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Die Darstellung biblischer Erzählungen in William Hogarths Werken "The Pool of Bethesda", "The Good Samaritan" und "Moses Brought Before Pharaoh’s Daughter" im Kontext der Ausstellungsorte

Hausarbeit 2015 18 Seiten

Kunst - Kunstgeschichte

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Hogarth und das St Bartholomew's Hospital

3 Die Darstellung von „D[er] Heilung eines Kranken am Teich Bethesda” (Das Evangelium nach Johannes 4. 5, 1-18) in The Po ol of Bethesda

4 Die Darstellung des Gleichnisses „Vom barmherzigen Samariter” (Das Evangelium nach Lukas 10, 25-37) in The Good Samaritan

5 Hogarth und das Foundling Hospital

6 Die Darstellung von „Moses Geburt und wunderbare[n] Errettung” (Das Zweite Buch Mose 1. 2, 1-10) in Moses Brought Before Pharaoh's Daughter

7 Zusammenfassung

8 Literaturverzeichnis

9 Abbildungen

1 Einleitung

Ein Großteil von William Hogarths Werken mit historischen beziehungsweise biblischen Bildmotiven befindet sich in sozialen Einrichtungen. Die Wahl der Motive ist dabei nicht etwa willkürlich, sondern dem zukünftigen Ausstellungsort angepasst. Allerdings war Hogarth relativ frei in der Gestaltung und dem Bildmotiv seiner Werke, da diese meist keine Auftragsarbeiten darstellten und er sie anschließend spendete.

Dass Künstler Werke speziell für Krankenhäuser und ähnliche soziale Einrichtungen anfertigen, wird seit dem 15. Jahrhundert praktiziert.1 William Hogarth pflegte eine persönliche und künstlerische Verbindung zu mindestens vier Institutionen, dem St Bartholomew’s Hospital, dem Foundling Hospital, dem Royal London Hospital und dem Bethlem Royal Hospital2, die sich alle in London befinden, wobei er sich hauptsächlich für zwei dieser Einrichtungen engagierte.

Insbesondere bei den Werken The Pool of Bethesda und The Good Samaritan, die sich beide im St Barthlomew’s Hospital befinden, und Moses Brought Before Pharaoh ’ s Daughter, entstanden für und abgegeben an das Foundling Hospital beziehungsweise The Foundling Museum, ist ein Zusammenhang der Wahl des Bildmotives und der Einrichtung, für die das Werk angefertigt wurde, deutlich zu erkennen.

Sowohl zum St Bartholomew’s Hospital als auch zum Foundling Hospital, beide in der Nähe des Londoner Stadtzentrums, in Smithfield und Bloomsbury, pflegte Hogarth eine langjährige Beziehung. Ebenso spendete er seine Werke an die Einrichtungen, daher sind die drei oben genannten Werke nicht im Zuge eines Auftrags entstanden und Hogarth unterlag somit auch weniger beziehungsweise kaum Vorgaben für die Wahl der Bildmotive.

Dass er sich insbesondere für die Kranken in der Gesellschaft und Kinder beziehungsweise Waisen engagierte, hängt wohl auch mit Hogarths Kindheit zusammen: „Hogarth’s childhood had also been darkened by the deaths of his brothers, Richard and Thomas, and by family memories of earlier Hogarth children who died even before he was born.”3

Durch diese Vorfälle wurde er wahrscheinlich auch dazu bewegt, sich für Krankenhäuser und Waisenheime, auch zusammen mit seiner Frau Jane Thornhill4, Tochter des britischen Malers Sir James Thornhill, zu engagieren und Werke anzufertigen sowie sie an diese Art Einrichtungen zu spenden.

2 Hogarth und das St Bartholomew's Hospital

„In 1697 William Hogarth was born near, and baptised in, St Bartholomew the Great”5, offiziell The Priory Church of St Bartholomew the Great, einer anglikanischen Kirche in London, gegründet 1123 von Rahere und benannt nach Bartholomäus, einem der zwölf Apostel.6 Aufgrund seiner räumlichen Nähe zum St Bartholomew’s Hospital hatte er schon von Beginn an eine Verbindung zu dieser Einrichtung. Zudem blieb Hogarth den Großteil seines Lebens in London, wurde dort geboren und verstarb dort, was seine Verbundenheit mit der Stadt verdeutlicht.

Durch die offensichtlich religiöse Prägung der Einrichtung ist es nicht überraschend, dass Hogarth seine beiden dort ausgestellten Werke mit Bildmotiven angelehnt an biblische Erzählungen anfertigte.

Zwei seiner Werke, The Pool of Bethesda und The Good Samaritan, beide in den Jahren 1736 und 1737 entstanden, beziehungsweise 1735 bis 1736 und 1737 gemäß J.H. Baron7, befinden sich an zwei Wänden vom „grand staircase”, dem Treppenhaus, das zum Nordflügel des Londoner St Barthomew Hospitals führt8. Ein weiteres Werk Hogarths, dass sich ebenfalls im St Bartholomew’s Hospital befindet, ist The March of the Guards to Finchley, entstanden 1749-1750.

Dass Hogarth diese beiden Werke des Treppenhauses überhaupt für das St Bartholomew’s Hospital anfertigte, ist nicht etwa auf einen bezahlten Auftrag zurückzuführen, sondern laut Baron auf Folgendes: „unofficial reports that the governors of the hospital were negotiating with Jacopi Amigoni to decorate the staircase of Gibbs’ Great Hall”9. Diese Gerüchte hatte Hogarth mitbekommen und reagierte sofort.

Jacopi Amigoni war ein Italienischer Künstler aus Venedig, dem der Auftrag zur Dekoration des Treppenhauses ursprünglich erteilt werden sollte. Hogarth wollte den Auftrag für sich gewinnen, da er, nach dem Vorbild seines Schwiegervaters, Sir James Thornhill, einem ebenfalls britischen Maler, „[who] had beaten the Italians for commissions at St Paul’s and Greenwich”10, beweisen wollte, dass er als britischer Künstler der Historienmalerei fähig sei, da Hogarth eigentlich nur für seine Drucke bekannt war, und verhindern wollte, dass ein Künstler von außerhalb das Treppenhaus gestaltet.11

Dass Hogarth sich immer wieder so stark auf die Historienmalerei fokussierte, liegt vermutlich auch daran, dass sein Schwiegervater sich ebenfalls auf diese höchste Gattung der Malerei spezialisiert hat, und er ihm nacheifern wollte beziehungsweise in ihm ein Vorbild für seine eigene künstlerische Laufbahn sah. Allerdings scheiterte Hogarth mehrfach bei seinen Versuchen, sich in der Historienmalerei zu etablieren.

Außerdem hatte er dadurch, dass er in der Nähe des St Batholomew’s Hospitals aufgewachsen ist, einen weiteren, persönlichen Grund, den Auftrag für sich zu gewinnen.12 Dazu Uglow:

„After he won the contract in 1734, Hogarth worked slowly on his vast canvas, so large that he probably painted it in the scene-painting room at Covent Garden Theatre, where George Lambert (still the theatre’s principal painter) helped him with the landscape background. Finally, in March 1736, the first painting, The Pool of Bethesda, was finished”13

„Nachdem er 1734 den Vertrag für sich gewonnen hat, arbeitete Hogarth langsam an seinem großen Leinwandgemälde, so groß, dass er es vermutlich im Bühnenmalereiraum des Covent Garden Theatre anfertigte, wo George Lambert (noch immer der wesentliche Maler des Theaters) ihm mit der Landschaft im Hintergrund half.”

Er bot seine Dienste an, ohne eine Entlohnung dafür haben zu wollen, und ihm wurde der Auftrag, das Treppenhaus zu gestalten, von John Lloyd, dem Vermieter des Gebäudes, in dem das Krankenhaus ansässig war, erteilt. Ihm fertigte Hogarth ein Bild dessen Sohn an, um ihm dafür zu danken.14 Dass das St Bartholomew’s Hospital während Hogarths Kindheit und Jugend fast bankrott war15, könnte Hogarth auch dazu veranlasst haben, die Werke umsonst anfertigen zu wollen. Des Weiteren hatte es verminderte Einnahmen zu der Zeit, aufgrund von wegfallenden Mieten und Rekonstruktionsarbeiten, nachdem das Gebäude durch ein Feuer zerstört worden war.16

„The streets around him had been full of sickness and want, with the ancient hospital of St Bartholomew’s standing like a refuge in their midst. Now the hospital became the focus of his own energies”17, so Uglow über Hogarths Kindheit, seine Umgebung und Erfahrungen, die wohl auch dazu geführt haben, dass er sich auf das St Bartholomew’s Hospital konzentrierte und es unterstützen wollte.

Später wurde Hogarth einer der Präsidenten des Krankenhauses. Allerdings gibt es keine Nachweise, dass er den damit zusammenhängenden üblichen Geldbetrag von 50 bis 100 Britischen Pfund an die Einrichtung gezahlt hat. Daher wird angenommen, dass er diese Summe anhand der gespendeten Gemälde beglichen hat.18

1749 wurde Hogarth gebeten, sich um die Restauration seiner Wandmalereien, The Pool of Bethesda und The Good Samaritan, zu kümmern. Dies tat er auch zwei Jahre später, auf seine eigenen Kosten.19

Weiter berichtet Baron: „He asked that the paintings shouls not be varnished [ ]. When the paintings were recleaned in the 1930s seven buckets of varnish were removed, and Sir Harold Gillies paid for the special lighting.”20 Hogarth wollte offensichtlich sichergehen, dass seine Werke dort sichtbar und unversehrt ausgestellt werden.

3 Die Darstellung von „D[er] Heilung eines Kranken am Teich Bethesda” (Das Evangelium nach Johannes 4. 5, 1-18) in The Pool of Bethesda

The Pool of Bethesda, entstanden 1736-1737 in Kollaboration mit George Lambert, einem britischen Landschaftsmaler, der die Landschaft, den Hintergrund und den Himmel in Hogarths Werk malte. Ebenso soll das Werk angeblich in Lamberts Atelier, St Martins Lane, gefertigt worden sein.21

Es zeigt eine Szene aus dem Evangelium nach Johannes 4. 5, 1-18, in der Jesus von Nazareth laut biblischer Überlieferung einen seit Jahrzehnten gelähmten Mann am Teich Bethesda, einer Zisterne beziehungsweise einer Quelle mit angeblich heilenden Kräften in Jerusalem, heilt, da er es nicht mit eigenen Kräften schafft, zu der Quelle Bethesda zu gehen, um sich von dieser heilen zu lassen.

Wie in der Bibel beschrieben, ist in Jerusalem „ein Teich, der heißt auf hebräisch Bethesda und hat fünf Hallen, in welchen lagen viele Kranke, Blinde, Lahme, Ausgezehrte, die warteten, wann sich das Wasser bewegte”.22 Den Teich stellt Hogarth im Hintergrund hinter Jesus im rotblauen Gewandt dar (siehe Abb. 3), darum die wartenden Erkrankten, darüber den „Engel des Herrn”, der “fuhr herab von Zeit zu Zeit in den Teich und bewegte das Wasser”.23

Eine Grafik identifiziert die dargestellten Krankheiten, aufgelistet von links nach rechts, bezogen auf das Gemälde und dessen abgebildete erkrankte Personen: „cretinism, chlorosis, blindness, jaundice, gout, mastitis, rickets, myotonia congenita, congenital syphilis, gonorrhoea with gonococcal arthritis, and disseminated malignant disease.”24

Die Platzierung dieses im Treppenhaus eines Krankenhauses ist wenig willkürlich, da das Bildmotiv und der Akt der Heilung in Relation zu dem Ausstellungsort steht. Allerdings werden die Erkrankten in Hogarths Werk nach Vorbild der biblischen Überlieferung nicht medizinisch geheilt, sondern „wer nun zuerst, nachdem das Wasser bewegt war, hineinstieg der ward gesund, mit welcherlei Leiden er behaftet war”25

Hogarths Werk zeigt explizit den Moment, in dem Jesus einen Mann heilt, der “schon achtunddreißig Jahre krank”26 ist, in Hogarths Werk außerdem unbekleidet und auf dem Boden sitzend. Gemäß Bibel bemerkt dies Jesus, der in einer höheren Position auf den Mann

[...]


1 Vgl. Martin 2011, 1839.

2 Vgl. Baron 1987, 1512.

3 Uglow 1997, 484.: „Hogarths Kindheit wurde außerdem getrübt durch die Tode seiner Brüder, Richard und Thomas, und Familiengeschichten von vorherigen Hogarth Kindern, die vor seiner Geburt verstorben waren.”

4 Vgl. Timbs 1860, 48.

5 Baron 1987, 1512.: „1697 wurde William Hogarth in der Nähe des St Bartholomew the Great geboren und in diesem getauft”

6 Vgl. Hilton 1987-1988, 21.

7 Vgl. Baron 1787, 1512.

8 Vgl. Unbekannter Autor 1898, 1186.

9 Baron 1987, 1512.: „inoffizielle Berichte, dass die Chefs der Einrichtung mit Jacopi Amigoni verhandelten, damit er das Treppenhaus von Gibb’s Great Hall dekorierte”

10 Baron 1987, 1512.: „der sich gegen die Italiener bei Aufträgen für St Paul’s und Greenwich durchgesetzt hatte”

11 Vgl. Baron 1987, 1512.

12 Vgl. Uglow 1997, 490.

13 Uglow 1997, 491.

14 Vgl. Baron 1987, 1512.

15 Vgl. Uglow 1997, 490.

16 Vgl. Uglow 1997, 490.

17 Uglow 1997, 484.: „Die Straßen um ihn herum waren voll von Krankheiten und Not, mit dem historischen St Bartholomew’s wie ein Zufluchtsort in deren Mitte stehend. Mittlerweile rückte dieses Krankenhaus in den Fokus seiner Energie.”

18 Vgl. Baron 1987, 1512.

19 Vgl. Baron 1987, 1512.

20 Baron 1987, 1512.

21 Vgl. Baron 1987, 1512.

22 Unbekannter Autor 1972, 119.

23 Unbekannter Autor 1972, 119.

24 Baron 1987, 1512.: „Kretinismus, Cholera, Blindheit, Ikterus/Gelbsucht, Gicht, Mastitis, Rachitis, Myotonia congenita Thomsen, Congenital syphilis, Gonorrhoe mit Arthritis und Krebs”

25 Unbekannter Autor 1972, 119.

26 Unbekannter Autor 1972, 119.

Details

Seiten
18
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668466210
ISBN (Buch)
9783668466227
Dateigröße
788 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v368135
Institution / Hochschule
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
Note
2,0
Schlagworte
bibel christentum kunst hogarth william british art

Autor

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