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Die Verbindung von Pädagogik und Tanz. Eine Vermittlung von Ausdruckstanz im Rahmen eines Schülerprojekts

Hausarbeit (Hauptseminar) 2016 14 Seiten

Pädagogik - Schulpädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Pädagogik und Ausdruckstanz
2.1 Ei nordnung und Ziele des Ausdruckstanzes
2.2 Pädagogische Auswirkungen des Ausdruckstanzes
2.3 Vorgehen und Prinzip des Unterrichts

3. Das Schülerprojekt
3.1 Rahmen des Projekts
3.2 Durchführung des Projekts

4. Diskussion der Beobachtungen und Fazit

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Pädagogik und Tanz stellt eine fundamentale Verbindung dar, die zwar schon seit sehr langer Zeit erforscht, im pädagogischen Kontext allerdings immer wieder außer Acht gelassen wird. Als angehende Sonderpädagogin und mit achtzehnjähriger Erfahrung als Balletttänzerin interessiere ich mich natürlich besonders für diese Fachrichtung. Als ich während meines Orientierungspraktikums die Möglichkeit bekam, eine Schülergruppe für eine Woche tänzerisch zu begleiten, beschäftigte ich mich vor allem mit der Tanzform des Ausdruckstanzes. Im Folgenden soll diese Art des Tanzes zunächst eingeordnet werden und näher auf die Prinzipien dieser eingegangen werden. Daraufhin werde ich diese auf die Konzeption eines Tanzunterrichts übertragen, der sich von traditionellen Formen des Tanzunterrichts, wie beispielsweise des Balletts sehr stark abhebt. Darüber hinaus werde ich die pädagogischen Auswirkungen erläutern und daraufhin das Schülerprojekt beschreiben, welches ich auf der Basis dieser Überlegungen durchgeführt habe. Abschließend möchte ich die Beobachtungen darstellen, die ich während der Projektwoche dokumentiert habe und daraufhin eine Parallele zu alltäglichen und schulischen Auswirkungen ziehen.

2. Pädagogik und Ausdruckstanz

Um das im Folgenden beschriebene, durchgeführte Schülerprojekt zu verstehen, muss zunächst auf die Form des Tanzes, mit dem sich beschäftigt wurde, und auf dessen Einordnung und Ziele eingegangen werden.

2.1 Einordnung und Ziele des Ausdruckstanzes

Es handelt sich bei der im folgenden Schülerprojekt behandelten Tanzform um Ausdruckstanz, welcher im 20. Jahrhundert entstand und die klassischen Tanzformen revolutionierte. Diese Art des Tanzens wurde sehr bewusst gewählt, weil sie sich von der beispielsweise sehr auf Technik und auf vorgegebene Bewegungen bezogenen Form des Balletts gerade dadurch abgrenzt, dass sie eine sehr freie und individuelle Möglichkeit der Bewegung beinhaltet. Recherchiert man das Wort in einem Nachschlagewerk, ist dort schon der Bezug zur seelischen Ausdrucksmöglichkeit dieser Tanzform dokumentiert. Sie wird beschrieben als Äkünstlerische Form des Tanzes, die seelische Empfindungen durch Bewegung ausdrücken will“ (Duden). Im Zentrum der Intention dieser Tanzform steht also immer das Individuum, das etwas ausdrücken möchte. Daher ist es nicht möglich, wie beispielsweise bei der Tanzform des Balletts, einheitliche Bewegungsabläufe zu vermitteln, die daraufhin immer gleich ausgeführt werden und so trainiert werden. Es gibt dahingehend also auch keine einheitlichen Bezeichnungen, sondern es kann immer nur von einem bestimmten Gefühl oder Gedanken, der hinter einer Bewegung steht, ausgegangen werden. Ein besonderer Fokus wird hier auf den Rhythmus gelegt, der sich zum einen im Körper- und zum anderen im Atemrythmus wiederfindet und welcher als Voraussetzung für die Entdeckung des Gefühls, welches dargestellt werden soll, gesehen wird (Vgl. Klein 1992, S. 183).

Als Grundformen des Ausdruckstanzes, welche allerdings wieder nicht wirklich als Techniken zu verstehen sind, zählen schon sehr Äalltägliche“ Bewegungen, die dadurch auch bei der Zielgruppe, mit welcher das Projekt durchgeführt wurde, schon implementiert waren. Als Beispiele können hier Laufen, Gehen, Stehen, Drehen, Schwingen, Fallen etc. gesehen werden. Fallen ermöglicht als eine sehr spezielle Grundform der Bewegung einen neuen Raum, den Boden, dessen Nutzung man in alltäglichen Situationen natürlich vermeidet. Damit begibt man sich also in einen neuen Raum der Bewegung, der in unserem alltäglichen Bewusstsein nicht vorrangig ist.

ÄWichtigstes Ziel ist, die SchülerInnen zur Selbständigkeit zu führen, Bewusstsein zu schaffen, Wachheit für den Körper, seine Möglichkeiten und damit die eigene Persönlichkeit. Der Körper soll Instrument werden, Medium subjektiver und individueller Mitteilung" (Müller 1986, S.77).

Dabei soll versucht werden, aus allen Erfahrungen und Erlebnissen, die die Schüler tagtäglich und natürlich auch im Schulalltag machen, Bewegungen zu isolieren und zu entwickeln. Es gibt also keine Technik, die auf alles angewendet wird, sondern für jedes Erlebnis, jeden Gedanken und jedes Gefühl sollen neue Bewegungsabläufe entwickelt werden, die möglichst genau ausdrücken, was derjenige in diesem Moment empfindet. Natürlich hört sich dies zunächst sehr abstrakt an. Es wird allerdings deutlicher, wenn wir uns einen Streit zum Beispiel nehmen. In diesem kann es natürlich auch zu körperlichen Angriffen oder zu verstärkter Gestik kommen. Wenn wir uns diese Bewegungen, wie zum Beispiel das Hochwerfen der Arme, das Abwenden des Körpers von dem Gegenüber oder eben das Zugehen auf jemanden vorstellen, wird deutlich, wie basal und intuitiv solche Bewegungsabläufe entwickelt werden können. Bei einem solchen negativen Beispiel wie dem Streit soll natürlich auch versucht werden, die negativen Emotionen, die sich in einer solchen Situation auftun, zu kanalisieren, aus der Situation zu isolieren und anstatt dessen in einen Tanz umzuwandeln. So setzt sich der Ausdruckstanz aus sehr verschiedenen und zahlreichen Bewegungserlebnissen, Gedanken und Bewegungsweisen zusammen (Vgl. Müller & Stöckemann 1993, S. 181).

2.2 Pädagogische Auswirkungen des Ausdruckstanzes

Die dargestellten Methoden und Ziele des Ausdruckstanzes offerieren einem Pädagogen zahlreiche Zugänge zu den Schülern und Schülerinnen, da jede Emotion und jeder Gedanke richtig und produktiv ist.

Dadurch, dass diese Form des Tanzes sehr fokussiert auf das Individuum ist, werden die Schüler und Schülerinnen dazu angeregt, sich eingehender mit ihren Gefühlen und Gedanken zu beschäftigen. Dies bleibt im normalen Schulalltag oft aus oder kommt zu kurz, ist allerdings sehr wichtig für die Identitätsbildung der Schüler. Dieses Bewusstsein über die eigenen Gefühle und Gedanken und die Möglichkeit, sich für einen Zeitraum lang nur damit zu beschäftigen und diese auszudrücken, trägt der Entwicklung des Selbstbewusstseins bei. Ein gesundes Selbstbewusstsein wiederum kann sich natürlich positiv auf die schulischen Leistungen des Schülers auswirken und ebenso auf beispielsweise die Konfliktfähigkeit. Unmittelbar mit dem Selbstbewusstsein zusammenhängend ist die Entwicklung des Körpergefühls, welches vor allem in der Pubertät oft anders wahrgenommen wird. Durch ein unsicheres Körpergefühl oder eine Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper kommt es vor allem bei Mädchen in diesem Alter manchmal zu Problemen im Essverhalten. Merkt die Schülerin allerdings während des Tanzens, dass sie ihren eigenen Körper kontrollieren kann und dass sie komplett so akzeptiert wird - an dieser Stelle ist das Loben des Pädagogen während der Phase des Bewegens zentral - entwickelt sich dieses Körpergefühl in eine positivere Richtung. Darüber hinaus ist einer der offensichtlichsten Faktoren, die durch die Beschäftigung mit dem Tanzen gestärkt werden, die Kreativität. Der Ausdruckstanz bietet einen fast unendlichen Raum der Kreativität, welcher in alltäglichen, schulischen Situationen normalerweise selten gegeben ist. Durch diese Kreativität entdecken die Kinder und Jugendlichen ihre eigenen Gestaltungsmöglichkeiten wieder und können diese auf andere Aufgaben im schulischen Bereich übertragen. Es stärkt also eine gewisse ‚Erweiterung des Horizonts’ in dem Sinne, dass die Schüler neue Denkmuster erkennen, die auf den schulischen Alltag übertragbar sind. Weiterhin produktiv für den Schulalltag, allerdings natürlich auch für andere alltägliche Aufgaben, kann die gestärkte Entwicklung der Wahrnehmungs- und Ausdrucksfähigkeit sein, die sich durch die Beschäftigung mit dem Ausdruckstanz ergibt. "Kinder können instinktiv empfinden, dass ihr rhythmisches Springen oder Tanzen zu ihrem körperlichen und geistigen Wohlbefinden beiträgt und ihre Fähigkeiten und Kräfte entwickelt" (Laban von 1991, S.90). So werden ebenfalls allgemeine emotionale, kognitive und soziale Fähigkeiten gestärkt, ohne den Kindern und Jugendlichen zu vermitteln, dass etwas gestärkt werden müsse. Dies geschieht also in einer nicht im geringsten defizitorientierten Art und Weise, sondern eher unterbewusst und neben der eigentlichen Beschäftigung mit dem Tanzen.

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Details

Seiten
14
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668465756
ISBN (Buch)
9783668465763
Dateigröße
811 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v368142
Institution / Hochschule
Universität zu Köln
Note
1,7
Schlagworte
Pädagogik Tanz Bildungswissenschaften Ausdruckstanz Tanzunterricht Schülerprojekt Schule Unterricht

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