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Naturkatastrophen in Lateinamerika. Ein kurzer Überblick

Facharbeit (Schule) 2016 13 Seiten

Geowissenschaften / Geographie - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1 Naturkatastrophen - ein wiederkehrendes Ereignis im Blickpunkt der Menschen

2 Verschiedene, relevante Naturkatastrophen in Lateinamerika

3 Soziale und wirtschaftliche Folgen von Naturkatastrophen

4 Umgang mit Naturkatastrophen

Literaturverzeichnis

1 Naturkatastrophen - ein wiederkehrendes Ereignis im Blickpunkt der Menschen

Naturereignisse wie Erdbeben, Vulkanausbrüche oder Stürme gehören seit jeher zu den Geschehnissen auf der Erde. Die nicht zu bändigende Kraft, welche die Natur bei diesen Phänomenen zeigt, mag für einige Beobachter aus der Ferne zwar oftmals ein Spektakel sein, bedeutet für davon betroffene Menschen andererseits viel Leid und Elend, sowie vor allem in armen Gebieten Angst um die Existenzfähigkeit. Obwohl die Wissenschaft bereits die meisten Naturphänomene vorhersagen kann, kommt es immer wieder zu verheerenden Katastrophen. So kamen zwischen 2005 und 2015 auf der ganzen Welt 839.342 Menschen ums Leben1, was deutlich zeigt, dass Naturkatastrophen immer ein Thema bleiben werden mit dem sich die Menschen beschäftigen müssen, vor allem in stärker gefährdeten Gebieten, zu welchen große Teile Lateinamerikas zählen.2

1.1 Was macht eine Naturkatastrophe aus?

Bevor der Begriff der Naturkatastrophe geklärt werden kann, muss die Definition des Naturereignisses gegeben sein. Ein sogenanntes Naturereignis ist ein natürlicher Vorgang endogenen oder exogenen Ursprungs und kann beispielsweise ein Erdbeben, ein Vulkanausbruch oder starker Niederschlag sein. Es darf dabei kein Mensch beziehungsweise Sachgut bedroht sein, ansonsten ist die Rede von einer Naturgefahr. 3 „ Naturkatastrophen ereignen sich nicht in der Natur selbst, sondern stets in Bezug auf eine von einem Naturereignis betroffene Gesellschaft. Ob ein Naturereignis als Katastrophe bewertet wird, definiert sichüber die Bedeutsamkeit der Folgen auf die Lebensverhältnisse der Betroffenen. “ 4 Zu dem Kriterium der sozialen Folgen eines Naturereignisses kommt noch der wirtschaftliche Aspekt hinzu, welcher ein Naturereignis zur Naturkatastrophe macht. Im Artikel 2(2) Verordnung (EG) Nr. 2012/2002 zur Errichtung des Solidaritätsfonds der Europäischen Union, definiert diese einen Schaden im betroffenen Land von drei Milliarden Euro oder 0,6% des Bruttoinlandsprodukt, um als „außergewöhnliche Katastrophe hauptsächlich natürlicher Art“5 zu gelten. Somit muss eine Naturkatastrophe großer sozialer und wirtschaftlicher Dimension für ein Land sein, um als eine solche Gültigkeit zu besitzen. Außerdem ist der Zeitraum unbedeutend, so kann eine Katastrophe Minuten, zum Beispiel bei einem Erdbeben, aber auch Jahre wie beim Klimawandel und dessen Folgen, andauern. Das Maß der Auswirkung auf den Menschen wird meistens in Katastrophenopfer, volkswirtschaftlichem Schaden und Versicherungsschaden erhoben. Jedoch kann eine Naturkatastrophe nicht immer gleich bewertet werden, da sich diverse Faktoren mit der Zeit geändert haben. So muss beispielsweise die exponentielle Bevölkerungszunahme (1800: ca. eine Milliarde Menschen, 2000: ca. sieben Milliarden Menschen)6, der steigende Lebensstandard auf der ganzen Welt, welcher zu größerem Wertbestand führt, der bei Katastrophen gefährdet ist und zu einer Verzerrung der Bewertung zugunsten von Industriestaaten führt. Außerdem konzentriert sich die Bevölkerung aller Länder immer mehr auf Großstadträume7, auch wenn diese in einer eigentlichen Gefahrenzone liegen. Der technologische Fortschritt der Infrastruktur, der Bebauung und dem Ausbau von Netzwerken führt zu extremen Schadenssummen im Vergleich zu vergangenen Jahrzehnten. Zu dem kommt, dass sich auch die klimatischen Bedingungen durch die globale Erwärmung und die steigende Wasserknappheit ändern,8 was berücksichtigt werden sollte.

Naturkatastrophen werden eingeteilt, in dem sie in anthropogene und nicht vom Menschen hervorgerufene Ursachen unterschieden werden, allerdings sind viele Gründe für das Entstehen von Naturgefahren auf den Menschen zurückzuführen. Anschließend werden Naturereignisse nach ihrem Entstehungsgrund vier Kategorien zugeteilt: Endogene und tektonische Ursachen wie Erdbeben oder Vulkanausbrüche, gravitatorische Ursachen also beispielweise Erdrutsche, klimatische Ursachen zu welchen unter anderem Wetter-, Wärme- und Windanomalien zählen und zuletzt die sonstigen Ursachen.9

Statistiken zu Katastrophen und deren Risikos werden vor allem von Versicherungen entworfen, aber auch von der WHO, welche seit 1888 die „International Disasters Database“ führt. Seit 1900 gab es 9200 Naturkatastrophen mit mehr als zehn Toten, dabei haben Wetterkatastrophen mit 57% den größten Anteil, 20% sind geologischen Ursprungs.10 Allein 2010 gab es in Lateinamerika 98 Katastrophen, welche etwa 200´000 Menschen töteten.11

2 Verschiedene, relevante Naturkatastrophen in Lateinamerika

Lateinamerika gehört zu den Gebieten auf der Erde, welche am häufigsten Naturereignissen ausgesetzt sind und somit auch die Gefahr einer katastrophalen Auswirkung für Länder und Bevölkerung hoch ist. Dies zeigt auch der jährlich erscheinende Weltrisikobericht, in welchem eine Liste die Länder mit deren Risikoindizes aufzeigt. Dort ist zu sehen, dass sich unter den ersten 15 Ländern mit hohem Risiko für ein katastrophales Naturereignis mit Guatemala, Costa Rica, El Salvador und Nicaragua gleich vier Länder Lateinamerikas befinden.12 Diese und weitere Staaten können oftmals, aufgrund von unterschiedlichsten Faktoren, nicht ausreichend auf drohende Katastrophen reagieren um die Auswirkungen einzudämmen, außerdem kommt die Diversität an möglichen Naturereignissen in diesen Regionen erschwerend bei der Katastrophenbekämpfung hinzu. Im Folgenden werden Katastrophen verschiedener Arten zusammen mit bedeutenden Beispielen erläutert.

2.1 Erdbeben

Erdbeben entstehen im Allgemeinen durch den Prozess der Plattentektonik, also der

Translokation der Litosphärenplatten, welche die Erdkruste und den äußersten Teil des Erdmantels umfasst. Vor allem an Grenzen zwischen Platten kann es zu Beben kommen, da hier Platten aufeinander zu, voneinander weg, beziehungsweise auch aneinander vorbei driften können, was zu einer Belastung des Gesteins und einer möglicherweise abrupten Entladung des Spannungszustandes führt. Lateinamerika ist hiervon stark betroffen, da fünf Platten in direkter Umgebung liegen,13 die bei einem tektonischem Beben, Auswirkungen auf das Gebiet hätten. Folgende Platten beeinflussen den Südamerikanischen bzw. Lateinamerikanischen Bereich:

- Südamerikanische Platte
- Nazca Platte
- Karibische Platte
- Cocosplatte
- Scotiaplatte

Abbildung:14 Zeigt die von Erdbeben gefährdeten Gebiete auf

Oftmals sind bei einem Erdbeben die Begleiterscheinungen, wie anschließende Erdrutsche oder Flutwellen für die Bevölkerung am verheerendsten. So auch beim Erdbeben in Chile im Jahr 2010, bei welchem etwa 700 Menschen gestorben sind. Das Epizentrum, ca. 120 Kilometer nordöstlich von der Großstadt Conceptión, befand sich an der Grenze der südamerikanischen und der Nacza- Platte, die Teil des pazifischen Meeresbodens ist, welche sich unter die kontinentale, südamerikanische Platte mit der relativ hohen Geschwindigkeit von acht Zentimetern im Jahr schiebt, was auch der Grund dafür ist, dass die Küstenregion Südamerikas oft Szenerie starker Beben ist.15 Folge der vehementen Naturkatastrophe waren neben der Opfer, etwa 500´000 zerstörte Häuser, sowie ein geschätzter Gesamtschaden von 30 Million US-Dollar.16 Wie eingehend angedeutet, löste das Beben einen Tsunami aus, der nach nur kurzer Zeit die Küstenstädte Chiles erreichte und dort für große Verwüstung sorgte. Außerdem wurde eine Tsunamiwarnung für insgesamt 53 Länder im pazifischen Raum ausgegeben.17 Obwohl das Erdbeben sehr stark war, blieben die Folgen im Vergleich zu dem von Haiti im selben Jahr, bei welchem 200´000 Menschen starben, verhältnismäßig gering, trotz eines deutlich stärkeren Bebens.18 Wie es zu solchen signifikanten Differenzen in den Auswirkungen von Naturkatastrophen kommen kann, wird im Fazit erläutert.

2.2 Vulkanausbrüche

Zwischen 1985 und 2015 gab es alleine in Südamerika 22 Vulkanausbrüche mit signifikanter Bedeutung,19 dass heißt mit Todesopfern, großem finanziellem Schaden oder einer davon ausgelösten Naturkatastrophe, wie zum Beispiel einem Erdbeben. Ein besonders bedeutender Ausbruch, war dabei der des Vulkans Nevado del Ruiz im November 1985. Der Schichtvulkan liegt in der Nähe der Küste Kolumbiens und ist der zweithöchste aktive Vulkan auf der nördlichen Hemisphäre. Die Entstehung dieser Feuerberge ist wie das zuvor erwähnte Erdbeben in Chile auf die Plattentektonik von Nazca- und südamerikanischer Platte zurückzuführen, die auch für die Entwicklung der Anden, parallel zu den Tiefseegraben vor der Küste zugrunde liegend sind. Aufgrund der Häufigkeit solcher Naturereignisse an den Küstengebieten des Pazifiks, wird diese Region auch als Ring of Fire bezeichnet.20 Da der Vulkan sich auf 5279 Metern Höhe in den Anden befindet, ist seine Kuppe mit Schnee und Eis bedeckt, zudem hatte es in den Tagen vor dem Ausbruch stark geregnet, beziehungsweise geschneit.21 Nach der zweimaligen Eruption schmolzen Teile der Kappe und vermischten sich mit der zuvor entstandenen Asche. Dieses Gemisch floss den Hang hinunter, wo es auf Flüsse traf, welche aufgrund des Regens große Wassermengen führten, mit welchen es sich zusammenfügte. Der entstandene, sogenannte Lahar floss entlang eines Flusses zur Stadt Armero, die nur knapp über Meereshöhe liegt. Der Ort wurde nachts und ohne Warnung von den gewaltigen Massen getroffen, wobei ca. 19´000 Menschen starben. Insgesamt gab es rund 25´000 Todesfälle. Die weiteren Opfer starben ebenfalls durch solche Lawinen auf anderen Seiten des Berges, außerdem waren 20´000 Menschen nach der Naturkatastrophe obdachlos.

2.3 Tropische Wirbelstürme

Im Oktober 1998 ereignete sich eine der schwersten Naturkatastrophen überhaupt, welche von einem Wirbelsturm ausging. Hurrikan Mitch traf mit Windgeschwindigkeiten von über 280 Kilometern pro Stunde auf große Teile Zentralamerikas, darunter vor allem Honduras und dessen umliegende Nachbarländer.22 Der Wirbelsturm und seine andauernden Starkregenfälle tötete etwa 10´000 Menschen und richtete enorme „ Schäden in der Infrastruktur, Landwirtschaft und Industrie23 an. Anfangs war der spätere Hurrikan noch ein Tiefdruckgebiet vor Kolumbien, aus dem am 22. Oktober ein tropischer Wirbelsturm entstand, der stark an Geschwindigkeit gewann. Der 13. Hurrikan der Saison 1998 änderte anschließend oftmals seine Richtung, wodurch eine genaue Prognose und somit eine dementsprechende Vorbereitung, wie zum Beispiel eine Evakuierung, welche in zwei Städten Mexikos stattfand, wo der Hurrikan jedoch anschließend nicht eintraf, bedeutend erschwerte. Nachdem der Sturm bereits auf einige Inseln traf, bewegte er sich nicht wie prognostiziert nach Mexiko, sondern auf die Küste Honduras zu, wo 6,2 Millionen Einwohner unmittelbar von der Katastrophe in Mitleidenschaft gezogen wurden. Neben Honduras war Nicaragua das am intensivsten betroffene Land mit einem Anteil am

[...]


1 Vgl. International Federation of Red Cross and Red Crescent Societies, S.222

2 Vgl. Bündnis Entwicklung Hilft (a)

3 Vgl. Dickau, Naturkatastrophe

4 Zit. nach Schmidt-Wulffen, 1982, S.139

5 Vgl. Felgentreff, S.3

6 Vgl. DSW Statista 2016 (a)

7 Vgl. DSW Statista 2016 (b)

8 Vgl. Fuchs

9 Vgl. Maier (b)

10 Vgl. Maier (a)

11 Vgl. Unsleber

12 Vgl. Bündnis Entwicklung Hilft (b)

13 Vgl. Michael, S.218

14 Vgl. Global Seismic Hazard Assessment Program

15 Vgl. Braile, L. u. S.

16 Vgl. Trenkamp

17 Vgl. Sadrozinski

18 Vgl. Lacey

19 National Geophysical Data Center / World Data Service (NGDC/WDS): Significant Volcanic Eruptions Database. National Geophysical Data Center

20 Vgl. Feinemann

21 Vgl. Haaf

22 Vgl. Moßbrucker

23 Zit. nach Tanz, S.166

Details

Seiten
13
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668463974
Dateigröße
1.2 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v367965
Institution / Hochschule
Gymnasium Königsbrunn
Note
13
Schlagworte
naturkatastrophen lateinamerika überblick

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Titel: Naturkatastrophen in Lateinamerika. Ein kurzer Überblick