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Lyrikanalyse des Gedichtes "Mondnacht" von Joseph von Eichendorff

Hausarbeit 2011 11 Seiten

Deutsch - Literatur, Werke

Leseprobe

Inhalt

I. Einleitung

II. Untersuchung verschiedener Gattungsmerkmale anhand des Grundlagentextes von Volker Wiemann

III. Textanalyse unter einem gattungssysthematischen Aspekt

IV. Bezugnahme auf Forschungsaufsatz „Mutternatur als Himmelsbraut“ von Gerhard Kaiser

V. Zusammenfassung

VI. Quellen- und Literaturverzeichnis

VII. Anhang

I. Einleitung

Joseph von Eichendorff wurde am 10. März 1788 in Oberschlesien geboren und starb am 26. November 1857 in Neisse an einer Lungenentzündung[1]. Seine Werke sind der deutschen Romantik bis Spätromantik zuzuordnen (1795-1848)[2]. Eines seiner Werke ist das Gedicht „ Mondnacht “, welches das Thema meiner Hausarbeit ist. „ Mondnacht “ ist um 1835 entstanden und wurde 1837 erstmals publiziert[3] und enthält klassische Motive der Epoche Romantik. Gefühle werden in dieser Zeit wieder als die wichtigsten menschlichen Fähigkeiten gefeiert, es ging darum die Welt möglichst intensiv zu erleben. Sehnsucht ist das Hauptmotiv der Romantik, welches auch „Mondnacht “ enthält. Die Sehnsucht wird im Gedicht durch den Mond und durch die Sehnsucht nach dem Zuhause zum Ausdruck gebracht. In dem Gedicht geht es um die Beziehung zwischen Himmel und Erde - etwas Göttliches versucht mit etwas Irdischem zu verschmelzen - und um die Wirkung dieser Beziehung auf die Natur und das Lyrische-Ich. Die Natur wird hierbei ausführlich beschrieben und eine Naturverbundenheit deutlich. Das Göttliche spielt in dem Gedicht ebenfalls eine wichtige Rolle. Es geht also um die Sehnsucht nach einem himmlischen Paradies wie es auch im Christentum früher verbreitet war. Als erstes werde ich auf die verschiedenen Gattungsmerkmale des Gedichts eingehen, um dann anhand der Merkmale, eine Textanalyse unter zwei gattungsspezifischen Merkmalen durchzuführen. Im Folgenden nehme ich Bezug auf den Forschungsaufsatz von Gerhard Kaiser. Zum Schluss gebe ich eine kurze Zusammenfassung des Gesagten.

II. Untersuchung verschiedener Gattungsmerkmale anhand des Grundlagentextes von Volker Wiemann

Wiemann geht in seinem Grundlagentext „Aspekte der Lyrikanalyse“ als erstes auf die Dominanz der Deskription ein. Er sagt, dass in lyrischen Texten die zeitliche Ordnung keine Rolle spielt[4]. Diese Aussage trifft auch auf das Gedicht „Mondnacht“ von Eichendorff zu. Das Lyrische-Ich tritt in den ersten beiden Strophen als solches in den Hintergrund. Es wird in keiner Weise erwähnt. Erst in der dritten Strophe kommt das Lyrische-Ich klar zum Vorschein. Es wird jedoch nicht klar, wen das Lyrische-Ich verkörpern soll, es könnte sowohl eine weibliche, als auch eine männliche Person darstellen. Es ist also austauschbar gegen man, du oder er. Jedoch ist es unbedingt notwendig zwischen dem Lyrischen-Ich und dem Auto zu trennen[5]. Das Gedicht besteht aus drei Strophen zu jeweils vier Versen. Die erste Strophe steht mit ihrer Hauptaussage im Konjunktiv und besteht aus Hypotaxen, die Zweite hingegen weist nur Parataxen auf und ist durchgehend im Indikativ verfasst. Die dritte Strophe nimmt in den ersten drei Versen den Indikativ auf und kehrt im letzten Vers in den Konjunktiv zurück. Auch in dieser Strophe überwiegen die Hypotaxen. Als Metrum liegt in dem Gedicht „Mondnacht“ ein regelmäßiger drei-hebiger Jambus vor, wobei man in Vers zehn eine Ausnahme feststellen kann. In diesem Vers wird schon die erste Silbe „weit“ betont. Es wirkt gleichmäßig, harmonisch und hat einen wellenartigen Charakter, welcher durch Vers sechs „ Die Ähren wogten sacht “ unterstützt wird. Damit wird eine Stimmigkeit im Gedicht aufgebaut. Die Naturbewegungen stimmen mit dem Metrum überein.

Auf der semantischen Ebene ist durchgängig das Sem der Natur zu finden. Eichendorff spricht an der ersten Strophe bspw. Vom Blütenschimmer (V.3), in der zweiten Strophe von Feldern, Ähren und Wälder (V.5,6,7) und in der dritten Strophe im Vers elf vom stillen Lande. Als nächstes geht Wiemann auf die Semantisierung der Ausdrucksebene eines Textes ein. Er sagt, dass ein Text schon durch seine lautliche Gestalt Bedeutung erzeugen kann.[6] Auch „ Mondnacht “ enthält solche Eigenschaften. Es ist die Rede von „ still, ging, wogten sacht, rauschten leis, sternklar, stillen “. Dies bringt eine ruhige, leise, sanfte Stimmung in das Gedicht, die sich von der Ersten bis zur Letzten Strophe zieht. Die Natur scheint im Einklang zu sein und das Gedicht vermittelt somit eine Harmonische Stimmung auf den Leser. Der nächste Punkt, den Wiemann anspricht, wäre die konnotative Ebene, die sich mit den Tropen beschäftigt. Tropen sind Begriffe, „ die in einer anderen als in ihrer eigentlichen Bedeutung zu verstehen sind[7] “. Z u den Tropen zählt die sogenannte Metapher, die auch Eichendorff in seinem Gedicht verwendet, wie z.B. in der dritten Strophe in Vers neun und zehn „Und meine Seele spannte weit ihre Flügel aus“, man bekommt den Eindruck, die Seele bekäme Flügel und würde weit weg in andere Sphären fliegen und die reale Welt verlassen. Auch der Neologismus in Vers drei „Blütenschimmer“ wird zu den Tropen gezählt. Dieser Blütenschimmer geht wieder näher auf die Naturbeschreibung und die Schönheit des Kusses, also die Vereinigung von Himmel und Erde ein. Des Weiteren ist die erste und zweite Strophe geprägt von Personifikationen, wie in Vers eins und zwei „Es war, als hätt der Himmel / Die Erde still geküsst“.

Auffällig ist, dass alle drei Strophen des Gedichts, sowohl durch die Metapher, den Neologismus als auch durch die vielen Personifikationen, durchgängig mit romantischen Motiven und besonders mit Naturbeschreibungen und verschlüsselten göttlichen Motiven ausgestattet sind.

III. Textanalyse unter einem gattungssysthematischen Aspekt

In dem Gedicht „Mondnacht“ spielt die Natur und das Göttliche die zentrale Rolle. Das ganze Gedicht ist durchzogen von Naturbeschreibungen, die auf das Göttliche hinweisen. Wie in Teil II festgestellt wurde, steht die erste Strophe in ihrer Hauptaussage im Konjunktiv, die zweite durchgehend im Indikativ und die dritte nimmt in den ersten drei Versen den Indikativ auf und kehrt im letzten in den Konjunktiv zurück. Diese dient einem Vergleich der Naturgegebenheit mit der Seelentätigkeit. In der ersten Strophe des Gedichts kommen Himmel und Erde vor, die es so aussehen lassen, als hätten sie sich „still geküsst“. Dies lässt den Anschein erwecken, dass etwas Überirdisches, der Himmel, mit etwas Irdischen, der Erde verschmelzt. Es wird also eine sanfte Vereinigungsbewegung angedeutet[8]. Bildlich gesehen wird der Horizont beschrieben, der ein Zeichen der Sehnsucht und Symbol der Romantik ist. Es handelt sich also um die Sehnsucht nach der verloren gegangenen Harmonie zwischen dem Göttlichen, also dem Himmel und der Natur die durch die Erde symbolisiert wird. Die Berührung zwischen Himmel und Erde wird im Blütenschimmer verdeutlicht, der das Licht des Mondes reflektiert. Eichendorffs Gedicht heißt „Mondnacht“, jedoch wird im ganzen Gedicht nicht vom Mond gesprochen, nur der „Blütenschimmer“ weist indirekt daraufhin. „Die sanfte Vereinigungsbewegung der ersten Strophe wird in der zweiten Strophe mit dem Wort „sacht“ wieder aufgenommen, intensiviert und zu einer umfassenden, synästhetischen Imagination verdichtet, in der die vier Elemente vereint werden: Luft und Erde werden mit dem Feuer der Sterne und dem Wasser des Meeres kombiniert und im Rauschen der Wälder akustisch und im Wogen der Ähren kinetisch in Erinnerung gerufen[9].“ Die sacht wogenden Ähren können mit dem Meer und der damit verbundenen Wellenbewegung gesehen werden. In dem Bild der „sacht wogenden Ähren“ schwingt gleichzeitig noch der zentral christliche Vereinigungs- und Verwandlungsritus (Eucharistie) mit.

Durch die Vermählung in Strophe eins und der Intensivierung der Bewegung in Strophe zwei, wird davon ausgegangen, dass die Seele des lyrischen-Ichs in Strophe drei ihre „Flügel“ ausspannt und ihren Heimatflug antreten kann, nämlich ins Paradies, wo es eigentlich hingehört. Man kann das letzte Wort des ersten Verses „ Himmel “ mit dem letzten Wort des letzen Verses „ Haus “ somit in Verbindung bringen. Der Himmel nähert sich der Erde und die Seele des Lyrischen-Ichs steigt durch die Flügel die es in Strophe drei erlangt immer weiter in den Himmel auf. Es kommt zu einer Art „Wiedergeburt“ des Lyrischen-Ichs in einer anderen Sphäre. Diese „Wiedergeburt“ wird durch das „ flöge“ in Vers zwölf klar, in dem sich das Lyrische-Ich von der „realen“ Welt befreit (abhebt) und in eine andere Sphäre, dass Paradies gelangt. Auch in der ersten Strophe, in Vers vier wird klar, dass das Lyrische-Ich von dieser „Wiedergeburt“ träumt und sich nach etwas anderem sehnt. Die zweite Strophe beschreibt eher das Umfeld, in dem sich das Lyrische-Ich befindet. Diese Strophe besteht aus reinen Naturbeschreibungen. Das Ich befindet sich auf einem Feld, welches umgeben ist von Wäldern. Die Luft weht leise durch die Felder, bewegt die Ähren und die Nacht ist sternenklar. Der Blick wird also in dieser Strophe von der Erde immer mehr auf den Himmel und die Sterne gelenkt. Die Luft kann man als Verbindung zwischen Himmel und Erde sehen, die die „Vereinigungsbewegung“ noch unterstützt. Alles scheint in der Umgebung wunderschön und perfekt zu sein, sodass sich das Lyrische-Ich nun ganz dem Himmel und der neuen Sphäre hingeben, sich von der Erde lösen kann und seine Sehnsucht nach der Harmonie und dem Paradies gestillt wird.

[...]


[1] Vgl. Frühwald, Wolfgang: Eichendorff Chronik S.13/244

[2] Vgl. http://www.eichendorff.com/biographie/biographie.html

[3] Vgl. Kremer, Detlef: Zeitschrift für Germanistik S. 97

[4] Vgl. Wiemann, Volker: Arbeitsbuch: Literaturwissenschaft S. 58

[5] Vgl. Wiemann, Volker: Arbeitsbuch: Literaturwissenschaft S. 59-60

[6] Vgl. Wiemann, Volker: Arbeitsbuch: Literaturwissenschaft S.69

[7] Vgl. Wiemann, Volker: Arbeitsbuch: Literaturwissenschaft S.76/77

[8] Vgl. Krämer, Detlef: Joseph von Eichendorffs „Mondnacht“ und die romantische Naturphilosophie S.100

[9] Vgl. Kremer, Detlef: Joseph von Eichendorffs „Mondnacht“ und die romantische Naturphilosophie S.100

Details

Seiten
11
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783668467521
ISBN (Buch)
9783668467538
Dateigröße
960 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v368400
Institution / Hochschule
Universität Trier – Lehrstuhl Germanistik
Note
2,0
Schlagworte
Eichendorff Mondnacht Lyrik Romantik Gedicht Gedichtanalyse

Autor

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