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Ruinendiskurs in der Literatur. Andreas Gryphius' "Tränen des Vaterlandes, anno 1636"

Hausarbeit 2014 16 Seiten

Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1. Bedeutungsursprung von Ruinen

2. Ruinen in der Literatur
2.1. Ruinen - Manifestationen von Kriegserlebnissen
2.2. Ruinen - Zeugen der Vergangenheit

3. Biograischer Einblick - Andreas Gryphius
3.1. Lyrischer Modus Procedendi
3.2. Sonett - „Tränen des Vaterlandes, Anno 1636“
3.2.1. „Dreymal sind schon sechs Jahr“ – Geschichtlicher Hintergrund
3.2.2. Analytische Exegese des Gedichtes

4. Conclusio

5. Bibliografie
5.1. Literatur
5.2. Abbildungen
5.2.1. Abbildung
5.3. Abbildungsverzeichnis

1. Bedeutungsursprung von Ruinen

Die Ruine trägt ihren Bedeutungsursprung im lateinischen [lat. ruina] und ist mit „Einsturz“ oder „Trümmer“ zu übersetzen. Sie zeigt den natürlichen Verfall, die Zerstörung durch menschliches Handeln, in Form von Kriegen oder Einwirken von Naturgewalten auf ein Bauwerk auf.[1]

„Oh! les belles, les sublimes ruines! [...] Avec quel étonnement , quelle surprise je regarde cette voûte brisée, les masses surimposées à cette voûte! Les peuples qui ont élevé ce monument, oii sont-ils? que sont-ils devenus? Dans quelle énorme profondeur obscure et muette mon œil va- t-il s'égarer? [...]Les idées que les ruines réveillent en moi sont grandes. Tout s'anéantit, tout périt, tout passe. Il n'y a que le monde qui reste. Il n'y a que le temps qui dure.“[2]

Dieses Zitat des französischen Schriftstellers zeigt die Wandelbarkeit von Ruinen an, da sie nicht nur ausschließlich ein Motiv für Zerstörung, Verfall und Vergänglichkeit sind, sondern auch im ästhetischen Diskurs des Pittoresken und des Erhebenden im Literarischen von Bedeutung sind. Die Vielseitigkeit der Ruinen in der Literatur und das damit verbundene Spezifikum der zerstörten Bauten als Manifestation des Krieges möchte ich in einer wissenschaftlichen Arbeit zu Anfang thematisieren. Dabei wird ein Gedicht des barocken Poetikers Andreas Gryphius den Gegenstanden meiner Arbeit bilden. Dieses Gedicht vereint die barocken Leitmotive der Vanitas und des Memento mori mit den der Ruinenbilder eindrucksvoll in seinem Sonett „Tränen des Vaterlandes, Anno 1636“. Dabei werde ich die wichtigsten Eckdaten des Dichters umreißen und im weiteren Verlauf auf seine erste veröffentlichte Gedichtsammlung eingehen, welches eben jenes Poem beinhaltet. Zum Verständnis des Gedichtes werde ich zudem auch auf die historischen Hintergründe des dreißigjährigen Krieges eingehen. Durch die Analyse und Interpretation des Sonettes werde ich die Ruinenmotive selektieren und Bezug auf die vorangegangen Motive nehmen. Die Ergebnisse der Untersuchung werden in einem abschließenden Fazit zusammengetragen, welches die Conclusio meiner Arbeit bildet.

2. Ruinen in der Literatur

Das Motiv der Ruine wird in der Literatur nicht nur als Zeugnisse von Kriegen, Naturkatastrophen und natürlichen Verfalls genutzt, sondern auch als ein ästhetisches Konzept. Schon in der Antike bieten Ruinen Inspirationen für römische Dichter, vor allem römische Ruinen bilden den Gegenstand dieser Dichtungen. Doch in der Antike und im Mittelalter werden die ästhetischen Ruinen nicht wegen ihrer Selbstwillen behandelt. Da die Unversehrtheit von Gebäuden viel eher von Belangen war. Dies wandelte sich in der Renaissance, hier wurden die Ruinen als Zeugnisse der verehrten Antike wahrgenommen. Diese Überreste der einst prachtvollen Bauten stellten eine Verbindung zu dieser Epoche dar.[3]

Erst im 18. Jahrhundert erhielten die Zeugnisse von Vergangenem eine größere kulturelle Bedeutung. Denn die Ruinen tragen nicht mehr nur das negative Motiv der Vanitas mit sich, welches vor allem durch den Barock geprägt wurde, sondern ihnen werden auch positive Attribute zugeschrieben. Die veränderte Wahrnehmung wurde durch die Aufklärung und den Klassizismus verursacht. Zu dieser Zeit in Europa wurde die Ruine als ein dekorativer Gegenstand in der Literatur und Kunst sowie in der Gartenarchitektur verstanden. So waren vielfache, zeitgenössische Diskurse über die Ästhetik und das Pittoreske der Ruinen ausgelegt. Dabei war der Diskurs über das Erhabene der Ruinen besonders von Belangen. Die psychologische Wirkung von literarischen und künstlerischen Begebenheiten auf den Menschen war dabei ein Sujet. Zudem können die Ruinen auch sublimes Empfinden hervorrufen, diese werden durch das Erschaudern vergangener Geschehnisse hervorgerufen. Durch das Gedenken vergangener Schicksale, seligen Angedenkens verstorbener Größen und die Angst einer vergleichbaren Destination wird dies verursacht. Die Ruinenpassion des 18. Jahrhunderts wird nicht nur in der Literatur, sondern auch in der Kunst zum Gegensand gemacht.[4]

Am Ende des 18. Jahrhunderts bildet das Motiv der Ruine einen Gegensatz zur progressiven Industrialisierung. Es wurde besonders bei romanischen Dichtern ein beliebter Gedanke, da vor allem die Verbindung zur Natur besonders zum Ausdruck gebracht wird. So verschmelzen die Natur und das vom Menschen geschaffene längst verfallene Werk zu einer Einheit. Durch die Eisenbahn im 19. Jahrhundert nahm der Diskurs über das Erhabene und Pittoreske von Ruinen zu. Es ermöglichte den Menschen die Ruinenstätten vor Ort zu genießen.[5]

2.1. Ruinen - Manifestationen von Kriegserlebnissen

Die Zerstörung von Städten prägt und prägte seit jeher das europäische Bewusstsein und wurde Teil des europäischen Kulturgutes. In der Überlieferung der Antike und des Mittelalters waren es Städte wie Troja, Sodom und Gomorrha. Sogar in dem Buch der Bücher, der Bibel ist von Kriegszerstörungen zu lesen, wie dem Fall Babylons und Ninives. Schon in der Kunst des Mittelalters wird diese Zerstörung thematisiert. Der Untergang Konstantinopels (1453), die Plünderung Roms unter Karls V. (1527), die Verwüstung Magdeburgs durch Katholischen Truppen unter Tilly (1631), die Liquidierung Kopenhagens durch die Briten (1807) sind alles Kriegshandlungen indem ein Teil der jeweiligen Städte zu Ruinen gemacht wurden.[6]Ein prägendes Ereignis ist zudem der zweite Weltkrieg, der Europa in der Zeit von 1939 bis 1946 in Schutt und Asche verwandelt hat. Doch auch in unserer Fortschrittlichen Zeit kommt es immer wieder zu Kriegen, damit einhergehend ist die Zerstörung von Städten, Leid und Tod. Aus gegebenem Anlass bestimmt der Krieg in Syrien auch unseren Alltag in Europa und hier in Deutschland. Somit ist auch der Rest der Welt zwar inaktiv, dennoch in einem gewissen Maße in Kriegsgeschehnisse involviert. Das Motiv von Krieg in Literatur und Kunst ist immer wieder aktuell und wird auch heute noch häufig genutzt. Ein Beispiel dafür ist die Werkreihe des deutschen Künstlers Gerhard Richter, dieser malte in den 70er Jahren, des 20. Jahrhunderts die Luftaufnahmen großer Städte des zweiten Weltkrieges nach (siehe Abbildung 1).

2.2. Ruinen - Zeugen der Vergangenheit

Ruinen sind materielle faktische Zeugen für die Vergangenheit. Das Interesse an den Zeugnissen alter Zeit begann in der Renaissance und nahm im Verlauf des 18. Jahrhunderts immer weiter zu. Ruinen bieten eine historische Informationen über das ursprüngliche Bauwerk und deren einstigen Funktionen und Aufgaben. Somit sind die Trümmer von Bauwerken Zeugen von bestimmten Ereignissen oder dessen Sublimierung. Sie stellen eine greifbare Verbindung zu weit zurückliegenden Geschehnissen her und geben einen direkten Einblick auf das vergangene Leben. Wobei eine Fehldeutung oder Idealisierung durch den Rezipienten möglich ist.[7]

3. Biograischer Einblick - Andreas Gryphius

Andreas Gryphius wurde am 2. Oktober 1616 in Glogau geboren. Er war der jüngste Sprössling aus der dritten Ehe seines Vaters. Sein Geburtsort wurde nur ein Jahr zuvor niedergebrannt und war immer noch verwüstet. Nach Gryphius’ Geburt kam es zu einer Rebellion der lutherischen Bürger. Im Jahr 1618 brach dann der dreißigjährige Krieg aus. Dieser sollte den Großteil von Gryphius’ Leben beeinflussen und bestimmen. Sein Vater war Achidiakon der lutherischen Kirche und Anführer religiösen und politischen Auseinandersetzungen der Zeit. Nach dem Tode seines Vaters heiratete Andreas’ Mutter erneut. Gryphius Heimatstadt litt in seiner Kindheit unter Einquartierungen, durchziehende Söldnern und Kriegslasten.[8]

Im Jahr 1625 hat Gryphius eine Nahtoderfahrung gemacht er wäre in einem Graben fast ertrunken. Nur drei Jahre später verstarb seine Mutter. Mit nur 12 Jahren wurde Gryphius so zur Vollwaise. 1631 wurde seine Heimatstand durch einen Brand fast vollkommen vernichtet, deshalb musste Andreas Glogau verlassen und ging zu seinem älteren Bruder Paul nach Fraustadt, um dort ein Gymnasium zu besuchen. Hier zeigte Gryphius schon frühes Interesse an der Wissenschaft und entwickelte dort seine literarische Passion immer weiter. Doch das Elend begleitete den jungen Andreas auch dort, da in seiner neuen Heimat die Zahl der zur Pest erliegenden Opfer drastisch anstieg.[9]Zu dieser Zeit schrieb Andreas Gryphius seine erste bekannte Dichtung, ein lateinisches Heldenepos. Da Gryphius schon in der unteren Klasse mit der Poetik und Rhetorik mit Leichtigkeit verfuhr und auf seiner späteren Schullaufbahn des Öfteren lateinische Gedichte verfassen musste, wurde der Schüler so zu seinem ersten Gedicht inspiriert.[10]Im Jahr 1634 beendete der die Schule und ging nach Danzig. Hier besuchte er das Akademische Gymnasium, durch die anregende Atmosphäre der Hafenstadt wurde Gryphius in seinem poetischen Schaffen beflügelt. In dieser Zeit entstanden die Werke seiner ersten Sonettsammlung.[11]

1636 ging er nach Schönborn bei Freistadt um die Kinder des Hofpfalzgrafen Georg Schönborner zu unterrichten, hier wurde er Zeuge eines Brandes in Freistadt.[12]Die Zeit von 1638 bis 1644 verbrachte der Dichter in Leiden, um an der Universität zu lehren, deweiteren nahm er der Studium der Rechtswissenschaften auf und macht mit angesehenen Persönlichkeiten Bekanntschaft.[13]

Von 1644 bis 1647 reiste Gryphius durch Frankreich und Italien, kehrte dann nach Fraustadt zurück und heiratete dort 1648 Rosina Deutschländer. Der Dichter lehnte eine Professur an den Universitäten in Heidelberg und Uppsala ab und wurde ab 1650 als Jurist in seiner Heimatstadt Glogau tätig. Aus der Ehe mit seiner Frau gingen sieben Kinder hervor.[14]

Im Jahr 1662 wurde Gryphius mit dem Beinamen „Unsterblicher“ von der Fruchtbringenden Gesellschaft aufgenommen. Zwei Jahre später verstarb Andreas Gryphius im Alter von 48 Jahren an einem Schlaganfall in seiner Heimatstadt.[15]

3.1. Lyrischer Modus Procedendi

Zwischen 1637 und 1664 veröffentlichte Andreas Gryphius deutschsprachige Dichtungen. In dieser Zeit von 27 Jahren veränderte der Dichter mehrmals seine eignen Gedichte, dies zeigt einen facettenreichen Schaffensprozess auf. Die Gedichte seiner Erstausgaben, wie die Lissaer Sonette, seine Erstveröffentlichung, waren noch sehr wortgewaltig und schwerfällig im Gegenpol zu seinen späteren fließenden und objektiveren Werken.[16]Die ersten deutschen Sonette Verfasste Gryphius mit nur zwanzig Jahren (1636), im Jahr 1637 gab er eine Gedichtsammlung in Lissa in Polen heraus. Diese wurde später unter den Namen „Lissaer Sonette“ bekannt, diese Sammlung beinhaltet 30 Sonette. Gryphius versuchte seinen Gedichten eine innere Harmonie zu schenken, dabei machte er sich das Zahlenprinzip, welches einfachen Regeln zum Ver- und Entschlüsseln unterlag zu Nutze.[17]

Gegen die Verrohung und Verwilderung der deutschen Dichtung und Dichtungssprache übersetze Daniel Federmann im Jahr 1578 die sechs Triumphe Petrarcas.[18]Doch erst mit Martin Opitz wurden Petracas’ Ideale in die deutsche Dichtung übernommen. In seinem Werk „Buch von der deutschen Poeterei“ aus dem Jahr 1624 forderte Opitz, dass die Angleichung der deutschen Sprach- und Verskunst an das französische, lateinische und griechische Niveau stattfinden sollte.[19]So befolgte auch Andreas Gryphius in seiner ersten Sonettsammlung das Reglement nach Martin Opitz.[20]

Das Wort Sonett [lat. sonus, nfrz. sonnet] bedeutet ursprünglich Klang oder auch Schall. Die deutschen Dichter und Poetiker des 17. Jahrhunderts übernahmen die französische Schreibweise. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts orientierten sich die deutschen Poeten an den italienischen Schreibstiel „Sonetto“ und änderten es zu unser heutig bekanntes „Sonett“ um.[21]August Wilhelm Schlegel manifestierte 1803/04 den Gedanken von Martin Opitz und legte die Form - und Sinnverhältnisse eines Sonetts fest. So muss ein Sonett aus 14 Zeilen mit Sinnabschnitten, welche in zwei Quartette und zwei darauf folgende Terzette gegliedert ist, bestehen.[22]Der Reim dient zudem als Gliederungselement dieser Gedichtform. Dabei soll nach Schlegel ein alternierender oder umarmender Reim angewandt werden. Wobei der umarmende Reim nach Schlegel kunstvoller sei, da die verbindende Kraft des Reims ausgeprägter ist. Bei den Terzetten wird nach Schlegel die klassische italienische Variante des Schweifreimes verlangt.[23]Im deutschen wird zunächst das Versmaß des „Vers Commun“ und später dann nach dem französischen Vorbild der „Alexandriner“ insistiert.[24]

3.2. Sonett - „Tränen des Vaterlandes, Anno 1636“

„Wir sind doch nunmehr ganz, ja mehr denn ganz verheeret.

Der frechen Völker Schar, die rasende Posaun’,

Das vom Blut fette Schwert, die donnernde Carthaun’

Hat aller Schweiß und Fleiß und Vorrat aufgezehret.

Die Türme stehn in Glut, die Kirch’ ist umgekehret,

Das Rathaus liegt im Graus, die Starken sind zerhaun,

Die Jungfern sind geschänd’t, und wo wir hin nur schaun,

Ist Feuer, Pest und Tod, der Herz und Geist durchfähret.

Hier durch die Schanz’ und Stadt rinnt allzeit frisches Blut.

Dreimal sind schon sechs Jahr, als unser Ströme Flut,

Von Leichen fast verstopft, sich langsam fort gedrungen.

Doch schweig ich noch von dem, was ärger als der Tod,

Was grimmer denn die Pest und Glut und Hungersnot:

Daß auch der Seelen-Schatz so vielen abgezwungen.“[25]

3.2.1. „Dreymal sind schon sechs Jahr“ – Geschichtlicher Hintergrund

Das Gedicht von Andreas Gryphius ist im Jahr 1636 entstanden, die Gegenstände seines Poems bilden die Motive des Todes und des Krieges. Dies lässt vermuten, dass der Dichter auf den dreißigjährigen Krieg abspielen will. Zudem weist die Zahlenkomposition im zweiten Vers der dritten Strophe auf diese langanhaltende Schlacht von circa 30 Jahren hin. In der deutschen Geschichte wird dieser Krieg nicht als ein Krieg von tatsächlichen 30 Jahren verifiziert, sondern von vielen, kleineren Teilkriegen.[26]Der Kriegsverlauf ist dabei in vier Kriege einzuteilen. Das Sujet des Krieges bildete zum einen der Konflikt der Vorherrschaft des „Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation“. Dies wurde vor allem durch die Territoriale Zersplitterung des heute deutschen Gebietes initiiert. Die Fürsten versuchten den Einfluss der geistlichen Territorien zurückzudrängen, es entstand ein Fürstenstaat. Dies brachte die Reformation und die anschließende Konfessionalisierung mit sich, sodass der Zusammenbruch der Kirche verursachte eine leere des Regiments in großen Teilen des damals deutschen Reiches. Diese wurde unter den Monarchen wieder aufgeteilt.[27]

Durch die Konfessionalisierung kam es zum den Konfessionskämpfen damit auch zum Zerfall der mittelalterlichen Kirche und ihren Bräuchen. Es kam dabei zu einer Spaltung der Protestanten in Lutheraner und Calvinisten. Dabei trieb die Konfessionalisierung die Sozialdisziplinierung, die Bürokratisierung und die Zentralisierung voran. Dies bedeutete einen weiteren Zuwachs der Machtposition der Fürsten. Der Machtzuwachs der Fürsten innerhalb ihrer Territorien verursachte eine verfeindete Haltung der verschiedenen Fürstentümer untereinander.[28]Über Jahre hinweg kam es zu Konflikten zwischen den Habsburgern mit Hilfe Spaniens und dem französischen Königshaus, nahm die Feindschaft immer weiter zu.[29]

Der böhmisch-pfälzische Krieg dauerte von 1618 bis 1623 an mit dem „Fenstersturz von Prag" am 23 Mai 1618 wurde dieser ausgelöst und verursachte den dreißigjährigen Krieg in Europa. Der „Fenstersturz von Prag“ wurde den böhmischen König Ferdinand II. provoziert. Durch die rebellische Konföderation aller erbländischen Stände wurden die Habsburger und Ferdinand II. entmachtet. Friedrich V. von der Pfalz nahm die böhmische Königskrone an, nach dem Tode des Kaisers Matthias wurde Ferdinand II. als rechtmäßiger Nachfolger anerkannt. Friedrich V. von der Pfalz wurde vom Herzog Maximilian und Graf von Tilly, der Feldherr der Liga, 1620 im Krieg besiegt. Kaiser Ferdinand II. ließ nach dieser der Schlacht am Weißen Berg bei Prag 27 böhmische Adlige in Prag öffentlich hinrichten. Rund die Hälfte des Grundbesitzes in Böhmen und Mähren wurde eingezogen es kam zu einer Rekatholisierung. Da Friedrich V. sich nicht dem Kaiser unterwarf wurde dieser nach einem Kriegsangriff des Feldherren Tilly in der Pfalz abgesetzt.[30]

Doch danach war der Frieden nicht in Sicht, es folgte der Niedersächsisch-dänische Krieg ab 1624. Dabei griff Christian IV. von Dänemark mit seinen Verbündeten (niederländische Generalstädte, England, Friedrich V. von der Pfalz) die Liga (Herr des Kurfürsten des Heiligen Römischen Reiches, Maximilian I.) und das kaiserliche Herr mit samt seinen böhmischen Adeligen und Feldherren Wallenstein an, um verlorenes Terrain für die Protestanten zurückzuerobern. Der dänische König wurde 1629 zur Kapitulation aufgefordert.[31]

Der schwedische Krieg wurde 1630 vom schwedischen König Gustav begonnen. Er wollte die Ausbreitung der Habsburger im Ostseeraum verhindern, desweiteren wollte er die maritimen Handelswege für Schweden sichern. Im Jahr 1634 schlugen die kaiserlichen Söldner und deren verbündeten, spanischen Kameraden im Kampfe das schwedische Herr.[32]

Im Jahr 1635 begann Frankreich einen Krieg mit Spanien (Verbündeten des böhmischen Kaisers) dies bildet somit die letzte Kriegshandlung des dreißigjährigen Krieges. Dabei wurde im Jahr darauf ein Bündnis zwischen den Franzosen und den Schweden geschlossen um gemeinsam die territorialen Zustände von 1618 wiederherzustellen. Mit dem westfälischen Friedensschluss von 1648 wurden die europäischen Kriege mit einem allgemeinen Ende zum Abschluss gebracht da allen Parteien erfassten, dass sie ihre ursprünglichen Ziele nicht mehr mit dem Kriege erreichen konnten.[33]

[...]


[1]Vgl.: BROCKHAUS; Brockhaus-Enzyklopädie [Ausg. In 30. Bd.] (Bd. 23: Rent - Santh);Leipzig,Mannheim Auflage 21 ; 2006; Seite 465.

[2]BRIÈRE, J. L. J.; Oeuvres de Denis Diderot. Salon de 1767; Paris; 1821; Seiten 369 – 371.

[3]Vgl.: FRICKE, Stefanie; Memento Mori. Ruinen alter Hochkulturen und die Furcht vor dem eigenen Untergang in der englischen Literatur des 19. Jahrhunderts; Trier; 2009; Seiten 91, 92.

[4]Vgl.: Ebd.; Seiten 93 – 98.

[5]Vgl.: Ebd.; Seiten 99, 100.

[6]Vgl.: Ebd.; Seiten 100, 101.

[7]Vgl.: Ebd.; Seiten 104, 105.

[8]Vgl.: SZYROCKI, Marian; Andreas Gryphius. Sein Leben und Werk; Tübingen; 1964; Seiten 13, 14.

[9]Vgl.: KIEDRON, Stefan; Andreas Gryphius und die Niederlande. Niederländische Einflüsse auf sein Leben und Schaffen; Wroclaw, 1993; Seiten 11, 12.

[10]Vgl.: SZYROCKI, Marian; Andreas Gryphius. Sein Leben und Werk; Tübingen; 1964; Seiten 19, 20.

[11]Vgl.: Ebd.; Seiten 20, 21.

[12]Vgl.: Ebd.; Seiten 24 – 26.

[13]Vgl.: Ebd.; Seiten 28 – 30.

[14]Vgl.: Ebd.; Seiten 31 – 34.

[15]Vgl.: Ebd.; Seite 35.

[16]Vgl.: Ebd.; Seite 48.

[17]Vgl.: Ebd.; Seiten 55 - 57.

[18]Vgl.: PACICI, Lidia; Petrarca in der deutschen Dichtungslehre. Vom Barock bis zur Romantik; Köln; 1936; Seite 7.

[19]Vgl.: Ebd.; Seiten 9,10.

[20]Vgl.: SZYROCKI, Marian; Andreas Gryphius. Sein Leben und Werk; Tübingen; 1964; Seite 58.

[21]Vgl.: SCHLÜTTER, Hans-Jürgen; Sonett; Stuttgart; 1979; Seite 1.

[22]Vgl.: Ebd.; Seite 3.

[23]Vgl.: Ebd.; Seite 5.

[24]Vgl.: Ebd.; 1979; Seite 7.

[25]RÜTTENAUER, Isabella [Hrsg.]; Andreas Gryphius. Gedichte; Freiburg; 1947; Seite 43.

[26]Vgl.: WEHLER, Hans-Ulrich [Hrsg.], BURKHARDT, Johannes; Der Dreißigjährige Krieg; Frankfurt am Main; 1992; Seite 15.

[27]Vgl.: SCHORMANN, Gerhard; Der Dreißigjährige Krieg; Göttingen; 1985; Seiten 9 – 12.

[28]Vgl.: Ebd.; Seiten 12 – 16.

[29]Vgl.: Ebd.; Seiten 16 – 17.

[30]Vgl.: SCHMIDT, Georg; Der Dreißigjährige Krieg; München 7. Auflage; 2006; Seiten 28 – 35.

[31]Vgl.: GOERTZ, Hans-Jürgen; Deutschland 1500 – 1648. Eine zertrennte Welt; Paderborn; 2004; Seiten 244, 245.

[32]Vgl.: Ebd.; Seiten 246 – 249.

[33]Vgl.: Ebd.; Seiten 16 249, 253.

Details

Seiten
16
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783668462021
ISBN (Buch)
9783668462038
Dateigröße
803 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v367876
Institution / Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin
Note
2,0
Schlagworte
Ruinen Andreas Gryphius Tränen des Vaterlandes Literaturdiskurs 1636 Mediävistik Dreißigjähriger Krieg

Autor

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