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Wie politisch ist die "heilige Johanna der Schlachthöfe"? Einflüsse und Intentionen hinter Brechts epischem Theaterstück

Seminararbeit 2017 22 Seiten

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Einflüsse und Entstehungsgeschichte
2.1 Börsen, Marx & Wirtschaftskrise
2.2 Eine neue Form des Theaters
2.3 Literarische Vorlagen

3. Inhalt und Aufbau
3.1 Die Handlung
3.2 Speziell: Die Wrtschaftshandlung
3.3 Logische Schwächen

4. Der Erkenntnisweg der Johanna
4.1 Johanna Dark und Jeanne d’Arc
4.2 Drei Gänge in die Tiefe

5. Mauler, König der Raubtiere
5.1 We viel Menschlichkeit steckt in Mauler?
5.2 Mauler und der Regen: Wer trägt die Verantwortung?

6. Spuren von Marx
6.1 Corner und marxistisches Krisenmodell
6.2 Religion als Opium des Volkes”
6.3 Kapitalismus als Gewaltherrschaft der Ausbeutung

7. Ideologie als Fundament und Propaganda

Literatur

1. Einleitung

In einer Sendung von 2001 über Bertolt Brecht als Mensch und Künstler brachte der Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki seine Meinung zum Ausdruck, dass Brecht ein an sich unpolitischer Mensch gewesen sei. Brecht habe Politisches und Ideologie lediglich als Fundament für seine Stücke benötigt.

Leider wird diese Behauptung nicht ausführlich begründet und deshalb wird sie nicht zum zentralen Thema dieser Arbeit werden. Und doch gab diese Aussage Reich-Ranickis den Anstoß für die bearbeitete Fragestellung: Wie politisch ist die heilige Johanna der Schlachthöfe? Eine Frage, die ich mir sonst nicht gestellt hätte, weil sie auf den ersten Blick obsolet erscheint. Die Johanna gilt immerhin als erstes großes Lehrstück Brechts und hat deutlich gesellschaftskritische Züge - was also soll daran nicht politisch sein?

Doch zunächst zum Stück an sich. Die heilige Johanna der Schlachthöfe entstand grob in den Jahren 1926 bis 1938, intensiv vor allem in den Jahren von 1928/29 bis 1931/32 (vgl. Ketelsen 1984, S. 109). Sie ist, wie sich noch zeigen wird, das Ergebnis verschiedener Interessen Brechts, zu denen er im Vorfeld Nachforschungen angestellt hatte. Zur Uraufführung kam es jedoch erst nach seinem Tod, nämlich am 30. April 1959 am Hamburger Schauspielhaus.

Im Folgenden wird zunächst einmal die Entstehungsgeschichte (2.) des Stücks beleuchtet. Das ist in diesem Fall besonders wichtig, weil sie ein Potpourri an ideologischen, literarischen und weltgeschichtlichen Einflüssen eröffnet, was bei der Einschätzung des Werks von großem Nutzen sein wird. Sodann folgt eine kurze Zusammenfassung des Inhalts (3.) mit besonderem Fokus auf der Wirtschaftshandlung und einer kurzen Erwähnung verschiedener logischer Schwächen im Handlungsaufbau.

Als nächstes werden die beiden Hauptfiguren Johanna (4.) und Mauler (5.) genauer unter die Lupe genommen. Dabei geht es vor allem darum, ein klares Bild von den Figuren zu bekommen, die durchaus vielschichtig angelegt sind. Zuletzt darf eine genauere Untersuchung der Einflüsse durch die Schriften von Karl Marx (6.) nicht fehlen, denn sie sind auffällig und für eine Einschätzung der politischen Bedeutung des Stücks natürlich sehr wichtig.

Im Abschluss (7.) werden dann die gesammelten Erkenntnisse auf die Leitfrage bezogen: Wie politisch ist die heilige Johanna der Schlachthöfe?

2. Einflüsse und Entstehungsgeschichte

2.1 Börsen, Marx & Wirtschaftskrise

Die heilige Johanna der Schlachthöfe war nicht Brechts erster Versuch, die Börse auf die Bühne zu bringen. Er hatte sich bereits vorher, nämlich bei der Ausarbeitung des nie fertiggestellten Stückes Jae Fleischhacker in Chicago eingehend in die Funktionsweise der Chicagoer Getreide-Börse eingearbeitet. Allerdings ohne je ein wirkliches Verständnis der Vorgänge und Mechanismen der Börse zu erlangen, wie Brecht selbst 1926 festhält. Stattdessen habe er begonnen, Marx zu lesen (vgl. Knopf 1985, S. 5).

Eine Aussage, die der Brecht-Experte Klaus-Detlev Müller als Ironisierung Brechts wertet. Müller unterstellt mit guten Gründen, dass Brecht sehr wohl die Börse verstanden habe, denn ohne diese hätte Brecht nicht an Stücken wie etwa Dan Drew arbeiten können. Der wahre Grund, warum Brecht die Arbeit an Jae Fleischhacker abbrach, ist laut Müller das größere Interesse Brechts an der stattfindenden Urbanisierung als Bühnenstoff (vgl. Müller 2009, S. 102/103). Brecht hat sicherlich zu dieser Zeit Marx gelesen, doch ein politisch überzeugter Marxist ist er deshalb wohl nicht geworden.

Ein weiteres prägendes Erlebnis für Brecht in dieser Zeit war die Weltwirtschaftskrise von 1929. Hier bewahrheitet sich für Brecht die marxistische Krisentheorie. Müller schreibt:

“Damit verändert sich das zunächst theoretische Interesse an ökonomischen Vorgängen zu einer ganzheitlichen Sicht gesellschaftlicher Zusammenhänge: Die Krise wird zum exponierten Ort für die Erfahrung und Darstellung von Widersprüchen, die eine gesellschaftsverändernde Praxis zugleich möglich und notwendig erscheinen lassen." (Müller 2009, S. 103).

Nun erweist sich Marx also nicht nur als interessanter Theoretiker, sondern bietet Brecht eine Erklärung für reale gesellschaftliche Vorgänge. Und mit der Krise ist zumindest inhaltlich ein Weg gefunden, die Börse bühnenreif zu machen.

2.2 Eine neue Form des Theaters

Ein Vierteljahrhundert vor Müller äußert Jan Knopf ebenfalls schon gewisse Vorbehalte gegenüber der von Brecht so plakativ für sich beanspruchten Marx-Lektüre. Er misst ihr wenig Bedeutung in politisch-ideologischer Sicht bei. Dafür sieht er sie als grundlegend für die Entwicklung einer neuen Form des Theaters an, nämlich dem epischen Theater. Denn bei Marx habe Brecht endlich die ihm vorschwebende analytische Tiefe gefunden:

“Ein neues Stadium ist erreicht, als Brecht nicht mehr nur die gesellschaftlichen Folgen, sozusagen die »Phänomene« des (kapitalistischen) Systems, sondern seine Bewegungsgesetze ergründen will.”(Knopf 1985, S. 6).

Brecht wird jedoch schnell klar, dass solche Zusammenhänge nicht mit den Mitteln des klassischen Dramas darstellbar sind. Uwe Ketelsen datiert als einer der Ersten an diesem Punkt den Grundstein des epischen Theaters (vgl. Ketelsen 1984, S. 110). Knopf formuliert wunderbar, wie der Wille zur Verarbeitung tieferer und komplexer Stoffe die neue Form des Theaters prägt:

“Nur diejenigen Darstellungsweisen können gewählt werden, die auch die Vorgänge In die Sichtbarkeit zwingen. Vorbei ist es dann mit dem »Ausdruck der Persönlichkeit«, vorbei auch mit der Unterordnung des »и/as« unter das »Wie« der Darstellung. ” (Knopf 1985, S. 6).

Damit stirbt auch die Idee, der Zuschauer habe sich mit einer Hauptfigur zu identifizieren, um mit ihr mitfühlen zu können. Stattdessen gewinnt das Zwischenmenschliche, das Intersubjektive an Bedeutung. Der Held einer Geschichte ist damit zwar nicht abgeschafft, aber grundlegend neu definiert. Und auch die Stoßrichtung, der “Zweck” des Theaters ändert sich, denn es geht ทนท um einen Erkenntnisprozess beim Zuschauer, weniger um dessen intellektuelle Zerstreuung. All diese Neuerungen fließen in die Johanna, als erstem großen Stück im Stil des epischen Theaters (vgl. Kuschel/Assmann, S. 164), mit ein.

2.3 Literarische Vorlagen

Doch Brecht hat auf dem Weg zur Johanna keineswegs nur Börsentheorie und Marx gelesen. Vollkommen unstrittig ist etwa der starke Einfluss von Upton Sinclairs Roman The Jungle von 1906, wo man unter anderem bereits die Schlachthaus-Thematik, das Elend der Arbeiter, sowie konkret die Geschichte eines zu Büchsenfleisch verarbeiteten Schlachters finden kann (vgl. Ketelsen 1984, S. 111). Als ebenso wichtig gilt The Pit von Frank Norris aus dem Jahre 1903, deutscher Titel: Die Getreidebörse (vgl. Knopf 1985, S. 9). Hier finden sich Börsenspekulanten und auch bereits das sogenannte “Cornern”, also jenes Börsen-Manöver, welches auch Mauler in der Johanna durchführt.

Weiterhin genannt wird Gustavus Myers Geschichte der großen amerikanischen Vermögen (1923), worin ausführlich die gleichermaßen geschickten, wie brutalen und rücksichtslosen Schachzüge berühmter amerikanischer Wirtschaftsmagnaten beschrieben werden (vgl. Ketelsen 1984, S. 111).

3. Inhalt und Aufbau

3.1 Die Handlung

Das Stück beginnt mit dem Fleischfabrikanten Pierpont Mauler, der einen Brief liest. Darin wird ihm von einigen “Freunden aus New York” (J 129) geraten, sich zunächst aus dem Fleischhandel herauszuhalten. Daraufhin verkauft er Cridle, seinem Geschäftspartner, seine Hälfte des gemeinsamen Unternehmens ein gutes Stück unter Börsenwert, weil er angeblich genug habe vom blutigen Fleischgeschäft. Cridle verlangt jedoch, dass zunächst der Konkurrent Lennox bankrott gehen müsse.

Die nächsten Szenen zeigen die folgende Schließung der Lennox Fleischfabrik, sowie Mauler (mit Leibwächtern) bei der Eröffnung eines von ihm gestifteten Hospitals. Nun bekommt Johanna ihren ersten Auftritt, bei dem sie gemeinsam mit den schwarzen Strohhüten (einer Art Heilsarmee) auf den Schlachthöfen den “Untersten” (J 133) von der Gnade Gottes im Jenseits predigt. Sie muss allerdings feststellen, dass, sobald die ausgegebene Suppe ausgelöffelt ist, die Arbeiter sich wieder abwenden. Während ทนท die Strohhüte zurück in ihr Quartier gehen, entschließt Johanna sich, der Ursache der Arbeitslosigkeit auf den Grund zu gehen. Sie wird an Mauler verwiesen.

Der nächste Abschnitt ist folgendermaßen betitelt: “Pierpont Mauler verspürt den Hauch einer anderen Welt” (J 140). Er beginnt damit, dass Mauler von Cridle die Einlösung seines Kaufvertrags fordert. Jedoch sind inzwischen die Preise so sehr gefallen, dass Cridle durch den Handel zu den alten Preisen in den Ruin gestürzt wird. Mauler nimmt das hin.

Nun tritt Johanna hinzu (1. Gang in die Tiefe) und stellt Mauler zur Rede. Dieser speist sie jedoch mit ein paar Almosen ab und weist seinen Makler Slift an, Johanna zu bestechen und ihr die Schlechtigkeit der Arbeiter zu zeigen.

Slift gibt sich ทนท alle Mühe, Johanna die menschlichen Abgründe zu zeigen, die sich auf den Schlachthöfen auftun (2. Gang in die Tiefe). Da gibt es Frau Luckerniddle, deren Mann versehentlich zu Blattspeck verarbeitet wurde und die sich mit drei Wochen Mittagessen in der Kantine zum Schweigen bringen lässt. Und es gibt Gloomb, der kürzlich erst selbst seinen Arm an einer gefährlichen Maschine verloren hat, doch für die Aussicht auf eine Beförderung nur allzu gern bereit ist, Johanna eben jenen gefährlichen Posten anzubieten. Doch Johanna lässt sich nicht beirren: “Nicht der Armen Schlechtigkeit / Hast du mir gezeigt, sondern / Der Armen Armut.” (J 154). Die Viehbörse unterdessen stockt, weil der Markt gesättigt ist. Außerdem geht Cridle an dem Vertrag mit Mauler bankrott. Nun taucht Johanna auf, predigt Nächstenliebe und präsentiert einige der völlig verelendeten Arbeiter. Daraufhin fällt Mauler in Ohnmacht. Weil er den Anblick des Elends nicht ertragen könne, erklärt er sich bereit, alle Fleischkonserven und die Produktion der nächsten 8 Wochen aufzukaufen, wenn man ihm nur die Armen aus den Augen schaffe. Die Viehbörse atmet auf, doch weil die Fleischfabrikanten dem Braten noch nicht trauen, kaufen sie noch kein Vieh bei den Viehzüchtern. Also wenden auch diese sich an Johanna mit der Bitte, bei Mauler ein gutes Wort für sie einzulegen.

In der folgenden Szene kommt wieder ein Brief zur Sprache, diesmal mit der Weisung, Fleisch zu kaufen, weil sich bald ein neuer Markt eröffne. Angeblich glaubt Mauler jedoch nicht daran und er bereut seinen Fehler, im Moment der Schwäche die umfassende Kaufzusage gemacht zu haben. Als ทนท aber Johanna und die Viehzüchter mit der Forderung nach einem Kauf ihres Viehs auftauchen, erkennt er seine Chance und kauft schlichtweg alles Vieh zum Tagespreis.

Die schwarzen strohhüte haben sich in der Figur des Major Paulus Snyder an die übrigen Fleischfabrikanten gewandt, um von diesen finanziert zu werden. Im Gegenzug wollen sie die arbeitslosen Massen ruhig stellen und so für einen reibungslosen Ablauf der Produktion sorgen. Der anwesenden Johanna offenbart sich durch die Fleischfabrikanten, dass durch den Viehkauf von Mauler ihre gesamten Bemühungen zunichte gemacht wurden. Denn ohne Vieh können die Fabrikanten nicht produzieren und die Arbeiter bleiben ohne Arbeit. In ihrer Wut vertreibt Johanna “die Händler aus dem Tempel” (J 172). Doch weil nun die Finanzierung der strohhüte dahin ist, wird sie selbst aus deren Reihen verbannt.

Mauler zieht ทนท die Schlinge zu, indem er Slift das Vieh auf der Börse zu Preisen anbieten lässt, die für die Fabrikanten letztlich ein Minusgeschäft bedeuten, weil sie ja an Mauler zu festgesetzten Preisen liefern müssen. Mauler wendet sich dann Johanna zu und überlässt Slift die Zügel an der Börse. Als Mauler den Raum verlässt, sprengt Slift bereits den von Mauler gesetzten Rahmen.

Mauler gibt Johanna zu essen und verspricht ihr, eigenhändig die schwarzen strohhüte zu finanzieren. Er tut dies, weil laut ihm Wirtschaft (bzw. Kapitalismus) und Religion eine wunderbare Symbiose ergeben: Die eine verdient Geld, die andere sorgt für Ruhe und Gehorsamkeit der Arbeitenden. Johanna gibt an, sie wolle das gar nicht verstehen und werde ihrerseits mit den Armen auf den Schlachthöfen leben, bis sich endlich etwas verbessert.

Johannas 3. Gang in die Tiefe: Auf dem Schlachthof wird ihr die Ausweglosigkeit der Armut bewusst. In einem Traum hat sie die Vision von einem Marsch der Arbeiter nach Chicago - einer Art Revolution - mit ihr als Anführerin. Sie kommt mit Kommunisten und Arbeiterführern in Kontakt, die einen Generalstreik mit den Gas-, Wasser- und Stromwerken planen. Sie selbst bekommt eine Botschaft zur Übermittlung. Doch aus Angst vor Gewalt (bereits jetzt bringen Polizei und Militär auf den Schlachthöfen Schusswaffen zum Einsatz) behält sie die Botschaft für sich.

Währenddessen übertreibt es Slift an der Viehbörse und bringt das ganze System zum Einsturz: Alle gehen bankrott, niemand kauft mehr, egal zu welchem Preis. Mauler erfährt davon erst in der Zeitung: Er ist ทนท ebenfalls ruiniert.

Frisch verarmt und scheinbar fromm geworden macht er sich ทนท zum Quartier der Strohhüte auf, die gerade geräumt werden. Die anderen Fleischfabrikanten treten auf und erzählen, was genau sich an der Börse zugetragen hat: Nicht einmal die Nationalbank und die örtlichen Banken gemeinsam waren in der Lage, Slifts Gier etwas entgegenzuhalten. Die Viehhändler treten auf und verlangen die Auszahlung von Mauler, doch in seiner jetzigen Situation kann er nicht bezahlen. Alles scheint ausweglos.

Da erhält Mauler einen weiteren Brief, der ihm rät die Fleischmenge zu regulieren, um eine Stabilisierung der Preise zu erreichen. Da ohnehin alle Augen auf ihn gerichtet sind, schlägt er eine Lösung vor. Kurz: Ihm gehöre in der Zukunft die Hälfte aller Schlachthöfe, ein Drittel des Viehs werde verbrannt und zwei Drittel der Arbeiter zu zwei Dritteln des Lohnes wieder eingestellt. Durch ein so verknapptes Angebot gedenkt er, den Markt zu retten. Außerdem will er die strohhüte finanzieren, damit diese für Ruhe und Ordnung sorgen. Das Angebot wird akzeptiert, Mauler sogar als Held gefeiert.

Johanna geht derweil vor die Hunde. Sie wird von Schuldgefühlen geplagt, weil wegen ihr offenbar der Generalstreik geplatzt ist. Außerdem ist sie an einer Lungenentzündung erkrankt. So entkräftet wird sie ทนท in das Quartier der strohhüte getragen. Hier floriert das Geschäft dank der neuen Finanzierung und Slift macht den Vorschlag, sie zur Patronin der Schlachthöfe zu ernennen: Zur heiligen Johanna der Schlachthöfe. Sie versucht sich mit ihren schwindenden Kräften zu wehren und klagt über ihr Versagen, das Elend zu lindern. Ganz offen klagt sie eine Form des Glaubens an, die ihren Sinn im Vertrösten der Schwachen und so der Verlängerung ihres Elends sieht. Doch sie wird vom allgemeinen Jubel übertönt, stirbt letztlich und endet so als Patronin dessen, wogegen sie gekämpft hat.

Im Abgesang rechtfertigen die Schlächter und die Viehzüchter ihre Beweggründe. Sie sehen sich als Getriebene, ihrer Situation ausgeliefert. Mauler pocht auf seine zwei inneren Triebe. Den zur Menschlichkeit einerseits, den zur Geschäftemacherei andererseits.

3.2 Speziell: Die Wirtschaftshandlung

Die Handlung hat viele Schauplätze, Figuren und Handlungsstränge, sodass man schnell einen sehr zentralen Teil aus den Augen verliert: Die Wirtschaftshandlung. Ihr kommt aufgrund der Anlage des Stücks natürlich eine besondere Bedeutung zu. Deshalb wird sie hier, in Anlehnung an Jan Knopf (1985, S. 46) zusammenfassend dargestellt:

1. Es herrscht eine Absatzkrise, weil der Inlandsmarkt gesättigt ist. Der Exportmarkt bleibt noch verschlossen.
2. Mauler verkauft seine Anteile mit einem Marktwert von 12 Millionen für 10 Millionen an Cridle.
3. Cridle und Mauler sorgen mit Niedrigpreisen dafür, dass Lennox bankrott geht. Gleichzeitig verschärfen sie so die Absatzkrise und drücken den Wert der eigenen Anteile.
4. Mauler fordert die Einlösung des Kaufvertrags. Durch die niedrigen Kurse geht Cridle dadurch jedoch pleite.

[...]

Details

Seiten
22
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668467071
ISBN (Buch)
9783668467088
Dateigröße
550 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v368385
Institution / Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München
Note
1,3
Schlagworte
Brecht Marx Ökonomie Die heilige Johanna der Schlachthöfe Materialismus Bertolt Brecht Bert Brecht Brecht und die Politik Politisches Drama Johanna Ideologie
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Titel: Wie politisch ist die "heilige Johanna der Schlachthöfe"? Einflüsse und Intentionen hinter Brechts epischem Theaterstück