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Ökologischen Wohlstand messen. Auswahl, Erhebung, und internationaler Vergleich eines Indikatorenbündels

Masterarbeit 2013 71 Seiten

Soziologie - Soziales System, Sozialstruktur, Klasse, Schichtung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Theoretischer Teil
2.1 Ausgangssituation
2.2 Stand der Forschung
2.2.1 Indikatorenbündel oder Indikatorenindizes?
2.2.2 Alternative Modelle zur Darstellung von Lebensqualität
2.2.3 Wohlstand

3. Methodischer Teil
3.1 Gütekriterien bei der Verwendung von Daten
3.2 Voraussetzungen für Indikatoren
3.3 Auswahl
3.3.1 Auswahl der Methodik und anderer Kriterien
3.3.2 Auswahl der Länder zum Ländervergleich
3.3.3 Auswahl der Indikatoren mit gegenwärtigen Aussagen
3.3.4 Auswahl der Indikatoren mit Trendaussagen
3.3.5 Auswahl des Indikators zur subjektiven Wahrnehmung

4 Ergebnisse
4.1 Indikator Nichtmineralische Abfälle
4.2 Luftqualität
4.3 Anteil der erneuerbaren Energien am Bruttoendenergieverbrauch in %
4.4 Treibhausgasemissionen
4.5 Anteil der ökologischen Fläche
4.6 Indikator zur subjektiven Wahrnehmung

5 Diskussion der Ergebnisse
5.1 Ökologischer Wohlstand?
5.2 Estland
5.3 Finnland
5.4 Frankreich
5.5 Malta
5.6 Portugal
5.7 Deutschland

6 Fazit und Ausblick

7 Bibliographie
7.1 Literatur
7.2 Verwendete Daten
7.3 Gesetzestexte, Verordnungen, Richtlinien

8 Anhangsverzeichnis

1 Einleitung

In der vorliegenden Arbeit beschäftige ich mich mit dem Thema „Ökologischen Wohlstand messen: Auswahl, Erhebung und internationaler Vergleich eines Indikatorenbündels“. Ausgehend von der Belegung eines Seminars bei Herrn Dr. Habich an der Universität Potsdam mit dem Titel „Beyond GDP - Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität“ und des Besuchs der Enquete-Kommission „Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität-Wege zu nachhaltigem Wirtschaften und gesellschaftlichem Fortschritt in der Sozialen Marktwirtschaft“ mit dem Kurs, entschied ich mich meine Masterarbeit im Themengebiet des Wohlstands zu schreiben. Dabei interessierte mich vor allem die Ausgangslage der ökologischen Dimension[1]. Mit dieser hatte ich mich zumeist auf umweltsoziologischer Basis bereits im Bachelorstudium an der Universität Kassel auseinandergesetzt und dies an der Universität Potsdam mit der Wahl des Vertiefungsmoduls Umweltsoziologie fortsetzte.

Seit Mitte des 20. Jahrhunderts kann das BIP nach Wahl und anderen Autoren als DER Leitindikator zur Darstellung des gesamtgesellschaftlichen Wohlstands angesehen werden (vgl. Wahl et al 2010, 9). Aufgrund immer größer werdender gesellschaftlichen Herausforderungen, wie dem Klimawandel und den damit einhergehenden Umweltproblematiken für Mensch und Natur, aber auch den sozialen Ungleichheiten, oder der Arbeitsmarktentwicklung entstand in den vergangenen Jahrzehnten auf wissenschaftlicher, politischer und gesellschaftlicher Ebene eine Diskussion, ob das BIP als ganzeinheitlicher Wohlstandsindikator noch zeitgemäß sei. Auf politischer Ebene gipfelte diese Diskussion in der Einsetzung einer Enquete-Kommission zum Thema „Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität-Wege zu nachhaltigem Wirtschaften und gesellschaftlichem Fortschritt in der Sozialen Marktwirtschaft“. Ausgehend von der Einsetzung der Kommission und dem Interesse für die ökologische Dimension lassen sich nun die Ziele der Masterarbeit eingrenzen.

Aufgrund der eben erwähnten Herausforderungen des Klimawandels, des Verlusts der Biodiversität oder im Allgemeinen der Umweltproblematiken muss dargestellt werden, ob das BIP als ganz einheitlicher Wohlstandsindikator infrage kommt oder nicht. Die dazugehörige Forschungsfrage lautet also: Ist das BIP in der Lage sich den gegenwärtigen und kommenden Herausforderungen zu stellen? Kann das BIP den ökologischen Wohlstand einer Nation messen und darstellen? Ein weiteres Ziel der Masterarbeit betrifft die Erstellung der ökologischen Dimension. Hierfür werden methodische Gütekriterien sowie Indikatoren zur Darstellung von ökologischem Wohlstand benötigt. Die Zielsetzung ist also methodische Gütekriterien darzustellen, um diese auf die gewählten Indikatoren anzuwenden, um sich einem neuen Indikatorensystem zur Darstellung von ökologischem Wohlstand in der wissenschaftlichen Forschung anzunähern. Das Hauptziel der Masterarbeit besteht in der Auswertung sowie der Darstellung von den Ergebnissen der ökologischen Dimension. Die Forschungsfrage lautet daher: Kann auf Basis der gewählten Indikatoren von ökologischem Wohlstand innerhalb der Nationen gesprochen werden?

Die vorliegende Masterarbeit stellt eine theoretische Analyse entsprechend der Kernfragestellungen dar und basiert auf einer empirischen Sekundärdatenanalyse sowie der Literaturrecherche. Die Masterarbeit beginnt dabei bei 2.1 mit der Darstellung der Ausgangssituation. Hier werden die Kritikpunkte der verschiedenen Dimensionen des Wohlstands dargestellt. Zum Ende des Abschnitts folgt die Beantwortung der ersten Forschungsfrage. Der theoretische Teil wird weiter fort geführt mit dem Stand der Forschung (2.2). Hier werden die theoretischen Ansätze des Wohlstandindexes und des - bündels zur Berechnung und Darstellung von Indikatorensystemen veranschaulicht. Es folgt der theoretische Teil mit der Darstellung von alternativen Modellen. So werden neben dem Human Development Index und dem Nationalen Wohlfahrtsindex, auch das Glücks- BIP und andere Modelle illustriert. Der theoretische Teil wird nach Darstellung des Konstrukts Wohlstand beendet. Der dritte Teil beinhaltet die Methodik. Dabei werden zuerst die Gütekriterien wie zum Beispiel die der Objektivität, Validität oder der internationalen Vergleichbarkeit aufgestellt. Die methodischen Kriterien basieren dabei in weiten Teilen auf der erwähnten Enquete-Kommission. Nach Klärung der methodischen Grundlage beschäftigt sich der Autor ab 3.3 mit der eigentlichen Auswahl der zu verwendenden Indikatoren. An dieser Stelle werden des Weiteren auch sogenannte Merkmalsausprägungen vergeben. In Punkt 4 erfolgt die Darstellung der Ergebnisse. Diese werden dabei pro Indikator angezeigt. Unter ihnen befindet sich z. B. der Indikator Anteil der erneuerbaren Energie am Bruttoendenergieverbrauch in Prozent. Nach dessen Abschluss erfolgt die eigentliche Diskussion der Ergebnisse. Diese werden im Gegensatz zum vorherigen Kapitel nicht nach Indikatoren angeordnet, sondern nach Nation. Das letzte Kapitel beinhaltet eine Zusammenfassung der erzielten Ergebnisse sowie die Beantwortung der Forschungsfrage. Die Masterarbeit schließt mit einigen kritischen Anmerkungen zur Arbeit sowie einigen Forschungsempfehlungen im Kapitel Fazit ab.

2 Theoretischer Teil 2.1 Ausgangssituation

Nach aktuellen Berechnungen des Statistischen Bundesamtes lag das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Jahr 2011 bei 2,5708 Billionen Euro, was eine Steigerung von 3 Prozentpunkten gegenüber dem Jahr 2010 darstellt. Daraus lässt sich ein Durchschnittswert von 31.436 Euro pro Einwohner für die Bundesrepublik Deutschland errechnen (vgl. Statistisches Bundesamt 2012, 321). Das BIP stellt dabei den Wert der im Inland erwirtschafteten Leistung einer Volkswirtschaft in einer Periode dar. Es wird mithilfe der sogenannten Entstehungs-, Verwendungs- und Verteilungsrechnung ermittelt. Eine schematische Übersicht über die verschiedenen Berechnungen und Darstellungen ist im Anhang auf Seite 63 einsehbar. Des Weiteren erfolgt die Berechnung des BIPs mit und ohne Preisbereinigung. Die preisbereinigte Quote der Veränderung gegenüber dem Vorjahr gilt „... üblicherweise als Indikator für das Wirtschaftswachstum“ (Deutscher Bundestag 2012, 7). Seit Mitte des 20. Jahrhunderts kann das BIP nach Wahl und anderen Autoren auch als Leitindikator zur Darstellung des Wohlstands einer Gesellschaft angesehen werden (vgl. Wahl et al 2010, 9).

Allerdings wird auch Kritik an der Aussagekraft des Indikators geäußert wird. So stellte schon der US-Ökonom John Kenneth Galbraith Anfang der 70er Jahre fest, dass die Tage des BIP zu Ende seien: „The day of the GNP is over...“ (Simonis 2011,953). Weitere Kritik folgte auch durch international tätige Organisationen, wie beispielsweise durch die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung OECD: „In recent years, concerns have emerged that standard macro-economic statistics, such as GDP, which for a long time have been used as proxies to measure well-being, failed to give a truth account of people's current and future living conditions“ (OECD 2011, 14). Van Suntum und Lerbs weisen in ihrer Studie zur Bewertung alternativer Methoden der Wohlfahrtsmessung ebenfalls hierauf hin. So orientierte sich die Wachstumskritik „...an der Erkenntnis, dass es wohlfahrtsrelevante Kontexte gibt, in denen das Bruttoinlandsprodukt als zentrale Kennzahl der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung (VGR) allein nicht aussagekräftig ist“ (van Suntum, Lerbs 2011, 2). Dieser Kritikpunkt wird auch heute noch angeführt. Neben diesem gibt es weitere gesellschaftliche, ökonomische sowie ökologische Kritikpunkte. Um einen Überblick zu erhalten, sollen diese nun aufbereitet werden.

Das BIP ist ein Bruttomaß[2]

Das BIP erfasst sowohl wirtschaftliche Aktivitäten, die lediglich der Erhaltung des Kapitalstocks dienen, als auch jene, die den Kapitalstock mehren. Es enthält also Abschreibungen, d.h. die Kosten der Nutzung des Kapitalstocks. Ferner erfasst das Inlandsprodukt - unabhängig davon, ob es brutto oder netto betrachtet wird - lediglich die Wirtschaftsleistungen der im Inland tätigen Wirtschaftseinheiten. Unberücksichtigt bleiben sowohl im Ausland erzielte Einkommen von Inländerinnen als auch ins Ausland übertragene Einkommen von gebietsfremden Personen.

Qualitätsveränderungen werden ungenau erfasst

Angesichts des wachsenden Anteils von Dienstleistungen und der Produktion zunehmend komplexerer Produkte ist es heutzutage schwieriger, die produzierte Menge und die Wirtschaftsleistung zu erfassen. Wenn in einem Sektor der Wert der produzierten Güter oder Dienstleistungen steigt, wird es deshalb immer schwerer zu identifizieren, inwiefern diese Wertsteigerung auf eine Ausdehnung der produzierten Menge oder auf eine Qualitätsverbesserung zurückzuführen ist. Werden Qualitätsverbesserungen zu gering eingeschätzt, ist die ermittelte Inflationsrate zu hoch und das reale BIP damit zu niedrig. Im umgekehrten Fall trifft das Gegenteil zu.

Öffentlich bereitgestellte Güter und Dienstleistungen werden ungenau erfasst Der Staat stellt sowohl öffentliche Güter, wie Landesverteidigung oder innere Sicherheit, als auch private Güter, wie individuelle medizinische Versorgung, bereit. Die Messung dieser Güter und Dienstleistungen erfolgt bisher anhand ihrer Kosten, nicht anhand der tatsächlich erbrachten Dienstleistungen. Im Gesundheitswesen werden beispielsweise die Kosten für Ärzt(innen) nicht jedoch erfolgte Behandlungen oder gar Behandlungserfolge gemessen. Es wird angenommen, dass sich der Output parallel zum Input verändert. Steigt jedoch die Produktivität des Staates, steigt der Output im Verhältnis zum Input stärker als bisher angenommen wird. In diesem Fall fällt das BIP zu niedrig aus.

Haushaltsproduktion, ehrenamtliches Engagement und der Wert der Freizeit werden unvollständig berücksichtigt.

Wertschöpfende Tätigkeiten wie Hausarbeit, Kinderbetreuung oder Pflege von

Angehörigen führen zu einer Zunahme des BIP, sofern sie von (legal) bezahlten Dienstleistern erbracht werden - nicht jedoch, wenn sie selbst durchgeführt werden oder einfach der Nachbar unentgeltlich hilft. Der materielle Lebensstandard in den beiden alternativen Szenarien ist jedoch praktisch identisch. Ehrenamtliches Engagement und der Wert der Freizeit fließen überhaupt nicht ins BIP ein. Bei ersterem wird der gesellschaftliche Nutzen in vielen Fällen so groß sein, dass die Leistung ohne ehrenamtlich Tätige vom Staat „gekauft“ werden müsste und damit BIP-wirksam wäre. Die Nicht-Berücksichtigung des ehrenamtlichen Engagements führt folglich zu einer Unterschätzung des BIP. Freizeit hingegen hat einen individuellen Wert, der individuellen Wohlstand beeinflusst. Deshalb relativiert sich ein Zuwachs des BIP, wenn er auf Kosten der verfügbaren freien Zeit erzielt wurde.In diesem Fall wird das BIP überschätzt. Auch die Schattenwirtschaft, insbesondere kriminelle Aktivitäten wie der Drogenhandel, ist nur schwer zu erfassen.

Wie bereits erwähnt, fokussiert sich die vorliegende Abschlussarbeit auf die Kritikpunkte der Ökologie. Kritikpunkte am BIP stellen dabei die Themengebiete der Umweltschäden und -verschmutzung dar. Dies liegt daran, dass diese zwar teilweise mit in die Berechnung des BIP einfließen, allerdings im wertsteigernden und nicht im wertmindernden Sinne. Ein anschauliches Beispiel stellt dabei für Deutschland der Orkan Kyrill dar. Dieser richtete am 18./19. Januar 2007 nach Berechnungen des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft einen wirtschaftlichen Schaden in Höhe von ca. 2,5 Mrd. Euro an (vgl. Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft 2007, 7). Dieser Schaden wurde dabei nicht, wie der Wortstamm es glauben machen könnte, vom BIP abgezogen, sondern als nachträgliche Umweltschutz und Umweltschadenskosten hinzugefügt, da er zur Steigerung der Wertschöpfung der deutschen Wirtschaft beigetragen hatte. Weitere Umweltschäden, wie zum Beispiel die aus dem Orkan resultierten Waldschäden in Höhe von ca. 75 Mio. Bäumen (vgl. Reiner 2008, 8), werden nur auf Basis der Kosten für Wiederaufforstung sowie Maßnahmen zum Forstschutz und Wiederherstellung zerstörter Wege als positiver Wert in das BIP eingerechnet. Kosten, die langfristig den Wohlstand mindern könnten, werden hier außer Acht gelassen. Als ein weiteres Beispiel für diese Vorgehensweise lässt sich die Nutzung von Primärenergie betrachten. So werden die Förderung von Kohle sowie deren Verbrauch, als BIP steigernde Werte berücksichtigt. Die daraus entstehenden Umwelt- und möglicherweise Gesundheitsfolgeschäden sowie die eigentliche Nutzung als Primärenergie und nicht als erneuerbare, werden jedoch gänzlich nicht eingerechnet (vgl.

Deutscher Bundestag 2012, 9; vgl. SVR, CAE 2010, 36.).

Zusammenfassend lässt sich somit feststellen, dass Umweltschäden und - Verschmutzungen bei der Berechnung des BIPs entweder wertsteigernd verortet werden oder unberücksichtigt bleiben. Zu einem ähnlichen Ergebnis kam auch das Ifo—Institut nach dem Hochwasser 2002 in Sachsen. So haben Berlemann und Vogt festgestellt, dass aufgrund der nötigen Investitionen nach der Flut 2002 das BIP Sachsens für dieses sowie die beiden Folgejahre gestiegen ist (vgl. Berlemann; Vogt 2007, 19; vgl. Klammer 2005, 63).

Ein weiterer Kritikpunkt am BIP, der zwar nicht nur im ökologischen, sondern auch im gesellschaftlichen Gebiet eine Verortung findet, stellt der des nicht-materiellen Wohlstands dar. So werden nach der Projektgruppe II der Enquete-Kommission und deren Mitgliedern nichtmonetäre Variablen wie Gesundheit, soziale Integration, hohe Umweltqualität, geringe Lärmbelästigung und musische, sportliche sowie intellektuelle Leistungen nicht bei der Berechnung des BIPs berücksichtigt (vgl. Deutscher Bundestag 2012, 9.). Grundsätzlich lässt sich somit feststellen, dass es eine vielschichtige Kritik an der Berechnung des BIP gibt. Bezüglich der ersten Forschungsfrage lässt sich hieraus schlussfolgern, dass das BIP allein nicht in der Lage ist, den gesellschaftlichen Wohlstand einer Nation abzubilden oder zu messen. Aufgrund dessen werden aktuell und wurden in der Vergangenheit schon eine Vielzahl von Indikatorenbündeln und -indizes hergestellt. Ein Teil eben dieser werden nun im nächsten Absatz vorgestellt.

2.2 Stand der Forschung

2.2.1 Indikatorenbündel oder Indikatorenindizes?

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Alternative Wohlfahrtsmaße

Da es eine Vielzahl von Indikatorenbündeln und -indizes gibt, wird der Autor sich an dieser Stelle zunächst dem theoretischen Konstrukt beider Arten der Berechnung und Darstellung von Indikatoren widmen. Zuerst wird sich dieser Teil der Arbeit mit den verschiedenen Ausrichtungen des aggregierten Wohlfahrtsmaßes auseinandersetzen, sowie mit der theoretischen Konstruktion der Indikatorenbündel. Darauf folgend werden zum einen die Vorteile und zum anderen auch die Nachteile des Indikatorenbündels und der -indizes erörtert. Wohlstandindizes gibt es derzeit auf der Basis zweier verschiedener Konzepte. Auf der einen Seite_stehen Indizes, die zu einem einzelnen Indikator aggregiert werden, deren Ergebnisse dann mithilfe eines Geldwertes beziffert werden. In diesem Fall erfolgt die Berechnung des Indexwertes durch Addition und Subtraktion vom verfügbaren Einkommen nach der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung. Dieses Vorgehen wird als BIP-Revision bezeichnet (vgl. Deutscher Bundestag 2012, 10; vgl. Van Suntum; Lerbs 2011, 41 f.). Als Beispiel dieser monetären Berechnung kann der Nationale Wohlfahrtsindex sowie der Genuine Progress Indicator angeführt werden. Auf der anderen Seite stehen die dimensionslosen Indizes. Die sogenannten Composite Indices berechnen, wie schon die BIP-Revisionen, die Indikatoren zusammen. Dies geschieht jedoch nicht auf monetärer Basis, sondern als Punktwert. Des Weiteren können mit diesem methodischen Vorgehen nicht nur objektive Indizes, wie der Human Development Index erstellt werden, sondern auch subjektive Indizes oder gemischte Indizes. Beispiele wären hier unter anderem der Index of Living Conditions oder auch der Gross National Happiness Index. Indikatorenbündel verzichten demgegenüber auf eine Aggregation der Indikatoren. Das heißt also, dass die jeweiligen Indikatoren nebeneinanderstehen, ohne dass das Ergebnis explizit in einer Maßzahl ausgedrückt wird. Nach der Darstellung der methodischen Möglichkeiten soll nun eine Erörterung der Vor- und Nachteile beider Wohlfahrtsmaße vorgenommen werden. Die unten abgebildete Tabelle listet diese auf:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: van Suntum, Lerbs 2011,49

Tabelle 1: Vor- und Nachteile der Wohlfahrtsmaße

Ein grundsätzlicher Vorteil von Indikatorenbündeln gegenüber aggregierten Wohlfahrtsmaßen stellt nach Wahl und Anderen die der Objektivität dar. Dies liegt vor allem daran, dass in den Bündeln weder eine Normierung oder Skalierung noch eine Gewichtung vorgenommen werden muss (vgl. Wahl et al. 2011, 24). Jedoch muss auch hier nach van Suntum und Lerbs bedacht werden, dass die alleinige Auswahl von Indikatoren zur Darstellung von Wohlstand innerhalb eines Bündels nur vorgenommen werden kann, wenn es eine vorherige subjektive Selektion von Indikatoren gab. In diesem Fall wird auch die Objektivität eines Indikatorenbündels vermindert (vgl. van Suntum, Lerbs 2011, 48; vgl. Deutscher Bundestag 2012, 12.). Weitere Vorteile des Bündels stellen die Genauigkeit sowie der Detaillierungsgrad dar. Wahl und Andere erklären dies damit, dass somit einfacher zu erkennen sei, „... in welchen gesellschaftlichen Bereichen Handlungsbedarf besteht und wo politische Maßnahmen erwünschte Ergebnisse“ (Wahl et al. 2011, 24) zeigen. Gleichwohl wird darauf hingewiesen, dass der Detaillierungsgrad zulasten der Übersichtlichkeit sowie der Kommunizierbarkeit gehe (ebd, 24). Dieser Nachteil des Indikatorenbündels ist gleichzeitig von Vorteil für die Indikatorenindizes. Dies liegt nach van Suntum und Lerbs vor allem daran, dass als Ergebnis ein einzelner, also aggregierter Indexwert, berechnet werden kann. Die Aggregation von Ergebnissen kann allerdings zu Informationsverlust führen. So kann in der Regel nicht betrachtet werden, was zum Beispiel passieren würde, wenn einzelne Indikatorenausprägungen sinken, der Indexwert aber steigen würde (vgl. van Suntum; Lerbs 2011,48ff.). Ein weiterer Nachteil, der Informationsverluste nach sich ziehen könnte, tritt nach Wahl und Anderen insbesondere bei der Transformation unterschiedlicher Einheiten in dimensionslosen Indizes auf (vgl. Wahl et al. 2011, 24). Auch die Objektivität stellt ein Problemfeld der aggregierten Wohlfahrtsmaße dar. Dies liegt nach van Suntum und Lerbs zum einen an der Gewichtung einzelner Indikatoren und zum anderen auch bei den BIP-Revisionen an der Monetarisierung der Indikatorenausprägungen (vgl. van Suntum; Lerbs 2011,49f.).

2.2.2 Alternative Modelle zur Darstellung von Lebensqualität

Wie im vorherigen Absatz schon aufgezeigt wurde, gibt es verschiedene Ansätze zur Darstellung von Wohlstands- oder Lebensqualitätsindikatoren. An dieser Stelle werden nun die gängigsten alternativen Modelle (vgl. van Suntum, Lerbs 2011, 53ff.; Deutscher Bundestag 2012,15ff.; vgl. Kuckartz 2006, 76ff.) dargestellt:

- Human Development Index (HDI)
- Indikatorenbündel des Sachverständigenrats
- Nationaler Wohlfahrtsindex (NWI)
- Ökologischer Fußabdruck
- Glücks - Bruttoinlandsprodukt Human Development Index

Der Human Development Index (HDI) ist ein nicht monetäres, aggregiertes Wohlstandsmaß und wird seit 1990 durch die Vereinten Nationen jährlich veröffentlicht. Der Index vergleicht dabei den sozioökonomischen Entwicklungsstand von 189 Staaten und gilt als Ergänzungs- oder Konkurrenzindikator zum BIP (vgl. Deutscher Bundestag 2012, 19). Der Index umfasst drei Dimensionen. Langes und gesundes Leben wird durch den Indikator Lebenserwartung bei der Geburt abgebildet. Der Zugang zu Wissen wird über die beiden Indikatoren durchschnittliche Schulbesuche in Jahren sowie die voraussichtliche Schulbesuchsdauer in Jahren berechnet. Die Dimension des materiellen Lebensstandards wird beim HDI über das Bruttonationaleinkommen pro Kopf in US-Dollar abgebildet. Der eigentliche Indexwert wird auf Basis von Mindest- und Höchstwerten in den jeweiligen Dimensionen berechnet und dann in einen Gesamtwert zwischen Null und Eins umgewandelt. Nach dieser Berechnung stellt Norwegen mit einem Indexwert von 0,943 die höchstentwickelte Nation dar (vgl. UNDP 2011, 131). Das unterentwickelste Land stellt die Republik Kongo mit einem Wert von 0,286 dar (vgl. ebd., 134). Die Bundesrepublik Deutschland liegt mit einem Indexwert von 0,905 auf dem 9. Platz (ebd., 131).

Indikatorenbündel des Sachverständiqenrats und des Conseil d’Analvse Économiaue

Die Studie wurde im Jahr 2010 auf Empfehlungen der Stiglitz-Sen-Fittoussi-Kommission, die von der französischen Regierung ins Leben gerufen wurde erstellt (vgl. SVR, CAE 2010, 1). Ziel war es, ein Abwägungsverfahren zwischen Wirtschaftlichkeit und Kosten der Wohlfahrt zu erstellen und daraus resultierend eine „... zuverlässige Basis für ein regelmäßiges, rechtzeitiges und verständliches Berichtswesen der drei Kernfragen der menschlichen Wohlfahrtsmessung zu formen“ (ebd., 13). Die Studie stellt ein sogenanntes Dashbord dar und beinhaltet drei Indikatorenbündel, welche im Anhang auf Seite 64 detailliert dargestellt werden. Das erste Bündel, dessen Dimension die Wirtschaftsleistung darstellt, beinhaltet sechs Indikatoren. Neben dem BIP pro Kopf und anderen ökonomischen Indikatoren soll hier unter anderem auch die Verteilungsproblematik mit dem Indikator Harmonisiertes Verteilungsmaß für das Nettoeinkommen je Konsumeinheit und Einkommensquintilverhältnis S80/S20 einbezogen werden (vgl. ebd., 54f.). Die zweite Dimension der Lebensqualität beinhaltet sieben Indikatoren. Unter ihnen befinden sich zum Beispiel die Gesundheit, die Bildung oder auch die Umweltbedingungen. Die Dimension der Nachhaltigkeit beinhaltet zwölf Indikatoren. Dabei splittet sie sich in ökonomische Nachhaltigkeit mit sieben Indikatoren, wie den Nettoanlageinvestitionen des privaten Sektors in Relation zum Bruttoinlandsprodukt und in ökologische Nachhaltigkeit. Hier sind als Indikatoren beispielsweise die Ressourcenproduktivität oder auch die Treibhausgasemissionen pro Kopf angeführt (vgl. ebd., 30).

Nationaler Wohlfahrtsindex (NWI)

Der Nationale Wohlfahrtsindex ist ein vom Umweltbundesamt ausgeführtes, innerdeutsches Projekt. Es stellt dabei einen monetären, aggregierten Wohlfahrtsindex dar. Ziel des Konzeptes ist die Ergänzung des aktuell vorhandenen BIP-Konzepts der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung sowie die „... Schließung von Informationslücken, auch um die öffentliche Meinungsbildung über Zielsetzungen des gesellschaftlichen Fortschrittes zu unterstützen“ (Diefenbacher; Zieschank 2009, 35). Konzeptionell ist der NWI nach van Suntum und Lerbs mit dem Measure of Economic Welfare und dem Genuine Progress Indicator vergleichbar (vgl. van Suntum, Lerbs 2011, 68). Der Index besteht aus 21 bzw. in der zweiten Variante aus 23 Variablen und setzt als Ausgangspunkt seiner Berechnung auf die gewichteten Konsumausgaben der privaten Haushalte, die dann mit der Verteilung des gewichteten Haushaltseinkommen verknüpft werden (vgl. Deutscher Bundestag 2010, 16; vgl. Diefenbacher, Zieschank 2009, 43f.). Eine Gesamtdarstellung aller Variablen des Konzepts ist dabei im Anhang ab Seite 65 einsehbar. Die Komponenten, die eine wertmindernde oder eine wertsteigernde Ausprägung haben können, werden dabei entweder als Goods, Bads, oder Anti-Bads bezeichnet (vgl. Diefenbacher; Zieschank 2009, 18f.). Wertsteigernde Elemente und somit Goods sind zum Beispiel die Variablen „Wert der Hausarbeit“ oder auch „Öffentliche Ausgaben für Gesundheits- und Bildungswesen“. Wertmindernde Items und somit die Bads sind unter anderem Kosten des Alkohol- und Drogenmissbrauchs und Schäden durch CO2-Emissionen. Anti-Bads stellen zwar auch wertmindernde Variablen dar, nach Diefenbacher und Zieschank werden sie jedoch als Kompensationsausgaben gesehen (vgl. ebd., 18). Eine Variable hierfür stellen zum Beispiel die gesellschaftlichen Ausgaben zur Kompensation von Umweltbelastungen dar. Nach der Monetarisierung aller Variablen und der Zu- bzw. Abrechnung der Elemente je nach Ausprägung entsteht der Gesamtindex.

Ökologischer Fußabdruck

Der Ökologische Fußabdruck ist ein in den 90er Jahren entwickeltes Projekt und erscheint jährlich als aggregierter Index. Herausgegeben wird der jeweilige Report dabei durch das „Global Footprint Network“ (vgl. Ewing et al 2010, 5). Ziel des Ansatzes ist es „... den Naturfaktorenverbrauch einer Bevölkerung und damit die von ihr angeeignete ökologische Tragekapazität zu objektivieren“ (Huber 2011, 69). Die sogenannte Tragekapazität stellt dabei die Biokapazität dar. Also diejenige Fläche, die tatsächlich verfügbar ist. Mitberechnet werden hier bebaute Grundstücke, Waldflächen und Fischgründe sowie landwirtschaftliche Nutzflächen (vgl. Ewing et al 2010, 13f.). Hiervon wird dann der Ökologische Fußabdruck, also die Fläche, die tatsächlich in Anspruch genommen wurde, subtrahiert. Ausgegeben wird das Ergebnis des Indikators in globalen Hektar pro Kopf (gha). Nach Berechnungen des Global Footprint Network verfügte die Menschheit im Jahr 2007 über eine Gesamtbiokapazität von 11,9 Mrd. gha, dies entspricht über 1,8gha pro Person. Der Ökologische Fußabdruck lag derweil bei 18 Mrd. gha weltweit, bzw. bei 2,7gha pro Person (vgl. ebd. 18). Diese Differenz von knapp 50 Prozentpunkten bedeutet:,,...that in 2007 humanity used the equivalent of 1.5 Earths to support its consumption. It took the Earth approximately a year and six months to regenerate the resources used by humanity in that year“ (ebd., 18).

Glücks - Bruttoinlandsprodukt

Das sogenannte Glücks-BIP stellt einen weiteren Ansatz zur Darstellung eines Lebensqualitätsindikators dar. Dieser Indikator ist ein von van Suntum und der Initiative „Neue Soziale Marktwirtschaft“ im Jahr 2009 vorgestelltes Projekt. Ausgangspunkt des Projekts bildet die folgende Feststellung: „Trotz steigender Wirtschaftsleistung hat sich die Lebenszufriedenheit in Deutschland seit Beginn der 1990er Jahre nicht erhöht, in Westdeutschland ist sie sogar gesunken. Wirtschaftswachstum bedeutet also nicht automatisch mehr Wohlstand im Sinne von Lebensglück“ (van Suntum 2010, o. S.). Ziel ist es demnach herauszufinden, was Glücksfaktoren sind. Beim Glücks-BIP handelt es sich dabei um einen innerdeutschen, dimensionslosen aggregierten Wohlstandsindex, der auf gemischten Daten basiert. Der Index besteht aus elf Leitindikatoren, die gleichgewichtet sind und je nach Ausprägung zum Indexwert hinzugefügt, oder aber abgezogen werden (vgl. Van Suntum 2010, 3). Die Indikatoren teilen sich dabei in drei verschiedenen Kategorien auf. Die erste Kategorie beinhaltet makroökonomische Faktoren, wie das Wachstum des BIP pro Kopf oder auch die Ungleichheit der Einkommensverteilung, die als positive Faktoren kategorisiert werden. Bei den makroökonomischen Faktoren wird die gesamtwirtschaftliche Arbeitslosenquote als eine negative Ausprägung dargestellt (vgl. ebd., 3f.). Die zweite Kategorie von Faktoren stellen Daten des Sozioökonomischen Panels dar. Sie werden als mikroökonomische Indikatoren bezeichnet. Leitindikatoren mit positiver Ausprägung stellen hier beispielsweise die Realisierung der gewünschten Arbeitszeit oder das Arbeiten im erlernten Beruf dar. Negative Ausprägungen werden durch die Indikatoren „Sorgen um den Arbeitsplatz“ und „Sorgen um die eigene finanzielle Sicherheit“ dargestellt (vgl. ebd., 4f.). Die dritte Kategorie umfasst den Kontrollindikator Gesundheitszustand. Dieser ist zwar nicht politisch beeinflussbar, es wird jedoch angenommen, dass dieser einen gewissen Einfluss auf die individuelle Zufriedenheit hat (vgl. ebd., 5).

2.2.3 Wohlstand

Wie schon im vorherigen Absatz erwähnt, hat diese Arbeit das Ziel, eine Dimension innerhalb eines ganzheitlichen Wohlstandsindikators zu erstellen. Bevor man sich allerdings mit der eigentlichen Erstellung eines solchen Indikators auseinandersetzen kann, bedarf es der Definition von Wohlstand (vgl. Deutscher Bundestag 2012, 12). Dies hängt damit zusammen, dass der Wohlstand in der Folge das Ziel der Berechnung darstellt. Nach van Suntum und Lerbs ist dies jedoch eine komplexe Aufgabe, da es „... ein nicht direkt beobachtbares, theoretisches Konstrukt ...“ (van Suntum, Lerbs 2011,43f.) ist. Diese Aussage zeigt sich auch bei den verschiedenen Definitionen und Konzepten zur Darstellung von Wohlstand. So gibt es nicht nur das Konzept des materiellen und nicht­materiellen Wohlstands sowie des individuellen und gesellschaftlichen Wohlstands , sondern auch Konzepte zur Lebenszufriedenheit (vgl. Keuschnigg, Wolbring 2012, 190ff.) oder Konzepte zu Wohlstand und Glück (van Suntum 2010, o. S.). Da eine vollständige Darstellung der Definitionen und Konzepte des Wohlstandsbegriffs aufgrund der Vielzahl an Konzepten nicht möglich erscheint[3], wird der Autor an dieser Stelle auf eine vollständige Aufzählung verzichten. Vielmehr wird der Autor beginnen das Wohlstandskonzept herauszuarbeiten, das in dieser Arbeit verwendet wird. Um der Mehrdimensionalität eines ganzheitlichen Wohlstandsindikators Geltung zu verleihen, bedarf es eines Konzeptes, das eben diese einschließt. In der vorliegenden Arbeit wird der Autor daher auf das Konzept der Lebensqualität zurückgreifen. Neben der erwähnten Mehrdimensionalität spricht nach Heinz Herbert Noll auch die wissenschaftliche Etabliertheit für das Konzept der Lebensqualität: „the concept of quality of life is probably the most widely recognised and the most frequent used framework for analysing changes of welfare across time and inequalities of welfare within an society. It has stimulated much research on empirical welfare measurement“ (Noll 2002, 50). Das Konzept der Lebensqualität beinhaltet dabei neben materiellen und nicht-materiellen Komponenten, auch individuelle und gesellschaftliche Bestandteile, also auch objektive und subjektive Elemente (vgl. Noll 2000, 3). Des Weiteren betont die Konzeption „...das “besser“ gegenüber dem “mehr““ (Noll 2000, 3). Eingeführt wurde das Konzept zu Beginn der 60er Jahre und basiert, in der vom Autor verwendeten Form, auf der Dimensionalisierung nach Eric Allardt (vgl. Allardt 1973, 8ff.). So teilt er die Dimensionen in Having, Loving und Being ein. Having kann dabei nach Noll als die materielle Wohlstandskategorie angesehen werden. Indikatoren könnten beispielsweise ökonomische Ressourcen, Gesundheit oder auch das ökologische Inventar einer Gesellschaft oder deren Umweltverhältnisse sein. Allardt schreibt dazu:„The category of Having corresponds by and large to what is commonly referred to as "level of living". Usually the level of living is considered to be composed of several components“ (Allardt 1973, 8f.). Unter Loving versteht Allardt das Bedürfnis nach Zugehörigkeit oder auch nach sozialen Kontakten: „Loving as a value refers to conditions such as companionship, affection, belongingness and solidarity“ (ebd., 10). Nach Noll kann diese Dimension auch als subjektives Wohlbefinden bezeichnet werden (vgl. Noll 2000, 3 & 24ff.). „Being“ als letzte Dimension nach Allardt enthält die Möglichkeiten nach Selbstverwirklichung, wie politische Teilhabe oder Freizeitbeschäftigungen: „Being as a value is related to many other concepts, such as to personal growth, satisfaction of growth needs, self-individuation, and self- actualization“(Allardt 1973,13).

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass Lebensqualität in dieser Arbeit wie folgt verwendet werden soll: „Unter Lebensqualität verstehen wir ... gute Lebensbedingungen, die mit einem positivem subjektiven Wohlbefinden zusammengehen. In einer allgemeineren Definition ist die Lebensqualität von Individuen und Gruppen bestimmt durch die Konstellation ..der einzelnen Lebensbedingungen und der Komponenten des subjektiven Wohlbefindens. Unter Lebensbedingungen verstehen wir die beobachtbaren “tangiblen“ Lebensverhältnisse: Einkommen, Wohnverhältnisse, Arbeitsbedingungen Familienbeziehungen und soziale Kontakte, Gesundheit, soziale und politische Beteiligung. Unter subjektivem Wohlbefinden verstehen wir die von den Betroffenen selbst abgegebenen Einschätzungen über spezifische Lebensbedingungen und über das Leben im allgemeinen. Dazu gehören insbesondere Zufriedenheitsangaben, aber auch generelle kognitive und emotive Gehalte wie Hoffnung und Ängste, Glück und Einsamkeit, Erwartungen und Ansprüche, Kompetenzen und Unsicherheiten, wahrgenommene Konflikte und Prioritäten“ (Zapf 1984, 23).

[...]


[1]Der Begriff der ökologischen Dimension in der vom Autor verwendeten Form basiert auf den inhaltlichen Bedingungen nach Wahl und anderen (vgl. Wahl et al. 2011, 16f.).

[2]Wenn nicht anders gekennzeichnet, wurde der kursiv geschriebene Teil entnommen aus: Deutscher Bundestag 2012, 8ff.

[3]Eine allgemeine Übersicht der verschiedenen Konzepte gibt es unter anderem hier: van Suntum, Lerbs 201, 53ff., sowie bei Schepelmann et al 2010, 23ff.

Details

Seiten
71
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783668466166
Dateigröße
6.9 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v368153
Institution / Hochschule
Universität Potsdam
Note
1,7
Schlagworte
Wohlstand Welfare ökologisch Nachhaltigkeit Umwelt Sozialstruktur Vergleich Indikatoren Lebensqualität Europa Bruttoinlandsprodukt Soziologie Umweltforschung Umweltsoziologie Klimawandel

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Titel: Ökologischen Wohlstand messen. Auswahl, Erhebung, und internationaler Vergleich eines Indikatorenbündels