Lade Inhalt...

Sozialkritik und ihre Entfaltung in den Kriterien Gnade, Recht und Gerechtigkeit

Eine Gegenüberstellung des alttestamentlichen Prophetenwortes Jeremia 9, 22+23 und der heutigen Vorstellung sozialprofessionellen Handelns

Hausarbeit 2017 23 Seiten

Soziale Arbeit / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Jeremia 9, 22+23
2.1 Einordnung in Region und Zeit
2.2 Aspekt des Rühmens

3 Betrachtung zentraler Begriffe
3.1 Gerechtigkeit
3.2 Recht
3.3 Gnade, Barmherzigkeit, Solidarität
3.3.1 Gnade
3.3.2 Barmherzigkeit
3.3.3 Solidarität

4 Entfaltung von Sozialkritik
4.1 im Zusammenhang „der heutigen Vorstellung sozialprofessionellen Handelns“
4.2 in der Vorstellung zu Zeiten des Propheten Jeremia
4.3 als ein Handlungsfeld am Schnittpunkt von Politik, Religion und Sozialarbeit

5 Fazit

6 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Die vorliegende Erarbeitung ordnet sich in das übergeordnete Thema „Sozialprofessionelles Handeln in weltanschaulich gebundenen Organisationen“ ein. Sie geht von einem alt-testamentlichen Prophetenwort aus und verbindet die religiös geprägte Lebens- und Gedankenwelt von damals mit sozialarbeiterischen und politischen Ansätzen heutiger Zeit. Der Titel ist voll inhaltsreicher Worte. Ihnen gerecht zu werden, ist aufgrund der vielfältigen Bezugsmöglichkeiten im gesetzten Rahmen nicht vollumfänglich möglich. Es werden einige Gedankengänge aufgegriffen und davon ausgewählte Aspekte beleuchtet. Die vorliegende Arbeit verbindet große Gedankenbereiche und stellt Brücken her zwischen „dem Wald der Geisteswissenschaften“ (Zitat Prof. Dr. Michael T. Wright[1] ) und der Wirklichkeit modernen sozialprofessionellen Denkens. Dieser „Wald der Geisteswissenschaften“ wird spürbar, wenn es um die Wortbedeutungen der Begriffe Gnade und Barmherzigkeit geht. Sie lassen sich nicht so leicht in Grenzen – also Definitionen – fassen, wie der im Feld sozialer Arbeit aktiv genutzte Begriff Solidarität.

Der Thematik wird sich zunächst über das verwendetet Prophetenwort genähert. Ein zeitgeschichtlicher sowie ein inhaltlicher Aspekt zeigen etwas vom Leben im 7. Jahrhundert vor Christus auf. Einiges davon erscheint zeitlos und ist Menschen damals wie heute bekannt. Das ermöglicht im Verlauf der Erarbeitung Brücken zu den Wurzeln christlich religiöser Prägung zu schlagen und damit Motive aus der Entwicklungsgeschichte Sozialer Arbeit anklingen zu lassen. Zentralen Worten aus dem Titel widmet sich ein ganzes Kapitel. Gnade, Recht und Gerechtigkeit werden nicht anhand ihrer Grenzen bestimmt; sie werden auf ihre Bedeutung hin entfaltet. Bei dem Wort Gnade kommt es zum Bruch im Sprachgebrauch des Propheten gegenüber dem Sprachgebrauch heutiger Sozialer Arbeit. Drei Facetten werden ausgeleuchtet und zueinander sowie zum Thema in Beziehung gesetzt. Ein weiteres Kapitel geht der Frage nach Sozialkritik nach. Die beschriebenen Worte treten dabei in den Hintergrund. Beleuchtet werden die Kritik des Propheten in seiner Zeit sowie die Kritik, die Soziale Arbeit heute übt. Gemeinsam ist dieser Kritik der politische Anspruch. Einzelne Aspekte dieses Handlungsfeldes leuchtet ein eigenes Unterkapitel aus.

Diese Arbeit selbst kann gemäß den Normen der heutigen Zeit kritisiert werden, denn sie „gendert“ die Sprache nur an wenigen Stellen. Dies soll als Vereinfachung in der Lesbarkeit verstanden werden. Die weibliche Form ist bei der männlichen Schreibweise mitzudenken.

2 Jeremia 9, 22+23

„22 So spricht der HERR: Ein Weiser rühme sich nicht seiner Weisheit, ein Starker rühme sich nicht seiner Stärke, ein reicher Rühme sich nicht seines Reichtums. 23 Sondern wer a sich rühmen will, der rühme sich dessen, dass er klug sei und mich kenne, dass ich der HERR bin, der Barmherzigkeit, Recht und Gerechtigkeit übt auf Erden; denn solches gefällt mir, spricht der HERR “ (Dt. Bibelg. 2016, AT 765).

So lautet der Text des alttestamentlichen Prophetenwortes in der aktuellsten Ausgabe der prominenten deutschsprachigen Übertragung der Bibel nach Martin Luther. Sie hat den Anspruch in verständlicher Sprache geschrieben zu sein. Diesem Anspruch entsprechend verzichte ich auf eine auslegende Erklärung des Prophetenwortes. Im Folgenden geschieht die Einordnung desselben in die Zeit, zu der Jeremia wirkte. Weil der Prophet seine kritischen Worte an der Handlung des „sich Rühmens“ entfaltet, findet sich dieser Aspekt in einem separaten Unterkapitel.

2.1 Einordnung in Region und Zeit

Das Bibelwort stammt aus der Gegend zwischen Mittelmeer und Totem Meer in der Region, die wir heute als „Naher Osten“ bezeichnen. Jeremia gehörte dem verhältnismäßig kleinen Volk der Israeliten an. Im Süden musste dieses Volk sich gegenüber der Großmacht Ägypten und im Norden gegenüber der Großmacht der Babylonier positionieren. Wie alle Propheten im Alten Testament der Bibel, ist Jeremia eine Persönlichkeit, die im Namen der Gottheit des Volkes handelt und spricht. Er gibt Statements aus religiöser Perspektive, wie es auch heute Vertreter der Religionen tun. Jeremia selbst stammt aus einer Priesterfamilie. Theologische Bildung kann bei ihm angenommen werden. In welcher Zeit der Prophet Jeremia gelebt hat und wie sein Wirken einzuordnen ist, steht in umfangreichen Fachbüchern. Ich habe es vor einigen Jahren in sehr komprimierter Sprache wie folgt niedergeschrieben:

„Zu den typischen Merkmalen eines Propheten im Alten Testament gehört es auch, dass seine Wirksamkeit in relativer Chronologie zu den Königen, zu denen er Gottes Worte geredet hat, aufgeschrieben wurde: In Jer. 1, 2-3 ist zu lesen, dass Jeremia zur Zeit der Könige Josia, Jojakim und Zedekia wirkte. In heutigen Zahlen: Jeremia lebte im 7. Jahrhundert vor Christus. Eine Studienbibel gibt an: „627 Berufung des Propheten Jeremia“[2] Er erlebte mit, wie Jerusalem durch die babylonische Armee erobert wurde. Er durfte in seinem Land bleiben, wurde jedoch später von eigenen Leuten gezwungen mit ihnen nach Ägypten zu gehen. Jeremia wirkte auch zu diesen Zeiten im Namen Gottes. […] Jeremia kündigte Gottes Gericht über Juda an & erlebte wichtige Teile mit. Jeremia prophezeite jedoch auch, dass Gottes Geschichte weitergeht: Er sprach von einem Rest des Volkes, der überleben sollte und von dem Nachkommen des Königs David (// 2. Samuel 7, 8-16), der der Retter – der Messias genannt wird“ (Geuder 2008, 4).

2.2 Aspekt des Rühmens

Rühmen kann unter anderem auch mit den Bedeutungen hervorheben, anerkennen, ehren, betonen oder belobigen wiedergegeben werden (vgl.: Kilz 2016, Zugriff: 22.11.2016). Der Prophet Jeremia nutzt das Tätigkeitswort rühmen in der kurzen Redesequenz immer wieder. Es geht ihm um das, worauf die Leute stolz sind oder seiner Meinung nach stolz sein sollten beziehungsweise nicht stolz sein sollten. Er kritisiert die Aussagerichtung ihres Eigenlobes und die Themen, für die sich Menschen mit bestimmten persönlichen Stärken rühmen. Und er bietet eine Alternative an; eine Alternative, die nichts mit der eigenen Größe relativ zu anderen Menschen zu tun hat, sondern damit, ob jemand zu dem Gott gehört, dem sich der Prophet und sein Volk angehörig fühlen.

Dabei hat Jeremia nicht nur sein eigenes Volk im Blick. Seine Aussage hat globalen Charakter, indem er behauptet, dass dieser Gott „Barmherzigkeit, Recht und Gerechtigkeit übt auf Erden“ (Dt. Bibelg. 2016, AT 765). Nach dieser Aussage lohnt es sich sowohl für sein Volk als auch für alle anderen Menschen sich an diesen Gott zu halten. Gleichzeitig kritisiert Jeremia elementar das Eigenlob derjenigen, die Wissen, Kraft und Besitz zu maximalen Werten erhoben haben. Diesen drei Größen fühlen sich in phänomenaler Weise damals wie heute sehr viele Menschen verbunden und freuen sich entsprechend, wenn sie davon reichlich haben. Das Prophetenwort kritisiert nicht die Werte Wissen, Kraft und Besitz selbst, noch die Freude daran, sondern es kritisiert das auf sich selbst bezogene Rühmen desjenigen, der reichlich davon hat. Und weil es aus der Perspektive eines an Gott glaubenden Menschen lohnenswert ist, sich dessen Werte zu eigen zu machen, bietet der Prophet als Grundlage zum Stolz-sein die Werte Barmherzigkeit[3], Recht und Gerechtigkeit an. Alle Menschen sind eingeladen sich daran zu beteiligen und diese Werte zu leben.

3 Betrachtung zentraler Begriffe

Gnade, Recht und Gerechtigkeit sind drei Beziehungsworte. Sie sagen etwas über Sollen und Sein im menschlichen Zusammenleben aus aber auch über Gelingen oder Missglücken. In verkehrter Reihenfolge zum Titel ist Gerechtigkeit der erste Begriff, der im Folgenden eingeordnet und näher beschrieben wird. Recht und Gnade sind der Beschreibung von Gerechtigkeit nachgestellt, denn hinter beiden steht die Idee von etwas „Gerechtem“. Die Betrachtung dreht sich um Zusammenspiel und Unterscheidung der Wortbedeutungen. Dabei entsteht jeweils ein Bezug zur sozialen Arbeit, zu sozialprofessionellem Handeln oder zu der Idee, sich für bessere Lebensbedingungen der „Schwächeren“ zu engagieren. Dem Titel gemäß wird der jeweilige Abschnitt auch dem Propheten Jeremia oder dem Selbstverständnis seiner Zeit gegenüber gestellt.

3.1 Gerechtigkeit

Gerechtigkeit beinhaltet eine Vorstellung, wie das Verhalten von Menschen zueinander geordnet sein sollte. Dabei trägt diese Idee idealerweise jeder Rollenkonstellation und jeder Befindlichkeit Rechnung. So hat zwar jeder Mensch ein Empfinden, was gerecht ist, aber kein Mensch ist fähig, diesem Empfinden umfänglich zu genügen. Dies gilt sowohl für sein eigenes Gerechtigkeitsempfinden als auch für das individuelle Gerechtigkeitsempfinden anderer Menschen. Der Prophet Jeremia unterstellt hingegen, dass es die Realität stattfindender Gerechtigkeit gibt. Er ordnet diese Gerechtigkeitsausübung Gott zu und empfiehlt, sich an diesen Gott zu halten. Darauf kann der entsprechende Mensch dann stolz zu sein.

Gerechtigkeit ist ein Begriff, mit dem ein wertgebundener Positiv-Zustand beschrieben wird. „Soziale Rechtfertigungsdiskurse und politische Ordnungsvorstellungen standen religions-geschichtlich bereits am Anfang menschlicher Kulturentwicklung“ (Schulz-Nieswandt 2011, 792). Sowohl in der Zeit des Propheten Jeremia im 7. Jahrhundert vor Christus als auch im Jahr 2017 nach Christus findet dieser Gerechtigkeitsdiskurs statt. Er beeinflusst politische Haltungen und wird im Hinblick auf veränderte Rahmenbedingungen öffentlich ausgetragen. Dies ist derzeit eindrücklich am Inhalt der Reden des prominenten Politikers Martin Schulz zu hören. Er wirbt darum, ihm das Mandat zu erteilen, mit dem er maßgeblich die Richtung der Bundesrepublik Deutschland beeinflussen kann. Martin Schulz will Bundeskanzler werden. Der Bundeskanzler hat nach Artikel 65 des deutschen Grundgesetzes die sogenannte „Richtlinienkompetenz“ mit der er die politische Richtung bestimmen kann (vgl.: Gesetze f.d.Soz.Arb. 2014, 923). Solche Kompetenzen hatte im 7. Jahrhundert vor Christus der König, der über einer Region mächtig war.[4] Propheten griffen das Thema Gerechtigkeit regelmäßig auf und trugen es dem jeweiligen König insbesondere dann vor, wenn die sozial schwächsten Mitglieder der Gesellschaft ungerechte Behandlung erdulden mussten.

Heutige Sozialarbeitswissenschaft setzt sich in ihrem Kern mit dem Thema Gerechtigkeit auseinander. Dabei bezieht sie sich nicht nur auf Gott, sondern auf eine Vielzahl verschiedener Ansätze aus Religion, Philosophie und sozialprofessioneller Theoriebildung. „Für die Wissenschaft(en) ist es eine Minimalforderung, dass man bei Fragen zu sozialer Gerechtigkeit jeweils offenbart, welche Theorie vertreten wird und welche Konsequenzen daraus gezogen werden“ (Kubon-Gilke / Bender 2013, 41). So sieht sich die Praxis sozialer Arbeit mit „unterschiedlichen Gerechtigkeitsempfindungen von Menschen konfrontiert“ (ebenda, 43).

Die Wurzeln dieser Empfindungen untersucht die politische Ethik. Das bis heute wirkmächtige aristotelische Prinzip – jedem das Seine – fußt auf dem Gedanken, dass gerecht ist, was jemandem per Gesetz zusteht, die sogenannte „iustitia legalis.“ Aristoteles hatte eine Gesellschaft mit unterschiedlichen Ständen vor Augen. Seine Sicht auf Gerechtigkeit ist somit aus heutiger Perspektive ungerecht. Das Prinzip wird jedoch immer wieder aufgegriffen. Heute entspricht diese Form der Gerechtigkeit dem grundsätzlichen Wert der Gleichheit aller vor dem Gesetz, den auch das Deutsche Grundgesetz enthält. Eine andere Formulierung dieser Gerechtigkeit besagt, dass Ungleichheit ungerecht beziehungsweise Gleichheit gerecht ist. So beschrieben findet sich Gerechtigkeit in der „iustitia communtativa,“ der Tauschgerechtigkeit, wieder. Auf diesen Gerechtigkeitsgedanken gründet sich die Orientierung bei der Aushandlung von Tarifen, in denen vergleichbare Leistungen mit vergleichbaren Wertigkeiten versehen werden. Daneben gibt es noch den Gerechtigkeitsansatz, der auf die Verteilung von Ressourcen abzielt, die „iustitia distributiva.“ Sie fragt nach dem, was jeweils für einen Zweck benötigt wird (vgl.: zu iustitia legalis, iustitia communtative und iustatia distributiva Lob-Hüdepohl 2016, 5f).

Soziale Arbeit setzt bei den Chancen an und fragt, im Sinne der „iustitia processiva,“ nach dem, was benötigt wird, um Menschen in konkreten Lebenssituationen zu befähigen oder um sie grundsätzlich auf die Bewältigung diverser Herausforderungen vorzubereiten. Es geht um die Startchancen und darum Menschen zu befähigen ihre Handlungsmöglichkeiten zu erweitern. Dazu gehören Bildung, Ressourcengrundaufteilung, Zugangsmöglichkeiten und individuelle Befähigungen (vgl.: ebenda, 7). Soziale Arbeit heute thematisiert diese Fragestellungen aktiv.
Zu den Grundanliegen dieser Themen hat sich auch der Prophet Jeremia geäußert. Die oben zitierten Zeilen fassen etwas in kurze Worte, was Jeremia an anderer Stelle den diversen Königen und anderen Persönlichkeiten seiner Zeit mit Taten und vielen Worten auseinandergesetzt hat. Während heute das Recht des Menschen als Orientierung für das „Gerechte“ dient, sieht Jeremia Gott als denjenigen, der das „Gerechte“ umsetzt. Heute wie damals wird die Frage nach dem „Gerechten“ gestellt, wenn das intersubjektive Gerechtigkeitsgefühl der Vielen und das Handeln der jeweils Mächtigen in Spannung zueinander steht.

3.2 Recht

Eingebettet in das Wort „Gerechtigkeit“ findet sich der Wortstamm „Recht“. So emotional aufgeladen der Begriff „Gerechtigkeit“ erscheint, so nüchtern erscheint der Begriff „Recht“.
Recht beinhaltet im Kern die Gesetz gewordene Annahme von Werten, die einen gesellschaftlichen Konsens darüber herstellen, was als „richtig“ oder als „falsch“ zu bewerten ist. Darüber hinaus regelt es, wie mit dazu passenden Verhaltensweisen umgegangen wird. Recht wird durch Gesetze wirksam.[5] Die jeweils politisch Mächtigen formulieren diese Gesetze. Welche Art Gerechtigkeit sie auch immer zu verwirklichen suchen; das dann geltende Recht bietet den Rahmen für gesellschaftliche und kulturelle Weiterentwicklung. Ein Lexikon beschreibt als Recht „die aufgrund der ethischen Idee des R.s, der R.idee, allgemein verbindl. geltende Regelung […] des äußeren […] zwischenmenschl. Verhaltens, auch juristischer Personen“ (Bertelsmann 1985, 129).

Im Recht begründen sich die jeweilige Würdigung oder Sanktion für richtiges oder falsches Handeln. Der Prophet Jeremia bezieht sich, wenn er davon redet, dass Gott Recht übt auf Erden (vgl.: Dt. Bibelg. 2016, AT 765), auf seinen Gott mit dessen Gesetz. Dieses hat er seinem Volk viele Jahre zuvor unter dem Volksführer Mose gegeben. Mose hatte das Volk aus der Gefangenschaft in Ägypten bis an die Grenze des von ihnen bewohnten Landes gebracht
(vgl. Dt. Bibelg. 2016, AT 12-218). Die Grundlage des aus Moses Gesetz resultierenden Rechts sind die zehn Gebote (Exodus 20, 1-17 und Deuteronomium 5, 6-21), die bis heute in der jüdischen und christlich Tradition wirksam sind. Soziale Arbeit hat heute eine vielfältigere Werte- und Rechtsordnung zu berücksichtigen. Das Recht in demokratisch organisierten Ländern gründet sich auf einen Konsens, der in der Verfassung niedergeschrieben ist. In Deutschland hat das Grundgesetz diesen Rang. Alle Gesetzgebung und alle Rechtsprechung hat sich an dieser Grundlage zu orientieren. Dabei sind gemäß Artikel 3 Grundgesetz alle Menschen vor dem Gesetz gleich (vgl.: Gesetze f.d.Soz.Arb. 2014, 911). Recht in diesem Sinn bedeutet für soziale Arbeit heute, dass es für Menschen in vergleichbaren Situationen identische Grundlagen zum Handeln gibt. Sozialarbeiter als ausführende Akteure der Gesellschaft bewegen sich im Spannungsfeld zwischen der gesetzlichen Rahmung und den teilweise vom gesetzlichen Rahmen abweichenden Präferenzen ihrer Adressaten. Das Grundgesetz garantiert dabei, dass individuelle Rechte einklagbar sind. So begründet das Recht den modernen, demokratischen Rechtsstaat.

[...]


[1] Am 7. Oktober 2016 in der Lehrveranstaltung „Wissenschaftliche Grundlagen der Praxisforschung“ zur Unterscheidung der wissenschaftlichen Herangehensweise, die er uns in der Sozialarbeitsforschung vorstellt zu den Geisteswissenschaften, die in einem „Gedankenwald“ mit ganz anderen Zugängen arbeiten.

[2] Thompson Studien-Bibel (Text: Martin Luther 1984) 1986, 1866.

[3] Barmherzigkeit und Gnade sind Worte, die in ähnlicher Weise gebraucht werden. Dazu weiter unten mehr.

[4] Ein solcher Vergleich kann als sehr gewagt angesehen werden, weil die politischen Systeme aufgrund ihrer Organisationsunterschiede ungleich funktionieren. Er ist hier in Bezug auf die Machtkonzentration zu verstehen.

[5] Die Frage „Recht haben und Recht bekommen“ füllt eine eigene Ausarbeitung. Sie wird hier vernachlässigt. In der Praxis treten Unterschiede auf, denn Anwendung von Gesetzen basiert oft auf der Auslegung des Gesetzestextes.

Details

Seiten
23
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668465220
ISBN (Buch)
9783668465237
Dateigröße
567 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v368016
Institution / Hochschule
Katholische Hochschule für Sozialwesen Berlin
Note
1,5
Schlagworte
Recht und Gerechtigkeit Sozialkritik Gerechtigkeit Gnade Jeremia Professionalität Gegenüberstellung Barmherzigkeit

Autor

Zurück

Titel: Sozialkritik und ihre Entfaltung in den Kriterien Gnade, Recht und Gerechtigkeit