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Die Darstellung der Frau im deutschen Unterhaltungs-TV aus medienethischer Sicht

Hausarbeit 2017 18 Seiten

Ethik

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Grundbegriffe der Medienethik

3. Unterhaltungsformate und ihr Frauenbild
3.1. Einige ausgewählte TV-Unterhaltungsformate im Privatfernsehen als Beispiel
3.2. Frühere Erkenntnisse zur Darstellung von Frauen im (Unterhaltungs-) Fernsehen .
3.3. Das Frauenbild im Reality-TV

4. Ethikansätze
4.1. Zur Ethik des Reality-TVs
4.2. Diskurstheoretische Ethikansätze
4.3. Systemtheoretische Ethikansätze
4.4. Rezipienten- und Publikumsethik

5. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Mit dem Aufkommen des Privatfernsehens in Deutschland in den achtziger Jahren ist die Bedeutung des Fernsehens als Unterhaltungsmedium beträchtlich angestiegen. War der vorwiegende Auftrag der öffentlich-rechtlichen Sender bisher vor allem die Information der Zuschauer, kamen mit dem Privatfernsehen immer mehr reine Unterhaltungsformate dazu. Spiel- beziehungsweise Quizshows erfreuten sich großer Beliebtheit, ebenso wie Talkshows. Seit der Jahrtausendwende sind zudem Castingshows nicht mehr aus der Fernsehlandschaft wegzudenken. Je nach Format suchen die Sender Talente in verschiedensten Kategorien und begleiten die Teilnehmer auf ihrem Weg zum Sieg oder auch zur Niederlage. Mit dem Castingshow-Genre überschneiden sich die sogenannten Reality-Shows, bei denen die Protagonisten möglichst realitätsnah inszeniert werden und so die Echtheit der Handlungen suggerieren. Meist sind diese Sendungen allerdings geskriptet, haben also eine Art Drehbuch als Vorlage.

Diese Art von TV-Formaten stehen aufgrund ihres Menschenbildes regelmäßig in der Öffentlichkeit in der Kritik. Sendungen wie „Germany’s Next Topmodel“, eine Castingshow für angehende Models, oder auch „Der Bachelor“, bei der mehrere Frauen um einen Junggesellen buhlen, sind insbesondere durch ihre fragwürdige Darstellung der Frau umstritten und polarisieren deshalb. Trotzdem sind diese Shows vor allem bei jungen Frauen beliebt und finden so immer wieder ein großes Publikum. Grund genug, um solche TV-Formate einmal auf ihre ethische Korrektheit hin zu untersuchen. Im Folgenden sollen zunächst die zentralen Grundbegriffe der Medienethik dargestellt werden. Anschließend wird auf einige konkrete TV- Unterhaltungsshows eigegangen, die für das Frauenbild, welches sie repräsentieren, in der Kritik stehen. Es soll untersucht werden, was für ein Bild von Frauen die Unterhaltungsshows im deutschen Privatfernsehen zeichnen. Um dies aus einer Ethik-Perspektive heraus beurteilen zu können, werden drei verschiedene medienethische Ansätze auf die Problematik angewandt: Die Diskursethik, der systemtheoretische Ansatz und die Rezipienten-und Publikumsethik. Anschließend soll diskutiert werden, welche Vor- und Nachteile die verschiedenen Theorien hierbei bieten und wie gut sie sich auf die Thematik anwenden lassen. Zuletzt werden die Ergebnisse zusammenfassend dargestellt.

2. Grundbegriffe der Medienethik

Die Ethik ist die „Theorie des Handelns unter normativen Gesichtspunkten“ (Leschke 2001: 7)[1], mit der sich Handlungsentscheidungen erklären lassen. Diese Entscheidungen werden allerdings nicht zufällig getroffen, stattdessen entstehen Handlungsstrategien. Wertmuster und -strategien werden dabei hierarchisch geordnet und in Zusammenhang gebracht, wodurch eine Moral entsteht (vgl. ebd.: 8). Moral ist also ein „System von normativen Mustern“ (ebd.: 8 f.). Die Medienethik beschäftigt sich mit moralischem Handeln in dem gesamten Feld der Medien und ist damit ein Teilbereich der Angewandten Ethik. Rüdiger Funiok definiert sie wie folgt:

„Medienethik betrachtet unter ethischer Perspektive die gesellschaftlichen Vorgaben und den Prozess der Erstellung (Produktion), der Bereitstellung (Distribution) und der Nutzung (Rezeption) medienvermittelnder Mitteilungen, also der Massenmedien (Presse, Film, Hörfunk, Fernsehen) sowie neuerer medialer Angebots- und Austauschformen (Internet).“ (Funiok 2007: 11)[2]

Die Medienethik lässt sich in verschiedene Bereiche unterteilen, die sich auf jeweils verschiedene Akteure beziehen. Einfluss auf die Medien haben nicht nur die Medienschaffenden (Berufsethik), sondern auch die Unternehmen (Unternehmensethik), die Politik (Ethik der Medienpolitik) und die Nutzer der Medien (Rezipientenethik). Je nachdem, von welcher Perspektive aus ein Subjekt betrachtet wird, lässt sich die Verantwortlichkeit der unterschiedlichen Akteure diskutieren.

Sowie in der allgemeinen Angewandten Ethik verschiedene Begründungsansätze verwendet werden können, ist dies auch in der Medienethik der Fall. Die klassische philosophische Ethik findet mit dem Utilitarismus, den Vertragsmodellen und der Diskursethik durchaus Anwendung im Bereich der Medienethik. Die Medienethik als Moralphilosophie gestalte sich laut Christian Schicha allerdings schwierig, da die Medienschaffenden in der komplexen Medienlandschaft oft daran scheitern würden, den anspruchsvollen moralischen Maximen und Verhaltensregeln zu entsprechen (vgl. Schicha, 2010: 36 f.)[3]. Individualethische Ansätze sehen die Medienethikvor allem als Berufsethik an, in der der Medienschaffende, beispielsweise der Journalist, eine zentrale Verantwortung besitzen. Dadurch hänge die Qualität der Medien vor allem von individuellen Entscheidungen des Medienschaffenden ab (vgl. Hömberg/ Klenk 2010: 41 f.)[4]. Die Systemtheorie betrachtet in der Medienethik dagegen das gesamte Umfeld beziehungsweise das System, in welchem Medien entstehen und verbreitet werden. Konstruktivistische Ethiken fokussieren wiederum das Individuum, welches Verantwortung für seine Wahrnehmung der Realität trägt. Sie findet eher weniger Anwendung im Bereich der Medienethik. Es gibt natürlich noch weitere Ethikansätze, die in der Medienethik von Relevanz sind; dies sind allerdings die bedeutsamsten.

3. Unterhaltungsformate und ihr Frauenbild

3.1. Einige ausgewählte TV-Unterhaltungsformate im Privatfernsehen als Beispiel

In der Castingshow Germany ‘ s Next Topmodel sucht Heidi Klum, erfolgreiches Model, seit dem Jahr 2006 regelmäßig Model-Nachwuchs. Die Sendung wird auf ProSieben ausgestrahlt und befindet sich mittlerweile in der zwölften Staffel. In der Show müssen die teilweise noch sehr jungen Teilnehmerinnen verschiedenste Aufgaben bestehen. Mit jeder Sendung werden es weniger Teilnehmerinnen, bis die Jury rund um Heidi Klum eine Siegerin gekürt hat. Die jungen Frauen werden dabei ständig von Kameras begleitet, sowohl bei ihren Model-Aufgaben als auch im Privaten. Nicht nur ihre Qualitäten als Model spielen in der Sendung eine Rolle, sondern auch das zwischenmenschliche Verhältnis der Teilnehmerinnen. Konflikte mit sich selbst und Anderen sind ein wichtiges Element der Sendung. So werden oft sehr emotionale und dramatische Szenen explizit gezeigt. Die Sendung erreichte durchschnittlich 2,4 bis 3,8 Millionen Zuschauer pro Folge, die Quoten waren je nach Staffel unterschiedlich gut. Sie hatten damit einen Marktanteil zwischen 7,9% und 13,2%.[5]. Dabei ist die Sendung vor allem unter den 14- bis 49-Jährigen Zuschauern beliebt.

Eine weitere Reality-Show ist Der Bachelor; sie läuft auf RTL Television. Die erste Staffel lief im Jahr 2003, danach folgte eine längere Pause. 2012 lief dann die zweite Staffel und seitdem folgen regelmäßig weitere Staffeln. Momentan wird die siebte Staffel ausgestrahlt. Im Zentrum des Formats steht ein attraktiver Junggeselle, der unter mehreren Bewerberinnen in der Casting-ähnlichen Show seine Lebenspartnerin aussuchen soll. Um die zwanzig junge Frauen wohnen in dieser Zeit in einer Villa und haben regelmäßig Einzel- und Gruppendates mit dem Bachelor. Wer diesen genug begeistert, wird von ihm eine Runde weiter gelassen. So bleibt am Ende eine Frau übrig, die sich dann eine gemeinsame Zukunft mit dem Bachelor erhoffen kann. Eine längere Beziehung ist allerdings bisher in keiner Staffel entstanden. Die sechste Staffel sahen im Durchschnitt 3,1 Millionen Zuschauer, die Zielgruppe lag auch hier bei den 14- bis 49-Jährigen[6].

Des Weiteren ist eine populäre Reality-TV-Show auch das Castingformat Deutschland sucht den Superstar, welche ebenfalls auf RTL ausgestrahlt wird. Darin sucht eine Jury rund um Musikproduzenten Dieter Bohlen Gesangstalente; und zwar bereits seit 2002 in regelmäßigen Abständen. Mittlerweile läuft die vierzehnte Staffel im TV. Zuerst in Castings, dann im sogenannten Recall (der Zwischenrunde) und später in Liveshows müssen die Teilnehmer die Jury mit ihrem Gesang überzeugen. Diese, und auch das Publikum, entscheidet, wer es in die nächste Runde schafft. Die Quoten der Sendung sind seit Beginn der ersten Staffel mehr oder weniger stetig zurückgegangen. Die 13. Staffel im Jahr 2016 sahen durchschnittlich nur noch 4,10 Millionen Menschen. Zudem schalteten die Finalshow so wenig Zuschauer wie noch nie ein.[7]

3.2. Frühere Erkenntnisse zur Darstellung von Frauen im (Unterhaltungs-) Fernsehen Bereits im Jahr 1975 untersuchte Prof. Dr. Erich Küchenhoff an der Universität Münster das Bild der Frauen im TV in einer Studie namens Die Darstellung der Frau und die Behandlung von Frauenfragen im Fernsehen [8]. Offiziell wurde sie vom Bundesminister für Jugend, Familie, Frauen und Gesundheit herausgegeben und unter dem Namen ‚Küchenhoff-Studie‘ bekannt. Die Studie bezieht sich ausschließlich auf die öffentlich-rechtlichen Sendet ARD und ZDF. Im Jahr 1990 veröffentlichte Monika Weiderer dann die Studie Das Frauen- und Männerbild im Deutschen Fernsehen [9] . Neben ARD und ZDF untersuchte sie ebenso den Privatsender RTLplus, heute RTL. Beide analysieren auch die Darstellung der Frau in Shows- und Quizsendungen, die zum Unterhaltungsfernsehen zählen. Zur Entstehungszeit der Studien gab es im Fernsehen noch keine Reality-Formate, welche Gegenstand der vorliegenden Arbeit sind. Allerdings ist es ein ähnliches Genre, nur, dass das Reality-TV vorgibt, die Realität wiederzugeben, im Unterschied zu reinen Shows. Jutta Velte vergleicht die Erkenntnisse von Küchenhoff und Weiderer zum Bereich Quiz und Show. Beide Studien zeigten laut Velte, dass Frauen in diesen Formaten deutlich unterrepräsentiert seien. Das Aussehen der Teilnehmerinnen der Shows würde sich am gesellschaftlichen Schönheitsideal orientieren. Trotz der 15 Jahre, die zwischen den beiden Studien liegen, sei das Frauenbild im TV nur wenig modernisiert worden (vgl. Velte 1995: 204 f.)[10]. Insgesamt kommen beide Studien kommen zu dem Ergebnis, dass „nur wenige Lebensmuster gezeigt werden, die sich zudem auf traditionell Frauen zugeschriebene Eigenschaften, Verhaltensweisen und Kompetenzen beziehen“ (Röben 2013: 81)[11]. Küchenhoff zieht als Fazit, dass in allen Untersuchungsbereichen eine Benachteiligung der Frau vorzufinden sei (vgl. Klaus 1998:

[...]


[1] Rainer Leschke: Einführung in die Medienethik. München: Wilhelm Fink Verlag 2001.

[2] Rüdiger Funiok: Medienethik. Verantwortung in der Mediengesellschaft. Stuttgart: Kohlhammer 2007.

[3] Christian Schicha: Philosophische Ethik. In: Carsten Brosda& Christian Schicha (Hg.). Handbuch Medienethik. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften 2010, S. 21 - 40.

[4] Walter Hömberg & Klenk, Christian: Individualethische Ansätze. In: Carsten Brosda, & Christian Schicha (Hg.). Handbuch Medienethik. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften 2010, S. 41 - 52.

[5] http://www.quotenmeter.de/n/50200/quotencheck-germany-s-next-topmodel. Abgerufen am 16.02.2017.

[6] http://www.quotenmeter.de/n/84557/quotencheck-der-bachelor. Abgerufen am 16.02.2017.

[7] http://www.quotenmeter.de/n/85455/quotencheck-deutschland-sucht-den-superstar. Abgerufen am 19.03.2017

[8] Erich Küchenhoff& Boßmann, Wilhelm: Die Darstellung der Frau und die Behandlung von Frauenfragen im Fernsehen: Eine empirische Untersuchung einer Forschungsgruppe der Universität Münster. Stuttgart [u.a.]: Kohlhammer 1975.

[9] Monika Weiderer: Das Frauen- und Männerbild im Deutschen Fernsehen. Eine inhaltsanalytische Untersuchung der Programme von ARD, ZDF und RTL plus. Regensburg: Roederer 1993. (Medienforschung. Helmut Lukesch (Hg.) Regensburg: Roderer 1989 - ). Band 4/9.

[10] Jutta Velte: Darstellung von Frauen in den Medien. In: Romy Fröhlich & Christina Holtz-Bacha: Frauen und Medien. Eine Synopse der deutschen Forschung. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften 1995, S. 181 - 253.

[11] Bärbel Röben: Medienethik und die "Anderen". Wiesbaden: Springer VS 2013.

Details

Seiten
18
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668466517
ISBN (Buch)
9783668466524
Dateigröße
486 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v368203
Institution / Hochschule
Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover – Institut für Politische Wissenschaft
Note
1,0
Schlagworte
Medienethik Ethik Frauen Unterhaltung Unterhaltungs-TV Reality Fernsehen

Autor

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