte ermittelt, ergibt sich die widersprüchliche Situation, dass sich die genealogische Validität dieser Erkenntnis selbst zersetzt. Der Wert von Erkenntnis selbst kann in die „Zeichensprache der Affekte“[17] übersetzt werden und weist in dieser Übersetzbarkeit auf die Machtdimension des Gehens hin. Darin besteht für Nietzsche aber wohl das reizvoll antinomische Rätsel der Moral und mithin der eigentliche Anlass für die genealogische Methode, dass die Genese der Werte am Willen zur Macht des Einzelnen festgemacht wird, in dieser Vereinzelung aber gerade eine Bedingung für die überindividuelle Geltung von Handlungsanweisungen entdeckt werden kann, wodurch übrigens auch Nietzsches Willensbegriff von diese Doppelheit getroffen wird.

Bei Nietzsche selbst dringt die Argumentation in § 186 von Jenseits von Gut und Böse mit der darin umrissenen Programmatik in jenen Bereich vor, wo die Genealogie als der Logos der Genese Rückwirkungen auf den Logos der Geltung zu zeitigen beginnt. Denn an dieser Stehe wird unterstrichen, dass sich das Problem der Moral nur einem komparativen Blick erschließt. Dieser historische Blick auf die Sitten zeichnet sich dadurch aus, dass in ihm die Horizontiertheit und der Charakter der ,,zufällige[n] Abkürzung“ einer jeweiligen „Moralität“ gesehen werden.

Gerade dadurch, dass die Moral-Philosophen die moralischen facta nur gröblich, in einem willkürlichen Auszuge oder als zufällige Abkürzung kannten, etwa als Moralität ihrer Umgebung, ihres Standes, ihrer Kirche, ihres Zeitgeistes, ihres Klima’S und Erdstriches, - gerade dadurch, dass sie in Hinsicht auf Völker, Zeiten, Vergangenheiten schlecht unterrichtet und selbst wenig wissbegierig waren, bekamen sie die eigentlichen Probleme der Moral gar nicht zu Gesichte: - als welche alle erst bei einer Vergleichung vieler Moralen auftauchen.[18]

Für Nietzsche hegt das Übel der Moralphilosophie darin, dass sie die zeitliche und räumliche Horizontierung der Werte in der Absolutheit ihrer Geltung nicht mitdenken kann. Die Moralphilosophen denken also zu wenig ,historisch‘, wenn sie der Metaphysik der absoluten Geltung von Moral Glauben schenken. 17 Und das bedeutet, dass sich die „Sittlichkeit der Sitte“18 als ,existenziale Größe‘ nur einem Denker mit Sinn fürs Partikulare, das heißt im Blick auf einzelne Sitten im Vergleich, offenbart.

Diese Verflüssigung verdichteter Ideale durch Anbindung an ihre partikulare Herkunft hat sich bei der erfolgreichen Genealogie noch einmal auf einer basaleren Stufe zu wiederholen, nämlich auf der Ebene des Einzelnen, das heißt letztlich in der Sphäre des Willens zur Macht. Auf dieser elementaren Ebene, wo die Genese absoluter Geltungen erkennbar wird, wird die schon angesprochene „Zeichensprache der Affekte“ erst lesbar. In dieser Sprache lässt sich ,absolutes Gelten4 nämlich darauf herunterbrechen: „[พ]as an mir achtbar ist, das ist, dass ich gehorchen kann, - und bei euch soll es nicht anders Stehen, als bei mir.“[19] Die daran anknüpfende Logik von Geltung und Genese moralischer Werte lautet dann in etwa wie folgt: Die Verabsolutierung der Geltung ist bloß die Projektion einer als Tugend verkauften Schwäche in ein überindividuelles Soll mit verbindlichem Charakter.

Im genealogischen Blick kehrt sich dieses Konstitutionsverhältnis freilich wieder um: Das vereinzelte Subjekt als Träger der Affekte steht emblematisch wieder für das ideologisch Allgemeine, durch das es vermittelt ist beziehungsweise moralisch konstituiert wird. Der aporetische Kreis der Genealogie schließt sich also dann, wenn die Dialektik von allgemeiner Geltung und partikularer Genese in der Erkenntnis zusammenläuft.

Die Beschränkung Raffnsøes qua einer Bestimmung der genealogischen Suspension von Geltung als bloß methodische ist mithin zu relativieren, was sich vor allem auch dann zeigt, wenn Nietzsche die Möglichkeit der Schaffung neuer Werte als Zukunftsaufgabe der Philosophie in den Blick nimmt[20].

2.3 Nietzsches Kopernikanische Wende? - Der philosophiehistorische Kontext

[...] und es ist endlich an der Zeit, die Kantische Frage „wie sind synthetische Urteile a priori möglich?“ durch eine andre Frage zu ersetzen „warum ist der Glaube an solche FTrtheile noting'?“ - nämlich zu begreifen, dass zum Zweck der Erhaltung von Wesen unsrer Art solche FTrtheile als wahr geglaubt werden müssen; weshalb sie natürlich noch falsche FTrtheile sein könnten.[21]

[...]


[1] Nietzsche, F., Jenseits von Gut und Böse. Zur Genealogie der Moral, in: Colli, G. / Montinari, M., „Kritische

[2] Das genannte ,Werkpaar‘ sollte meines Erachtens mellt nur aufgrund der gemeinsamen Zugehörigkeit zur Schaffensperiode nach Also sprach Zarathustra, sondern auch auf dem Boden einer evidenten Parallelität der Thematik und des Stils zusammen gelesen werden.

[3] Foucault, M„ Nietzsche, die Genealogie, die Historie, in: Deferì, D. / Ewald, F. (Flrsg.), „Schriften in vier Bänden. Dits et Ecrits, Band II. 1970-1975“, Frankfurt 2002, S. 168.

[4] Lumer, c., Art. „Geltung / Gültigkeit“, in: Hans Jörg Sandkühler (Hg.), „Enzyklopädie Philosophie”. Bd. 1. Hamburg 1999, S. 811-818. Lumer breitet zudem einen Unterschied von „Geltung“ und „Gültigkeit“ im betreffenden Artikel aus. Im Folgenden (und auch im überwiegenden Teil der Sekundärliteraüir) werden die Begriffe aber synonym verwendet - dies ganz bewusst wegen des zu erbringenden Nachweises einer historischen Verflechtung des Normwesens der Moral mit der epistemischen Dimension des Wertes von Wahrheit und Erkenntnis.

[5] Lumer, c„ Art. „Geltung / Gültigkeit“, S. 812.

[6] Schildknecht, c. / Teichert, D. / van Zantwijck, T. (Hrsg.), „Genese und Geltung. Für Gottfried Gabriel“, Paderborn 2008, „Einleitung“, S. 8.

[7] Ebd.

[8] Schildknecht et. al., „Genese und Geltung. Für Gottfried Gabriel“, S. 8.

[9] Schildknecht et al., „Genese und Geltung. Für Gottfried Gabriel“, S. 8.

[10] KSA 5, S. 254.

[11] Die Formulierung spielt auf § 13 der ersten Abhandlung der Genealogie der Moral an, wo die Doxa einer Metaphysik des Subjekts angeprangert wird: „Aber es giebt kein solches Substrat; es giebt kein ,Sein‘ hinter dem Thun, Wirken, Werden; ,der Thäteť ist zum Thun bloss hinzugedichtet, — das Thun ist Alles. Das Volk verdoppelt im Grunde das Thun, wenn es den Blitz leuchten lässt, das ist ein Thun-Thun: es setzt dasselbe Geschehen einmal als Ursache und daim noch einmal als deren Wirkung.“ (KSA 5, S. 279.)

[12] Raffnsøe, S., Nietzsches „Genealogie der Moral ", Paderborn 2007, S. 16.

[13] Raffnsøe, Nietzsches „Genealogie der Moral“, S. 14.

[14] Raffnsøe, Nietzsches „Genealogie der Moral“, S. 16.

[15] Siehe Kapitel 2.3 in dieser Arbeit.

[16] KSA 5, S. 359.

[17] Ebd

[18] Siehe Kapitel 4.1 in dieser Arbeit.

[19] KSA 5, S. 25.

[20] Vgl. KSA 5, S. 107.

[21] KSA 5, S. 106.

Details

Seiten
24
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668468511
ISBN (Buch)
9783668468528
Dateigröße
504 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v368425
Institution / Hochschule
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg – Philosophisches Seminar
Note
1.0
Schlagworte
Friedrich Nietzsche Genealogie Genealogie der Moral Foucault Geltung und Genese

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