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Josef Albers "Departing in Yellow". Eine Analyse der Kunst, Betrachtung und Wahrnehmung

Hausarbeit 2014 18 Seiten

Kunst - Kunstgeschichte

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1. Einleitung

2. Arbeitsweise von „Homage to the Square“

3. Albers(’)-Kunst-Sehen

4. Analyse “Departing in Yellow“

5. Schlussbetrachtung

6. Literartur

7. Abbildungen
7.1. Abbildung 1: „Schema der Quadrat-Bilder 1“
7.2. Abbildung 2: „Schema der Quadrat-Bilder 2“
7.3. Abbildung 3: „Schema der Quadrat-Bilder 3“
7.4. Abbildung 4: „Schema der Quadrat-Bilder 4“
7.5. Abbildung 5: “Departing in Yellow“

8. Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

Kunst – Sehen

Kunst

ist nicht

denn kunst

Was andem

ist es nicht

oder

und umgekehrt

Was früher

kunst war

mag solchen wert

verlieren

und beides wiederholen

So ist kunst

sondern

Wir nehmen kunst

Wenn wir

Darum ist kunst

wo kunst

vorerst

zum ansehen

sieht uns an

kunst ist

ebenso für mich

aus demselben grunde

für mich

oder nicht

wechseln

oder gewinnen

nicht gegenstand

erlebnis

wahr

emfänglich sind

dort

uns ergreift

Albers[1]

Der Körper des Menschen bietet die Möglichkeit zur Empfindung von bildlichen Sinnesdaten durch das Auge. Dieses sendet durch den Lichteinfall auf einen Gegenstand und durch bestimmte Vorgänge im Auge die Informationen an das Großhirn, welches es braucht, damit der Mensch seine Umwelt bildlich wahrnehmen kann. Im psychologischen Verständnis sind dabei die Körperlichkeit und die Bildhaftigkeit der Wirklichkeit im Seherlebnis miteinander verknüpft. Der kontinuierliche Fluss von visuellen Informationen dringt nur zum Teil in unser Bewusstsein hervor.[2]

So ermöglicht erst das Sehen dem Betrachter, Kunst bildlich im Gehirn wahrzunehmen. Das Wahrnehmen und Wiedererkennen bestimmter Farben und Formen ist somit ein wichtiger Bestandteil zum Verständnis von Kunst und der Intentionen der Künstler. Das Sehen an sich wird immer wieder in der Kunst und Kunstgeschichte thematisiert. Die optische Täuschung, die im 20. Jahrhundert immer mehr an Bedeutung gewann, schafft durch das Zusammenspiel von Form und Farbe visuelle Illusionen für den Betrachter. Ein anderer Bereich ist die Sehschulung, durch die Nutzung von Farben im Zusammenhang mit ihren verschieden Kombinationsmöglichkeiten, ihrer Farbintensität und Form erschuf Josef Albers in seinem herausragenden Werk „Interaction of Color“ eine Unterweisung zum Sehen.

Josef Albers (Bottrop 1888 – 1976 Orange, Connecticut) beeinflusste als Lehrer, Theoretiker und Künstler die Entwicklung der Kunst des 20. Jahrhunderts enorm. Durch seine Arbeit am Bauhaus, am Black Mountain College und an der University in Yale, USA wurde er als deutscher Vertreter der Kunst vor allem im internationalen Zusammenhang sehr bekannt. Große Schöpfer der zeitgenössischen Kunst, wie Robert Rauschenberg und Richard Serra haben bei Josef Albers studiert. Albers’ Theorien entstanden erst aus der Praxis, dies zeigt sich in seiner Anleitung zum produktiven Sehen, seinem schriftlichen Werk „Interaction of color“ aus dem Jahr 1963 über die Variabilität und die Relativität des Sehprozesses mit Hinsicht auf die Farbe, welches er mit seinen Studenten erarbeitete. Seine bekannteste Werkgruppe „Homage to the Square“ entsteht ab 1949 und bildet in vielerlei Hinsicht den Kern seines Schaffens. Zu Ehren Albers’ wurde im Jahr 1983 das Josef Albers Museum Quadrat in seiner Geburtsstadt Bottrop eröffnet.[3] [4]

Mit der gigantischen Werkfolge „Homage to the Square“ fertigte Albers ab dem Jahr 1949 für 25 Jahre in unterschiedlichen Techniken, in Seriengraphien in Öl auf Papier oder grundierter Leinwand Quadrate in allen erdenklichen Farben und Größen an.[5] Diese Werkgruppe bildet das zentrale Schaffen von Josef Albers. Er erstellt Studien, nutzt verschiedene Farben und übermalt diese wieder. Dieses Arbeiten bildete eine Grundlage für sein Buch „Interaction of Color“, welches rund 14 Jahre später veröffentlicht wird. Im Laufe der Jahre erreicht dieses Buch aufgrund der Wichtigkeit der Werkgruppe immer mehr an Bedeutung. In meiner Arbeit befasse ich mich mit der Werkserie explizit mit dem Exemplar „Departing in Yellow“, um herauszufinden, was diese Werke international so bekannt gemacht hat. Hierbei will ich direkt am Werk selbst Josef Albers’ Kunstauffassung und der damit verbundenen optischen Täuschung und Seherfahrung für den Betrachter eingehen.

2. Arbeitsweise von „Homage to the Square“

Zeitnah mit Albers’ Arbeit als Gastprofessor an der Cincinnati Art Academy und am Pratt Institute in New York begann er 1949 mit seiner riesigen Werkserie „Homage to the Square“. Bis zu seinem Tode im Jahre 1976 entstanden über 1000 Fassungen der heute bekanntesten Quadrate mit ihren verschiedenen Farben und Verhältnisse dieser zueinander.[6]

Zunächst grundierte Albers den Maluntergrund mit einer weißen Grundierung und arbeitete anschließend nur mit industriell hergestellten Tubenfarben. Nie sind Modulationen, Abdunkelungen oder Aufhellungen der Farben auf den Werken zu finden, da ohne Malmittel zur Mischung gearbeitet wurde. Die Farben bleiben uneingeschränkt im Bereich der mittleren Lichtintensität. Vor seinen eigentlichen Ausführungen führte Albers jedes Mal Studien für die möglichen Farbkombinationen durch. Die Farbe selbst trug er mit Spachtel, Pinsel oder Fingern auf. Auf die Rückseite jedes Werkes hinterließ er den Herstellernamen der Farben und die Mengenverhältnisse. Zudem nennt er auch immer die Maßeinheiten und die Verhältnisse der Quadrate zueinander. Das Formschema ist immer das gleiche, es sind geometrisch ineinander gelegte Quadrate, welche von der Bildmittte immer größer werden. Seine Arbeiten basieren immer auf vier Quadraten, erst später nach vielen Studien zu seiner Serie fertigt er auch Werke mit nur drei Quadraten an. Die dargestellten Quadrate sind in einem geometrischen System genau bestimmt, sie sind symmetrisch auf der Vertikalachse und asymmetrisch nach unten verschoben auf der Horizontalachse angeordnet. In verschiedenen Studien versuchte Albers die beste perspektivische Wirkung zu finden und zu erlangen, um diese dann auf seine Werke anzuwenden. Die Abbildungen eins bis vier zeigen seine unterschiedlichen Versuche mit den jeweiligen Maßangaben. Für den Künstler ist das Quadrat selbst nur ein Werkzeug und Transportmittel der Farbe. Er ist dessen bestrebt, die Beeinflussung und Verwandlung durch Veränderungen im Umfeld, der Wechselbeziehungen der Farben innerhalb der einzelnen Studien untereinander zu untersuchen. Auch in Hinblick auf die Auswirkungen für den Betrachter. Die Werke aus der Serie können beliebig und so oft wie möglich reproduziert werden, da alle Angaben zur Farben und Komposition auf der Rückseite der Werke angegeben sind.[7]

3. Albers(’)-Kunst-Sehen

Das mittig zentrierte Gedicht von Josef Albers zu Anfang der Arbeit zeigt seine Beziehung zur Kunst und wie diese im Verhältnis mit dem Sehen wahrgenommen werden kann. Gleichzeitig zeigt es auch das interdisziplinäre Arbeiten des Künstlers, der neben seinen malerischen Fertigkeiten auch poetisch interessiert war. Für Albers ist Kunst nicht ein simpler Gegenstand, Kunst kann für ihn alles sein. Nach Albers muss die Kunst etwas sein, was den Menschen tief berührt und bewegt, sodass es ein wahrer Genuss bzw. ein Erlebnis für den Betrachter ist. Diese Gedanken äußert er immer wieder:

To open eyes. Das war mein Ziel und ist es noch immer. Genau dies möchte ich mit all meinen Bildern erreichen. Sehen soll Aktiv werden. Nicht nur passives Über-sich-ergehen-lassen, sondern selbst sehen, suchen, fühlen, erkennen, erleben. Ja: Man kann kreativ sehen lernen.[8]

Diese Aussage Albers’ verdeutlicht, dass für ihn beim Betrachten von Kunst nicht nur der Sehsinn angesprochen wird. Kunst soll mit allen Sinnen wahrgenommen werden, denn bei der Kunst, explizit bei Albers’ Werken, soll das Sehen eine aktive Rolle beim Betrachten einnehmen und Vergnügen bereiten. Seine Kunst soll die Kreativität des Publikums anregen sowie einen belehrenden und schulenden Charakter haben.

In visueller Wahrnehmung wird eine Farbe beinahe niemals als das gesehen, was sie wirklich ist, das heißt als das was sie physikalisch ist. Dadurch wird die Farbe zum relativsten Mittel der Kunst. Um Farbe mit Erfolg anzuwenden, muß [sic] man erkennen, daß [sic] Farbe fortwährend täuscht.[9]

Dieses Zitat des Künstlers verdeutlicht die intensive Auseinandersetzung mit dem wohl wichtigsten Instrument der Malerei, der Farbe, welche Albers unter allen Gesichtspunkten erkundet und erforscht. Um die Farbe erfolgreich anzuwenden, setzt er voraus, dass der Künstler selbst grundsätzlich verstehen muss, dass die Farbe immer eine visuelle Illusion hervorruft. Diese Faszination der Farbe mit ihren Wandelbarkeiten verdeutlicht dieses Zitat:

Kunst als nach-retinales Phänomen erzeugt in sensitivenAugen und/ oder empfänglichem Geist etwas Nachhaltigeres als optische Überraschung oder Täuschung. Das setzt natürlich die Fähigkeit voraus, z.B. zu erkennen, daß [sic] die Erscheinung von Farben ständig variiert in Wechselwirkung mit anderen Farben. Dies bedeutet, dass Farbe dauernd abhängig vom Wechsel in Licht, Form und Placierung [sic], daß [sic] sie mit anderen weiter beeinflußt [sic] wird durch Quantität, d.h. durch Ausmaß und Anzahl bzw. Ausdehnung und Wiederholung.[10]

Um sich grundsätzlich mit Kunst auseinander zu setzen zu können, sollte der Betrachter aufgeschlossen sein, um so das Zusammenspiel von Farben, Formen, Linien und Flächen wahrzunehmen und verstehen zu können. Hinter einer optischen Täuschung steht nach Albers immer ein tieferer Sinn.

Demzufolge trifft auf das Betrachten der Farbe zu, was Kandinsky oftmals für das Betrachten von Kunstwerken sagt: Nicht das Was zählt, sondern das Wie.[11] Dieses Zitat von Josef Albers zeigt nicht nur, wie sehr dieser seine Kollegen der zeitgenössischen Kunst bewundert und respektiert hat, sondern auch die Wichtigkeit des Betrachtens der Farbe.

„Gute Malerei, gute Farbgestaltung, läßt [sic] sich mit gutem Kochen vergleichen. Auch ein gutes Kochrezept verlangt wiederholtes Kosten. Und das beste Probieren hängt ab von einem Koch mit Geschmack.“[12] In Albers’ Vergleich der Malerei mit dem Kochen zeigt er auf, dass die beste Malerei und somit das Wissen und das Verfahren immer wieder in Frage gestellt werden muss, um sie mit Verbesserungen und verschiedenen Versuchen zu optimieren. Dies ist abhängig vom Künstler und seinen Kenntnissen über Farbe. Außerdem beschreibt es die Arbeitsweise Albers’, die sehr experimentell gestaltet ist, seine Farbgestaltung verzeichnet er wie ein Rezept auf jeder Ruckseite seiner Bilder. Das folgende Zitat unterstreicht seine Methode des Schaffens: „ Noch einmal: Wissen und seine Anwendung ist nicht unser Ziel. Stattdessen: flexible Phantasie, Entdecken, Erfinden – Geschmack.[13] Es verdeutlicht den Prozess bis hin zu einem fertigen Werk, welche auch nur Studien wie zu seiner Werkserie zu „Homage to the Square“ sein können.

Farben erscheinen in einem konstanten Wechsel, weil immerfort auf wechselnde Umgebung und/ oder wechselnde psychische Bedingungen bezogen.“[14] Diese Aussage erörtert, wie fasziniert Albers von der Wandelbarkeit der Farbe ist, denn in verschiedenen Farbumgebungen kann eine Farbe immer eine unterschiedliche Assoziation beim Betrachter hervorrufen. Dieses Phänomen versucht der Künstler mit einem Beispiel aus dem alltäglichen Leben zu verknüpfen, er vergleich ganz direkt die Farbe mit dem Menschen:

Ich glaube, Kunst ist eine Parallele zum Leben; sie ist kein Bericht über Natur oder eine intime Enthüllung verborgener Geheimnisse. Meiner Meinung nach verhält sich Farbe wie ein Mensch – auf zwei unterschiedliche Weisen: zuerst hinsichtlich der Selbstverwirklichung und dann hinsichtlich der Verwirklichung von Beziehungen zu anderen. [15]

Bezogen auf die Farbe bedeutet dies, dass eine Farbe an sich selbst eine eigene Wirkung aufweist, doch in direkter Beziehung zu anderen Farben kann diese eine ganz andere Wirkung erzeugen.

[...]


[1] DONAHUE, Kenneth; HOPKINS, Henry T.; Josef Albers - white line squares : this exhibition will be circulated internationally / by the Los Angeles County Mus. of Art; Los Angeles, Calif.: Gemini; 1966; Seite 11.

[2] Vgl.: BROCKHAUS; Brockhaus-Enzyklopädie (siebzehnter Band SCHR-STAL), Wiesbaden Auflage 17; 1973; Seite 253.

[3] Vgl.: ADOLPHS, Volker; Josef Albers. Werke auf Papier; Wienand; Köln; 1998; Seite 7-8.

[4] Vgl.: http://www.bottrop.de/mq/geschichte/113010100000083753.php

[5] Vgl.: ADOLPHS, Volker; Josef Albers. Werke auf Papier; Wienand; Köln; 1998; Seite 36.

[6] Vgl.: ADOLPHS,Volker [Hrsg.]; Josef Albers. Werke auf Papier; Wienand; Köln; 1998; Seite 36.

[7] Vgl.: Ebd.; Seite 35-39.

[8] ALBERS, Josef; Interaction of Color. Grundlegung einer Didaktik des Sehens; Verlag M.DuMont Schauberg; Köln; 1979; Seite 11.

[9] Ebd.; Seite 15.

[10] SCHWARZ, Michael; Josef Albers.Bilder; Hamburg; 1970; Seite 34.

[11] ALBERS, Josef; Interaction of Color. Grundlegung einer Didaktik des Sehens; Verlag M.DuMont Schauberg; Köln; 1979; Seite 29.

[12] Ebd.; Seite 74.

[13] Ebd.; Seite 74.

[14] Ebd.; Seite 29.

[15] ROSENTHAL, T.G.; Josef Albers - Formulation : Articulation; Seemann; Leipzig; 2006; Seite 161, ll:17.

Details

Seiten
18
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783668468238
ISBN (Buch)
9783668468245
Dateigröße
851 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v367874
Institution / Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin
Note
2,0
Schlagworte
Sehen Departing in Yellow Homage to the Square Josef Albers Kunst Interation of Color

Autor

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