Lade Inhalt...

Mobbing in der Grundschule. Methoden der Prävention und Intervention

Hausarbeit 2016 19 Seiten

Pädagogik - Schulpädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriffsbestimmung Mobbing

3. Begriffliche Abgrenzung zwischen Mobbing und Bullying

4. Kennzeichen von Mobbing

5. Phasen von Mobbing

6. Erscheinungsformen von Mobbing

7. Folgen von Mobbing (für das Opfer)

8. Mobbing in der Grundschule?

9. Methode und Umsetzung in der Grundschule
9.1. Regeln/Vereinbarung gegen Gewalt und Mobbing
9.2. Die Farsta-Methode
9.3. Der „No Blame Approach“

10. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Mobbing an Schulen gibt es schon seit es die Institution Schule gibt. Die relativ neue Beschäftigung mit dem Thema hat jedoch gezeigt, dass viele Menschen noch im Erwachsenenalter unter den Folgen von Mobbing-Erfahrungen, die während ihrer Schulzeit erfolgt sind, leiden (vgl. Wachs u.a. 2016, S. 10). Eine repräsentative Studie hat ergeben, dass in den Jahren 2009/2010 ca. 700.000 Schüler im Alter zwischen 11 und 15 Jahren regelmäßig als Opfer, Täter oder Täter-Opfer an Mobbing beteiligt waren. Dies entspricht rund 18% der Altersgruppe.

Die vorliegende Hausarbeit hat das Ziel, den oft schnell gebrauchten Begriff „Mobbing“ zu durchleuchten und einen möglichen Umgang der Prävention und Intervention, im Primarbereich, aufzuzeigen.

Zunächst wird der Begriff „Mobbing“ operationalisiert und von dem Begriff „Bullying“ abgegrenzt. Anschließend werden die Kennzeichen von Mobbing aufgezeigt, um besser beurteilen zu können, wann es sich um einen Mobbing-Fall handelt. Außerdem soll dieser Punkt dazu beitragen, Mobbing von anderen Gewaltformen zu unterscheiden. Im Anschluss werden die Phasen von Mobbing erarbeitet. Diese tragen dazu bei, sich bewusst mit der Entwicklung von Mobbing auseinanderzusetzen, um evtl, einschätzen zu können, inwieweit als Lehrkraft einzugreifen ist (präventiv oder interventiv). Daraufhin folgt der Übergang zu den Erscheinungsformen von Mobbing. Dadurch soll klar gemacht werden, dass Mobbing nicht nur aus körperlichen sondern auch aus verbalen Interaktionen besteht. Es folgt der Punkt zu den Folgen von Mobbing für das Opfer, um aufzuzeigen, wie aktuell das Thema im Schulbereich sein muss, da es zu vielen Spätfolgen der betroffenen Personen führen kann. Anschließend wird verdeutlicht, dass Mobbing nicht nur im Sekundarbereich auftritt, sondern durchaus auch Angelegenheit von Grundschulen ist. Zum Abschluss werden drei allgemeine Strategien zum Umgang mit Mobbing vorgestellt und dahingehend kritisch bearbeitet, inwieweit sie in der Grundschule anwendbar sind. Außerdem werden sie mit eigenen Anmerkungen und Ideen ergänzt.

Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird lediglich die männliche Anrede verwendet und auf eine gendergerechte Schreibweise verzichtet. Sämtliche Personenbezeichnungen gelten gleichwohl für beide Geschlechter.

2. Begriffsbestimmung Mobbing

Da der Fokus dieser Arbeit auf Mobbing liegt, sollte zunächst geklärt werden, was unter dem Begriff zu verstehen ist.

Allgemein gibt der Duden an, dass der Begriff im Jargon gebraucht wird und weißt ihm die Synonyme „Intrige, Kabale [und] Quälerei“ (Duden online unter http://www.duden.de/rechtschreibung/Mobbing [gesehen am 19.08.2016]) zu. Der Begriff Mobbing stammt aus dem Altenglischen und leitet sich von dem Substantiv Mob ab, welcher Meute, Horde, kriminelle Bande oder Pöbel, bezeichnet (vgl. Wachs u.a. 2016, S. 19; Hervorhebung des Verfassers). Außerdem steht er in Verbindung mit dem Verb to mob, welcher als angreifen, anpöbeln oder schikanieren übersetzt werden kann (vgl. ebd.; Hervorhebung des Verfassers). Nach Kirchhart bezeichnete Konrad Lorenz[1] Gruppenangriffe von Tieren auf einen Fressfeind als Mobbing (vgl. Kirchhart 2014, S. 3). Peter-Paul Heinemann[2] übernahm den Begriff und verwendete ihn für das Phänomen „des Attackierens einer Gruppe gegenüber einer normabweichenden Person“ (ebd.). Mobbing zielt darauf ab, eine Person, über einen längeren Zeitraum hin, körperlich oder seelisch zu schädigen. Die betroffene Person ist unterlegen und schafft es nicht sich eigenständig aus ihrer Position zu befreien (vgl. Kirchhart 2014, S. 3f). Der Begriff wird jedoch nicht einheitlich verwendet.

3. Begriffliche Abgrenzung zwischen Mobbing und Bullying

Im Folgenden wird die begriffliche Verwendung von Mobbing und Bullying herausgearbeitet, da diese in der Literatur und im Sprachgebrauch nicht einheitlich verwendet werden.

Der Begriff Bullying leitet sich etymologisch von dem Wort the bully ab und bezeichnet eine Person, die ihre Stärke dafür verwendet, Schwächere zu verletzen und ihnen Angst zu machen (vgl. Fereidooni 2013, S .19; Hervorhebung des Verfassers). LautFereidooni haben Forscher deshalb abgeleitet, dass der Begriff Mobbing verwendet wird, wenn eine Gruppe sich gegen ein Opfer verbündet. Im Gegensatz dazu, geht man beim Bullying davon aus, dass es sich um einen Einzeltäter handelt. Außerdem wird das Wort ausschließlich verwendet, wenn die Opfer Schüler sind und der Ort des Bullyings eine Schule ist. Im Umkehrschluss sind Opfer von Mobbing Erwachsene, die am Arbeitsplatz schikaniert werden (vgl. Fereidooni 2013, S. 19f.). Teuschel & Heuschen stimmen dieser Einteilung zu, sie halten fest, dass unter Bullying ein ,,feindselige[s] und systematisierte[s] Schikanieren anderer“ (Teuschel & Heuschen 2013, S. 4) zu verstehen ist und geben an, dass der Begriff Bullying meist für „Mobbing bei Kindern und Jugendlichen reserviert“ (ebd.) ist. Somit ist festzuhalten, dass die beiden Begriffe als Synonyme zu verwenden sind, wobei Bullying noch spezifischer im Bereich Schule gebraucht wird. Im weiteren Verlauf wird, zur besseren Lesbarkeit, ausschließlich der umfassenderer Begriff des Mobbings verwendet, da dieser im Sprachgebrauch geläufiger ist und Bullying inkludiert (ausgenommen sind Zitate, die den Begriff des Bullying beinhalten).

4. Kennzeichen von Mobbing

Wachs u.a. (2016), als auch Jannan (2008) und Teuschel & Heuschen (2013), geben Kennzeichen von Mobbing an, die dabei helfen, Mobbing von anderen Gewaltformen zu unterscheiden.

Als Wiederholungsaspekt bezeichnet Wachs ein Verhaltensmuster zwischen Täter/n und Opfer, das wiederholt und über einen längeren Zeitraum hinweg auftritt. Dieser Zeitraum kann Wochen, Monate als auch Jahre umfassen (vgl. Wachs u.a. 2016, S. 18). Teuschel & Heuschen gehen mit diesem Punkt konform und noch weiter ins Detail. Sie geben an, dass die negativen Handlungen mindestens einmal pro Woche und über einem Zeitraum von mindestens einem Vierteljahr stattfinden müssen, um als Mobbing zu gelten (vgl. Teuschel & Heuschen 2013, S. 35). Wachs u.a. unterscheidet je nach Häufigkeit und Länge des Mobbingzeitraums, zwischen einer weichen Definition und einer harten Definition (Wachs น. a. 2016, S. 18; Hervorhebung des Verfassers). Bei einer weichen Definition, tritt Mobbing mehrmals pro Monat und über einen Zeitraum von mindestens sechs Monaten auf. Die harte Definition umfasst ein wöchentliches Mobbing und ein häufigeres Auftreten in den letzten sechs Monaten (vgl. ebd.). Für Jannan sind Häufigkeit und Dauer zwei Punkte, die er unabhängig und getrennt voneinander als Kennzeichen von Mobbing auflistet. Unter dem Punkt Häufigkeit versteht er, wenn negative Übergriffe wie Z.B. beschimpfen, beleidigen, übertriebenes Nachäffen, Ausschluss bei Spielen, schubsen, schlagen etc., mindestens einmal pro

Woche oder häufiger Vorkommen (vgl. Jannan 2008, S. 13 น. S. 26). Als Kennzeichen Dauer gibt er an, dass die Übergriffe über einen längeren Zeitraum von Wochen und Monaten gehen. Somit schließt er Konflikte die erst seit einer Woche bestehen von der Bezeichnung Mobbing aus (vgl. Jannan 2008, S. 26; Hervorhebung des Verfassers).

Ein weiteres Kennzeichen von Mobbing ist der von Wachs u.a. bezeichnete Verletzungsaspekt (vgl. Wachs u.a. 2016, S. 18f). Die Mobbing-Täter greifen das Opfer gezielt und mit der klaren Absicht an, ihm zu schaden. Wachs u.a. gibt dabei zu bedenken, dass sich Täter und Opfer oft gut kennen und die Täter somit das Wissen über die Schwächen ihres Opfers, sowie andere wertvolle Informationen besitzen (vgl. ebd.). Teuschel & Heuschen stimmen dem zu, indem sie festhalten, dass die Handlungen „gezielt und absichtsvoll gegen das Opfer gerichtet sind“ (Teuschel & Heuschen 2013, S. 35). Jannan verzichtet bei seiner Einteilung auf den Aspekt des Verletzens (vgl. Jannan 2008, S. 26f.).

Das letzte von Wachs u.a. aufgeführte Kennzeichen, ist das Machtungleichgewicht (vgl. Wachs u.a. 2016, S. 19). Er hält fest, dass das Machtverhältnis „asymmetrisch [...] zu Gunsten der Täter und zu Lasten der Opfer“ (ebd.) ist. Dieser Machtvorteil kann tatsächlich vorhanden, als auch subjektiv empfunden sein. Tatsächliche Faktoren sind zum Beispiel ältere oder körperlich überlegene Täter oder Täter, die gezielt und verdeckt auf andere einwirken können. Oft genießen die Täter auch eine höhere Popularität in der Gruppe (vgl. ebd.). Teuschel & Heuschen fügen als weiteren Punkt hinzu, dass durch das Machtungleichgewicht die Opfer nur geringe Möglichkeiten haben, sich zu wehren (vgl. Teuschel & Heuschen 2013, S. 35). Dieses Kennzeichen existiert auch bei Jannan und wird von ihm als Konfliktlösung bezeichnet (vgl. Jannan 2008, S. 26). Er jedoch geht noch einen Schritt weiter und gibt an, dass „das Opfer [...] aus eigener Kraft nicht in der Lage [ist], das Mobbing zu beenden“ (ebd.).

Die aufgeführten Kennzeichen von Wachs u.a., Teuschel & Heuschen und Jannan ähneln sich stark und unterscheiden sich oft nur im Wortlaut oder der Einteilung. Sie sind ebenfalls im Werk von Fereidooni (vgl. Fereidooni 2013, S. 20f.) aufzuflnden. Dieser und Jannan erwähnen jedoch noch eine weitere Qualität von Mobbing, nämlich das Ziel der Täter. Dieses ist es, das Opfer aus seiner bekannten Elmgebung (Lemgruppe, Klasse, Schule, etc.) zu vertreiben (vgl. Jannan 2008, S. 26; Fereidooni 2013, S. 21).

5. Phasen von Mobbing

Im Vorherigen wurden die Kennzeichen von Mobbing herausgearbeitet und gegenüber gestellt. Im weiteren Verlauf wird der Prozess bzw. werden die Phasen von Mobbing erkenntlich gemacht. Hierzu werden die drei Phasen nach Wachs u.a. (2016) und die vier Phasen von Taglieber (2005) näher betrachtet und gegenseitig ergänzt.

Nach Wachs u.a. lässt sich Mobbing in drei zentrale Phasen einteilen. Die erste Phase wird Explorationsphase genannt (vgl. Schäfer 2003, zit. nach Wachs u.a. 2016, S. 23). Die Mobbing-Täter greifen unterschiedliche Schüler an und testen, wer sich nicht wehren kann und als Opfer geeignet ist. Oft sind dies Kinder, die sich leicht provozieren lassen, weniger im Klassenverband akzeptiert und somit auch nicht von den anderen Mitschülern verteidigt werden. Die Lehrkraft sollte ทนท präventive Maßnahmen einleiten, um den Mobbing-Prozess zu stoppen (vgl. ebd.). Taglieber sieht diese Phase ebenfalls als Phase an, in der Gemeinheiten platziert werden (vgl. Taglieber 2005, S. 9). Er betont, dass Streitereien in einer Schulklasse normal sind, da die Kinder austesten, inwieweit sie Macht und Einfluss besitzen. Seiner Meinung nach ist es wichtig, diese Konflikte zu beachten und zu bearbeiten, damit sich das Mobbing nicht weiter entwickeln kann (vgl. ebd.).

Die nächste Phase wird bei Wachs u.a. als Konsolidierungsphase bezeichnet (vgl. Schäfer 2003, zit. nach Wachs u.a. 2016, S. 23). Zu diesem Zeitpunkt greifen die Mobbing-Täter vermehrt ihr zuvor ausgewähltes Opfer an. Oft sind die Mitschüler ทนท in den Prozess mit einbezogen, womit das Opfer immer mehr sozial ausgegrenzt wird. Anfangs kann noch präventiv eingegriffen werden. Sobald die Phase allerdings fortgeschritten ist, sind intervenierende Maßnahmen von Nöten (vgl. ebd.). Taglieber hebt in seiner zweite Phase hervor: „Mobbing wird möglich durch Möglichmacher“ (Taglieber 2005, S. 9). Anders als Wachs u.a. geht er hierbei nicht nur auf die Personen ein, die bei dem Mobbing mitmachen (wie Z.B. Teile der Klasse), sondern auch auf diejenigen, die nur zuschauen und die Taten ignorieren bzw. nicht eingreifen. Er weißt darauf hin, dass sich das Opfer immer mehr in eine Verteidigungshaltung begibt und somit für die Täter noch mehr Angriffsfläche bietet (vgl. ebd.).

In der dritten Phase, auch Manifestationsphase genannt, hat sich eine genaue Struktur des Mobbens und ihre Beteiligten herauskristallisiert (vgl. Schäfer 2003, zit. nach Wachs u.a. 2016, S. 23). Die Täter haben die Schulklasse so manipuliert, dass die Mobbing-Attacken auf das Opfer als gerechtfertigt angesehen werden.

[...]


[1] Österreichischer Zoologe, Hauptvertreter der klassischen vergleichenden Verhaltensforschung

[2] Arzt, gilt als Begründer der Mobbingforschung

Details

Seiten
19
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668467293
ISBN (Buch)
9783668467309
Dateigröße
540 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v368382
Institution / Hochschule
Pädagogische Hochschule Heidelberg
Note
1,5
Schlagworte
Mobbing Grundschule Gewalt Bullying Farsta-Methode No Blame Approach Prävention Intervention

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Mobbing in der Grundschule. Methoden der Prävention und Intervention